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Montag, 19. September 2022

Arcade Fire, Köln, 14.09.22

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Lanxess Arena
Datum: 14.09.2022
Dauer: 105 min.
Zuschauer: ca. 4.500



Win Butler steht am Rand der Bühne. Er sieht müde, etwas alt und etwas lächerlich aus, bekleidet mit einer schwarzen Lederweste, grüner Jogginghose und seinen gefärbten Haaren. Er lächelt, aber es ist kein befreites Lachen. Nichts an diesem Abend will zusammenpassen. 

Arcade Fire treten an diesem Abend in der Lanxess Arena in Köln auf, und schon die Vorzeichen waren bedenklich. Völlig überzogene Ticketpreise von (im Schnitt 80 EUR), dazu eine recht schwache, neue Platte, eine viel zu große Konzerthalle und die Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe gegen den Sänger standen im Raum. 

Daher entschied ich mich auch erst am Nachmittag für einen spontanen Konzertbesuch, Tickets zu Dumpingpreisen gab es vor der Tür genug. Aber schon beim Betreten der, bis zum Ende nicht mehr erleuchteten Halle, wird klar: Das wird kein normaler Konzertabend. 


Selbst der Unterrang und der Innenraum sind nur halb gefüllt, im Oberrang verkaufte Tickets wurden umplatziert. Positiv geschätzt ist die Arena nur zu einem ¼ gefüllt. Die B-Stage liegt verlassen am Ende der Halle. Die netterweise darin integrierten Bars sind verweist. Freunde aus Haiti (Boukman Eksperyans) bestreiten nach dem Rückzug von Feist als Support das Vorprogramm. Danach versucht noch ein DJ sein Glück. 

Hier kulminert an einem Abend so ziemlich alles, was zurzeit in der Branche schiefläuft. Die vielfältigen Probleme wurden ja bereits in großen Artikeln fast aller Magazine beschrieben. Aber wer hat Schuld? Und was ist die Lösung? 

Jahrelang ging es der Veranstaltungs- und Konzertbranche sehr gut. Ein Ende des Aufschwungs war nicht in Sicht. Das Geld, früher in Tonträger investiert, wurde gerne für Live-Erlebnisse ausgegeben. Doch jetzt zeigt sich das Ende der Fahnenstange. Tickets aus vergangenen Jahren kleben noch ungenutzt am Kühlschrank, Festivals locken mit fast allen großen Namen und Clubs (zumindest in Köln) verschrecken immer mehr Konzertbesucher mit Renovierungsstau. Von „Youtube“ und "Gratis"-Streams fast aller Festivals im Netz ganz zu schweigen. 

Als Arcade Fire dann die Bühne betreten, ergibt sich leider direkt das nächste Problem. Eine so spärlich gefüllte Lanxess Arena klingt leider, als würden „The Prodigy“ in einer Wellblechhütte auftreten. Als die Band zur B-Stage wechselt wird der Sound noch diffuser, dazu ist es (zumindest direkt vor der Bühne) auch noch viel zu leise. 


Dabei sind sie alle da, die großartigen Songs, aber sie verbreiten an diesem Abend keinen Zauber. Erst bei „The Surburbs“ und dem, auf dieser Tour zum ersten Mal gespielten „Normal Person“ gibt es kleine Höhepunkte, die auch nur annähernd an frühere Tourneen heranreichen. Und daran muss sich leider jede Band irgendwann messen lassen, wenn die Preise immer steigen und die Hallen immer größer werden. Die Fallhöhe ist bei einer bisher so großartigen Liveband leider etwas höher. 

Die Show ist passend, aber auch in keiner Weise etwas Besonders für eine so große Arena. Der gespannte Arch/Regenbogen dient nur als Projektionsfläche und die beiden viel zu dunklen Screens neben der Bühne zeigen verwackelte Bilder einer Handkamera. 

Dabei ist die Stimmung gut. Viele scheinen sich sehr auf den Auftritt gefreut zu haben, die Band hat ja auch schon in den Jahren vor Corona eher selten in Deutschland gespielt. Warum aber dann zwei der besten Versionen des Abends, das neue „The Lightning“ und der crowd pleaser „Rebellion“ 50 Meter entfernt auf der kleinen Bühne präsentiert werden, es bleibt ein Geheimnis. 


Bei vielen Songs steht und performt Regine mit ihrem Mann  auf zwei Podesten am vorderen Bühnenrand. Bei „Put your money on me“ und der eher überraschenden Zugabe „Sprawl“ übernimmt Sie komplett das Kommando. Sie bahnt sich ihren Weg durch die Zuschauer und tanzt unter dem gigantischen Mirrorball alleine auf der B-Stage. Ein schöner Moment. 

Tracks der neuen Platte „WE“ spielen an diesem Abend kaum eine Rolle, dafür entführen die letzten Songs des Sets in eine große Diskothek mit Live-Musik. Die langen Versionen „Here comes the night time“ und „Everything now“ schaffen eine gelöste Stimmung zum Ende und lassen die eher schwachen, im Set vorher etwas untergegangen, großen Hits vergessen. 


Dann erhellt sich die Arena zum ersten Mal an diesem Abend. Auf dem Weg zum Ausgang komme ich am Merch-Stand vorbei. Hier gibt es weiße Socken mit „WE“-Aufdruck für 15 EUR und einen Jutebeutel der Band für 25 EUR, während die Reinigungskräfte schon den fast leeren Umgang der Arena säubern. 

Ein verlorener Abend.




Sonntag, 9. Juli 2017

Arcade Fire, Esch-sur-Alzette, 08.07.17

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette, Luxemburg
Datum: 08.07.2017
Dauer: 95 min
Zuschauer: vielleicht 4.000 (bei weitem nicht ausverkauft)



Es kommt immer mal wieder vor, daß ich nicht unbedingt wegen der Band sondern wegen des Ortes zu einem Konzert fahre. Als wir 2014 mit einigen Leuten zu Kraftwerk nach Wien gereist sind, hatte ich die Band eigentlich wirklich zu oft gesehen, um dafür extra nach Österreich zu fahren, sie spielte aber im Burgtheater, und darum ging es mir. The National auf einer Festung in Kroatien, The Cure und Suede in der Royal Albert Hall, Beispiele dafür gibt es immer wieder. Häufig gehe ich auch wegen einer Vorgruppe zu Konzerten. Wenn es eben nicht anders geht, muß ich halt mit zweitausend anderen zu alt-j fahren, wenn ich Wolf Alice nun mal nicht anders sehen kann.

Gestern war ich zum ersten Mal wegen einer Bühne bei einem Konzert.

Und ein wenig deshalb, weil mich Arcade Fire vor zwei Wochen in Köln sehr kalt gelassen hatten, das Konzert war kurz, zu weit weg (meine Doofheit) und so himmelweit entfernt von dem Standard, den mein erster Arcade Fire Auftritt elf Jahre vorher und ein paar Straßen weiter im Gebäude 9 gesetzt hatte.

Esch-sur-Alzette sollte also wieder das Liveerleben der Kanadier zurechtrücken, vor allem aber meine Neugierde auf die 360°-Bühne stillen.


Arcade Fire hatten diese Bühne vor ein paar Tagen in London bei einem Mini-Auftritt erstmals vorgestellt. Die Bilder des Abends waren fantastisch. Die 40 Bandmitglieder (etwa) standen über die quadratische Bühne verteilt, das Publikum vor allen Seiten, jeweils mit Musikern, die die Zuschauern anspielten. Das erste Mal auf einer 360°-Stage hatten sie aber als Support von U2 gestanden.


Als wir vor der Halle ankamen, 30 min vor dem Einlaß, überlegten wir, welcher Platz wohl der beste wäre. Wenn es eine Bühne gibt, kein Problem. Rechts oder links vorne, je nach Saal. Aber bei vier Bühnen? Schwierig. Wir entschieden uns für die Ecke vorne links. Da würde wohl Win Butler stehen und mit etwas Glück auch Bruder William und Richard Reed Parry. Merkwürdigerweise hatte sich wohl nicht rumgesprochen, daß die Bühne mitten im Saal stehen würde. Frontal standen sehr viele Leute, auf der anderen Seite kaum jemand, da wäre man kurz vor Beginn noch in die dritte Reihe gekommen. 


Wir standen perfekt, schlechte Plätze gab es aber eh nicht, die Musiker wanderten und änderten ihre Positionen immer wieder. An der vom Eingang aus gesehen unteren Seite standen Win & Régine. Links Bassist Tim Kingsbury und William Butler, oben Violinistin Sarah Neufeld und Richard Reed Parry, rechts Percussionist Tiwill Duprate, in der Mitte Schlagzeuger Jeremy Gara und irgendwo noch Saxophonist Stuart Bogie, den wir nur einmal zu Gesicht bekamen. Wie gesagt, wir standen perfekt.


Spektakulär war so vieles an diesem Abend. Rund um die Bühne ging ein Fotograben, durch den aber nur ein offenbar zur Band gehörender Fotograf lief. Denn der Graben war gleichzeitig Backstage. Nach einem Lied eilten Roadies von allen Seiten auf die Bühne, um Instrumente auszutauschen oder aufzuräumen. Überall standen Gitarren und Bässe. Als Arcade Fire auf die Bühne kamen, griff sich Win seine Gitarre von einem Ständer. Bruder William lief ihm hinterher und wies ihn darauf hin, daß er eine Gitarre von der falschen Seite genommen habe, das sei seine.

Das Konzert fing fantastisch an, Wake up, der Ohrwurm Everything now, Here comes the night time (Haïti gefällt mir in der aktuellen Version nicht), dazu die vielen Dinge, die auf der Bühne passierten, die Lautstärke, das Gefühl, überall in der ersten Reihe zu stehen, das war der Kehrwert meines Köln-Konzerts neulich. 




Danach folgten Chemistry und Signs of life, zwei der Lieder vom neuen Album. Chemistry ist ganz frisch und hatte seine Live-Premiere neulich in London (ist also wohl ein 360°-Song). Mir gefallen beide nicht sonderlich. Weil danach aber nur noch gute Lieder kamen, waren diese Minuten nicht dramatisch. Nur noch gute Lieder... jein. Creature Comfort, das letzte neue Lied, ist deutlich besser als Chemistry und Signs of life, es gefiel mir auch schon mehr als beim ersten Hören. Aber im Moment kann ich mir nicht vorstellen, daß ich mich mal bei kommenden Konzerten super drüber freuen werde. Wie über Ready to start, Power out, No cars go oder auch Sprawl II und Reflektor. Die kamen alle in der zweiten Konzerthälfte. Sprawl II beendete nach Rebellion (Lies) das Konzert. Das kam ziemlich unvermittelt, weil Sprawl II eher so ein Mittelteil-Stück ist.



Die Zugabe Neon bible, entstanden während der zweiten Amtszeit von George W. Bush, zeigte dann noch einmal die Stärken der Bühne. Die Band stand unbeleuchtet in der Mitte des Publikums, angestrahlt von Handylampen, die wir anschalten sollten. Die Kanadier traten danach ab, strickten noch etwas Wake up in Neon bible und waren weg.

Daß das Konzert kürzer als der Festival-Auftritt beim Best Kept Secret (20 Lieder) aber auch als der in Köln war, der um 22 Uhr beendet sein musste (17 Lieder), war vorsichtig formuliert merkwürdig. 

Die Mitmach-Animationen, für die zum guten Teil Tiwill zuständig war, gehören bei Arcade Fire dazu. Mit der Bühne wirken einige von ihnen auch sehr toll, die hin- und hergeschwenkten Arme, die drei Seiten des Publikums minutenlang machten, sahen sehr hübsch aus. Wenn die Musik dazu so gut ist wie in der zweiten Konzerthälfte, kann ich damit auch leben, mich wie im Kirmeszelt zu fühlen. Wenn die Lieder aber nachlassen, gehe ich besser nicht mehr zu Arcade Fire Konzerten. Das in Luxemburg war wegen der Bühne, wegen der vielen Sachen, die man noch nicht kannte, einer laufenden Régine, die eine Runde gedreht hatte, dann aber gerade kein Mikro in der Nähe hatte und rennen musste z.B. noch einmal gut, gerade glaube ich aber nicht, daß ich im nächsten Jahr noch mal dabei sein werde.

Setlist Arcade Fire, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

01: Wake up
02: Everything now (neu)
03: Haïti
04: Here comes the night time
05: Chemistry (neu)
06: Signs of life (neu)
07: No cars go
08: Ready to start
09: Neighborhood #1 (Tunnels)
10: Reflektor
11: Afterlife
12: Creature comfort (neu)
13: Neighborhood #3 (Power out)
14: Rebellion (Lies)
15: Sprawl II (Mountains beyond mountains)

16: Neon bible (mit Wake up) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Arcade Fire, Hilvarenbeek, 17.06.15
- Arcade Fire, Dresden, 17.06.14
- Arcade Fire, Barcelona, 29.05.14
- Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11
- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07


 


Samstag, 1. Juli 2017

Arcade Fire, Best Kept Secret Festival 2017, Tilburg

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Ferienpark Beekse Bergen, Tilburg
Datum: 17.06.2017
Dauer: 130min
Zuschauer: 25.000 ausverkauft
















Arcade Fire live, da gibt es schon viele Geschichten zu erzählen. Die Konzerte der ersten Tour (ich sah sie im Gebäude9 in Köln) sind legendär und werden immer wieder genannt, wenn es um herausragende Live-Konzerte geht. 

12 Jahre ist das jetzt schon her, und damals benötigte die Band gerade einmal eine handvoll Stücke um dem Saal einen völligen Knock-out zu verpassen.

Heute sind die Bedingungen anders. Durch die seltenen Tourneen ist die Erwartungshaltung stets hoch. Den ganzen Tag über hört man intensive Debatten auf dem Gelände, welcher der beiden Bands "Arcade Fire" oder "Radiohead", denn nun die bessere sei, und wer das bessere Konzert an diesem Wochenende abliefern könnte.

Ein Sieger nach Worten war da vorab nicht auszumachen, doch meine letzten "Arcade Fire" Konzerte hatten ihre Wirkung nicht verfehlt. Besser als damals in Köln war es irgendwie nie geworden, rein musikalisch.

Schon damals war alles perfekt, die Band war bereit für die große Karriere. Die danach folgenden Alben waren gut und lieferten immer noch gerade so viele gute Songs, das die Anzahl der Fans trotzdem weiter stieg. 

Aber oft waren sie auch Showstopper des immer gleichen Gerüsts an alten Mitsinghymnen. Auch diesmal ist noch keine neue CD erschienen, ganze drei neue Songs wurden vorgestellt, alle im poppigen Dance angesiedelt.



Und bevor wir zu den positiven Dingen des Abends übergehen, hier der schlimmste "Fehler" des Konzerts. Der Drumsound klang bis ins hintere Drittel des Sets wie bei den "Flippers". Drummer "Jeremy Gara",  ein Meister seines Fachs, war eigentlich gar nicht spürbar, so flach und elektronisch klang sein Spiel durch den Mix der Boxen. Zufall war das sicher nicht. 

Mag das bei einem neuen Song wie "Everything now" noch passen, fehlte an allen anderen Stellen einfach die Kraft und Stärke des typischen "Arcade Fire" Sounds. 

Aber es gibt auch viel Gutes zu berichten. 

1.Die Band startet mit "Wake Up", da bleiben keine Fragen offen.
2.Die bei Radiohead ewige Frage:"Spielen die auch alle Hits ?" kann hier klar mit "ja" beantwortet werden. Alle relevanten Kracher sind dabei, Regine darf ihren Solopart vortragen und am Ende schwingt William Butler das "Trömmelche" beim Kletterkurs auf das Bühnengerüst.



Soweit also alles gut und wie immer. Wer diese Band noch nie live gesehen hat, kann mit den leisen Kritikpunkten nichts anfangen. Natürlich ist das eine großartige Headlinershow, mit allem was dazu gehört. Licht, Spielfreude und ein glänzend aufgelegter "Win Butler" können nicht vollends enttäuschen.

Trotzdem hat man einfach das Gefühl, es fehlt der Mut einfach mal etwas anderes zu probieren. Eine Band, die musikalisch so viel Talent zu bieten hat, sollte irgendwann einen Bruch, wagen um zu neuen Zielen zu gelangen.

"Arcade Fire" am Scheideweg: ewiger Headliner und Jukebox für die Massen, oder ein zweiter, schwierigerer Weg der evtl. mit einem neuen Meisterwerk belohnt wird.

Am Ende (Arcade Fire spielen an diesem Abend länger als bei ihrem eigenen Gig in Köln am Abend zuvor) kommt die Gänsehaut dann doch noch einmal für alle zurück. 

Butler erscheint zunächst alleine mit einer riesiger Gitarre auf der Bühne und beginnt mit einer fantastischen Version von "Intervention". Ein Song den keiner auf der Rechnung hatte (und die Band auch nicht auf der Setlist). Vielleicht ein neuer Anfang. 


Mittwoch, 18. Juni 2014

Arcade Fire, Dresden, 17.06.14

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Junge Garde, Dresden
Datum: 17.06.2014
Dauer: Arcade Fire 100 min, Owen Pallett knapp 45 min
Zuschauer: vielleicht 5.000 (offenbar fast ausverkauft)


Im vergangenen Herbst hätte ich zu gerne Arcade Fire (unter ihrem Tarnnamen The Reflektors) auf ihrer kurzen Europa-Tour gesehen. Die geheimen Konzerte waren natürlich alles andere als geheim, nur der (weltgrößte oder zweitgrößte) Online-Tickethändler rechnete nicht mit einem Ansturm und versagte amateurhaft. Ich hatte meine Karten für das Mini-Konzert bereits im Warenkorb, hatte die Kreditkartendaten eingegeben, war sogar bis zur Eingabe meines Secure-Codes auf einer externen Sparkassen-Seite gekommen und bin auf dem Rückweg zum Ausdruck der Tickets abgestürzt. Ich habe irgendwann mal in einem Sozialpsychologie-Buch über das unterschiedlich starke Maß an Verlangen nach Keksen gelesen, wenn a) keine Kekse auf dem Tisch standen und b) welche da waren, aber wieder weggenommen wurden. Das funktioniert auch mit Konzertkarten.

Vor drei Wochen waren die Kanadier dann einer der Headliner des Primavera Festivals. Ich mag die aktuelle Platte immer noch weniger als die ersten drei, sie wird aber immer besser. Das Konzert auf dem Primavera war trotzdem nach dem sagenhaft-irren Auftritt im Gebäude 9 2005 mein bestes Arcade Fire Konzert bislang.

In Barcelona gehörte Owen Pallett wieder zur Live-Besetzung der ohnehin schon großen Band. Damit schloss sich der Kreis meiner Arcade Fire Konzerte, denn auch vor neun Jahren war der kanadische Geiger Teil der Truppe. Und wie im Gebäude 9 bestritt Owen Pallett (damals jedoch noch als Final Fantasy) das Vorprogramm. Und wenn ich ganz ehrlich bin, war ich ganz froh, daß nach ihm noch eine Lieblingsband kommen würde, denn ich wäre auch nur wegen des Vorprogramms nach Dresden gefahren, das wäre aber schwerer zu erklären gewesen.

Owen Pallett hat im Mai auch sein viertes Album veröffentlicht - zwei als Final Fantasy, zwei unter seinem Namen. Und im Gegensatz zu Reflektor ist In conflict mindestens so gut wie die Vorgänger. Die neuen Stücke des Geigers, der im März für einen Oscar nominiert war, sind mit mehr Instrumenten arrangiert. Owen spielt seine Solo-Konzerte (zuletzt etwa in Berlin und Paris) auch mit Band. Ich hatte vor ein paar Jahren schon Konzerte von ihm mit Gitarristen oder mit kompletter Band gesehen, mochte aber Owens Solo-Auftritte immer am liebsten. Ihm zuzusehen, wie er mit seiner Loopmaschine die Geigenarrangements schichtweise erzeugt, hat auch beim x-ten Male nichts an Faszination verloren. Daß Owen Pallett vermutlich der talentierteste Indie-Künstler ist, beweisen nicht nur die zahllosen Kooperationen, dazu reicht eigentlich nur das erstaunte Zugucken bei einem seiner Konzerte.

In Dresden trat Owen Pallett um Punkt sieben alleine auf. Er trug noch seine Zivilkleidung, T-Shirt und Jeans (und keine Schuhe, die zieht er immer als erstes aus) und stellte sich mit seiner Geigen ans Keyboard und begann... mit keinem der neuen Stücke. E is for estranged von der mittlerweile vier Jahre alten dritten Platte Heartland war das erste Lied. Wenn ich eine Liste mit den besten Owen-Pallett-Titeln machen müsste, käme E is... wahrscheinlich nicht vor, weil ich das immer wieder vergesse. Und wenn es dann live gespielt wird, fällt mir wieder auf, was für ein Knüller der Song ist. 

Es ging weiter mit That's when the audience died vom ersten Final Fantasy Album, Midnight directives von Heartland (bestes Lied des Sets!) aber nichts Neuem!

Vor dem nächsten alten Hit (Keep the dog quiet) riss eine Saite an Owens Geige. Oh, no! Er wollte sie schnell flicken, ihm fiel aber gleichzeitig ein, daß das zu lange dauere, also lieh Owen sich (ohne fragen zu können) das Instrument von Kollegin Sarah Neufeld. "Sarah's gonna kill me!" - "Nein, das ist schon ok, ich leihe ihr meine Geige auch dauernd!" Es beschäftigte ihn aber weiter. Owen Pallett benutzt seine Geige nicht nur im klassischen Sinne, er klopf aufs Gehäuse, um Rhythmen zu erzeugen, spielt sie wie eine Mandoline oder singt in das Mikro im inneren der Geige. Mit Sarahs Instrument fühlte er sich offenbar eingeschränkt. Ob er sein Programm daran anpasste, kann ich nicht sagen, ich könnte es mir aber vorstellen. "I'm sure she is fine!"

Das nächste Lied hielt ich für ein Cover, es war aber eines der von mir selten gehörten Final Fantasy Stücke Song song song vom zweiten Album He poos clouds, das ich offenbar dringend wieder hören muß! Danach kam mit Panic at the parkade ein weiterer - ich weiß, ich langweile - Liebling, Scandal at the parkade von der wundervollen 2010er EP A Swedish love story bevor er endlich, endlich das erste neue Stück anstimmte. Daß eines (und das) noch kam, hatten wir am Einlaß mitbekommen, der sich verzögert hatte, weil Owen noch seinen Soundcheck machen musste, und den absolvierte er mit Song for five & six. Ich hätte gerne viel mehr von In conflict gehört, aber scheinbar geht das ohne Band nicht so gut, wie der Künstler das möchte. Es blieb also bei dem einem Stück, bevor natürlich sein Arcade Fire Lied (This is the dream of Win and Régine) und Lewis takes off his shirt als Abschluß folgten. Die beiden Wachleute mit "Sicherheit"-Polos mochten den weibischen Kram nicht so, mich begeisterte Owen Pallett einmal mehr! Hätte Kanada außer Kevin McKenna Fußballspieler, die so viel Talent in ihrem Job haben wie Owen Pallett in seinem, Kanada käme sicher ins WM-Halbfinale!

Setlist Owen Pallett, Junge Garde, Dresden:

01: E is for estranged
02: That's when the audience died
03: Midnight directives
04: Keep the dog quiet
05: Song song song
06: Scandal at the parkade
07: Song for five & six
08: This is the dream of Win and Régine
09: Lewis takes off his shirt

"Ich ziehe mich jetzt um, dann komme ich wieder mit Arcade Fire!"

Es dauerte eine Weile, bis dafür alles vorbereitet war. Die Ansetzung Owen Pallett 19 Uhr, Arcade Fire 21 Uhr konnte nur funktionieren, wenn der Support nur 30 Minuten dauerte, damit hatte ich gerechnet. Die zusätzliche Viertelstunde Vorprogramm war aber ein toller Preis für längeres Warten auf die Hauptgruppe! Auf der anderen Seite bedeutete dies aber bereits da, daß das Konzert kürzer als das beim Primavera Festival sein würde. Die Junge Garde ist eine in den 50er Jahren in einem Stadtpark errichtete Freiluft-Bühne, die nah genug an Wohnhäusern steht, daß Konzerte um zehn vorbei sein müssen. Der Festival-Auftritt hatte fast zwei Stunden gedauert, so viel Zeit blieb bis zum ersten möglichen Anruf bei der Polizei nicht mehr.

Der Bühnenaufbau war dem von Barcelona sehr ähnlich, auch wenn die Bühne in Dresden kleiner war. Auch die Bandbesetzung war fast identisch, es fehlte lediglich ein dritter Blechbläser. In Dresden waren zwölf Musiker auf der Bühne, zwei Bläser, zwei Percussionisten, Owen Pallett und Sarah Neufeld (Geige und Keyboard) und die sechs festen Bandmitglieder um Régine Chassagne und Win Butler. Die Musiker waren diesmal nicht einheitlich in weiße Dinge mit schwarzen Verzierungen gekleidet, nur die Tour-Mitglieder trugen diese Outfits. Die Band hatte andere Sachen gefunden, Win zum Beispiel ein güldenes Jacket, sein Bruder einen blauen Camouflage-Anzug.

Nachdem das Alufolien-Roboterwesen, das die Tour begleitet, auf der Bühne erschienen war und uns (durch einen etwas hölzern wirkenden Sprecher) auf Deutsch begrüßt hatte, kamen die zahllosen (nein, 12) Musiker auf die Bühne und begannen die Party mit Reflektor, dem besten Song des neuen Albums. 

Die Setlist glich zu Beginn der von Barcelona sehr. Mit Empty room von Reflektor wich sie erstmals ab. Das Stück von The Suburbs war neu im Set. Sehr schön!

Auf Tunnels war beim Primavera Laika gefolgt, die besten zehn Minuten des Festivals! Darauf hatte ich mich wieder gefreut, es kam aber kein Laika. Der Ersatz war allerdings auch nicht verkehrt, Win Butler stimmte Common people von Pulp an. In den letzten Tagen habe ich das Album Different class einige Male gehört, Common people gehört auch nach fast 20 Jahren noch zu meinen unbedingten Lieblingsliedern! Die Arcade Fire Version war kurz, schön, ließ aber im Publikum vor allem fregende Gesichter zurück. Erstaunlich!

Wir hatten uns vorher unterhalten, welchen deutschen Song die Band wohl covern würde und kamen auf Nena, Hyper Hyper, Can oder Wind of change. Daß es Common people sein würde, hatte ich wirklich nicht erwartet. Es war toll!


Danach ging alles furchtbar schnell! Furchtbar schnell, weil so viel auf der Bühne passierte, daß die Lieder nur so dahinflogen. Immerhin dauerte es rund 75 min, bis die Band die Bühne erstmals verließ. Es fühlte sich aber wie eine gute halbe Stunde an. Neben all den anderen Knüllern überzeugt mich Sprawl II live immer mehr. Vermutlich ist das eines der besten, vielleicht das beste Livestück der Kanadier. Aber auch Ready to start, No cars go und wie sie alle heißen, kamen toll an!

Bei Afterlife hatte sich das Alumonster auf ein Podest vor dem Mischpult gestellt. Für uns in den ersten Reihen bot sich ein tolles Bild mit den Zuschauermengen hinter der lebenden Discokugel. Bei It's never over übernahm Régine seinen Platz uns lieferte sich mit Win ein Duett, das schon ein wenig an Kleine Taschenlampe brenn' (das ich mag!) oder Stella Maris erinnert. Dazu erschien Régines Gesicht auf der Leinwand, es ist ein wirklich schöner Moment, dieses Duett!

Bevor die Band wieder auf die Bühne kam, liefen die Doppelgänger mit den großen Köpfen auf. Der Papst fehlte, im protestantischen Osten passte der vielleicht nicht. Stattdessen führte eine Figur mit Bildschirmen als Kopf, auf denen das Gesicht von David Bowie zu sehen war. Bowie sang seine deutsche Version von Heroes. Danach waren Arcade Fire wieder bereit und coverten jetzt wirklich einen deutschen Song, Sexy von Westernhagen. Sie nennen dieses Bluesstück Normal person - und ich mag es mit Abstand am wenigsten von allen gespielten Liedern. Rebellion (lies), Here comes the nighttime und Wake up entschädigten aber dafür und bildeten einen sagenhaft guten Abschluß im Konfetti-Regen.

Der Abend gefiel mir außerordentlich gut. Hätte ich die Band nicht vor zwei Wochen noch eine Ecke besser gesehen, wäre das vermutlich das Konzert, an das ich mich in Jahren noch erinnern werde. Mein Frust, die kleinen Auftritte im Herbst nicht gesehen zu haben, ist wieder ein kleines Stückchen kleiner geworden.

Setlist Arcade Fire, Junge Garde, Dresden:

01: Reflektor
02: Flashbulb eyes
03: Neighborhood #3 (Power out)
04: Joan of Arc
05: Empty room
06: The suburbs
07: Ready to start
08: Neighborhood #1 (Tunnels)
09: Common people (Pulp Cover)
10: No cars go
11: Rococo
12: My body is a cage (kurz)
13: Afterlife
14: It's never over (Hey Orpheus)
15: Sprawl II

16: Normal person (Z)
17: Rebellion (lies) (Z)
18: Here comes the nighttime (Z)
19: Wake up (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Arcade Fire, Barcelona, 29.05.14
- Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11
- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07
- Owen Pallett, Paris, 11.12.12

- Owen Pallett, Düsseldorf, 26.05.12
- Owen Pallett, Eindhoven, 11.11.11
- Owen Pallett, Köln, 23.06.11
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10


Schlechte Fotos folgen. Bessere hat vermutlich der örtliche Veranstalter.





Freitag, 30. Mai 2014

Arcade Fire, Barcelona, 29.05.14

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 29.05.2014
Dauer: 112 min
Zuschauer: Tausende



2005 weckte ein Abend meine Konzertbegeisterung aus ihrem Dornröschen-Schlaf. Im Gebäude 9 in Köln spielte damals die neue und schnell größer werdende kanadische Band Arcade Fire. Die kleine Bühne des Clubs platzte aus allen Nähten, weil Unmengen an Musikern mit viel Bewegungsdrang zur Band gehörten (unter anderem Owen Pallett, der als Final Fantasy das Vorprogramm bestritten hatte). Die wilde Show, die wuchtig-tolle Musik - das war einzigartig. Und ich seitdem bei dem ein oder anderen Konzert - auch bei ein paar der Kanadier, die allerdings in immer größeren Sälen stattfanden. 

Im vergangenen Jahr fanden rund um die Veröffentlichung des neuen Albums Reflektor einige kleine (mehr oder weniger) Geheimkonzerte statt. Für Brüssel hatte ich bereits Karten im Warenkorb und bezahlt auf der zusammenbrechenden Website des englischen Tickethändlers und stand bedröppelt und beleidigt da. Absurderweise kann sich so etwas auf die Einstellung zur Band übertragen, die man dann aus Trotz meidet. Glücklicherweise ist die Erinnerung an 2005 so weit überstrahlend, daß meine Vorfreude auf Arcade Fire beim Primavera riesig war. Allerdings hatte ich alles gemieden, was mit den Konzerten im Herbst zu tun hatte. Ich kannte keine Videos, keine Setlisten und keine Besetzung. Daß Owen Pallett ab Sommer wieder zur Livebesetzung gehören sollte, war die Ausnahme. Der Kanadier hat gerade sein eigenes neues Album In conflict veröffentlicht (das grandios ist!), stand aber trotzdem auch in Barcelona schon mit seinen alten Kumpels auf der Bühne.

Um halb eins ging das Spektakel los, kurz vor halb drei endete es. Hätten Arcade Fire die zwei schwächeren Stücke vom aktuellen Album weggelassen, wäre es ein vergleichbares Erlebnis wie 2005 gewesen. So war es einen Hauch schlechter - aber trotzdem denkwürdig gut und mit großer Sicherheit das beste Konzert des Festivals und des Sommers. 

Die beiden Headliner Bühnen sind in diesem Jahr offenbar gleichrangig. Sony und Heineken Stage befinden sich im hintersten Eck des großen Geländes, rechts und links eines riesigen Platzes und werden abwechselnd bespielt. Warpaint hatten früher auf der Heineken nur einen kleinen Platz der Bühne genutzt und sich kompakt in der gleichen Entfernung zu einander aufgebaut, in der sie es in Clubs tun, Arcade Fire brauchten jeden Quadratmeter der Sony Stage. Mehrere Keyboard-Batterien, zwei Schlagzeuge und zwei Percussion-Stationen und jede Menge Mikros versprachen eine große Besetzung. Wenn ich mich nicht verzählt habe, kamen dreizehn Musiker auf die Bühne, als es mit Reflektor losging. Owen Pallett war dabei, zwei Percussionisten und drei Bläser (alle mit Saxophonen - das tat aber nicht weiter weh).

Zwischen den Liedern fand ein chaotisch aussehendes aber präzise ausgeführtes Wechselspiel statt. Régine und Owen waren die größten Wanderer, wobei er - vielleicht weil er so lange nicht dabei war - manchmal zwischen Geige und Keyboard links hin- und herrennen musste.

Die Band trug die vermutlich bekannten weiß-orangen Jacken, Régine ein buntes Kleid und Owen ein weißes Jacket mit schwarzen Mustern. Das ist natürlich alles nicht Fundamental-Indie-konform, mir aber vollkommen egal. Es sah gut aus und passte zur Bühnendeko.

Den Start machte Reflektor, und das sehr gut! Das anschließende Flashbulb eyes drosselte das Tempo noch einmal, bevor die Hitparade mit Power out, Rebellion und all den anderen Knüllern losging. Bis einschließlich Keep the car running war diese (vermutliche) Stunde eine einzige Singalong-Show. Auch die mürrischsten Drängler und Dauerquatscher hatten in den Singpausen glückliche Gesichter. Daß innerhalb dieser sagenhaft guten Musik die Unterphase, in der Ready to start, Tunnels und Laika aufeinander folgten, noch einmal herrausragt, ist eigentlich unwichtig aber doch bemerkenswert. Was hat diese Band für Hits angehäuft! Es sind zumindest so viele, daß einige der wichtigen Stücke von Neon Bible weggelassen werden konnten.

Das einzige kleine Haar in der Gazpacho waren die schwächeren Stücke von Reflektor (und ja, die Platte ist schlechter als die Vorgänger!). We exist war mir deutlich zu banal und egal. Bei It's never over, dem Duett im Stil von Stella Maris oder Kleine Taschenlampe brenn! bin ich noch nicht sicher, ob es toll oder kitschig ist - oder beides. Auch die Folklore mit den Papp-Köpfen (u.a. mit dem Papst) ist für mich eher geduldete Show aber nicht wirklich nötig. Das Lied dazu, Normal person, war das dritte, das ich zur Not gegen Intervention eingetauscht hätte.

Alles andere war wundervoll! Oh ja!

Natürlich mag der strenggläubige Indie-Mensch auch keine Konfetti-Kanonen. Als die bei Here comes the night zündeten und den ganzen Platz in ein buntes Schneegestöber verwandelten, um dann beim an- und abschließenden Wake up noch vereinzelt rumzuflattern, war das aber vollkommen stimmig! 

Der schönste Moment (wenn auch nicht zwingend musikalisch) war das Duett zwischen Régine und Win (It's never over), bei dem sie durch den Mittelgang durchs Publikum auf eine kleine Erhöhung 50 m vor der Bühne gegangen war, auf der vorher ab und zu ein Glitzermann (vermutlich mit Alufolien-Anzug) stand. Régine sang auf halber Höhe zwischen Mischpult und Bühne abwechslend und gleichzeitig mit ihrem Mann. Natürlich war auch das alles andere als spontan - es funktionierte aber. 

Es war der erhoffte Knüller und die kurze Nacht vollkommen wert!

Setlist Arcade Fire, Primavera Festival, Barcelona:

01: Reflektor
02: Flashbulb eyes
03: Neighborhood #3 (Power out)
04: Rebellion (lies) 
05: Joan of Arc
06: Rococo
07: The suburbs
08: Ready to start
09: Neighborhood #1 (Tunnels)
10: Neighborhood #2 (Laika)
11: No cars go
12: Haïti
13: Keep the car running
14: We exist
15: My body is a cage (kurz)
16: Afterlife
17: It's never over (Hey Orpheus)
18: Sprawl II (Mountains behind mountains)
19: Tequila (The Champs Cover / kurz)
20: Normal person
21: Here comes the night time
22: Wake up


Links:

- aus unserem Archiv:
- Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11
- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07

mehr Fotos später!
 


Montag, 27. Juni 2011

Arcade Fire, Luxemburg, 26.06.11

6 Kommentare

Konzert: Arcade Fire
Ort: Rock A Field, Luxemburg
Datum: 26.06.2011
Zuschauer: das Festival war nicht ausverkauft
Dauer: gut 70 min


Auf dieses Konzert habe ich mich seit Wochen gefreut, Arcade Fire! Im vergangenen Jahr (im November) hatten die Kanadier ein atemberaubendes Konzert in Düsseldorf hingelegt, das das beste 2010 sein sollte. Trotz Philipshalle und trotz schlimmer Verkehrsverhältnisse war das einer dieser Konzertabende, an die man sich noch in Jahren erinnern wird. So wie mein erstes Mal Arcade Fire, als noch ein blonder Owen Pallett Teil der Band war.

Heute bei Rock A Field hätte es auch wieder so sein sollen, das war der Plan. Als ich auf dem Festivalgelände auf einer Lichtung bei Roeser ankam, zwischen Luxemburg Stadt und der französischen Grenze gelegen, spielte gerade einer dieser beknackten Lärmbands, die jedes Jahr Teil des Lineups sind. Diesmal war es Bullet For My Valentine (wenn es nach mir ginge "Bullets For His Valentine's Valentine"), und die Band bestätigte alle Vorurteile, die ich ihr gegenüber pflege.

Es folgten Die Fantastischen Vier und die Wombats, bevor bereits um halb neun Arcade Fire anfangen sollten. Vergangene Woche war der längste Tag des Jahres, die Sonne schien also noch, als die Band auftrat. Den tiefere Bedeutung hinter dem Zeitplan hatte ich ohnehin nicht verstanden, daß hinter der mit Abstand bedeutendsten Band des Festivals noch Elbow, die Arctic Monkeys und Goose folgen sollten, war für Leute wie mich, die früh nach Hause fahren wollten, gut, aber doch etwas ungewöhnlich, wo Startzeiten doch vergleichbar mit der Buchstabengröße auf den Plakaten Indikator für die Relevanz der Gruppe sind. Sei's drum, so war das Licht für die Bilder wenigstens besser.

Bevor die kanadischen Grammy- und Britpop-Award Sieger erschienen, wurden sie von einer alten amerikanischen Werbetafel (digital) angekündigt: "Coming soon - Arcade Fire" Sehr hübsch!

Alles andere als hübsch war dann aber der Sound. Ready to start verpuffte regelrecht in dumpfem Bassgewummer. So etwas erlebt man speziell bei Festivals ja leider immer wieder, oft bekommt die Soundcrew das aber schnell in den Griff, aber nicht hier. Es blieb dumpf, sodaß wir unsere Plätze vorne schnell aufgaben, um es weiter hinten zu versuchen, aber auch von da klang es nicht viel besser. Schade, aber damit war das Konzert schon gelaufen; kein Vergleich zu dem Auftritt im November in der ungeliebten Düsseldorfer Halle, in der Arcade Fire fabelhaft klangen!

Die Setlist war eine verkürzte Festivalversion des Programms von Düsseldorf. Während ich auf Rococo zum Beispiel gut und gerne verzichten konnte, war das Wegfallen von Laïka schmerzhafter. Aber bei kürzerer Spielzeit, großer Hitdichte und der Tatsache, daß offenbar Lieder (ein Lied) wie Sprawl II, das zu den schwächsten der Band zählt, gesetzt sind, müssen eben auch zwangsläufig Riesenhits auf der Strecke bleiben.

Das punkigste Stück der Band, Month of May von der aktuellen, preisgekrönten
Platte, das live sonst abräumt, fiel auch dem Soundbrei zum Opfer, es klang nur nach Krach.

Daß Arcade Fire aber auch schlecht klingend spannend anzusehen sind, liegt an ihrer immer wieder wilden Bühnenshow. Auch wenn das Rumspringen, das wilde Trommelverprügeln, die Positionswechsel
tausendmal praktiziert sind, hat das immer wieder einen improvisierten Charakter. Da dauert es zwischen zwei Liedern auch schon einmal etwas länger, bis jeder am Platz ist. Von Abgehobenheit nach dem weltweiten Popularitätssprung durch den Grammy ist nichts zu spüren. Wenn Win Butler ("der mit der Nazifrisur", wie empörte Twitter-User nach der Grammy Show feststellten, als nicht Lady Gaga oder Justin Bieber den Preis gewannen, sondern diese Arcade Who aus Ca-na-da) erwähnte "we won a fucking Grammy earlier!" wirkte das nicht großkotzig, es war vielmehr so ein "ihr glaubt gar nicht, was passiert ist."

Kein Konzert des Jahres von der besten Band der Welt. Aber ein guter Anlaß, sie schnell wiederzusehen!


Setlist Arcade Fire, Rock A Field, Luxemburg:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: No cars go
04: Haïti
05: Intervention
06: The suburbs
07: Month of may
08: Neighborhood #1 (Tunnels)
09: Sprawl II (Mountains beyond mountains)
10: We used to wait
11: Neighborhood #3 (Power out)
12: Rebellion (Lies)
13: Wake up

Links:

- Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11
- Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10
- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07
- mehr Fotos





Freitag, 24. Juni 2011

Arcade Fire, Wiesen, 22.06.11

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Festivalgelände, Wiesen
Datum: 22.06.11
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 90-100 Minuten sowas


Arcade Fire in Österreich legendärstem Festivalgelände im Flachlanddorf Wiesen - das alleine wäre schon schön genug. Mit dem Support haben sich die Veranstalter - die eigentlich ungeliebten (Quasi-)Mono
polisten von musicnet - aber selbst ein Denkmal gesetzt: Weakerthans und José Gonzalez! Beste Voraussetzungen für einen Wahnsinnsabend - ob diese genutzt wurden, wird beantwortet, sobald der Semesterendestress ein wenig nachgelassen hat. Canada rules! (Owen Pallett am Dienstag war auch wieder sehr gut, Bericht folgt hoffentlich noch....)

Setlist Arcade Fire, Festivalgelände, Wiesen:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: No cars go
04: Haiti
05: Modern man
06: Rococo
07: Crown of love
08: The suburbs
09: The suburbs (continued)
10: Month of may
11: Neighborhood #2 (Laika)
12: Neighborhood #1 (Tunnels)
13: We used to wait
14: Neighborhood #3 (Power out)
15: Rebellion (Lies)

16: Intervention (Z)
17: Wake up (Z)
18: Sprawl II (Mountains beyound mountains) (Z)



Dienstag, 30. November 2010

Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10

16 Kommentare


Konzert: Arcade Fire
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 29.11.2010
Zuschauer: 5.000 (?)
Dauer: Arcade Fire 95 min, Fucked Up unerträgliche 30 min


Ausgerechnet heute brach der Winter in Westdeutschland ein. Viel zu viel Schnee auf den Straßen, jede Vernunft sprach gegen eine Fahrt nach Düsseldorf, bloß um ein Konzert zu sehen. Allerdings sind Arcade Fire seltener als Schneetage, und dann ist es um die Vernunft eben schnell geschehen.

Ich hatte mich lange nicht mehr so sehr auf ein Konzert gefreut, vor allem seit ich in den letzten Tagen nach viel zu langer Zeit wieder einmal die beiden ersten Platten der Kanadier gehört hatte, die ohne Zweifel zu den großen Meisterwerken unserer Generation gehören. 2005 hatte ich das große Glück, die Band im Gebäude 9 in Köln zu sehen, gerade als ihr Stern in Europa kräftig aufging. Sehr sicher war der wilde Auftritt eines der besten Konzerte meines Lebens. Im Gegensatz zu vielen anderen Musiksternen verglühten Régine & Win und ihre Kollegen aber nicht sofort wieder. Auch wenn das aktuelle Album der Band nur das drittbeste ist, sind Arcade Fire gut und relevant wie vor fünf Jahren.

Trotzdem fragte ich mich in der Umbaupause nach der scheußlichen Vorgruppe Fucked Up (sicherlich nur zugezogene Kanadier), ob der Abend nicht vielleicht doch enttäuschend werden könnte. Vieles des eben Beschriebenen gilt ja schließlich auch
für Interpol, und die hatten mich vor einer Woche leider gar nicht vom Hocker gerissen.

Um 21.20 Uhr waren diese Zweifel weg, und zwar restlos! Denn in der Zwischenzeit hatten Arcade Fire Ready to start, Keep the car running,
Laïka und No cars go gespielt, vier sagenhafte Kracher, wie sie nur wenige Bands am Anfang eines Konzerts verbraten können. Klotzen statt Kleckern also...

Arcade Fire traten zu acht auf, also das Ehepaar Régine & Win, Wins Bruder Will Butler, Richard Parry, Tim Kingsbury, Geigerin Sarah Neufeld, Schlagzeuger Jeremy Gara und ein zweiter Geiger (denke ich). Die Band begeistert mich seit jeher durch die reibungslosen Positionswechsel zwischen den Stücken. Es gibt Gruppen, bei denen es zur Show gehört, ab und zu die Instrumente zu wechseln, bei den Kanadiern wirkt das alles vollkommen sinnvoll und stimmig. Es begann noch relativ harmlos mit zwei Gitarren, zwei Keyboardern, Bass, Geige und Schlagzeug. Nur Régine Chassagne fiel aus der Reihe, weil sie an einem zweiten Trommelset saß. Nach Ready to start eilten nicht ein sondern drei Helfer mit gestimmten Instrumenten auf die Bühne. Es war eine perfekte Logistik im Hintergrund, die die komplizierten Umarrangements möglich machte, man merkte
keine Hänger zwischen den Stücken, obwohl die Aufstellung nie die gleiche wie beim abgelaufenen Lied war. Kanada ist eben eine Eishockey-Nation und fliegende Wechsel gewohnt.

Beim zweiten Lied (Keep the car running) spielte Régine Drehleier, Win Laute (glaube ich), dazu gab es zwei Geigen. Laïka benötigte drei Trommler, zwei Geiger und Akkordeon, wäre das Konzert langweilig gewesen, alleine das Zusehen der Wechselspiele hätte den Abend gerettet.

Aber es war so weit von langweilig wie Fucked Up von gut entfernt.
Laïka bereitete mir die ersten hochstehenden Nackenhaare. Natürlich ist das Stück ein riesiger Hit, wie sehr es mich aber heute beeindruckte, überraschte mich doch sehr. So sehr hauen mich nur ganz selten Lieder bei Konzerten um! Danach hätte ich guten Gewissens fahren können.

Nach No cars go wurde es ruhiger. Zunächst folgten die beiden von Régine
gesungenen Stücke Haïti und Sprawl II (mountains beyond mountains). Haïti mochte ich schon immer und es war heute live, auch und vor allem vor dem Hintergrund der schrecklichen Tragödien, die dieses Land beuteln, ganz besonders. Mit dem 80er Jahre Song Sprawl II... geht es mir anders. Auf Platte mag ich den nicht sonderlich. Live war Mountains beyond mountains zwar eine Ecke besser, neben Rococo gehörte er aber zu den schwächsten Stücken im Set. Gut, daß beide nacheinander kamen, danach deutete sich nämlich bereits langsam das sagenhafte Ende des Abends an.

Spätestens mit
Month of May wurde es wieder grandios. Das anschließende Tunnels gehörte wieder zu den besten Liedern, die ich jemals live gesehen habe. Allerdings gefiel mir von den Stücken der Debüt-Platte Funeral plötzlich Power out am besten. Eigentlich steht das bei mir immer ein wenig im Schatten der Überhits, heute gab es zwar viele Songs, die lange Schatten warfen, da mochte sich aber keiner der anderen reinstellen. Power out ging in Rebellion (lies) über, das nach 80 Minuten das eigentliche Konzert beendete. Mit einem Paukenschlag, wie Parajournalisten wie wir gerne schreiben. Es war zwar keine Pauke sondern eine kleine Trommel, das machte den wilden Sprung von Will Butler von der Bühne ins Publikum, um da wild auf sein Instrument einzuschlagen, nicht weniger spektakulär. Das ist trotz all der Erfolge, trotz der riesigen Hallen noch der gleiche Spaß an der Musik wie am Anfang, als sie Helme (mit Köpfen drin) als Trommeln benutzt haben.

Auch Zugaben hätte ich eigentlich nicht mehr gebraucht. Wie sollte es denn noch besser werden?

Gut, ob nun besser oder nicht, es blieb jedenfalls so grandios. Intervention und Wake up als Zugaben endeten den Abend so hervorragend, wie er begonnen hatte.
Überragend! Chris Martin, der nicht nur bei Frauen einen blendenden Geschmack hat brachte das richtig auf den Punkt: "The best bands in the world today are probably Arcade Fire and Sigur Rós."

Ein grandioses Konzert, sehr sicher das beste des Jahres, mit einer blendenden Band, die ihr Publikum
an die Wand spielt.Was soll man da noch besser machen?!

Eine einzige kleine Panne fiel mir auf, und die war, wie das in solchen Fällen üblich ist, sehr charmant. Cold wind, die Single, die auf keiner Platte ist, hatten Arcade Fire (The Arcade Fire laut Win) eine Weile nicht gespielt. Die fehlende Routine zeigte sich darin, daß einer der Musiker plötzlich hektisch nach hinten lief und sich das Akkordeon schnappte, ihm war wohl entgangen, wo genau er jetzt zu spielen hatte. Den Einsatz schaffte er, die leichte Panik vorher war toll!

Und nach diesem herausragenden Konzert wurde mir auch plötzlich die Funktion der Vorgruppe bewußt. Eigentlich helfen miese Supportbands der Hauptgruppe dadurch, daß etwas Gutes im Vergleich zu Mist noch deutlich strahlender wird (das psychologische Kontrastprinzip). Allerdings haben Arcade Fire so etwas nicht nötig. Der schreckliche Schreihals der kanadischen Vorgruppe sollte
uns vielmehr vorher schon bremsen, damit wir nicht zu euphorisch die Halle verlassen würden. Das war Fürsorge und machte auf einmal komplett Sinn!

Win Butler sagte irgendwann am Ende: "thank you for being so amazing!" Er sprach mir aus der Seele.*


Setlist Arcade Fire, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: Neighborhood #2 (Laïka)
04: No cars go
05: Haïti
06: Sprawl II (mountains beyond mountains)
07: Rococo
08: Cold wind
09: Deep blue
10: The suburbs
11: Month of May
12: Neighborhood #1 (Tunnels)
13: We used to wait
14: Neighborhood #3 (Power out)
15: Rebellion (Lies)

16: Intervention (Z)
17: Wake up (Z)

Links:

- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07


Leider keine eigenen Fotos! Die Hauptabteilungsleiterin "Tür 3" verwies darauf, daß "da steht", daß meine Kompaktkamera nicht reindürfe. Die verwendeten Bilder stammen aus Olivers Archiv vom Konzert in Paris im Juli.


* zwei richtige Ärgernisse gab es aber doch noch. Zum einen ist vollkommen unverständlich, warum nach dem Konzert solch ein Chaos auf den Parkplätzen rund um die Halle herrscht. Eine Stunde vom Parkplatz auf die Straße ist ärgerlich. Die Parkwächter, die vorher Gebühren kassieren, sollten vielleicht auch hinterher dafür eingesetzt werden, für einen zügigen Abfluß zu sorgen. Wir hatten nur eine gute Stunde Rückfahrt nachts vor uns. Aber auf den Parkplätzen standen auch viele, die von deutlich weiter weg angereist waren.

Das zweite Ärgernis tat mir in der Seele weh. Ganz vorne hatten Eltern ein kleines Mädchen mitgenommen, das den infernalischen Krach der Vorgruppe vermutlich ohne Ohrenschutz ertragen musste. Später hatte es dann etwas im Ohr, wirkte aber alles andere als glücklich. Das mag unglaublich spießig klingen, aber für ein zwei- oder dreijähriges Kind ohne Ohrenschoner gibt es sicher bessere Orte als wahnsinnig laute Konzertsäle. Süß war, daß Régine der Kleinen nach dem Konzert ein Instrument schenkte (eine Triangel?). Haben die Eltern noch ein schönes Souvenir.




Montag, 30. August 2010

Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10

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Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar



 

Konzerttagebuch © 2010

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