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Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Dienstag, 14. Oktober 2014

Peter Hook and The Light, Paris, 07.10.14

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Peter Hook and The Light
Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 07.10.14
Zuschauer: viele, vielleicht 600
Konzertdauer: drei Stunden !



Peter Hook ist einer der Allergrößten, das mal vorausgeschickt. Wer mir hintereinander drei sensationelle Konzerte beschert, kann nur dufte sein. Und meinen Segen braucht er ja eh nicht, alle wissen daß er einer der größten Bassisten der Musikgeschichte ist. Zweifel besteh eher hinsichtlich seiner Gesangeskünste und seiner Legitimität, den Joy Division- und nun auch den New Order Katalog live abzuspulen. Zu der zweiten Sache darf man mal getrost sagen: alle die Hooky dafür kritisieren, altes britisches Liedgut wieder neu zu beleben, sollen sich mal ganz bedeckt halten, Barney Sumner allen voran. Peter Hook hat verdammt noch mal das Recht diese Songs zu spielen, er war wichtiger Teil dieser Bands und viele Fans wollen das Material hören. Zumal Hooky seine Sache saugut macht. Zu den stimmlichen Fähigkeiten des Ausnahmebassisten: die sind sicherlich eher begrenzt. Wobei er sehr gut den grimmigen hundgesmeinen Tonfall von Ian Curtis imitiert bekommt. Viel schwieriger fällt es ihm, das dünne unschuldige Sentimentalstimmchen von Barney Sumner nachzumachen. Da trifft er selten ganz genau die richtigen Töne, das war auch heute nicht anders.



Dass es dennoch auch hinsichtlich des New Order Teils des Konzertes fantastisch wurde lag an den herausragenden Instrumentalparts und auch dem mitsingenden Gitarristen der Band The Light, der die Stimme von Barney recht gut hinbekam und Hook gesanglich immer wieder untertstützte.



Der erste Teil in dem alte Joy Divsion Hits gebracht wurden, war eh überragend. Zwar fehlten Highlights wie Transmission, Shadowplay, oder Atmosphere, aber imerhin bekamen die Fans eine messerschafe Version von She's Lost Control zu hören, die ähnlich gut wie das Original klang. Zudem gab es das selten gespielte Atrocity Exhibition, ein angsteinflößender Song, bei dem Ian Curtis live immer total ausgerastet ist: "This is the way step inside, this is the way step inside !! " Auch Digital und New Dawn Fades wurden tadellos performt, wobei der Sohnemann von Hooky am zweiten Bass viel zu tun hatte, weil sein Vater oft nicht Bass spielte, sondern stattdessen den Arm regelmäßig gen Himmel riss. Eine eigenwillige, etwas verstörende Geste, die sich Hook wohl nicht abgewöhnen kann oder will.




Nervig war das abrupte Ende des ersten Teils. da gingen die Musiker wortlos nach Atrocity Exhibition von der Bühne und sofort im Anschluß wurde Take Me Out von Franz Ferdinand vom Band auf die unschuldigen Leute im Publikum abgefeuert. Da standen die Zuschauer dann etwa eine viertel Stunde blöd und ratlos rum (gab es etwa technische Probleme ?- das fragten sich so einige), bevor Hook and The Light wiederkamen und mit New Order fortfuhren. Die Alben Low Life und Brotherhood standen nun auf dem Programm. Beide hatte ich ewig nicht mehr gehört, wobei The Perfect Kiss (von Low Life) und Bizarre Love Triangle ja nun Songs sind, die eigentlich jeder kennt und die ich natürlich auch für immer im Ohr habe. Ob alle Fans die gesamten Alben noch auswendig kennen, wage ich allerdings zu bezweifeln. So plätscherten dann ein paar Nummer dieser beiden Machwerke ein wenig kommentarlos vor sich hin, wenngleich kein einziger wirklich schwacher Song performt wurde, dazu spielte die Band auf der Bühne einfach zu großartig auf. Alles war so sensationell druckvoll, präzise, tight, eine Wonne ! Und die Synthieparts klangen viel besser als auf Platte, weil man in den 80er Jahren billige Drumcomputer einsetzte, die unfassbar steril vor sich hin schepperten.

Vor dem integralen Performen von Low Life und Bortherhood wurden aber noch drei andere Lieder vorangestellt, darunter eine gelungene Instrumentalnummer und der Hit Thieves Like Us vom Album Power Corruption & Lies. (zumidnest auf der Deluxe Edition enthalten) Eine sehr großzügige Sache wie ich finde, da beschränkte man sich eben nicht nur auf zwei Alben, sondern bot den Fans noch viel Bonusmaterial.


Highlights im New Order Teil waren sicherlich Perfect Kiss, Love Vigilantes (" Iwant to see my family, my wife and child...") und das herrlich schnelle und postpunkige Sunrise hinsichtlich Low Life und Weirdo (herrlich beschwingt und euphorisierend !) , Bizzare Love Triangle  + der ersten hervorragenden Zugabe State of The Nation bezüglich Brotherhood.

Wobei ich mich schwer tue, Highlights besonders hevozuheben, denn das Schöne an diesem Konzert war, daß selbst vermeintlich schwächere Albumtitel ordentlich aufgemotzt wurden und in neuem Glaz erstrahlten. Selbst die Instrumentalnummern waren keineswegs langweilig, sondern packend und anregend. Zu Elegia setzte sich Hooky auf ein Stühlchen und performte ganz alleine. Es klang fast nach einer Zither, was er da zusammenzupfte, großartig ! 

Fast drei Stunden lang wurde in Nostalgie geschwelgt und vor allem die älteren Zuschauer, die von Joy Divsion und New Order in ihrer Jugend geprägt wurden, hatte ihre helle Freude.

Im Zugabenteil wurden dann auch noch einmal allerletzte Reserven freigemacht. Hooky schnaufte zwar schon aus dem letzten Loch, aber mit True Faith und Temptation wurden noch mal Kracher rausgehauen, die die Massen elektrisierten. Plötzlich tanzten viele Pogo, es wurde richtig wild. Das i- Tüpfelchen war dann die nichtgeplante Übernummer Love Will Tear Us Appart, bei der alle mitsangen und die Stimmung überschäumte. (Video von youtube Nutzerin Vio V)


Danach ließ sich Peter Hook zu recht feiern. Er hatte sein Shirt ausgezogen und gab den Blick frei auf einen gut austrainierten Oberkörper. Vielleicht hat er ein kleines Bäuchlein, aber bei ihm wirkt alles fest und kompakt. Wie der musikalische Teil im Übrigen.

Welche New Order Alben wird er uns wohl auf der nächsten Tour präsentieren ? Man darf gespannt sein, wie weit er das Spielchen noch treibt !

Definitiv eines der Konzerte des Jahrs 2014 ! 

- Die Fotos © stammen aus meinem Archiv.




Samstag, 28. Dezember 2013

Peter Hook And The Light, Fontenay-sous-Bois, 20.12.13

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Konzert: Peter Hook And The Light (Frankei Rose,Yuck)
Ort: Salle Jaques Brel, Fontenay-sous-Bois bei Paris
Datum: 20.12.2013
Zuschauer: 800 geschätzt
Konzertdauer: Frankie Rose 35, Yuck 45 und Peter Hook 80 Minuten



Die Erwartungen an diesen letzten Gig des Jahres waren turmhoch. Peter Hook und seine Light hatte ich zuletzt in einer lauschigen Sommernacht im Süden Frankreichs unter Pinien gesehen und der Auftritt des grimmig wirkenden Bassisten der Kultbands Warsaw, Joy Division und New Order am 26. Juli beim Midi Festival  ein Oberknaller. Damals spielte er allerdings auschließlich Stücke der Gruppe von Ian Curtis, Material von New Order wurde bis auf Ausnahmen des Zwitters Ceremony ausgespart.

Am heutigen 20. Dezember sollte das anders sein. Da wurde schon im Vorfeld bekannt, daß auch Titel der Nachfolgeband von Joy Division performt werden sollten. Die Geschichte fand in einem Audimax ähnlichen Raum im Pariser Vorort Fontenay-sous-Bois satt. Schon die Anreise war ein kleines Erlebnis, denn per Shuttle Bus wurden die Pariser gratis dorthin kutschiert. Das hatte was von einer Klassenfahrt, zumal die Businsassen fast alle eingefleischte Konzertgänger und somit Freunde und Wegbegleiter waren. "Heute hauen wir auf die Pauke (bzw auf die Kacke?)!" hätte ich auf der Fahrt am liebsten gerufen, aber das hätten die Franzosen eh nicht verstanden, also unterließ ich das.

Vor Ort angekommen fanden wir uns schnell im Audimax des Salles Jacques Brel ein. Mein erster Eindruck war eher ernüchternd. Die Venue war weitestgehend bestuhlt und nur der vordere Bereich vor der Bühne bot Stehplätze an. "Peter Hook plays Joy Division und New Order" und die Leute bleiben dazu sitzen, als würden sie in der Oper sein? Hallo?!

Ich persönlich bezog natürlich sofort in Bühennähe Stellung. Zwei Vorgruppen wurden und geboten, mit Frankie Rose und Yuck wahrlich nicht die Schlechtesten.


Um 22 Uhr 30 dann aber endlich Peter Hook and The Light. Seinen etwas pummeligen Sohn hatte ich schon während der Vorbands durch die Halle latschen sehen, nun erlebte ich ihn live on stage wieder. Die anderen Musiker sagten mir namentlich nichts, aber vom Midi Festival und vom super Gig im Pariser Trabendo 2012 wußte ich, daß sie ausgezeichnet waren. Daß sie gesichtslos bleiben sollten, lag schließlich am ungeheuren Charisma ihres Frontmannes. Als Peter Hook mit einem Comic Weihnachts T-Shirt den Platz hinter seinem Mikro einnahm und nach Abspulen des Kraftwerk Intros Trans Europe Express (die englischer Version) "Bonsoir Paris, comment ça va?" wünschte, schaute ich fortan fast nur noch ihm zu.


Der Übersong Ceremony wurde abgefeuert und dies gleich zur Eröffung. Der Wahnsinn! Wie sollte das bloß noch weitergehen? Schon nach ein par Takten war mir klar, daß der Abend groß werden würde. Der Sound war brillant, laut, aber glasklar, ungeheuer druckvoll und perfekt ausgesteuert. Die Halle wurde integral beschallt, die Ohren wurden wahrlich verwöhnt. Die Band spielte mit 300 km/h und sofort auf Sturm. Das erinnerte mich an eine Fußballmanschaft, die schon in der ersten Minute ein Tor erziehen wollte. Volle Kraft voraus, Anriff ist die beste Verteidigung! Auch das Publikum ging sofort voll ab, zumal mit Day in Day Out nun ein agressiver Punksong gebracht wurde. "Day in day out" brüllte Hooky brutal und gemein wie in Hooligan. "I need you here dont ever fade away, Fade away, fade away!!" knurrte er zonrig etwas später.

Isolation kam sofort im Anschluß daran, ohne jeglichen Übergang. Zum ersten Mal wurd es etwas elektronischer. Der Drummer spielte wie besessen und schnell wie ein Teufel, trieb sein Vordermannschaft wie ein Irrer an. Auch der Bass klang total scharf, egal ob ihn jetzt Hookys Sohn oder er selbst zupfte. Schließlich musste Peter singen und das tat er sagenhaft gut.

Wieder ohne Übergang ging es mit Disorder weiter. Es wurde noch einmal 40 km/h schneller gespielt. Die Albumversionen wurden extrem aufgepeppt und mit einem nie dagewesenen Druck abgefackelt. Schwer zu beschreiben, wie geil das war, viele Leute hatten ein Dauergrinsen in der Fresse und wurden das auch bis zum Schluss nicht mehr los. "I got this spirit, don't lose this feeling! feeling!! feeling!!!"


"This is Transmission" kündigte Hooky kurz den nächsten Hit an, bevor der grummelnde Bass und die fetzigen Gitarren einsetzten. "Radio live transmission", die Leute sangen begeistert mit. Hoook selbst schrie sich heiser ("dance, dance, dance to the radio!!"), hätte auch in einer Metalband seinen Platz gehabt.

5 Minuten später hieß es dann: "I dedicate this song to all the young ladies in the audience." Love Will Tear Us Apart sang nun die ganze Halle und ein Schauer ging über meinen Rücken. Das war gleichzeitig so schaurig und so schön, daß es kaum auszuhalten war. Erstaunlich auch, daß die Nummer nach wie vor nicht ausgelutscht klang. Und der Übersong wurde so richtig schön ausgekostet:

"Here we go Paris" feuerte Peter die Leute immer weiter an. Die sangen irgedwann ganz allein, aber Hooky verzichtete glücklicherweise auf die unsägliche und oft gesehene Geste, das Mikro Richtung Publikum zu richten. Perfekt wurde immer mal wieder das Tempo rausgenommen, um es im Anschluß daran wieder enorm anzuziehen. Als der Song schon verklungen war, gröhlten die Leute trotzdem noch minutenlang den Refrain weiter.

Mit Dreams Never End kam dann ein Stück von New Orders erstem Album Movement, das stimmungsmäßig mit Ceremony zu vergleichen war.


The Age Of Consent, gehörte ebenfalls zu New Order, allerdings zum Opus Power, Corruption and Lies. Max, der Sänger von Youck würde auf die Bühne zitiert, denn er hatte im Vorprogramm mit seiner Band genau jenen Song gecovert. Ein gefundes Fressen für Hooky, um einen zynischen Kommentar abzulassen: "Max from Yuck covered The Age Of Consent during their set. Now, I'm gonna share him how it should really done. Maybe you might teach me someting? But you can't teach an old dog new tricks."

Max sang schließlich fast ähnlich hysterisch und hoch wie Kele "Bloc Party" Okereke, aber manchmal eben auch wie Barney Sumner. Also das passte schon hervorragend, auch wenn der Gesang windschief war.

Nun wurde es düster und geheimisvoll. Mit Everything Gone Green spielten die Lights einen der weniger bekanntenten Stücke von New Order. Es gab eine relativ lange Instrumentalpassage am Anfang, die mechanischen Rhythmen erinnerten an Kraftwerk. Ein super Stück, das ich live noch nie gehört hatte. Unglaublicherweise klang es selbst im Jahre 2013 noch fast avantgardistisch. Man konnte darin auch schon eine Hauch Blue Monday erahnen, obwohl es deutlich weniger elektrisch war.

Nun klang es endgültig nach Kraftwerk. Das wunderchöne, verträumte Your Silent Faith wude gezündet und Hooky spielte hierzu Melodica. Zumindest versuchte er es, er hatte manchmal ein wenig Probleme, gucke das Instrument manchmal an, als wolle er sagen: "die Melodica ist für uns alle Neuland." Ein glitzender Synthieteppich wurde ausgerollt, es war herrlich.

Der Titel bot die Zeit ein wenig zu verschnaufen, runterzukommen und sich für das explosive Finale zu wappnen, das nun folgen sollte.


This is True Faith bekundete kurz und knapp und die Songzeile: "I feel so extraordinairy", wohl das Motto des Abends. Eine Der Lieblingssongs meiner Jugend und in der heutigen sehr basslastigen Version ein besonderer Ohrenschmaus. Vor meinem innere Auge tanzten die bunten Puppen aus dem bekannten Videoclip dazu. Nostlagie pur.

"It's a very special time of the year  and it's the same in England. People can follow, they can be victim to temptation." erklärte Hook fast verschwörerisch.

Temptation klang extrem elektrisch, wahnsinnig feierfreudig und wurde mit einem nie dagewesenen Schmackes gespielt. Die elektronischen Beats pluckerten kunterbunt vor sich hin und die Leute tanzten ausgelassen. Sicherlich der fröhlichste Song des Abends fernab von Depression, Vorstadtödnis und suizidären Gedanken.


Mit Blue Monday wurde schließlich einer der Keytracks der Karriere von New Order aufs Volk losgelassen und noch nie hat mich ein Synthiesong so sehr begeistert wie in diesem Moment. Das Besonders an dem Stück war sein Ende, denn da wurde von der Albumversion abgerückt und laut, ja fast psychedelisch  gerockt. Ich bin ziemlich sicher, daß Blue Monday nie so gut performt wurde wie am heutigen 20. Dezember!

Nach Blue Monday wäre laut Setlist offiziell Schluß gewesen. Aber so kurz vor Weihnachten konnte man den Leuten unmöglich eine Zugabe verwehren. Und es gab nicht nur ein Lied, sondern gleich drei als Bonus! Allein für diesen Dreierpack, der noch einmal knapp 20 Minuten dauerte, hätte sich der äußerst moderate Eintrittspreis von 20 Euro gelohnt. Es kamen nämlich hintereinander weg She's Lost Control, dann mein persönliches Lieblingsstück von Joy Division Shadowplay und erneut Love Will Tear Us Apart.


Die jeweiligen Versionen waren atemberaubend gut (Bei She's Lost Control Hatte man das Gefühl, ein Formle Eins Wagen würde durch die Halle rasen, Shadowplay rockte wie Hölle), die alten Klassiker des Post Punk Genres klangen ungeheuer frisch und sprizig und die Band machte nun die letzten Kraftreserven locker. Zu Love Will Tear Us Apart durfte sogar ein junges Mädel aus dem Publikum mittanzen und mitsingen.


Hinterher standen gleich mehrere Fans mit auf der Bühne. Hooky hatte sein T-Shirt ausgezogen ("musste das sein?", fragten sich ein par Leute) und bekam von einem weiblichen Fan ein Strauß Blumen. Mit eigentlich großtenteils wahnsinnig traurigen Liedern hatte uns Hook sehr glücklich gemacht. Ein paar Leute hatten Freudentränen in den Augen, andere sagen immer noch den Refrain von Love Will Tear Us Apart, obwohl die Deprimhymne längst verklungen war.


Was für ein Konzert zum Jahresabschluß, besser hätte es nicht kommen können! Dei turmhohen Erwartungen wurden noch deutlich übertoffen, das hier heute war definitiv nicht zu toppen. Ein Autritt an den ich mich auch noch in 20 Jahren erinnern werde. Ich bin sogar so tollkühn zu behaupten, daß Joy Division unter Ian Curtis und New Order mit Barney Sumner als Sänger nie ein solch gutes Konzert gegeben haben. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern...

Setlist

01: Ceremony
02: Digital
03: Isolation
04: Disorder
05: Transmission
06: Love Will Tear Us Apart
07: Dreams Never Ende
08: Age Of Consent
09: Everything's Gone Green
10: Your Silent Face
11: True Faith
12: Temptation 
13: Blue Monday

14: She's Lost Control
15: Shadowplay
16: Love Will Tear Us Apart


Freitag, 2. August 2013

Peter Hook & The Light, Hyères, 26.07.13

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Konzert: Peter Hook And The Light
Ort: Hippodrome de la plage, Hyères, Südfrankreich
Datum: 26.07.2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: etwa 1.000


Was für ein herrlicher Geburtstag! Tagsüber weideten sich meine alten lüsternen Augen an den ganzen jungen, knackigen Mädchen, die am Strand mit String Tangas und gepiercten Bauchnabeln entlangspazierten, abends ging es gemeinsam mit meiner Süßen zum herrlichen Midi Festival In Hyères. 

Unter Pinien traten hier bei bestem Sommerwetter im Hippodrom insgesamt vier Bands auf, darunter der ehemalige Bassist von Warsaw, Peter Hook, der zusammen mit seiner jungen Truppe The Light um 22 Uhr 30 angesetzt war. Auf ihn will ich (zumindest zunächst) meine Berichterstattung konzentrieren. 


Hooky wie ihn die Fans liebevoll nennen, hatte mich schon im letzten Jahr bei einem Clubkonzert in Paris total weggeblasen und deshalb waren die Erwartungen an diesen Festivalauftritt in Südfrankreich auch turmhoch. Würrde er mich wieder in Euphorie versetzen? Alle Zweifler verstummen lassen, die ihm unterstellen, er tingele nur der Kohle wegen mit den alten Klassikern von Joy Division durch die Lande? 



Spätestens um 23 h 30 als die letzte Note von Love Will Tear us Apart verklungen war, hatten ich, hatten alle die Antwort bekommen. Ja, er konnte mich erneut begeistern und ja, er stopfte fast allen ihr blödes Maul. Klar gab es trotz des Sensationsgigs noch ein paar Nörgler, aber man kann und muss es nunmal nicht allen recht machen. Was wollte man schließlich auch mehr? Es gab alle großen Hits (She's Lost Control, Shadowplay, Radio Transmission, Love Will Tear Us Apart), aber auch ein paar Nummern, die die oberflächlich Interessierten nicht wirklich kannten (These Days, 24 Hours, Warsaw). Für mich war die Setlist mehr als ein Geburtstagsgeschenk, es war als fielen mehrere Feiertage gleichzeitig Zumal ich das große Glück hatte, akkreditiert zu sein und vorne im Fotograben Hooky und Band aus nächster Nahe in Aktion zu sehen. Ich stand direkt vor den großen Boxen! Der Sound war aus dieser Distanz einfach obergeil, die scharfen Bässe (gespielt von Hooky, aber vor allem auch von seinem Sohnemann), die astreinen Gitarrensoli und das trockene, punktgenaue Schlagzeug, all dies nahm ich ganz bewusst und sehr intensiv wahr. Das Ganze war so ungeheuer rhythmisch und tanzbar, dass ich es nicht aushielt und tierisch abhottete. Mit wild zuckenden Bewegungen reagierte ich auf die ungemein modern klingende Musik da vorne und scherte mich einen feuchten Kehricht darum, was die anderen Fotografen oder die Zuschauer in den ersten Reihen dachten. She's Lost Control und Shadowplay hintereinander, wer kann da noch stillhalten? Ich nicht!





Hooky selbst war auch sehr agil und herrlich agressiv. Nicht nur sein Gesang klang hundsgemein und angrifslustig, sondern auch seine Gestik (das permante Armheben!) sprach Bände. Immer wieder baute er sich posend am Bühnenrand auf und hielt mit gespreizten Beinen seinen Bass demonstrativ vor seinen gut durchtrainierten Körper (kleiner Bauch, aber alles fest, man würde sich die Hand verletzen, schlüge man da rein), so als wolle er sagen: "der geilste Bassist aller Zeiten, das bin ich, alle andern sind Lutscher!" 

Aber auch gesanglich bekam er den Ian Curtis Part bestens hin. Jeder, der zum ersten Male Liveaufnahmen von Joy Division gehört hat, wird erstaunt sein, wie fuchsteufelswild und laut Ian sang, ganz anders als auf den von Produzent Martin Hannett geschönten und geglätteten Studioaufnahmen. Und sehr sehr ähnlich intonierte auch Peter Hook. Es wirkte trotzdem nicht wie eine Parodie, oder eine Imitation, denn die Agressivität nahm man Hook bedingungslos ab, sie wirkte nicht gekünstelt. 

Als die Fotografen nach ein paar Liedern (erstaunlicherweise durfte man 5 Songs lang vorne bleiben, üblich sind in der Regel drei) dann ihre Stellung im Graben verlassen mussten, war ich bereits vollkommen high. Hormone hatten für einen explosiven Cocktail gesorgt, in meinem Gehirn fanden sich sicherlich noch deutlich später Spuren von Adrenalin, Endorphin, Serotonin und was weiß ich noch was alles. 

 Musik kann wie eine Droge wirken, selten war dieser Satz so wahr wie in jener lauschigen Sommernacht. 

Mein Hemd war vom Tanzen inzwischen pitschnass, aber es ging noch eine halbe Stunde mit postpunkigem Dauerfeuer weiter. Twenty Four Hours und Dead Souls weckten mit ihren harten Rhythmen (das Schlagzeug erinnerte bsiweilen an Peitschenschläge) noch die totesten aller Seelen auf und nicht sehr viel später kam mit Ceremony sogar noch der beste (und einzige) Song von New Order. Sogleich klang alles ein wenig fröhlicher, melodischer und poppiger, wenngleich dieses Lied noch ganz klar an die Vorgangerband erinnerte. Ceremony, das sind noch nicht die elektronischen New Order, wie wir sie in den späteren 1980er Jahren kennenlernen sollten. 



Interessanterweise wird dieser famose Titel auch noch von Barney Sumner regelmäßig gespielt, eine der wenigen übriggebliebenen Gemeinsamkeiten zwischen dem New Order Sänger und dem ex-Bassisten dieser Band. Barney mag die frühen Sachen von New Order nicht, Hooky liebt sie. 

Barney wurde ich allerdings nicht zutrauen, den Joy Divison Katalog ähnlich gelungen live zu präsentieren, da fehlt ihm einfach die Kraft, die Wut und die Schizophrenie in der Stimme. Love Will Tear Us Apart, das natürlich auch beim Midi Festival den krönenden Abschluss bildete, spielt allerdings auch Barney immer noch am Ende von New Order Konzerten und dies definitiv gleich gut. 

Für mich gab es am Ende des 26. Juli allerdings trotzdem nur einen Helden: Peter Hook. Sumner und seine Kollegen waren mir an diesem tollen Tag einfach mal vollkommen egal, sollen sie über Hooky lästern wie sie wollen. 

Es wurde deutlich: Peter Hook is Joy Division. In ihm lebt die Legende weiter. 

Einen besseren Nachlassverwalter kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ian Curtis würde sich angesichts der Darbietungen seines Bassisten nicht im Grab rumdrehen, sondern ihm vom Himmel aus zujubeln. 

Setlist Peter Hook & The Light, Midi Festival, Hyères: 

01: No Love Lost 
02: Digital 
03: Disorder 
04: She's Lost Control 
05: Shadowplay 
06: Isolation 
07: Twenty Four Hours 
08: Dead Souls 
09: These Days 
10: Warsaw 
11: Failures 
12: Ceremony (New Order) 
13: Transmission 
14: Love Will Tear Us Apart 

* Foto Archivaufnahme. Aktuelle Bilder folgen in Kürze.


Dienstag, 18. Dezember 2012

Peter Hook and The Light playing Joy Division, Paris, 17.12.12

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Konzert: Peter Hook & The Light playing the album Closer and other tracks by Joy Division
Ort: Le Trabendo, Paris
Datum: 17.12.2012
Zuschauer: 600 etwa, fast ausverkauft
Konzertdauer: 100 Minuten



Da fehlten selbst den erfahrensten Konzerthasen die Worte. Nach dem unfassbar genialen Auftritt von Peter Hook & The Light, die das Album Closer und andere Titel von Joy Divison gespielt hatten, konnten wir nur noch bekifft grinsen und uns ungläubig ansehen. So als wollten wir uns gegenseitig fragen: "Hast du das gesehen? War das nicht der helle Wahnsinn? Gab es ja schon mal was Geileres?"



 

Aber genau für solche epischen Konzerte leben wir Gigjunkies. Obwohl wir im Jahr 200-250 Shows sehen, erleben wir maximal 5, manchmal nur 3, in schlechten Jahren sogar nur eines dieser besonderen Sorte.


Und heute war es mal wieder soweit. Alles stimmte. Der Sound, die Atmosphäre, die Songs, die Stimmung. Peter Hook imitierte 140 Minuten lang den agressiven Baritongesang von Ian Curtis, seine Band The Light, in der sein Sohn den Bass zupfte, spielte punktgenau und wahnsinnig schmissig und ein kultiges Stück jagte das Nächste. Ich übertriebe nicht, wenn ich sage, daß das Original teilweise deutlich getoppt wurde. Besonders der Track Decades wurde sagenhaft gut performt.



Ansonsten guckt euch einfach die Setlist an. Was soll man da noch sagen?! Isolation, Shadowplay, She's Lost Control, Radio Transmission, Love Will Tear Us Apart und als abolute Krönung noch Ceremony von New Order. Wow!!



Hooky du bist ein ganz Großer, besser ging's nicht!

Forever Joy Division! Die Legende lebt!

Setlist Peter Hook & The Light, Trabendo, Paris

01: Atmosphere
02: Dead Souls
03: Leaders Of Men
04: Novelty
05: Atrocity Exhibition
06: Isolation
07: Passover
08: Colony
09: A Means To An Ende
10: Heart & Sould
11: Twenty Four Hours
12: The Eternal
13: Decades

14: These Days
15: Disorder
16: She's Lost Control
17: Shadowplay

18: Digital
19: The Drawback
20: Transmission
21: Love Will Tear Us Apart

22: Ceremony (New Order)




Mittwoch, 8. Februar 2012

Peter Hook and the Light, Luxemburg, 07.02.12

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Konzert: Peter Hook and the Light
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 07.02.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft aber ganz gut gefüllt*
Dauer: 85 min


Als das Publikum bei der letzten Zugabe Love will tear us apart so laut sang, daß sich Peter Hook an den Bühnenrand stellte und feststellte "you don't need me", fragte ich mich, wie viel Wahrheit wohl in dieser Aussage steckte...

Natürlich habe ich Joy Division nie live gesehen. Im Gegensatz zu den Smiths, der zweiten entscheidenden Band der letzten 40 Jahre, habe ich ihr Ende nicht knapp verpasst. Die Smiths habe ich etwa ein Jahr nach ihrer Auflösung lieben gelernt, da war Ian Curtis schon bald ein Jahrzehnt tot. Den meisten deutschen (bzw. nichtenglischen) Fans von Joy Division geht es genauso. Von 78 bis 80 spielte die Band Konzerte, darunter waren aber nur eine Handvoll Shows außerhalb Großbritanniens, u.a. im Dezember 79 in Paris und einen Monat später im Doornroosje in Nijmegen, in Berlin oder in Köln. Ich habe keine Ahnung, wie voll diese Konzerte waren. Die Bilder aus der Hacienda in Manchester vermitteln aber nicht den Eindruck, daß Hunderttausende Joy Division damals live erlebt haben.

Eines der wichtigsten Elemente der Musik der Band ist der dominante Bass. Den Beginn von Love will tear us apart kennt vermutlich sogar jeder Nickelback-Fan. Aber auch die meisten anderen Stücke (die dann keiner außerhalb der kleinen Welt der Musiknerds je gehört hat), erkennt man an den ersten Tönen des Basses, lange bevor sonst etwas passiert. Ohne Peter Hook wären Bässe heute vermutlich so langweilig wie Schlagzeuge; sein Spiel hat ein Musikgenre geschaffen; das der Bands, die wie Joy Division klingen.

Was nach dem Selbstmord von Ian Curtis geschah, ist bekannt. Die Band hatte sich zu dessen Lebzeiten (die nach den Aussagen des Sängers nicht lange sein würden), abgesprochen, nicht als Joy Division weiterzumachen, sollten nicht mehr alle vier
dabei sein. Bernie Summner, Peter Hook und Stephen Morris gründeten mit New Order die zweite Lieblingsband, aus der Hook 2006 ausstieg. Im vergangenen Jahr spielte New Order zwei Benefizkonzerte ohne den Bassisten; das Verhältnis der drei Joy Division Gründer scheint vergiftet zu sein.

Daß Peter Hook jetzt mit Begleitband The Light unterwegs ist, die beiden Alben von Joy Division live zu spielen, scheint ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Bernard
Summner zu sein und sollte dem Zuschauer eigentlich egal sein (weil es ihn nichts angeht), ist aber für meine Beurteilung des Abends wichtig.

Der Abend mit der Musik von Joy Division fand im
Atelier in Luxemburg statt und erforderte eine Fahrt über verschneite Eifelautobahnen. Da unterwegs nicht viel los war, fuhr ich durch eine schwarz-weiße Landschaft, eine perfekte Einstimmung, da man schließlich mit Joy Division nicht unbedingt bunte Farben verbindet. Als ich kurz vor Beginn des Vorprogramms im Atelier ankam, war da noch nicht viel los. Eine belgische Familie mit kleiner Tochter schrieb gerade eine Nachricht auf ein mitgebrachtes Geschenk für Hooky, wurde dann von weiteren Hardcore-Fans begrüßt. Es war zumindest da noch keine Laufkundschaft da.

Um halb neun begann eine kurze (sehr mies geschnittene) Dokumentation über Joy Division, eine Stunde später dann das Konzert.

Peter Hook trug ein Closer T-Shirt, das mochte ich nicht (den Umstand, nicht das Hemd). Jeder im Saal wusste, wer er war. Er musste das nicht mit einem Shirt verdeutlichen. Oder wenn, dann mit "I was in Joy Division". Ebenso merkwürdig war das Lineup. The Light ist eine
ausgewachsene Band - mit Bassist. Es gab also zwei Bassspieler. Daß das aber durchaus Sinn machte, zeigte sich nach den ersten Takten des Openers No love lost. Nach ein paar Basstönen von Peter Hook, übernahm der andere Musiker diese Parts. Peter sang nur noch. Sobald er singen musste, hing der Bass untätig rum. Aber auch sonst waren Peter Hooks Einsätze an seinem Instrument überschaubar. Der Nachgeschmack, den das hinterließ, war deutlich fieser als der des T-Shirts. Dazu wirkt der Musiker ungemein unsympathisch; in eine Diskussion möchte man mit ihm nicht geraten.

Ein selbstverliebter Bassist mit einer Coverband, der tourt, um alte Kumpels zu ärgern, und der sich plötzlich als Sänger begreift, klingt nach einem Desaster. Das war es aber nicht, und deshalb tue ich mich mit der Einschätzung so schwer.

Peter Hook singt nämlich nicht schlechter als Ian Curtis auf vielen Bootlegs, die ich gehört habe. Und auch, wenn er nur die ersten Takte jedes Lieds (und danach immer mal wieder sporadisch) spielte (Amerikaner sprächen wahrscheinlich von "signature riffs"), kann ich nicht bestreiten, daß die Band hervorragend agierte. Es klang wie Joy Division und war eine enorm würdevolle Interpretation der großen Lieder dieser Band. Der Gitarrist wirkte auf mich, als sei er lange nach Curtis' Tod geboren. Das war aber egal, weil sich seine Band nicht wie eine Kirmes-Cover-Truppe anhörte, das hier war überhaupt nicht verkehrt.

Und ist es in einem Sternerestaurant nicht auch vollkommen irrelevant, wer das Gericht zubereitet? Der Koch, der den Stern erarbeitet hat, wird das mit Sicherheit nicht sein, das Essen ist allerdings identisch. Melonenkaviar wird auch dann eine Sensation sein, wenn Pepe Müller und nicht Ferran Adrià ihn zubereitet hat.

Uns kann man hier vieles vorwerfen, sicher aber nicht, daß wir objektiv über
Konzerte berichteten! Das gibt es nicht. Heute muß ich es aber so halten, denn eine schlüssige Beurteilung des Abends fällt mir aus den geschilderten Gründen schwer. Es hätte ein Desaster sein können, war es aber nicht. Es hätte mich euphorisieren können, tat es aber nicht. Der Abend war gut, die musikalische Darbietung sogar besser. Und es kam hervorragend an: in der Mitte wurde wild getanzt und gepogt. Hilft nur der Ausweg in die Objektivität. Also ein paar Worte noch zum Programm:

Vor der angekündigten Unknown pleasures spielte die Band als Einstimmung ein paar Lieder wie No love lost und Leaders of men (beide von der ersten EP An ideal for living - mit dem Hitlerjungen auf dem Cover). Nach Unknown pleasures folgten zwei Zugabenblocks mit sechs "greatest hits." Das wieder war genauso, wie ich es mir vorher gewünscht hätte.

Schwarz-weiß war das Motto des Abends, in jeder Hinsicht.

Setlist Peter Hook and the Light, den Atelier, Luxemburg:

01: No love lost
02: Leaders of men
03: Glass
04: Digital

Unknown Pleasures:
05: Disorder
06: Day of the lords
07: Candidate
08: Insight
09: New dawn fades
10: She's lost control
11: Shadowplay
12: Wilderness
13: Interzone
14: I remember nothing

15: Atmosphere (Z)
16: Isolation (Z)
17: Failures (Z)
18: Warsaw (Z)

19: Transmission (Z)
20: Love will tear us apart (Z)

* vermutlich mehr als bei den meisten Konzerten zu Ian Curtis' Lebzeiten




 

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