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Montag, 8. Juli 2024

Girl Scout, Luxemburg, 29.06.24

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Konzert: Girl Scout
Ort: Abtei Neumünster, Luxemburg (Siren's Call Festival)
Datum: 29.06.2024
Dauer: knapp 45 min
Zuschauer: ein paar hundert



Eigentlich wollten wir nur im Schatten sitzen und der ersten Band des Siren's Call Festivals passiv lauschen. Es war früh (17 Uhr) und schwül. Und die Nacht würde vielleicht noch lang werden, Kim Gordon war für 23:30 Uhr angesetzt. Ganz schnell war das Rumsitzen aber beendet, denn Girl Scout sind eine Band, die man stehend gucken sollte. 

Die indiepopigen Lieder der schwedischen Band machten von Beginn an Spaß. Dass die Band sich bei Jazz-Studium kennengelernt hat, merkte ich nicht, hätte mich aber unter Umständen abgeschreckt, wenn ich es vorher gewusst hätte. Girl Scout klingen stattdessen immer wieder so, als hätten sie im Plattenschrank ihrer Eltern Bands wie Camera Obscura oder die Pains of Being Pure at Heart gefunden. 

Dadurch passten sie natürlich brillant zu den nach ihnen angesetzten Alvvays, die der Grund meiner Fahrt nach Luxemburg waren. 

Girl Scout
sind Emma Jansson, Evelina Arvidsson Eklund, Per Lindberg und Viktor Spasov - und hoch unterhaltsam! Emma war sehr beeindruckt von der Kulisse. Von der Bühne sieht man auf die Gebäude der Abtei, "like in Disney movie!" - "It's like having karaoke in Disneyland, it's a good thing!" Mit einem solchen Auftrittsort hatte sie nicht gerechnet, obwohl sie offensichtlich auf Luxemburg vorbereitet war. "Hier leben so viele reiche Menschen, oder?" - "Who's fucking rich?" Eine Handvoll meldete sich.

Ach, das war toll! Und am Ende war es eines von zwei Konzerten für mich, denn am Abend brach die Hölle los. Ein wohl überraschend schnell kommendes Unwetter ruinierte den restlichen Zeitplan und ließ unter anderem den Auftritt von Kim Gordon ausfallen, die um ihre Anfahrt nach Glastonbury fürchtete.

Setlist Girl Scout, Siren's Call, Luxemburg:

01: I'm so sorry
02: Run me over
03: All the time and everywhere
04: Monster
05: Weirdo
06: Bruises
07: Honey
08: Mothers & fathers
09: I just needed you to know
10: Do you remember Sally Moore?




Samstag, 29. Juni 2024

Alvvays, Luxemburg, 29.06.24

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Konzert: Alvvays
Ort: Abtei Neumünster, Luxemburg (Siren's Call Festival)
Datum: 29.06.2024
Dauer: 30 min
Zuschauer: ein paar hundert



In den letzten zehn Jahren haben mich eine ganze Menge neuer Bands begeistert, kaum eine aber so nachhaltig wie Alvvays. Mein Indiepop-Herz hatte sich offenbar nach neuen Belle & Sebastians gesehnt, nach Bands, die eine gute Platte nach der anderen veröffentlichen und live unendlich viel Spaß machen. Als ich die kanadische Band mit ihrem Debütalbum 2014 kennengelernt habe, war ich hin und weg. 2017 erschien dann das zweite exzellente Album und ich hatte - viel wichtiger - die Chance, Alvvays endlich live zu sehen. Und wie gut sie waren! Und wie sympathisch! 

Auf der aktuellen Europatour rund um einige Festivalauftritte (z.B. morgen in Glastonbury) spielen Alvvays leider nicht in Köln, ich werde sie in Heidelberg sehen müssen. Aber das geschmackssichere Team des den Atelier in Luxemburg, das im Sommer das Siren's Call Festival veranstaltet, hatte die Band tollerweise auch gebucht, also bot sich bereits eine Art Warm-Up-Konzert an.


"Aufwärmen" sollte heute eine besondere Rolle spielen: es war den ganzen Tag heiß und stickig, am Nachmittag kamen die ersten Gewitterwarnungen. Alvvays sollten um 19 Uhr auf der Hauptbühne des Festivals im Innenhof der Abteil spielen. Nachdem wir die sehr gute schwedische Band Girl Scout gesehen hatten, schlenderten wir über den Marktplatz des Festivals, als die Durchsage kam, dass wegen des erwarteten Wetterchaos' u.a. Alvvays eine Dreiviertelstunde früher spielen würden.


Mit Pharmacist vom aktuellen Album Blue rev (das auch schon zwei Jahre alt ist, herrje!) begann es. Und ich hatte mir nicht eingebildet, was für eine fantastische Liveband Alvvays ist. Trotz der Festival-Umstände war das Konzert perfekt abgemischt, Gesang und Instrumente klangen glasklar. Auch als in der Mitte des Konzerts der Regen einsetzte und Tourmanager und Bühnencrew während eines Songs die Verstärker abdeckten, merkte man davon nichts. Molly Rankin, die Frau mit der tollen Stimme, kommentierte lediglich, dass man die teuren Verstärker noch brauche, alles wieder so grundsympathisch wie schon vor sieben Jahren - allerdings blieb heute keine Zeit für viele Dialoge, wie sich schnell rausstellen sollte. Nach knapp 30 Minuten war die Geschichte nämlich wieder vorbei. 


Alvvays
spielten vor allem Stücke von ihrer dritten Platte, dazu die drei Perlen Archie, marry me, Adult diversion und die vermutlich größte In undertow. Wie gut das wieder war! Wie viel Spaß es macht, der Band zuzusehen. Sie ist auch so herrlich nerdig. Keyboarderin Kerri MacLellan trug ein knallgelbes T-Shirt eines Musikcamps eines Colleges, bei vielen Bands wäre das ironisch, hier vermutlich nicht. 

Der Guide Michelin erklärt seine Sternebewertungen mit Autoreisen. Drei Sterne beispielsweise gibt es für eine "einzigartige Küche - eine Reise wert". Alvvays sind eine Drei-Sterne-Band. Auch für eine Vorspeise alleine eine Reise wert.

Setlist Alvvays, Siren's Call Festival, Abtei Neumünster:

01: Pharmacist
02: After the earthquake
03: In undertow
04: Many mirrors
05: Very online guy
06: Adult diversion
07: Belinda says
08: Archie, marry me
09: Easy on your own

Links:

- aus unserem Archiv:
- Alvvays, Köln, 12.09.17




Donnerstag, 6. Juni 2024

Slowdive, Luxemburg, 04.06.24

2 Kommentare

Konzert: Slowdive
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 04.06.2024
Dauer: Slowdive knapp 90 min, Pale Blue Eyes gut 30 min
Zuschauer: ca. 1.000 (vermutlich ausverkauft)



The world is full of noise, yeah, I hear it all the time. Oh wie sehr ich Slowdive live vermisst habe. Mein letztes Konzert der Shoegaze-Band vor dem Auftritt beim Maifeld-Derby vorgestern liegt auch schon wieder mehr als sechs Jahre zurück. Seitdem haben Slowdive das zweite Album nach der Reunion veröffentlicht, das sie intensiv betouren. 


Die zweite Karriere der in den 90ern von der britischen Musikpresse belächelten Band verläuft so viel besser als die erste. Shoegaze ist keine Beleidigung mehr, es ist ein hipper Musikstil, endlich feiert nicht nur die Szene sich selbst. Mit dem Reunion-Album Slowdive (es ist ein wenig verwirrend: es gibt die Band Slowdive, eine EP Slowdive, ein Album Slowdive und ein Lied Slowdive) ist der Band etwas gelungen, was mehr als selten ist: es ist mindestens so gut wie die besten alten Veröffentlichungen. 


Das Atelier in Luxemburg ist einer meiner Lieblingsclubs. Das zeigte sich schon am Mittag. Da sendete der Club nämlich noch einmal alle wichtigen Informationen wie den genauen Zeitplan. So was ist toll und hilfreich! Wir wussten also, dass wir kurz vor dem Beginn der Vorgruppe da sein würden. Supportet werden Slowdive auf dieser Tour von Pale Blue Eyes aus Devon (beste Gegend!), einer vierköpfigen Band, die nach The Velvet Underground benannt sind und nach einer shoegazigen Sozialisation klangen. Mir gefiel das gut halbstündige Set gut, Uncut nennt die erste Platte der Band "joyous, propulsive, exhilarating."


Es gab wohl noch Tickets an der Abendkasse, als Slowdive um 21:00 Uhr auf die Bühne kamen, war der Saal aber knackig voll. Der erste Teil des Konzerts unterschied sich nicht vom Auftritt beim Maifeld-Derby - weder in der Liedauswahl noch in der Klarheit des Sounds. Wenn Shoegaze-Bands mies abgemischt sind, ist das eine Qual. Slowdive klingen immer top. Auch wenn - ich jammere jetzt auf sehr hohem Niveau - es nicht mehr an die glasklaren Abmischungen wie in der frühen Reunion herankommt. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Soundmann, der mit ihnen vor und nach der Pause gearbeitet hat, jetzt nicht mehr dabei ist.


In der zweiten Konzerthälfte waren Slomo, Machine gun und Dagger neu im Vergleich zu Mannheim, gerade auf das wunderschöne Dagger hatte ich sehr gehofft (sie spielen das wohl erst seit 2014). 

Ich habe Slowdive jetzt schon oft gesehen, genug davon habe ich aber vermutlich nie. Warum auch, wenn sie immer noch so großartig wie gerade sind?

Setlist Slowdive, den Atelier, Luxemburg:

01: Shanty
02: Star roving
03: Catch the breeze
04: Skin in the game
05: Crazy for you
06: Souvlaki Space Station
07: Sugar for the pill
08: Slomo
09: Kisses
10: Alison
11: When the sun hits
12: 40 days

13: Machine gun (Z)
14: Chained to a cloud (Z)
15: Dagger (Z)
16: Slowdive (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Brüssel, 07.10.17
- Slowdive, Hamburg, 04.10.17
- Slowdive, Dortmund, 29.09.17
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14


Mittwoch, 23. Oktober 2019

Pixies, Luxemburg, 17.10.19

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Konzert: Pixies
Ort: Luxexpo The Box, Luxemburg
Datum: 17.10.2019
Dauer: Pixies 120 min, Blood Red Shoes 30 min
Zuschauer: vielleicht 2.500



In den Nachbarhallen der The Box fand die Home Expo 2019 statt, die Luxemburgische Messe "rund ums Wohnen und alles was dazu gehört." Während wir auf die Vorgruppe warteten, stellte ich mir vor, wie die Pixies die Zeit vor dem Konzert nutzten, um zwischen den Ständen entlang zu schlenderten und Deko-Kissen für die Lieben zu Hause zu kaufen. Hätte ich sie nicht schon in Köln gesehen, hätte ich den Kerzenleuchter, der vorne am Bühnenrand stand, für einen Messe-Einkauf gehalten.

Daß ich die Pixies bei dieser Tour noch einmal sehen wollte, hing zwar auch damit zusammen, wie kurzweilig und gut das Kölner Konzert war, vor allem aber mit den ständig durchgemischten Setlisten. Im Palladium hatten die Amerikaner 39 Lieder gespielt, dabei aber zum Beispiel Monkey gone to heaven ausgelassen. Obwohl sie 11 von 12 Stücken der neuen Platte im Programm hatten, lag der Schwerpunkt des Konzerts auf Liedern der ersten drei Alben und der ersten EP. Noch einmal das gleiche Programm zu erleben, schien so abwegig wie meine Deko-Kissen-Phantasie. 

Um Punkt acht begannen die Blood Red Shoes ihren Support. Ich hatte mich sehr über die Nachricht gefreut, daß das britische Duo die Tour-Vorgruppe sein würde - sie sind nicht Lush, sie sind aber auch eine Band, die ich sehr mag, auch wenn ich sie aus dem Auge verloren habe. So weit, daß ich nicht mal mitbekommen hatte, daß Laura-Mary und Steven jetzt von einer Bassistin und einem Keyboarder begleitet werden. Bei der Bassistin handelt es sich um Ayse Hassan von den fantastischen Savages. Während des Köln-Konzerts war mir das noch nicht aufgefallen.


Ich kannte in Köln auch nicht viele ihrer Lieder, das war aber egal, die Band klang wie früher (ein vollkommen unvergiftetes Kompliment), ich hatte aber großen Spaß. Das Programm in Luxemburg war das gleiche wie in Köln, nur Howl und God complex hatten die Plätze getauscht. Die Blood Red Shoes haben auf ihrer Support-Tour der Pixies mit einer Ausnahme (Colours fade) nur Lieder von 2018 oder neuer gespielt.


Bei Konzerten mit langer Anfahrt sind Vorgruppen oft lästig, die Blood Red Shoes hätten gerne länger als eine halbe Stunde spielen dürfen.

Setlist Blood Red Shoes, Luxexpo The Box, Luxemburg:

01: Elijah
02: God complex
03: Mexican dress
04: Howl
05: Eye to eye
06: Bangsar
07: Colours fade


Nach den Blood Red Shoes füllte sich die Messehalle merklich. Unsere Bedenken, der Saal könne nur halbvoll bleiben, waren Quatsch. Die Pixies haben bei dieser Tour auf jegliche Bühnendeko (außer dem Kerzenleuchter) verzichtet. Geht ja auch ohne. Die offene Bühne ohne Leinwand oder anderen Hintergrund sorgte aber dafür, daß man hinter den Musikern noch eine ganze Menge Halle sehen konnte. Das - und die Büros unter dem Hallendach neben der Bühne sahen merkwürdig aus.

Einige Sachen waren exakt gleich wie anderthalb Wochen vorher: die Pixies kamen um Punkt neun auf die Bühne, begannen im Dunkeln mit dem fantastischen Cecila Ann und danach einigen der Schrei-Liedern. Ich weiß nicht, wie die Ansage an die Fotografen war. Wenn es die üblichen drei Lieder waren, profitierten sie davon, daß die Securities nicht sehr tief im Pixies-Katalog steckten. Die Fotografen durften sechs Lieder im Graben verbringen. Da die aber alle kurz und schnell nacheinander abgefeuert wurden, hätten es eben auch zwei oder drei sein können.

Ein Freund hatte vor Köln berichtet, daß die Band bereits 60 verschiedene Lieder auf der Europa-Tour gespielt habe. In Luxemburg waren sieben Stücke im Programm, die in Köln nicht gespielt wurden, das The Jesus and Mary Chain Cover Head on, das fehlende Stück der neuen Platte (Silver bullet - das ist fantastisch!), Something against you, Bel esprit, Crackity Jones (bevor Du bei setlist.fm recherchierst, daß das auch in Köln auf der Setliste stand, Oliver, tat es vielleicht, gespielt wurde es aber nicht), Tame und Monkey gone to heaven. Dafür fehlten (haha) Rock music, Break my body, Motorway to Roswell, No. 13 baby, Snakes und Ana.



Bei Monkey gone to heaven fiel mir auf, daß das Lied weit weniger Begeisterung auslöste als der andere große Hit Where is my mind? Verstanden habe ich das nicht. Liegt das daran, daß Where is my mind? auf dem Fight Club Soundtrack und daher viel bekannter ist? Es war jedenfalls für mich sehr deutlich, wie unterschiedlich die Stücke ankamen. Aber bester Song beider Konzerte war ohnehin die herrlich langgezogene Version von Gouge away.


Debaser war wieder der Abschluß, diesmal aber ganz normal als letztes Lied und nicht nach einer kleinen Schauspiel-Einlage. 

Setlist Pixies, Luxexpo The Box, Luxemburg:

01: Cecilia Ann (The Surftones Cover)
02: St. Nazaire
03: Brick is red
04: Caribou
05: Something against you
06: Isla de Encanta
07: Los surfers muertos
08: Gouge away
09: Bel esprit
10: Wave of mutilation
11: I've been tired
12: Planet of sound
13: Cactus
14: Ready for love
15: Nimrod's son
16: Silver bullet
17: Havalina
18: All the saints
19: Death horizon
20: Here comes your man
21: Bird of prey
22: Vamos
23: Where is my mind?
24: Winterlong (Neil Young Cover)
25: On graveyard hill
26: Monkey gone to heaven
27: Hey
28: Mr. Grieves
29: River Euphrates
30: Tame
31: Long rider
32: Crackity Jones
33: Head on (The Jesus and Mary Chain Cover)
34: Velouria
35: This is my fate
36: Catfish Kate
37: The holiday song
38: In the arms of Mrs. Mark of Cain
39: Daniel Boone
40: Debaser 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Köln, 07.10.19
- Pixies, Berlin, 18.07.16
- Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Blood Red Shoes, Köln, 07.10.19
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07

 


Montag, 26. Februar 2018

The Charlatans, Luxemburg, 25.02.18

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Konzert: The Charlatans
Ort: den Atelier
Datum: 25.02.2018
Dauer: The Charlatans 95 min, The Kooters 30 min
Zuschauer: ca. 300




Um 19 Uhr sollte der Einlaß im Atelier beginnen. Ich hatte mehr Sonntagsfahrer eingerechnet und war ein paar Minuten zu früh da. Weil in Luxemburg aber alles exakt nach Zeitplan funktioniert (sofern nicht Pete Doherty beteiligt ist), erschien mir das Risiko überschaubar, fünf Minuten in der Kälte zu warten ist ja nicht dramatisch. Aus fünf wurden aber gut dreißig, aus -1° schnell -20°. Ab und zu ging die Tür des Clubs auf, aus der Soundcheck-Geräusche kamen. Als die Band ganze Lieder spielte, hoffte ich, daß das nichts Aktuelles von den Charlatans sein möge, deren letztes Album kenne ich nämlich nicht. Und das, was aus dem Atelier rüberschallte, klang nicht so, als lohnte sich das Frieren. Als ich gerade schon den Beschluß gefasst hatte, in fünf Minuten nach Hause zu fahren, kam ein Ordner und sagte, es ginge in zwei Minuten los. Das stimmte und bescherte mir ein frühes Konzerthighlight 2018.



Die Band, die noch so spät soundgecheckt hatte, war The Kooters aus Luxemburg. Grund für die Verzögerung war das Spiel Man United gegen Chelsea (2:1), das die Hauptgruppe noch sehen wollte, bevor sie zum Soundcheck konnte. Sänger Tim Burgess ist United-Fan, was ihn mir noch mal eine Nummer sympathischer macht. 

Für die Musik der Kooters (die mich an die Guano Apes erinnerte) bin ich zu alt (um etwas Nettes über den halbstündigen Auftritt zu schreiben). 



Um Punkt neun betraten sehr gut gelaunte Charlatans (2:1) die Bühne des tollen Ateliers. Auch wenn der Club alles andere als gut besucht war, war sofort Stimmung da. Ich kannte in der ersten Konzerthälfte kaum einen Song, die meisten Lieder stammten von Different days (2017) und dem Vorgänger Modern nature, den ich auch verpasst hatte. Aber das machte nichts, es klang durch und durch nach den Charlatans und auch die aktuellen Platten scheinen nicht sehr verkehrt zu sein, es war nämlich alles gut und sehr kurzweilig. Daß trotzdem die beiden älteren Lieder der ersten Hälfte die besten waren (Weirdo und das fantastische One to another), relativiert diese Aussage nicht.


Tim Burgess ist um ein paar Jahre gealtert, seit wir uns (haha!) zuletzt gesehen haben. Beim Primavera Festival 2010 spielten die Charlatans ihr umwerfendes Debüt Some friendly. Aber das ist ja jetzt auch schon wieder acht Jahre und ein paar Zentimeter Haaransatz her. An der Stirn wird es bei Tim etwas lichter, daher scheinen die klassischen Prinz-Eisenherz-Frisuren nicht mehr zu funktioneren. Unverändert ist Tims Bühnenpräsenz. Er tanzt, wippt, gestikuliert wie früher. Madchester ist eben nicht nur Sound, Madchester sind auch extrovertierte Frontmänner. Und auch sein sehr kurzer Pullover und seine tief gerutschte Hose schienen aus den frühern 90ern zu stammen.

Die Musik der Nordengländer ist erstaunlich zeitlos, jedenfalls in meinen Ohren. Bei Bands, die von Nostalgie leben, sind neuere Stücke meist großer Quatsch, die Lieder der Gruppe aus Manchester klangen alle gut und frisch, was ein wenig unsinnig klingt, weil das tragende Instrument der meisten Songs ja die herrlich olle Hammond-Orgel ist, die mit auf Tour geht.



Ich bezeichne die Charlatans immer gerne als eine meiner liebsten Bands, was etwas geschönfärbt ist, weil ich - wie auch bei James - die letzten Alben ignoriert habe. Auch höre ich zwischen Konzerten sehr selten die Platten. Da ist das Risiko natürlich groß, daß so ein Abend ein anstrengendes Warten auf die Hits ist. Das war er aber nicht. Auch wenn nach 45 Minuten Schluß gewesen wäre, hätte ich ein sehr gutes Konzert gesehen (und zwei, drei Lieder gekannt). Gegen Ende wurde die Orgel immer orgeliger, die Intros klangen immer mehr nach The only one I know. Bei der 91er Single Over rising dachte ich einen Moment lang, Organist Tony Rogers habe sich verspielt und das falsche Lied begonnen.

Das Konzert war bei weitem nicht so laut wie das 2008 in Köln, es war aber hervorragend. Daß ich dafür an einem Sonntag nach Luxemburg fahren musste (obwohl die Band am nächsten Tag in Köln spielt - da allerdings parallel zu Slowdive), wurde in 95 vollkommen gerechtfertigt. Wir Zuschauer hatten einen guten Abend!

Aber auch die Band schien ausgezeichnet gelaunt zu sein. Tim unterhielt sich immer wieder mit Leuten im Publikum. Einmal setzte er sich an den Rand und redete eine ganze Weile mit einer Frau (?) in der ersten Reihe. Wir konnten nur ihn hören, daher war die Unterhaltung ein wenig rätselhaft. Später ging es um das "beste Lied" der Band, das bitte jetzt gespielt werden möge. Also sagte Tim danach einige Stücke als beste Lieder (oder seinen Liebling, nachdem er danach gefragt worden war) an.

Charlatans-Konzerte enden mit Sproston green von Some friendly. Davor packten die Engländer mit Then noch die Single der Debütplatte.

Vielleicht dauert es jetzt wieder acht oder zehn Jahre, bis ich die Charlatans live sehe, vermutlich höre ich auch in der Zeit kaum Platten der Band. Und ganz sicher komme ich begeistert aus dem Konzert und freue mich, wie gut die Entscheidung war, hinzugehen!


Setlist The Charlatans, den Atelier, Luxemburg:
 

01: Not forgotten
02: Weirdo
03: So oh
04: Solutions
05: Talking in tones
06: Emilie
07: One to another
08: Different days
09: Plastic machinery
10: Just when you are thinking
11: Over again
12: North country boy
13: Telling stories
14: Come home baby
15: Over rising
16: The only one I know
17: Let the good times be never ending

18: Then (Z)
19: Sproston green (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
-
The Charlatans, Barcelona, 29.05.10
- The Charlatans, Köln, 23.09.08
- The Charlatans, Brüssel, 17.02.08
- The Charlatans, Paris, 12.02.08



Montag, 21. August 2017

Interpol, Luxemburg, 19.08.17

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Konzert: Interpol
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 19.08.2017
Dauer: Interpol knapp 95 min, Froth knapp 45 min
Zuschauer: ca. 800 (ausverkauft)



Interpol sind die wichtigste Band der letzten 20 Jahre, auch für mich. Die Liste der Bands, die sich auf die New Yorker beziehen oder mit ihnen verglichen werden, ist entsetzlich lang. Während viele von denen wieder verschwanden, sind Interpol immer noch aktiv und verweigern das übliche Schicksal, immer schlechter zu werden und irgendwann nicht mal mehr aus Mitleid attraktiv zu sein. Nichts kommt an die ersten beiden Alben der Band ran, aber nichts aus dem späteren Werk ist peinlich oder langweilig.

Das Debüt Turn on the bright lights ist 2002 erschienen und wird seit wenigen Tagen live aufgeführt. Als diese Tour im Januar angekündigt wurde, waren zwar nur zwei Termine in Deutschland dabei, allerdings auch ein Konzert im kleinen und sehr tollen Atelier in Luxemburg. 2015 hatte ich Interpol beim Primavera-Festival in Barcelona in einem kleinen Theater gesehen und nicht gedacht, sie noch einmal so winzig erleben zu dürfen. Das Atelier ist eine Ecke kleiner. 


Vor Interpol spielten erst einmal Froth aus Los Angeles, eine vierköpfige Dreampop-Band, die zuletzt u.a. Ride supportet hatte. Weil ich viel Gutes über sie gehört hatte, war Vorfreude da, obwohl Vorgruppen bei einem Konzert, das ewig lange Anreise erfordert, fast immer lästig sind. Froth waren allerdings ganz anders. Ich habe ewig keine so überzeugende Support-Band gesehen. Froth klangen mal shoegazig, mal rockig, mal mehr nach Dreampop, vor allem waren sie über 45 Minuten lang hochspannend. Eigentlich total unfair, eine solch gute Band vor Interpol anzusetzen, denn dadurch bekommen Froth (z.B. hier) bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienten. Im Saal wurde ihr Auftritt aber gefeiert, auch das habe ich bei Supports selten in der Form erlebt.

Und dann Interpol...

Meine letzten beiden Konzerte der New Yorker waren wieder sehr gut, nachdem ich davor ein paar Auftritte erlebt hatte, die mich erschreckend kalt gelassen hatten. Der Witz schien auserzählt, bis 2015 wieder ein gutes Live-Jahr war. Schlechte Alben hatte die Band auch zuletzt nicht, der Lack schien aber ab zu sein. Dann kam Barcelona und ein hervorragendes Konzert im Schlachthof in Wiesbaden. Das Risiko, daß ausgerechnet das Turn on the bright lights Jubiläum mies werden würde, war überschaubar.

Als die Band - die drei Gründer Paul Banks, Daniel Kessler und Sam Fogarino, Tour-Bassist Brad Truax und Tour-Keyboarder Brandon Curtis - das Konzert nicht mit Untitled eröffneten, begann erst einmal ein Aufwärmen, das mehr als fantastisch war. Not even jail, Take you on a cruise, Slow hands, die drei mittleren Lieder der zweiten Platte Antics nacheinander, das war phänomenal gut! Bei Not even jail klang Paul Banks' Stimme noch arg breiig, der Sound wurde aber ab Take you on a cruise viel besser.

Danach folgten die beiden einzigen Lieder des Abends, die jünger als zehn Jahre sind, erst Lights von Interpol, das enorm wuchtig klang (was gut war) und der große Hit All the rage back home vom letzten Album (der einzige Song des Abends, der nach dem Ausstieg von Bassist Carlos Dengler entstanden ist. 


Nach einem solche starken Anfang spielen Bands normalerweise neueren Kram, den niemand (außer der Band) hören will, um am Ende wieder die Hits auszukramen. Hier kam nach den ersten fünf Highlights stattdessen eines der besten Alben der Musikgeschichte in voller Länge. 

Turn on the bright lights klingt auch nach 15 Jahren noch aufregend wie am ersten Tag. Wenn ich bei einem Brand zehn Platten aus meinem Schrank retten dürfte, wäre immer Turn on the bright lights dabei (und Grab that gun von The Organ, Funeral von Arcade Fire, der Breaking glass Soundtrack und der Rest aus Manchester und von den Pastels).

Nachdem er neu dabei war, hatte mich Bassist Brad Truax durch scheußliches Rock-Gepose entsetzlich gestört. Mit den langen Haaren ging offenbar auch die fehlende Demut weg, mich störte in Luxemburg nichts mehr an dem Mann rechts. Diese dämlichen Mitklatsch-Animationen von Daniel Kessler sind ärgerlich (weil sie zu keiner Band weniger als zu Interpol passen), sie konnten aber auch nicht verhindern, daß das Konzert großartig war. Einzig die deutlich dünnere Stimme von Paul Banks schmälerte den Genuß ein wenig. Ob er erkältet war? Oder läßt sie einfach altersbedingt nach? Sie war jedenfalls merkbar kraftloser als früher.

Ansonsten war alles wunderbar! Die elf Lieder von TOTBL sind alle Lieblinge, die meisten habe ich bei meinen bisherigen Interpol-Konzerten auch schon gesehen. Stella, Hands away, Leif Erikson, Obstacle 1 und Roland in einem Konzert, das ist aber eben vollkommen einmalig (nein, ich sehe sie auch in Tilburg). Es war schon fast langweilig, daß nach einem Hit ein Hit kam. Und dann wieder einer. Für Leute mit niedriger Aufmerksamkeitsspanne war das nichts.


Die Platte endet mit Leif Erikson, benannt nach dem Sohn von Erik dem Roten und erster Europäer, der Nordamerika erreicht hat. Zugaben wären danach nicht mehr nötig gewesen, was sollte denn auch noch kommen nach der Einleitung und dem Hauptteil?

Es kam zunächst einmal Specialist von der 2002er EP Interpol (mit NYC und PDA), eine echte Besonderheit. Auch hier waren Interpol stilsicher wie je. Nicht irgendein Quasch, eine sehr gut ausgewählte B-Seite, wobei es das eigentlich auch nicht ist. Specialist war die kleine Kirsche auf dem Törtchen, großartig!

Danach folgten noch die Knüller Heinrich maneuver und Evil.

Die Sache mit der Stimme war auffallend. Vielleicht war es aber trotzdem mein bestes Interpol-Konzert bis jetzt.


Setlist Interpol, den Atelier, Luxemburg:

01: Not even jail
02: Take you on a cruise
03: Slow hands
04: Lights
05: All the rage back home
Turn on the bright lights:
06: Untitled

07: Obstacle 1
08: NYC
09: PDA
10: Say hello to the angels
11: Hands away
12: Obstacle 2
13: Stella was a diver and she was always down
14: Roland
15: The new
16: Leif Erikson

17: Specialist (Z)
18: Heinrich maneuver (Z)
19: Evil (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Interpol, Stuttgart, 26.08.15
- Interpol, Wiesbaden, 25.08.15
- Interpol, Barcelona, 28.05.15

- Interpol, Köln, 25.01.15
- Interpol, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07



Donnerstag, 27. Oktober 2016

The Wedding Present, Luxemburg, 24.10.16

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Konzert: The Wedding Present
Ort: Bar National, Luxemburg
Datum: 24.10.2016
Dauer: knapp 90 min
Zuschauer: ca. 250 (gut besucht)



Der Junge David Gedge ist mitterweile 56 Jahre alt, die älteste Single seiner Band 31. Je länger das Konzert in der Bar des Nationaltheaters in Luxemburg dauerte, desto jugendlicher wirkte der Wedding Present Gründer. Gegen Ende rissen die Gitarrensaiten reihenweise, David stand vor dem Schlagzeug und machte einen Ausfallschritt, drosch auf seine Gitarre ein und wirkte wie ein 20jähriger Punkrocker.

Seine Musik ist ohnehin so zeitlos, wie solche Musik nur sein kann. Alleine anhand der ersten Single Go out and get 'em, boy! (von 1985) kann man zig Künstler identifizieren, die sich bei The Wedding Present ihren Stil abgeguckt haben (Maxïmo Park, die Strokes...). 1985 war in Deutschland übrigens Opus die Nummer eins, große Hits landeten auch Sandra (Maria Magdalena) und Modern Talking (Cheri cheri lady). Vielleicht heißt das Land deshalb Great Britain.

Vor einigen Wochen erschien das neunte Studioalbum der Briten mit dem passenden Namen Going, going... Zur Tour mit der neuen Platte, die wieder einmal Westdeutschland ausläßt, gab es zwei Änderungen des Lineups: Bassistin Katharine Wallinger ist nicht mehr dabei. Ihren Part spielt jetzt Danielle Wadey, die Cinerama-Keyboarderin. Auch der Gitarrist ist neu. Ich habe seinen Namen als Marcus Caine verstanden. Weil der neue Gitarrenspieler laut wikipedia Tony Jupp heißt und man Tony Jupp beim besten Willen nicht als Marcus Caine aufschnappen kann, glaube ich, daß ich recht habe (macht das Sinn? Für mich schon!). 

Erst nach der Luxemburger Vorgruppe füllte sich der kleine Raum. Wie professionell der Bandleader ist, sieht man daran, daß David pünktlich mit der Vorgruppe auch im Konzertsaal erschien und sich ums Merch kümmerte, statt backstage rumzuhängen. 

Mein letztes Wedding Present Konzert war eine Besonderheit: es war das einzige Mal, daß die Band aus Leeds ihre Schwester Cinerama supportet hat, auf einem Hausboot in Paris, als 100. und vorläufig letzte Oliver Peel Session.  Damals spielten WP ihre Platte Saturnalia, etwas, das sie auch bereits mit den vier Platten vor Saturnalia und der Sammlung Hit Parade gemacht hatten. Dieses Konzert war wieder ein stinknormales, ohne ein Album, das im Mittelpunkt steht. Entsprechend abwechslungsreich (oder überraschend) war die Setlist. Natürlich spielten die vier Musiker viele Stücke von Going, going..., darunter das wundervolle Rachel ("It's the best pop song you'll hear all night"). Das letzte Cinerama-Album Valentina ist ja eine Neueinspielung der Wedding-Present-Platte. Ich wünschte, auch Rachel bekäme irgendwann die Chance, auch in der Cinerama-Instrumentierung mit Streichern und Bläsern zu glänzen. Der Song scheint wie für Davids Zweitband gemacht zu sein.


Und irgendwann kam dann auch das Stück, das junge Engländer hören konnten, wenn wir Maria Magdalena serviert bekamen, Get out and get 'em, boy! die erste Single, die ich noch nicht live gehört hatte. Neben den Smash hits wie Dalliance, Brassneck oder Flying saucer war das das beste Stück.  Mit Rachel, What have I said now? und Little silver, das irgendwann herrlich schnell wird. 

Vor dem Coversong des Abends (Mothers von The Jean-Paul Sartre Experience) fragte David, ob jemand aus Neuseeland da sei. Als sich eine Frau meldete, war der Sänger überrascht. Er frage das regelmäßig, es habe aber noch nie jemand geantwortet!

Neu bei Wedding Present ist der Fact of the day, der von Schlagzeuger Charles Layton präsentiert werde. In Luxemburg gebe es das Restaurant mit der größten Weinkarte der Welt, verlas David Gedge für den Mann mit den Tausend Gesichtern hinter dem Schlagzeug. 


Nach anderthalb Stunden war das Konzert wie immer ohne Zugaben vorbei. Wie schade, daß sich niemand in Westdeutschland für diese Band, die Teil der Indiegeschichte ist, interessiert. "Diesmal spielen wir nicht in Köln", antwortet David Gedge jetzt schon seit gut vier Jahren auf meine Frage, wann sie wieder ins Rheinland zurückkommen.

Setlist The Wedding Present, Bar National, Luxemburg:

01: Give my love to Kevin
02: Come play with me
03: Brassneck
04: Rachel
05: Mothers (The Jean-Paul Sartre Experience Cover)
06: Two bridges
07: Spangle
08: Got out and get 'em, boy!
09: What have I said now?
10: Little silver
11: Birdsnest
12: Drive
13: End credits
14: Dalliance
15: Dare
16: Bear
17: My favourite dress
18: Flying saucer
19: Santa Monica 

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Wedding Present, Paris, 17.07.15
-
The Wedding Present, Arlon, 20.11.14
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.14
- The Wedding Present, Düsseldorf, 26.09.13
- The Wedding Present, Paris, 24.10.12
- The Wedding Present, Wien, 04.10.12
- The Wedding Present, Köln, 23.09.12
- The Wedding Present, Barcelona, 30.05.12
- The Wedding Present, Köln, 15.10.10
- The Wedding Present, Köln, 15.11.07
- The Wedding Present, Paris, 02.11.07


Mittwoch, 24. Februar 2016

Novella, Luxemburg, 23.02.16

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Konzert: Novella
Ort: De Gudde Wëllen, Luxemburg
Datum: 23.02.2016
Dauer: Novella gut 45 min, Cyclorama knapp 45 min
Zuschauer: 55 ungefähr


 

Eines der Bücher, die mir fürs Leben am meisten beigebracht haben,* stammt vom amerikanischen Sozialpsychologen Robert B. Cialdini. "Überzeugen im Handumdrehen" erklärt unter anderem, wie und warum wir auf Marketing-Tricks reinfallen. Cialdini erklärt zum Beispiel, warum man nach einer Niederlage seiner Mannschaft "die haben verloren", nach einem Sieg aber "wir haben gewonnen" benutzt, warum man als Kleidungsverkäufer immer erst den Anzug, dann Hemd, Krawatte und Strümpfe verkaufen sollte und wie man sich bei einem Überfall vor vielen nicht reagierenden Zeugen am besten verhält.

Daß ich an einem Dienstagabend noch einmal die Chance genutzt habe, kontrollfrei über eine Schengen-Grenze zu fahren, um eine unbekannte britische Band zu sehen, obwohl ich müde war und jeden Abend Konzerte gesehen hatte, liegt auch an den verdammten sozialpsychologischen Prinzipien. In diesem Fall an der Knappheit. Knappheit bestimmt mein Leben in verschiedenen Formen. "Erstauflage in silbernem Vinyl mit blauen Sternchen" oder "limitiert auf 10.000" (die 90er...!) oder "letzte Exemplare" macht eine Sache viel interessanter, die Kaufentscheidung noch eine Spur leichter. Ganz gemein ist die Knappheit aber, wenn das Gut nicht nur selten ist, sondern wenn man es mal in der Hand hatte und dann wieder weggenommen bekommt. Kinder, die Kekse sehen, wollen die vielleicht haben. Wenn der Keks aber erstmal weg ist, wollen sie ihn auf einmal wirklich sofort besitzen. Das Spielzeug, das vollkommen uninteressant ist, bis der doofe Nachbarjunge damit spielen will, ist auch so eine Knappheitssache.

Novella - und damit endet diese Einleitung - hatten auf ihrer Website ein Konzert in Köln angekündigt. Nachdem ich euphorische Berichte vom Auftritt der Londoner in Saarbrücken gelesen hatte, wollte ich mir die Band in Köln halt mal angucken. Dann fand das Konzert nicht statt - und die verfluchte Knappheit kam ins Spiel. Da kann man sich dann auch nicht mehr gegen wehren. Nach dem Nicht-Kölnkonzert wollte ich Novella plötzlich so dringend sehen wie ein Wüstenmarathon-Läufer einen Getränkestand. Dann kannste nichts machen. Das ist ein Naturgesetz, oder so. Immerhin hatte ich Glück und musste nur nach Luxemburg, um ein Konzert der Engländer zu gucken.


Wir waren um kurz nach acht in der kleinen Kneipe De Gudde Wëllen mitten in der Luxemburger Innenstadt. Die anderen Clubs im Land, die ich kenne, sind am Bahnhof oder in Esch. In einer der kleinen Gassen in der Nähe des Rathauses hätte ich im Leben keinen Musikclub erwartet. So sah der Laden auch nicht aus. Es war eine Mini-Kneipe mit drei, vier Tischen und einer Bar. Einzig die grandiose Musik (Shoegaze hoch und runter) deutete darauf hin, daß wir richtig waren. Den Raum mit der Bühne fanden wir aber trotzdem erst nach ein paar Fehlversuchen. Man muß hinter der Bar um ein paar Ecken und dann eine Treppe hochgehen und kommt in einem kleinen Raum an, der kaum größer als die Bar und Bühne ist.


Auf der Bühne hatte gerade das luxemburgische Duo Cyclorama angefangen, dessen Postrock mich vor ein paar Monaten an einem Rama-Themenabend vor Motorama bereits begeistert hatte. Ich kann Postrock noch viel weniger als andere Musik beschreiben (daher die langen Einleitungen), mir gefielen die Songs, die von einer Gitarre, einem Schlagzeug und einem MacBook erzeugt wurden, sehr gut. Normalerweise sind Supports ja besonders ärgerlich, wenn die An- und vor allem die Abreise so lang sind. An einem Dienstag. Aber Cyclorama habe ich wirklich gerne gesehen. Und da die Luxemburgische Musikszene trotz 200.000 mehr Einwohnern deutlich kleiner als die von Island ist, ist die Chance groß, daß ich Cyclorama wiedersehen werde. Und auch das wird wieder Spaß machen!



Die Dreiviertelstunde danach machte dann außergewöhnlich viel Spaß! Novella sind eigentlich ein Quintett. Diesmal fehlte aber Keyboarderin Isabel Spurgeon. Auf der Bühne standen die beiden Gitarristinnen Hollie Warren und Sophy Hollington, Bassistin Suki Sou** und Schlagzeuger Iain Laws.


Sängerin Hollies Stimme ist tief und erinnerte mich ein wenig an die von Kate Jackson von den Long Blondes. Während die trotz (anfangs) toller Songs eine lausige Liveband waren, sind Novella auf der Bühne erstaunlich gut! Land, das Debütalbum, erschien im vergangenen Mai. Zusammen sind Novella aber bereits seit 2010 (wohl als Trio - Hollie, Suki und Sophy). Das zeigte sich in einer traumhaften Eingespieltheit. Sukis Gesicht sah mein nie, es war von Haaren verdeckt. Sophy, die links stehende Gitarristin, guckte, wie es sich für eine shoegazeartige Band gehört, meist auf ihre Schuhe. Trotzdem passte das Zusammenspiel perfekt. 

selten zu sehen: Sukis Gesicht

Ganz großartig war das Instrumental-Stück Phrases! Der Anfang des Lieds war riesig! Ich war überzeugt, daß nach dem Intro irgendwann Gesang einsetzen würde, es blieb aber bei den Instrumenten. Das Stück wurde lauter und lauter und war trotz all der anderen guten Titel mein Liebling. In einem kurzen Konzert ein langes Instrumental-Stück zu spielen, kann man auch nur machen, wenn das was taugt. Und das taugte!



Aber auch das getragene Again, you try your luck war brillant, die rockigeren Stücke eh! Den Vergleich zu Lieblingen wie Lush oder den Pale Saints sehe ich zwar nicht unbedingt, Novella klingen aber zweifellos so, als hätten sie Anfang der 90er Jahre jeder Woche Konzerte der damaligen Helden gesehen! Dafür sind die Musikerinnen natürlich viel zu jung. Sophy nennt in einem Interview aber zum Beispiel die Vaselines als Einfluß. Auch den höre ich nicht auf Anhieb, daß die Gitarristin guten Geschmack hat, glaube ich bei der Musik ihrer eigenen Band aber sofort.



Solche sozialpsychologischen Kniffe wie Knappheit sind vermutlich (dünnes Eis) wie Vorurteile und andere Konsorten Überbleibsel aus der Vorzeit, um das Leben leichter zu machen. Mein Leben hat sie gestern um ein sehr gutes Liveerlebnis bereichert!

Setlist Novella, De Gudde Wëllen, Luxemburg:
 

01: Land gone
02: Two ships
03: Again, you try your luck
04: Sentences
05: Phrases
06: Follow
07: Skies open
08: Blue swallows
09: Something must change

Links:

- aus unserem Archiv:
- Cyclorama, Arlon, 23.10.15



* die anderen waren solche Standardwerke wie Der Fürst ("der", nicht "die"), Intrigen oder meine Detektivbücher, in denen man alles über Geheimtinte und tote Briefkästen gelernt hat
** lass das bitte den echten Namen sein!





Dienstag, 8. September 2015

Foals, Luxemburg, 05.09.15

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Konzert: Foals
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 05.09.2015
Dauer: Foals gut 80 min, Formation 30 min
Zuschauer: rund 800 (ausverkauft)



Luxemburg ist so etwas wie die ausgleichende Gerechtigkeit für den miesen Trend, daß immer mehr Bands nur noch in Berlin auftreten und den Rest Deutschlands ignorieren. Je größer eine Gruppe, desto mehr Länder bereist sie. Das bedeutet aber auch weniger Städte pro Land im Tourplan. Bands aus der Kategorie New Order z.B. kommen dann einfach nicht mehr nach Köln. Luxemburg dagegen liegt perfekt zwischen Paris und Brüssel (aus Booker-, nicht aus Erdkundlersicht) und passt daher gut in Reisepläne. Dazu sind die Säle toll aber auch eine Spur kleiner als unsere. Also ist die Rockhal oder das Atelier oder das Exit07 schon seit Jahren der Tipp, dieser Berlin-only Gruppen doch zu sehen.

Das deutsche Foals-Konzert ist wie so oft eines in der Hauptstadt; daß im Atelier in Luxemburg nicht nur grenznahe Besucher aus Deutschland waren, war daher nicht überraschend. Das Atelier war restlos ausverkauft und knackig voll. Neben den in Luxemburg üblichen Briten und Franzosen waren viele Deutsche da. 


Die Vorgruppe des Abends war gut ausgewählt. Formation sind ein um Livemitglieder erweitertes Bruderpaar und stammen aus Südlondon. Ganz grob gehört die Musik der Band ins Genre, dem auch Foals angehören, was auch immer das sein mag. Allerdings klingen die Songs der Engländer viel funkiger als die der Foals (ihnen wird eine Nähe zu ESG angedichtet). Ein, zwei Lieder gefielen mir gut, irgendwann nervten aber die immer wieder eingesetzten Kuhglocken ganz gehörig. Hängengeblieben ist bei mir von Formation nichts. Der halbstündige Auftritt kam aber allgemein gut an, vermutlich werden Formation also nicht sofort wieder verschwinden.


Schuld daran, warum Formation schnell wieder weg aus meinem Gedächtnis waren, waren die Foals. Nach dem ersten Lied war die Richtung des Abends klar. Es würde ein Knallerkonzert werden - und das wurde es. Die neue Platte der Band aus Oxford, die vierte, ist vor wenigen Wochen erschienen und krachiger als die Vorgänger. Mir gefällt das gut. Das Konzert begann dann auch mit einem dieser Stücke (Snake oil), das mir live gut gefiel, vor allem der Joy Division Sound von Gitarre und Bass und dem einer der Überhits (Olympic Airways) folgte. Spätestens jetzt hüpfte der Saal. Es bildeten sich vor der Bühne erste Circle pits! Vielleicht stand das im Zusammenhang mit der Tatsache, das wahnsinnig viele Rock am Ring-Kappen im Publikum zu sehen waren, da gehören solche Rock-Formationstänze (quasi der Lambada der Rockmusikfreunde) ja zur Folklore (habe ich gehört). Ich fand es ungewöhnlich und ein wenig lästig, immer mal wieder ein paar Schritte nach hinten gehen zu müssen, bis der Ringelpiez vorne wieder vorbei war. Jedenfalls war die Stimmung atemberaubend gut im Atelier. Der kleine Saal war viel vollgestopfter als unsere Clubs das bei "ausverkauft" sind. 


Auch das zweite der neuen Stücke, die Single Mountain at my gates, war vollkommen überzeugend und eines der besten Lieder des Abends. Die "schwierige zweite Platte" ist ja meist nicht das Problem bei Bands, die "enttäuschende dritte", die "katastrophale vierte"... sind es. Wer solche Kracher auch noch in der Phase, in der vielen die Ideen ausgehen, schreibt, macht offenbar vieles richtig.

Bei Providence kletterte Frontmann Yannis Philippakis zum ersten Mal ins Publikum. Das war aber nur der Appetitanreger. Später bei Inhaler stieg der bärtige Sänger die Treppe hoch auf den Balkon - mit Gitarre -, kletterte über die Brüstung und stieg auf die entgegengereckten Hände der Leute unten. Stunt Nummer eins. Bei der Zugabe, den Weg kannte er ja jetzt, ging er wieder nach oben und sprang kopfüber ins Publikum! Es ging gut.

Das Konzert war eine sagenhafte Party, vom ersten Song an. Dafür hätte sich auch eine Tour nach Berlin gelohnt. Aber in Luxemburg ist ja mindestens genauso nett. Und viel näher.

Setlist Foals, den Atelier, Luxemburg:

01: Snake oil
02: Olympic Airways
03: My number
04: Mountain at my gates
05: Birch tree
06: Providence
07: Spanish Sahara
08: Red socks pugie
09: Late night
10: A knife in the ocean
11: Inhaler

12: What went down (Z)
13: Two steps, twice (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Foals, Köln, 20.03.13 
- Foals, Paris, 27.08.10
- Foals, Haldern, 07.08.08
- Foals, Evreux, 28.06.08
- Foals, Paris, 16.04.08
- Foals, Paris, 21.02.08
- Foals, Paris, 09.11.07


 

Konzerttagebuch © 2010

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