Posts mit dem Label James Blake werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label James Blake werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 9. Juni 2016

Maifeld Derby, Mannheim, 03.06.-05.06.16

0 Kommentare

Konzert: Maifeld Derby
Ort: Mannheim
Datum: 03.06.-05.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: tägl. anders



Wir wollen hier auf die Beschreibung der einmaligen Vorzüge des Maifeld Derby`s verzichten. Oft genug haben wir bereits in den vergangenen Jahren darüber berichtet. Viel verändert hat sich zum Glück auch gar nicht, seit das Derby der Devise vieler anderer Festivals "immer größer" mit der einzig richtigen Antwort getrotzt hat: Die Musik ist wichtig.

Und davon gab es wieder fast alle Spielarten zu bewundern. Einziges Neuland, dass bisher noch im Programm fehlte: Ein großer DJ. Dieser spielte dann am Freitag zur Primetime als Headliner auf. Der australische Shooting-Star, im November wird er nur noch in großen Halle zu sehen sein, war daher auch zusammen mit dem restlichen Freitags-Hauptbühnen Programm auch schon der einzige Streitpunkt unter den Besuchern. 

Während die einen, vor allem jüngeren Besucher/-innen (zum Teil in selbst bedruckten "Flume"-T-Shirts) den "Pop"-Abend mit SG-Lewis, Mo und Flume abfeierten, zogen "Die Nerven" das große Los. Ihr Late-Night-Auftritt im Brückenaward-Zelt wurde von einer, sich nach lauten Gitarren sehnenden Menge bejubelt. 


Die Nerven nahmen das Geschenk gerne an und legten einen fulminanten Set hin, den ich ihnen, nach einem eher schwachen Gig in Bonn letztes Jahr, nie mehr zugetraut hätte. Wilde Versionen, Punkrock, ein von der Decke tropfendes Zelt, das entschädigte den Rest der Besucher dann wieder für die poppigeren Töne vorab. Danach auch draußen Gewitter, nur ohne Gitarren, passt.


Begonnen hatte der Tag sonnig mit ersten, kleinen Highlights. "Mothers" und "Weaves" boten ausbaufähigen Indierock, die einen spröder, die anderen poppiger mit der wesentlich agileren Frontfrau und den für mich besseren Songs.


Danach die fabelhafte "Lilly among Clouds", die wirklich alle verzückte. Klingt ein wenig wie "Birdy", hat eine ganz tolle Stimme und die erschienene EP ist sehr hörenswert. Lilly gab sich natürlich, erklärte einige schöne Geschichten zu ihren Songs und zeigte sich schon erstaunlich sicher auf der Bühne, da werden wir noch viel mehr hören. 



Der zweite Tag beginnt mit den Feinheiten des Derby`s. Ein Zauberer, eine Lesung, dann erst ab zur Fackelbühne wo "L`Aupaire" aufspielen. Ebenfalls mit einer fabelhaften CD dieses Jahr, wirkt das live alles viel gelöster und entspannter, Palmen haben sie auch auf der Bühne. Perfekt für einen sonnigen Nachmittag. 

Zum Ende hin verliert es mit ruhigen Stücken, "der Song hat die wenigsten Spotify Clicks, ist aber unser Lieblingssong" etwas an Spannung, trotzdem ein gelungener Auftritt mit vielen Menschen vor der Bühne.

Weiter zu "Drangsal" ins große Zelt. Hier bin ich sehr gespalten, vielleicht auch altersmäßig zu vorbelastet, aber der Sinn dieses Ironie freien 80er Sounds will sich mir nicht erschließen. Immerhin gibt er sich im Vergleich zu einigen derben Interviews hier handzahm, grüßt seine Eltern und glänzt durch weitere witzige Kommentare. Trotzdem war der Auftritt schnellt vergessen, weil "Elias" zum Tanz bat. 


Auf der winzigen Bühne am Reitplatz bot er eine Art Gospelshow mit diversen eingängigen Songs. Dazu zeigte er wahre Frontmann-Qualitäten, trug besonders stylische Klamotten incl. Kapuze und alles sah schon sehr nach Grammy und großen Hallen aus. Ein Song in der Autowerbung, immer noch kein Album, das scheint heute völlig normal. Ein übervoller Parcours war begeistert.

"James Blake" war der zweite Headliner nach "Flume" am Freitag, und krasser könnte der Unterschied wohl kaum sein, außer das wiederum die jüngeren Besucher hier wieder in der Überzahl waren. Nach mittlerweile drei Alben mit dieser "schwierigen" Musik immer noch erfolgreich zu sein, war zumindest kein Masterplan. So bleibt er sich auch heute treu, zwei Musiker unterstützen ihn bei seinen fast 90 Minuten, aber bei mir will der Funke einfach nicht überspringen.


So gerne ich die neue CD höre, live ist es einfach nicht mein Ding. Zu eintönig (tiefe Bässe, hoher Gesang, Samples) ist diese Leerstellenmusik, um lange zu fesseln. Eine Show gibt es auch kaum, Blake wirkt mit seinem sympathischen Lächeln hinter dem Keyboard eher wie ein netter Bank Azubi als ein Musiker auf einer großen Bühne.

Und so findet sich auch am zweiten Abend eine erstaunlich große Menge im Brückenaward-Zelt zum Mitternachtspunk ein, diesmal mit "Pissed Jeans". Diese haben natürlich keinerlei pädagogischen oder musikhistorischen Anspruch, aber die Band spielt einfach als ginge es um Alles. Wie im Flug vergeht die Zeit, eigentlich wollte man nur kurz nach dem Rechten sehen, und schon fliegt man quer durchs Zelt und schaut dem Sänger bei seinen absurd witzigen Rockposen zu.

Großartig auch, wie der Drummer seinem wandernden Schlagzeug hinterher trommelt, super... 

Der Sonntag startet mit einer ersten Wurst während die nette "Sara Hartman" ihren radiotauglichen Folkrock spielt. Eine weitere sichere Bank für größere Bühnen in der Zukunft.

"Suuns" müssen danach leider schon früh ran (die Weitereise wartet). Das macht es den Besuchern  aber auch nicht leichter, denn diese Musik ist eher was für düstere Nächte. Tolle Band, trotzdem. 

"Destroyer" ebenfalls, hier mit voller Band am Start. Es klingt toll, guter Frontmann, gute Band, gute Songs....nur ein echter Hit fehlt noch.. 

Viele Mädchen warteten auf "Boy", viele Jungs auf "Dinosaur jr.", das kann Beziehungen zerreißen. Beide waren auf ihre Art perfekt, J. Mascis aber müsste sich eigentlich totlachen, dass er mit seinem Sound und seinem Kleidungsstil bis heute durchkommt. Wahrscheinlich tut er es auch.

Und dann, nachdem drei Tage immer mit einem Blick aufs Handy die Horrormeldungen vom RaR verfolgt wurden, trifft es auch Mannheim. Innerhalb von wenigen Minuten, vor dem Auftritt von "Daughter", nähert sich eine schwarze Wand dem Gelände. Alle bleiben ruhig, die meisten wollten ja sowieso Daughter sehen und pünktlich mit der Band startet auch das Gewitter.  
"Daughter" sind an diesem Abend, für ihre Verhältnisse fast euphorisch. Es wird sogar gelacht auf der Bühne und die Geschichten ihres ersten Maifeld-Derbys hat die Band auch nicht vergessen. Damals endeten Sie betrunken bei "Gold Panda" und hatten einen tollen Abend. 

Heute sind sie die Headliner und spielen alles was sie zu bieten haben. Wesentlich eleganter und gleichzeitig mit besseren Versionen als in Köln vor ein paar Monaten. Es gibt sogar eine Zugabe, "Made of Stone" beendet das Set und das Festival, vorher gab es mit "Youth" und "Doing the right thing" die wohl schönsten Lieder der letzten Jahre. 

Danach ist der Regen auch schon wieder verzogen und es bleibt ein weiteres, fantastisches Derby in Erinnerung. Bis zum nächsten Jahr. 



Und dann war da noch der Mann mit der analogen APP zum Festival, Respekt.
Fotos: Michael Graef 

Donnerstag, 26. Juni 2014

Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek, 20.06.14

0 Kommentare

Konzert: Interpol, Pixies u.a. (BKS Tag 1)
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 20.06.2014
Zuschauer: 15.000 - 20.000

 

von Dirk aus Mönchengladbach / Fotos: Michael Graef*

Nach dem furiosen Festivalstart im letzten Jahr (siehe hier) war klar, dass auch in diesem Jahr ein Pflichtbesuch in Tilburg folgen würde. Das Festival zeigte sich auch 2014 mit allen schon beschriebenen Schönheiten (Bungalows, See, spezielles Food-LineUp ohne Fastfood, Strand und Zeltbühnen) zusätzlich kamen aber noch ein münzloses Bezahlsystem (Chip am Armband) sowie 2 weitere, kleinere Bühnen hinzu. 

Auch wenn es unglaublich klingt: selbst am dritten Tag sieht das Gelände aus wie geleckt, es liegt nichts auf dem Boden die Bäume sind mit Pee-Trees bestückt und erleichtern zumindest den Herren den Harndrang. 

Da das Booking in Zusammenarbeit mit den Hurricane/Southside Machern läuft und am gleichen Wochenende stattfindet, kann man hier einen Indie-Extrakt dieser Festivals in viel schönerer Atmosphäre ohne die großen Headliner genießen. 

Einige Berichte hat Christoph (der nur am Samstag anwesend war) ja schon online gestellt. Von mir jetzt der Rest. Hier zunächst Tag 1:

Der Freitag beginnt mit To Kill a King deren Debütplatte mir beim Vorhören direkt gut gefallen hatte. Live noch etwas gitarrenlastiger, mit einem tollen Sänger der sogar in der Mittagszeit auf der Hauptbühne überzeugen konnte. Wird sich in den nächsten Monaten zu etwas Größerem entwickeln, zumal die Band in UK zur Zeit in allen Zeitungen auftaucht. 


Ohne Pause weiter zu den Circa Waves, die in bester Two Door Cinema Tradition Ihre Indie-Hymnen ins Zirkuszelt knallen…Jeder Song ein Hit, viele junge Damen himmeln die blutjungen Musiker an, es wird getanzt und am Ende bleiben alle zufrieden zurück, ein starker Auftritt. 

James Blake zeigt danach auf der Hauptbühne, dass er auch bei Tageslicht wenig von seiner Intensität verliert, das ganze kommt beatlastiger aber auch viel professioneller daher als letztes Jahr - bis zum Ende fesseln kann es aber nicht. 

Es gilt die Aufmerksamkeit auf etwas Spezielleres zu richten. Für 20:30 wird kurzfristig eine Signiersession mit dem heutigen Headliner, den Pixies angekündigt. Ein Traum wird wahr. Da sitzen Sie nun, wie immer kein Wort für einander (auch später auf der Bühne wird dies so bleiben) und auch die neue Bassistin darf nicht mitmachen. Drummer Dave Lovering sieht aus wie ein Opa mit seinem Haarkranz und seinem weißen Jacket. Black lächelt entrückt mit seiner viel zu kleinen Sonnenbrille auf seinem riesigen, kahlen Schädel. 

Mir geht das Herz auf, Besucher aus halb Europa stehen in der Schlange und erzählen einander ihre ganz eigenen Pixies-Geschichten aus den jungen `90ern. Es ist wie beim Klassentreffen, nur mit netteren Leuten. 


Danach zu Interpol, hier im kleineren Zelt vor ca. 4.000 Leuten mit einem (fast) reinen Best-Of Set und (fast) keinem neuen Stück. Auch hier zählt eher der Nostalgiebonus, allerdings erst der der letzten 10 Jahre. Die Band ist nach dem Ausstieg von Bassist Carlos Dengler immer noch am Schneideweg zwischen reiner Jukebox und neuem Album. Sie werden sich entscheiden müssen, die neue CD erscheint im September. Die alten Songs glänzen allerdings immer noch und New York wird immer einer meiner Lieblingssongs bleiben… 

Setlist Interpol, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek: 

01: Say Hello to the Angels 
02: Evil 
03: C'mere 
04: My Desire 
05: Hands Away 
06: Not Even Jail 
07: Obstacle 1 
08: NYC 
09: Anywhere 
10: Narc 
11: Take You on a Cruise 
12: All the Rage Back Home 
13: PDA 
14: Slow Hands



Den Rausschmeißer machen am ersten Abend die Pixies und sie machen alles richtig. Kein Schnickschnack, 23 Songs, davon 9 von Doolittle, ansonsten ein bunter Mix aller Alben bringen mich in extreme Tanzlaune und nicht wenige junge Besucher werden sich die Augen gerieben haben: Die Wucht und extremen Individuen der Band sind auch für Laien ein Augenschmaus…von der „historischen“ Bedeutung für die Musikgeschichte und den tollen Songs mal ganz abgesehen. Ohne die Pixies würde es vielleicht dieses ganze Festival mit seiner Musikausrichtung nicht geben, mindestens. 

Setlist Pixies, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek: 

01: Bone Machine 
02: Wave of Mutilation 
03: U-Mass 
04: Hey 
05: Gouge Away 
06: Bagboy 
07: Crackity Jones 
08: Mr. Grieves 
09: Magdalena 318 
10: Caribou 
11: Velouria 
12: Ed Is Dead 
13: Indie Cindy 
14: Nimrod's Son 
15: Here Comes Your Man 
16: La La Love You 
17: Greens and Blues 
18: Where Is My Mind? 
19: Rock Music 
20: Isla de Encanta 
21: Monkey Gone to Heaven 
22: Debaser 
23: Vamos 


* Pixies-Foto oben: Archiv Christoph



Samstag, 10. November 2012

Pitchfork Festival, Paris, 1-3.11.12

0 Kommentare


Konzert : Pitchfork Festival, Paris
Ort: Grande Halle de la Villette
Datum: 1-3.11.2012 

Zuschauer: ausverkaufte Veranstaltung, pro Tag etwa 5.000
Konzertdauer: Konzerte jeweils von 17 Uhr bis Mitternacht, danach oft Elektroacts bis tief in die Nacht/den Morgen


Pichfork ist voll cool. Zumindest denken das die Amerikaner, aber nicht nur die. Aus dem kleinen Fanzine eines musikverliebten, amerikanischen Studenten ist inzwischen ein richtiges Unternehmen geworden, das die Meinungshoheit bei den Online Musikmedien in Sachen Indiemusik beansprucht und mit seinen Festivals sicherlich ordentlich Knete macht (wenn nicht, dann verdient niemand auf der Welt Geld mit Festivals!). Ursprünglich gab es das Pitchfork nur in Chicago, inzwischen aber geht es in Paris heuer schon in die zweite Saison.



Bereits letztes Jahr war ich vor Ort und fand das Ganze letztlich eher enttäuschend. Konzerte von Bands, auf die ich mich eigentlich sehr gefreut hatte, wie z.B. Jens Lekman oder Real Estate verpufften in der großen Halle (ein alter Schlachthof) fast wirkungslos, Likke Li war wie erwartet scheußlich, die vielen Elektroacts sterbenslangweilig und Bon Iver mit seiner vor Kraft strotzenden riesigen Truppe hatte im Vergleich zu früheren Tagen deutlich an Charme und Innigkeit verloren. Dennoch bot er das mit Abstand beste Konzert, was eigentlich schon alles über die Qualität dieser Edition 2011 aussagte. Das schlimmste aber waren die Zuschauer: ich fühlte mich umzingelt von meist englischsprachigen Schnöseln aus aller Herren Länder, die sich offenbar mehr dafür interessierten, zu sehen und gesehen zu werden, als die Konzerte konzentriert zu verfolgen.







Logisch, daß ich danach keinen großen Bock hatte, hier 2012 aufzulaufen. Um eine Akreditierung hatte ich mich deshalb nicht gekümmert und als ich dann kurzfristig auf die Idee kam, wegen Grizzly Bear und The Walkmen doch zu kommen, blieb mir nur noch der Kauf eines teuren Drei-Tages-Passes, den mir eine nette Schweizerin verkaufte. 130 Euro, ein happiger Preis! Wenig "indie", diese Preispolitik und kaum erschwinglich für die wirklichen Indiefans in Paris, die in der Regel musikalisch versiert, aber recht arm sind. Insofern logisch, daß erneut hauptsächlich Kinder aus reichem Hause hier in Paris aufkreuzten und ihre wohlbehütete Herkunft auch nicht dadurch vertuschen konnten, daß sie Klamotten trugen, die anscheinend aus einem billigen Second Hand Laden kamen. Wobei niemand wegen seines Aussehens, seiner Herkunft, oder seiner Kleidung beurteilt werden soll, das will ich hier mal klar festhalten. Wohl aber wegen seines sozialen Verhaltens und in dieser Hinsicht gab es über die Zuschauer leider viel zu meckern. Noch nie bin ich in 10 Jahren Paris-Konzertgängerei so oft rücksichtslos und grob angerempelt worden, ohne daß sich die betreffenden Personen entschuldigt hätten. Noch nie haben sich so viele Leute vorgedrängelt und mir meinen Platz zunichte gemacht. Noch nie wurde so viel und so oft geplaudert während der Gigs. Eine Frecheit! Und 45 Minuten Wartezeit für einen kleinen, aber sehr teuren Burger (10 Euro für den Fleischklops + Pommes) sind auch kaum hinnehmbar.

Aber kommen wir zu den Konzerten. Ich möchte sie der Übersicht wegen gerne in Kategorien einteilen:

Die Verpassten: 

a) Die leider Verpassten: The Tallest Man On Earth, Wild Nothing, Cloud Nothings und mit Abstrichen Purity Ring und Isaac Delusion, Chairlift (François and The Atlas Mountains ).


Tja, gerne hätte ich den einzigen Folkkünstler des Festivals (ein Alibi-Act??), The Tallest Man On Earth aus Schweden gesehen, um zu überprüfen wie er sich neben den ganzen experimentellen Acts hält. Ich hatte aber leider sehr viel zu tun und konnte nicht früher da sein. Schade. Auch die melodiösen Wild Nothing und die noisigen Cloud Nothings hätten mir sicherlich gefallen, traten aber in meiner Abwesenheit auf. Und Elektro Popperin Purity Ring (Archivfoto) und die Franzosen Isaac Delusion hätte ich mir zumindest mal angehört. Die New Yorker Indie Popper Chairlift hatten leider kurzfristig wegen des Orkans Sandy abgesagt und wurden durch die französische Allzweckwaffe François And The Atlas Mountains ersetzt.Während die Franzosen spielten, aß ich aber draußen einen überteuerten Burger.

b) Die bewußt Verpassten: Aluna George, How To Dress Well, Outfit, Ratking, Jessie Ware, Twin Shadow, M 83 

Vorgenannte Acts wollte ich bewußt nicht sehen, ich wollte mir schließlich nicht den Magen verderben und meiner Vorderfau auf das schöne Kleidchen reihern...

Die Unhörbaren/Langweiligen/Repetitiven

Factory Floor


Die hypnotischen abstrakten Figuren in knalligen, psychedelischen Farben auf der Videoleinwand waren das Anregendste dieses eher drögen Konzertes. Reines Elektrogesummse ohne Gesang, auf Dauer wurde mir das trotz ansprechenden Beginns zu langweilig.

John Talabot 

Das soll schon der neue James Blake sein oder so. Nein, danke, Next!

Setlist John Talabot, Pitchfork Festival Paris 2012:

01: Depak Ine
02: Oro Y Sangre
03: ?
04: So Will Ne Now
05:Lover's Tradition
06: Destiny
07: ?

Robyn


Wie alt ist diese Schwedin eigentlich? 60? Meine Mutter sieht jünger aus, alter Schwede! Und die kurze weiße Radlershort unter dem roten Kleid war genauso gemacksunsicher wie die bubblegumartigen Poplieder. Ist eher was für den Eurovision Song Contest!

Fuck Buttons


Eine alte Regel unter Aktienspekulanten besagt: "kaufe nie Anteilsscheine einer Firma mit einem "X" im Namen. (also Xerox zum Beispiel). Das sind Poser, die keine Substanz haben." Auf Musik gemünzt könnte man auch sagen: "kaufe keine Platten von einer Band mit einem "Fuck" im Namen." Sollte sich auch hier bewahrheiten. Das immens laute Surren und Ziepen der Keyboards war über die ganze Konzertlänge hin auch eher eine Zumutung, denn Vergnügen.


Liars

Unhörbarer Mist aus New York. Brutal harter Sound, tribalische Klänge, agressive Synthesizer, kaum Gitarren. Und das fanden alle außer mir toll. Grauenvoll war's.

Setlist Liars, Pitchfork Festival Paris 2012:

01: ?
02: Brats
03: WIXIW
04: Let's Not Wrestle Mt. Heart Attack
05: Scarecrows On A Killer Slant
06: Flood To Flood
07: No. 1 Against The Rush
08: Plaster Casts Of Everything
09: Broken Witch


Death Grips

Hip Hop gemischt mit Elektro, vorgetragen von einem Typ mit nacktem Oberkörper. Hilfe!

Breton


Ich mag die raue französische Bretagne sehr. Die britische Band mit dem Namen Breton taugte aber nichts. Steriler, mit vielen Posen vorgetragener Britsound für Teenager. Next! 

Setlist Breton, Pitchfork Festival Paris 2012:

01: 15x
02: Pacemaker
03: Episodes
04: Edward The Confessor
05: Wood And Plastic
06: Interference
07:Hours Awy
08: Governing Correctly
09: Poulation Density
10: Jostle
11: OrdnanceSuvey
12: Foam
13: December

Die Mittelmäßigen

Chromatics:

Die Sängerin mit der gülden glänzenden Weste war 'ne richtige Sexbombe, aber ihr Elektropop viel zu seicht und "bling bling", um mich zu begeistern. War nicht wirklich schlecht was sie und ihre Band boten, aber das Ganze war weder so lieblich schön wie Au Revoir Simone noch so dynamisch und euphorisierend wie Grimes. Prickelte also nur ein wenig, obwohl das Neil Young Cover am Ende nicht übel war.

Setlist Chromatics, Pitchfork Festival, Paris 2012

01: Tock Of The Clock
02: Lady
03: Kill For Love
04: Night Drive
05: Back From The Grave

06: Looking For Love
07: These Streets Will Never Look The Same
08: I Want Your Love
09: Into The Black (Neil Young)

Sebastien Tellier, Pitchfork Festival, Paris 2012



Der beleibte bärtige Typ hat wirklich schon am Grand Prix teilgenommen und zwar mit seinem auch beim Pitchfork performten Song Divine. Gewonnen hat er freilich nicht, aber das wäre ja eh nur peinlich und karriereschädlich gewesen. Peinlich war dem jovialen Barden allerdings in der Grande Halle de la Villete nicht viel. Er rauchte ungeniert, soff Bier und riss ein Witzchen nach dem anderen. Auch ich musste oft lachen, denn der Kerl hatte wirklich das Talent zum Komiker. Ein Auszug seiner Zoten: 

- "so, ich bekomme gerade die Mitteilung vom Veranstalter, daß mein Konzert heute verlängert wurde und nun 2 Stunden dauert. Um die Zeit zu füllen habe ich alte Reden von Lionel Jospin mitgebracht. "Croustillant le mec!"


- "so ein Konzert ist ja immer was Stressiges. Und ich bin jetzt gestresst! Darauf trinke ich erst mal. Normalerweise trinke ich ja nicht, aber hier lasse ich mich gehen."

- "was haltet ihr eigentlich von den Hot Dogs hier auf dem Festival? Liegt euch das Zeug auch schwer im Magen? 15 Minuten später: "so, sollen wir eigentlich noch mal über Hot Dogs reden? Interessiert mich wirklich die Frage."

Und all dies mit einer unfassbaren Tockenheit, es war köstlich!

Musikalisch blieb bei mir allerdings nicht ganz so viel hängen. Die melancholische Pianoballade La Ritournelle war aber ganz großartig.

Setlist Sebastien Tellier:

01:Pépito Bleu
02: Against The Law
03: Cochon Ville
04: Russian Attractions
05: Kilometer
06: Roche
07: Divine
08: Sexual Sportswear
09: La Ritournelle
10:L'Amour Et La Violence

Die Guten

Japandroids:


Schnörkelloser, fetziger Schrammelrock von einem Power-Duo aus Schlagzeuger und Gitarrist. Keine Japaner, sondern Amis und sie waren gern gesehene Gäste, denn Gitarrenbands gab es nicht so viele. Japandroids waren also eine erfrischende Abwechslung zu dem ganzen synthetischen Gewumme, das sont meine Ohren malträtierte.

Setlist Japandroids, Pitchfork Festival 2012:

01: Adrenaline Nightshift
02: Fire's Highway
03: Younger Us
04: The Nights Of Wine And Roses
05: Wet Hair
06: Evil's Sway
07: The House That Heaven Built
08: Young Hearts Spark Fire
09: For The Love Of Ivy (Gun Club Cover)

DIIV

Noch so eine Gitarrenband, aber düsterer und weniger Lofi als die Japandroids. Ich bekam von ihrem Set jedoch nur noch 15 Minuten mit. Das lohnte sich  trotzdem voll und ganz und es gab sogar noch ein Nirvana Cover.

James Blake


Die einen lieben, die anderen hassen ihn. Habe ich zumindest den Eindruck. Liegt aber mit Sicherheit hauptsächlich daran, daß seine Musik, eine Mischung aus Dubstep und New Soul schon sehr speziell und teilweise recht anstrengend ist.Was ich auf Platte eher langweilig finde, entwickelt sich live für mich aber immer mehr zu einem Vergnügen. Ich liebe die Passagen, wenn der Boden vibriert, mag das hypnotische Moment, daß vom Livesound Blakes zumindest live ausgeht und finde auch einige Lieder richtig gelungen. ... An die Stimme kann man sich auch gewöhnen, eine Art junger Antony Hegarty, warum nicht?

Und auch die (James eingerechnet) dreiköpfige Band wusste zu gefallen, insbesondere der präzise wie ein schweizer Uhrwerk spielende Drummer.

Die kreierte Atmosphäre war ganz einfach spannend. Eine Mischung aus ruhigen und aufbrausenden, teilweise noisigen Passagen und eine Melancholie, die schwer greifbar, aber anziehend war.

Gutes Konzert!

Setlist James Blake, Pitchfork Festival 2012:

01: Air & Lack Thereof
02: I Never Learnt To Share
03: CMYK
04: Lindisfarne I
05: Lindisfarne II
06: Limit To your Love (Feist)
07:Klavierwerke
08: The Wilhelm Scream
09: A Case Of You (Joni Mitchell)
10: Anti War Dub

The Walkmen



Was für ein fantastisches Konzert von The Walkmen! Unfassbar energisch und motiviert bis in die Haarspitzen ging die Band um den charismatischen Leader Lid ins Rennen, feuerte an zweiter Stelle bereits den Überhit The Rat ab und tauschte nur in der Mitte des Sets die dichten Indierockstücke gegen ein paar folkiger angehauchte Sachen auf der Akustikgitarre aus. Überzeugen konnten sie mit beiden Stilen, ob schnell und laut oder langsam und weich. Scott hat aber auch eine einzigartige Reibeisenstimme. Eine Kreuzung aus Bono, Rod Stewart und Bob Dylan, wenn man möchte, aber dennoch sehr eigenständig und unkopierbar. Der Bursche hatte eine unbändige Kraft, drückte sich permanent mit der zur Faust geformten Hand das Mikro aggressiv vor seinen Mund und schrie aus voller Kehle hinein, bis sein Gesicht ganz rot wurde. Seine Band spielte unterdessen saumäßig tight und kompakt auf (besonders lobende Erwähnung für den formidablen Schlagzeuger!) und zwischen den Songs wurde nie eine Atempause eingelegt. Das Set flutschte wie ein Zäpfchen, hatte keinerlei Leerlauf und auch das bei anderen Bands oft so nervige lange Gitarrenstimmen gab es nicht zu beklagen. Druck, Druck, Druck und das fast eine Stunde lang! Ein regelrechtesPowerplay! Zum Abschluß gab es mit All Hands And The Cook noch ein besonderes Schmankerl, bei dem herrlich mit Tempowechseln und Intensitätssteigerungen gespielt wurde. Der Bass knarzte schön düster, die Gitarren klangen wie einst bei The Cure (bzw heute wie bei Interpol und The National) und Leit und sein Drummer trieben nun kompromisslos nach vorne. Ein episches Ende eines gewaltigen Konzertes!

Setlist The Walkmen, Pitchfork Festival Paris 2012

01: On The Water
02: The Rat
03: Love Is Luck
04: Angela Surf City
05: Line By Line
06: Blue As Your Blood
07: The Love You Love
08: In The New Year
09: We Can't Be Beat
10: Heaven
11: All Hands And The Cook

Animal Collective



Mann waren die ersten zwanzig Minuten dieses Gigs anstrengend! Schon beim zweiten Lied wollte ich nach Hause fahren. Es war nämlich schon nach Mitternacht, die Kräfte schwanden und für einen solch experimentellen Stil, wie er bei Animal Collective gepflegt wird, fehlte mir die Aufnahmefähigkeit. Ich wäre nicht der einzige gewesen, der das Konzert frühzeitig verlässt, denn viele andere brachen vorzeitig auf. Dennoch lohnte es sich schließlich eine volle Stunde geblieben zu sein, denn zur Mitte hin wurde es deutlich melodischer und eingängiger. Fast gab es so was Ähnliches wie die Shins zu hören, aber dann wurde es schnell doch wieder schräger und durchgeknallter. Aber ich war jetzt in dem Konzert drin, genoss es von Minute zu Minute mehr. Allein die Bühnendeko, ein weit aufgerissener knallbunt leuchtender Mund mit Zähnen, in dem die Band mit Bergarbeiterlampen musizierte, war sehenswert und passte genau zum Stil der Amerikaner. Je nach Stück gab es so was wie einen roten Faden, der die wirren Kompositionen zusammenhielt, manchmal aber war das einfach eine Art Free Jazz mit spacigen Geräuschen, vielen irren Samples und bekifften Gesängen.

Nach einer Stunde musste ich dann aber los, die letzte U-Bahn fuhr nämlich nicht später...

Setlist Animal Collective, Pitchfork Festival, Paris:

01:  Rosie Oh
02: Today's Supernatural
03: Wide Eyed
04: Applesauce
05: Honeycomb
06: Lion In A Coma
07: Moonjock
08: Pulleys
09: New Town Burnout
10: Money Riches
11: Brother Sport
12: Peacebone

Grizzly Bear:

Die Grizzly Bären sind groß geworden. Damals als sie 2006 in einem kleinen Club (dem Nouveau Casino) zum ersten Mal sah, waren sie noch Baby-Grizzlies, heute sind sie ein ganz gewichtiger Player im Indie-Geschäft. Zur Promo des aktuellen Albums wurden natürlich viele Stücke von Shields gespielt (fabelhaft u.a. Sleeping Ute), aber es gab auch einen Klassiker vom exquisiten zweiten Album Yellow House, nämlich Knife, daß sie nach eigenen Aussagen immer spielen. Ihr mainstreamtauglicher Hit Two Weeks ist wohl ihr bekanntestes Lied, zumindest gab es hier den meisten Applaus. Ist aber auch ein ohrwurmiges Lied mit wunderbaren Harmoniegsängen und einem altmodischen Charme und definitiv nicht der einzige starke Song in ihrem Repertoire. In gewisser Weise sind Grizzly Bear eine Reinkarnation der Beatles, so manche Melodien erinnerten mich an die Fab Four aus Liverpool, wenngleich auch sehr amerikanische Einflüsse à la CSNY im Soundbild erkennbar sind.

Was beim Pitchfork besonders auffiel, war die immense Lautstärke. Kaum zu glauben, daß man es hier mit einer Band zu tun hatte, die eigentlich sonst die eher leisen, intimen Töne bevorzugt. An jenem 3. November aber knallte und rockte es aus jeder Ecke, was mit hoher Wahscheinlichkeit an der Größe des Saales lag. Um hier zu bestehen, war die Band quasi gewungen, so brachial zu agieren. Das war zum einen aufregend und neu, zum anderen aber ein wenig irritierend, weil so die Innigkeit von damals flöten ging. Ohnehin war die Grande Halle de la Villette viel zu kühl und unpersönlich, um knisternde Gefühle zu erzeugen. Trotz eines ingesamt als gut zu bezeichnenden Konzertes also die falsche Location für die Jungs von der amerikanischen Ostküste und ein weiteres Argument gegen das Pitchfork Festival.

Setlist Grizzly Bear, Pitchfork Festival Paris 2012:

01: Speak In Rounds
02: Sleeping Ute
03: Cheerleader
04: Yet Again
05: A Simple Answer
06: Gun-Shy
07: Ready, Able
08: I Live With You
09: Foreground
10: Knife
11: While You Wait For The Others
12: Two Weeks
13: Half Gate
14: Sun In Your Eyes

2013 werde ich wohl nicht mehr dabei sein. Aber wer weiß, vielleicht sage ich bei einem glänzenden Line Up und einer Gratis-Akkreditierung dann: "was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern?"







Samstag, 5. November 2011

Cults, Laura Marling, James Blake, Paris, 04.11.11

0 Kommentare

Konzert: Cults, Laura Marling, James Blake, Festival des Inrocks
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 04.11.11
Zuschauer: ausverkauft



Es ist wieder diese Zeit des Jahres. November, graues Wetter, kaum Tageslicht. Das kommt das alljährliche in verschiedenen Locations stattfindende Festival des Inrocks wie gerufen.


Zu dumm nur allerdings, daß ich es erneut nicht geschafft habe, mich rechtzeitig zu akkreditieren. Also hieß es wieder Zahlemann und Söhne. Dabei hätte ich ja eigentlich einen Freischein für sämtliche Konzerte dieser Stadt verdient. Finde ich. Könnte sich der Herr Präsident nicht einmal für mich einsetzen? Anstatt jeden zweiten Tag die Griechen zu retten? Und permanent mit unserer Angela zu flirten (läuft da eigentlich was??).

Aber wo wir gerade bei den Griechen sind. Auch beim Festival des Inrocks herrscht eine kleine Krise. Waren in den letzten Jahren die Tickets in kürzester Zeit vergriffen, waren heuer nur die wenigsten Abende ausverkauft. Auch das heutige Konzert konnte erst in den letzten Tagen das französische Schild "complet" vermelden. Schuld an der Misere ist sicherlich, daß nur ganz wenige Bands verpflichtet werden konnten, die in diesem Jahr noch nicht ein oder gar mehrer Male nach Paris gekommen sind. Es mangelt schlicht und einfach an spannenden Newcomern.

Dies wurde am Besipiel der New Yorker Band Cults überdeutlich. Die in Musikzeitschriften über den grünen Klee gelobte Kombo klang ganz und gar abstoßend. Gräßlich überzuckter 60ies Pop und ein nerviger Kleinmädchengesang ließen mich regelrecht erschaudern. Was war denn das für ein Käse? Ich traute meinen Ohren nicht. Das war Kylie Minogue mit anderen Mitteln. Nach drei schlimmen Liedern ergriff ich die Flucht und unterhielt mich im Aufenthaltsraum mit Bekannten. Die fanden den Auftritt ähnlich mies und so stand ich wenigstens nicht als alleiniger Rumnörgler da.

Dann kam Laura Marling mitsamt fünfköpfiger Begleitband, darunter mit der Cellistin eine zweite Dame. Leider hielt auch dieses Konzert nicht, was es vorher versprach. Laura wirkte recht abwesend, distanziert und kühl und dem Set fehlte der richtige Bums. Nun war die junge Britin ja noch nie die energische und schwungvolle Performerin, aber heute kam auch nicht besonders viel Leidenschaft rüber. Zudem litt das Konzert unter dem lauten Geschwätz meiner unreifen Vorderleute und überhaupt: das Publikum war insgesamt viel zu laut, was Laura zu recht störte.

Manchmal blitzte dann aber doch ein wenig Magie auf. Ghost vom ersten Album kam wirklich gut rüber und auch der Abgang mit dem Titeltrack des Zweitling I Speak Because I Can konnte als gelungen bezeichnet werden. Das Medley (!) aus My Friends und Salinas vom neuen Album verpuffte aber wirkungslos und hinterher sagte mir sogar eine Bekannte wutschraubend: "das war scheißlangweilig!" (als hätte ich was dafür gekonnt...)

So schlimm habe ich es nicht empfunden, schließlich spielte die Begleitband ja auch harmonisch und erlesen. Ein Kracher war es aber nicht und ich fragte mich hinterher schon ein wenig, warum ich Laura Marling damals so unglaublich toll fand. Die Antwort ist aber echt einfach. Damals spielte Laura zusammen mit Marcus Mumford, der an allen möglichen Instrumenten zauberte und die beiden waren als Zweierteam absolut unschlagbar. Das Feuer von Marcus und die Kühle von Laura ergaben spannende Kontraste, die heute fehlten.

Setlist Laura Marling Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Rambling Man
02: Devil's Spoke
03: Ghosts
04: My Friends/Salinas
05: Alpha Shallows
06: Sophia
07: I Speak Because I Can

Nach Laura Marling wurde der rote Vorhang heruntergelassen und man konnte die Bühne nicht mehr einsehen. Sofort war mir klar, daß nun vor dem Auftritt von James Blake ein Akustikmusiker vor jenem Vorhang spielen würde.
In den letzten Jahren hatten es die Veranstalter geschafft, richtige Hochkaräter als "Pausenclowns" zu verpflichten, unter anderem gab dort Laura Marling ihr erstes kleines Konzert und auch Josh Tillman gratzte im Olympia drei Songs auf seiner Akustischen. Heute wurde diese Ehre der Französin Milkymee zuteil. Leider aber war ihr Vortrag nicht so richtig packend. Ich hätte mir eher Lidwine gewünscht, die in einer entzückenden Oliver Peel Session an der Harfe geglänzt hatte. Aber die Programmgestalter bei den Inrocks sind anscheinend nicht mehr so richtig auf Zack, bekommen nicht wirklich mit, was sich in der Pariser Indieszene tut und wer wirklich Talent hat. Hätten sie doch mich gefragt!

Dann kam James Blake zusammen mit seinen beiden Mitmusikern an Keboard/Gitarre und Schlagzeug. Der immens gehypte Bursche hatte mich beim diesjährigen Haldern Pop Festival ziemlich gelangweilt und so war meine Erwartungshaltung nicht sonderlich hoch. Aber ich ließ mich auf diesen seltsamen Stil, die verzerrte Kastratenstimme, den wabernden Clubsound ein und siehe da: es gefiel mir eigentlich recht gut. Zur Seite scheiben musste ich die stimmliche Assoziation mit Xavier Naidoo. James Blake singt in der Tat so ähnlich. Ich dachte lieber an das was in der Presse steht, nämlich daß Blake ein moderner Anthony and The Johnson ist. Dubstep, Soul, Elektro, Ambient, das sind ja wirklich nicht so meine Steckenpferde, aber man muss James zumindest zu gute halten, das er ein Feld beackert, daß noch nicht ganz so ausgewalzt ist. Und live werden die auf Platte öden Songs ordentlich aufgemöbelt, wirken deutlich hypnotischer und packender, dröhnen einem wirklich den Schädel zu, durchzucken den ganzen Körper. Wenn man sich drauf einlässt, kann man sicherlich berauscht werden.

Also seien wir mal nicht so, James Blake kann man gelten lassen. Ein gutes Konzert.

Setlist James Blake, Festival des Inrocks, Paris, La Cigale:

01: Unluck
02: Tep & The Logic
03: I Never Learnt To Share
04: Lindisfarne
05: To Care (Like You)
06: CMYK
07: Limit To Your Love (Feist)
08: Klavierwerke
09: Once We All Agree
10: The William Scream



Freitag, 3. Juni 2011

James Blake, Barcelona, 27.05.11

0 Kommentare

Konzert: James Blake
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 27.05.2011
Zuschauer: gut 1000 vor der Bühne


von Frank von pretty-paracetamol

James Blake wirkt eingeschüchtert. Die Pitchfork Bühne, sie gehört zur Bühnenkategorie vier auf dem diesjährigen Primavera, ist aber auch eine Nummer zu groß für den Briten. Ein bisschen verloren wirken er und seine beiden Mitstreiter . Zwischen den drei Musikern ist massig Platz.

Was man vor der Bühne nicht behaupten kann. Gut 1000 Leute haben sich auf dem Kai vor der Pitchfork eingefunden, um dem Set des jungen Engländers bewusst zuzuhören. Die, die abseits auf den Treppenstufen sitzen, zähle ich nicht mit. Das sind die Konzertnomaden, die kurz vorbeischauen, auf dem Weg von Bühne A nach Bühne B, für ein, zwei Songs innehalten und dann den nächsten Ort aufsuchen. Die, die nichts und alles sehen wollen, die wahrscheinlich innerlich zugrunde gehen an Parallelansetzungen und minutenlangen Überschneidungen von möchte-ich-auch-sehen Künstlern.

Nun, es liegt in der Natur eines großen Festivals, dass man eben nicht alles sehen kann. Und, so denke ich, es auch gar nicht versuchen sollte. Mut zur Lücke, den bringe auch ich in diesen Tagen auf.

Schon weit im Vorfeld hatte ich mich für das volle Konzert von James Blake entschieden. Auch auf die Gefahr hin, The National nicht ganz oder gar nicht sehen zu können. (was sich anschließend leider auch bewahrheitete.).

Aber das vor einigen Monaten erschienen Debütalbum von James Blake ist einfach zu gut und ich habe es zu oft gehört, um sein Liveset hier und heute zu verpassen. Das ist mir schon vor einigen Wochen in Köln passiert, ein zweites Mal sollte das nicht vorkommen.

James Blake sitzt hinter zwei Keyboards, die im rechten Winkel aufgebaut sind. Hinter ihm ist das Schlagzeug von Ben Assister installiert, vorne links hockt Gitarrist Rob McAndrew.

Ach ja, sitzen wäre auch nicht schlecht. Es ist unser erstes Konzert am zweiten Festivaltag, nach einem Kaffee und Kuchenkonzert ohne Kaffee und Kuchen im Parc Central del Poblenou kamen wir spät auf das Gelände. Die Mattheit und körperliche Angeschlagenheit ließ es nicht eher zu.

Im Vorfeld diskutierten wir noch darüber, ob die minimalistischen Sounds und teilweise sehr ruhigen und gebrechlich wirkenden Tracks des James Blake auch live bzw. auf einem Festival funktionieren würden. Aus einem nicht erklärbaren Grund war ich mir ziemlich sicher, dass dem so ist. Beweise dafür hatte ich nicht, es sollte schließlich mein James Blake Live Debüt sein.

Aber bereits nach den ersten Takten gab es hierüber keinen Zweifel. James Blake funktionierte wunderbar. Das Pluckern und das Dröhen, das seichte Klimpern und die Samples. Die monotone Stimme oder der leicht kieksende hochstimmige Gesang zu „I never learnt to share“. Im Laufe des gut 45 minütigen Sets fand ich immer mehr Zugang zu dem Konzert. Mehr und mehr gelang es mir, die störenden Nebengeräusche auszublenden.

Die kamen von der nicht weit entfernten Hauptbühne. zeitweise waren die dort spielenden M. Ward gut zu hören. Der Wind trug die Reibeisenstimme Matthew Stephen Wards immer mal wieder herüber.

James Blake schien dies mehr zu irritieren als uns, immer wieder schaute er quasi Hilfe suchend in Richtung Mischpult. Aber die Kollegen der Technik konnten ihm nicht helfen. Irgendwann fand er sich damit ab und quittierte den Folklärm der Nachbarbühne mit einem seichten lächeln.

Das Trio spielte Songs des Debütalbums und der EP. Natürlich fehlten weder „Unluck“, „I never learnt to share“, „Lindesfarne I und II“ noch die Single „The Wilhelm Scream“ oder das Feist Cover „Limit to your love“.

Letzteres war der kleine Höhepunkt des Sets. Ich glaube, sie spielten es noch so zeitig, dass auch die Besucher, die sich gegen neun Uhr zur Llevant Bühne aufmachten, dort sollten anschließend bzw. überschneidend The National spielen, noch mitbekamen.

Ich hingegen blieb bis zum letzten Ton. James Blake hatte mich nicht nur überzeugt, er hatte mich ins einen Bann gezogen. Da war es dann auch egal, dass ich zu The National keinen guten Platz mehr vor der zweitgrößten Bühne fand und entnervt nach einer Alternative suchte und diese in Half Japanese auch fand.

James Blake war es wert. Er hat auf dem Primavera ein gutes Festivaldebüt hingelegt. Zur hundertprozentigen visuellen Perfektion fehlte nur eins: Dunkelheit.

Links:

- mehr Primavera-Berichte bei pretty-paracetamol:
- 26.05.11
- 27.05.11




 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates