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Freitag, 29. März 2024

Pixies - Kentish Forum - London - 17.03.24

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Konzert: Pixies
Ort: London - Kentish Forum
Datum: 17.03.2024
Dauer: 120
Zuschauer: 1700 ausverkauft



Gleich zwei Alben in voller Länge präsentieren Pixies auf ihrer, gerade gestarteten und sehr langen Tour, in 2024. Zunächst Bossanova, bei Veröffentlichung damals von vielen verschmäht und erst im Rückblick als Meisterwerk geadelt. Und den Nachfolger Trompe le Monde, der mit stilistischen Kabinettstücken und einem surfigerem Sound daherkam. 

Doch es sollte nicht die einzige Überraschung bleiben. Kurz vor Tourstart wurde Emma Richardson (former "Band of Skulls") als zukünftige Bassistin vorgestellt.  Vielen hatten in den letzten Jahren Paz Lenchantin ins Herz geschlossen, ihr Lächeln und ihre Blumen am Bass waren bezaubernd. Nun folgt mit Emma eine etwas rauere und androgynere Person. Mir gefiel es aber sehr gut, trotzdem war die Nervosität noch spürbar, alleine an diesem Abend standen nicht weniger als 33 Songs auf der Setlist. 


Black Francis schien das wenig auszumachen. In bester Laune beginnt er noch vor dem ersten Song ausladend zu plaudern, ansonsten ja eine absolute Seltenheit. Und so schwingt man durch die ersten 14 Songs und wundert sich, wie viele man davon, trotz regelmäßiger Tour Besuche, noch nie live gehört hat. Besonders "Dig for fire" ragt heraus. aber auch "Stormy Weather" bekommt eine komplett überarbeitete Version. 

Ohne Pause folgen die nächsten Perlen: "Alex Eiffel" und besonders die letzten Songs von Trompe le Monde klingen neu und frisch. Es bleibt aber ein Set für Fans, zu viele Kracher fehlen. Mal sehen, ob sich das im Sommer noch verändert. 


Als Zugabe präsentiert die Band zunächst einen neuen Song: "Vegas Suite". Danach dann doch noch drei Hits aus den ersten Alben, wobei Francis sogar die Ruhe bewahrt, als sich die Band ganze drei "false starts" bei "Here comes your man" leistet. 

Es macht immer Spaß die Pixies live zu sehen. Wenn sie dann selber auch noch Freude daran haben, umso besser. Klare Empfehlung. In Deutschland dieses Jahr leider nur am 08.08.2024 in Schwetzingen zu erleben. 


 

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Pixies, Luxemburg, 17.10.19

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Konzert: Pixies
Ort: Luxexpo The Box, Luxemburg
Datum: 17.10.2019
Dauer: Pixies 120 min, Blood Red Shoes 30 min
Zuschauer: vielleicht 2.500



In den Nachbarhallen der The Box fand die Home Expo 2019 statt, die Luxemburgische Messe "rund ums Wohnen und alles was dazu gehört." Während wir auf die Vorgruppe warteten, stellte ich mir vor, wie die Pixies die Zeit vor dem Konzert nutzten, um zwischen den Ständen entlang zu schlenderten und Deko-Kissen für die Lieben zu Hause zu kaufen. Hätte ich sie nicht schon in Köln gesehen, hätte ich den Kerzenleuchter, der vorne am Bühnenrand stand, für einen Messe-Einkauf gehalten.

Daß ich die Pixies bei dieser Tour noch einmal sehen wollte, hing zwar auch damit zusammen, wie kurzweilig und gut das Kölner Konzert war, vor allem aber mit den ständig durchgemischten Setlisten. Im Palladium hatten die Amerikaner 39 Lieder gespielt, dabei aber zum Beispiel Monkey gone to heaven ausgelassen. Obwohl sie 11 von 12 Stücken der neuen Platte im Programm hatten, lag der Schwerpunkt des Konzerts auf Liedern der ersten drei Alben und der ersten EP. Noch einmal das gleiche Programm zu erleben, schien so abwegig wie meine Deko-Kissen-Phantasie. 

Um Punkt acht begannen die Blood Red Shoes ihren Support. Ich hatte mich sehr über die Nachricht gefreut, daß das britische Duo die Tour-Vorgruppe sein würde - sie sind nicht Lush, sie sind aber auch eine Band, die ich sehr mag, auch wenn ich sie aus dem Auge verloren habe. So weit, daß ich nicht mal mitbekommen hatte, daß Laura-Mary und Steven jetzt von einer Bassistin und einem Keyboarder begleitet werden. Bei der Bassistin handelt es sich um Ayse Hassan von den fantastischen Savages. Während des Köln-Konzerts war mir das noch nicht aufgefallen.


Ich kannte in Köln auch nicht viele ihrer Lieder, das war aber egal, die Band klang wie früher (ein vollkommen unvergiftetes Kompliment), ich hatte aber großen Spaß. Das Programm in Luxemburg war das gleiche wie in Köln, nur Howl und God complex hatten die Plätze getauscht. Die Blood Red Shoes haben auf ihrer Support-Tour der Pixies mit einer Ausnahme (Colours fade) nur Lieder von 2018 oder neuer gespielt.


Bei Konzerten mit langer Anfahrt sind Vorgruppen oft lästig, die Blood Red Shoes hätten gerne länger als eine halbe Stunde spielen dürfen.

Setlist Blood Red Shoes, Luxexpo The Box, Luxemburg:

01: Elijah
02: God complex
03: Mexican dress
04: Howl
05: Eye to eye
06: Bangsar
07: Colours fade


Nach den Blood Red Shoes füllte sich die Messehalle merklich. Unsere Bedenken, der Saal könne nur halbvoll bleiben, waren Quatsch. Die Pixies haben bei dieser Tour auf jegliche Bühnendeko (außer dem Kerzenleuchter) verzichtet. Geht ja auch ohne. Die offene Bühne ohne Leinwand oder anderen Hintergrund sorgte aber dafür, daß man hinter den Musikern noch eine ganze Menge Halle sehen konnte. Das - und die Büros unter dem Hallendach neben der Bühne sahen merkwürdig aus.

Einige Sachen waren exakt gleich wie anderthalb Wochen vorher: die Pixies kamen um Punkt neun auf die Bühne, begannen im Dunkeln mit dem fantastischen Cecila Ann und danach einigen der Schrei-Liedern. Ich weiß nicht, wie die Ansage an die Fotografen war. Wenn es die üblichen drei Lieder waren, profitierten sie davon, daß die Securities nicht sehr tief im Pixies-Katalog steckten. Die Fotografen durften sechs Lieder im Graben verbringen. Da die aber alle kurz und schnell nacheinander abgefeuert wurden, hätten es eben auch zwei oder drei sein können.

Ein Freund hatte vor Köln berichtet, daß die Band bereits 60 verschiedene Lieder auf der Europa-Tour gespielt habe. In Luxemburg waren sieben Stücke im Programm, die in Köln nicht gespielt wurden, das The Jesus and Mary Chain Cover Head on, das fehlende Stück der neuen Platte (Silver bullet - das ist fantastisch!), Something against you, Bel esprit, Crackity Jones (bevor Du bei setlist.fm recherchierst, daß das auch in Köln auf der Setliste stand, Oliver, tat es vielleicht, gespielt wurde es aber nicht), Tame und Monkey gone to heaven. Dafür fehlten (haha) Rock music, Break my body, Motorway to Roswell, No. 13 baby, Snakes und Ana.



Bei Monkey gone to heaven fiel mir auf, daß das Lied weit weniger Begeisterung auslöste als der andere große Hit Where is my mind? Verstanden habe ich das nicht. Liegt das daran, daß Where is my mind? auf dem Fight Club Soundtrack und daher viel bekannter ist? Es war jedenfalls für mich sehr deutlich, wie unterschiedlich die Stücke ankamen. Aber bester Song beider Konzerte war ohnehin die herrlich langgezogene Version von Gouge away.


Debaser war wieder der Abschluß, diesmal aber ganz normal als letztes Lied und nicht nach einer kleinen Schauspiel-Einlage. 

Setlist Pixies, Luxexpo The Box, Luxemburg:

01: Cecilia Ann (The Surftones Cover)
02: St. Nazaire
03: Brick is red
04: Caribou
05: Something against you
06: Isla de Encanta
07: Los surfers muertos
08: Gouge away
09: Bel esprit
10: Wave of mutilation
11: I've been tired
12: Planet of sound
13: Cactus
14: Ready for love
15: Nimrod's son
16: Silver bullet
17: Havalina
18: All the saints
19: Death horizon
20: Here comes your man
21: Bird of prey
22: Vamos
23: Where is my mind?
24: Winterlong (Neil Young Cover)
25: On graveyard hill
26: Monkey gone to heaven
27: Hey
28: Mr. Grieves
29: River Euphrates
30: Tame
31: Long rider
32: Crackity Jones
33: Head on (The Jesus and Mary Chain Cover)
34: Velouria
35: This is my fate
36: Catfish Kate
37: The holiday song
38: In the arms of Mrs. Mark of Cain
39: Daniel Boone
40: Debaser 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Köln, 07.10.19
- Pixies, Berlin, 18.07.16
- Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Blood Red Shoes, Köln, 07.10.19
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07

 


Dienstag, 8. Oktober 2019

Pixies, Köln, 07.10.19

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Konzert: Pixies
Ort: Palladium, Köln
Datum: 07.10.2019
Dauer: Pixies gut 120 min, Blood Red Shoes 30 min
Zuschauer: vielleicht 3.000 (nicht ausverkauft)

 

Einmal dachte ich, Black Francis wolle doch mit uns reden. "Hey!" - lange Pause. Aber es war nur der langezogene Anfang des Lieds von Doolittle, dem 1989er Pixies-Album. The Pixies don't do Ansagen.  
Vor wenigen Wochen ist das siebte Studio-Album der Bostoner Band erschienen, das mir recht gut gefällt. Daß ich es in 31, 30 oder 29 Jahren noch so oft höre wie jetzt Surfer Rosa, Doolittle und Bossanova, glaube ich aber nicht. Ende der 80er waren die Pixies eine der wichtigsten Bands meines Lebens und weil ich mich musikalisch nicht wirklich weiterentwickelt habe, sind sie es immer noch. Ob ich sie auf der aktuellen Tour sehe, war dann auch nicht die Frage, "wo?" und "wie oft?" waren es. Das Palladium stand nicht auf meiner Wunschliste, die Termine in Utrecht und Tilburg funktionierten nicht. Und da ich es als unhöflich empfand, eine Band, die eine riesige Masse an Liedern für die Tour geprobt hat und damit so deutlich dazu aufruft, sie mehrfach zu sehen, nur einmal zu besuchen, kam dann doch noch Köln dazu.*

Als die drei Ur-Mitglieder Black Francis, Joey Santiago und David Lovering und Paz Lenchantin, die seit 2014 den beiden Kims nachfolgt und seit 2016 festes Bandmitglied ist, um 23 Uhr von der Bühne gingen, hatten wir zwei Stunden Pixies hinter uns, 39 Lieder, elf von der neuen Platte, 23 von vor der Wiedervereinigung (Deutschlands, nicht der der Pixies). Sehr viel besser kann ein Konzert alter Helden mit passabler neuer Platte nicht sein. Na gut, es hätte eine halbe Stunde und zehn Lieder länger sein können (Allison, All over the world, Monkey gone to heaven, Tame, Indy Cindy**, Gigantic, La la love you, Is she weird... und Silver bullet, damit Beneath the Eyrie komplett gewesen wäre).

Gottseidank hatte ich die Pixies auch mit der fantastischen Kim Deal gesehen, daher kann ich jetzt nämlich guten Gewissens den Kopf schütteln, wenn Musikexperten die Band meiden, weil Kim nicht mehr dabei ist. Sowohl die vergangene Woche gestorbene Kurzzeit-Bassistin Kim Shattuck, die ich auf der einen Tour, die sie spielte, zweimal sehen konnte (in Brüssel und Luxemburg) als auch Paz sind (und waren) so hervorragende Musikerinnen, daß es infam wäre, die Pixies quasi ihretwegen zu meiden.


Das Konzert begann auf einer sehr düsteren Bühne. Die Bandmitglieder standen mit dem Rücken zu uns und spielten Cecilia Ann, den Beginn von Bossanova. Das live zu hören, erhoffe ich mir seit 1990. Die Live-Version war nicht lebensverändernd, meinetwegen hätten danach aber nur noch Flippers-Cover folgen dürfen, ich hätte kein dramatisch schlimmes Konzert mehr gesehen. Auf Cecilia Ann folgte eine Schrei-Phase mit St. Nazaire vom neuen Album und Rock music, um danach in eine bunte Mischung aus Hits aus den 80ern, 90ern und von heute überzugehen. Daß so viel von der ersten EP Come on pilgrim dabei war (alle bis auf Ed is dead und Levitate me), mit dem Neil-Young-Cover Winterlong eine B-Seite und einige andere für mich nicht erwartbare Lieder (ich war bewußt unvorbereitet), war ganz großartig. Daß es gut klang und wegen der fehlenden Pausen wenig Zeit zum Luftholen oder zum rhythmischen Klatschen blieb, kam dazu. Das war schon ziemlich gut.  

Vorher hatten wir bereits zwei Bands gesehen. Beim Warten auf den Einlass (das Palladium hatte 18:30 h, Facebook 19:00 h geschrieben) ging plötzlich eine sechsköpfige Blaskapelle an den Warteschlangen von Palladium und E-Werk vorbei, vermutlich die Vor- oder Begleitgruppe der Band im E-Werk (was Kölsches). Eine schöne Idee!  

Pünktlich um acht hatten die Blood Red Shoes das offizielle Vorprogramm bestritten. Ich habe das englische Duo Laura-Mary und Steven so lange nicht mehr gesehen, daß ich gar nicht mitbekommen habe, daß sie jetzt ein vierköpfiges Duo sind. Eine Bassistin und ein an Buffys Spike erinnernder Keyboarder ergänzten Laura-Mary und Steven. Gerade vom Keyboard bzw. Elektro-Drumpad des neuen Manns habe ich nichts gehört, es klang wie immer (unten ist eine Liste, die dieses "Immer" näher fasst). Ich hatte mich sehr auf die Blood Red Shoes gefreut, die ich 2007 mit 23 anderen (Crew incl.) im Gebäude 9 zum ersten Mal gesehen hatte. Und die Freude wurde nicht enttäuscht, die halbe Stunde war hoch unterhaltsam und zu kurz.

Setlist Pixies, Palladium, Köln:

01: Cecilia Ann (The Surftones Cover)
02: St. Nazaire
03: Rock music
04: Isla de Encanta
05: Brick is red
06: Break my body
07: Los surfers muertos
08: Caribou
09: Gouge away
10: On graveyard hill
11: Wave of mutilation
12: Planet of sound
13: Bird of prey
14: Nimrod's son
15: Ready for love
16: The holiday song
17: Here comes you man
18: Motorway to Roswell
19: Cactus
20: No. 13 baby
21: I've been tired
22: Long rider
23: River Euphrates
24: Where is my mind?
25: All the saints
26: Ana
27: Death horizon
28: Vamos
29: Mr. Grieves
30: Daniel Boone
31: Velouria
32: Snakes
33: This is my fate
34: Catfish Kate
35: Winterlong (Neil Young Cover)
36: In the arms of Mrs. Mark of Cain
37: Havalina
38: Hey

39: Debaser (Z)

Setlist Blood Red Shoes folgt.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Berlin, 18.07.16
- Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07


* "dazu" = Luxemburg
** Ich mag das wirklich!




Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Dienstag, 19. Juli 2016

Pixies (& Lush), Berlin, 18.07.16

1 Kommentare

Konzert: Pixies (& Lush)
Ort: Zitadelle Spandau, Berlin
Datum: 18.07.2016
Dauer: Pixies gut 90 min, Lush 45 min
Zuschauer: knapp 4.000 (nicht ausverkauft)



Einer der beiden Security-Männer am Eingang des Fotograbens schüttelte bei jedem Pixies-Song den Kopf und lachte immer wieder, er fand die Lieder der amerikanischen Band grausam und machte Witze über die euphorischen Reaktionen des Publikums. Daß gerade, als er seinem Kollegen breit grinsend irgendetwas sagte, La la love you mit den Pfeif-Soli startete, machte es den Pixies nicht einfacher, bei ihm zu punkten. Ein paar Sekunden lang versuchte ich, objektiv zu sein und fragte mich, ob er nicht vielleicht recht hatte und wir hier Quatsch feierten.

Bei 50% der Stücke brüllt Frank Black, viele fangen mit "This is a song about..." an. Und dann Indie Cindy! Warum mag ich die Pixies eigentlich so? Sie waren Ende der 80er Jahre wichtiger, manchmal wichtigster Teil meiner musikalischen Sozialisation. Aber deshalb muß ich sie ja heute nicht mehr hören und mögen. "La la love you?" Bitte!


Nach anderthalb Stunden Pixies wusste ich wieder, warum ich die Band aus Boston so liebe. Naja, zumindest, daß ich sie liebe. Unverändert. 

Wegen der Pixies wäre ich allerdings nicht nach Berlin gefahren. Das Ticket war schrecklich teuer - und die Band ist immer mal wieder irgendwo zu sehen, auch wenn sie einen großen Bogen um deutsche Konzertsäle macht. Meine Reiseentscheidung fiel erst, als Lush als Support angekündigt wurden. Meine ersten vier Konzerte meiner liebsten Lieblingsband waren brillant und ich hatte bei weitem noch nicht genug.

Als wir eine gute halbe Stunde vor Lush im Innenhof der Zitadelle in Spandau ankamen, war peinlich wenig los. Open Air im Sommer bedeutet leider auch, daß die Band noch sieht, wie wenig los ist. Gottseidank füllte es sich noch etwas, sodaß der Innenhof der Befestigungsanlage nicht zu peinlich aussah.

Lush hatten zuletzt 1990 in Berlin gespielt, sagte Miki am Anfang der "4AD reunion." Ich kannte eine Menge Leute, die wegen der britischen Band nach Berlin gereist waren. Es war also für einen guten Teil des Publikums nicht bloß eine lästige Vorgruppe sondern der Hauptgrund, den Abend in Spandau zu verbringen.

Seit April habe ich Lush schon viermal gesehen - Nachholbedarf... Jedes der Konzerte war hervorragend. Ich hatte irre hohe Erwartungen an die Band, auf die ich live mehr als zwei Jahrzehnte gewartet hatte. Und die Konzerte liefen nicht bloß glimpflich ab, sie übererfüllten meine Wünsche. Vor der Show in Berlin war ich ein wenig ängstlich, ob die gleiche Setlist auch ein fünftes Mal funktionieren würde. Aber es war wie immer (daß ich das mal bei Lush sagen kann!), ein paar Takte De-luxe und alles war prima!


In dem verkürzten Set gab es keine Überraschungen, also keine neuen Songs, außerdem fehlten ein paar Live-Lieblinge wie Thoughtforms, Etheriel oder Desire lines. Der Rest war neu durchgemischt, klang brillant und funktionierte bei mir auch beim fünften Mal genauso wie seit Jahren auf Platte! 


Vor vier Wochen beim Primavera Festival hatte ich Gitarristin Emma und Bassist Phil interviewt und nach ihrer Lush-Planung gefragt. Eine Platte ist das Ziel, aber sie lebten zur Zeit sehr augenblickbezogen. Alle vier - die drei Mitglieder von damals, Emma Anderson, Miki Berenyi und Phil King und der neue Drummer Justin Welch (Ex-Elastica und der beste Freund des Lush-Schlagzeugers Chris Acland) - haben Jobs und Familien. Der wundervolle Spuk kann also schnell wieder vorbei sein. 


Auch das Konzert war (Übergang deluxe) viel zu schnell vorbei. Aber ganz ehrlich... das war jede Anreise wert! Kiss chase, Sweetness and light, Light from a dead star, Hypocrite, For love... was für Kunstwerke! Glücklicherweise habe ich noch Lush-Tickets für den Herbst. Die Band wird nämlich immer besser. Besonders fasziniert mich Justin. Der Schlagzeuger mußte nicht nur das ganze Repertoire seiner neuen Band sondern auch den Stil seines verstorbenen Freunds Chris lernen. Ich beachte Schlagzeuger immer viel zu wenig, das ist ihr Schicksal, weil sie hinten sitzen. Justin Welch zuzusehen, war ein riesiges Vergnügen!

Ach hätten doch Nirvana nicht den Shoegaze auf dem Gewissen, hätten Lush sicher den Stellenwert, den sie verdienen!

Setlist Lush, Zitadelle Spandau, Berlin:

01: De-luxe
02: Breeze
03: Hypocrite
04: Kiss chase
05: Light from a dead star
06: Scarlet
07: Lit up
08: Out of control
09: For love
10: Ladykillers
11: Downer
12: Sweetness and light



Auch die ganz große Karriere der Pixies haben vermutlich Nirvana auf dem Gewissen. Obwohl die beiden Stile Grunge und Pixiestil sehr ähnlich sind, konnte ich mit Grunge nie viel anfangen, während die Pixies immer meine Helden blieben. Daß das auch heute noch gilt, zeigten mir meine letzten Pixies-Shows 2013 und 14. Die 3-EP-Platte Indie Cindy von 2014 mochte ich, gehört habe ich sie aber kaum. Die Konzerte beim Primavera und in Belgien und Luxemburg hatte ich gesehen, weil es schließlich die Pixies sind, hinterher war ich aber jeweils überrascht, wie sehr mich die kauzige Band immer noch begeistern kann.


Auch das Ausscheiden von Kim Deal hat da keinen bleibenden Schaden hinterlassen. Natürlich war das traurig, bei der Neubesetzung der Stelle haben die Pixies aber ein hervorragendes Händchen bewiesen. Erst nahm Kim Shattuck Kims Platz ein und machte das aus meiner Sicht sehr gut. Sie war aber zu sehr Rock'n'roll für die drei älteren Herren neben ihr. Nach einem Sprung ins Publikum (glaube ich), flog sie mit der sehr souverränen Begründung "The Pixies don't do this" wieder raus. Neue Bassistin wurde Paz Lenchantin. Paz hatte vorne am Bass eine Dekoblüte angebracht. Das machen die Pixies offenbar. Oder Frank Black, Joey Santiago und David Lovering sind zu begeistert von der Frau mit dem glücklichen Lachen, daß sie milder werden.


Das Konzert ist eigentlich schnell beschrieben: um 20:15 Uhr trat die Band auf, stimmte Wave auf mutilation an, wechselte alle drei Minuten zum nächsten Riesenhit, ohne Pausen oder Ansagen oder solchen Quatsch und endete nach 30 Liedern mit Debaser. Dann noch flott Planet of sound als Zugabe und das grandiose Konzert war gespielt.

Vom neuen Album, das erst Ende September erscheint, spielten die Pixies vier Songs. Vorher hatte ich keinen von denen gehört. Trotzdem war die bereits vorgestellte Vorab-Single das Stück, das am ehesten hängenblieb: Um chagga lagga. Baal's back ist einer der Schrei-Songs, Classic masher und Head carrier sind nicht genug haftengeblieben beim ersten Mal.

Neben dem Jesus And Mary Chain Cover Head on von Trompe le Monde (dessen Original Lushs Phil King als JAMC-Bassist zigmal gespielt hat) spielten die Amerikaner das Instrumental-Stück Velvety (eine Dig for fire B-Seite). Ansonsten lag der Schwerpunkt auf alten Sachen von Doolittle und Surfer Rosa.


Ach, es ist ja doch ein großes Glück, daß man Musik nicht erklären oder seinen hervorragenden Musikgeschmack nicht rechtfertigen muß! Warum 4.000 Menschen so begeistert von dieser komischen Band waren, hätte ich dem Ordner nicht erklären können. Und da pfeife ich drauf! La la love them!

Setlist Pixies, Zitadelle Spandau, Berlin:

01: Wave of mutilation
02: Bone machine
03: River Euphrates
04: Break my body
05: Classic masher (neu)
06: Monkey gone to heaven
07: Head carrier (neu)
08: Subbacultcha
09: Hey
10: Gouge away
11: Velouria
12: Snakes
13: Brick is red
14: Indie Cindy
15: Mr. Grieves
16: The holiday song
17: Vamos
18: Where is my mind?
19: Here comes your man
20: La la love you
21: Velvety
22: Head on (The Jesus And Mary Chain Cover)
23: Rock music
24: Baal's back (neu)
25: Um chagga lagga (neu)
26: Tony's theme
27: I've been tired

28: Tame
29: Caribou
30: Debaser

31: Planet of sound (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
-
Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Lush, Barcelona, 03.06.16
- Lush, London, 07.05.16 
- Lush, London, 06.05.16
- Lush, London, 11.04.16
- unser Interview mit Lush (03.06.16)



Donnerstag, 26. Juni 2014

Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek, 20.06.14

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Konzert: Interpol, Pixies u.a. (BKS Tag 1)
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 20.06.2014
Zuschauer: 15.000 - 20.000

 

von Dirk aus Mönchengladbach / Fotos: Michael Graef*

Nach dem furiosen Festivalstart im letzten Jahr (siehe hier) war klar, dass auch in diesem Jahr ein Pflichtbesuch in Tilburg folgen würde. Das Festival zeigte sich auch 2014 mit allen schon beschriebenen Schönheiten (Bungalows, See, spezielles Food-LineUp ohne Fastfood, Strand und Zeltbühnen) zusätzlich kamen aber noch ein münzloses Bezahlsystem (Chip am Armband) sowie 2 weitere, kleinere Bühnen hinzu. 

Auch wenn es unglaublich klingt: selbst am dritten Tag sieht das Gelände aus wie geleckt, es liegt nichts auf dem Boden die Bäume sind mit Pee-Trees bestückt und erleichtern zumindest den Herren den Harndrang. 

Da das Booking in Zusammenarbeit mit den Hurricane/Southside Machern läuft und am gleichen Wochenende stattfindet, kann man hier einen Indie-Extrakt dieser Festivals in viel schönerer Atmosphäre ohne die großen Headliner genießen. 

Einige Berichte hat Christoph (der nur am Samstag anwesend war) ja schon online gestellt. Von mir jetzt der Rest. Hier zunächst Tag 1:

Der Freitag beginnt mit To Kill a King deren Debütplatte mir beim Vorhören direkt gut gefallen hatte. Live noch etwas gitarrenlastiger, mit einem tollen Sänger der sogar in der Mittagszeit auf der Hauptbühne überzeugen konnte. Wird sich in den nächsten Monaten zu etwas Größerem entwickeln, zumal die Band in UK zur Zeit in allen Zeitungen auftaucht. 


Ohne Pause weiter zu den Circa Waves, die in bester Two Door Cinema Tradition Ihre Indie-Hymnen ins Zirkuszelt knallen…Jeder Song ein Hit, viele junge Damen himmeln die blutjungen Musiker an, es wird getanzt und am Ende bleiben alle zufrieden zurück, ein starker Auftritt. 

James Blake zeigt danach auf der Hauptbühne, dass er auch bei Tageslicht wenig von seiner Intensität verliert, das ganze kommt beatlastiger aber auch viel professioneller daher als letztes Jahr - bis zum Ende fesseln kann es aber nicht. 

Es gilt die Aufmerksamkeit auf etwas Spezielleres zu richten. Für 20:30 wird kurzfristig eine Signiersession mit dem heutigen Headliner, den Pixies angekündigt. Ein Traum wird wahr. Da sitzen Sie nun, wie immer kein Wort für einander (auch später auf der Bühne wird dies so bleiben) und auch die neue Bassistin darf nicht mitmachen. Drummer Dave Lovering sieht aus wie ein Opa mit seinem Haarkranz und seinem weißen Jacket. Black lächelt entrückt mit seiner viel zu kleinen Sonnenbrille auf seinem riesigen, kahlen Schädel. 

Mir geht das Herz auf, Besucher aus halb Europa stehen in der Schlange und erzählen einander ihre ganz eigenen Pixies-Geschichten aus den jungen `90ern. Es ist wie beim Klassentreffen, nur mit netteren Leuten. 


Danach zu Interpol, hier im kleineren Zelt vor ca. 4.000 Leuten mit einem (fast) reinen Best-Of Set und (fast) keinem neuen Stück. Auch hier zählt eher der Nostalgiebonus, allerdings erst der der letzten 10 Jahre. Die Band ist nach dem Ausstieg von Bassist Carlos Dengler immer noch am Schneideweg zwischen reiner Jukebox und neuem Album. Sie werden sich entscheiden müssen, die neue CD erscheint im September. Die alten Songs glänzen allerdings immer noch und New York wird immer einer meiner Lieblingssongs bleiben… 

Setlist Interpol, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek: 

01: Say Hello to the Angels 
02: Evil 
03: C'mere 
04: My Desire 
05: Hands Away 
06: Not Even Jail 
07: Obstacle 1 
08: NYC 
09: Anywhere 
10: Narc 
11: Take You on a Cruise 
12: All the Rage Back Home 
13: PDA 
14: Slow Hands



Den Rausschmeißer machen am ersten Abend die Pixies und sie machen alles richtig. Kein Schnickschnack, 23 Songs, davon 9 von Doolittle, ansonsten ein bunter Mix aller Alben bringen mich in extreme Tanzlaune und nicht wenige junge Besucher werden sich die Augen gerieben haben: Die Wucht und extremen Individuen der Band sind auch für Laien ein Augenschmaus…von der „historischen“ Bedeutung für die Musikgeschichte und den tollen Songs mal ganz abgesehen. Ohne die Pixies würde es vielleicht dieses ganze Festival mit seiner Musikausrichtung nicht geben, mindestens. 

Setlist Pixies, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek: 

01: Bone Machine 
02: Wave of Mutilation 
03: U-Mass 
04: Hey 
05: Gouge Away 
06: Bagboy 
07: Crackity Jones 
08: Mr. Grieves 
09: Magdalena 318 
10: Caribou 
11: Velouria 
12: Ed Is Dead 
13: Indie Cindy 
14: Nimrod's Son 
15: Here Comes Your Man 
16: La La Love You 
17: Greens and Blues 
18: Where Is My Mind? 
19: Rock Music 
20: Isla de Encanta 
21: Monkey Gone to Heaven 
22: Debaser 
23: Vamos 


* Pixies-Foto oben: Archiv Christoph



Sonntag, 1. Juni 2014

Pixies, Barcelona, 30.05.14

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Konzert:  Pixies
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 30.05.2014
Dauer: gut 80 min
Zuschauer: Tausende (wie bei den meisten Hauptbühnekonzerten)
 
 

Nachdem die Pixies Velouria (einen meiner Lieblingssongs, den aber kaum jemand sonst richtig mag) lieblos runtergerotzt hatten (sie mögen ihn wohl auch nicht), war ich skeptisch, ob mir der Rest des Konzerts noch gefallen würde. Hätten die beiden Haim-Schwestern (vor allem die schreckliche Bassistin) da schon im Fotograben gestanden und getanzt, hätte ich wohl nicht mehr die Kurve bekommen. Die Pixies sind aber eben die Pixies und verfügen über mehr Riesenhits, als alle kommerziellen Radiosender in einen Jahrzehnt spielen können und machten aus der bis dahin leicht zähen wieder eine am Ende atemberaubende Show.

Die Band ist immer dann besonders stark, wenn sie ihre Knüller ohne Pause abfeuert. Nach Velouria folgten Ed is dead, Indie Cindy (das ich von den neuen Sachen mit Abstand am liebsten mag, damit aber auch vermutlich wieder alleine dastehe), Nimrod's son und La la love you. Und alles war wieder gut.

Das Konzert auf einer der beiden Hauptbühnen hatte um 22:50 h begonnen, als unmittelbares Vorprogramm von The National gegenüber. Die drei Gründungsmitglieder und die sehr schüchtern wirkende argentinische Bassistin Paz Lenchantin verbeugten sich, winkten und begannen mit Bone machine. Paz löste in diesem Jahr die Kurzzeitbassistin Kim Shattuck ab, die ich zweimal gesehen hatte und als angenehmen und guten Kim Deal Ersatz empfunden hatte. Die Band offenbar nicht, vielleicht zog Kim II zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Ich denke, Paz' Schüchternheit hat auch damit zu tun. Als sich die Band nach dem am Ende wieder berauschenden Konzert feiern ließ, blieb Paz deutlich im Hintergrund und musste von Gitarrist Joey Santiago energisch nach vorne zitiert werden. Die bleibt vermutlich länger.

Gesanglich war Paz eine gute Kim-Kim-Nachfolgerin. Wo zaubern die immer diese so gut passenden Bassistinnen her, ging mir einige Male durch den Kopf.

Bis auf den schweren Start war das Konzert so, wie Pixies Konzerte eben sind. Joey spielte bei Vamos wieder mit allerlei Hilfsmitteln auf seiner Gitarre. U.a. kam der Gitarrenständer als riesiger Bogen zum Einsatz. Von diesen Spielereien abgesehen machten sie ihren Job und spielten 25 Lieder in 80 Minuten, viele darunter Indie-Hits aus der ewigen Bestenliste. Natürlich fehlten mir wieder viele Lieblinge. Da ich aber nie Pixies-satt werde, sehe ich die eben beim nächsten Mal!

Setlist Pixies, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Bone machine
02: Wave of mutilation
03: U-Mass
04: Gouge away
05: Bagboy
06: Caribou
07: Crackity Jones
08: Magdalena 318
09: Velouria
10: Ed is dead
11: Indie Cindy
12: Nimrod's son
13: La la love you
14: Greens and blues
15: Brick is red
16: Hey
17: Mr. Grieves
18: Here comes your man
19: Isla de Encanta
20: What goes boom
21: I've been tired
22: Monkey gone to heaven
23: Debaser
24: Vamos
25: Where is my mind?

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- mehr Fotos folgen. Sie sind hier
 


Dienstag, 12. November 2013

Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13

1 Kommentare

Konzert: Pixies
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette
Datum: 11.11.2013
Dauer: Pixies ca. 105 min, AAAK 32 min
Zuschauer: gut 3.000 vielleicht (sehr voll)



Da brauchte ich gut 20 Jahre, um eine meiner Lieblingsbands 2009 erstmals zu sehen, und dann ermöglicht mir das wundervolle Musikjahr 2013 gleich zwei Pixies Konzerte innerhalb von sechs Wochen. Der Auftritt Anfang Oktober in Brüssel hatte mich restlos begeistert. Er passte zum Bild, das man sich von einer Lieblingsband machen möchte. Eigentlich sollte man aus Selbstschutz nach solch einem Auftritt aufhören, Konzerte der Lieblinge zu sehen, aber das funktioniert bei mir nicht. Warum auch? Die Pixies hatten in Brüssel auf der ersten Tour nach der Bandverjüngung (Bassistin Kim Shattuck, die Kim Deal ersetzt, ist Jahrgang 63, Deal 61) mit so viel Spaß gespielt, daß man wirklich nichts falsch machen kann, sie so oft wie möglich zu sehen, solange ihre Freude anhält.

Die Risiken stecken also nur im Saal und in der Setlist. Der Ort war perfekt - die Rockhal, ein echter, extrem schöner Konzertsaal in Esch-sur-Alzette ist einer der angenehmsten für Bands dieser Größe. Das Setlist-Risiko ist ein Luxusproblem. Die Pixies spielen jeden Abend andere Konzerte und mischen die Setlisten komplett durch. Scheinbar haben die Amerikaner vor der Tour einen Satz von 60, 70 Liedern einstudiert, aus denen vor dem Konzert 30 bis 40 ausgewählt werden. Aber auch das ist nicht fix. Auf den Listen, die die Roadies nach der Show zerknüllt ins Publikum warfen, fehlten Something against you, I've been tired und Bagboy, die in der Mitte des Konzerts gespielt wurden. Ob alle Lieder, die einem wichtig sind, im Tages-Programm enthalten sind, scheint Glückssache zu sein. Die Pixies haben keine schlechten Lieder, dadurch ist das Risiko überschaubar. Sie spielen aber auch leider nicht so oft, daß fehlende wichtige Stücke dann eben demnächst dabei sein werden. Nachdem Brüssel in dieser Hinsicht schon für mich gut war, hatte ich heute auf eine ganze Menge Bossanova-Songs gehofft.


Der Abend begann aber zunächst mit einem Auftritt einer in den 90er Jahren (nein, ich schreibe nicht in den "90er-Jahren des letzten Jahrhunderts" oder in den "1990er Jahren", da ich diese Formulierungen enorm dämlich finde) aktiven und 2009 wiedervereinigten britischen Band AAAK (As Able As Kane), die ich nicht kannte (heißt nichts), die aber auch den beiden sehr viel... - es gibt kein schönes Musik-Äquivalent zu "belesen", oder? - also meinen sehr viel ahnungsvolleren Freunden, die auch da waren, nichts sagten. AAAK überraschten mich vor allem dadurch, daß sie nach 30 min fertig waren. Das passte.


Zur Hauptband hatte sich der Saal, in dem ich vergangene Woche The National gesehen hatte, sehr gut gefüllt. Es war vermutlich nicht ausverkauft (durch eine Änderung des Raumlayouts hätten ohnehin noch ein paar Tausend Besucher Platz gefunden), es wirkte aber annähernd so. Im Bühnehintergrund hingen unzählige Bildschirme als eine Art Vorhang. Sie sollten aber keine Videos zeigen, sie dienten als Lampen (und waren das vermutlich auch nur). Anderen Schnickschnack gab es nicht, das passte auch nicht zu einer Band wie den Pixies.

Die verbleibenden drei Gründungsmitglieder Black Francis, Joey Santiago und David Lovering traten gemeinsam mit ihrer neuen Bassistin (die offenbar zumindest noch nicht offiziell zur Band gehört) erschien um kurz vor halb zehn und begannen mit Ed is dead und Nimrod's son von der Debüt EP, von der die Pixies mit einer Ausnahme (The holiday song) alles spielten - wie übrigens auch von der aktuellen EP 1 (da fehlte What goes boom).

Die anschließenden 100 Minuten waren dann so, wie Pixies Konzerte vermutlich immer sind (ich habe ja erst drei gesehen): Hit nach Hit nach Hit nach Hit... bis man bei rund 30 angekommen ist, die Band kurz von der Bühne geht und noch ein paar spielt. Obwohl die vier Indiehelden ihre Platten Come on pilgrim (1987), Surfer rosa (1988) und Doolittle (1989) zu großen Teilen spielten, fehlten mir eine ganze Menge Lieblinge, weil Bossanova (1990) bis auf das wundervolle Ana komplett ausgelassen wurde. 2009 hatte die Band eine Doolittle Jubiläums-Tour gemacht, seitdem hatte ich gehofft, daß Bossanova irgendwann (vor mir aus auch zum 27. Geburtstag) in gleicher Form gewürdigt würde. Es ist wohl meine Version der Geschichte vom Fischer und seiner Frau. Ich bekomme einige der großartigsten Lieder der letzten 25 Jahre vorgesetzt und vermisse Allison, Cecilia Ann und die anderen Perlen.

Die konkrete Songauswahl war in Brüssel besser, das schnachnasige Publikum hinter mir in Luxemburg eine Ecke schlechter, trotzdem war das heutige Konzert sehr gut. Daß man sich die heutigen Pixies bedenkenlos ansehen kann, obwohl der Ausstieg von Kim Deal problematisch erschien, liegt sicher auch am reibungslosen Übergang an der Bass- / weiblicher Gesang-Position. Die neue Kim, Kim Shattuck erscheint nicht nur musikalisch hervorragend zu passen, ihre große Freude an den großen Bühnen ist offensichtlich. Dazu harmonisiert Kims Stimme irre gut mit der des Frontmanns. Von einem Gewinn für die Band zu sprechen ist sicher heikel, aber so scheint es nunmal zu sein.


Die zahlreichen neueren Stücke im Set (Indie Cindy, Andro queen und Another toe in the ocean von der neuen EP, Bagboy, Greens and blues und Blue eyed hexe) passten gut ins Programm (und sind viel weniger schlimm, als zunächst befürchtet - gerade die EP-Stücke).

Am Ende bei Vamos hatte dann Gitarrist Joey Santiago wieder seinen Auftritt. Er spielte mit einem Mirko Gitarre, etwas, das mich bei anderen Bands massiv nerven würde, hier aber nicht gar nicht störte. Er machte das - wie alles andere - mit großer Freude.

Mir hätte das Konzert mit mehr Bossanova-Songs und mehr Euphorie im Publikum besser gefallen. In der Mitte des Saals war herrlich viel los, in meiner Umgebung standen die Leute ruhig und anteilslos rum. Gottseidank fiel mir der Vollbartträger rechts erst sehr spät auf. Er kaute Kaugummi und machte riesige Blasen. Bei einem langweiligen Konzert hätte ich ihn sicher durchgängig beobachtet und darauf gewartet, daß das Klebezeug in den Bart platzt. Aber dann fing Wave of mutilation an und ich konnte mich wieder auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren.

Setlist Pixies, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

01: Ed is dead
02: Nimrod's son
03: Mr. Grieves
04: Here comes your man
05: Ana
06: Indie Cindy
07: La la love you
08: Bone machine
09: Dead
10: Another toe in the ocean
11: Levitate me
12: Head on (The Jesus and Mary Chain Cover)
13: River Euphrates
14: Isla de Encanta
15: Something against you
16: I've been tired
17: Bagboy
18: Greens and blues
19: Monkey gone to haven
20: Brick is red
21: No. 13 baby
22: Blue eyed hexe
23: Gauge away
24: Tame
25: Wave of mutilation (normale Version)
26: Hey
27: Caribou
28: In heaven (Lady in the radiator song) (Peter Ivers Cover)
29: Andro queen
30: Where is my mind

31: Planet of sound (Z)
32: Cactus (Z)
33: Vamos (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09




 

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