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Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Freitag, 8. April 2011

Erica Buettner & Antoine Loyer, Paris, 07.04.11

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Konzert: Erica Buettner & Antoine Loyer

Ort: La Java, Paris

Datum: 07.04.11
Zuschauer: leider nur etwa 40


Die Amerikanerin mit dem deutschen Namen wohnt jetzt in Portugal. Erica Buettner hat der Liebe wegen die Stadt der Liebe verlassen und wohnt jetzt in Coimbra.

"Oh, das ist zur Zeit wahnsinnig angesagt, zu seinem Lover nach Portugal zu ziehen" meinte Armelle Pioline (Holden, Superbravo) zu dem Ganzen und konnte sich ein neckisches Grinsen nicht verkneifen. Auch aus ihrem Umfeld ist jemand aus Paris Richtung Süden abgehauen, sie wusste also wovon sie spricht. Dabei hat Portugal in den letzten Monaten doch eher als Pleitekandidat Schlagzeilen gemacht. Nun, anscheinend sind die Männer dort toll. Arm aber sexy. Oder so.

Dennoch kommt Erica Buettner gerne nach Paris zurück. Hier hat sie studiert, jahrelang gelebt, Songs geschrieben, Konzerte gegeben und so einige Fans (mich zum Beispiel) hinzugewonnen. Zu dumm bloß, daß sich heute wenige ihrer Anhänger blicken ließen. Die alles andere als kleine Java war gähnend leer, leider muss man das so deutlich sagen. Um so professioneller, daß sich Erica nichts anmerken ließ und ihr Set konzentriert und mit Hingabe durchspielte.

Ihr Konzert bot eine gekonnte Mischung aus altbekannten und neuen Stücken, die man zum Teil über ihre Bandcamp Seite beziehen kann. Am meisten aufhorchen ließ mich Under The Radar, ein mir bisher unbekannter Song, den sie mit ihrer naturreinen, äußerst lieblichen Stimme auf dem Banjo vortrug. "You're sorry about the weather, and you don't know why you always feel the need to apologize for things that are way out of your control", sang sie so wundervoll, daß es ein purer Genuß war. Schnell wurde erneut klar, daß Erica eine Klasse für sich ist. Scheinbar mühelos und ohne zu forcieren, ließ sie das traumhaft schöne Stück fließen. Zeitlos sowohl ihre Stimme, als auch ihr Songwriting. Die Zärtlichkeit und Klugheit, die Erica in die Waagschale zu werfen hat, ist einfach beeindruckend. Die zarte Dame scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Man kann sie sich schwerlich hinter ihrem Computer beim Absurfen ihrer Facebook Seite vorstellen. Stattdessen wird sie wohl eher Weltliteratur oder Gedichte lesen und sich ansonsten von der Hektik der heutigen Zeit abkapseln.

Dementsprechend traumversunken und weltentrückt trug sie deshalb auch ihre anderen Kleinode vor. True Love And Water, Arctic Dogs, No Land's Man längst Klassiker für mich. Neu allerdings Tight Rope Walker, Fast Passing und die beiden Cover, die sie am Ende spielte. Mit T'en souviens-tu, la Seine? von Anne Sylvestre wagte sie sich gar an klassisches französisches Liedgut, meinte, daß der Text autobiografisch hätte sein können und bestach durch ihren tadellosen französischen Akzent.

Auch bei der Zugabe wusste sie zu überraschen. Out Of Time von Blur klang bei ihr ganz anders als bei Damon Albarn, schöner fast, möchte man meinen.

Trotz des geringen Zuschauerinteresses: Erica Buettner wird ihren Weg gehen. An ihrer Klasse wird auf Dauer einfach niemand vorbeikommen. Eine Ausnahmekünstlerin.



Antoine Loyer später...

Setlist Erica Buettner, la Java, Paris:

01: True Love And Water
02: The Most Fragile Things
03: ?
04: Under The Radar
05: Arctic Dogs
06: Tight Rope Walker
07: No Land's Man
08: The Body Electric
09: Fast Passing

10: T'en souviens-tu, La Seine? (Anne Sylvestre)

11: Out Of Time (Blur)



Sonntag, 20. Juni 2010

The Resident Cards & V.O., Paris, 19.06.10

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Konzert: The Resident Cards & V.O.

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 26
Datum: 19.06.10
Zuschauer: 47 (laut Cécile)
Konzertdauer: Habe nicht auf die Uhr geguckt


Möglicherweise haben wir an diesem 19. Juni die letzte Oliver Peel Session vor den großen Sommerferien gefeiert. Ein Highlight, ohne Frage, denn die beiden in Paris gestrandeten Amerikanerinnen Erica Buettner und Dana Boulé haben unter dem Projektnamen The Resident Cards mich und unsere unfassbar vielen Gäste begeistert. Zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Charaktere haben sich da zusammengeschlossen, um gemeinsam zu musizieren. Die fragile, äußerst sanfte Erica (Gesang, Gitarre, Banjo) und die energiegeladene, ungemein temperamentvolle Dana (Gesang, Piano, Akkordeon) harmonierten perfekt zusammen und boten ein wunderschönes, abwechslungsreiches Set, bei dem auch der als Gitarrist von feinsten Acts wie Francoiz Breut, Soy Un Caballo und Venus bekannt gewordene Belgier Boris Gronemberger aka V.O. tatkräftig mitmischte. Boris, normalerweise Vorstand einer 8 köpfigen Band, hatte zuvor alleine am Piano und der Gitarre seine filigranen und einfallsreichen Folksongs zum Besten gegeben und prima in den Konzertabend eingeleitet. Fast 50 Gäste, darunter etliche Amerikaner, labten sich zudem an den Pizzas, die Cécile und Marie-Claire frisch zubereitet hatten und kippten dazu Roséwein und Bier die Kehle runter. Ingesamt eine rundum gelungene und sehr stimmungsvolle Session, die mit einem Novum aufwarten konnte. Zum ersten Mal musizierte eine schwangere Frau: Dana Boulé ist im vierten Monat und war trotzdem bestens aufgelegt. Ein Hoch auf die werdende Mutter!







Mehr Fotos und Details demnächst!

Setlist V.O., Oliver Peel Session # 26, Paris:

01: Before The Night Falls
02: ?
03: Constant Changes
04: Wet, Windy & Cloudy
05: Those Things In The Box
06: Sample Song
07: Green Snow
08: Where Is Your Home

Setlist Resident Cards, Oliver Peel Session # 26, Paris:

01: Where'd You Go?
02: San Andreas
03: Lie To Me
04: Gotta Shed The Old Skin
05: Pyramide
06: Parisian Clouds
07: ... Get Out
08: Garden

- Mehr Fotos von dieser prima Session. Wein, Weib und Gesang, klick!



Donnerstag, 21. Januar 2010

Arborea & Erica Buettner, Paris, 20.01.10

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Konzert: Arborea & Erica Buettner

Ort: Le Scopitone, Paris
Datum: 20.01.2010
Zuschauer: 35-40
Konzertdauer: jeweils etwa 45 Minuten



Jammerschade, daß die bereits fest für den 26.10. gebuchte Oliver Peel Session mit dem amerikanischen Pärchen Arborea im letzten Jahr nicht zustande kam! Buck, der Gitarrist der Band, musste die gesamte Europa Tour canceln. Soweit ich das richtig verstanden habe, hatte er einen Arbeitsunfall und Probleme mit seinem Arm.

Um so erfreulicher, Buck und seine Frau Shanti, die Sängerin des Duos, im Januar 2010 auf einer kleinen Pariser Bühne zu sehen. Aus dem schönen Maine, gelegenen im obersten Nordosten der Vereingten Staaten, waren sie gerade angereist und fühlten sich entsprechend jetlagged. Lediglich zwei Stunden Schlaf hatten sie gehabt, aber sie waren dennoch froh, in Paris zu sein. Ihre Heimat Maine werden sie erst Ende Februar wieder sehen, bis zum 16.02. bespielen sie kleine europäische Konzertsäle. Leider machen sie nicht in Deutschland Station, sondern verwöhnen vorerst lediglich Frankreich, Spanien und Italien mit mehreren Konzerten.

Leben wie Gott in Frankreich hieß heute also konkret, in einer sehr kleinen Location Arborea aus nächster Nähe zu genießen. Das unweit der Staatsoper gelegene Scopitone kann fürchterlich sein, vor allem wenn es voll ist, wenn aber wie heute Luft zum Atmen bleibt und man selbst in einem äußerst komfortablen Clubsessel sitzt, scheint das Paradies so nahe. Ob die Pariser überhaupt ihr Glück zu schätzen wussten? Nicht sicher, denn als Arborea als erste Band des Abends starteten, waren vielleicht gerade einmal 25 Personen anwesend. Ziemlich schade für die Band, die eine unendlich lange Anreise hatte, aber eher gut für die bereits jetzt versammelten Gäste, denn der Geräuschpegel war erfreulich gering. Die sehr subtile, reduzierte und atemberaubend schöne Musik des Duos verlangt eine solche Totenstille. Höchste Aufmerksamkeit ist von Nöten, um dem hypnotischen Zauber der mystischen, wüstengetränkten Klänge zu erliegen. Zunächst passierte oberflächlich betrachtet nicht viel. Buck zupfte ein paar zarte Noten aus einer Klampfe, während Shanti ein sog. Banjomer*, welches auf ihren Knien ruhte, mit äußerstem Feingefühl bearbeitete. Gesungen wurde anfänglich nicht. Aber dann erhob sie sich, die unbeschreiblich schöne Stimme von Shanti und schwebte über den instrumentalen Klängen. Mir blieb die Spucke weg! Mit offenem Munde schaute ich meinen Sitznachbarn Michael an und raunte ihm ins Ohr: "Mann ist das traumhaft!" Er nickte heftig, guckte dabei aber wie gebannt auf die Bühne. Beide fühlten wir uns, als hätten wir die Finger in die Steckdose gesteckt und einen Stromschlag erhalten. Ob wir wohl schon im Paradies waren? Dort wo sich alles so leicht und weich anfühlt, wo man wie in Watte gepackt ist? Fast schien es so...

In einem hypnoseähnlichen Zustand ließ ich mich ganz weit hinwegtragen und von der sirenhaften, ein wenig an Marissa Nadler erinnernden Stimme von Shanti streicheln. Ein Schauer nach dem anderen jagte meinen Rücken runter und halbwach bekam ich mit, wie Shanti im weiteren Verlaufe zum Banjo wechselte und Buck bei Dance, Sing, Fight* zum ersten Mal ein wenig mitsang. Die Atmosphäre war knisternd, geheimnisvoll und irreal schön, jedes einzelne Lied ein Juwel. Noch nie zuvor hatte ich eine Musikerin gesehen, die das Banjo so gefühlvoll berabeitete wie Shanti. Als würde sie ein Kätzchen sanft kraulen, so sah das aus und Buck entlockte seiner Elektrischen sphärische Klänge voller Düsterheit und Mystik. Sea Drift verzauberte mich in besonderem Maße, aber auch Arms & Horses ließ meine Nackenhaare zu Berge stehen und das Tim Buckley Cover Phantasmorgia In Two wurde auf verblüffende Weise neu interpretiert.

Vierzig Minuten lang war ich auf einem anderen, friedvolleren Planeten unterwegs und als die beiden ihre Instrumente zur Seite legten, war mein Bauch voller Schmetterlinge.

Wer nachvollziehen will, warum ich so schwärme, sollt sich einfach ein wenig Zeit nehmen, die You Tube Videos von Arborea absurfen und sich hinabgleiten lassen. Gänsehaut garantiert!

Videos Arborea:

- Arms &Horses
- Sea Drift
- Black Mountain Road

* ein Banjomer ist ein dem Dulcimer ähnliches Instrument, das fast wie ein Banjo klingt. Daher auch der Name.
* In den Song Dance, Sing, Fight haben Arborea am Ende Lyrics von Beds Are Burning der kultigen Australier Midnight Oil eingearbeitet. Von einem Cover würde ich trotzdem nicht sprechen wollen.


Setlist Arborea, Le Scopitone, Paris:

01: Leaves Among The Ruins
02: Song for ...
03: Dance, Sing, Fight
04: Wayfaring Summer
05: Red Bird
06: Phantasmorgia in Two (Tim Buckley Cover)
07: Dream child
08: Sea Drift
09: Arms & Horses
10: Forwarned
11: Song gemeinsam mit Dana Boulé am Akordeon

Als zweiter Act des Abends war die in Paris lebende Amerikanerin Erica Buettner gebucht. Von ihrer Anmut, Eleganz und Fragilität habe ich bereits desöfteren auf dem Konzerttagebuch geschwärmt, aber ich werde nicht müde, ihre Qualitäten zu rühmen. Eine solch talentierte Singer /Songwriterin mit einer derart sanften und schönen Stimme muss doch irgendwann einmal den Durchbruch schaffen! Ich traue ihr das auch unbedingt zu, aber Vorrausetzung hierfür ist, daß ihre feinen Lieder endlich auf einen Tonträger gebannt werden, damit auch ein größeres Publikum von ihr erfahren kann. Ich hoffe, ihr stärkster Song The Arctic Dogs wird darauf vertreten sein, bei dem sie mit einem feinen Guitarpicking zu gefallen weiß. Gesetzt sein dürfte When It Goes, eines ihrer wenigen auf dem Banjo eingespielten Kleinode. Das Elliott Smith Cover Between The Bars, das sie heute zu meiner Freude vortrug, wird aber wohl nicht auf dem Debütalbum zu finden sein, dafür hat sie einfach genug eigenes Material. Hinzu kommt, daß die Blondine, die heute zum ersten Mal mit Kleid und hochhackigen Schuhen auflief ( sie selbst scherzte über diesen Umstand und erklärte, daß es gar nicht so leicht sei, auf den Dingern zu stehen), inzwischen sogar ein Team mit der ebenfalls in Paris lebenden amerikanischen Akordeonspielerin Dana Boulé bildet und mit ihr gemeinsam neue Stücke geschrieben hat. Das weibliche Powerduo nennt sich The Resident Cards und wird sicherlich noch einiges von sich hören lassen.

Insgesamt erneut ein wundervolles Konzert von Erica Buettner, die nach wie vor auf der Suche nach einem Label ist, daß ihr erstes Album veröffentlicht.

In dieser Hinsicht viel weiter ist der Franzose Kim, der als dritter und letzter in den Ring geschickt wurde. Der Bursche mit dem Prinz Eisenherz- Haarschnitt hat schon an die 20 (!) Alben auf den Markt gebracht und dies auf vielen verschiedenen Labeln. Für seinen spät angesetzten Auftritt fehlten mir aber ganz einfach die Kräfte. Müde aber ob des Gesehenen sehr glücklich, verließ ich das Scopitone...


Link:

Blogger-Wimbledonsieger Eike über Arborea. Lesenswert wie immer. Klick!

Aus unserem Archiv:

Erica Buettner, Paris, 17.06.09
Erica Buettner, Paris, 24.05.09 (Oliver Peel Session)
Erica Buettner, Paris, 25.04.09
Erica Buettner, Paris, 17.09.08
Erica Buettner, Paris, 21.05.08





Freitag, 23. Oktober 2009

Erica Buettner & My Broken Frame, Paris, 22.10.09

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Konzert: Erica Buettner & My Broken Frame

Ort: Panic Room, Paris
Datum: 22.10.2009, 21 Uhr
Zuschauer: 35-40
Konzertdauer: jeweils etwa 35 Minuten



Berichte demnächst.

Setlist Erica Buettner, Panic Room, Paris:

01: Parisian Clouds
02: No Land's Man
03: True Love And Water
04: Arctic Dogs
05: Our Most Fragile Things
06: When It Goes
07: San Andreas
08: Time Travelling



Donnerstag, 18. Juni 2009

Erica Buettner, Paris. 17.06.09

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Konzert: Erica Buettner

Ort: Le Smile, 5. Pariser Arrondissement

Datum: 17.06.2009

Zuschauer: ca. 25

Konzertdauer: ca. 40 Minuten



"Oh great, we have a free hammam here" rief ein Zuschauer ob der unerträglich heißen Temperaturen in der Bar Le Smile leicht zynisch aus. Der Kerl hatte Recht, man fühlte sich in der Tat wie in einem arabischen Dampfbad! Völlig benebelt von der Hitze starrten ungefähr 25 eng zusammengepferchte Besucher auf die winzige Bühne, wo die in Paris lebende Amerikanerin Erica Buettner ihre zartmelancholischen Folksongs vortrug. Seien wir ehrlich: die uncharmante Spelunke, die damals unter einem anderen Besitzer Le Shebeen hieß und nicht nur die ganzen grünschnäbeligen Pariser Garagenrocker anzog wie das Licht die Motten, sondern auch Johnny "Razorlight" Borrell und Peter Doherty zu seinen gelegentlichen Gästen zählte, war wirklich nicht der ideale Ort für die intime Musik von Erika. Ständig latschten Leute während des Konzertes an den Künstlern vorbei auf Toilette, der Verstärker nervte mit ein paar ganz und gar unschönen und ohrenbetäubenden Rückkoppelungen und die Stimme von Erica war nur recht schwer zu verstehen. Trotzdem machte die Amerikanerin das beste aus der nicht gerade optimalen Situation, lächelte oft (der Laden hieß ja schließlich auch smile!) und glänzte neben dem altbekannten Material sogar mit einem neuen Lied, daß sie zusammen mit ihrer Freundin und Kollegin Dana Boulé vortrug. Dana spielte dabei Akkordeon und ihre und Erika's Stimme harmonierten prächtig miteinander. Der performte Song mit dem Titel Contemplate Shifting wird allerdings nicht auf dem sehnlich erwarteten Debütalbum von Buettner enthaten sein. Schade eigentlich, aber man kann sich ja mit Arctic Dogs trösten, zu dem Bassist Romain Garnier hinzustieß und ein paar polternde Basslinien beisteuerte.

Erica behalte ich natürlich weiterhin genauestens im Auge, schließlich hatte sie erst kürzlich eine wundervolle Oliver Peel Session abgeliefert und etliche Gäste mit Charme und Stimme verzaubert. Heute tat sie mir allerdings ein wenig Leid. Aber es ist wie im Tennis. Auch die größten Cracks haben einmal auf schlecht präparierten Plätzen gespielt...

Setlist Erica Buettner, Le Smile, Paris:

01: Time Travelling
02: Our Most Fragile Things
03: When It Goes
04: Comtemplate Shifting
05: Arctic Dogs
06: No Land's Man
07: The Body Electric

- Mehr Fotos von Erica Buettner hier




Montag, 25. Mai 2009

Erica Buettner, Paris, 24.05.09

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Konzert: Erica Buettner

Ort: Ein Wohnzimmer, irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 6
Datum: 24.05.2009
Zuschauer: 20
Konzertdauer: 45 Minuten



Erica Buettner habe ich im vor ziemlich genau einem Jahr kennengelernt. Allerdings noch nicht persönlich, sondern als aufmerksamer Beobachter ihres Konzertes in der Pariser Belushi's Bar. Ein junger, folkbegeisterter Franzose namens Mika hatte den Folkabend (21.05.2008) organisiert und sogar das Kunststück vollbracht, die renommierte Meg Baird (vormals Espers) und die hochtalentierte Sharron Kraus für das wunderbare Konzert zu gewinnen. Erst als Erica ein par Monate später solo im Pop In auftrat, ergab sich ein Plausch und die liebenswürdige Amerikanerin mit Wohnsitz Paris war mir auf Anhieb sympatisch. In den folgenden Wochen tauschten wir ab und an E-Mails aus und ich verfolgte ihren Werdegang weiterhin aufmerksam. Leider gingen mir ein paar ihrer in kleineren Cafés stattfindenden Konzerte durch die Lappen, aber als This Is The Kit und The Hand zusammen im Pop In ein begeisterndes Konzert gaben, sah ich Erica wieder, denn sie half ihren Freundinnen an der Querflöte aus. Auch bei anderen Konzerten (Antony & The Johnsons, Neko Case, Aimee Mann) trafen wir uns zufällig, allerding als Zuschauer, da die Amerikanerin genau wie ich gerne selbst zu Liveshows geht.

Am 25.04.2009 gab es dann aber endlich wieder die Gelegenheit, Miss Buettner auf und nicht nur vor der Bühne zu erleben. Zusammen mit ihrem neuen Bassisten Romain performte sie in der urigen Künstlerscheune des 1 bis und präsentierte auch einige neue, mir bis dahin unbekannte Songs. Ich erfuhr, daß ihr erstes Album so gut wie fertig sei, daß sie aber noch ein Label suche und sich der Release somit verzögere. Glücklicherweise verzögerte sich eine Sache aber nicht weiter: die Oliver Peel Session in unserem heimischen Wohnzimmer (!), auf die ich mich mit der Sängerin seit einiger Zeit geeinigt hatte, ohne einen genauen Termin zu finden.

Der 24. Mai wurde gewählt und somit kam es lediglich zwei Tage nach dem fulminanten Auftritt von Pollyanna in unseren vier Wänden bereits zur nächsten Session. Im Bestreben es der Künstlerin und den Gästen so angenehm wie möglich zu gestalten, hatten wir bergeweise Crêpes vorbereitet und jede Menge Getränke geordert. Alles war angerichtet, als Erica schließlich am 24. Mai an unserer Haustüre klingelte. Vorher nicht ahnen konnten wir aber, daß dieser Sonntag einer der heißesten des Jahres sein würde! Die Temperaturen waren auf weit über 30 Grad geklettert und in unserer Bude herrschte ein Luft zum Schneiden. Umso erfreuter waren wir, daß die meisten Gäste auch wirklich eintrudelten und nicht Ausreden vorschoben, um heimlich ein Picknick im Freien zu machen, was ich ihnen gar nicht hätte verübeln können! Circa. 20 Gäste fanden sich schließlich bei uns ein und gegen 17 Uhr 30 konnte es dann endlich mit Musik losgehen. Ich hatte die Künstlerin kurz unseren Gästen vorgestellt, erläutert, daß Erica aus Connecticut stamme, seit vier Jahren in Paris lebe, 24 Jahre alt sei und schon in etablierten Locations wie der Maroquinerie, dem Pop In und der Belushis's Bar aufgetreten sei und außerdem eine kleine Hollandtournee mit Françoiz Breut auf ihrem Habenkonto verbuchen könne. Zudem erwähnte ich, daß sie ein Lied zu dem Sampler Les Filles Fragiles- die zarten, bzw empfindlichen Mädchen - beigetragen hat.

Der Titel passt denn auch auf das Wesen von Erica Buettner ziemlich gut. Sie macht den Eindruck einer äußerst sanftmütigen, ruhigen und für ihr Alter sehr reifen und intelligenten Person. Ein gutes, ausgefeiltes Songwriting ist für sie wichtig, sie will nicht nur für ihre wundervolle Stimme geschätzt werden, sondern vielmehr für ihre poetischen Geschichten, die sie zu erzählen hat. Deshalb erläuterte sie auch in einem sehr ordentlichen französisch jeweils, um was es in dem jeweiligen Song gehe. Zuhören war also angesagt, aber das war bei unserem ungemein aufmerksamen und mucksmäuschenstillen Publikum (war ihnen allen zu heiß?) ohnehin selbstverständlich. Gespannt und feierlich lauschten Muiskfans im Schneidersitz auf dem Boden oder bequem auf dem Sofa (privilegierte Plätze!) den betörend schönen, manchmal traurigen Stories von Erica und bestaunten das feinfühlige und sehr gekonnte Gitarrenspiel der Blondine, die nicht nur mit der Hitze, sondern auch mit den Miaulauten unseres aufgedrehten Katers D'Artagnan klarkommen musste. Der Stubentiger versuchte so einige Male, der Sängerin mit der sanften die Show zu stehlen, aber es gelang ihm nicht! Erica sang von einem Reisenden, der die Konflikte dieser Welt sieht und versucht, dennoch stark zu bleiben (Time Travelling), versetzt sich in die Rolle eines Vogels und sinniert darüber, wie man auf begangene Fehler reagieren kann (Our Most Fragile Things) ), oder besingt die erste, unschuldige Liebe (True Love And Water) und griff bei When It Goes auch einmal zum Banjo, daß sie herrlich pluckern ließ. Einer meiner Lieblingssongs war das recht neue Artic Dogs, daß auf Platte sicherlich einen psychedelischen Einschlag haben wird, den man heute akustisch nur erahnen konnte. Auch der Text ist spannend und nahegehend (" Stay awake we're trying to survive though the ice is cracking we are still alive stay awake don't let yourself go numb feel and feel until all feeling's gone; in the very source of cold we will make a space for warmth digging like the arctic dogs...")

Gegen Ende des circa. 45 minütigen Sets war dann die Zeit für Coverversionen gekommen. Das herrliche Elliott Smith Cover Between The Bars kannte ich schon vom Pop In her, aber heute intonierte sie diesen modernen Klassiker besonders einfühlsam und berührend. Und da sie so gut französich spricht, bot sie den Franzosen in unserem Wohnzimmer auf meinen etwas vorlauten Zuruf hin auch eine Coverversion in der Sprache Molière's, ursprünglich gesungen von Marie Laforêt. C'est Julien hieß die hübsche Ballade, die das traumhaft intime und hingebungsvolle Konzert beendete.

Hätte Erica bereits eine CD zu verkaufen gehabt, sie wäre weggegangen, wie warme Semmeln!




Setlist Erica Buettner, Oliver Peel Session # 6, Paris:

01: Time Travelling
02: Our Most Fragile Things
03: Better Than It Really Is
04: True Love And Water
05: When It Goes
06: Arctic Dogs
07: No Land's Man
08: Between The Bars (Elliott Smith Cover)
09: C'est Julien


Achtung: Liebe Damen und Herren von Morr Music. Erica Buettner ist sehr an ihrem feinen Label interessiert, sie mag ihre Künstler außerordentlich gerne und würde sich bei ihnen gut aufgehoben fühlen. Sie hat ihr erstes Album komplett fertig, sucht aber noch ein Label. Bitte benachrichtigen sie bei Interesse das Konzerttagebuch oder die Künstlerin selbst. Danke!

- Mehr Fotos von der Oliver Peel Session mit Erica Buettner hier
- Videos: Erica Buettner singt C'est Julien von Marie Laforêt und die Katze miaut. Traumhaft! When It Goes, Erica Buettner am Banjo. Hach, schön!




Sonntag, 26. April 2009

Erica Buettner & Michael Wookey, Ivry-sur-seine, 25.04.09

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Konzert: Erica Buettner & Michael Wookey

Ort: 1 bis, rue Jean Le Galleu, Ivry-sur-Seine bei Paris
Datum: 25.04.2009

Zuschauer: circa 100
Konzertdauer: jeweils ca. 40 Minuten



Was für ein Kontrast zum versnobten Nobelclub Le Baron! Das 1bis, wo heute die Konzerte von Erica Buettner und Michael Wookey stattfanden, sieht aus wie eine Traumstätte für Alternative und Künstler. Der Eingang erfolgt durch ein kleines Tor, das man von der ansonsten extrem ruhigen Straße aus ("Highlight" ist dort ein altmodischer Frisörladen) kaum erkennt. Zunächst bin ich glatt daran vorbeigelatscht. Man fragt sich sofort, ob man nicht gerade dabei ist, auf das Privatgrundstück einer fremden Person einzudringen*, denn man befindet sich zunächst im Garten und gelangt von dort in die (Musik)- Scheune, in dem man eine Wolldecke, die als Vorhang dient, zur Seite schiebt. Drinnen stehen vereinzelt Gemälde und jede Menge Bücher herum, man wähnt sich im Atelier eines Malers oder Literaten. Ich frage mich einen Moment, ob ich hier richtig bin, aber dann sehe ich auch schon die amerikanische Folksängerin Erica Buettner, die mich freundlich begrüßt. Ich erkundige mich, wann sie an der Reihe ist und bekomme zur Antwort: Now!

Puh, gerade noch rechtzeitig gekommen! Die Anreise war aber auch wirklich weit, 45 Minuten mit der Metro. Nur einmal umsteigen, aber unzählige Stationen fahren, bis ich fast an der Endstation der Linie 7 angekommen bin. Ich steige bei Pierre et Marie Curie aus. Lustig, erst gestern war ich auf der Hochzeitsfeier von zwei Chemikern und sie arbeitet im ... Institut Curie!

Erica fackelt nun auch nicht mehr lange und schreitet auf die riesige Bühne. Erhöht ist diese nicht, die Künstler sind auf gleicher Augenhöhe mit den Zuschauern. Obwohl eigentlich auch nur zum Teil, weil sich nervigerweise schon wieder viele Leute auf den Boden gesetzt haben. Ich bleibe stehen, Konzerte im Sitzen mag ich nicht, da schlafen mir immer die Füße ein. Die Bühne selbst ist schon spannend bestückt. Da liegen Teppiche auf dem Boden aus, jede Menge Gitarren lehnen gegen die Wand, auf der rechten Seite steht ein Gemälde rum und auch ansonsten gibt es allen möglichen Krimskrams, den ihr euch auf meinen Bildern anschauen könnt!

Erica Buettner ist zunächst alleine und performt den wunderbaren Folksong True Love and Water. Da es heute im Freien empfindlich kühl war und man vorher auf der Terrasse rumgelungert hat, hat die 24 jährige Amerikanerin noch ganz kalte Finger und gewisse Probleme, die Gitarrengriffe zu wechseln. Ihre Stimme ist aber sofort genauso schön, pur und rein wie eh und je. Sie steht in der Tradition von klassischen Folksängerinnen wie Joni Mitchell oder Judee Sill, ähnelt aber auch den Goldkehlchen zeitgenössicher Künstlerinnen wie Essie Jain oder Laura Marling. Aber Buettner will nicht nur für ihre schöne Stimme geschätzt werden, wichtig ist ihr vor allem ein gutes Songwriting. Deshalb hat sie auch zu den Liedern, die man auf ihrer Myspace Seite finden kann, jeweils die Texte abgedruckt. Es lohnt sich, sich damit mal zu beschäftigen, sie sind voller Poesie und Anmut...

Beim zweiten Song Time Travelling stößt der Bassist Romain mit hinzu, so daß das Ganze etwas stärker instrumentiert ist. Schade allerdings, daß das Akordeon fehlt, daß ansonsten immer der Grieche Stefanos beigesteuert hatte. Er gehört leider nicht mehr zum Live Line Up dazu, hat aber zum Glück auf dem Album an Klarinette, Mandoline, Piano und eben Akordeon mitgewirkt. Album? Welches Album? - Nun, das Werk ist fertig aufgenommen, aber bei welchem Label und wann es erscheinen wird, steht noch in den Sternen! Sicher ist aber wohl, daß der mir bis dato unbekannte Song Arctic Dogs drauf enthalten sein wird. Ein gutes Stück mit psychedelischen Einschlägen und anders klingend, als die bisherigen Sachen, die ich kannte. Bei der jungen Künstlerin, die seit ein paar Jahren in Paris lebt, ist halt eben alles im Fluß, da ist gerade alles dabei, sich zusammenzufügen...

When It Goes ist dann auch bezeichnenderweise ein Lied, bei dem sie nicht weiß, was das "it" sein soll. Das hat sie bewußt offengelassen, wie sie mit ihrem unglaublich charmanten Lächeln erklärt. Überhaupt ihr Lächeln: einfach zauberhaft! Da geht wirklich die Sonne auf und man ist auch ein wenig froh, daß das zarte Mädchen mit den traurigen Liedern auch einmal Lachen kann. Ein zartes Mädchen, "une fille fragile" auf französisch. Unter diesem Begriff wurde auch ein Sampler aufgenommen, zu dem verschiedene Folkkünstlerinnen Titel beigetragen haben, auch Erica Buettner. Und mit dieser Zerbrechlichkeit hatte auch das melancholische Lied Our Most Fragile Things zu tun, das ich persönlich sehr mag.

Schade, daß dann schon wieder relativ schnell Schluß war, aber es sollten ja noch zwei andere Künstler auftreten und so hoffe ich einfach, Erica Buettner in diesem Jahr noch so oft wie möglich zu sehen. Am liebsten bei uns zu Hause. Eine Oliver Peel Session ist geplant, aber die Terminfestlegung gestaltet sich etwas schwierig....

Setlist Erica Buettner, 1bis, Paris:
01: True Love And Water
02: Time Travelling
03: Arctic Dogs
04: Our Most Fragile Things
05: When It Goes (Banjo)
06: No Lands Man

Konzertbericht Michael Wookey folgt etwas später. Dranbleiben, der war auch sensationell toll!

Setlist Michael Wookey, 1 bis: (thanks to Michael!):

01: Goodbye Horses
02: Seal The Volcano
03: Human Not A Beast
04: Smile Like You Remember Me
05: President
06: Winter In Your Heart (mit Laura Jeanne und Orouni)
07: You're Alright (Mit Orouni und Pierre Chandeze)
08: Big And Strong
09: Heaven Themed Parties
10: Songs About Snow
11: Pirate Song

12: Old Fashion Morphine (Cover)

- Mehr Fotos von Erica Buettner hier
- Videos: Michael Wookey live at 1 bis, Paris, vom letzten Jahr. Super!; I Can Show You Things Clip, ein Ohrwurm! Monsters live
Come On To My Place live
- Mehr Fotos von der abgefahrenen Location 1bis hier

- Fotos von Michael Wookey und seiner spektakulären Show hier

* kein Wunder, es ist das Privatgrundstück einer engagierten und kunstinteressierten Frau, die auch dort wohnt.



Donnerstag, 18. September 2008

Erica Buettner, Paris, 17.09.08

1 Kommentare

Konzert: Erica Buettner
Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 17.09.2008
Zuschauer: ca 35-40
Konzertdauer: gut 45 Minuten



"The best things in life are free".

So heißt es doch in diesem leicht kitschigen Lied von Janet Jackson und Luther Vandross, oder nicht?

Stimmt ja auch, zumindest manchmal. Das Konzert von Erica Buettner heute z.B., das war wirklich "free"= gratis. Und das ungemein charmante Lächeln der jungen amerikanischen Folksängerin bekam man noch umsonst dazu. Wenn das nichts ist!

Allerdings war etwas Geduld gefragt, denn um 21 Uhr, wie auf der MySpace Seite der Künstlerin vermerkt, war die Kellergruft im Pop In noch nahezu menschenleer. Die Hauptperson war allerdings schon da, die niedliche Sängerin lehnte mit verschränkten Armen an der Steinmauer und blickte auf die Bühne, wo ein Franzose, der das Vorprogramm bestreiten sollte, den Soundcheck durchführte. Er trällerte All You Need Is Love von den Beatles und ich nutzte die Gelegenheit um Erica zu fragen, wann sie denn loslege. "22 Uhr 20" war die Antwort. Au weia, ich wollte doch eigentlich heute früher ins Bett!

Aber was ist eine längere Nachtruhe schon gegen den sirenenhaften Gesang einer charmanten jungen Dame? Eben!

Ich stieg wieder nach oben und suchte ein indisches Restaurant in der Nähe auf, Deutsche müssen halt immer essen...

Gestärkt kam ich zurück und stieß zurück im Keller auf Pariser Folkprominenz. Morgane Imbeaud von dem ungemein erfolgreichen Duo Cocoon (die beiden spielen bald im Olympia, eine Sensation!) war da, aber auch der französische Sänger Alban Dereyer und Isabelle, der weibliche Teil der tollen Band Pollyanna.

Irgendwann hatte auch der französische (aber zumeist auf englisch singende) Folkbarde The Green Shape aus Lille (hübsche Stimme!), der sich noch auf der Bühne befand, kein Lied mehr zu bieten und es konnte mit Erica Buettner endlich losgehen.

Schon nach den ersten Takten war ich von der sanften Stimme hingerissen. Sie besaß eine Klarheit und Reinheit wie ein Gebirgsfluß und erinnerte an große alte Damen des Folkgenres wie Joni Mitchell, Judee Sill oder auch Vashti Bunjan. Es war wahrlich ein Genuß ihr zuzuhören.

Begleitet wurde sie von dem griechischen Multiinstrumentalisten Stefanos Kotsanis, der auf einem kleinen Stühlchen saß und im Laufe des Sets Klarinette, Mandoline und Akkordeon spielte und quasi zu jedem Lied auf eine Spielzeugtrommel klöppelte. Die Spielzeugtrommel befand sich hierbei witzigerweise in einer hölzernen Saftbox mit der Aufschrift "Orange à Jus, Mademoiselle". Normalerweise gehört auch noch der Cellist Conrad Steel zur Band, aber der fehlte heute.

Erica selbst spielte auch mehr als ein Instrument. Nachdem sie den Anfang des Konzertes auf der Gitarre bestritten hatte, wechselte sie zu When It Goes zum Banjo und benutzte dies auch noch bei einem zweiten Song.

Damit interessierte Leser sich selbst ein Bild machen können, möchte ich mich hinsichtlich der vorgetragenen Titel hauptsächlich auf die Tracks konzentrieren, die man bei MySpace anhören kann. Dort kann man z.B. die wundervolle Ballade True Love And Water genießen, die wie ein verschollener Klassiker klingt. Es geht um die tragisch schöne Liebesgeschichte zwischen Jack und Jill, deren Text man in Gänze hier nachlesen kann.

Besonders die Textzeile "He has a lovely voice, I adore to hear him sing" hatte es mir angetan und ich ersetzte in süßen Träumen versunken "he" einfach durch "she" und dachte dabei natürlich an Erica, die zu reduziertem Gitarrenspiel auf lieblichste Weise sang.

Das zart melancholische Time Travelling (Text hier) danach war etwas stärker instrumentalisiert, aber ebenso schön. Dann schnappte sich Erica das Banjo und interpretierte When It Goes, ein Lied von dem sogar ein kurzes Video existiert (einem kleinen Mädchen kullern die Tränen über das Gesicht, aber am Ende streckt es kess die Zunge raus, süß!) und dessen Text ebenfalls von der Künstlerin selbst veröffentlicht wurde. Dort erklärt sie auch kurz, daß es sich um ein "Eden-Inspired Theme" handelt, also einen Song, der sich ums Paradies dreht. Himmlisch!

Und zwei Lieder später wagte sich Fräulein Buettner sogar, französisches Liedgut zu interpretieren. C'est Julien von Marie Laforêt beschrieb die Amerikanerin als eine Chance, sich in einer fremden Sprache auf ungezwungenere Weise auszudrücken. Marie Laforêt ist eine Chanson-Sängerin, die vor allem in den 60er Jahren erfolgreich war und deren Liedgut nicht dem Folk zugeordnet werden kann. Insofern unterschied sich die Version von Erica deutlich vom Original, kam aber sehr gut an, zumal die Amerikanerin mit einer vorzüglichen und nahezu akzentfreien Aussprache aufwarten konnte.

Kurze Zeit später war mit Parisian Clouds Schluss, aber das auf dem Boden sitzende Publikum hatte noch nicht genug von dieser wundervollen Stimme bekommen. Erica überlegt kurz, was sie denn noch spielen könne, griff sich die Gitarre und wollte loslegen, doch dann...riss ihr eine Saite! Entwaffnend hob sie die Arme, so als wolle sie sagen: "Tja, das hat sich ja dann leider erledigt!", aber der Applaus war zu herzlich, um auf diese Weise aufzuhören. "Spiel doch was auf dem Banjo!", rief ein Schlaumeier herein, aber die Künstlerin winkte mit den Worten "ich beherrsche nicht so viel Stücke auf dem Banjo", ab. Dann halt eben doch auf der Gitarre, gerissene Saite hin oder her! Und zum Glück wurde uns dieser Nachschlag noch präsentiert, denn Erica intonierte Between The Bars von meinem Lieblingssänger Elliott Smith, den sie ebenfalls verehrt. Ihre Version war fast noch herzzereissender als das Original und machte schmerzlich deutlich, warum Elliott jetzt schon stark vermisst wird. Ihr Multiinstrumentalist hatte es sich hierzu auf der Kante der kleinen Bühnenrampe gemütlich gemacht und saß ganz nah an der Seite der verzückten Zuhörer.

Zum Abschluss gönnte Erica den Besuchern dann noch einmal ihr schönstes Lächeln und ich dachte noch einmal an dieses eingangs erwähnte komische Lied: "The best things in life are free"...

Setlist Erica Buettner, Le Pop In, Paris:

01: A Tale Of Norstein
02: Our Most Fragile Things
03: True Love And Water
04: Time Traveling
05: When It Goes
06: Under The Radar
07: C'est Julien (Marie Laforêt Cover)
08: Parisian Clouds


09: Between The Bars (Elliott Smith Cover)

Link:

- Mehr Fotos von Erica Buettner





 

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