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Freitag, 14. April 2017

Bob Dylan, Düsseldorf, 13.04.2017

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Konzert: Bob Dylan
Ort: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
Datum: 13.04.2017
Dauer: 110min
Zuschauer: 5.500 (ausverkauft)


Am Tag vor dem Konzert hatte ich mir einen Blick in die "Eventim-Fankommentare" gegönnt, in denen Besucher der bisherigen Shows die üblichen Tiraden unters Volk streuten. "...das beste am Abend war die Currywurst", "..herausgeschmissenes Geld", "wir waren gekommen um den Folkmusiker der 70er zu hören"..und so weiter. 

Besonders der Vorwurf, ob man für so viel Geld so wenige Hits spielen darf, zeigt die Ignoranz und Selbstgefälligkeit dieser Leute, aber auch deren Blick auf die Kunst.

Wer natürlich nur Musicals gewohnt ist kann eigenständige, künstlerische Entscheidungen vielleicht schwer nachvollziehen, aber Musicals gewinnen ja auch keinen Literaturnobelpreis.

Abgesehen davon bitte ich vor einem Museumsbesuch ja auch nicht den Maler, mir die Bilder zu malen, die ich toll finde. Es ist wirklich erstaunlich, dass es noch Konzertgänger gibt, die auch nach fast 20 Jahren nicht mitbekommen haben wollen, das es nie wieder ein Best of.. Konzert von Bob Dylan geben wird. 

Gleich zu Beginn gibt es aber eine volle Ladung alter Hits. Allerdings nur auf dem Parkplatz vor dem Eingang, auf dem sich ein Lookalike an Coverversionen versucht. 

Punkt 20:00 Uhr verlöscht das Licht und gibt den Blick auf eine sehr schwach beleuchtete Bühne frei. Lediglich sieben riesige, alte Filmleuchten und einige Spots müssen reichen, Leinwände oder Licht von der Decke gibt es nicht.



Bob Dylan wird den ganzen Abend seinen schwarzen Flügel nur verlassen um in der Bühnenmitte als Chansonnier einige Cover zu interpretieren. 21 Songs werden zur Zeit jeden Abend aufgeführt, das Programm variiert nicht. 

Die Band spielt ohne Unterbrechung (wahrscheinlich damit es nicht zu peinlichen Zwischen-oder Buhrufen der Anwesenden kommt) und Dylan gibt das, was er in seinem Alter noch geben kann. 

Mundharmonika und Gitarre wird er an diesem Abend kein einziges Mal in die Hand nehmen. Einige Songs gelingen und klingen toll, das zur Eröffnung gespielte "Things have changed" und eine fast schon rockige Version von "Desolation Row", andere sind entbehrlich. Obwohl die Instrumentierung bei allen Songs gleich ist (akustische Einlagen gibt es ebenfalls nicht), ist die musikalische Bandbreite doch enorm. 

Aber man muss schon genau hinhören, um die Einschübe von Blues, Folk, Americana, Chanson und Rock wahrzunehmen. Allzu oft ist man darauf konzentriert die einzelnen Stücke erst einmal zu erkennen um sie dann in ihrer neuen Version würdigen zu können. 



Die strikten Vorgaben des Künstlers indes haben auch gute Seiten. Keiner traut sich das Handy als Fotoapparat zu missbrauchen, Mitklatschen und Aufstehen verbieten sich sowieso und lassen einen so den Konzertabend genießen wie schon lange nicht mehr. 

Nach einer kurzen Zugabenpause und dem am Ende etwas zerschossenen "Ballad of a thin man" ist dann mit einer kurzen Verbeugung der offizielle Teil beendet. 

Und wieder vergeht keine Sekunde im hellen Saallicht, ohne das ich sofort wieder von wildesten Kraftausdrücken umgeben bin. Dem Künstler wird nahegelegt "endlich zu sterben" oder direkt am Ausgang "das Eintrittsgeld persönlich wieder auszuzahlen". 

Weitere, noch schlimmere Ausdrücke kann ich hier wirklich nicht wiedergeben. Es bleibt zu vermuten, dass genau diese Leute sich umgehend auf den Weg zum nächsten Dylan-Konzert begeben, um wieder enttäuscht zu werden. 

Eine Hassliebe von ungeahntem Ausmaß. Zu gerne würde man in Dylans Kopf blicken und seine Gedanken lesen. Ein wahrer Künstler aber behält die Geheimnisse für sich, seine Aura und Unnahbarkeit (ob gespielt oder nicht) unterscheiden ihn ja gerade vom normalen Zuhörer. 

Das ist der Preis oder auch Fluch des kreativen Schaffens, den Dylan wie kein anderer lebender Künstler verinnerlicht hat. 


Dienstag, 26. November 2013

Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13

7 Kommentare

Konzert: Sigur Rós
Ort: Mitsubishi Electric Halle
Datum: 25.11.2013

Zuschauer: ca. 3.500

 

von Dirk aus Mönchengladbach

Ein weiterer Konzertbericht über Sigur Ros erscheint zunächst sinnlos. Anwesenden braucht man das Geschehene nicht noch mal schildern, Abwesenden ist das ganze sowieso nicht vermittelbar. Doch diesmal muss es noch einmal sein, denn Sigur Ros verbringen an diesem Abend wieder eines ihrer stetigen Wunder. Sie bescheren mir einen fantastischen Konzertabend, und dies ausgerechnet in der von mir verhassten alten Philipshalle. 

Das Konzert beginnt, die Band spielt, wie in den letzten Jahren fast immer, hinter einem halbtransparenten Riesenvorhang. Und vom ersten Ton an spürt man die Magie, die ich zwischen den Tourneen der Isländer immer wieder vergesse. Die Halle klingt so gut, wie ich es dort noch NIE erlebt habe, jedes Knarzen, jedes Atmen, Bläser, Streicher alles ist in einer Klarheit zu hören, die man von einem Konzert nicht erwarten kann. Und doch ist alles live. Während Portishead es schaffen, elektronische Musik manuell zu reproduzieren, wird bei Sigur Ros akustische Musik aus ihren Einzelteilen zu einem völlig neuen, großartigen Ganzen. 


Alles ist gewollt, notwendig und macht in seiner puren Spielfreude Sinn. Trotz der Perfektion wird hier munter von Abend zu Abend die Setlist verändert, sie als Best-Of zu bezeichnen wäre ein Witz. Gespielt wird, was die Band möchte und das spürt und hört man in jeder Sekunde. Das klassische Bandgefüge ist aufgehoben. Die drei Gründungsmitglieder stehen in einer Reihe von Bass, Gesang/Gitarre und Schlagzeug vorne am Bühnenrand. 

Der Bass ist wuchtig und wichtig in diesem Ensemble, denn er muss sich gegen den wechselweise als böser Wolf oder scheues Lamm aufspielenden Drummer stellen. Jonsi präsentiert sich diesmal wechselweise rot von unten angestrahlt als schreiender Dämon oder als Zirkusdirektor im Fantasie-Frack vor seiner vielköpfigen Band. 

Das Bühnenbild ist ein Traum, die Musik ein Rausch, es scheint für Sigur Ros auch nach über 10 Jahren nur einen Weg zu geben. Noch besser zu werden. 

Zu viele meiner Lieblingsbands scheiterten in dieser Halle, konnten den Sprung vom „kleinen“ Saal in die große Welt nicht stemmen. Die Isländer schaffen dies mit der schwersten Bürde (-getragene Songs, ohne echte Hits, gesungen in einer Phantasiesprache) in unglaublicher Leichtigkeit. 

Wie gut muss man sein, um diese Intensität auf jahrelangen Touren immer auf höchstem Niveau präsentieren zu können? 

Und so endet es wie immer, beseelt und pfeifend taucht man in die kalte Nacht ein, ohne Sorgen über gestern und morgen. 

“Kannst du vor deinen Augen 
Die Explosionen sehen? 
Ein Feuerwerk in der Nacht. 
Alles gehört dir 
Alles explodiert 
Kein Wille triumphiert” 
Tocotronic 

Setlist Sigur Rós, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf:

01. Yfirborð 
02. Vaka 
03. Brennisteinn 
04. Glósóli 
05. Stormur 
06. Hrafntinna 
07. Sæglópur 
08. Varúð 
09. Hoppípolla 
10. Rafstraumur 
11. Kveikur 
12. Festival 
13. Popplagið 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08



Freitag, 8. November 2013

The National, Düsseldorf, 05.11.13

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Konzert: The National
Ort: Mitsubishi Elctric Halle, Düsseldorf
Datum: 05.11.2013
Dauer: The National ca. 110 min, This Is The Kit ca. 40 min
Zuschauer: ca. 5.000



von Ursula von neulich als ich dachte

Warum sind in letzter Zeit so viele gute Konzerte in Düsseldorf? Und wieso ist auf dem für mich langen Weg dorthin eigentlich standardmäßig mit 10 Kilometern Stau zu rechnen? Anders als Woodkid letzten Donnerstag warteten The National in einer traditionellen (Pop-) Konzerthalle auf und hatten, wie man das kennt, eine Vorband dabei. Das nahm der Anfahrt zumindest einiges an Stress, dafür war mir auch bewusst, dass sich der Konzertabend auch entsprechend länger hinziehen würde - was eine kurze Nacht vor einem Arbeitstag bedeutete. 

All das nimmt man für eines der hierzulande seltenen Konzerte von The National aber natürlich gerne auf sich, und letztlich trafen wir dieses Mal sogar relativ pünktlich an der Mitsubishi Electric Halle ein. Als Vorband waren This Is The Kit aus Bristol angekündigt worden, deren Auftritt gegen 20 Uhr begann. Streng genommen handelt es sich bei der "Band" wohl um ein Soloprojekt der Sängerin Kate Stables, was wohl auch erklärt, warum zwar vier Personen die Bühne betraten, die Sängerin den ersten Song aber als Solistin am Banjo vortrug. Erst beim zweiten Song fielen nach und nach Gitarre und Bass mit ein, und erst ab dem dritten Lied bekam auch der Schlagzeuger endlich eine Aufgabe. 


This Is The Kit machen sehr ruhige, folkige Musik. Das hippiehafte Aussehen von Kate, die in geringelten Wollsocken auf der Bühne stand und einen selbstgestrickt wirkenden Pullover trug (selbst das Kabel ihres Banjo sah verdächtig wie eine Wollschnur aus) ließ mich denken, dass This Is The Knit eigentlich auch ein passender Name für das Musikprojekt wäre. Warum ich mich so mit Oberflächlichkeiten aufhalte? Weil ich mit der Musik eher wenig anfangen konnte, sie schien mir auch eher schlecht in eine derart große Halle zu passen. 

Ich kann noch beitragen, dass eines der vorgetragenen Lieder Earthquakes hieß, ein weiteres nannte sich Nits und abgeschlossen wurde das 40minütige Set mit Bashed Out. Wäre man nach dem Konzert zur Band am Merchandisestand gegangen, hätte man einen Downloadcode für eine Kollektion von drei Liedern (eines von jedem Album, wobei das letzte noch nicht erschienen ist) erhalten können. 

Nach zehn Songs und eher höflichem Applaus leerte sich die Bühne wieder. Unser Warten auf den Hauptact wurde recht bald mit einer Art Backstage-Video beendet, das auf einer LED-Wand hinter der Bühne zeigte, wie sich die Band hinter selbiger gerade versammelte und auf den Weg zum Auftritt machte. Später zeigte der Bildschirm teils Bilder von am Bühnenrand angebrachten Kameras, teils Visualisierungen zu den Songs - etwa goldene Regentropfen zu England oder rote "Blutflecken" zu Bloodbuzz Ohio

Die Herren aus Ohio (mittlerweile eigentlich Brooklyn) trugen allesamt dunkle Anzüge und betraten die Bühne zu siebt (fünf Bandmitglieder plus zwei Bläser). Los ging es mit I Should Live In Salt und Don't Swallow The Cap vom aktuellen Album Trouble Will Find Me, das vor allem das erste Konzertdrittel prägte und von dem insgesamt zehn Titel gespielt wurden. Etwas später wurde das ebenfalls neue Demons der Vorband gewidmet, von der The National nach eigenem Bekunden Fans sind - wobei Matt Berninger einräumte, der Titel des Songs passe thematisch vielleicht nicht so gut. Noch später versemmelte er den Gesangseinsatz bei Heavenfaced und erklärte hinterher, das sei sein Lieblingslied von Trouble Will Find Me, und ausgerechnet das habe er verkackt. 

Berninger wirkte auf mich aufgeräumter als bei früheren Auftritten (ich hatte die Band in der Vergangenheit zweimal in Haldern gesehen, aber noch nie in einem Einzelkonzert). Bei den früheren Konzerten hatte ich stets den Eindruck gehabt, der Sänger sei in einem ungesunden Maß gestört oder auch medikamentenbeeinflusst: Er kletterte geistesabwesend am Bühenrand herum oder flippte völlig - und nicht gesund wirkend - zu den Songs aus. Am Dienstag lief das alles etwas ruhiger ab, dafür gab es zwischendurch immer mal wieder einen großen Schluck aus der Weißweinflasche. 

Dennoch tigerte Berninger auch bei diesem Konzert zeitweise unruhig auf und ab, schlug auf das Mikrofon oder das Mikrofon gegen den eigenen Kopf, stieg von der Bühne hinab und lief im Fotografengraben auf und ab. Immer wieder, zum Beispiel in Squalor Victoria, gab es emotionale Schreiausbrüche und bei Graceless sorgte eine solche Eruption dazu, dass Berninger das Mikrofon auf den Boden schmiss und demolierte. Auf The Nationals Facebookseite gibt es ein Foto einer amüsanten Liste, auf der die Crew offenbar abhakt, ob Berninger beim Konzert a) von der Bühne gefallen ist, b) ein Mikrofon zerstört hat oder c) den Mikrofonständer. Zumindest ein weiteres Mikrofon konnte man sicher nach dem Dienstagskonzert durchstreichen ... 


Abgesehen vom Sänger besteht die Stammbesetzung von The National bekanntlich aus zwei Brüderpaaren, darunter die Zwillinge Aaron und Bryce Dessner. Am Dienstag nahmen die Dessners mit ihren Gitarren jeweils die vorderen Ecken der Bühne ein. Der, den wir als Bryce identifizierten, wechselte für Squalor Victoria und Fake Empire nach hinten rechts ans Klavier, während sein Bruder ihn so lange vorne links an der Gitarre vertrat. Gerade als ich glaubte, verstanden zu haben, dass offenbar nur Bryce Klavier spielen kann, nahm aber auch sein Bruder für einen anderen Song daran Platz. Offenbar können die Dessner-Brüder also musikalisch genau dasselbe. 

Interessant war auch, dass Bryce zu I Need My Girl zusätzlich zu seiner eigenen eine zweite Gitarre in die Hand nahm, die er dazu benutzte, Rückkoppelungen zu erzeugen. Dass er sein Instrument zu anderen Gelegenheiten mit einem Geigenbogen bearbeitete, gehört unter Indiebands ja mittlerweile schon fast zum Standardrepertoire. 

In der zweiten Konzerthälfte wurden mehr ältere Songs gespielt, etwa Cardinal Song vom zweiten Album Sad Songs For Dirty Lovers und Daughters Of The Soho Riots von Alligator. Mit dem Evergreen Fake Empire (von Boxer), zu dem ich leider publikumsseitig das möglicherweise arhythmischste Mitklatschen meines Lebens ertragen musste, endete der Hauptteil. Die Band kehrte schon bald zurück, überraschenderweise mit einer Coverversion: Learning von Perfume Genius. Nach dem wiederum neuen Humiliation folgte eine erwartungsgemäß internsiv vorgetragene Version von Mr. November - der Song ist einfach gut geeignet, dazu auszuflippen, und Matt Berninger kam diesem Auftrag nach, indem er letztendlich im vor der Bühne landete. 

Das wäre eigentlich ein recht passender Abschluss gewesen, aber zu meiner (angenehmen) Überraschung - es hat eben auch etwas durchaus Reizvolles, wenn man die Setliste vor dem Auftritt nicht in- und auswendig kann - folgten anschließend noch Terrible Love und, als Rückkehr zum aktuellen Album, Pink Rabbits. Bei letzterem kamen die Bläser, die sich bis dahin im hintersten Teil der Bühne aufgehalten hatten, nach vorne und sangen auch mit. 

Nach den Konzertbesuchen in den letzten Tagen bei Woodkid und den Editors empfand ich es als angenehme Abwechslung, einen Bandauftritt zu erleben, dessen Ablauf nicht ganz und gar durchgeplant zu sein schien. Ein wenig zu sehr herrschten die langsamen Songs vor, was sicher hauptsächlich damit zu tun hat, dass Trouble Will Find Me auch ein recht ruhiges Album ist. Kracher wie Abel wurden leider ausgespart. Auf Facebook behauptete jemand, die Band sei vom vorangegangenen - und wohl lebhafteren - Auftritt in Berlin noch völlig verkatert gewesen, was natürlich möglich ist. Mir gefiel das Konzert dennoch sehr gut. 

Setlist The National, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf: 

01: I Should Live In Salt 
02: Don't Swallow The Cap 
03: Mistaken For Strangers 
04: Sorrow 
05: Demons 
06: Sea of Love 
07: Heavenfaced 
08: Afraid of Everyone 
09: Conversation 16 
10: Squalor Victoria 
11: I need my girl 
12: This is the last time 
13: Cardinal Song 
14: Bloodbuzz Ohio 
15: Apartment Story 
16: Daughters Of The Soho Riots 
17: England 
18: Graceless 
19: Fake Empire 

20: Learning (Perfume Genius Cover) (Z) 
21: Humiliation (Z) 
22: Mr. November (Z) 
23: Terrible Love (Z) 
24: Pink Rabbits (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv: 
- The National, Esch-sur-Alzette, 06.11.13
- The National, Zagreb, 02.07.13 
- The National, Paris, 25.06.13
- The National, Camber Sands, 09.12.12
- The National, Barcelona, 27.05.11
- The National, Eindhoven, 18.02.11
- The National, Paris, 23.11.10
- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07
- This Is The Kit, Stuttgart, 27.07.13
- This Is The Kit, Reutlingen, 26.07.13
- This Is The Kit, Paris, 28.09.11
- This Is The Kit, Paris, 17.09.11
- This Is The Kit, Paris, 21.04.11
- This Is The Kit, Paris, 06.02.11
- This Is The Kit, Paris, 27.03.10
- This Is The Kit, Paris, 03.12.09
- This Is The Kit, Paris, 09.06.09
- This Is The Kit, Paris, 11.03.09
- This Is The Kit, Paris, 06.03.09
- This Is The Kit, Paris, 26.03.08
- This Is The Kit, Paris, 01.02.08

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht



 


Dienstag, 30. November 2010

Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10

16 Kommentare


Konzert: Arcade Fire
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 29.11.2010
Zuschauer: 5.000 (?)
Dauer: Arcade Fire 95 min, Fucked Up unerträgliche 30 min


Ausgerechnet heute brach der Winter in Westdeutschland ein. Viel zu viel Schnee auf den Straßen, jede Vernunft sprach gegen eine Fahrt nach Düsseldorf, bloß um ein Konzert zu sehen. Allerdings sind Arcade Fire seltener als Schneetage, und dann ist es um die Vernunft eben schnell geschehen.

Ich hatte mich lange nicht mehr so sehr auf ein Konzert gefreut, vor allem seit ich in den letzten Tagen nach viel zu langer Zeit wieder einmal die beiden ersten Platten der Kanadier gehört hatte, die ohne Zweifel zu den großen Meisterwerken unserer Generation gehören. 2005 hatte ich das große Glück, die Band im Gebäude 9 in Köln zu sehen, gerade als ihr Stern in Europa kräftig aufging. Sehr sicher war der wilde Auftritt eines der besten Konzerte meines Lebens. Im Gegensatz zu vielen anderen Musiksternen verglühten Régine & Win und ihre Kollegen aber nicht sofort wieder. Auch wenn das aktuelle Album der Band nur das drittbeste ist, sind Arcade Fire gut und relevant wie vor fünf Jahren.

Trotzdem fragte ich mich in der Umbaupause nach der scheußlichen Vorgruppe Fucked Up (sicherlich nur zugezogene Kanadier), ob der Abend nicht vielleicht doch enttäuschend werden könnte. Vieles des eben Beschriebenen gilt ja schließlich auch
für Interpol, und die hatten mich vor einer Woche leider gar nicht vom Hocker gerissen.

Um 21.20 Uhr waren diese Zweifel weg, und zwar restlos! Denn in der Zwischenzeit hatten Arcade Fire Ready to start, Keep the car running,
Laïka und No cars go gespielt, vier sagenhafte Kracher, wie sie nur wenige Bands am Anfang eines Konzerts verbraten können. Klotzen statt Kleckern also...

Arcade Fire traten zu acht auf, also das Ehepaar Régine & Win, Wins Bruder Will Butler, Richard Parry, Tim Kingsbury, Geigerin Sarah Neufeld, Schlagzeuger Jeremy Gara und ein zweiter Geiger (denke ich). Die Band begeistert mich seit jeher durch die reibungslosen Positionswechsel zwischen den Stücken. Es gibt Gruppen, bei denen es zur Show gehört, ab und zu die Instrumente zu wechseln, bei den Kanadiern wirkt das alles vollkommen sinnvoll und stimmig. Es begann noch relativ harmlos mit zwei Gitarren, zwei Keyboardern, Bass, Geige und Schlagzeug. Nur Régine Chassagne fiel aus der Reihe, weil sie an einem zweiten Trommelset saß. Nach Ready to start eilten nicht ein sondern drei Helfer mit gestimmten Instrumenten auf die Bühne. Es war eine perfekte Logistik im Hintergrund, die die komplizierten Umarrangements möglich machte, man merkte
keine Hänger zwischen den Stücken, obwohl die Aufstellung nie die gleiche wie beim abgelaufenen Lied war. Kanada ist eben eine Eishockey-Nation und fliegende Wechsel gewohnt.

Beim zweiten Lied (Keep the car running) spielte Régine Drehleier, Win Laute (glaube ich), dazu gab es zwei Geigen. Laïka benötigte drei Trommler, zwei Geiger und Akkordeon, wäre das Konzert langweilig gewesen, alleine das Zusehen der Wechselspiele hätte den Abend gerettet.

Aber es war so weit von langweilig wie Fucked Up von gut entfernt.
Laïka bereitete mir die ersten hochstehenden Nackenhaare. Natürlich ist das Stück ein riesiger Hit, wie sehr es mich aber heute beeindruckte, überraschte mich doch sehr. So sehr hauen mich nur ganz selten Lieder bei Konzerten um! Danach hätte ich guten Gewissens fahren können.

Nach No cars go wurde es ruhiger. Zunächst folgten die beiden von Régine
gesungenen Stücke Haïti und Sprawl II (mountains beyond mountains). Haïti mochte ich schon immer und es war heute live, auch und vor allem vor dem Hintergrund der schrecklichen Tragödien, die dieses Land beuteln, ganz besonders. Mit dem 80er Jahre Song Sprawl II... geht es mir anders. Auf Platte mag ich den nicht sonderlich. Live war Mountains beyond mountains zwar eine Ecke besser, neben Rococo gehörte er aber zu den schwächsten Stücken im Set. Gut, daß beide nacheinander kamen, danach deutete sich nämlich bereits langsam das sagenhafte Ende des Abends an.

Spätestens mit
Month of May wurde es wieder grandios. Das anschließende Tunnels gehörte wieder zu den besten Liedern, die ich jemals live gesehen habe. Allerdings gefiel mir von den Stücken der Debüt-Platte Funeral plötzlich Power out am besten. Eigentlich steht das bei mir immer ein wenig im Schatten der Überhits, heute gab es zwar viele Songs, die lange Schatten warfen, da mochte sich aber keiner der anderen reinstellen. Power out ging in Rebellion (lies) über, das nach 80 Minuten das eigentliche Konzert beendete. Mit einem Paukenschlag, wie Parajournalisten wie wir gerne schreiben. Es war zwar keine Pauke sondern eine kleine Trommel, das machte den wilden Sprung von Will Butler von der Bühne ins Publikum, um da wild auf sein Instrument einzuschlagen, nicht weniger spektakulär. Das ist trotz all der Erfolge, trotz der riesigen Hallen noch der gleiche Spaß an der Musik wie am Anfang, als sie Helme (mit Köpfen drin) als Trommeln benutzt haben.

Auch Zugaben hätte ich eigentlich nicht mehr gebraucht. Wie sollte es denn noch besser werden?

Gut, ob nun besser oder nicht, es blieb jedenfalls so grandios. Intervention und Wake up als Zugaben endeten den Abend so hervorragend, wie er begonnen hatte.
Überragend! Chris Martin, der nicht nur bei Frauen einen blendenden Geschmack hat brachte das richtig auf den Punkt: "The best bands in the world today are probably Arcade Fire and Sigur Rós."

Ein grandioses Konzert, sehr sicher das beste des Jahres, mit einer blendenden Band, die ihr Publikum
an die Wand spielt.Was soll man da noch besser machen?!

Eine einzige kleine Panne fiel mir auf, und die war, wie das in solchen Fällen üblich ist, sehr charmant. Cold wind, die Single, die auf keiner Platte ist, hatten Arcade Fire (The Arcade Fire laut Win) eine Weile nicht gespielt. Die fehlende Routine zeigte sich darin, daß einer der Musiker plötzlich hektisch nach hinten lief und sich das Akkordeon schnappte, ihm war wohl entgangen, wo genau er jetzt zu spielen hatte. Den Einsatz schaffte er, die leichte Panik vorher war toll!

Und nach diesem herausragenden Konzert wurde mir auch plötzlich die Funktion der Vorgruppe bewußt. Eigentlich helfen miese Supportbands der Hauptgruppe dadurch, daß etwas Gutes im Vergleich zu Mist noch deutlich strahlender wird (das psychologische Kontrastprinzip). Allerdings haben Arcade Fire so etwas nicht nötig. Der schreckliche Schreihals der kanadischen Vorgruppe sollte
uns vielmehr vorher schon bremsen, damit wir nicht zu euphorisch die Halle verlassen würden. Das war Fürsorge und machte auf einmal komplett Sinn!

Win Butler sagte irgendwann am Ende: "thank you for being so amazing!" Er sprach mir aus der Seele.*


Setlist Arcade Fire, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: Neighborhood #2 (Laïka)
04: No cars go
05: Haïti
06: Sprawl II (mountains beyond mountains)
07: Rococo
08: Cold wind
09: Deep blue
10: The suburbs
11: Month of May
12: Neighborhood #1 (Tunnels)
13: We used to wait
14: Neighborhood #3 (Power out)
15: Rebellion (Lies)

16: Intervention (Z)
17: Wake up (Z)

Links:

- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07


Leider keine eigenen Fotos! Die Hauptabteilungsleiterin "Tür 3" verwies darauf, daß "da steht", daß meine Kompaktkamera nicht reindürfe. Die verwendeten Bilder stammen aus Olivers Archiv vom Konzert in Paris im Juli.


* zwei richtige Ärgernisse gab es aber doch noch. Zum einen ist vollkommen unverständlich, warum nach dem Konzert solch ein Chaos auf den Parkplätzen rund um die Halle herrscht. Eine Stunde vom Parkplatz auf die Straße ist ärgerlich. Die Parkwächter, die vorher Gebühren kassieren, sollten vielleicht auch hinterher dafür eingesetzt werden, für einen zügigen Abfluß zu sorgen. Wir hatten nur eine gute Stunde Rückfahrt nachts vor uns. Aber auf den Parkplätzen standen auch viele, die von deutlich weiter weg angereist waren.

Das zweite Ärgernis tat mir in der Seele weh. Ganz vorne hatten Eltern ein kleines Mädchen mitgenommen, das den infernalischen Krach der Vorgruppe vermutlich ohne Ohrenschutz ertragen musste. Später hatte es dann etwas im Ohr, wirkte aber alles andere als glücklich. Das mag unglaublich spießig klingen, aber für ein zwei- oder dreijähriges Kind ohne Ohrenschoner gibt es sicher bessere Orte als wahnsinnig laute Konzertsäle. Süß war, daß Régine der Kleinen nach dem Konzert ein Instrument schenkte (eine Triangel?). Haben die Eltern noch ein schönes Souvenir.




Dienstag, 16. November 2010

Amy MacDonald, Düsseldorf, 15.11.10

2 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 15.11.2010
Zuschauer: so gut wie ausverkauft (5.000?)
Dauer: gut 90 min


Ein guilty pleasure... Amy MacDonald passt nicht mehr in unser Konzerttagebuch, sie ist dem vor
Jahren entwachsen. Obwohl sie sich musikalisch immer weiter entfernt hat, verfolge ich ihre Karriere interessiert und freue mich, wie erfolgreich die junge Schottin ist, wie sie immer mehr zum Superstar wird, dabei aber bescheiden und immer noch musikbegeistert wirkt.

Seit ich zufällig Amys erstes Deutschlandkonzert im Vorprogramm von Paul Weller gesehen habe, und mich ihre tiefe Stimme und die sehr rohen akustischen Lieder begeistert hatten, folgte einige Konzerte, zwei Platten, verschiedene Haarfarben und ein musikalischer Stilwechsel zu immer radio- und dann fernsehtauglicheren Arrangements. Eine Weile hatte ich großen Spaß daran, Leuten, die nur Amys Platten kannten, frühe WDR Aufnahmen vorzuspielen und die entsetzten
Gesichter zu genießen, weil diese Popsängerin plötzlich viel tiefer und grober klang. Tief und roh verkaufen aber keine Platten, also wurde alles weicher, die Konzerte popiger und massentauglicher. Vollkommen legitim, aber auch eben schade, wenn die viel bessere Seite der Künstlerin nicht von diesen Massen als besser erkannt wird.

Das Ergebnis ist, daß mein Interesse an ihrer Musik immer kleiner wurde. Allerdings schadet es ja auch nicht, ab und zu mal wieder zu gucken, wie es denn jetzt so ist...

Düsseldorf bot solch eine Gelegenheit. Leider verdränge ich immer wieder, wie schrecklich die Anfahrt zur Philipshalle ist. Auch wenn ich ihn nur sehr bedingt mag, wollte ich rechtzeitig zu Guillemots Sänger Fyfe Dangerfield da sein. Im Prinzip war ich pünktlich um acht vor der Halle - mehrfach. Allerdings
dauerte die Parkplatzsuche dann noch einmal fast eine Stunde; und wir gingen durch die Saaltür, als Amy MacDonald die Bühne betrat.

Mittlerweile gibt es hinter der Sängerin Videoleinwände und fünf Begleitmusiker. Wir standen zu weit weg, um die genauer zu sehen, sie schienen mir aber wenigstens zum Teil neu zu sein. Nicht geändert hatte sich aber die Tendenz, daß diese Extramusiker eine deutlichere Rolle im Arrangement der Songs spielen. Natürlich dominieren weiter Amys akustische Gitarren, ein breiter Mantel aus anderen Instrumenten ist aber allgegenwärtig. Und das mag ich nicht. Am schlimmsten war diesmal das Saloon-
Klavier in vielen Liedern. Puh... Auch die Dire Straits Gitarren wären besser in der Versenkung geblieben. Aber offenbar gefällt genau das der Zielgruppe, denn ansonsten wären nicht 5.000 Zuschauer da gewesen.

Je mehr die Sängerin aus Glasgow im (alleinigen) Mittelpunkt stand, desto besser der Abend. Diese Momente waren allerdings vor allem auf die Ansagen beschränkt. Und da merkte man der Schottin an, daß sie sich sehr viel Bodenständigkeit bewahrt hat. Sie erzählte Geschichte über Geschichte, sprach von der ersten Tour mit Paul Weller, von der gemeinsamen Arbeit mit dem alten Meister im Studio und log dann, ihr Gitarrist sei besser. Das war alles sehr unterhaltsam, und ihr schottischer Akzent ist ja ohnehin jeden Satz wert, den sie spricht.

Das eine wirklich ruhig vorgetragene Lied war dann auch mein Liebling, es stammte allerdings nicht aus
Amys Hand. Statt wie zuletzt Dancing in the dark coverte Amy MacDonald heute Born to run von Bruce Springsteen als Zugabe. Sie alleine mit Gitarre - das steht ihr mit Abstand am besten - aber das hatte ich wohl schon erwähnt.

Br. Brightside von den Killers war nicht mehr im Programm, dafür enorm viele Lieder von beiden Platten, es war also, wenn man das alles so mag, wie es gespielt wird, ein perfektes Konzert. Daher bin ich sicher, daß der Abend für fast alle der Besucher ein perfektes Konzerterlebnis bot. Außer vielleicht für die Männer, die wider Willen ihre Frauen begleiten mussten. Aber für die gab es ja immerhin Dire Straits Gitarren...

Setlist Amy MacDonald, Philipshalle, Düsseldorf:

01: An ordinary life
02: Poison Prince
03: LA
04: Youth of today
05: Love love
06: Mr. Rock & Roll
07: Footballer's wife
08: Spark
09: This pretty face
10: Don't tell me that it's over
11: Troubled soul
12: Give it all up
13: Next big thing
14: No roots
15: Run
16: This is the life
17: What happiness means to me

18: Born to run (Bruce Springsteen Cover) (Z)
19: Let's start a band (Z)

Links:

Amy MacDonald, Bonn, 04.09.09
Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09
Amy MacDonald, Köln, 22.10.08
Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07
Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07

(die Fotos stammen von verschienenen alten Konzerten)





Donnerstag, 22. Oktober 2009

Maximo Park, Düsseldorf, 22.10.09

5 Kommentare

Konzert: Maximo Park (& Blood Red Shoes)
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 22.10.2009
Zuschauer: vielleicht 3.500
Dauer: Maximo Park 75 min, Blood Red Shoes 30 min


Maximo Park mit Vorgruppe Blood Red Shoes, das hatten wir doch schon einmal. 2007 begleitete das Brightoner Duo die Band um Paule Smith bei ihrer Deutschland-Tour. Damals hatten Laura-Mary Carter und Steven Ansell das Palladium-Publikum, das sie mehrheitlich nicht kannte, ordentlich begeistert. Mich auch, das hatten sie aber auch vorher und nachher einige Male getan, zuletzt bei einem fabelhaften Festival in Nijmegen im Sommer, wo die beiden einige neue Lieder vorgestellt hatten. Ich war also nicht furchtbar enttäuscht, als vor ein paar Wochen verkündet wurde, daß der ursprünglich geplante Support, die Friendly Fires, abgesagt hatte und durch die Blood Red Shoes ersetzt wurde.

Seit 2007 sind die Hallen noch etwas größer geworden, allerdings ohne Erfolg. Schon das Parken rund um die Philipshalle - eine eigentlich unmögliche Aufgabe - war vollkommen unproblematisch. Drinnen hatte man kosmetische Korrekturen vorgenommen; die Oberränge waren mit dunklen, viele der unteren Tribünen durch helle Vorhänge verdeckt. Im ebenfalls verkleinerten Innenraum war noch viel Platz, als die Blood Red Shoes um acht begannen. Ist das Krise, ein sich ändernder Musikgeschmack oder schlechtes Timing, so lange nach der aktuellen Maximo Park Platte? Ich weiß es nicht, blendete den Frust darüber aber aus, weil ich mich auf das ein oder andere neue Blood Red Shoes Lied freute.

"Wir wollen euch nicht schon wieder die Lieder vorspielen, die ihr schon so oft gehört habt, daher spielen wir nur neue Sachen", bediente Schlagzeuger Steven meine Vorfreude! Das klang vielversprechend - zurecht!

Ich erkannte leider nicht alles wieder. Aber einige der Lieder hatten Steven und Laura-Mary (die erst motzig wirkte - es wurde aber besser) bereits in Nijmegen vorgestellt; mir gefielen sie ohne Ausnahme! Ganz besondere Knüller waren Count me out und das dritte Lied, dessen Namen ich nicht weiß. Diese zweite Platte wird ganz sicher ein Blindkauf werden, die neuen Stücke sind zu gut, um das Album nicht zu kaufen!

Am Ende der halben Stunde kam dann doch mit
I wish I was someone better noch ein alter Hit. Die Blood Red Shoes hatten ihren Job mehr als erfüllt und auch mir wieder extrem viel Spaß gemacht. Eine großartige Band!

Setlist Blood Red Shoes, Philipshalle, Düsseldorf:

01: It's happening again (neu)
02: Count me out (neu)
03: Light it up (neu)
04: Keeping it close (neu)
05: Colours Fade (hieß mal Fade to grey) (neu)
06: Don't ask (neu)
07: I wish I was someone better


Bis zu Maximo Park hatte es sich etwas mehr gefüllt. Wie es dann war, folgt sofort!


Setlist Maximo Park, Philipshalle, Düsseldorf:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: Russian literature
05: Signal and sign
06: Questing, not coasting
07: Roller disco dreams
08: Karaoke plays
09: A cloud of mystery
10: The kids are sick again
11: That beating heart
12: Going missing (akustisch)
13: I haven't seen her in ages
14: The unshockable
15: Let's get clinical
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Acrobat (Z)
21: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.09
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Blood Red Shoes, Nijmegen, 19.07.09
- Blood Red Shoes, Köln, 04.11.08
- Blood Red Shoes, Highfield, 17.08.08
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07
- Interview mit den Blood Red Shoes




Sonntag, 8. Februar 2009

Oasis, Düsseldorf, 04.02.09

3 Kommentare

Konzert: Oasis
Ort: Philipshalle Düsseldorf
Datum: 04.02.2009

Zuschauer: ausverkauft


Es gibt Bands, da verwischt blinde Begeisterung jede objektive Sichtweise auf das musikalische Schaffen. Sonic Youth sind so eine Band, Oasis eine andere. Sie können tun und lassen was sie wollen, einen Kern grandioses finde ich immer.

Im Fall von Oasis, und um die geht’s hier, sind es in der Phase der schwächeren Alben „Standing on the shoulder of Giants“ and „Heathen chemistry“ mit Peinlichkeiten wie Little James oder Hindu times kleine all-time-favourites wie Songbird oder She is love. Seinerzeit musste man Befürchtungen haben, dass die große Oasis Ära vorbei ist, dass Hallen wie die Philipshalle eine Nummer zu groß sind.

Nun ja, mittlerweile sind Oasis wieder für alle gut, die Philipshalle folglich rasch ausverkauft. (Das galt für den ersten angesetzten Termin, gestern gab es wohl noch 10 Restkarten).

Auch ich hatte mir zügig eine Karte gesichert, um dann, nach der Absage des Januartermins, vor einem kleinen Dilemma zu stehen. Ausgerechnet der 4. Februar. Spielen dann nicht auch Travis? Habe ich nicht auch für die Live Music Hall eine Karte? Keine Frage, Oasis lasse ich nicht sausen. Also schnell noch die Travis Karte verkaufen. Trugschluss. Weder über lastfm, noch über Fansale wurde ich das Ticket los. Auch hanebüchene Offerten von Auge-zu-Auge (10 Euro) brachten keinen Verkaufserfolg. Selbst als ich gestern die Karte verschenken wollte, keine Chance. „Ach, alleine hab ich keine Lust“, „ich muss zum Tanzkurs“ oder „wir haben heute Spieleabend“. Nee, ist klar! Musikignoranten!

Wer Oasis zum ersten Mal live sieht, ist vielleicht enttäuscht. Der Begriff „unspektakulär“ ist für ihre Bühnenshow noch übertrieben. Es passiert nichts.

Noel Gallagher gehört die rechte Bühnenhälfte. Der ältere der Gallagher-Bros verlässt den 2 Meter Raum um sein Mikro ebenso wenig wie Gem Archer und Andy Bell ihre Plätze am linken Bühnenrand. Vor den Boxen dudeln sie ihre Parts runter, als ob sie mit dem Ganzen nur bedingt etwas zu tun haben. Einzig Liam, der alte Rocker, verspürt einen Hauch von Bewegungsdrang, er läuft zwischen Schlagzeug und Mikro hin und her. Zwischendurch immer mal wieder Lad-Posen (die erwartet man, also bekommt man sie auch), und ein bisschen Schellenkranzgefurchtel. Das muss reichen.

Es hat sich nichts geändert bei Oasis. So war es schon immer, so wird es wahrscheinlich immer bleiben.

Mehr als bei anderen Bands ist es am Publikum, für ein gutes Konzert zu sorgen. Lässt sich die Meute von der Trägheit der Band anstecken, lässt sich wiederum die Band davon anstecken und es wird ein gruseliger Abend.

Akzeptiert das Publikum das arrogant und desinteressiert wirkende Gehabe der vier und feiert fröhlich ab, wird es ein guter Abend. Und wenn dann noch eine ausgeglichene Grundstimmung bei Noel und Liam vorhanden ist, wird es ein sehr guter Abend.

Gestern schien den beiden nichts quer gekommen zu sein. Auch die kleineren Soundprobleme bei Liam, die er nach seiner ersten Rückkehr zu Songbird augenscheinlich hatte, konnten ihn nicht aus der Bahn werfen. Ein durchaus gutes Zeichen. Ich habe schon erlebt, dass Liam wegen einer solchen Kleinigkeit komplett die Lust verliert, das jedem ungefragt mitteilt und der Abend gelaufen ist.

Aber gestern: zwei Gespräche nach Songbird und Slide away mit dem Tonmann am rechten Bühnenrand, Daumen hoch nach Morning Glory und alles war in bester Ordnung.

Die Zeiten scheinen sich zu ändern.

Was sich allerdings nicht ändert, sind große Teile der Setlist. Einige Sequenzen spielen Oasis bereits seit Jahren. So gibt es den Eröffnungsdreier des gestrigen Abends schon seit der „Standing of…“ Tour. Und überhaupt scheinen Oasis für diese Tour nur eine einzige Setlist parat zu haben. Gestern war wie Berlin, Berlin wie Dresden und Dresden wie Göteborg und Oslo. Wird das nicht auf Dauer dröge, Jungs?

Irgendwo habe ich gelesen, dass Liam keinen Bock drauf hat, viele Texte bzw. Songs einzuüben, so dass man bei Auftritten lieber auf bekanntes Material zurückgreift. So gab es vom neuen Album fünf Songs, das Hauptgerüst bildeten aber Stücke der ersten beiden Alben „Definitely maybe“ und „What’s the story…“

Von den großen Brechern fehlte einzig Live forever. Songs der „Be here now“ und „Standing on the shoulders…“ Alben wurden gänzlich unberücksichtigt gelassen (vom Fuckin’ in the Bushes Intro mal abgesehen).

Das Intro sowie Rock’n’Roll Star und Lyla gehen komplett an mir vorbei. Die Security hatte sich nämlich just mit Konzertbeginn dazu entschieden, noch einige Dutzend Leute mehr in den vorderen Bühnenbereich zu lassen. So war ich bemüht, dazuzugehören, und das Bühnengeschehen geriet kurzzeitig ins Abseits. Bei Shock of a lightning war ich drin, und voller Freude dem engen treiben an den Absperrgittern entkommen zu sein.

Das war auch mein eigentlicher Plan für diesen Abend, eines der begehrten Bändchen für den vordersten bereich zu erhaschen. Doch als ich um kurz nach sieben in die Philipshalle kam, war schon nichts mehr zu machen. Alle Kapazitäten erschöpft. Dabei war vor der Bühne augenscheinlich noch Platz für ca. 100 Leute, ohne das größere Verletzungsgefahren zu befürchten wären. Doch die Sicherheitsleute blieben hart. Nein, keiner kommt mehr rein, und nein, bitte nicht die Jacke über die Absperrgitter legen.

Um kurz nach 21 Uhr war dies alles Geschichte. Jetzt konnte der Abend so richtig beginnen.

Die Massen war bereits aus dem Häuschen. Kein Wunder, wer Rock’n’Roll Star als zweiten Song spielt, der kann nur gewinnen.

Nach dem ersten Noel Solopart mit Waiting for the rapture und The Masterplan kam Gallagher Zwo zu Songbird zurück auf die Bühne. Songbird, Slide away und Morning glory gehörtem dem Vorzeige- Lad. Cool Britannia! Liam ist einzigartig, wenn er in leicht gekrümmter Körperhaltung in sein Mikrofon grölt. Oder wenn er in längeren Gitarrenparts ein zwei Schritte an den Bühnenrand stolziert, die Hände in die Manteltaschen packt und seine Körpersprache vor Arroganz und Provokation nur so trieft. So steht er dann da, sekundenlang, ohne Bewegung. Ach ist das lustig!!!

Wonderwall, dass Liam so schnell singt, dass Noel kaum mit dem Gitarrenspiel hinterherkommt, und Supersonic bilden den Abschluss des Sets.

Der erste Zugabeteil gehört Noel. Das obligatorische Don’t look back in anger (den Song find‘ ich wunderbar, aber auch stark überbewertet) mit vollständigem Philipshallenchor, grandios. Falling down, nicht weniger schlecht.

Die Rückkehr des Liam dritter Teil zu Champagne Supernova und I am the Walrus bildet den Abschluss des Konzerts. Irgendwas von den Beatles muss sein. Und wenn live das John Lennon Sample schon nicht stattfindet, dann zumindest der Beatles- Song. Ich glaube, I am the Walrus gehörte schon immer zur Setlist.

Noch ein Wort zu Andy Bell. Jedes Mal, wenn ich ihn Bass spielen sehen muss ich mit einem großen Stück Wehmut an Ride denken. Was war das doch für eine großartige Band. Können die nicht mal wieder was zusammen machen? Aber das bleibt wohl ein Traum, denn zu groß scheinen die Spannungen zwischen Andy Bell und Mark Gardener zu sein. Und dann fallen mir die nicht minder schlechten Hurricane #1 ein. Was für ein Schreibertalent sich doch in der zweiten Oasis- Reihe rumtreibt.

So wurde es ein perfekter Abend mit dem besten Oasiskonzert, das ich gesehen habe. Und erlebt habe ich einige in den letzten 14 Jahren.

Ach ja, und wie waren Travis? Diese Frage stelle ich mir eher, als mich mit der Vorband zu beschäftigen. Everlaunch nennt sie sich. Wer sie engagiert hat, ich weiß es nicht. Wir sind uns aber darüber einig, dass sie vollkommen fehl am Platz waren. Die Philipshalle machte auch keinen Hehl daraus, und ließ sie gnadenlos auflaufen. Naja, nach knappen 35 Endlosminuten war der Everdingens-Drops auch gelutscht. Er schmeckte mir nicht besonders. Everdingens machen die Art von langweiliger Gitarrenmusik, die mich nicht interessiert. Ich suche nach Referenzen. Blackmail ohne Zähne, Pearl Jam ohne Attitüde. Placebo im WDR 2 Format. Irgendwo hier. „Wir sind keine Engländer,“ sagt der Everlaunch Sänger. Ich bin auch keiner, erzähl’ das aber nicht ungefragt, weil es erstens egal ist und zweitens keinen interessiert. Ihr kommt also aus Deutschland. Das hört man euch an. Ich glaube, ihr habt heute keinen neuen Fan hinzugewonnen.

Da freue ich mich schon auf Zürich. Dort bestreiten zwar auch keine Engländer das Oasis-Vorprogramm, aber auch keine Deutschen!

Setlist Oasis, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Fuckin’ in the Bushes
02: Rock’n’Roll Star
03: Lyla
04: The shock of the lightning
05: Cigarettes and Alcohol
06: The meaning of soul
07: To be where there’s life
08: Waiting for the rapture
09: The Masterplan
10: Songbird
11: Slide away
12: Morning Glory
13: Ain’t got nothin’
14: The importance of being idle
15: Wonderwall
16: Supersonic

17: Don’t look back in anger (Z)
18: Falling down (Z)
19: Champagne Supernova (Z)
20: I am the Walrus (Z)

von Frank von Pretty Paracetamol

(Fotos folgen gleich!)



 

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