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Dienstag, 8. Oktober 2019

Pixies, Köln, 07.10.19

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Konzert: Pixies
Ort: Palladium, Köln
Datum: 07.10.2019
Dauer: Pixies gut 120 min, Blood Red Shoes 30 min
Zuschauer: vielleicht 3.000 (nicht ausverkauft)

 

Einmal dachte ich, Black Francis wolle doch mit uns reden. "Hey!" - lange Pause. Aber es war nur der langezogene Anfang des Lieds von Doolittle, dem 1989er Pixies-Album. The Pixies don't do Ansagen.  
Vor wenigen Wochen ist das siebte Studio-Album der Bostoner Band erschienen, das mir recht gut gefällt. Daß ich es in 31, 30 oder 29 Jahren noch so oft höre wie jetzt Surfer Rosa, Doolittle und Bossanova, glaube ich aber nicht. Ende der 80er waren die Pixies eine der wichtigsten Bands meines Lebens und weil ich mich musikalisch nicht wirklich weiterentwickelt habe, sind sie es immer noch. Ob ich sie auf der aktuellen Tour sehe, war dann auch nicht die Frage, "wo?" und "wie oft?" waren es. Das Palladium stand nicht auf meiner Wunschliste, die Termine in Utrecht und Tilburg funktionierten nicht. Und da ich es als unhöflich empfand, eine Band, die eine riesige Masse an Liedern für die Tour geprobt hat und damit so deutlich dazu aufruft, sie mehrfach zu sehen, nur einmal zu besuchen, kam dann doch noch Köln dazu.*

Als die drei Ur-Mitglieder Black Francis, Joey Santiago und David Lovering und Paz Lenchantin, die seit 2014 den beiden Kims nachfolgt und seit 2016 festes Bandmitglied ist, um 23 Uhr von der Bühne gingen, hatten wir zwei Stunden Pixies hinter uns, 39 Lieder, elf von der neuen Platte, 23 von vor der Wiedervereinigung (Deutschlands, nicht der der Pixies). Sehr viel besser kann ein Konzert alter Helden mit passabler neuer Platte nicht sein. Na gut, es hätte eine halbe Stunde und zehn Lieder länger sein können (Allison, All over the world, Monkey gone to heaven, Tame, Indy Cindy**, Gigantic, La la love you, Is she weird... und Silver bullet, damit Beneath the Eyrie komplett gewesen wäre).

Gottseidank hatte ich die Pixies auch mit der fantastischen Kim Deal gesehen, daher kann ich jetzt nämlich guten Gewissens den Kopf schütteln, wenn Musikexperten die Band meiden, weil Kim nicht mehr dabei ist. Sowohl die vergangene Woche gestorbene Kurzzeit-Bassistin Kim Shattuck, die ich auf der einen Tour, die sie spielte, zweimal sehen konnte (in Brüssel und Luxemburg) als auch Paz sind (und waren) so hervorragende Musikerinnen, daß es infam wäre, die Pixies quasi ihretwegen zu meiden.


Das Konzert begann auf einer sehr düsteren Bühne. Die Bandmitglieder standen mit dem Rücken zu uns und spielten Cecilia Ann, den Beginn von Bossanova. Das live zu hören, erhoffe ich mir seit 1990. Die Live-Version war nicht lebensverändernd, meinetwegen hätten danach aber nur noch Flippers-Cover folgen dürfen, ich hätte kein dramatisch schlimmes Konzert mehr gesehen. Auf Cecilia Ann folgte eine Schrei-Phase mit St. Nazaire vom neuen Album und Rock music, um danach in eine bunte Mischung aus Hits aus den 80ern, 90ern und von heute überzugehen. Daß so viel von der ersten EP Come on pilgrim dabei war (alle bis auf Ed is dead und Levitate me), mit dem Neil-Young-Cover Winterlong eine B-Seite und einige andere für mich nicht erwartbare Lieder (ich war bewußt unvorbereitet), war ganz großartig. Daß es gut klang und wegen der fehlenden Pausen wenig Zeit zum Luftholen oder zum rhythmischen Klatschen blieb, kam dazu. Das war schon ziemlich gut.  

Vorher hatten wir bereits zwei Bands gesehen. Beim Warten auf den Einlass (das Palladium hatte 18:30 h, Facebook 19:00 h geschrieben) ging plötzlich eine sechsköpfige Blaskapelle an den Warteschlangen von Palladium und E-Werk vorbei, vermutlich die Vor- oder Begleitgruppe der Band im E-Werk (was Kölsches). Eine schöne Idee!  

Pünktlich um acht hatten die Blood Red Shoes das offizielle Vorprogramm bestritten. Ich habe das englische Duo Laura-Mary und Steven so lange nicht mehr gesehen, daß ich gar nicht mitbekommen habe, daß sie jetzt ein vierköpfiges Duo sind. Eine Bassistin und ein an Buffys Spike erinnernder Keyboarder ergänzten Laura-Mary und Steven. Gerade vom Keyboard bzw. Elektro-Drumpad des neuen Manns habe ich nichts gehört, es klang wie immer (unten ist eine Liste, die dieses "Immer" näher fasst). Ich hatte mich sehr auf die Blood Red Shoes gefreut, die ich 2007 mit 23 anderen (Crew incl.) im Gebäude 9 zum ersten Mal gesehen hatte. Und die Freude wurde nicht enttäuscht, die halbe Stunde war hoch unterhaltsam und zu kurz.

Setlist Pixies, Palladium, Köln:

01: Cecilia Ann (The Surftones Cover)
02: St. Nazaire
03: Rock music
04: Isla de Encanta
05: Brick is red
06: Break my body
07: Los surfers muertos
08: Caribou
09: Gouge away
10: On graveyard hill
11: Wave of mutilation
12: Planet of sound
13: Bird of prey
14: Nimrod's son
15: Ready for love
16: The holiday song
17: Here comes you man
18: Motorway to Roswell
19: Cactus
20: No. 13 baby
21: I've been tired
22: Long rider
23: River Euphrates
24: Where is my mind?
25: All the saints
26: Ana
27: Death horizon
28: Vamos
29: Mr. Grieves
30: Daniel Boone
31: Velouria
32: Snakes
33: This is my fate
34: Catfish Kate
35: Winterlong (Neil Young Cover)
36: In the arms of Mrs. Mark of Cain
37: Havalina
38: Hey

39: Debaser (Z)

Setlist Blood Red Shoes folgt.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pixies, Berlin, 18.07.16
- Pixies, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Pixies, Barcelona, 30.05.14
- Pixies, Esch-sur-Alzette, 11.11.13
- Pixies, Brüssel, 02.10.13
- Pixies, Barcelona, 28.05.10
- Pixies, Frankfurt, 11.10.09
- Blood Red Shoes, Köln, 27.08.16
- Blood Red Shoes, Paris, 24.08.14
- Blood Red Shoes, Mannheim, 19.05.12
- Blood Red Shoes, Haldern, 14.08.10
- Blood Red Shoes, Köln, 23.03.10
- Blood Red Shoes, Paris, 09.12.09
- Blood Red Shoes, Frankfurt, 28.10.09
- Blood Red Shoes, Düsseldorf, 22.10.09
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07


* "dazu" = Luxemburg
** Ich mag das wirklich!




Freitag, 2. Oktober 2015

Morrissey, Köln, 01.10.15

2 Kommentare

Konzert: Morrissey
Ort: Palladium, Köln
Datum: 01.10.2015
Dauer: 90 min
Zuschauer: vielleicht 3.000 (nicht ausverkauft)



"Kunst, Kunst, Kunst!"* Morrisseys Begrüßung ist so typisch Morrissey. Ich stelle mir ein Gespräch mit dem Sänger enorm kompliziert vor, nichts, was ich jemals anstreben würde, sollte der Freizeit-Morrissey nicht vollkommen anders als der auf der Bühne sein. Er redet eben so, wie er schreibt. "I bought this book. - Learn German in 30 days. - 30 years ago. - I still have no idea! - You make it so difficult. - Why?" Ob sich sein "Kunst, Kunst, Kunst" auf den vorherigen Vorfilm mit Videoclips seiner Lieblinge, der mit Klaus Nomi** vom Band endete, bezog oder auf das, was folgen sollte, weiß ich nicht. Jeder ist in seiner eigenen Welt und Stephens ist die Wirrere.


Das Palladium war nicht ausverkauft. Leider wird es Jahr für Jahr etwas leerer in den Hallen. Diesmal waren die Balkone oben geschlossen, die Haupthalle vorne gut gefüllt, hinten aber wohl nicht mehr. Der saftige Eintrittspreis spielt da vermutlich eine Rolle (60 €)***. Aber in unserer musikalischen Biosphäre ist Morrissey der größte Star, der das rechtfertigt - eigentlich rechtfertigt schon What she said diese Summe. Die aktuelle Platte, die schnell wieder vom Markt verschwand, weil sein Label ihn rausschmiß (keine Ahnung, ob man sie streamen kann) und die weniger gut als die Vorgänger ist, ist bestimmt ein weiterer Grund. The bullfighter dies ist eben leider kein First of the gang to die. Und als wir uns nach dem Konzert über die drei guten Veränderungen im Vergleich zum Auftritt in Neu-Isenburg unterhalten haben (You have killed me, The world is full of crashing bores und Yes, I'm blind statt Istanbul, People are the same everywhere und One of our own) und darüber, auf was wir in Köln noch hätten verzichten können, waren das Oboe concerto (puh!), The bullfighter dies und Staircase at the university und das Didgeridoo bei World peace...



Morrisseys Band, die jeden Abend andere abgestimmte Outfits trägt (Kunst, Kunst, Kunst), steht natürlich im Schatten des Chefs. Ich merke das, wenn ich nach Konzerten die Bilder aussortiere. Dabei ist diese Ignoranz vollkommen unfair. 


Daß Boz Boorer fantastisch ist und vermutlich jedes Instrument beherrscht (aktuell Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Oboe), hatte ich mitbekommen. Genau wie bei Jesse Tobias und Matt Walker. Aber auch die neueren Livemitglieder Mando Lopez (Bass) und Gustavo Manzur sind hervorragende Musiker und nicht bloß da, weil es ohne sie doof aussähe. Gustavo, der Keyboard, Akkordeon und Gitarre spielt, singt schon seit Beginn der World peace... -Tour beim Titelsong eine letzte Strophe auf Spanisch. Zur Zeit macht er das auch bei Speedway. Beiden Liedern steht das außerordentlich gut.


Die Setlist in Köln war vermutlich die beste, die gerade möglich ist. Morrissey spielt neben What she said Meat is murder und The Queen is dead von seiner alten Band, die drei Solo-Smashhits, die jeder hören will (Suedehead, Everyday is like Sunday und I'm throwing my arms around Paris) und wechselnde Stücke der alten Platten. Reader meet author, das in Neu-Isenburg gestern zum ersten Mal seit Jahren gespielt wurde, war wieder dabei, genau wie das orientalisch arrangierte I will see you in far-off places, Alma matters, Ganglord (mit Video voller Polizeigewalt gegen Menschen und Tiere) und Boxers (bei dem im Hintergrund das schwarz-weiß Bild eines Boxers**** hing, das auch zu Beginn schon die Bühne schmückte, bevor es von Bruce Lee abgelöst wurde). 


Bei den Songs, die jeder erwartet, war Everyday is like Sunday wieder bemerkenswert. In Neu-Isenburg war ich noch nicht ganz sicher, ob er wirklich den Text im Refrain abgewandelt hat. Er hat. "Everyday is like Sunday, tell me quando, quando, quando." Why? Den hat er wohl das ein oder andere Mal zu viel gespielt, scheint sich aber nicht trennen zu mögen. 


Ich mag mich von Morrissey auch nicht trennen wollen, es war nämlich schon wieder toll. Hoffentlich macht er das noch lange und immer wieder. Und wenn er von "gaga in Malaga" und "no mercy in Murcia" singt, kann ich ja leise "tell me quando, quando, quando" mitsingen.

Setlist Morrissey, Palladium, Köln:

01: Suedehead
02: Speedway
03: Ganglord
04: Alma matters
05: You have killed me
06: Kiss me a lot
07: Reader meet author
08: Oboe concerto
09: The world is full of crashing bores
10: World peace is none of your business
11: I'm throwing my arms around Paris
12: Everyday is like Sunday (kind of)
13: The bullfighter dies
14: Staircase at the university
15: Yes, I'm blind
16: I will see you in far-off places
17: Meat is murder (The Smiths)
18: Boxers
19: What she said (The Smiths)

20. The Queen is dead (The Smiths) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Morrissey, Neu-Isenburg, 30.09.15
- Morrissey, Tilburg, 29.03.15
- Morrissey, Essen, 24.11.14
- Morrissey, Paris,27.10.14
- Morrissey, Lüttich, 05.07.12
- Morrissey, Dublin, 31.07.11
- Morrissey, Köln, 11.06.09
- Morrissey, Offenbach, 09.06.09
- Morrissey, Esch, 05.06.09
- Morrissey, Lille, 19.01.08
- Morrissey, Frankfurt, 12.12.06
- Morrissey, Paris, 25.08.06


* (oder "cunts, cunts, cunts"?)  
** denke ich
*** in der Euroleague spielt der FC ja gerade nicht

**** who?


Mittwoch, 9. September 2015

SEEED, Köln, 08.09.15

0 Kommentare

Konzert: SEEED
Ort: Köln
Datum: 08.09.2015
Dauer: 75min
Zuschauer: 4.000 ausverkauft


Der Musikkonsum der eigenen Kinder führt regelmäßig in vielen Familien zu langen Diskussionen über Geschmack und künstlerischer Güte. Meistens geht es dabei von Kinderseite ja gar nicht um die Musik sondern um Abgrenzung gegen die Eltern. Ausgeübter Druck in eine vermeintlich "gute" Richtung bringt da gar nichts. Helden der Jugend lassen sich nicht durch Gespräche mit den Eltern wegdiskutieren.  

In dieser Hinsicht habe ich bisher Glück gehabt. Als einzige Veränderung besuche ich zur Zeit mit meinem älteren Sohn häufiger deutschsprachige Konzerte, bei denen es zum Glück musikalisch nicht all zu viel zu meckern gibt. Das allerdings mit Deichkind, Kraftklub und SEEED drei seiner Lieblinge in 2 Wochen auftraten, war so eigentlich nicht geplant. Egal, SEEED geben ein Überraschungskonzert im für sie "kleinen" Palladium, die Karten fliegen über den Markt und sind für Familienfreundliche 29,-EUR kurzzeitig erhältlich.  

Auf der Hinfahrt erinnere ich mich dann, das ich ja doch noch eine Geschichte zur Band auf Lager habe. SEEED traten damals beim legendären R.E.M. Konzert vor dem Dom als Vorgruppe auf. Die erste Platte war noch nicht erschienen, und doch strahlte die Band schon dort eine Stärke aus, die mir noch lange in Erinnerung blieb.  

Also höchste Zeit nochmal nachzuschauen was sich in den letzten Jahren auf dem Weg zur Stadionband alles verändert hat. Das Palladium ist mehr als gut gefüllt, das Publikum mehr als bunt gemischt. Von echten Reggae Fans ist wenig zu spüren, SEEED sind komplett im Mainstream angekommen. Das zeigt sich vor allem, als anstatt einer Vorband ein DJ den Anheizer übernimmt und versucht mit puren Reggaeklängen die Zuschauer zum Tanzen zu bewegen. Reaktion: 0  

Danach eine kurze Pause ohne Saallicht und dann dröhnt das Intro aus den Boxen. In letzter Zeit habe ich viele, fast zu leise Konzerte erlebt...hier war das ganz anders. Eigentlich klang es als hätte die Band die komplette Festival-PA in den Saal gehangen. Der Bass war von der Zehe bis in die Haarspitze spürbar, die Bläser hatten Druck wie Presslufthämmer. 


Dem Sound der Band tat dies allerdings sehr gut. Trotz der Lautstärke war der Sound glasklar und Peter Fox gab sofort den Takt des Abends vor...es sollte keine Pause mehr geben.  

Wer allerdings auf viele neue Stücke gehofft hatte, die Band war schließlich 1 Jahr abgetaucht, wurde nicht belohnt. Geboten wurde der klassische Festivalauftritt mit ca. 75min. Dies war aber auch der Sinn der Sache, da dieses Konzert ja der Warm-Up Gig für das nächste Woche in Berlin stattfindende Lollapalooza-Festival sein sollte. 

So haben SEEED den Luxus eigentlich nur Hits zu spielen. Alte Platten oder Songs die es nicht zur Single geschafft haben sucht man fast vergeblich. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass die Band auch die besten Songs von Peter Fox präsentiert. Normalerweise unüblich, ist doch eine erfolgreiche Soloplatte immer eher eine Gefahr für die "Stammband". 


Alle Elemente der Show sind zwar straff organisiert, trotzdem wirkt es nicht zu perfekt Besonders wenn, sogar hier, die Showtruppe von Cold Steel den Saal entert und fast 20 Leute ein mittleres Chaos auf der treppenförmigen Bühne verbreiten. 

Jetzt wird der Sound noch druckvoller, die drei Shouter wirbeln hiund her über die Bühne und mit "Ding" endet der Set in einem langen Finale. 

Danach noch 3 Zugaben, nach Aufstehn! Ist endgültig Schluss. Vor der Bühne löst sich eine schweißnasser Pulk von Menschen, die anderen überprüfen ihre Hörfunktion und schon ist der Abend vorbei.  
           
SEEED sind völlig zurecht eine der größten deutschen Bands. Mögen die Texte fast immer nur auf Partyniveau sein, Peter Fox Solosongs zeigen dass er noch mehr kann. Musikalisch ist das ganze eine einzige Dancehall-Party die wohl auf jedem Fleck der Erde funktionieren würde. 


Bleibt für mich zu hoffen, dass  die echte Pubertät noch etwas auf sich warten lässt. Zumindest solange wie ich die Konzerte begleiten muss. Dieser Abend jedoch war mehr als eine Pflichtveranstaltung. Er war, ein für seine Erwartungen, richtig toller Konzertabend.  


Mittwoch, 4. März 2015

Element Of Crime, Köln, 03.03.15

4 Kommentare

Konzert: Element Of Crime
Ort: Palladium, Köln
Datum: 03.03.2015
Dauer: Element Of Crime 110 min, Apples In Space 25 min
Zuschauer: 4.000 (ausverkauft)

 

Daß nicht nur gerade hippe Bands wie alt-J die größte Kölner Konzerthalle unterhalb von Stadion und Arena ausverkaufen, freut mich. Im Falle von Element Of Crime freut es mich nicht nur besonders, weil ich die Musik der Band und das sonstige Werk des Sängers mag, ich schätze insbesondere die Einstellungen von Sven Regener zu Urheberrecht, Streaming und ganz allgemein zum heutigen Verhältnis Kunde / Künstler. Streaming-Dienste seien "Ein-Euro-Shops", seine Band mache da nicht mit, sagte der Sänger und Schriftsteller im Herbst im Deutschlandfunk. Fände ich das aktuelle Album doof, alleine aus musikpolitischen Gründen wäre ich zum Konzert gefahren. "Eine Konzertkarte von Element of Crime kostet 35 Euro - ist auch nicht teuer. Bei den Rolling Stones fangen die bei 150 Euro an und gehen bis 700 Euro hoch. Da brauchen wir nicht zu diskutieren" (Regener im DLF).

Das Palladium war schon früh voll. Element Of Crime Konzertgänger sind im Schnitt gut doppelt so alt wie die von alt-J. Daß alles sehr früh losging, war vielleicht auch diesem Umstand geschuldet. Punkt acht Uhr begann die Vorgruppe Apples In Space, quasi ein Synergie-Support. Die männliche Hälfte der Band (Phil Haussmann) ist Sohn des Herr-Lehmann-Regisseurs Leander. Sven Regener hat Stücke von Apples In Space produziert und förderte die Band bereits 2013 mit Vorgruppenjobs. Im Palladium sagte der Pate seine Schützlinge persönlich an!

Ich kannte nur die Vorgeschichte (da ich Konzerttagebuchleser bin), kannte aber keines der Lieder der Band, deren zweite Hälfte Julie Mehlum aus Oslo ist. Julie und Phil standen nebeinander auf der riesigen Bühne, sie neben einem Piano, er mit akustischer Gitarre. Ihre Lieder sangen sie gemeinsam, jedes Stück, jedes Wort. Dazu spielte Julie anfangs meist nur mit einer Hand Klavier und Phil Gitarre. Die Stücke gefielen mir. Die instrumentelle Begleitung war nicht schrecklich komplex (was ich mochte), die Stimmen harmonieren aber hervorragend. Richtig gut wurde es, wenn beide oder einer laut wurde. My love ist a bullet und Farewell, little world gefielen mir also am besten. Da die Band das nach jedem Lied gemacht hat, sage ich auch noch mal den Namen: Apples In Space.


Setlist Apples In Space, Palladium, Köln:

01: ?
02: Paper town
03: My love is a bullet
04: The never read letter
05: Vespa
06: Farewell, little world

Der Umbau lief irrwitzig schnell ab. Hier böten sich Witze übers Alter an, ich bin aber kein guter Witzeerzähler. Bereits elf Minuten nach dem Abgang von Apples In Space traten Element Of Crime auf. 


Ich hatte die Band zuletzt beim Fest van Cleef 2011 in Trier gesehen (gemeinsam u.a. mit Frank Turner, Thees Uhlmann und Casper). Ob die Besetztung damals die gleiche war, weiß ich nicht mehr, kann man aber nachlesen (würde der Sänger sagen). Neben Sven Regener waren das im Palladium Gitarrist Jakob Ilja, Bassist David Young, Schlagzeuger Richard Pappik und Saxophonist Rainer Theobald.


Die Songauswahl war nicht weiter überraschend. Es ist die Lieblingsfarben und Tiere Tour (oder wie es eventim auf den Tickets schön umdeutete: Lieblingsfarben der Tiere - Elefant (grün), Löwe (pink), Jaguar (blau)?), also spielten Element Of Crime auch alle Lieder der Platte. Obwohl die zehn nicht mal die Hälfte des Konzerts ausmachten, konnte der Rest bei der Menge an Studioalben seit Mitte, Ende der 80er Jahre natürlich nur ein Querschnitt sein. Ich habe keine richtig großen Lieblinge vermisst, irgendwer weiter hinten brüllt aber immer wieder Mittelpunkt der Welt und wurde nicht erhört. 

Obwohl das Konzert fast zwei Stunden dauerte und auf der Bühne ja nicht furchtbar viel passiert - und sich auch bis auf wenige Ausnahmen die Ansagen des Sängers auf die üblichen drei, vier Textbausteine beschränken (die allerdings früher viel häufiger fielen! Statistik für Köln: "stark" - 4x, "Romantik" - 1x, "jetzt kommt noch ein Lied" - 1x), war das Konzert nie langweilig. Richtig packend sind Element Of Crime Auftritte auch nicht, das erwartet man aber nicht. Da böten sich dann u.U. die 700-Euro-Tickets für die Rolling Stones eher an. Aber Element Of Crime Konzerte sind trotzdem sehr unterhaltsam und musikalisch toll, auch wenn sie am äußersten Ende meiner (nicht auf die Zuschauerzahl) bezogenen Indieskala stattfinden.


Mein Liebling war vermutlich das fabelhafte Vier Stunden vor Elbe 1 als eines der sechs Zugabe-Stücke, gespielt nur von Sven Regener, dem Bassisten und eine Klarinette (glaube ich - Rainer Theobald war für mich meist nicht zu sehen, er hatte aber am Anfang eine Klarinette in der Hand, es klang jedoch nach Mundharmonika). Aber auch Immer nur geliebt, das für die Peter-Pan-Imszenierung von ... Leander Haußmann* zu dessen Intendanz-Abschied am Bochumer Schauspielhaus geschrieben wurde, war wundervoll. Man habe dieses 15 Jahre alte Lied nie gespielt, weil der Kontext gefehlt habe. "Peter Pan, das kennt ja doch jeder", also könne man es auch spielen. Im Hintergrund (und auch bei Love and happiness) sangen Apples In Space mit. 


Ach, es war ein schöner Abend. Wir (also die, die keinen Erdkunde Leistungskurs hatten) lernten etwas über die Europäische Wasserscheide, die Element Of Crime bei ihrer Tour überquert haben, über die richtige Betonung von Delmenhorst (auf der letzten Silbe!) und wir hörten viele sehr gute Lieder einer Band, die vermutlich auch noch Konzerte spielen wird, wenn die alt-Js dieser Welt über eine Reunion nachdenken. Alten Resten eine Chance.

Setlist Element Of Crime, Palladium, Köln:

01: Damals hinterm Mond
02: Immer so weiter
03: Am Morgen danach
04: Rette mich (vor mir selber)
05: Mehr als sie erlaubt
06: Gelohnt hat es sich nicht
07: Dunkle Wolke
08: Liebe ist kälter als der Tod
09: Nightmare
10: Schwert, Schild und Fahrrad
11: Am Ende denk ich immer nur an dich
12: Schade dass ich das nicht war
13: Love and happiness
14: Immer nur geliebt
15: Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen
16: Kaffee und Karin
17: Immer da wo du bist bin ich nie
18: Straßenbahn des Todes
19: Lieblingsfarben und Tiere

20: Weißes Papier (Z)
21: Delmenhorst (Z)

22: Vier Stunden vor Elbe 1 (Z)
23: Draußen hinterm Fenster (Z)

24: Alten Resten eine Chance (Z)
25: Dieselben Sterne (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Element Of Crime, München, 10.04.13
- Element Of Crime, Trier, 10.12.11
- Element Of Crime, München, 18.09.09



Montag, 26. Januar 2015

Interpol, Köln, 25.01.15

4 Kommentare

Konzert: Interpol
Ort: Palladium, Köln
Datum: 25.01.2015
Dauer: Interpol knapp 80 min, Health ca. 35 min
Zuschauer: nicht ausverkauft aber recht volle Halle





Nach dem Ausstieg von Kim Deal spielte Kim Shattuck eine Weile Bass für die Pixies. Nachdem sie bei einem Konzert in LA ins Publikum gesprungen war, teilte ihr der Manager der Band mit, sie solle das nie mehr tun. Grund dafür war nicht Sorge um ihre Sicherheit. "The Pixies don't do that." Kurz danach war auch Kim 2 ersetzt.


Interpol, den Königen der coolen Indiemusik, wünschte ich bei ihrem Auftritt in Köln eine ähnlich klare Haltung. Mitklatsch-Animationen von Gitarrist Daniel Kessler? "Interpol don't do this!", ein kleines Bass-Solo, nachdem sein Name (Brad Truax) genannt wurde? "Interpol don't do this!", das wilde Rumschmeißen des Kopfes beim Bass-Spiel? "Interpol don't do this!"

Daß das Konzert am Sonntagabend so ernüchternd und über weite Strecken lahm war, lag aber nicht an diesen Ärgernissen. Auch nicht daran, daß ich mein Interesse an der Band in den letzten Jahren verloren hätte und schon mißmutig zum Konzert gefahren wäre (ich hatte mein Ticket Mitte letzten Jahres gekauft und große Vorfreude), es lag an der überroutinierten Art, den Abend schnell hinter sich zu bringen. Auch das machen die Pixies nicht. Das in Verbindung mit den mitklatschenden Frohnaturen erzeugte bei mir die übelsten Assoziationen. Ich fühlte mich wie am Flughafen Mendig. Interpol sind eine Rock am Ring Band geworden.

Der Abend fing an mit Health aus LA. Ich hatte (im Palladium) festgestellt, daß ich die Band schon anderthalb mal gesehen hatte, das zweite Mal komplett, obwohl ich beim ersten Konzert festgestellt hatte, daß das eigentlich nicht meine Musik ist. Ihr Auftritt in Köln war am Anfang auch nicht mein Fall. Immer wenn die Stücke klassische Liedstrukturen hatten, gefielen mir Health aber gut. Am besten war das neue Lied (sagte der Health-Experte rechts neben mir) am Ende.


Interpol begannen um zwanzig nach neun vor dann gut gefülltem Haus. Auf der Leinwand im Bühnenhintergrund waren die ersten Stücke lang die Hände vom aktuellen Album El pintor zu sehen. Trotzdem begann das Konzert mit einem alten Stück, Say hello to the angels vom Debüt-Album. Auch wenn El pintor eine wirklich gute Platte ist, spielten die New Yorker gleich viele Titel vom 13 Jahre alten Turn on the bright lights. Es hätte also ein wirklich guter Abend werden können, mit ganz vielen Lieblingen. Es wurde ein mauer, bei dem ich kein wenig traurig war, als die letzte der drei Zugaben gespielt war.


Die beste Phase des Konzerts waren die letzten vier Titel vor den Zugaben. Rest my chemistry, Slow hands, Not even jail und PDA hatten den nötigen Schwung und die nötige Schärfe. Bei vielen anderen Lieblingen (Stella!) fehlte dies deutlich. 

"An das Konzert werden wir uns in ein paar Monaten nicht mehr erinnern", war eine Stimme nach dem Konzert. Stimmt. Daher schreibe ich diesen Bericht besser direkt. Im Sommer ist die nächste Chance, Interpol gut zu sehen. Beim Primavera, nicht bei Rock am Ring! Aber da spielen die Amerikaner natürlich auch.

Setlist Interpol, Palladium, Köln:

01: Say hello to the angels
02: Anywhere
03: My blue supreme
04: Evil
05: Leif Eriksson
06: My desire
07: The new
08: Everything is wrong
09: NYC
10: Breaker 1
11: Rest my chemistry
12: Slow hands
13: Not even jail
14: PDA

15: All the rage back home (Z)
16: Lights (Z)
17: Stella was a diver and she was always down (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07






 

Konzerttagebuch © 2010

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