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Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Mittwoch, 28. Juni 2017

Fleet Foxes, Down the Rabbit Hole Festival, 24.06.2017

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Konzert: Fleet Foxes
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 24.06.2017
Dauer: 75min
Zuschauer: volles Zelt ca. 8.000



Ich glaube es war 2008 als man beim Haldern Pop Festival eine neue Band bewundern konnte, bei der sich alle einig waren: Das wird ganz groß werden. 

Wurde es dann auch, bis die Fleet Foxes eine fast 4-jährige Pause einlegten und erstmal zurück an die Universität gingen. Seit gerade einmal einer Woche ist nun die neue CD der Band erschienen, und schon sollten sie beim "Rabbit Hole Festival" einen der drei Headliner abgeben.

Mutige Rückkehr dachte ich, und leider sollten sich die Zweifel im Vorfeld schnell bewahrheiten. Auch wenn das Festival bereits in den Jahren zuvor (z.B. mit Anohni) probiert hatte, Bands oder Musiker mit hohem Potential einfach mal am späten Abend als Headliner antreten zu lassen, wurde der Mut am Samstag leider nicht belohnt.



Das lag natürlich nicht an den grundsätzlich vorhandenen "Hits", die auch fast alle gespielt wurden. Die Band selber versprühte einfach (noch?!) nicht wieder die Energie der früheren Tage.

Am neuen Schlagzeuger lag das sicher nicht, der Ex-Walkmen Mann "Matt Barrick" verrichtete seine Aufgabe noch als einziger mit größerer Energie und Hingabe. 

Vielleicht war Frontmann "Robin Pecknold" auch einfach überfordert. Der Gesang nimmt bei den Fleet Foxes ja einen großen Raum ein und wirkte in seiner Art ja mindestens wie ein vollständiges Instrument. 

Doch genau dies fehlt bei der neuen Tour. Meist nur einstimmig versucht sich Pecknold an den vertrackten Songs, der Rest der Band steht stoisch um ihn herum. Kein Augenkontakt, kein entspanntes Lächeln, es sieht nach harter Arbeit aus und so klingt es dann auch. 

Dazu viele neue Stücke, die gerade ein Festivalpublikum nach einer Woche noch nicht studiert hat. Diese sind zu allem Überfluss noch anspruchsvoller als das alte Werk. 



So ergibt sich leider von Beginn an, die Band wird herzlich empfangen und steht erst einmal fünf Minuten im halbdunklen um ihre Instrumente zu stimmen, bis zum vorläufigen Ende (das Licht bleibt noch aus, klarer Hinweis auf eine Zugabe) bei dem das Publikum frustriert das Zelt verlässt, ohne die Band wirklich zu verabschieden, keine gute Stimmung.

Das mag jetzt hart klingen, aber bis auf die Freude, einige alte Songs überhaupt noch einmal live erleben zu dürfen, blieb von diesem Konzert einfach nichts hängen. Für einen Headliner einfach zu wenig. 

Ob die neuen Songs auf Dauer überzeugen können, bleibt ebenfalls offen. Hit-Singles wie "Helplessness Blues" oder das immer noch himmlische "Your Protector" waren erstmal nicht auszumachen. 

PS: In heutigen Zeiten ein größeres Bettlaken als Projektionsfläche für Standbilder zu verwenden, trug ebenfalls nicht zu Stimmung bei. Vielleicht brauchen die Foxes einfach wieder mehr Routine oder mehr Selbstbewusstsein um in den nächsten Monaten befreiter aufspielen zu können. Dieser Abend wird dazu nicht beigetragen haben.

Fotos: Michael Graef



Dienstag, 22. November 2011

Fleet Foxes, Wien, 15.11.11

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Konzert: Fleet Foxes & Alela Diane
Ort: Museumsquartier, Wien
Datum: 15.11.2011
Zuschauer: 2500?
Dauer: Fleet Foxes 110 Minuten

Eigentlich wollte ich ja gar nicht zu den Fleet Foxes gehen, ich hatte sie viermal gesehen, der Preis war nicht mehr wirklich moderat und die Vorstellung an eine Riesenhalle mit einem Haufen hypelustigen Publikum förderte meine Motivation auch nicht gerade.
Eigentlich war der Entschluss für mich gefallen, nicht hinzugehen. Doch am Tag des Konzerts bekam ich dann doch noch Interesse (ok, und die geplante Abendgestaltung fiel aus). Zudem hielt sich die Lust auf negativ zu beantwortende Fragen wie "Aha, du hörst coole Musik, dann warst du doch sicher auch bei den Fleet Foxes?" in Grenzen.
Der Marsch zur Kartenverkaufsstelle förderte (neben der Fitness) aber nur die Erkenntnis zu Tage, dass die Stehplätze ausverkauft waren.
Damit abgefunden war ich schon wieder auf der Uni, eine HörerInnenversammlung stand an (immer lustig, wenn das eigene Studium abgeschafft werden soll), als eine Freundin anrief, sie hätte eine Karte vor Ort erstanden. Eine tolle Sache! Tschüss Zukunft, hallo Fleet Foxes!

Im Museumsquartier war einiges los, die paar Leute, die im Freien der Eröffnung des Weihnachtsmarktes zuprosteten, waren aber ein Witz gegen das, was in der Konzerthalle zugegen war. Die Garderobendame kam zu einem ähnlichen Schluss - es wäre schon ewig nicht mehr notwendig gewesen, die Zusatzgarderoben zu öffnen. Ganz geheuer war ihr der Ansturm nicht und da hatte sie etwas mit mir gemeinsam.
Seit wann kommen die Leute zu Tausenden zu den Füchsen? Das letzte Album ist ja eh sehr gut rezipiert wird, aber den offensichtlich vonstatten gegangen Hype hab ich verpasst. Vielleicht aber hatte auch die Location eine Rolle gespielt, immerhin ist dort kaum einmal ein Konzert und viele erwarteten sich wohl ein feudales Ambiente in den ehemaligen Hofstallungen. In den ähnlich dimensionierten (und ungeliebten) Gasometer wären wohl nicht so viele Leute gekommen...

Recht außergewöhnlich war der Saal dann eh nicht, die Decke war mit Akustikplatten zugeklebt und überhaupt ähnelte sie mehr einem TV-Studio, so viele Schweinwerfer hingen da auf einem Haufen. Ab und wann bekam man mal ein Stuckelement zu Gesicht, ansonsten machte der Raum einer Multifunktionshalle alle Ehre.
Hinter einem eine steile Tribüne, vor einem eine Leinwand, Projektion still to come.

Die ging los, als die Fleet Foxes leise die Bühne betraten. Freudiger Empfang glich die Lautstärke auf der anderen Seite wieder aus, das Licht wurde derart eingedämmt, dass die Konzertfotografen nur so fluchten. Dabei hätten die Visuals auf der Leinwand so einen schönen Hintergrund abgegeben, langsam und in harmonischen Farben, teilweise mit Erzählcharakter.

Im Vordergrund aber die Protagonisten, jeweils entweder mit Bart oder Pudelhaube, an der Arbeit: Gleich der zweite Song war Mykonos, vielleicht der stärkste überhaupt? "And you will go to Mykonos, with a vision of a gentle coast."
Das Publikum war hochkonzentriert, aber auch recht entspannt. Recht bald folgte dann die erste Ansage von Robin Pecknold, er sei ein wenig geflashed von der Anzahl der Leute, die waren vielleicht auch davon überrascht. Etwas auf seinen exklusiven Musikgeschmack braucht man sich jedenfalls nicht mehr...

Die Gespräche Pecknolds waren in der Folge recht rar gesät, während das Publikum langsam auftauchte und mit Your Protector eine ideale Vorlage bekam.
Recht aktiv war dabei eine Gruppe Leute vorne rechts, die sich auf des Ober-Fuchses Frage als amerikanische Austauschstudenten deklarierten, schön anzusehen war aber auch das Meer klatschender (eigentlich mag ich Mitklatschen nicht) Leute auf der Tribüne.
White Winter Hymnal war in der Folge auch nicht wirklich ein Grund, die Aktivität zu reduzieren und so behielt das Publikum von da an diese bei.

An dieser Stelle sollte vielleicht der sehr gute Sound hervorgehoben werden. Es wurde recht differenziert und sensibel ans Werk gegangen, Schilderungen wie jene Olivers vom Paris-Konzert im Juli muss ich glücklicherweise nicht auspacken. Auch das Schlagzeug war, anders als bei einigen der Festivalauftritte, die ich gesehen habe, in seine Schranken gewiesen worden.

All das braucht es, um die Musik der Seattler Wirkungsmacht zu geben. Und die Fleet Foxes nutzten diese beinahe idealen Gegebenheiten und legten hohe Präzision und Spielfreude an den Tag. Nur von hinten angeleuchtet, hatten die fünf Amerikaner mit den symbolistischen Visuals im Hintergrund etwas annähernd Ikonisches an sich. Die Entscheidung, manche Songs ohne Pause hintereinander zu spielen und aufkommenden Applaus zu ignorieren diente diesem Gesamtbild, es machte den Abend zu einem sehr dichten.

Einem außerdem recht langen. Aber, weil kurzweilig, auch subjektiv sehr schnell vergangenen. Eine Ansage später (es ging um Punsch oder so ähnlich, die Fleet Foxes hatten wohl die wenigen sympathischen Sachen, die man des Winters in Wien machen kann, ausgekostet) war die Band weg und kam erst nach zwei Minuten anschwellendem Lärm, die "Zugabe"-Rufe waren wirklich nicht von schlechten Eltern.

Also eigentlich kam nur Pecknold, er bedankte sich authentisch erfreut und begann solo das bislang unveröffentlichte I Let You zu spielen. Es war völlig still in der Halle, ein vierminütiges Highlight des Abends.
Danach kam die gesamte Band zurück und bot Sun It Rises dar, den Song über das rote Einhörnchen und die Morgensonne und das, was zwischen den Zeilen gelesen werden kann.
Den Abschluss bildete der Helpnessless Blues, einer der zentralen Songs des neuen Albums, mit den wunderschönen Anfangslyrics: "I was raised up believing I was somehow unique. Like a snowflake distinct among snowflakes, unique in each way you can see."

Im speziellen Falle Fleet Foxes lässt sich zwar feststellen, dass die Band auf bestem Weg zur Massenband sind, ihr dennoch schneeflockengleich gewisse Besonderheiten und seltene Qualitäten nicht abzusprechen sind. So etwa die Gabe, trotz vornehm zurückgehaltenen Charme stets die geballte Ladung Zuneigung zu erfahren. Oder sich den Luxus leisten zu können, eine große Fanschar und konsequent starke Platten gleichzeitig zu haben.

Allerdings ist es mit Sicherheit noch zu früh, die Karriere der Fleet Foxes in irgendeiner Weise zu prophezeien, die bisherigen zwei Alben und die gespielten Konzerte lassen einen die Fleet Foxes jedoch noch eindeutig näher bei der kleinen Indie-Band aus 2008 verorten als bei einem etablierten Massenanzieher.

Gut so. Wenn die hergepilgerten Leute also Konzerte mit verbindlichem Charakter, der genannten Sorte Musik und Leuten, mit denen man, wenns drauf ankommt, auch mal auf einen Punsch gehen würde mochten, dann haben an diesem Abend alle gewonnen. Band, Publikum, Veranstalter. Alle? Nun, die Garderobendamen vielleicht nicht...

Setlist Fleet Foxes, Museumsquartier, Wien:
01: The Plains/Bitter Dancer
02: Mykonos
03: English House
04: Battery Kinzie
05: Bedouin Dress
06: Sim Sala Bim
07: Your Protector
08: White Winter Hymnal
09: Ragged Wood
10: Montezuma
11: He Doesn't Know Why
12: Lorelai
13: The Shrine/An Argument
14: Blue Spotted Tail
15. Grown Ocean

16: I Let You (Z)
17: Sun It Rises (Z)
18: Blue Ridge Mountains (Z)
19: Helpnessless Blues (Z)

Aus unserem Archiv:
Fleet Foxes, Haldern, 13.08.11
Fleet Foxes, Chicago, 16.07.11
Fleet Foxes, Paris, 04.07.11
Fleet Foxes, Paris, 30.05.11
Fleet Foxes, Paris, 16.09.09
Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09
Fleet Foxes, Paris, 25.02.09
Fleet Foxes, Essen, 22.11.08
Fleet Foxes, Paris, 12.11.08
Fleet Foxes, Haldern, 07.08.08
Fleet Foxes, Paris, 02.06.08


Vielen Dank für die Fotos an Patrick!



Montag, 22. August 2011

Fleet Foxes, Dan Mangan, Okkervil River u.a., Haldern Pop Festival, 11-13.08.11

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Konzert: Fleet Foxes, Dan Mangan, Okkervil River, Matthew & The Atlas, Golden Kanine, Dry The River, The Low Anthem, The Avett Brothers u.a., Haldern Pop Festival 2011

Orte: Spiegelzelt und Hauptbühne
Datum: 11-13.08.2011 Zuschauer: jeweils viele


Kommen wir zum Vergleich der Folkrockbands beim Haldern Festival 2011. Folk und Folkrock gehören zu meinen bevorzugten Musikstilen, das weiß jeder, der uns regelmäßig liest. Und weil Haldern immer wieder feinste Acts aus diesem Genre an den Niederrhein kommen lässt, gehört das Festival unweit von Holland zu meinen absoluten Lieblingen.

Aber wer hat sich innerhalb der Folkrockbands dieses Jahr am besten geschlagen? Keine leichte Entscheidung, denn es waren mit den Fleet Foxes, Okkervil River (1. Foto oben) und The Low Anthem drei richtige Schwergewichte dabei. Dennoch fällt meine Wahl auf Newcomer, die ich im Januar 2011 vor lediglich 15 Leuten in einem Pariser Wohnzimmer erleben durfte. Die Rede ist von Dry The River, die bei der damaligen Homeshow sehr reduziert, akustisch und melodieseelig zu Werke gingen. Notgedrungen, denn in einem Wohnzimmer darf man nun einmal nicht so viel Krach machen, wie man gerne möchte. Ohne die wundervollen Chorgesänge zu vernachlässigen, besannen sich Dry The River in Haldern auf ihre rockige Seite und ließen es insbesondere beim letzten Lied, dem überragenden Lion's Den, so richtig fetzen. Da konnte man so richtig schön sehen, was das für Heißsporne sind. Ihre langen Haare flogen in alle Richtungen, ihre schlanken Körper zuckten wie unter Strom und irgendwann knieten sie alle auf dem Boden und ließen die Gitarren aufjaulen, bis die Schwarte krachte. Das Publikum johlte, zu Recht!



Das Haldern Pop Label hat also alles richtig gemacht, als sie die Engländer in diesem Jahr signten, denn das Potential erscheint mir enorm. Die würzige Stimme des Sängers ist markant und geht einem durch Mark und Bein, die Refrains sind catchy und mitreißend und die feine Geige verleiht dem Ganzen die besondere Note. Definitiv eine Band, die in die Fußstapfe der auch kommerziell wahnsinnig erfolgreichen Mumford & Sons treten kann. Sie verbinden betörende Schönheit mit jugendlicher Ungestümheit, haben einen ausgeprägten Sinn für herzerwärmende Melodien und bringen eine Frische und Spielfreude mit, die einfach begeistert. Und Hits haben sie noch und nöcher! Besonders gelungen ist das herzblutgetränkte Weights & Measures, das auch textlich neugierig macht: " I was prepared to love you, never expect anything of you." Aber auch das an Arcade Fire (dieser Pomp, dieser an Bombast grenzende Gesang) New Ceremony und die neue Single No Rest sind ausgezeichnet und brachten das Halderner Publikum in Wallung.

Der bereits oben beschriebene Abgang mit Lions Den setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf. Wie sagte der holländische Moderator später auf der Hauptbühne so treffend:" ich war eben bei Dry The River im Zelt, das war geil, das war supergeil!"

Aber nicht nur Dry The River, sondern auch der Kanadier Dan Mangan und seine Band konnten am Niederrhein auf ganzer Linie begeistern. Der bärtige Mann mit dem in der Folkszene obligatorischen Holzfällerhemd steigerte die Temperatur im ohnehin hin schon sauwarmen Zelt am Nachmittag noch einmal um mindestens 10 Grad. Mit einer ungekünstelt wirkenden Inbrunst und Emphase und seiner verrauchten Reibeisenstimme à la Tom Waits schmetterte er die Hits seines glänzenden Albums Nice, Nice, Very Nice (+ ein paar Neulinge) und hatte im Handumdrehen die Leute auf seine Seite gezogen. Die Zuschauer fraßen ihm förmlich aus der Hand, was Dan wiederum so glücklich machte, daß er sichtlich gerührt kundtat: "you guys in germany are the best crowd in the world, already at the OBs in Beverungen I had a fantastic time."

Am Ende ging es zum Schunkelsong Robots sogar zur Triumphrunde mitten durchs Publikum und wem das zu eng und heiß war, der tanzte einfach draußen vor dem Bildschirm, wie das eine Gruppe junger Mädchen tat. Mit dem Elliott Smith Cover (ich liebe Elliott, Dan hat Geschmack!) Waltz # 2 ging dann ein Konzert zu Ende, das die Geschichte des 2011 er Haldern Festivals entscheidend mitprägte.

Die großen Folkrockacts wiederum schlugen sich ebenfalls gut, wenngleich Okkervil River bei mir nicht die gleichen Glücksgefühle auslösten wie noch 2008, vielleicht weil ich mit den Lieder von dem neuen Album I Am Very Far noch nicht so vertraut bin. Und zu Low Anthem kann ich nicht viel sagen, weil ich da leider nur 3 bis vier Lieder hörte, die freilich wunderbarst waren.

Deutlich mehr bekam ich von den Fleet Foxes mit. Die besannen sich glücklicherweise auf ihre Stärken, sprich die bildhübschen Harmoniegesänge und konnten auch mit den neuen Liedern von Helplesness Blues punkten. Inzwischen sind sie so gut eingespielt, daß es kaum noch qualitative Unterschiede zwischen dem alten und dem aktuellen Material gibt und auch Morgan Henderson, das neue Bandmitglied an der Flöte, dem Saxophon und den Percussions ist in die Truppe integriert. Mein Ärger über die zwei für meine Begriffe viel zu rockigen und lauten Clubkonzerte ist verraucht, bei den Festiavls gingen die Fleet Foxes wieder deutlich filigraner und gefühlvoller zu Werke. Ein sehr ansprechendes Konzert.

Setlist Fleet Foxes, Haldern Pop Festival 2011:

01: The Cascades
02: Grown Ocean
03: Drops In The River
04: Battery Kinzie
05: Sim Sala Bim
06: Mykonos
07: Your Protector
08: White Winter Hymnal
09: Ragged Wood
10: He Doesn't Know Why
11: Lorelai
12: Tiger Mountain Peasant Song
13: The Shrine/An Argument
14; Blue Ridge Mountain
15: Helplessness Blues



Sonntag, 17. Juli 2011

Pitchfork Festival Chicago, 2. Tag, 16.07.11

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Pitchfork Festival Chicago, 2. Tag, mit Fleet Foxes, Woods, Gang Gang Dance, Zola Jesus und vielen anderen
Ort:Union Park, Chicago
Datum: 16.07.11
Zuschauer: etwa 18.000 (ausverkauft)



"Did you see our last Paris show?"

Fleet Foxes Gitarrist Skyler Skjelset wirkte fast eingeschuechtert, als er mir diese bange Frage direkt nach dem Konzert seiner Band auf dem Pitchfork Festival in Chicago stellte.

" Yes I saw it and it was much to loud, but tonight it was just perfect!"

Da wirkte der Blondschopf sichtlich erleichtert, brummelte etwas von "the sound was strange in Paris" und "so glad that you liked it this time!"

Unglaublich, lediglich ein paar Tage nachdem mich die Fleet Foxes beim Pariser Konzert im Salle Pleyel bitter enttäuscht hatten, schafften sie es, mich beim Pitchfork Festival in Chicago über alle Massen zu begeistern! Die Magie der frühen Tage, sie war zurück! Die charakteristischen Chorgesänge klangen schöner denn je, erfüllten noch den letzten Winkel des Geländes und erfüllten mein Herz mit unbeschreiblicher Freude. Die sechsköpfige Band spielte harmonisch, beseelt und motiviert auf, ohne aber wie in Paris mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Josh Tillman schien sein Schlagzeugspiel in der Tat zurückgenommen zu haben, bollerte nicht bei jeder Gelegenheit drauf wie ein Metzger und brillierte auch durch seinen Beitrag zu den irreal schönen Chorgesängen. Noch vor ein paar Wochen schienen mir diese schematisch abgespult zu werden, heute aber legten die Fleet Foxes viel echtes Gefühl in diese Harmonien.

Der Knoten geplatzt war spätestens bei Mykonos, bei dem Pecknolds Wahnsinnstimme endlich wieder genug Luft hatte, um sich voll zu entfalten und nicht durch eine zu reichhaltige und druckvolle Instrumentierung erdrückt zu werden. Danach flutschte es und es war egal, ob einer der zahlreichen Klassiker vom ersten Album, oder die Neulinge gespielt wurden.

Das Publikum war begeistert und Pecknold kommentierte diesen Umstand mit: "Thank you so much, you were one of the best audiences we ever had, no bullshit!"

Insgesamt also ein super Abschluss eines hochkarätigen Festivaltages, den die sirenhafte Amerikanerin Julianna Barwick auf der green stage eröffnet hatte. Mit ihren übereinandergeschichteten Stimmen, die sie gekonnt loopte, schuf sie eine spirituelle, vielschichtige Atmosphäre voller Dramatik und purer Schönheit. Allerdings war es fuer die Kondition eine ziemlich harte Prüfung, bereits um 13 Uhr für das Konzert von Julianna da zu sein, denn die Temperaturen waren geradezu mörderisch. Die Sonne knallte erbarmungslos vom blauen Himmel und erhitzte meine Birne auf mindestens 50 Grad Celsius.

Setlist Julianna Barwick, Pitchfork Festival, Chicago 2011:

01: The Magic Place
02: Wish
03: Vow
04: Prizewinning
05: Keep Up The Good Work
06: White Flag

Aber man musste heute früh aufkreuzen, denn gleich nach Barwick spielten die pschychedelischen Folkrocker Woods auf der red stage. Ein absolutes Highlight, die Band um Sänger Jeremy Earl, bot ein Set voller packender Songs, in denen es auch immer mal wieder ausgedehntere Instrumental-Passagen gab. Allein die sensationelle Falsett-Stimme von Earl war das Kommen wert, er klang ähnlich wie Ben Bridwell von den Band Of Horses, bloß daß Woods wesentlich weniger formatiert und mainstreamlastig als die Pferdeband sind. Woods are so great!!

Es gab aber noch eine Reihe anderer richtig guter Konzerte, die stilistisch oft völlig unterschiedlich ausgelegt waren. No Age verliessen sich auf die von den White Stripes, den Black Keys und den Blood Red Shoes erprobte Formel, wonach die Kombination aus einem explosiven Schlagzeugspiel und einer wilden Gitarre live höllisch gut ankommt. Und auch heute funktionierte das. Das Sicherheitspersonal hatte alle Hände voll zu tun, die Crowdsurfer hinter der Barriere abzufangen und sie (sehr behutsam und wenig aggressiv) wieder auf ihre eigenen Beine zu stellen. Gang Gang Dance aus New York wiederum versuchten es mit einem dreampoppigen, elektronischen New Age Sound und eroberten damit ganz am Ende überraschenderweise mein Herz. Musikalisch eine seltsame Mischung aus Rave, Indierock, Dreampop, Shoegaze und Elektropop, waren Gang Gang Dance für mich eine der Entdeckungen schlechthin. Und dies ganz ohne den Verzehr von magic mushrooms, an die ich bei diesem peacigen, Psychedelic Konzert permanent erinnert wurde!

Auf der blauen Buehne schließlich, kam ich zu einem kuriosen Urteil. Die Schweden Radio Dep., die ich eigentlich sehr liebe, langweilten mit ihrem soften Pop, während die zierliche Blondine mit der kraftvollen Stimme namens Zola Jesus mich derart fesselte, dass ich mir ihr gothisch angehauchtes Elektro-Set bis zum Ende ansah und deshalb die ersten zwei Lieder der Fleet Foxes verpasste.

Demnächst mehr!


Dienstag, 5. Juli 2011

Fleet Foxes, Paris, 04.07.11

9 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (Villagers)

Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 04.07.2011
Zuschauer: ausverkauft, etwa 2000
Konzertdauer: Villagers etwa eine Stunde, Fleet Foxes 2 Stunden


"C'est trop fort". Wenn Franzosen das sagen, kann das zwei verschiedene Dinge bedeuten. Zum einen, daß eine Sache einfach unglaublich toll, ist, sprich zu stark (trop fort), um wahr zu sein. Zum anderen, daß der Ton zu laut ist. "Parle moins fort" ermahnen Pariser Mütter oft ihre Kinder, um ihnen zu sagen, daß sie leiser sprechen und nicht so schreien sollen.

Heute im Salle Pleyel beim Konzert der Fleet Foxes traf leider die zweite Alternative zu. "C'est trop fort", es ist viel zu laut, riefen mindestens 30 Leute nach dem dritten Lied der Amerikaner herein. Und sie hatten so verdammt recht damit. Der Lärm war ohrenbetäubend, die Gitarren wild und brachial und das Schlagzeug von Josh Tillman bollerte plump und schwer aus dem Hintergund. Wie schon beim enttäuschenden Konzert im Bataclan klangen die Fleet Foxes wie eine vulgäre Stadionrockband, die das Publikum mit Wucht, aber ohne Feingefühl und Finesse, beindrucken will. Im Gegensatz zum Bataclan wehrten sich aber heute die Pariser und machten ihrem Unmut über den saturierten Bombastsound Luft. Auch ich beteiligte mich an den Protesten, den ich war bitter enttäuscht darüber, daß eine frühere Lieblingsband so derbe und wenig subtil klang. Zum zweiten Mal in Folge, das konnte kein Zufall sein.

Dabei war ich so optimistisch und frohgemut in dieses Konzert gegangen und überzeugt davon, daß in dem klassischen Konzertsaal Pleyel mit viel Zärtlichkeit und Innigkeit zu Werke gegangen würde. Das neue Album ist doch gut, das Altmaterial eh super, warum sollten dann die Fleet Foxes nicht einen wunderbaren Auftritt aufs Parkett legen können? Den Flop vom Bataclan redete ich mir als einmaligen Fehltritt schön. Heute sollte alles besser werden.

Aber Pustekuchen! Es war noch schlimmer als im Bataclan! Noch plumper, noch feister, noch herzloser. Echte Gefühle kann man nicht mit Lautstärke übertünchen, soviel sollte klar sein. Das Publikum protestierte also. Und wie reagierte die Band? Robin schien zunächst überrascht, nicht richtig zu verstehen, was los war. "What? The sound ist too loud? Too much noise?" "Can you turn it down a bit", gab er nicht wirklich von seiner Schuld überzeugt alibihaft Anweisungen an die Leute vom Ton. Wer aber glaubte, es würde in der Folge dezenter weitergehen, wurde enttäuscht. Es donnerte und krachte genauso wie vorher, jeder gute Song wurde durch den Wummersound nach spätestens 30 Sekunden ruiniert, die Stimme von Pecknold zugekleistert und dies obwohl er rumschrie wie ein Besessener. Ein Trauerspiel, eine Katastrophe. Mehr noch: eine Frechheit. Robin versuchte ein paar Lieder später zu beschwichtigten, erklärte, daß sie kürzlich bei einem Festival neben Iron Maiden angetreten sind und sich durch massive Lautstärke Gehör verschaffen mussten. Nur er schmunzelte darüber...

In der Folge wurde es dann immer weniger komisch, denn nun schaltete sich plötzlich Josh Tillman von hinten ein. Ob es an seinem Schlagzeugspiel liege? Ob das auch zu laut sei? Ein paar Leute trauten sich die Wahrheit zu sagen und die Frage zu bejahen. Das schmeckte Tillman überhaupt nicht. Er reagierte wie ein beleidigter Rotzbengel, wie ein ungezogenes Kind, schmollte rum und spielte beim nächsten Lied bewußt leise und viel zu langsam. Witzig fand ich das nicht, eher provozierend und deplatziert. Wäre ich Schiedsrichter gewesen, hätte ich ihm mindestens die gelbe Karte für unsportliches Verhalten gezeigt. Der Kerl verweigerte allen Ernstes in der zweiten Hälfte des Konzertes die Arbeit, spielte manchmal in den ersten Minuten gar nicht richtig mit und wirkte ansonsten extrem lustlos und angepisst. Er ließ das auch die Leute merken, denn nachdem der Bassist Christian Wargo irgendwann frustiert sagte: "it feels like playing a diet version of Fleet Foxes", reagierte er mit: "I don't feel like being on a diet, I feel fater than ever." War klar, was er damit sagen wollte, er war tierisch genervt.

Dabei war es zu 100 % die Schuld der Band. Einer Band, die mit aller Gewalt ins Stadion, auf die großen Bühnen dieser Welt drängt und ihren einst so feinen Sound entsprechend fett gemacht hat. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Altfans murren.

Es war einzig und allein der Souveränität von Robin Pecknold zu verdanken, daß dieser Auftritt nicht ausuferte und zum Eklat führte. Er blieb besonnen und sportlich fair, schaffte es die Leute zu besänftigen und beruhigte die erhitzten Gemüter. Dadurch mobilisierte er sogar einen Teil der Fans, die nun verstärkt: "we love you" und "merci" riefen, was ihm sichtlich gut tat.

Und prompt wurde das Konzert gegen Ende besser. Bei Montezuma hatte Pecknold endlich mal freie Bahn und konnte seinen Gesang richtig schön entfalten. Keine Band, die ihm nach einer Minute die Luft abschnitt und alles zudröhnte. Ein tolles Lied, ein Highlight, keine Frage. Aber die Herrlichkeit hielt zunächst nicht allzulange, denn bei He Doesnt Know Why wurde nach gutem Beginn schon wieder zu stark auf die Tube gedrückt. Dennoch war das Konzert nun in einer stärkeren Phase, mit The Shrine/An Agument und Blue Spotted Tail konnten die Füchse noch einmal punkten, bevor Blue Ridge Mountains erneut zu pompös geschmettert wurde.

Bei den Zugaben sah man dann zu Oliver James Robin solo und merkte noch einmal deutlich, daß hier und heute die Regler einfach zu laut aufgedreht waren.Wenn der Sänger auf das Holz seiner Gitarre klopfte, klang das fast als würde er massive Steine dagegen werfen. Alles andere als harmonisch.

Aber zumindest ganz zum Schluß wurde dann noch einmal auf Harmonie gemacht, Pecknold bedankte sich beim Publikum "for being sweet and respectful" (ein paar Leute hielten das für einen ironischen Kommentar) und "for the constructive criticism."

So etwas hatte ich auch noch nie zum Abschluß gehört. "Danke für die konstruktive Kritik." Hoffentlich nehmen sie sich diese zu Herzen, vor allem Josh Tilmann.

Gerne möchte ich nämlich zukünftig wieder einmal nach einem Fleet Foxes sagen können: "C'était trop fort", das war einfach zu stark.

Setlist Fleet Foxes, Salle Pleyel, Paris:*

01: The Cascades
02: Grown Ocean
03: Drops In The River
04: Battery Kinzie
05: Bedouin Dress
06: Sim Sla Bim
07: Mykonos
08: Your Protector
09: Tiger Mountain Peasant Song
10: White Winter Hymnal
11: Ragged Wood
12: Lorelai
13: Montezuma
14: He Doesn't Know Why
15: The Shrine/An Argument
16: Bue Spotted Tail
17: Blue Ridge Mountains

18: Oliver James (Pecknold solo)
19: Helplessness Blues


* exakt die gleiche Setlist wie im Bataclan. Enttäuschend, daß da nicht zumindest ein wenig variiert wird.

Aus unserem Archiv:

Fleet Foxes, Paris, 30.05.11
Fleet Foxes, Paris, 16.09.09
Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09
Fleet Foxes, Paris, 25.02.09
Fleet Foxes, Essen, 22.11.08
Fleet Foxes, Paris, 12.11.08
Fleet Foxes, Haldern, 07.08.08
Fleet Foxes, Paris, 02.06.08


Morgen dann übrigens auch noch ein paar Sätze zur Vorgruppe Villagers.



Dienstag, 31. Mai 2011

Fleet Foxes, Paris, 30.05.11

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Konzert: Fleet Foxes (Josh T. Pearson)

Ort: Le Bataclan, Paris

Datum: 30.05.2011
Zuschauer: ausverkauft:

Konzertdauer: 95 Minuten
Temperatur: 55 ° Celsius



Die Innigkeit sei verloren gegangen, bemängelte Bloggerfreund Eike vom Klienicum bezüglich des aktuellen Albums von Iron & Wine. Obwohl ich das in diesem Falle anders sehe, verstand ich sehr gut, was er meinte. Wenn ein Singer/Songwriter, der zu Beginn seiner Karriere intimste Lofi-Alben aufgenommen hat, plötzlich stärker instrumentiert und radiotauglicher daherkommt, kann das Puristen und Anhänger reduzierten Folks schon verschrecken.

Nach dem heutigen Konzertabend frage ich mich deshalb, was Eike wohl zu seinen alten Lieblingen Fleet Foxes sagen würde. Von Innigkeit, Intimität und Reduziertheit war nämlich so gut wie gar nichts zu spüren. Stattdessen wurde überaus wuchtig, ohrenbetäubend laut und stark orchestriert aufgespielt. Die Fleet Foxes wirkten wie eine vulgäre Stadionband, die sich für das Stade de France empfehlen wollte. Über weite Strecken klang das für mich wie Bruce Springsteen in seiner Born In The USA -Phase. Überflüssig zu sagen, daß dies enorm abschreckend war.

Was ist bloß aus dieser barocken Folkband geworden, die zu Beginn ihrer Laufbahn mit soviel Gefühl, Filigranität und Charme begeistern konnte? Wo ist sie hin, diese Magie, die von den choralen Gesänge ausging? Nicht viel übrig geblieben ist von diesen einstigen Qualitäten. Leider. Am heutigen Tage konnten mich die Amerikaner in keiner Phase fesseln. Zu wuchtig und brachial performten sie, um Wärme und Emotionen aufkommen zu lassen, zu dumpf und schwer allein das Schlagzeug von Josh Tillman. Bumm, bum, bumm, donnerte es von hinten und es klang als würden einem Ziegelsteine an den Kopf geschleudert. Die Sensationstimme von Pecknold oft zugekleistert von diesem alles übertönenden Bombastsound, der aber (und dies war nicht sonderlich überraschend) dem Publikum ausgezeichnet gefiel. Und dann die Chöre. Auch hier zu viel des Guten. Schematisch und schablonenhaft wurden sie einem aufs Ohr gehetzt, bei jedem Lied klangen sie gleich und echte Emotionen konnten auch durch die extreme Inbrunst und Lautstärke mit der sie geschmettert wurden, nicht erzeugt werden.

Höhepunkte waren rar gesät, im Grunde genommen gab es sie nicht. Einzig und allein dann, wenn Pecknolds Stimme mal mehr Luft zum Atmen hatte, kam mehr rüber. Bei Montezuma zum Beipiel, oder bei Blue Spotted Tail. Da entstand zumindest ansatzweise etwas von der Magie, die ich mir vorher erhofft hatte.

Regelrecht fürchterlich dann der Abschluß mit Blue Ridge Mountains. Wummernder Bombastfolk schallte durch das unerträglich heiße und schwüle Bataclan und es klang fast wie ein Hit für das Oktoberfest. Wenn man den Kaiser Chiefs damals den Vorwurf der Kirmesmusiktruppe machte, dann muss man dieses Etikett konsequenterweise nun auch den Fleet Foxes an die Brust heften.


Schade auch, daß der reduzierte Song Oliver James bei der Zugabe vom rhythmischen Klatschen der Zuschauer ruiniert wurde und so nicht seine anziehende Wirkung entfalten konnte.

Als ganz zum Ende der Helplessness Blues ertönte, war mein Urteil schon gefallen: enttäuschend! Robin Pecknold hatte zwar erneut bewiesen, was für ein Ausnahmesänger er ist, aber die inzwischen sechsköpfige Band ( Morgan Henderson als neues Mitglied an Kontrabass, Querflöte und: (würg!) Saxofon) war leider mit der Brechstange zu Werke gegangen.

Die Innigkeit ist verloren gegangen, wie sehr dieser Satz heute stimmte. Schade!

Zum Glück gab es aber den famosen Bartträger Josh T. Pearson im Vorprogramm. Der Texaner zeigte vortrefflich, was Folk, wenn er authentisch und mit einer gewissen Demut vorgetragen wird, vermitteln kann. Hier gab es keine Note zuviel, keine massentauglichen Bubblegumrefrains wie bei den Fleet Foxes, sondern tottraurige, aber gerade deshalb enorm bewegende Songs und ein komplexes und ungewöhnlich kreatives Gitarrenspiel. Ein Storyteller im Geiste von Bob Dylan, dieser Pearson, der mit einer Stimme und einem Charisma gesegnet ist, wie kaum ein Zweiter. Gleich mehrfach traf er mit seinen reduzierten Endlosliedern mitten in mein Herz. Kein Wunder, daß alle renommierten Musikzeitschriften sein Werk Last Of The Country Gentlemen mit Sternen überhäuften und Josh über den grünen Klee lobten. Der neue Shooting Star der Folkszene hat aber dennoch nicht den Bodenkontakt und seinen trocken Humor verloren. "I'm not Fleet Foxes" sagte er gleich zur Beginn zu Vorstellung schmunzelnd und schickter hinterher: "Die Fleet Foxes fallen heute aus, ich übernehme ihren Part, wenn das ok für euch ist." Zynisch und witzig auch, daß er zwischen den Liedern immer wieder mit Hinblick auf den Merchandise sagte: "Please buy my shit!"

Habe ich dann auch glatt gemacht, Zwar kannte ich die Lieder alle schon von Konzerten her, den Tonträger hatte ich aber noch nicht. Ich bin sicher, daß ich mich daran gütlich tun werde.



Setlist Fleet Foxes, Le Bataclan, Paris:

01: Cascades

02: Grown Ocean
03: Drops In The River
04: Battery Kinzie
05: Bedouin Dress
06: Sim Sala Bim
07: Mykonos
08: Your Protector
09: Tiger Mountain Peasant Song
10: White Winter Hymnal
11: Ragged Wood
12: Lorelai
13: Montezuma
14: He Doesn't Know Why
15: The Shrine/An Argument
16: Blue Spotted Tail
17: Blue Ridge Mountains

18: Oliver James
19: Helplessness Blues

Aus unserem Archiv:

Fleet Foxes, Paris, 16.09.09
Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09
Fleet Foxes, Paris, 25.02.09
Fleet Foxes, Essen, 22.11.08
Fleet Foxes, Paris, 12.11.08
Fleet Foxes, Haldern, 07.08.08
Fleet Foxes, Paris, 02.06.08
Josh T. Pearson, Paris, 15.04.11
Josh T. Pearson, Paris, 24.06.10
Josh T. Pearson, Paris, 21.06.10
Josh T. Pearson, Paris, 20.06.10
Josh T. Pearson, Paris, 15.03.10

Photos: Archiv. Aktuelle Pics inKürze!




Donnerstag, 17. September 2009

Fleet Foxes, Paris, 16.09.09

2 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (Blitzen Trapper)

Ort: Le Grand Rex, Paris
Datum: 16.09.2009
Zuschauer: wahrscheinlich ausverkauft, also 2.500
Konzertdauer: etwa 85 Minuten


Da Christoph mit seinem Bericht über das vorangegangene Konzert der Fleet Foxes noch um die Ecke gebogen ist, muß ich unhöflicherweise schon einmal vorgreifen. Ja, die Füchse waren gut, aber grandios wie sie unser Kommentator Michael in Luxemburg erlebt habt, fand ich sie nicht! Und Euphorie kam auch nicht wirklich auf, sieht man mal davon ab, daß sich das trantütige Publikum beim abschließenden Blue Ridge Mountains zum ersten und einzigen Mal von den überbequemen Kinosesseln erhob und endlich einmal so richtig mitging. Es hatte also fast 80 Minuten gedauert, bis Stimmung in die Bude kam. Die "Bude" war in diesem Falle das Grand Rex, ein ziemlich großer Saal, der an anderen Tagen auch als Kino dient. Zu gemütlich hatten es sich die gestressten Großstädter während des Konzertes gemacht und bräsig in den caramellbraunen Ledersesseln gelümmelt. Dabei wäre gerade heute die Gelegenheit gewesen, sich zu bewegen, denn nie zuvor waren die Fleet Foxes lauter, druckvoller und schmissiger! Vorgenannte Adjektive beziehen sich allerdings auf die musikalische Performance, was den körperlichen Einsatz, die Kommunikation- sowohl mit dem Publikum als auch untereinander - und die Leidenschaft betrifft, müssen, Bandchef Robin Pecknold mal ausgenommen, leider schon wieder Abzüge gemacht werden. Zu schüchtern und in sich gekehrt wirkte erneut der unglaublich jung aussehende Gitarrist Skye Skjelset, zu statisch, ja fast hölzern Bassist Christian Wargo und die andern beiden, also Orgler und Mandolinspieler Casey Wescott und Drummer Josh Tillman (der davon berichtete, daß er während einer französischen TV Show vor ein paar Wochen von (Schweine?) Grippe geschwächt spielen musste) sah man mangels hinreichender Beleuchtung fast gar nicht.

Eingespieltheit konnte man ihnen allerdings nicht vorwerfen, ihr Set flutschte nach den unendlich vielen Konzerten der vergangenen 12 Monate wie geschmiert. Songs wie White Winter Hymnal und Your Protector können sie wohlmöglich nun im Schlaf runterbeten und ich frage mich, ob ihnen die Stücke nicht schon langsam zum Halse heraushängen. An ihrer zeitlosen Schönheit ändert das freilich nichts und die herrlichen Chorgesänge sind einfach einmalig. Dennoch: die besten Stellen hatte das Konzert dann, wenn noch nicht totgenudelte, vielversprechende Neuheiten wie Bedouin Dress und Blue Spotted Tail ( ein wunderschönes Lied!) angestimmt wurden und - wie schon in der Cigale vor ein paar Monaten - wenn Bandleader Robin Pecknold ganz alleine agierte. So war der Tiger Mountain Peasant Song nach wie vor ein unglaublich betörendes Kleinod, das als Zugabe spendierte Traditional Katie Cruel sehr nahegehend und das mit herzzereissender Inbrunst intonierte Oliver James ein Hammer sondersgleichen.

Fazit: Musikalisch war die Band glänzend aufgelegt, der Kontakt zu dem Publikum und der körperliche Einsatz hätte aber höher sein können. Die Stimme von Pecknold, der ab und zu einmal Unverständliches in seinen Bart murmelte, ist und bleibt eine Sensation!

So, jetzt bist Du am Zug, Christoph.

Die Setlist im Grand Rex entsprach ziemlich (höchstwahrscheinlich ganz) genau derjenigen von Luxemburg.

Pour nos lecteurs français: Une chronique de ce concert va venir très bientot!



Links:

Hier ein feines Video von dem Konzert der Fleet Foxes im Pariser Grand Rex von Uschi aus Dortmund. Gemeinsam mit Blitzen Trapper spielt man Blue Ridge Mountains.
Hier ein Livevideo vom Amsterdamer Paradiso. Die Fleet Foxes spielen den neuen Song Bedouine Dress. Bassist Christian Wargo agiert hauptsächlich am Keyboard.
- Blue Spotted Tail ebenfalls live in Amsterdam. Pecknold spielt solo und singt schöner als ein Chorknabe. Eine Wonne!



Mittwoch, 16. September 2009

Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09

1 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (Blitzen Trapper)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 15.09.2009
Zuschauer: etwa 1.000 (so gut wie ausverkauft)
Dauer: gut 80 min (ohne die Stimm- und Einsingpausen zwischen den Liedern vielleicht knapp eine Stunde)


"Alles, was die Lobpreisungen am Jahresende über die Fleet Foxes geschrieben haben, stimmt! Selten hat mich ein Kritikerliebling so sehr gepackt," habe ich nach dem Konzert der amerikanischen Indie-Folkhelden in der Essener Grugahalle geschrieben. Nach einem guten, wegen langer Pausen zwischen den Liedern aber zähen Auftritt in Haldern im Sommer vorher, begeisterte mich Essen wahnsinnig. Diese Begeisterung vermochte ich prima zu konservieren. Als dann ein Konzerttermin für den Atelier in Luxemburg bekanntgegeben wurde, war klar, daß ich da hin musste. Das hatte schließlich Potential, Konzert des Jahres zu sein.

Als wir reinkamen, hatte Blitzen Trapper, die amerikanische Vorgruppe, bereits ihren Part begonnen. Auf der Bühne stand ein eigentlich interessanter Instrumente-Mix, viele Gitarren aber auch zwei Keyboard-Batterien. Das und das viele Lob, das ich vorher über die Sub Pop Band gelesen hatte, halfen aber nicht darüber hinweg, daß mich der Auftritt nicht sonderlich begeisterte. Ein Stück gefiel mir wirklich gut, der Rest berührte mich nicht. Und die nach Axl Rose klingende Stimme von Sänger Eric machte es mir auch nicht leichter, den Auftritt zu mögen. Schade, ich hatte mir sehr viel mehr von Blitzen Trapper versprochen...

Dann konnte sich meine Vorfreude eben noch mehr auf die Fleet Foxes konzentrieren. Gegen halb zehn war es soweit. Eine Besonderheit des Ateliers ist der Zugang zur Bühne, denn der erfolgt am linken Rand des Clubs quer durch den Laden. Und durch diesen Gang schlappten dann auch die Fleet Foxes. Dabei konnte ich den attraktiven Kopfschmuck von Robin Pecknold erstmals bewundern. Der Sänger trug eine dieser aus der Mode gekommenen Häkelhüllen für Toilettenpapier-Rollen. Die von der Hutablage.

Aus der Zeit, in der diese Scheußlichkeiten bei manchem hip waren, könnte auch die Musik der Fleet Foxes stammen. Die wundervolle Musik der Fleet Foxes!

Obwohl das Konzert mit den gleichen Liedern wie Essen begann, ging am Anfang alles an mir vorbei. Weder das umwerfende Sun giant, noch einer der Nachfolger fesselte mich auch nur annähernd so wie vergangenes Jahr. Das mag auch am schrecklich flachen Sound unseres ersten Standorts links (zu nah an den Boxen) gelegen haben. Aber es lag nicht nur am schlechten Klang, daß es zu Beginn so wenig packend war. Auch die schrecklich langen Pausen zwischen den Liedern machten den Zugang so schwierig. Manchmal hatte man fast den Eindruck, die Musiker jammten ein wenig zwischen den Stücken; da wurde auch ab und an die Stimme "gestimmt". Dem Fluß des Konzerts tat das nicht gut.

Das wurde während des Abends nicht besser. Von den 80 Minuten, die die Band aus Seattle auf der Bühne stand, verbrachte sie vermutlich 20 mit dem Stimmen der Gitarren. Wenn sie denn spielten, wurde es besser und besser.
White winter hymnal, Ragged wood, Your protector und der Tiger Mountain peasant song nach einander waren brillant, die Stücke sind einfach grandios. Aber auch die neuen Lieder Bedouin dress, Blue spotted tail und Lorelai* (Ich weiß nicht, wie soll man es schreiben...) gefielen mir ausgezeichnet, auch wenn sie nach dem ersten Hören nicht an Überhits wie Your protector herankommen.

Your protector stellte auch in Luxemburg wieder den Höhepunkt dar - das beste Lied der Band, finde ich. Danach verließ die Band die Bühne und ließ den Frontmann für drei Songs alleine zurück (u.a. zwei der neuen). Nach
He doesn't know why (herausragend!) und Mykonos war bereits gut eine Stunde vorbei; die Band beendete ihr Set.

Die erste Zugabe wurde dann noch einmal richtig spektakulär! Robin kam alleine zurück, stellte sich neben das Mikro und spielte mit nicht-angeschlossener Gitarre Katie Cruel. Auch wenn der Saal leider nicht leise genug war: Hut ab vor einem Musiker, der einen solchen Saal alleine und ohne Verstärkung unterhält!

Zum Abschluß kamen dann noch einmal Blitzen Trapper mit auf die Bühne und halfen bei
Blue Ridge Mountains mit Percussions aus. Auch das noch einmal ein schöner Höhepunkt.

Ein am Ende sehr gutes Konzert haben die Fleet Foxes auf alle Fälle hingelegt. Das erwartete absolute Highlight war es für mich jedoch nicht. Ich hatte ein Erlebnis, als habe ich die Band bereits 20 mal gesehen und stumpfte langsam ab. Dabei war es erst das dritte Konzert nach Haldern und Essen. Da war mehr drin...
**

Setlist Fleet Foxes, den Atelier, Luxemburg:

01: Sun giant
02: Sun it rises
03: Drops in the river
04: English house
05: Bedouin dress (neu)
06: White winter hymnal
07: Ragged wood
08: Your protector
09: Tiger Mountain peasant song (Robin Pecknold solo)
10: Blue spotted tail (Robin Pecknold solo) (neu)
11: Lorelai (?) (Robin Pecknold solo) (neu?)
12: He doesn't know why
13: Mykonos

14: Katie Cruel (Z) (Robin Pecknold solo)
15: Oliver James (Z) (Robin Pecknold solo)
16: Blue Ridge Mountains (Z) (mit Blitzen Trapper)

Links:
- aus unserem Archiv:

* ist das neu oder ein Cover?
** auch bei diesem Bericht...



Freitag, 27. Februar 2009

Fleet Foxes, Paris, 25.02.09

3 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (The Acorn)

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 25.02.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 65-70 Minuten (The Acorn ca. 35-40 Minuten)



Das erste was auffällt ist das Publikum. Es ist überwiegend jung und weiblich. Zumindest da wo ich stehe, also vorne am Bühnenrand. Die Mädchen, die um mich rum stehen und auf die Fleet Foxes warten, dürften alle noch unter 25 sein. Hippiebräute mit Jutetaschen und Sandalen, so wie man sich das bei Folkkonzerten klischeehaft vorstellt? - Fehlanzeige! Stattdessen sieht man junge, adrett gekleidete Mädels mit (vermuteter) hoher Bildung und Ambitionen. Die zwei kleinen Amerikanerinnen gleich vor mir unterhalten sich über irgend ein Master Programm einer Business School. Eine von den beiden erwähnt, daß sie morgen ins "Office" müsse und zwar um 8 Uhr 30. Sie müsse dann um 7 Uhr 30 aufstehen, aber das sei o.k., man will ja schließlich vorankommen im Leben und träumt heutzutage nicht mehr davon, mit einem bemalten VW-Bus durch die Welt zu reisen.

Ich bin geradezu umzingelt von Girlies diesen Schlages, darunter viele Amerikanerinnen, die in Paris leben. Das Publikum sieht aus wie bei den Shins Ende 2007 an gleicher Stelle. Junge, ordentliche Mädchen (und Jungen), die in Schule und Uni immer fleißig und gewissenhaft waren und auf dem Nachttisch ein gerahmtes Bild von Omi haben. Ihre Lieblingsgruppen sind bestimmt die Shins, Death Cab For Cutie, Bright Eyes und ähnliche Künstler, die nette Musik für nette Leute machen. Und die Fleet Foxes natürlich! Weil die so schön im Chor singen und so viele tolle Lieder haben.

Auch ich selbst bin wegen den Fleet Foxes hier, aus den gleichen Gründen. Allerdings hätte ich mir dieses Konzert an genau diesem Ort ein paar Monate früher gewünscht. Im Herbst 2008 wäre es ideal gewesen, da liefen moderne Evergreens wie Your Protector, Mykonos oder Blue Ridge Mountains auf meinem i- pod rauf und runter. Dabei war es ja nicht so, daß ich die Fleet Foxes gar nicht live erlebt hatte. Nein, nein, dreimal sogar wurde mir die Band aus Seattle präsentiert, allerdings waren die Auftritte in der Pariser Flèche d'or, beim Haldern Pop Festival und beim Pariser Festival des Inrocks mit 30-40 Minuten Spielzeit doch arg kurz, um so richtig ins Schwärmen zu geraten. Es fehlte jeweils noch etwas zum perfekten Konzert, auch ein wenig mehr Einsatz hätte ich mir gewünscht.

Aber heute nun war alles angerichtet: Eine ausverkaufte Cigale, ein Publikum, das ausschließlich und allein für die Fleet Foxes gekommen war und der letzte Konzerttermin für die Amerikaner vor einer mehrwöchigen Pause, bis es dann im April in den USA wieder weitergeht. Und eine erlesene Vorgruppe gab es auch. The Acorn aus Ottawa, Kanada, hatten die Ehre, den Ball zu eröffnen und machten ihre Sache gut. Deren vollbärtiger Sänger Rolf Klausener sprach sogar recht passabel französisch, was den Parisern natürlich enorm gut gefiel. Manchmal fehlten dem Mann, der auch Ukulele spielte, aber die Vokabeln, um sich verständlich zu machen. In einer Szene war seinem Gitarristen eine Saite gerissen und Klausener erkundigte sich daraufhin beim Publikum, was denn "string" bedeute. Die Antwort war "une chorde", aber das war eigentlich nicht mehr so wichtig, denn bereits sein Bemühen, auf französisch zu parlieren, wurde honoriert.

Aber auch musikalisch konnten die Kanadier Akzente setzen, vor allem mit Stücken vom letzten Album Glory, Hope Mountain wie Crooked Legs und Glory. In der Fachpresse werden The Acorn ob solcher Perlen bereits mit den Fleet Foxes verglichen, aber ich denke mit solchen Vergleichen sollte man vorsichtig sein. Die Songs von The Acorn sind weniger direkt und eingängig und auch anders instrumentiert. Vor allem aber ist die Stimme von Rolf Klausener derjenigen von Robin Pecknold nicht im Geringsten ähnlich. Sie erinnert eher an Elvis Perkins oder Andrew Bird und selbst dieser Vergleich hinkt. Folk-und Indiemusik - Fans sollten nicht krampfhaft nach Referenzen suchen und stattdessen lieber das neue Album in Ruhe hören. Es lohnt sich, die Songs sind komplex und vielschichtig und entfalten ihre volle Pracht erst beim wiederholten Hören!

A propos Hören, oder besser gesagt Zuhören: Robin Pecknold hat wohl genau aufgepasst wie das Konzert von The Acorn gelaufen ist, denn einer seiner ersten Kommentare, nachdem er und seine Band unter lautem Applaus endlich auf die Bühne geschlichen kam, war: "The Acorn talked french, so they lead the match against us, because we don't speak a word in french. But let's see how it ends" (Wörtlich hat er das nicht so gesagt, aber inhaltlich ging es ihm darum, drauf hinzuweisen, daß The Acorn ihnen gegenüber vorgelegt hätten...). Daraufhin Drummer Josh Tillman: But my english is better than their french! - Robin Pecknold: "Totally, totally!"

Am Anfang ließen sich die Fleet Foxes alle Zeit der Welt. Selbst als sie schon alle auf der Bühne standen, lief noch eine andere Musik vom Band weiter. Die Jungs brauchen anscheinend immer eine Weile, bis sie sich "ready to go" fühlen und loslegen können. Trotz der immensen Erfolge der letzten Monate scheint es ihnen immer noch ein wenig peinlich zu sein, im Mittelpunkt des Interesses zu stehen. Robin Pecknold wirkt regelmäßig ganz überrascht, wenn der Applaus aufbrandet, bedankt sich dann immer kurz mit einem energischen Kopfnicken, winkt dann aber mit der Hand ab und guckt ein wenig verlegen zur Seite. Das macht ihn enorm sympathisch und spricht dafür, daß er auf dem Teppich geblieben ist. Die teilweise geäußerte Kritik, die Konzerte der Fleet Foxes seien immer etwas lahm, schien er sich aber zu Herzen genommen zu haben. Von Beginn an wirkte er angriffslustig und bis in die deutlich kürzer gewordenen Haarspitzen motiviert! Ich merkte sofort: Dieses Konzert würde wesentlich intensiver werden, als die zuvor erlebten! Und so war es dann auch, obwohl der standardisierte Beginn mit Songs von der fabelhaften Sun Giant EP ja immer etwas verhalten ist. Aber nicht alle Zuschauer schienen diesen Ablauf zu kennen, etliche Besucher wunderten sich sehr darüber, daß der extrem hübsche, aber enorm schüchterne blonde Gitarrist Skyler Skjelset bei Drops In The River sein Arbeitsgerät mit einem Geigenstab behandelte.

Ich kannte das schon alles, aber als eifriger Konzertgänger wird man ja schnell ziemlich blasiert und deshalb ermahnte ich mich selbst, nicht zu borniert zu reagieren. Allerdings fehlten mir doch ein wenig die Überraschungen und insgeheim hofte ich sogar auf nagelneue Lieder. Songs, die die Fleet Foxes nie zuvor gespielt hatten, zumindest nicht in meiner Anwesenheit. Aber Pustekuchen, erst einmal gab es mit White Winter Hymnal und Your Protector Lieder, die innerhalb kürzester Zeit zu modernen Klassikern geworden sind. Aber eine Sache war doch anders, zumindest empfand ich das so: Alles war wuchtiger, pompöser und stärker instrumentiert. Am deutlichsten fiel mir das bei Your Protector auf, wo noch eine zusätzliche kleine Orgelmelodie draufgepackt wurde, die dem sensationell guten Lied ein wenig die Luft zum Atmen nahm. Aber gerade in dem Moment, wo ich mich ein wenig an der Oppulenz des - nichtsdestotrotz brillanten - Vortrages störte, verschwand die Band und zurück blieben ganz allein Robin Pecknold und seine Akustikklampfe. Er kündigte an, daß er nun ein Cover von Duncan Browne spielen werde. Das Publikum zeigte keine Reaktion. "Mögt ihr Duncan Browne nicht?" Immer noch kein Feedback, anscheinend war den Leuten dieser Musiker kein Begriff, ganz im Gegensatz zu einer britischen Musiklegende: David Bowie. Dessen Name rief ein vorlauter Besucher irgendwann einmal und Pecknold wunderte sich: "What was that? David Bowie?" - Nicht nur der Betroffene selbst, auch ich hielt den Vergleich (?) nicht für passend, aber egal es trug zur Unterhaltung bei...

Pecknold intonierte nun My Only Son und sein Vortrag war atemberaubend schön! Seine unglaublichen stimmlichen Qualitäten konnte er nun so richtig ausspielen. Es war beeindruckend wie er die ganze Cigale mit seinem Gesangesorgan beschallte, als würde er von einem Berg ins Tal rufen. Mir stellten sich die Nackenhaare auf. Wow, wow, wow, ein Jahrhunderttalent!, dachte ich mir und war mir sicher, daß Pecknold bald in allen Musiklexika für alle Zeiten seinen sicheren Platz haben würde. Ich fühlte mich von der Natur begünstigt und hätte ihn geradezu umarmen können, denn er sang nicht nur wundervoll, sondern spielte auch ganz exquisit Gitarre. Mit Oliver James hatte er dann den ganzen Saal in die Tasche gesteckt und das Publikum spendete Szenenapplaus während (!) des Liedes. "Oliver James washed in the rain - Noooo longer! Oliver James washed in the rain - Noooo longer! Niemals werde ich diese unfassbar kraftvoll gesungenen Zeilen nun mehr vergessen!

Ich war hingerissen, hätte am liebsten Pecknold bis zum Ende akustisch und alleine zugehört. Die Band war mir in dem Moment egal, ich wollte nur Robin! Aber die anderen Jungs stießen natürlich wieder hinzu und ihre wundervollen Chorgesänge sind natürlich auch etwas ganz Feines. Mit He Doesn't Know Why und Mykonos kamen gegen Ende dann noch zwei meiner Favoriten, bevor sich die Band erst einmal vorläufig verabschiedete. Vorangegangen waren ein paar wirklich witzige Dialoge mit dem Publikum. Es ging darum, wo man die besten Donuts in Paris essen könne, um veganisches Essen (das laut Drummer Josh Tillman in Frankreich immer nach Fisch schmecke), Baguette und ähnliche kulinarische Dinge. In Paris lebende Amerikaner (Expatriats wie sie Pecknold nannte) erwähnten das jüdische Viertel "Le Marais" und sagten, daß man da toll Falafel essen könne. Robin fand das spannend, ließ sich den Namen des Quartiers buchstabieren und entgegnete ziemlich frech einen Zuruf einer blonden Amerikanerin mit den Worten: "You sound to well feed to be vegan!" Aber er machte nur Spaß und das kam auch so an...

Auch als er alleine zum Zugabenteil zurückkam, musste er sich einen Zuruf gefallen lassen: "A poil", zieh dich aus!, schrie ein Franzose durch die ganze Cigale. "What was that? Bacon?" ,wunderte sich der Sänger, bevor ihm erklärt wurde, daß es um das "Sich- Nackt- machen" ginge. Darauf ging er aber natürlich nicht ein, schließlich war man hier nicht bei Iggy Pop oder Johnny "Razorlight" Borrell und außerdem erwähnte er, daß seine Underwear sehr "silly" und gar nicht sexy sei. Köstlich!

Mit dem gleich vor der Bühne ohne Mikro vorgetragenen Traditional Katie Cruel und dem Tiger Mountain Peasant Song wurde es dann aber wieder ernster und melancholischer und erneut hätte ich dem begnadeten Bartträger stundenlang zuhören können.

Die gesamte Band schmetterte schließlich noch Blue Ridge Mountains und zum ersten Mal gingen alle in der Gruppe so richtig aus sich raus. Josh Tillmann bollerte wie wild, der Pianist Casey Westcott headbangte an seinem Instrument und selbst Skyler Skjelset lächelte endlich einmal, als er den wunderschönen Mandolinenpart spielte.

Der abschließende donnernde Applaus wollte gar nicht mehr abreißen, aber eine weitere Zugabe gab es trotzdem nicht mehr.

Unter dem Strich hatte ich mein bisher bestes Fleet Foxes Konzert mit einem überragenden Robin Pecknold erlebt!




Setlist Fleet Foxes
, La Cigale, Paris (aus dem Gedächntnis reproduziert. Es gab keine getippte Setlist und mitgeschrieben habe ich auch nicht. Deshalb etwas mit Vorsicht zu genießen, aber sie dürfte eigentlich so stimmen. Bitte melden, falls Fehler drin sein sollten. Danke!)


01: Sun Giant
02: Sun It Rises
03: Drops In The River
04: English House
05: White Winter Hymnal
06: Ragged Wood
07: Your Protector
08: My Only Son (Duncan Browne Cover) - Pecknold solo
09: Oliver James - Pecknold solo
10: Quiet Houses
11: He Doesn't Know Why
12: Mykonos

13: Katie Cruel (Traditional) - Pecknold solo
14: Tiger Mountain Peasant Song - Pecknold solo
15: Blue Ridge Mountains

Pour nos lecteurs français:

Quelle voix! Robin Pecknold, chanteur barbu des Fleet Foxex n'a jamais chanté d'une manière plus intense que ce soir! C'était tout simplement impressionnant! Le concert a connu ses meilleurs moments quand le leader du groupe de Seattle a joué des morceaux seul avec sa guitarre acoustique. "Oliver James", sur l'excellent album un des titres qui me plaît un peu moins, a éte le plus beau du concert et le plus intense aussi ("nooo longer"). Egalement sublime: la reprise de "My Only Son" de Duncan Browne. Par contre ils ont eu la main un poil lourde sur l'orchestration. L'orgue hammond a été trop à mon gout et cela a rendu les morceaux tels que Your Protector et Mykonos un peu trop pompeux.

Conclusion: Robin Pecknold est un des meilleurs chanteurs de cette décennie et s'est beaucoup impliqué tout au contraire de son groupe, léthargique et timide comme d'habitude, à l'exception du batteur Josh Tillman, qui profite de l'occasion pour présenter les très beaux morceaux de son album solo vendredi à la Flèche d'Or.

- Videos von den Fleet Foxes live aus der Pariser Cigale!!! :

- Sun Giant/Sun Rises
- He Doesn't Know Why (hier gibt es die ganzen tollen Dialoge über das verganische Essen , good Donuts und das Viertel Marais, köstlich!)
- My Only Son,
- English House
- Blue Ridge Mountains
- Your Protector
- Katie Cruel
- Tiger Mountain Peasant Song (wunderschön!)

- Mehr Photos von den Fleet Foxes, klick!
- Fleet Foxes beim Haldern Pop Festival 2008 klick
- " " in der Pariser Flèche d'or klick
- " " in der Essener Grugahalle klick
- " " beim Festival des Inrocks 2008 im Olympia, Paris klick




 

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