Donnerstag, 3. Oktober 2013

Pixies, Brüssel, 02.10.13


Konzert: Pixies
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 02.10.2013
Dauer: 95 min 
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)




Als das Navigationsgerät um 18 Uhr kurz hinter Frechen eine Restfahrtzeit von 2:40 anzeigte, konnte ich mir nicht vorstellen, daß es ein guter Abend werden würde - und ich kann mir wirklich vieles vorstellen. Rund um Köln ging nichts, überall Stau. Eigentlich hatten wir geplant, um 19 Uhr am AB zu sein, gemütlich statt der Vorgruppe örtliche Spezialitäten zu essen, um dann rechtzeitig vor dem Start der Pixies um 20:45 Uhr in den schönen Saal zu gehen. Als auf der A4 nichts mehr ging, plötzlich nicht mal mehr sicher schien, daß wir überhaupt um neun am Ancienne Belgique sein würden, kamen mir große Zweifel, ob die Idee wirklich gut war, zu den Pixies zu fahren. Mein einziges Pixies Konzert bisher (2009) war ok aber nicht mehr, Kim Deal ausgestiegen und durch irgendeine andere Indie Cindy ausgetauscht, die neue EP nach dem ersten Hören noch nicht schöngeredet. Vielleicht wären Camouflage in Frankfurt doch die bessere Wahl gewesen. Die hatten schließlich auch viele (drei) Hits. Where is my mind.


Als alle vor uns angehalten hatten, um den Unfall auf der Gegenspur zu fotografieren und bei Wer kennt wen zu posten, entspannte sich die Situation plötzlich, auch alles andere klappt erstaunlich gut, sodaß wir doch noch um kurz vor halb neun im AB ankamen. Keine Pommes, dafür aber fünfte Reihe. Der Saal war zwar recht voll, an den Rändern war aber reichlich Platz, auch sehr weit vorne. Ich habe keine Ahnung, warum Konzerte in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden so viel angenehmer als bei uns sind. Es muß wohl an den höflicheren Menschen liegen. 

Der große Saal des AB ist wunderschön und fasst unten, auf der Tribüne hinten und den Galerien oben wohl 2.000 Zuschauer. Das Konzert war schnell ausverkauft, der Innenraum aber nicht unangenehm vollgestopft. Pünktlich wie angekündigt ging das Licht aus und der Jubel los. Die Pixies!


Es wurde relativ schnell deutlich, daß es ein großartiges Konzert werden würde. Die drei alten Bandmitglieder Frank Black, Joey Santiago und David Lovering hatten große Lust, das war deutlich. Von ausschließlich finanziellen Beweggründen für diese Konzerte war wirklich nichts zu spüren. 


Die neue Kim, Bassistin Kim Shattuck aus Kalifornien (Frontfrau der Muffs), sicher der heikelste Teil des Lineups, wischte die Zweifel an ihr auch sofort weg. Ihre Gesangsparts waren großartig, ihr Bassspiel prima und ihre Laune wundervoll! Sie hüpfte, strahlte und glänzte. So schwer die Pixies auch ohne Kim Deal vorstellbar waren, so wenig fehlte sie mir. Ihre Nachfolgerin war einfach zu gut. Das mag blasphemisch sein, aber ich fordere ja nicht gleich, daß Kim Shattuck auch Kim Deals Job bei den Breeders übernehmen soll.

Das Konzert begann mit der abgespeckten Wave of mutilation UK surf Version, der B-Seite von Here comes your man, wie schön! Where is my mind unmittelbar danach knackig wie früher, und der Abend lief.


Die folgenden 90 Minuten waren das, was man wohl eine Werksschau nennt. Da die Pixies eine der wichtigsten Bands der letzten dreißig Jahre sind, ist der Begriff sicher angemessen. Zwar spielte die Band aus Boston auch die vier Titel der noch nicht überzeugenden neuen EP (EP 1), das mir unbekannte und wohl neue Greens and blues, ein Cover (naja ein halbes, es war der Black Francis Song Silver snail), der Rest bestand aber aus den großen Lieblingen vor allem der ersten drei Platten und aus vielen heimlichen Stars. 


Pausen zwischen den Liedern gab es nicht, manchmal waren die Übergänge fließend. Dies machte es noch einmal umso eindrucksvoller. Nach den beiden neuen Stücken Indie Cindy und Another toe in the ocean kam ein Block, der fast schon zu anstrengend gut war. River Euphrates von Surfer rosa, Monkey gone to haven, Velouria und Havalina von Bossanova, Gouge away und Bone machine - ohne Pause. Für solch ein Repertoire würden die meisten Musiker ihre Seele verkaufen, die Pixies können sechs Lieder dieses Gewichts mal schnell nacheinander losfeuern.


Wegen der wenigen Chancen, einmal Luft zu holen, ist es schwer, Höhepunkte festzumachen. Ich hatte auf Velouria gehofft, weil es in Frankfurt damals nicht auf dem Programm stand (es war die Doolittle Jubiläums-Tour) und hatte Glück. Ein paar andere Lieblinge haben gefehlt, angesichts der Setlist, daraus einen Vorwurf abzuleiten, wäre albern. Die vielen "kleineren" Stücke waren wundervoll, das Set in weiten Teilen überraschend. Daß die Band kein Konzert zweimal spielt, es auch nicht etwa eine A- und eine B-Setlist gibt, die abwechselnd eingesetzt werden, kann man ihr nicht hoch genug anrechnen. Trotz Velouria, trotz Caribou, trotz Isla de Encanta, trotz Gouge away, mein Liebling waren die Zugaben. Hey hatte noch gefehlt und passte als erstes Zusatzstück. Danach stimmten die vier Musiker noch einmal Wave of mutilation an, diesmal in der vollen Albumversion. Wie wundervoll! Auch wenn mit Rock music danach noch ein Hit folgte, gefiel mir dieser Bogen von der akustischen zur lauten Version dieses Knüllers am Anfang und am Ende des Abends sehr.

Das Konzert war so viel besser als erwartet. Ausverkauf? Geldgier? Fehlende Relevanz? Papperlapapp! Relevant wie immer und jeden Cent wert sind die Pixies! Und das unterscheidet sie von denen von 2009.

Setlist Pixies, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: Wave of mutilation (UK surf mix)
02: Where is my mind
03: In heaven (Lady in the radiator song)
04: Andro queen
05: Nimrod's son
06: Vamos
07: Break my body
08: Brick is red
09: Here comes your man
10: Indie Cindy
11: Another toe in the ocean
12: River Euphrates
13: Monkey gone to heaven
14: Velouria
15: Havalina
16: Gouge away
17: Bone machine
18: I've been tired
19: U-Mass
20: Broken face
21: Isla de Encanta
22: What goes boom
23: Silver snail (Black Francis Cover)
24: Caribou
25: Greens and blues (neu)
26: Planet of sound

27: Hey (Z)
28: Wave of mutilation (Z)
29: Rock music (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- mehr Fotos vom Konzert in Brüssel



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