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23:07
Konzert: Wolf Parade
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ziemliches volles Zelt
London, Helsinki, Hilvarenbeek, Aarhus, Westmeath. Wer die beste aktive kanadische Band sehen wollte, musste reisen. Als ich Wolf Parades Schwester Band Sunset Rubdown (die zweitbeste nicht mehr aktive kanadische Band) zum ersten Mal gesehen habe, musste ich dafür nach Wetzlar fahren. Die anderen westeuropäischen Termine der damaligen Tour waren Haarlem, Vlissingen und Schorndorf.
Es erfordert also ein gewisses Maß an Hingabe, Wolf Parade oder Sunset Rubdown live zu sehen. Nach zwei oder drei Liedern war die Mitte des Zuschauerraums ein Knäuel aus pogenden und mitsingenden Fans. Wolf Parade waren also offenbar für viele der Grund, in den Safari Park nach Hilvarenbeek zu fahren und eine der wenigen Chancen zu nutzen, die gerade aus einer fünfjährigen Pause zurückgekehrte Gruppe live zu sehen.

Eigentlich muß ich nicht viel zu diesem Konzert sagen. Mit dem ersten Keyboard-Ton von Spencer Krug begann eine berauschend gute Musik-Stunde. So simpel der Rider der Kanadier sein mag (auf der Bühne standen nur einige Sixpacks Bierdosen), so komplex sind die Melodien der Stücke. Keyboarder Spencer (der das auch bei Sunset Rubdown macht) und Gitarrist Dan Boeckner teilen sich den Songwriter-Job und singen ihre jeweiligen Lieder. Dans Stimme ist toll und passt perfekt zur Sorte Musik, die Wolf Parade machen (was auch immer das für eine sein mag). Sein Kollege hat die schräge Stimme in der Band. Und schräg ist in diesem Fall wundervoll!
Viel verrückter als seine Stimme ist Spencers Keyboard-Spiel. Er liegt über seinen Instrumenten und balanciert mit seinem rechten Bein den Hocker nach hinten. Immer, bei jedem Lied. Einmal verlor er seinen Sitz, da fiel der hin, nach dem letzten Lied kickte er ihn absichtlich weg.
Wolf Parade spielten Songs von den drei Platten Apologies to the Queen Mary, At Mount Zoomer und Expo 86, von der dritten EP (EP 3) und zwei von der neuen vierten EP (EP 4).... und jetzt ist mein Bericht wieder viel zu sachlich geworden. Das Konzert, jede einzelne Minute war atemberaubend! Es war wild, laut, schnell und intensiv. Obwohl in der Mitte wild getanzt wurde und dadurch große Lücken vor der Bühne waren, versuchten immer wieder Crowdsurfer ihr Glück - und landeten auf dem Boden, einer ziemlich laut. Er stand aber schnell wieder auf und sang weiter. Natürlich waren das alles keine Leute, die die Band interessant fanden und deshalb da waren. Das war der Wolf-Parade-Fanclub Europa-West.
Ich habe keine Ahnung, warum Wolf Parade so selten gebucht wird, warum niemand den Mut hatte, die Band auf eines der deutschen Festivals zu buchen. Oder eine Clubshow zu veranstalten.
Setlist Wolf Parade, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: You are a runner and I am my father's son (1)
02: Fancy claps (1)
03: Soldier's grin (2)
04: What did my lover say? (It always had to go this way) (3)
05: Shine a light EP1
06: C'est la vie way / Floating world EP 4
07: Cloud shadow on a mountain 3
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts 1
09: Language city 2
10: This heart's on fire 1
11: I'll believe in anything 1
12: Kissing the beehive 2
Links:
- aus unserem Archiv:
- Wolf Parade, Wien, 22.09.10
- Wolf Parade, Paris, 18.09.10
- Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10
- Wolf Parade, Köln, 03.12.08
um
23:35
Konzert: Minor Victories
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: 55 min
Zuschauer: ziemlich volles Zelt
Ich bin kein großer Freund von Supergroups, weil bei denen meist eben nicht 1+1=2 gilt. Sind allerdings Stuart Braithwaite von Mogwai und Rachel Goswell in einer gemeinsamen Band, interessiert mich das schon. Dummerweise wäre meine einzige Chance, Minor Victories zu sehen, das Maifeld Derby gewesen, das findet aber mittlerweile parallel zum Primavera-Festival statt und ist in Mannheim und nicht in Barcelona, was gerade im Juni einen Unterschied ausmachen kann.
Glücklicherweise gibt es seit ein paar Jahren auch in der Nähe von Tilburg ein hervorragend besetztes Festival, das Best Kept Secret. Und da Minor Victories da am Freitag spielten, würde ich sie also doch sehen können (der Grund, zum Festival zu fahren, war aber ein anderer - siehe nächster Bericht).
Seit meinem letzten BKS vor zwei Jahren (am Tag, als Deutschland gegen Ghana gespielt hat, hatte ich da Slowdive, Mogwai und Amatorski gesehen) hat sich einiges getan. Die für ein so großes Festival herrlich einfache Anreise gibt es nicht mehr. Damals parkte man zwischen ein paar Birken, bekam an einem Büdchen das Bändchen und war zwei Minuten später an Bühne zwei, einem offenen Zelt, in dem bisher all meine BKS-Highlights gespielt haben (auch Portishead im ersten Jahr). Diesmal brauchten wir rund zwei Stunden von der Ankunft in Hilvarenbeek bis zur Ankunft auf dem eigentlichen Gelände. Auch was das Parken angeht, ist es jetzt ein großes Festival. Unser Parkplatz lag auf einer Viehweide auf der anderen Seite des Sees. Von da sind es gut 2,5 km Fußmarsch bis zur Musik. Das ist alles nicht dramatisch, wenn man es weiß (und alles andere - das Eß- und Trink-Angebot, die erstaunlich komfortablen Toiletten, das freundliche Personal und natürlich das irre Lineup - ist immer noch perfekt).

Minor Victories spielten natürlich auch in "meinem" Zelt. Die Zelt- und die Hauptbühne werden exakt abwechselnd bespielt und sind dicht beieinander. Wir hatten aber keine große Lust, rumzulaufen, dafür war das Wetter zu schlecht und verbrachten unseren Tag im Festzelt.
Minor Victories spielten um 17:45 h. Wie schon bei Slowdive vor zwei Jahren klang die Band brillant. Sie benutzt den Slowdive-Soundmann, las ich irgendwo. Neben Rachel und Stuart gehören die Brüder James (Bass) und Justin (Editors) Lockey zur MV. Am Schlagzeug saß mit Martin Bulloch ein weiterer Mogwai-Mann. Nach Give up the ghost, mit dem auch das Album beginnt (alte Regel: Lied eins ist immer Lied eins) kam das erste Highlight des Konzerts, The thief, ein langsam dramatischer werdendes Stück, das in der Mitte diese wundervollen Mogwai-Gitarren hat! Gottseidank gab mir das Gelegenheit, ab da vor allem auf Stuart zu achten. Denn der Bassist auf der anderen Seite der Frontfrau fiel mir vor allem wegen seines schlimmen Posens auf. James stand breitbeinig da, das war seine Ausgangsposition. Danach hüpfte, tanzte, poste er über die Bühne - als Bassist. Stuart ging ans Mikro, wenn er singen musste. Sonst stand er einen Meter weiter hinten und bewegte seine Hände und bei besonders schnellen Gitarrensachen seinen Oberkörper nach unten. Daß James nicht noch Purzelbäume und Sprünge durch brennende Reifen machte, fehlte ein wenig. Überrascht hätte es mich nicht. "Guck da nicht hin!"
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| Justin Lockey (links) nutzte die ganze Breite der linken Bühnenhälfte, während Stuart Braithwaite (rechts) nur zum Singen nach vorne kam. |
Der Bassist konnte es nicht versauen. Sein Bruder von den Editors auch nicht. Meine Haltung zu meinen ehemaligen (2006) Lieblingen ist nach dem Ausstieg des brillanten Chris Urbanowicz leider sehr eindeutig, ich mag sie nicht mehr. Justin ist nach der Chris-Trennung bei den Editors, ich habe ihn also nur einmal mit seiner Hauptband gesehen, beim Traumzeit-Festival. Das war so schlimm, daß ich sie seitdem meide.
Bei Minor Victories war natürlich nichts schlimm! Nicht alle Lieder sind brillant wie The thief oder Breaking the light. Beim ruhigen Cogs fehlten mir die flirrenden Gitarren. Die gab es auch nicht bei dem popigen Scattered ashes (Song for Richard), einem Duett von Justin und Rachel, das ein wenig an Dancing in the dark erinnert, trotzdem war das Stück toll!
Minor Victories sind eine Supergroup, die Sinn macht. Sie ist natürlich nicht besser als ihre Bestandteile (wie auch, bei Mogwai und Slowdive als Beteiligten?). Bei meinem nächsten Mal (im November) werde ich mich nur eher nach rechts stellen. Ganz bezeichnend waren übrigens die unterschiedlichen Wege, sich von uns zu verabschieden. Bassist James machte breitbeinig ein paar Fotos, während Rachel ihren Becher hob und mit einem "cheers" die Bühne verließ.
Setlist Minor Victories, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Give up the ghost
02: The thief
03: A hundred ropes
04: Cogs
05: Breaking my light
06: Folk arp
07: Scattered ashes (Song for Richard)
08: Higher hopes
09: Out to sea
Links:
- aus unserem Archiv:
- Minor Victories, Mannheim, 04.06.16
um
10:03
Konzert: Honeyblood
Ort: Hilvarenbeek, Best Kept Secret Festival
Datum: 21.06.2014
Dauer: 35
Zuschauer: nicht furchtbar viele, 200 vielleicht
Anfang Oktober kommen Honeyblood erstmals nach Deutschland (s.u.), einer schöner Grund, endlich meinen Bericht der schottischen Band beim Best Kept Secret Festival im Juni zu veröffentlichen.
Honeyblood sind ein Duo aus Glasgow, bestehend aus Stina Marie Claire Tweeddale (Gitarre und Gesang) und Shona McVicar (Schlagzeug), das sich 2012 aus der gemeinsamen Liebe zu Best Coast heraus gegründet hat und mit einer im Badezimmer aufgenommenen EP (Thrift Shop) erstmals aufgefallen ist. Honeyblood "combines a laid-back tinge of grunge with a pop sensibility. We love it!", schreibt der Scotsman. Im Juli erschien das Debüt Honeyblood bei Fatcat-Records.
Beim glänzend besetzten Best Kept Secret Festival spielten Honeyblood an sehr prominenter Stelle nach Mogwai und vor den Wild Beasts (aber auf der kleinsten Bühne), nicht schlecht für den ersten Auftritt auf dem europäischen Festland.
Schreckliche viele Leute hatten sich vor der kleinen Bühne direkt am See versammelt, um die beiden Schottinnen mit den schönen Namen anzuhören. Dabei lohnte sich der Auftritt durchaus. Anders als die Instrumentierung vermuten läßt, klingen Honeyblood nicht nach den Blood Red Shoes oder den White Stripes oder Japandroids. Vielmehr gehen die ruhigen Lieder, denen man die Liebe der beiden Musikerinnen zu Best Coast immer anhört, manchmal fast in Richtung Country. Gottseidank nur fast, das würde es mir nämlich verderben. Honeyblood klingen jedenfalls sehr amerikanisch - ich wäre im Leben nicht auf Glasgow gekommen, hätte Stina nicht zu Beginn gesagt, sie seien aus Schottland.

Das Duo nutzte die 35 Minuten Auftrittszeit, um zehn Stücke des (da noch kommenden) Albums zu spielen. Dabei waren das erste (Fall forever) und das letzte Stück (Killer bangs) die besten Lieder. Aber so wie die ihrer Vorbilder Best Coast ist auch das Album von Honeyblood homogen gut ohne große Ausreißer in beide Richtungen. Choker oder (I'd rather be) anywhere but here oder Biro taugten genauso als Singles (oder Anspieltipps).
Mir gefiel der Auftritt der beiden Frauen aus Glasgow gut! Die Band wird nicht riesig werden, da bin ich sehr sicher. Aber wer ein so gutes erstes Album schreibt, hat genug Talent, mir auch in den nächsten Jahren noch viel Freude zu machen.
Setlist Honeyblood, Best Kept Secret Festival:
01: Fall forever
02: Biro
03: Bud
04: (I'd rather be) anywhere but here
05: Fortune cookie
06: Super rat
07: Choker
08: No spare key
09: All dragged up
10: Killer bangs
Tourdaten Honeyblood:
01.10.14 Köln (Blue Shell)
02.10.14 Hamburg (Prinzenbar)
13.10.14 Esch-sur-Alzette (Rockhal)
14.10.14 Brüssel (Botanique)
15.10.14 Paris (O'Sullivans)
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11:55
Konzert: Interpol, Pixies u.a. (BKS Tag 1)
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 20.06.2014
Zuschauer: 15.000 - 20.000
von Dirk aus Mönchengladbach / Fotos: Michael Graef*
Nach dem furiosen Festivalstart im letzten Jahr (siehe hier) war klar, dass
auch in diesem Jahr ein Pflichtbesuch in Tilburg folgen würde. Das Festival zeigte sich auch 2014 mit allen schon beschriebenen Schönheiten (Bungalows, See, spezielles Food-LineUp ohne Fastfood, Strand und Zeltbühnen) zusätzlich kamen aber noch ein münzloses Bezahlsystem (Chip am Armband) sowie 2 weitere, kleinere Bühnen hinzu.
Auch wenn es unglaublich klingt: selbst am dritten Tag sieht das Gelände aus wie geleckt, es liegt nichts auf dem Boden die Bäume sind mit Pee-Trees bestückt und erleichtern zumindest den Herren den Harndrang.
Da das Booking in Zusammenarbeit mit den Hurricane/Southside Machern läuft und am gleichen Wochenende stattfindet, kann man hier einen Indie-Extrakt dieser Festivals in viel schönerer Atmosphäre ohne die großen Headliner genießen.
Einige Berichte hat Christoph (der nur am Samstag anwesend war) ja schon online gestellt. Von mir jetzt der Rest. Hier zunächst Tag 1:
Der Freitag beginnt mit To Kill a King deren Debütplatte mir beim Vorhören direkt gut gefallen hatte. Live noch etwas gitarrenlastiger, mit einem tollen Sänger der sogar in der Mittagszeit auf der Hauptbühne überzeugen konnte. Wird sich in den nächsten Monaten zu etwas Größerem entwickeln, zumal die Band in UK zur Zeit in allen Zeitungen auftaucht.
Ohne Pause weiter zu den Circa Waves, die in bester Two Door Cinema Tradition Ihre Indie-Hymnen ins Zirkuszelt knallen…Jeder Song ein Hit, viele junge Damen himmeln die blutjungen Musiker an, es wird getanzt und am Ende bleiben alle zufrieden zurück, ein starker Auftritt.
James Blake zeigt danach auf der Hauptbühne, dass er auch bei Tageslicht wenig von seiner Intensität verliert, das ganze kommt beatlastiger aber auch viel professioneller daher als letztes Jahr - bis zum Ende fesseln kann es aber nicht.
Es gilt die Aufmerksamkeit auf etwas Spezielleres zu richten. Für 20:30 wird kurzfristig eine Signiersession mit dem heutigen Headliner, den Pixies angekündigt. Ein Traum wird wahr. Da sitzen Sie nun, wie immer kein Wort für einander (auch später auf der Bühne wird dies so bleiben) und auch die neue Bassistin darf nicht mitmachen. Drummer Dave Lovering sieht aus wie ein Opa mit seinem Haarkranz und seinem weißen Jacket. Black lächelt entrückt mit seiner viel zu kleinen Sonnenbrille auf seinem riesigen, kahlen Schädel.
Mir geht das Herz auf, Besucher aus halb Europa stehen in der Schlange und erzählen einander ihre ganz eigenen Pixies-Geschichten aus den jungen `90ern. Es ist wie beim Klassentreffen, nur mit netteren Leuten.
Danach zu Interpol, hier im kleineren Zelt vor ca. 4.000 Leuten mit einem (fast) reinen Best-Of Set und (fast) keinem neuen Stück. Auch hier zählt eher der Nostalgiebonus, allerdings erst der der letzten 10 Jahre. Die Band ist nach dem Ausstieg von Bassist Carlos Dengler immer noch am Schneideweg zwischen reiner Jukebox und neuem Album. Sie werden sich entscheiden müssen, die neue CD erscheint im September. Die alten Songs glänzen allerdings immer noch und New York wird immer einer meiner Lieblingssongs bleiben…
Setlist Interpol, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Say Hello to the Angels
02: Evil
03: C'mere
04: My Desire
05: Hands Away
06: Not Even Jail
07: Obstacle 1
08: NYC
09: Anywhere
10: Narc
11: Take You on a Cruise
12: All the Rage Back Home
13: PDA
14: Slow Hands
Den Rausschmeißer machen am ersten Abend die Pixies und sie machen alles richtig. Kein Schnickschnack, 23 Songs, davon 9 von Doolittle, ansonsten ein bunter Mix aller Alben bringen mich in extreme Tanzlaune und nicht wenige junge Besucher werden sich die Augen gerieben haben: Die Wucht und extremen Individuen der Band sind auch für Laien ein Augenschmaus…von der „historischen“ Bedeutung für die Musikgeschichte und den tollen Songs mal ganz abgesehen. Ohne die Pixies würde es vielleicht dieses ganze Festival mit seiner Musikausrichtung nicht geben, mindestens.
Setlist Pixies, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Bone Machine
02: Wave of Mutilation
03: U-Mass
04: Hey
05: Gouge Away
06: Bagboy
07: Crackity Jones
08: Mr. Grieves
09: Magdalena 318
10: Caribou
11: Velouria
12: Ed Is Dead
13: Indie Cindy
14: Nimrod's Son
15: Here Comes Your Man
16: La La Love You
17: Greens and Blues
18: Where Is My Mind?
19: Rock Music
20: Isla de Encanta
21: Monkey Gone to Heaven
22: Debaser
23: Vamos
* Pixies-Foto oben: Archiv Christoph
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17:04
Konzert: PINS
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014
Dauer: 35 min
Zuschauer: 400 vielleicht
Samstags um 13.30 Uhr mäht man den Rasen oder wäscht sein Auto. Oder man kauft die Nackensteaks für den Grillabend. Aber man steht ganz sicher nicht in einem kleinen Zelt in einem Safari-Park und guckt vier Frauen zu, die Bierdosen in der Hand halten und krachige Musik spielen. Irgendetwas scheint da bei mir erheblich schiefgegangen zu sein, und auch wenn das nicht überall leicht vermittelbar ist: mein Nachmittag war natürlich tausendfach besser! Eine kluge Band beschrieb mich vor einigen Jahren. "Jeder ist in seiner eigenen Welt, aber meine ist die Richtige!"

Die vier Musikerinnen mit den Bierdosen sind PINS und kommen aus Manchester. Sie klängen wie eine Mischung aus den Dum Dum Girls und Savages, behauptete das Programmheft und obwohl ich die Referenzen in Festival-Apps nie nachvollziehen kann, traf es das recht gut, Sängerin Faith Holgate hört ich wirklich ein wenig nach Jehnny Beth an. PINS klingen aber weniger wütend als Savages. Von Bands wie den Dum Dum Girls, La Sera, Best Coast und wie diese tollen Gruppen alle heißen, unterscheiden sich PINS durch eine deutlich rockigere Instrumentierung. Und wenn man zwischen zwei tollen Dingen gelagert ist, ist es wenig überraschend, daß man auch toll ist - PINS machten mir trotz der fiesen Anfangszeit großen Spaß!

Die Engländerinnen haben im vergangenen Jahr ihr Debütalbum Girls like us bei Bella Union veröffentlicht und spielten einige Stücke der Platte. Allerdings war das Set deutlich abwechslungsreicher. Bands mit einem Album spielen ja normalerweise nur Stücke davon - und vielleicht eine alte Single oder ein Cover, um das Programm zu füllen. PINS hatten nur vier Lieder der LP im Programm, ein paar B-Seiten, Singles, einen neuen Song (Curse the dreams) und ein Misfits Cover. Ob sie die anderen Lieder nicht gerne oder nicht gut spielen oder die Singles und B-Seiten lieber mögen? Ich weiß es nicht, es ist aber auch vollkommen egal, weil mich das Set von A bis Z überzeugt hat. Dabei war gerade das Misfits-Cover der scheinbar fröhlichste Song des kurzen Programms (hörte man nicht dem Text zu).

PINS sind neben Sängerin Faith Schlagzeugerin Sophie, Bassistin Anna Donigan und Gitarristin Lois Donald, mit gelbblonden Haaren und breitestem Grinsen die auffälligste der Musikerinnen. Lois sang und brüllte das ganze Konzert über mit. Meist aber vollkommen lautlos, fern von jedem Mikro. Einmal, als sie wieder (scheinbar) laut wie der Chor der Schwarzmeerflotte mitschmetterte, hielt Faith ihr ein Mikro hin, was zu einem großen Lachanfall der Gitarristin führte. Ich fühlte mich als großer Freund der Kunst des lautlosen Mitsingens so bestätigt - und ertappt.
PINS werde ich wiedersehen. Wofür doch so ein Samstagnachmittag gut ist! Und wieder einmal ist es vollkommen irrelevant, ob die Band nach irgendetwas klingt, was es schon einmal gab. Sie klingt gut, das reicht mir. Einzig eines stört mich. Das beste Lied (House of love) scheint auf keiner Veröffentlichung zu sein. Das ebenso tolle Say to me ist immerhin auf einer der EPs der Band zu finden.
Setlist PINS, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Lost lost lost
02: Curse these dreams (?) (neu)
03: House of love
04: Get with me
05: Say to me
06: Luv U 4 Lyf
07: O Lord
08: Girls like us
09: Hybrid moments (Misfits Cover)
10: Shoot you
11: Waiting for the end
um
21:55
Konzert: Slowdive
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014
Dauer: gut 45 min
Zuschauer: ziemliches volles Zelt
Um 19 Uhr war mein Best Kept Secret Festival nach sieben Stunden und einigen Konzerten (Amatorski, Wild Beasts, Mogwai, Honeyblood & Pins - Berichte kommen nach und nach) bereits wieder beendet. Ich war später zum Fußball verabredet, der Grund meiner frühen Abreise war aber ein anderer, besser würde und konnte es nicht mehr werden!
Vor gut einem Monat hatte ich keine großen Erwartungen an die Slowdive Reunion. In der Nachbetrachtung fünf Wochen und drei Konzerte später, hätte ich ruhig Riesiges erwarten dürfen, ich wäre nicht enttäuscht worden. Die drei Konzerte im Village Underground in London, mit 25.000 anderen beim Primavera und auf der Zeltbühne des Best Kept Secret Festivals waren grandios und wären, meiner Logik folgend, ein Grund, in diesem Jahr keine Konzerte mehr zu sehen. Denn besser kann es eigentlich wirklich nicht mehr werden!

Ich hatte vor Slowdive die Wild Beasts gesehen und war im Zelt geblieben. Auf der Open-Air-Bühne spielte in der Umbaupause Miles Kane, auf den ich keine Lust hatte. Stattdessen beobachtete ich die Vorbereitungen für Slowdive. Da zwischen den Konzerten nur 45 min Pause waren und der Sound bei den Wild Beasts katastrophal schlecht war, rechnete ich nicht mit einem guten Klang, obwohl der Aufbau Chefsache war. Neil, Nick, Christian und Simon bauten ihre Stationen selbst auf und übernahmen den Soundcheck. Dies ging alles in recht knapper Zeit über die Bühne - und viele Konzerte hat die Band seit dem ersten Konzert am 18. Mai noch nicht gespielt.

Drei Minuten früher als angekündigt, kam dann Rachel mit ihren Kollegen auf die Bühne und begann wie bei meinen beiden ersten Konzerten mit Slowdive. Und wie in London und vor allem in Barcelona klang schon das phänomenal gut! Slowdive scheinen einen fabelhaften Soundmann zu beschäftigen, vielleicht hat sich der aber auch einfach nur seit zwanzig Jahren auf diese Jobs vorbereitet.

Rachels Stimme war im Vergleich zu Neils deutlich leiser, ich denke aber, daß dies so gewollt ist. Die Instrumente, die wundervollen Gitarrenmelodien, waren glasklar definiert und machten den 45-minütigen Auftritt zu einem einzigartigen Vergnügen! Catch the breeze, Avalyn, Machine gut, When the sun hits, ach, es gab nur großartige Lieder! Drei Konzerte vorher hatte ich im gleichen Zelt Mogwai gesehen. Während der letzten fünf, zehn Minuten bei Slowdive, als Rachel Goswell schon am Rand der Bühne stand und den anderen Musikern beim herausragenden Instrumental-Teil von Golden hair zusah, fiel mir auf, wie belanglos die Gitarren-Instrumental-Musik von Mogwai doch im Vergleich war. Schön anzuhörende Fahrstuhlmusik vs. beautiful noise! Nein, auf diesem Festival gab es kein besseres Konzert, auch wenn ich nur einen Bruchteil angesehen habe.

Seit Mitte Mai freue ich mich wie irre auf neues Material von Slowdive. Aber ganz ehrlich: wenn das nicht kommt, reicht es mir auch vollkommen, genau dieses Set immer und immer wieder zu hören und mich an der Schönheit der Melodien der Engländer zu erfreuen! Slowdive, wir beide sind noch lange nicht fertig!
Setlist Slowdive, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: Slowdive
02: Avalyn
03: Catch the breeze
04: Crazy for you
05: Machine gun
06: Souvlaki Space Station
07: When the sun hits
08: Golden hair (Syd Barrett Cover)
Links:
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14
um
19:50
Konzert: Amatorski
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014 (12.15 h)
Dauer: 37 min
Zuschauer: vielleicht 500
Belgien galt und gilt (die Mannschaft spielt gerade) so vielen Experten bei der WM als Geheimfavorit, daß die Wettmacher-Quoten auf eine Turniersieg der Mannschaft vermutlich winzig sind. Wenn ich davon schwärme, daß eine der besten Bands, die ich kenne, aus Belgien kommt, ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke. Fußball traut man unseren Nachbarn zu, Indie-Musik nicht unbedingt.
Daß Amatorski während der WM bei einem Festival mit dem Namen "Best Kept Secret" auftraten, passte da wunderbar ins Bild.
Ich habe die Gruppe aus Gent bisher leider erst zweimal gesehen, beide Konzerte waren wundervoll. Weil die Band aus Gent für mich so schwer erreichbar ist, war es keine Frage, daß mein Festival-Tag extrem früh anfangen würde. Amatorski waren um 12.15 Uhr auf der Zeltbühne angesetzt. Die Festivalorganisatoren machen dies offenbar bewußt, lassen also dafür zu bekannte Bands gleich am Tagesanfang spielen, um die Leute vom Campingplatz aufs Gelände zu bekommen, wusste ein Freund.
Als Amatorski auf die Bühne kamen, war das Zelt noch ziemlich leer, es füllte sich aber flott, sodaß es von oben vermutlich nicht allzu peinlich aussah. Die Band trat nur zu dritt auf, mit Sängerin Inne Eysermans, Gitarrist Sebastiaan Van Den Branden und Schlagzeuger Christophe Claeys. Bassist Hilke Ros fehlte. Ich weiß nicht, ob Amatorski nur noch ein Trio sind oder ob Hilke nur heute abwesend war.
Die Band mit dem polnischen Namen hat im April ihre zweite Platte From clay to figures veröffentlicht. Das Album besteht wie der herausragende Vorgänger tbc aus einer Mischung aus wundervollen Popsongs, verhutschelten Klavier-Stücken und kleinen Instrumental-Liedern. Es gehört nicht viel Expertentum dazu, den Belgiern enormes Talent zu attestieren, ins solch jungem Alter schon zwei solch fantastische Platten geschrieben zu haben (und EPs, einen Soundtrack).
Eines der ruhigen Klavier-Lieder stand ganz am Anfang, U-Turn von From clay to figures. Wie viele der Amatorski-Lieder war vor allem das Schlagzeug dabei sehr dezent und zurückgenommen, im Vordergrund standen Innes Stimme und ihr Klavierspiel.
Wild birds dagegen ist eines der Lieder mit Junge/Mädchen-Gesang, ein wundervolles Duett, ein großer Popsong, der im Radio liefe, wenn das Radio Wert auf gute Musik legte. Danach kam etwas Besonderes: auf der ersten Platte gibt es das Stück Cheapest soundtrack, das einen Hidden track enthält (der offenbar Anthem heißt). Auf tbc ist Anthem herrlich verhutschelt, mit hingehauchtem Gesang erinnert es an Julee Cruises Falling. Die Liveversion war deutlich überarbeitet und hörte sich fast wie ein neuer Titel an.

Warszawa (auch vom neuen Album) spielen Amatorski schon lange. Auch der Song wird einmal auf einem Best-of erscheinen, es ist einer der Hits der Band. Danach - und auch das ist typisch - baute Inne ein kurzes Instrumental-Lied (Boy/girl) ins Festival-Set ein. Nach Fragment kamen die ersten (und neben dem überarbeiteten Anthem einzigen) Lieder von meinem heißgeliebten tbc, zunächst Never told, das ebenfalls ganz anders als auf Platte klang (der Anfang ist neu!) und das wundervolle Peaceful mit einem irre schönen langen Instrumental-Ende. Beide Stücke sind echte Perlen!
Den Abschluß bildete Hudson, das vielleicht popigste Lied der neuen Platte und ein wunderschöner Abschluß der kurzen Matinée.
Ja, dafür lohnte es sich definitiv, früh anzureisen! Amatorski sind ohne Zweifel eine der spannendsten Bands unserer Zeit, auch wenn die Musik nicht spannend im Sinne von laut daherkommen ist. Der Reiz der Amatorski-Lieder liegt vielmehr in ihren wundervollen Melodien und Instrumentierungen. Amatorski wird vermutlich daher in Deutschland ein (echter) Geheimtipp bleiben. Aber die Band macht so viel mehr Spaß als ihre Fußball-Kollegen! Und Musik ist ja allemal wichtiger als Fußball! (huch 1:0 Belgien in diesem Moment).
Setlist Amatorski, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:
01: U-turn
02: Wild birds
03: Anthem (Cheapest soundtrack)
04: Warszawa
05: Boy/girl
06: Fragment
07: Never told
08: Peaceful
09: Hudson
Links:
- aus unserem Archiv:
- Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
um
01:43
Konzert: Portishead
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 23.06.2013
Zuschauer: einige Tausend
Dauer: 70 min
Wer braucht eigentlich all diese hippen Ein- bis Zweitagsfliegen wie Everything Everything, Palma Violets oder Suuns, wenn man Portishead haben kann? In ein paar Jahren wird niemand mehr eine dieser aktuellen Bands der Stunde kennen, Portishead werden immer noch herausragende Konzerte spielen. So wie das heute.
Als wir am frühen Nachmittag beim Best Kept Secret Festival am Rande eines Safariparks mitten in den Niederlanden ankamen, war erst alles wunderbar. Man parkt im Wald, geht ein paar Meter bis zu Kassenhäuschen, an denen ohne Wartezeit Tickets in Bändchen getauscht wurden und ist zwei Minuten später über einen Waldweg auf dem eigentlichen Gelände. So weit, so gut. Als wir den ersten Erkundungsgang starteten, setzte der erste Regen des Festivals ein- und übertrieb gleich ein wenig. Es schüttete so sehr, daß jeder, der keinen Platz unter einem der Zelte fand, klatschnass wurde. Toller Start!

Die beiden großen Bühnen des Festivals, eine Openair und eine in einem rechteckigen Zelt hatten ein so interessantes Programm, daß wir zwischen denen wechseln wollten. Local Natives, Everything Everything, dann Palma Violets, Suuns, Kurt Vile, Portishead und Sigur Rós, immer im Wechsel. Local Natives fanden draußen im apokalyptischen Regen statt, und damit ohne uns. In einer kurzen Regenpause versuchten wir, an die Bühne ranzukommen, wegen zu großer Menschenmassen, war das aber nicht gut möglich. Da der Veranstalter den Fehler fast aller Festivalveranstalter machte und beim Zeitplan vom theoretisch Möglichen ausging und eine Band beginnen ließ, nachdem die andere den letzten Ton gespielt hatte, statt 5 min Pause dazwischen einzubauen, musste man auf den Beginn oder das Ende eines Konzerts verzichten, um das nächste annehmbar zu sehen. Das ist großer, vor allem unnötiger Mist. Wir entschieden uns also für den trockenen und bequemen Weg und blieben im Zelt und sahen da Everything Everything und Suuns quasi als Vorprogramm meines eigentlichen Festivalbesuchsgrunds.

Ein großes P auf der Videowand im Bühnenhintergrund leitete das auf eine Stunde angesetzte Konzert von Portishead ein, dazu der russische Einleitungstext von Band, mit dem Silence vom dritten Album der Briten beginnt. Silence war das erste von zwölf atemberaubenden Liedern, die aufregend und vor allem stilvoll aufgeführt wurden.
Die Band trat in großer Besetzung auf. Neben Beth Gibbons, Geoff Barrow und Adrian Utley waren vier weitere Musiker auf der Bühne, ein Schlagzeuger, zwei Keyboarder und ein Bassist (soweit ich das erkannt habe). Und obwohl Sängerin Beth sich ganz anders verhält, als jedes Rock'n'roll Lehrbuch dies für Sänger vorschreibt, ist sie der Hingucker während eines Konzerts. Sie ist insofern nicht vorschriftsgemäß, weil sie nur am Mikro steht, wenn sie singt und sich danach abwendet und meist zum Schlagzeug geht - mit dem Rücken zum Publikum. Ich weiß nicht, was der Grund dafür ist, es macht die nicht-Frontfrau unglaublich cool (und irgendwie erhaben).
Seit ihrem Auftritt in Köln (im Palladium) sind einige Jahre vergangen. Ich hatte auch vergessen, wie eindrucksvoll der Rest der Band ist. Natürlich ist es schwer, auf Distanz und als Musiklaie einzuschätzen, wieviel der vielen kleinen Geräusche, die die schrecklich komplexen Portishead-Stücke ausmachen, live erzeugt werden. Ich hatte aber wieder den Eindruck, daß ein Großteil live eingespielt wird, ähnlich wie dies bei The Notwist oder The xx der Fall ist. Um keinen falschen Eindruck zu erzeugen: ich rede nicht von diesen Halb- bzw. Ganzplayback-Bands, die die großen Hallen füllen wie The Knife oder Madonna oder Rammstein und deren musikalische Herangehensweise. Ich war vielmehr davon überzeugt, daß viele der Geräusche eines Portishead-Lieds auf der Bühne am Synthesizer erzeugt würden. Und das war eben nicht der Fall. Selbst das Gefehrfeuer bei Machine gun stammt zum großen Teil von Drumpads und wurde live erzeugt.
Wenn "handgemacht" im Zusammenhang mit Musik nicht so ein schrecklicher Begriff wäre, würde ich ihn hier verwenden.
Weil Portishead scheinbar nicht an neuem Material arbeiten (oder sich ähnlich wie The Notwist schwer tun, dieses zu schnell zu spielen), war das Set nicht überraschend. Einige der Hits der drei Alben mit Schwerpunkt auf Third und Dummy und zusätlich nur die Single Chase the tears, die vor ein paar Jahren veröffentlicht wurde.
Dabei waren trotz der vielen Risenhits wie Glory box oder Sour times oder Mysterons das höllisch laute Machine gun, We carry on und mein leiser Liebling The rip die größten Stücke des Abends. Ich hatte Third viel zu lange nicht gehört und auch vergessen, wie unfassbar schön The rip ist. Hätten Portishead 70 min lang nur dieses Lied gespielt, wäre ich höchstwahrscheinlich genauso glücklich nach dem Auftritt gewesen.*
Einmal geriet das Konzert etwas aus dem Tritt. In den Pausen zwischen den Songs gab es keine Ansagen (oder Thank yous). Es gab frenetischen Applaus des rappelvollen 5.000er Zelts.** Nach Sour times gab es ein Problem, das nächste Stück (was auch immer das gewesen wäre) konnte nicht gestartet werden. Beth Gibbons kletterte von der Bühne in den Fotograben - leider auf der falschen Seite. Nach einer für Portishead sehr langen Pause begann die Band nach Absprache untereinander Machine gun, die Setlist schien geändert worden zu sein.
Angesetzt waren Portishead für 60 min, sie spielten 70. Als We carry on ausklang, spielten Sigur Rós schon. Um dort einen anständigen Platz zu bekommen, hätten wir früh Portishead verlassen müssen. Das zu tun, wäre eine riesige Dummheit gewesen. Außerdem war das Zelt vorne viel zu voll, wir wären nicht rausgekommen, hätten wir es versucht.
Portishead 2013 gesehen zu habe, bereichert mein ohnehin nicht an Höhepunkten armes Konzertjahr noch einmal enorm!
Setlist Portishead, Best Kept Secret Festival:
01: Silence
02: Mysterons
03: The rip
04: Sour times
05: Machine gun
06: Over
07: Glory box
08: Chase the tears
09: Cowboys
10: Threads
11: Roads
12: We carry on
* Portishead performing The rip wäre mal eine Idee fürs Primavera Festival
** geschätzt