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Mittwoch, 10. Januar 2018

My Years in List- die 30 besten Konzerte (Oliver Peel)

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Leider habe ich 2017 sehr wenige Konzertberichte geschrieben und dies obwohl ich erneut viele Konzerte gesehen habe. Zwischen 150 und 200 werden es schon gewesen sein, je nachdem ob man Festivalgigs einzeln zählt oder nicht. Da fällt das Festlegen auf die "30 besten" schwierig, aber ein Versuch einer Auflistung nach Güte und persönlicher Präferenz ist dennoch unterhaltsam. Hier nun also meine Liste der Top 30 Konzerte:


01 Benefit Konzert für Erica Buettner, 17. März 2017 
mit Françoiz Breut, Clare Louise, Blondy Brownie, Castus, Le Ton Mité, Brüssel, Belgien, Centre Garcia Lorca

Für diesen Konzertabend bin ich extra spontan nach Brüssel gefahren. Die amerikanische Folksängerin Erica Buettner ist an Krebs erkrankt und da das amerikanische Gesundheitssystem ist, wie es ist, brauchte sie Spenden, um die Behandlungskosten zu bezahlen. Auf die Initiative der besten belgischen Undergroundmusiker, insbesondere Boris Gronemberger von V.O wurde kurzerhand ein Musikabend in einem alternativen belgischen Club organisiert. In künstlerischer Hinsicht war das Ganze ein Genuss. Es gaben sich ganz vorzügliche Musikerinnen und Musiker die Klinke in die Hand und man konnte sehen wie vielfältig und kreativ  die Szene in Belgiens Hauptstadt ist. Viele darunter waren keine "echten" Belgier, sondern Franzosen, die im Vergleich zu Paris günstigerem Brüssel Exil gefunden haben, wie Clare Louise, oder Françoiz Breut.


02 Peter Hook, Trianon, Paris, 28. Oktober 2017

Hooky hatte noch am Nachmittag in einem Plattenladen Autogramme geschrieben, um sein neues Buch "Substance" zu vermarkten und am Abend spielte er dann jenes Album in Gänze. Erster Teil New Order, zweiter Teil Joy Division, beide Teile gleich grandios. Fast drei Stunden baden in Nostalgie. Unfassbar gut!


03 Nick Cave, Le Zénith, Paris, 04. Oktober 2017

Weltweit schwärmte man zurecht in höchsten Tönen von den umwerfenden Konzerten von Nick Cave und seinen Bad Seeds. Zwar war es jeden Abend das exakt gleiche Programm und selbst höchst improvisiert aussehende Passagen waren genauestens einstudiert, dennoch bestachen die Shows durch eine unglaubliche musikalische und emotionale Wucht. Auch ich war begeistert und sah die Show gleich zweimal hintereinander.


04 Fleet Foxes, Trianon, Paris, 20. November 2017

Wer hatte nach der langen Pause eigentlich noch die Fleet Foxes auf der Rechnung? Ich gebe zu, dass ich selbst vorher skeptisch war, wurde aber eines Besseren belehrt. Nie spielten die Fleet Foxes so dynamisch und freudvoll auf, nie zuvor war Robin Pecknold so entspannt und gut gelaunt. Ein Wahnsinnskonzert mit betörend schönen Harmoniegsängen und unzähligen Folkhits.


05 The Shins, Green Man Festival, Wales, 18. August, 2017
Wer hatte eigentlich noch die Shins auf der Rechnung? Die waren doch vor 10 Jahren in, aber inzwischen doch recht out, oder ? Auf in oder out sei geschissen, die Festivalautritte der Band von James Mercer waren der helle Wahnsinn, bei denen vor allem die alten Hits fantastisch klangen. Und seine neue Band war viel fetziger als die träge alte Truppe, die damals mit ihm auf der Bühne stand.


06: Lift To Experience, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Postrock aus Texas mit dem Countrysänger Josh T. Pearson an der Spitze. Lift To Experience, die sich schon seit Mitte 2000 zurückgezogen hatten, gaben eines ihrer seltenen Konzerte um den Rerelase von "The Texas Jerusalem Crossroads" (2001) zu feiern. Ein richtiges Comeback war es dennoch nicht, weil aller Bandmitglieder ausser Josh inzwischen andere Berufe ergriffen haben und nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben. Ich wähnte mich glücklich, diese energiegeladene, packende Vorstellung miterlebt zu haben.


07: Pixies, Lollapalooza Festival, Paris, 23. Juli 2017

Die Pixies werden auch nicht jünger und in letzter Zeit diskutierte man mehr über die Bassistinnen der Pixies als über ihre Musik. Dabei ist diese nach wie vor sensationell gut. Gerade die alten Sachen von den Kultalben kamen sehr gut rüber, Frank Black war in Topform und das Publikum begeistert. Selbst diejenigen, die den Pixies eigentlich ansonsten oft mässige Konzerte attestierten, fanden diesen Festivalauftritt zu recht hervorragend.


08: Motorama, Le Garage, Paris, 26. Juni 2017

Meine Lieblingsband aus Russland spielte einen gewohnten wilden und ultrarasanten Gig in einem undergrundigen Garagenclub und ich tanzte mir mal wieder die Seele aus dem Leib. Die Russen hatten allerdings Pech, ihr Tourbus war kurz zuvor aufgeknackt worden, der Schaden war hoch. Dennoch gaben sie alles. Toll.


09 Albin de la Simone, Paul B, Massy bei Paris 19. Dezember 2017
Albin de la Simone ist ein sehr feingeistiger Chansonier. Seine Lieder sind melancholisch und witzig zugleich, er verbindet Traurigkeit mit Ironie und Humor. Das Konzert war fast komplett akustisch und dauerte um die 2 Stunden. Absolut wundervoll was uns vor den Toren von Paris in diesem schönen Saal geboten wurde.


10 La Féline, La Boule Noire, Paris, 29. November 2017

In England wird La Féline gerade von der Musikkritik in höchsten Tönen gelobt, ihr Album erhielt bei Uncut 9/10 Punkten und bei Mojo 4 von 5 Sternen. Agnès wie La Féline bürgerlich heisst, wird aber in der Tat immer besser. Sie hat Ausstrahlung, Charme und Grips, ihr Frenchpop Tiefgang. Famoses Konzert, das von ihren Fans gefeiert wurde. Und ihre Gruppe spielte auch ausgezeichnet.


11 Juliette Armanet, 26. November 2017, La Cigale, Paris

French Pop ist gerade wieder total angesagt in Frankreich und Juliette Armanet steht zurecht an der Spitze dieses Nouvelle Chanson Revivals. Was für eine Performerin !


12 Future Islands, Green Man Festival, Wales, 18. August 2017

Was für ein Performer dieser Samuel T.Herring! Und wie der tanzt! Das Konzert der Amerikaner Future Islands bei diesem Festival in Wales war absolut umwerfend.


13: The Wedding Present, Petit Bain, Paris, 8. November 2017

Die Weddos feierten 30 Jahre George Best und die Songs dieses Kultalbums klangen immer noch spitze.


14 Slowdive, Rock en Seine Festival, Paris, 27. August 2017

Slowdive spielten in der Abendstunde auf einer relativ kleinen Bühne, euphorisierten aber alle mit ihrem atmosphärischen Dreampop.


15 Peter Perrett, Le Point Ephémère, Paris, 14. November 2017

Der alte Peter ist besser drauf als vor 10 Jahren, das bestätigten alle. Der Sänger der britischen Kultformation The Only Ones bestach mit einem feinen Gig mitsamt seiner Söhne in der Begleitband.


16 The Bats, Petit Bain, Paris, 10. Juni 2017

Die kultigen Neuseeländer hatten ihr aktuelles Album im Gepäck und spielten quasi alles davon + alte Schönheiten. Sehr charmant.


17 Bernard Laviliers, Olympia, Paris, 3. Dezember 2017

Laviliers gilt in Frankreich als Varietée Française, sprich Mainstream, aber wer sich auf diese Etiketten verlässt, verpasst einen grossartigen Musiker und Entertainer, der besonders live Spitzenklasse ist. Seine Begleitband war sehr erlesen, seine tiefe Stimme klang super und am Ende kletterte er sogar auf den Balkon und sang direkt neben mir!


18 Alice et Moi et Uto, Pop-up, 27. April 2017

Die junge Französin Alice macht fast kariös zu nennenden Pop. Dabei legt sie immer eine solche Spielfreude an den Tag, das es schwer ist, ihr zu widerstehen. Auch toll: die an Björk erinnernde Vorband Uto.


19 Einstürzende Neubauten, La Villette, Paris, 28. Mai 2017

Wahnsinn, endlich habe ich mal die Neubauten gesehen! Die deutsche Kultband spielt eigentlich relativ regelmässig in Frankreich und hat hier auch so manche Fans, aber ich hatte sie bis dato immer verpasst.


20 Kate Tempest, Haldern Pop Festival, 12. August 2017

Die Wut und die Wucht mit der die Britin rappte war beeindruckend.


21 Sleaford Mods, Rock en Seine, 26. August 2017

Die beiden Working Class Heroes von Sleaoford Mods sind live brillant und höchst unterhaltsam. Der Sänger schreit sich die Kehle aus dem Leib, der Keyboarder säuft wippenderweise Bier. Hatte sie kurz zuvor auch schon in Wales gesehen. Beide Konzerte höchst cool.


22 PJ Harvey Rock en Seine, 26. August 2017

Polly Jean und ihre Band waren toll wie immer, allerdings war die Show auch wie immer. Hat man einen ihrer Tourneeauftritte gesehen, hat man alle gesehen.


23 Interpol, Trianon, 5 September 2017

Paul Banks hatte Stimmprobleme, ansonsten wäre diese Jubiläumstour für das erste Album "Turn On The Bright Lights" sicherlich in den Top 10 gelandet, bei dem Songmaterial...


24 Superbravo, La Marbrerie, Montreuil bei Paris, 14. September 2017

Nochmal Frenchpop, diesmal mit Superbravo, einem Trio (2 Frauen, ein Mann) welches von der ehemaligen Holden Sängerin Armelle Pioline angeführt wird. Das ist feinster Dreampop mit subtilen Arrangements und guten Texten, der die Leute in der undergroundigen Mabrerie im Pariser Vorort Montreuil beglückte.


25 Fishbach, La Cigale, Paris 14. März 2017

Die junge Flora Fischbach ist DIE Senkrechtstartern der neuen französischen Chansonszene und ihr an Rita Mitsuko erinnernder New Wave Pop begeisterte die altehrwürdige Cigale.


26 Spoon, La Maroquinerie, Paris, 5. Juli 2017

Spoon sind live eine Bank, kommen aber viel zu selten auch Europa. Das Konzert fand an einem der heissesten Tage statt, drinnen herrschten sicherlich auch 40 Grad, aber die Band um Britt Daniel mit seiner Reibeisenstimme zog ihr Programm trotzdem voll durch.

 

27 The National, Le 104, Paris, 22. Juni 2017

Noch heisser als der 5. Juli war der 22. Juni in Paris. 38 Grad Celsius! Drinnen ging es aber einigermassen, bei diesem Testgig um die neuen, zu dem Zeitpunkt noch unveröffentlichten Lieder zu testen. Ein sogenannter Warm Up Gig, fast intim und wunderschön.

 

28 Julie Byrne, Pop-up du Label, Paris, 31. Mai 2017

Julie Byrne ist eine der betörendsten Folksängerinnen zur Zeit. Sanft, sanfter, Julie Byrne. Das war mehr ein Hauchen als ein Singen. Zum Niederknien.


29 Aldous Harding, Haldern Pop Festival, 11. August 2017

Viele rätselten hinterher wie die unzähligen Grimassen von Aldous Harding während ihres Auftrittes zu deuten waren. Ein Spleen, schräger Humor oder unverfälschter Ausdruck erlebter Gefühle?Wie auch immer, das Songmaterial war so stark, dass man unter dem Strich ein richtig gutes Konzert attestieren konnte.


 

30 Frontier Ruckus, Le Pop In, Paris 31.März 2017

Eine ganz feine Folkrockband, diese Frontier Rucks, aus Michigan. Sie spielten in einem kleinen Clubkeller, legten sich aber ins Zeug, als würden sie in einem grossen Saal vor Tausenden auftreten. Ich liebe sie.


Fünf andere Konzerte, die es auch verdient gehabt hätten, in dieser Liste zu landen

  • The Divine Comedy, Folies Bergère, Paris, 24. Januar 2017
  • The Frank and Walters, Petit Bain, Paris 15. Dezember 2017
  • Gareth Dickson und House Of Wolves, Mains d'oeuvres, Saint Oben bei Paris, 22. Februar 2017
  • Raoul Vignal und Seabuckthorn, Trois Baudets, Paris 3. Mai 2017
  • Agnes Obel, La Philharmonie, Paris, 14. Mai 2017


Samstag, 23. Juni 2012

The Shins, Frankfurt, 22.06.12

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Konzert: The Shins
Ort: Lüften Festival, Frankfurt
Datum: 22.06.2012
Dauer: 90 min


Mensch, die Shins habe ich vollkommen aus den Augen verloren. Als ich sie zum letzten Mal live gesehen habe, waren Alexander Madlung und Robert Hilbert noch Nationalspieler. Ohne längeres Nachdenken hätte ich bei allen dreien letzte Woche nicht auf Anhieb gewußt, was sie gerade so machen, bei den Shins konnte ich mir gestern ansehen, wie es ihnen so geht.

Zehn Minuten vor Konzertbeginn war ich noch nicht sicher, ob ich mir die Amerikaner, die ich einmal sehr geliebt habe, von Anfang an ansehen sollte oder nicht doch lieber Ja, Panik weiter gucken sollte. Spontan entschied ich mich gegen die Österreicher (mit der lustigsten Frisur seit langem).

Keine Ahnung, wann ich zuletzt meine Shins Platten gehört habe, es ist aber lange her. Warum ich das Interesse an ihnen verloren habe, weiß ich partout nicht. Aus den Augen, aus dem Sinn, das gibt es eben manchmal. Dabei haben es die Shins mit ihren vielen großen Hits sicher nicht verdient, vergessen zu werden. Trotzdem habe ich ihre letzte Platte noch nicht einmal gekauft (was bei mir gleichzeitig heißt, daß ich sie nicht gehört habe). So waren meine anderthalb Stunden mit den Shins so wie ein Klassentreffen nach langer Zeit. "Ach, das gab es ja auch, und toll ist es," kam mir immer wieder in den Sinn.

Seit 2007 hat die Band aus New Mexico ihr Gesicht massiv verändert. Außer Frontmann James Mercer ist kein Mitglied länger als drei Jahre dabei, naja, außer Drummer Joe sind alle sogar erst seit 2011 im Team. Bei den alten Sachen klangen diese Shins aber nicht anders als die von vor fünf Jahren.

Der Unterschied, den ich festgestellt habe, lag zwischen den Songgenerationen. Mag sein, daß es darin seine Ursache hatte, daß ich die neueren Lieder nicht kannte. Aber an New slang, Sleeping lessons, Saint Simon, Phantom limb oder Caring is creeping kam keines der 2012er ran, das schlechteste Stück war das unveröffentlichte Marisa (zu viel Funk, zu wenig Herz).

Trotz der schwächeren Momente hatte das Konzert keine Längen. Anderthalb Stunden bei einem Festival sind ja keine leichte Kost, vor allem, wenn es nicht das erste Konzert des Tages ist (drei Stunden The Cure neulich haben mich aber vielleicht abgehärtet).

Was gibt es sonst zu berichten? Das Publikum war gespickt mit Musikern. Markus Acher, Teile von Get Well Soon, Robert Stadlober und Erlend Øye standen oder liefen vor uns rum. Der norwegische Whitest Boy Alive und Kings Of Convenience Mann amüsierte uns dabei besonders. Erst äffte er für seinen (weiblichen) Hofstaat den Shins Keyboarder gestenreich und sehr komisch nach, dann wandelte (alles andere beschriebe es falsch) über den Platz und tanzte zu New slang einen skandinavischen Sonnwend-Tanz, wundervoll!

James Mercer erklärte irgendwann, Schlagzeuger Joe sei verletzt, daher ein Sonderlob für ihn. Joe kommentierte dies mit "take drugs but don't play Frisbee", was zu großem Gelächter in der Band führte. "Ich kann nicht glauben, daß er zugegeben hat, Frisbee zu spielen!"

Ob seine Leidenschaften auch die Skelett-Hand mit Glöckchen erklärt, die Joe am
Schlagzeug hatte?

Am besten gefiel mir aber der Tourmanager der Band. Er trug nämlich Anzug und Krawatte, während er die Mikros justierte oder Instrumente anreichte. Das hatte Stil, ha!

Es war ein gutes Klassentreffen, gar keine Frage! Es kann zwar sein, daß mir erst wieder in fünf Jahren nach den Shins ist, aber auch dann wird es wieder klasse! Und bis dahin habe ich ganz regelmäßig Sachen wie "after all these implements and text designed by intellects" im Kopf.

Setlist The Shins, Lüften Festival, Frankfurt:

01: Kissing the lipless
02: Caring is creepy
03: Simple song
04: Australia
05: Bait and switch
06: Phantom limb
07: The rifle's spiral
08: Saint Simon
09: Marisa
10: So says I
11: Know your onion!
12: Girl sailor
13: Port of Morrow
14: New slang
15: It's only life
16: Sleeping lessons
17: September
18: Sphagnum Esplanade
19: One by one all day

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Shins, Paris, 05.11.07
- The Shins, Paris, 24.08.07
- The Shins, Hohenfelden, 17.08.07
- The Shins, Köln, 03.04.07
- The Shins, Köln, 03.04.07
- mehr Fotos von den Shins



Dienstag, 6. November 2007

The Shins, Paris, 05.11.07

11 Kommentare

Konzert: The Shins
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 05.11.2007
Zuschauer: ausverkauft


"You're so sexy!" - Nanu, war ich bei den Kings Of Leon gelandet? Oder bei Mando Diao? - nein, nein, ich irrte nicht, der Aufschrei eines angeheizten jungen Mädchens ereignete sich wirklich bei einem Konzert...der Shins! Nett, sympathisch, natürlich, mit all diesen Attributen wird üblicherweise die Band um Sänger James Mercer versehen, aber sexy? Das war mir vorher entgangen...

Vielleicht war das Mädchen vorher im Sexodrom im benachbarten Pigalle-Viertel und hatte sich so auf das Konzert eingestimmt? Obwohl mir das abwegig erscheint, in diese billigen Läden verirren sich wirklich nur notgeile Touristen,
das Publikum in der Cigale war hingegen eher wie die Band selbst: brav, anständig, nett und...zum Großteil weiblich! "Actually we just came to Paris for the good food and the beautiful girls", meinte dann auch der huttragende Mercer gegen Ende des Konzerts. Die eher biederen Shins also doch absolute Womanizer? - Stille Wasser sind tief!

Vorher durften aber zunächst einmal andere brav wirkende Jüngelchen das Publikum warmspielen.
Vampire Weekend hießen sie und werden bei meinzuhause.meinblog von einem gewissen Christoph bereits gehypt. Und dies, obwohl jener Christoph nichts von ihren Paul Simon-Einflüssen, die klar auf der Hand liegen, heraushört :-)

Schade, daß ich nur noch drei Lieder von den vielversprechenden Jungspunden mitbekam, entgegen sonstiger Gewohnheiten wurde hier kein akademisches Viertel eingehalten, sondern extrem pünktlich losgelegt. Trantüten wie ich verpassen dann mal gerne den Anfang...

Setlist Vampire Weekend, La Cigale, Paris:

01: Mansard Roof
02: Cape Cod Kwassa Kwassa
03: M79
04: Bryn
05: I Stand Corrected
06: A-Punk
07: One (Blake's Got A New Face)
08: The Kids Don't Stand A Chance
09: Oxford Comma

Danach warteten dann die Mädels, darunter sehr viele Amerikanerinnen auf die Testosteronbomben The Shins. Würden sie ihr Hemd ausziehen? Laszive Gesten machen? Nein, natürlich nicht, so etwas überlassen sie Johnny Borrell und Iggy Pop...

Aber Sänger und Gitarrist James Mercer hatte immerhin ein trendiges (und kein albernes wie Christoph vielleicht schreiben würde) Hütchen auf, mit dem er seine Paterglatze verdeckte. "Blubb, blubb, blubb", leider kann ich dieses Geräusch was bei "Sleeping Lessons" am Anfang steht, nicht so gut nachmachen, aber für mich hört sich dies immer so ähnlich an. Es eröffnete bisher noch jedes Konzert, das ich von den Amerikanern gesehen habe und dieses Jahr steht mein Shins - Konzertzähler immerhin schon bei vier. Nach wie vor begeistert mich aber, wenn plötzlich die Gitarren in dem Stück losdonnern und mit dem Klischee aufgeräumt wird, die Band könnte nicht rocken. Von wegen, die Typen können einem die Ohren wegblasen, gerade wenn man, wie ich, gleich vor den Boxen steht! Und nach wie vor ist man nicht vor Überraschnungen sicher, denn ziemlich früh schon wurde die Setlist abgewandelt und mit "Girl On The Wing" und vor allem "When I Goosestep" Lieder gespielt, die man ansonsten eher selten (im Falle des letztgenannten Songs handelte es sich gar um eine Premiere für mich) geboten bekommt. Auch das an achter Stelle gebrachte "Sea Legs" gehört nicht immer zum Standard-Repertoire, schön, daß hier mal gewechselt wird. Unabhängig davon wurde es aber ab dem herrlichen "Girl Inform Me" am stärksten, denn in der Folge gaben sich Hit auf Hit die Klinke in die Hand. Schwer zu sagen, welches Lied am schönsten war. Etwa das countryeske "New Slang" mit der famosen Uhuhuhu-Phase zu Anfang, oder doch die Hymne "Saint Simon? Oder vielleicht Australia, welches sich problemlos für das Stück des Jahres 2007 qualifizieren könnte? Die Amerikaner schienen ein Best-Of Album zu spielen, obwohl sie lediglich die Rosinen ihrer ersten drei Alben herausgepickt hatten. Hach, es war wundervoll! Diese ganzen niedlichen Mädchen, die die Strophen inbrünstig mitsangen und eine High School Fete veranstalteten und dies mitten in Paris. Würde ich nochmal 18 sein und in Yale studieren, ich würde The Shins in meiner Studentenbude auflegen, um die höheren Töchter rumzukriegen...

Auch der Schluß des ersten Teil war noch einmal hochkarätig, mit "Turn On Me", "Know Your Onion!" und "Phantom Limb" wurde das hohe Niveau gehalten und ein Dauergrinsen auf die Gesichter der Besucher gezaubert.

Die Zugaben schließlich ebenfalls nicht ohne Überraschungen. Die erste erinnerte mich prompt an Pink Floyd, was kein Wunder war, "Breathe" stammte nämlich von den Kultmusikern und klang auch in der Version der Amerikaner ganz ausgezeichnet. Die dritte ebenfalls nicht immer dabei: "The Past And Pending", eine schöne Folk-Ballade,
die man auf dem ersten Album "Oh, Inverted World" finden kann. Lediglich der Abschluß war wie immer. "So Says I " hatte bisher noch jedes von mir erlebte Konzert abgeschloßen und sorgte wieder einmal für Schwung in der Bude. Und die Bude, sie bebte in der Cigale an jenem Tage! Kein Wunder, die Shins sind halt eben so sexy, da können die Girlies nicht an sich halten...



Setlist The Shins, Paris, Cigale:

01: Sleeping Lessons
02: Kissing The Lipless
03: Girl On The Wing
04: When I Goosestep (von dem Film Wicker Park)
05: Turn A Square
06: Girl Sailor
07: A Comet Appears
08: Sea Legs
09: Girl Inform Me
10: Saint Simon
11: Gone For Good
12: New Slang
13: Australia
14: Turn On Me
15: Know Your Onion!
16: Pam Berry, übergehend in
17: Phantom Limb

18: Breathe (Pink Floyd Cover) (Z)
19: Caring Is Creepy (Z)
20: The Past And Pending (Z)
21: So Says I (Z)




Samstag, 25. August 2007

The Shins, Rock en Seine, 24.08.07

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Konzert: The Shins
Ort: Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 24.08.2007
Zuschauer: ziemlich viele

"Ich wäre gerne Hund bei Uli Hoeneß", soll der kürzlich zurückgetretene Fußballer Mehmet Scholl ,angesprochen auf seine Wünsche, gesagt haben. (wobei ich nicht mehr genau weiß, ob daß mit dem Hund jetzt die Antwort auf die Frage nach dem Traumjob nach Karriereende, oder die Wunschgestalt nach Wiedergeburt war...)

Wenn ich Schlagzeuger wäre, würde ich auf die oben aufgeworfene Fragestellung antworten: "Drummer bei den Shins, da hat man wenig zu tun!" Ich gebe zu, daß dieser Spruch ein wenig gemein ist, aber beim Beobachten des leicht fülligen Mannes an dem Drums der amerikanischen Band Shins, kam mir halt eben dieser Gedanke. Ganz gemächlich trommelte er da auf sein Spielgerät ein und hätte bestimmt bei manchen Stücken die Zeit gehabt, noch ein Tässchen Kaffee zu trinken...

Klar, die Shins sind nun mal nicht Dinosaur Jr, bei denen der Oldie Murph auf seine Schießbude einprügelt, als wollte er sie zerstören, aber ein bißchen mehr Tempo würde manchmal gerade bei Live-Auftritten nicht schaden! Damit man mich hier nicht falsch versteht: ich mag die Shins, in meinem Ansehen steigen sie mit jedem weiteren Konzert und jeder neuen CD. Waren sie am Anfang noch wirklich ziemlich Lo-Fi (aber deshalb nicht weniger gut), haben sie auf ihrem dritten Album richtig an Druck gewonnen. Bestes Beispiel hierfür war der fabelhafte Opener "Sleeping Lessons", vor allem in dem Moment, in dem die Gitarren urplötzlich losschmetterten und das Stück richtig schön beschleunigten. Überhaupt die Gitarren. Viel rockiger und lauter als auf CD sind sie bei den Gigs der Shins. Das wunderte sich schon so mancher, daß diese Softies so heavy sein können.Dabei kommt man ja aber nicht in erster Linie zu einem Konzert der nicht mehr allzu jungen Herren, um "Kick Ass Rock'n Roll" geboten zu bekommen, sondern um von zuckersüßen Melodien umgarnt zu werden. Und dies können sie nun einmal am Besten, die symphatischen Kerle von den Shins, einem den Alltag versüßen, indem sie zuweilen mächtig Zucker auf ihre Lieder schütten. Wer aber glaubt, diese "Normalos" (Sänger James Mercer sieht aus wie ein mittlerer Angestellter), wären nur nett und klängen nur schön, der mag sich täuschen. Eine nicht zu leugnende Melancholie (so bei dem fabelhaften "Saint Simon") wohnt nämlich den meisten Songs inne und auch leicht psychedelische ("Carrying Is Creepy") Pfade werden so manches Mal eingeschlagen.

Beim Betrachten der Mimik von Frontmann James Mercer kam mir gar oft der Gedanke, daß der Mann auch seine depresssiven Momente hat. Man muß ihm nur einmal in die Augen schauen (was für mich heute leider nur unter Zuhilfenahme der Leinwand möglich war), um zu erkennen, daß er einen recht traurigen Gesichtsausdruck hat. Weniger trist, sondern eher lebensfroh und positiv ging es hingegen bei Australia zu, einem der Sahnestücke von "Wincing The Night Away", bei dem besonders die Songzeile " i fell just like I could fly" hervorsticht.

Auch das abschließende "So Say I" vom Vorgängeralbum sorgte noch einmal für gute Stimmung bei dem ersten Festivalauftritt der Shins in Frankreich überhaupt. "Toll für uns hier zu spielen, heute gibt es so viele andere starke Bands, Dinosaur Jr. zum Beispiel".

Recht hatten sie, Dinosaur Jr. waren super. Die Shins aber auch! Und das auch ohne das wuchtige Schlagzeug eines Murph. Ihre Stärken liegen eben woanders...

Setlist The Shins Rock en Seine:

01: Sleeping Lessons
02: Australia
03: Kissing The Lipless
04: Gone For Good
05: Saint Simon
06: Carying Is Creepy
07: Pam Berry - Phantom Limb
08: Turn On Me
09: So Says I


Sonntag, 19. August 2007

The Shins, Hohenfelden, 17.08.07

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Konzert: The Shins

Ort: Stausee Hohenfelden (Highfield Festival)
Datum: 17.08.2007
Zuschauer: recht viele

Ach, die Shins... Bands, die es verstehen, eine wundervolle Melodie nach der nächsten zu produzieren, muß man einfach lieben. So geht es mir mit der Band aus Oregon. Allerdings hätte ich mir die Shins lieber in Haldern gewünscht. Um halb elf vor immer mehr Betrunkenen aufzutreten, ist irgendwie Verschwendung. Schön fand ich Reaktionen, wie eng tanzende Pärchen, unschön ekelhaft betrunkene Typen, die sich nicht die Spur für das interessierten, was vorne passiert sondern stattdessen andere vollquatschen mußten.

Aber das ist jetzt gerade die Suche nach dem Haar in der Suppe, denn das Festival war brillant - und es kann nicht überall so herrlich entspannt wie in Haldern sein.

Musikalisch war das Konzert der Shins herausragend. Die Amerikaner packten in ihr einstündiges Programm viele ihrer großartigen Lieder. Dazu kam, daß der Sound richtig gut war. Beim letzten Kölner Konzert hing das davon ab, wo man stand, für mich war der Klang schrecklich schlecht. In Hohenfelden war alles besser, es klang, wie es wohl klingen soll - ein uneingeschränktes Vergnügen!

Die Mischung aus herrlichen Melodien, die Stimme von James Mercer, kombiniert
mit dem Klang von drei Gitarren plus Bass und Schlagzeug ist fabelhaft. Ich hätte der Band aus Oregon, die hauptsächlich durch Songs, die sie zu Soundtracks beigesteuert hat, bekannt geworden ist, noch viel länger zuhören können. In die Stunde, die sie vom Veranstalter eingeräumt bekommen hatten, packten die Shins aber auch so einige ihrer großen Hits, "Australia", "Sleeping lessons" und "Phantom limb" vom aktuellen Album, "New Slang" oder "Caring is creepy" vom Debüt oder meine Lieblinge "Saint Simon" und "So says I" von "Chutes too narrow". Teil des Sets war aber auch ein mir unbekanntes Lied "When I goose step" (vom Soundtrack von Wicker Park). "So says I" war leider schon das letzte Stück.

Aber Setlist The Shins Highfield Festival:


01: Sleeping lessons
02: Australia
03: Kissing the lipless
04: Gone for good
05: Girl inform me
06: New slang
07: When I goose step
08: Turn a square
09: Saint Simon
10: Turn on me
11: Pam Berry
12: Phantom limb
13: Caring is creepy
14: So says I



Donnerstag, 5. April 2007

The Shins, Köln, 03.04.07

2 Kommentare
Konzert: The Shins
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 03.04.2007
Zuschauer: ca. 1500

Heute abend stand für mich eine dreifache Premiere auf dem Programm:
Das letzte Mal hatte mich Morrissey himself zu einem Abstecher nach Deutschland verleitet, das war allerdings noch vor Weihnachten 2006, genauer gesagt am 15.12.2006, in der Düsseldorfer Philipshalle. Damals hatte ich Sab und Olly getroffen und heute waren die beiden sympathischen Bonner wieder mit von der Partie. Zum Glück ist die Live Music Hall nicht so groß wie die Philipshalle, sodaß meine Suche nach ihnen irgendwann erfolgreich lief und wir zu dritt die passable, aber doch recht langweilige Vorgruppe Viva Voce verfolgten. Obwohl ich eigentlich Blues-Rock gerne mag, fehlte mir einfach das packende Moment im Set der Amerikaner und ich war deshalb recht froh, als die "Aufwärmer" die Bühne irgendwann verließen.

Zu diesem Zeitpunkt war es schon ziemlich spät (ca. 21.45 Uhr), zumindest für Pariser Verhältnisse, wo die Hauptgruppe in der Regel um 21 Uhr beginnt.

Die ersten vier Lieder der Shins hörte ich mir dann auch noch in "Bonner Runde" an, bevor ich den gewagten Versuch startete, mich nach vorne zu Christoph durchzukämpfen, um auch die Band selbst noch einmal zu sehen. Mit Sab und Olly waren wir uns zuvor einig, daß der Sound ganz ausgezeichnet war und der Shins-Sänger selbst noch die höchsten Töne traf. Besonders angetan war ich von den plötzlich einsetzenden knackigen Gitarren beim Opener "Sleeping lessons".

Überhaupt war festzustellen, daß die Shins mit dem neuen Album deutlich an Druck gewonnen haben, ohne dadurch ihren Lo-fi-Charme zu verlieren, der sie so auszeichnet. Musikalisch sehe ich sie im übrigen eher verwandt mit den Labelkollegen Decemberists als mit Snow Patrol, insofern teile ich nicht ganz Christops angebrachten Vergleich (ich hoffe, ich habe Dich nicht falsch zitiert, Christoph?).

Das Verbindende zwischen den Shins und den Decemberists besteht meines
Erachtens vor allem darin, daß beide Bands neben ihrem Gespür für wunderbare Folkpopmelodien des öfteren "Ladadidada"-Passagen einbauen. Eine solche Passage war auch heute wieder schön zu beobachten, z.B. bei dem Knüller "Saint Simon" aber auch bei "Gone for good", beides im übrigen Stücke von dem gelobten Vorgängeralbum "Chutes too narrow." Nach dem heutigen Abend ist mir aber klar geworden, daß auch das neue Album wieder Maßstäbe in Sachen perfekte Popsongs setzt.

Nicht nur die ersten drei Songs, das bereits zitierte "Sleepy lessons", "Australia" und "Phantom limb" waren nämlich toll, sondern auch "Girl sailor" und die wundervolle Country-Ballade "A comet appears".

Sehr schön und lobenswert auch, daß das sehr gute Debütalbum "Oh, inverted world"
nicht zu kurz kam und durch das Spielen von Hits wie "Caring is creepy" in das Gedächtnis des Publikums zurückgerufen wurden. Als die Lieder vom ersten Album liefen, war ich übrigens fast vorne an der Bühne angekommen, bevor mich eine regelrechte Mauer an dicht gedrängten Zuschauern daran hinderte, ganz zu Christoph durchzudringen. Wahrscheinlich war das aber gut so, denn in meinen Ohren klang der Sound noch in Reihe zehn sehr gut und dynamisch, während Leute die ganz dicht dranstanden, ja über einen gewissen Soundbrei klagten.

Nach den entspannten Gesichtern des fachkundig scheinenden Publikums zu urteilen, waren aber die allermeisten zu recht sehr zufrieden mit der Vorstellung der sympathisch-natürlichen Shins.

18 Lieder, Hits von allen drei Alben, eine wirklich nette Band, was kann man eigentlich noch mehr von einem Indie-Popkonzert erwarten?

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von Oliver


Mittwoch, 4. April 2007

The Shins, Köln, 03.04.07

2 Kommentare
Konzert: The Shins
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 03.04.2007
Zuschauer: knallvoll

Auf dem Weg zur Live Music Hall war mir irgendwie klar, daß ich heute mit der falschen Erwartungshaltung nach Köln gekommen war. Ich kenne die letzten beiden Alben der amerikanischen Band, habe ihnen aber bisher viel zu wenig Beachtung geschenkt. Viele andere haben das offenbar getan, denn schon um acht Uhr (der Einlaßzeit) waren rund um die Live Music Hall irre viele Leute unterwegs, die die Shins sehen wollten. Entsprechend schnell füllte sich die Halle, ungewohnt früh, wie mir schien.

Die Bühne war leider wieder großräumig mit Gittern abgesperrt. Ich hatte nicht unbedingt crowdsurfende Musiker oder Zuhörer erwartet, dieser Gitterkram erzeugt aber irgendwie eine sterile Palladium-Atmosphäre, die heute ganz besonders fehl am Platz war. Diese Absperrungen sind eine fiese Unsitte!

Um neun trat dann die Vorgruppe auf, Viva Voce aus Portland. Wenn bei myspace
statt Oregon Schweden gestanden hätte, wäre ich nicht überrascht gewesen, denn Sänger Kevin sah mit seiner mit Stirnband verzierten Mähne ein wenig nach Björn Borg aus. Das scheint aber auch nicht furchtbar weit hergeholt zu sein, denn sein Nachname lautet Robinson und seine Frau, die Gitarristin, heißt Anita!

Das Duo wirkt auf der Bühne schon sehr ungewöhnlich. Zentral auf der Bühne steht Kevins Schlagzeug, rechts neben ihm seine Frau. Kevin sieht sich aber wohl auch nicht als klassischen Schlagzeuger, denn schon beim Eröffnungsstück spielte er am Schlagzeug Gitarre und bediente nur sein Fußpedal.
Anita traf leider anfangs nicht alle Töne, später schien sie deutlich sicherer zu werden. Die Musik der beiden ist Indierock, der ab und an folkig klang, manchmal nach Blues. Ein, zwei Lieder gefielen mir richtig gut, alles in allem hat mich das Duo aber nicht touchiert (Oliver: habe es untergebracht). Ich glaube, mir fehlen vor allem die homogenen Melodien, auf mich wirkte die Musik oft unpassend abgehackt und durch zu viele Soli unterbrochen. Weniger Beweise dafür, daß die beiden ihre Instrumente beherrschen, hätten dem Programm gutgetan.

Nach erstaunlich langer Umbaupause (denn eigentlich mußte ja nur das Schlagzeug entsorgt werden), ging dann um zwanzig nach zehn das Hauptprogramm los. Erwartet hatte ich vier Musiker, die Shins traten aber zu fünft auf. Zum ersten Mal seit dem fabelhaften Konzert des Strokes Albert Hammond jr. habe ich wieder drei
Gitarristen und einen Bassisten gleichzeitig auf der Bühne erlebt. Das macht schon einiges her! Neben Sänger und (Überraschung: Gitarrist) James Russell Mercer gehören Martin Crandall (Keyboard, Gitarre und Bass), Dave Hernandez (Gitarre und Bass), Jesse Sandoval (Schlagzeug) und neuerdings Eric Johnson (Gitarre) zu den Shins. Die Band spielt wundervollen Indiepop, der für mich nach Snow Patrol in deutlich besser klingt. Live wirkt die Musik der Shins durch die Gitarrenlastigkeit einen Tick härter als auf Platte aber das macht sie natürlich nicht schlechter.

Das Konzert begann mit drei Liedern der aktuellen Platte "Wincing the night away", wechselte danach zwischen den drei Alben hin und her. Leider war da, wo ich stand, der Sound schrecklich dumpf. Schon beim ersten Stück klang der Bass nach einem startenden Flugzeug. Hinten muß es allerdings außerordentlich gut geklungen haben, denn als ich nach Ende des Auftritts das bemängelt habe, kamen nur ungläubige Blicke zurück. Das war der Preis dafür, etwas auf der Bühne zu erkennen, zum Beispiel die Auftritte der Viva Voce Sängerin Anita am Keyboard und als Hintergrundsängerin. Bei drei Liedern trat Mrs Robinson mit den Shins auf. Das tut sie wohl auch regelmäßig, denn auf der Homepage von Viva Voce wird von ihren Auftritten mit den Shins bei Conan O'Brien z.B. berichtet.

Leider war das reguläre Set nach einer Stunde vorbei, es folgten aber drei Zugaben, darunter eine Coverversion von "Someone I care about" von den Modern Lovers. Unabhängig vom (vorne links) schlechten Sound war der erste von zwei Auftritten der Shins in Deutschland hervorragend. Die Stimmung war durchgängig gut (es war diese Mitwipp- und Mitsing-Stimmung, kein Getanze und wildes Rumgeklatsche - aber das war ja nicht überraschend) und das Publikum sehr vertraut mit den Songs. Mein Liebling war auch live "Saint Simon" von "Chutes too narrow". Mich haben die Shins locker erobert. Ich habe mir fest vorgenommen, ihnen bis zum nächsten Auftritt hier deutlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen!

Setlist The Shins:

01: Sleeping lessons
02: Australia
03: Pam Berry -> Phantom limb
04: Kissing the lipless
05: Mine is not a high horse
06: Girl inform me
07: Girl on a wing
08: Saint Simon
09: Girl sailor
10: Turn a square
11: Gone for good
12: A comet appears
13: Turn on me
14: New slang
15: Know your onion!

16: Caring is creepy (Z)
17: Someone I care about (Z)
18: So says I (Z)

Mehr Fotos hier.



 

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