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Dienstag, 16. November 2010

Amy MacDonald, Düsseldorf, 15.11.10

2 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 15.11.2010
Zuschauer: so gut wie ausverkauft (5.000?)
Dauer: gut 90 min


Ein guilty pleasure... Amy MacDonald passt nicht mehr in unser Konzerttagebuch, sie ist dem vor
Jahren entwachsen. Obwohl sie sich musikalisch immer weiter entfernt hat, verfolge ich ihre Karriere interessiert und freue mich, wie erfolgreich die junge Schottin ist, wie sie immer mehr zum Superstar wird, dabei aber bescheiden und immer noch musikbegeistert wirkt.

Seit ich zufällig Amys erstes Deutschlandkonzert im Vorprogramm von Paul Weller gesehen habe, und mich ihre tiefe Stimme und die sehr rohen akustischen Lieder begeistert hatten, folgte einige Konzerte, zwei Platten, verschiedene Haarfarben und ein musikalischer Stilwechsel zu immer radio- und dann fernsehtauglicheren Arrangements. Eine Weile hatte ich großen Spaß daran, Leuten, die nur Amys Platten kannten, frühe WDR Aufnahmen vorzuspielen und die entsetzten
Gesichter zu genießen, weil diese Popsängerin plötzlich viel tiefer und grober klang. Tief und roh verkaufen aber keine Platten, also wurde alles weicher, die Konzerte popiger und massentauglicher. Vollkommen legitim, aber auch eben schade, wenn die viel bessere Seite der Künstlerin nicht von diesen Massen als besser erkannt wird.

Das Ergebnis ist, daß mein Interesse an ihrer Musik immer kleiner wurde. Allerdings schadet es ja auch nicht, ab und zu mal wieder zu gucken, wie es denn jetzt so ist...

Düsseldorf bot solch eine Gelegenheit. Leider verdränge ich immer wieder, wie schrecklich die Anfahrt zur Philipshalle ist. Auch wenn ich ihn nur sehr bedingt mag, wollte ich rechtzeitig zu Guillemots Sänger Fyfe Dangerfield da sein. Im Prinzip war ich pünktlich um acht vor der Halle - mehrfach. Allerdings
dauerte die Parkplatzsuche dann noch einmal fast eine Stunde; und wir gingen durch die Saaltür, als Amy MacDonald die Bühne betrat.

Mittlerweile gibt es hinter der Sängerin Videoleinwände und fünf Begleitmusiker. Wir standen zu weit weg, um die genauer zu sehen, sie schienen mir aber wenigstens zum Teil neu zu sein. Nicht geändert hatte sich aber die Tendenz, daß diese Extramusiker eine deutlichere Rolle im Arrangement der Songs spielen. Natürlich dominieren weiter Amys akustische Gitarren, ein breiter Mantel aus anderen Instrumenten ist aber allgegenwärtig. Und das mag ich nicht. Am schlimmsten war diesmal das Saloon-
Klavier in vielen Liedern. Puh... Auch die Dire Straits Gitarren wären besser in der Versenkung geblieben. Aber offenbar gefällt genau das der Zielgruppe, denn ansonsten wären nicht 5.000 Zuschauer da gewesen.

Je mehr die Sängerin aus Glasgow im (alleinigen) Mittelpunkt stand, desto besser der Abend. Diese Momente waren allerdings vor allem auf die Ansagen beschränkt. Und da merkte man der Schottin an, daß sie sich sehr viel Bodenständigkeit bewahrt hat. Sie erzählte Geschichte über Geschichte, sprach von der ersten Tour mit Paul Weller, von der gemeinsamen Arbeit mit dem alten Meister im Studio und log dann, ihr Gitarrist sei besser. Das war alles sehr unterhaltsam, und ihr schottischer Akzent ist ja ohnehin jeden Satz wert, den sie spricht.

Das eine wirklich ruhig vorgetragene Lied war dann auch mein Liebling, es stammte allerdings nicht aus
Amys Hand. Statt wie zuletzt Dancing in the dark coverte Amy MacDonald heute Born to run von Bruce Springsteen als Zugabe. Sie alleine mit Gitarre - das steht ihr mit Abstand am besten - aber das hatte ich wohl schon erwähnt.

Br. Brightside von den Killers war nicht mehr im Programm, dafür enorm viele Lieder von beiden Platten, es war also, wenn man das alles so mag, wie es gespielt wird, ein perfektes Konzert. Daher bin ich sicher, daß der Abend für fast alle der Besucher ein perfektes Konzerterlebnis bot. Außer vielleicht für die Männer, die wider Willen ihre Frauen begleiten mussten. Aber für die gab es ja immerhin Dire Straits Gitarren...

Setlist Amy MacDonald, Philipshalle, Düsseldorf:

01: An ordinary life
02: Poison Prince
03: LA
04: Youth of today
05: Love love
06: Mr. Rock & Roll
07: Footballer's wife
08: Spark
09: This pretty face
10: Don't tell me that it's over
11: Troubled soul
12: Give it all up
13: Next big thing
14: No roots
15: Run
16: This is the life
17: What happiness means to me

18: Born to run (Bruce Springsteen Cover) (Z)
19: Let's start a band (Z)

Links:

Amy MacDonald, Bonn, 04.09.09
Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09
Amy MacDonald, Köln, 22.10.08
Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07
Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07

(die Fotos stammen von verschienenen alten Konzerten)





Samstag, 5. September 2009

Amy MacDonald, Bonn, 04.09.09

6 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Museumsplatz, Bonn
Datum: 04.09.2009
Zuschauer: vielleicht 3.000 (vermutlich ausverkauft)
Dauer: Amy MacDonald 70 min, The Good Morning Diary 30 min


Einmal merkte man Amy MacDonald deutlich an, was gut zwei Jahre ununterbrochenes Touren bedeuten, wie hart das Leben im Bus und das gleichzeitige Bewältigen plötzlichen Riesenruhms sein müssen - und, auf der anderen Seite, wie sehr sie ihre Musik liebt und darin aufgeht. Als die Schottin als zweite Zugabe ihr (nicht mehr ganz) neues Troubled soul spielte, ein sehr ruhiges Stück, das zwar keine Single sein wird aber einen gewissen Charme hat, brüllten irgendwo Leute ununterbrochen "Amy". Tokio Hotel Zielgruppe. Während ihre Musiker noch das Ende des Lieds spielten, ließ die Sängerin ihre Wut deutlich raus: "You've just ruined the whole song! The choir in the corner. Yes, my name is Amy but there's no need to shout it!"

Es war das vorletzte Konzert des Shooting Stars, das sie mit ihrem ersten Album spielte. Morgen noch Bochum, dann wird erst einmal Pause sein. Sicherlich ist diese nötig, um Akkus aufzuladen - aber auch, um mit neuen Songs zu beweisen, daß Amy wirklich so viel Songwriting Talent hat, wie ihre erste Platte andeutete. Wir haben die Schottin hier von ihrem ersten Deutschland-Auftritt an begleitet und mit offenem Mund ihre Blitzkarriere beobachtet (und werden das auch weiter tun, und sei es, um den ersten Wetten Dass?? Auftritt mit "habe ich doch immer schon gesagt", zu kommentieren - auch wenn wir ihr den wirklich nicht wünschen...).

Ganz am Anfang einer möglichen Karriere steht auch die heutige Vorgruppe. "Das ist unser erstes Konzert heute", sagte Sänger Chris Buseck gegen Ende des halbstündigen Auftritts. Welch ein Start, gleich als erstes vor tausenden Zuschauern
zu spielen! Für die nächsten tausend werden die Hamburger einige Konzerte lang sammeln müssen.

Nach einem Debüt hörte sich The Good Morning Diary nicht an; die Musik wirkte ausgewachsen, die (offenbar neuen) Begleitmusiker von Chris machten einen sehr professionellen Eindruck (an der Frisur des Schlagzeugers müssen wir noch einmal arbeiten). Auf seiner noch wenig besuchten myspace-Seite beschreibt Chris Buseck sich als Singer/Songwriter (viele Lieder kann man da leider nicht hören), live dagegen klang die Geschichte nach britischen Gitarrenpop-Bands.
Die besten Momente hatte The Good Morning Diary, wenn es nach Keane oder Travis (Automatic feelings - das beste Lied des Sets) klang, die langweiligen, wenn James Blunt sich durchsetzte.

Es passte gut und Potential für eine Radiokarriere sehe ich ganz klar. Vielleicht ein paar mal weniger die eigene Website erwähnen (und wenn dann die richtige...), aber sonst passte es. Von der Band werden wir sicher noch hören.

Setlist The Good Morning Diary, Museumsplatz, Bonn:

01: Handle with care
02: Saving yourself
03: The girl in the red jumper
04: Taste of distrust
05: Automatic feelings
06: Slow motion boredom

Die Früchte des Erfolgs, den sich die kleine Amy in den vergangenen Jahren zurecht erarbeitet hat, sah man dann bereits beim Umbau. Schlagzeug und Keyboards standen nicht bloß auf kleinen Podesten, sie hatten einen gewaltigen Unterbau, dessen Vorderseite mit zig Bassdrum-Dummies (und der echten dazwischen) dekoriert war. Früher stand auf der dicken Trommel "Amy MacDonald", heute war es auf zwölf Felle verteilt!

Auch Amy hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Gewachsen ist die Schottin nicht mehr, auch wenn sie mit immer höheren Schuhen daran arbeitet. Hoppla, was waren das wieder für Teile... Dazu trug sie ein schwarz-silber kariertes Kleid (die schwarzen Karos bestanden aus Pailletten, die silbernen aus Mäandern - und alles glitzerte um
die Wette) über schwarzer Strumpfhose. Das Auffälligste war aber Amys neue Haarfarbe, strohblond. Von dunkelbrauner Nicht-Frisur ist sie jetzt bei blond und gestylt angekommen.

Musikalisch-unverändert fing es an. Mein Liebling Poison Prince machte wie zuletzt immer den Anfang. Auch der Rest entsprach exakt dem Set des Konzerts in Bochum im Februar. Da fehlten mir also die Überraschungen. Ich konnte also mehr auf die Musik achten. Oder richtiger "ich hätte können"... Denn um uns rum standen leider enorm viele Leute, die es interessanter fanden, bei dem ein oder anderen Bierchen über die süsse Vorgruppe
oder andere wichtige Themen zu reden, während Amy sang oder in ihrem köstlichen Schottisch Ansagen machte. Sehr nervig. Was hätte ich mir so ein "You've just ruined the whole song" auch für die Damen gewünscht...

Um ganz ehrlich zu sein, kam mir der ruined-Gedanke auch einige Male bei Amys Gitarristen. Der Mann mit der Wollmütze spielt für meinen Geschmack eine viel zu wichtige Rolle in den Arrangements der Stücke; ohne Zweitgitarre wäre Amys Live-Musik ganz sicher reicher. Das merkte man an all den Stellen, an denen diese Einsätze fehlten, ganz besonders aber bei den beiden von ihr alleine vorgetragenen Titeln. Mr. Brightside, ihr Killers- (oder in Amys Sprache Kellers-) Cover war dabei heute ein besonderes Highlight! Dabei setzte zwar auch später die Band ein, der Anfang war jedoch besonders famos! Auch das zweite Cover, Dancing in the dark (Kommentar dazu von meiner unfreiwilligen Konzertnachbarschaft: "das kenne ich, das ist gut!"), war wundervoll!

Ihre eigenen Lieder habe ich schon besser, weil zurückgenommener, gehört. Aber wer weiß, wer ihr zweites Album produziert, vielleicht werden die Stücke da leichter
arrangiert. Die manchmal nach Steelguitar klingenden Einlagen einmal ausgeblendet, sind Amys Lieder natürlich unverändert gut.

Die Begleitband habe ich nur zum Teil wiedererkannt. Der Keyboarder Shannon kam mir zum Beispiel neu vor. In Glasgow hatte sie einen anderen. Jamie (Bass und Trompete), Adam (Schlagzeug) und Jolyon (Gitarre) meine ich, schon gekannt zu haben.

Mit der Band befand sich Amy in einem Studio in San Francisco zum Proben. Dabei habe man auch eine neue Version von
A wish for something more eingespielt, die alte sei ihnen langweilig geworden. Das neue A wish for something more hat einen alternativen Beginn (gut!) und viele Gitarren (nicht gut!), ist aber vor allem sehr laut (gutgutgut!).

Neben dem ruinierten Troubled soul spielte Amy auch wieder das andere neue Lied The next big thing. Mir gefallen beide mittlerweile gut, aber es sind eher B-Seiten als neue Hits. Erfrischend fand ich die kleine Panne bei The next big thing. Denn trotz
Proben in Übersee stotterte die Band beim Rhythmus des Lieds einmal gewalig. Bei aller Routine passieren also auch noch solche Dinge; das kann nicht schaden!

Nach gut 50 Minuten (und dem Dank an uns, weil in Deutschland die meisten ihrer mittlerweile 2,5 mio verkauften Alben über den Ladentisch gegangen sind) war erst einmal Schluß. Aber es fehlten ja noch ein paar Hits - und es war noch Zeit bis 22 Uhr. Die drei
Zugaben, Troubled soul, Dancing in the dark und Let's start a band waren noch einmal ein schöner Abschluß!

Ein sehr schönes Konzert auf einem der tollsten Plätze für Open Air Sachen. Die Bühne liegt zwischen Kunstmuseum und Kunst- und Ausstellungshalle und ist durch ein Zeltdach weitestgehend regensicher. Das war aber nicht nötig, da die Sonne über Bonn schien. Vielleicht hellte das Wetter auch Amys Laune nach den Schreiereien wieder ein wenig auf... Eine komische Meinung vom Bonner Publikum wird sie aber so oder so behalten. Auch wegen meiner Lieblingsgeschichte des Abends.

Vor Run erzählte sie, wie das Lied entstanden ist.
"Das habe ich geschrieben, nachdem ich die Killers gesehen habe." [keine Reaktion des Publikums] "Die Killers!" [nichts] "Mr. Brightside!" [...] - und Amy lachte und schüttelte den Kopf.

Setlist Amy MacDonald, Museumsplatz, Bonn:

01: Poison Prince
02: L.A.
03: Youth of today
04: Barrowland Ballroom
05: Footballer's wife
06: Mr. Brightside (The Killers Cover)
07:
A wish for something more
08: Mr. Rock & Roll
09: The next big thing (neu)
10: This is the life
11: The road to home
12: Run

13: Dancing in the dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
14: Troubled soul (neu) (Z)
15: Let's start a band (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09
- Amy MacDonald, Köln, 22.10.08
- Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
- Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07
- Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07
- mehr Fotos von Amy in Bonn



Freitag, 27. Februar 2009

Amy MacDonald, Bochum, 26.02.09

7 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Jahrhunderthalle, Bochum
Datum: 26.02.2009
Zuschauer: 5.000 (?) ausverkauft
Dauer: 70 min


Irgendwie ist Amy MacDonald so etwas wie ein Patenkind unseres Blogs. Wir hatten die junge Schottin bei ihrem ersten Konzert in Deutschland gesehen, als Vorgruppe von Paul Weller in Frankfurt, und seitdem durch immer größer werdende Hallen begleitet. Mittlerweile hat Amys Debütalbum in Deutschland Dreifach-Platin erreicht. Das Schicksal, bei Thomas Gottschalk und Wetten Dass aufzutreten, ist ihr scheinbar bisher erspart geblieben, das - und der Sprung in der nächsten Hallengröße (Kölnarena) sind aber nur eine Frage der Zeit. Am vergangenen Samstag folgte dann bei einer schrecklichen Gala der Echo als erfolgreichster Nachwuchskünstler International, bei dem sich Amy gegen Duffy, Leona Lewis, Gabriella Cilmi und die Zisterzienser Mönche durchsetzte.

Eine ungewöhnlich Karriere für Vorgruppen, über die wir hier berichten...

Der Auftritt in Bochum war Teil einer Kurztour durch deutsche B-Städte (neben Bremen noch Dresden, Stuttgart und Bremen).

In der Jahrhunderthalle hatte ich bisher keine Konzerte gesehen, ich reiße mich auch nicht schrecklich um Veranstaltungen im Ruhrgebiet, weil die meist für mich durch unkalkulierbare Staus nur mit vielem Fluchen und Schlägen aufs Lenkrad zu erreichen sind. Bis Essen lief es blendend, dann allerdings, zehn Minuten bevor ich die Reportage über die spannenden Bauarbeiten auf der A 40 aus Sicht eines Abschnittverantwortlichen bei 1live hörte, stand ich mitten in seinem Projekt im Stau. Der Plan, um 19 Uhr an der Halle zu sein, war dahin. Nach guten 30 Minuten Stop and Go, abgesperrten Hallenparkplätzen und einem Spaziergang durch den vermutlich nicht schönsten Teil Bochums, hörte ich dann an der Jahrhunderthalle angekommen Livemusik aus dem Innern des Gebäudes.

Leider war das schon die "Vorgruppe", auf die ich mich gefreut hatte, nämlich Steve Cradock, der Gitarrist von Ocean Colour Scene, der sein Soloalbum vorstellte. Ich bekam leider nur noch (von außen) das letzte Lied mit, das (so) gut klang.

Die Jahrhunderthalle ist ein unbestritten eindrucksvoller Bau, für Konzerte allerdings ein wenig unhandlich. Man geht nämlich durch eine schmale Tür in den Innenraum und steht dann vor einer Wand von Leuten. Die Tür befindet sich auf der Seite des Zuschauer, etwa in der Mitte der Halle. Wenn es also schon voll ist, geht
man durch diesen Eingang, steht vor den Menschenmassen und geht dann immer weiter nach rechts, weg von der Bühne, um irgendwo (das müsste schon Gelsenkirchen sein), einen freien Platz zu bekommen. Ein Palladium in Schlimm.

Moke aus Amsterdam waren zweite Band des Abends. Ich kannte die Holländer bisher nur dem Namen nach, hatte aber wissentlich kein Lied von ihnen gehört. Moke sind fünf Musiker, zwei Gitarristen, ein Keyboarder, ein Bassist und ein Schlagzeuger. Ihre Musik wird dem Britpop zugerechnet. Dem kann ich nicht richtig zustimmen nach einmaligem Hören. Bis auf ein ziemlich langweiliges Lied am Ende (The long way) gefielen mir die Stücke ganz gut, sie klangen aber eher nach Bands wie Keane als nach Oasis
oder deren Kumpels. Last Chance und Here comes the summer gefielen mir aus ihrem Set am besten. Aber richtig reinhören konnte ich mich nicht, weil Moke plötzlich schon fertig waren, nach gerade mal einer knackigen halben Stunde.

Knackig ist ein gutes Stichwort für einiges: zum einen habe ich selten ein so, nun, interessantes Publikum erlebt. Als braver Indiekonzertgänger sieht man ja immer nur gleiche Zuschauerschaften. Zu einem Radio-, Echo- und Weltstar (to come) gehen aber ganz andere Gruppen. Neben ein paar typischen Indiemädchen war so ziemlich alles an Leuten vertreten, was ein typischer Bevölkerungsquerschnitt des Ruhrgebiets hergibt. Von engumklammerten Pärchen über Mütter mit kleinen Kindern, älteren Ehepaare, sehr viel älteren Männer bis zu Frauentauschteilnehmern habe ich alles gesehen.

Zum anderen war auch der Zeitplan sehr zackig. Der Umbau zwischen Moke und Amy MacDonald dauerte gute zwanzig Minuten. Das wünscht man sich öfter. Auf großen Schnickschnack hatte die Schottin aber auch verzichtet. Es gab keine lästige
Bühnendeko, sondern war auf die Dinge beschränkt, die zum Musizieren gebraucht wurden.

Amy hatte die gleichen Bandmitglieder wie im Oktober in Köln dabei. Wir haben hinterher bedauernd festgestellt, daß die Zeiten, die Sängerin von ihrer stärksten Seite, nämlich alleine mit Gitarre zu sehen, vorbei sind und nicht mehr wiederkommen werden. So etwas wie den überragenden akustischen Auftritt mit gleichem Material vor Paul Weller wird es wohl nicht mehr geben. Durch die Band klingt die Musik der Glaswegian sehr nach den Versionen der Lieder, die auf ihrer Debütplatte zu finden sind. Der Unterschied zwischen der sehr popigen Plattenproduktion und Amy live ist ihre deutlich tiefere Stimme, die für mich die "Live-Amy" viel reizvoller macht als die auf Platte. Aber der Rest gleicht sich an, eine Entwicklung, die natürlich wegen
des überragenden Erfolgs vollkommen nachvollziehbar ist. Ein Konzert wie die akustischen Aufnahmen, die es gibt, hätte vermutlich 95% der Besucher verstört. Mir gefiel es trotzdem, ich trauere den ersten Auftritten, die ich gesehen habe (auch der im Glasgower Barrowland Ballroom war noch eine Ecke roher) nicht nach, sondern bin froh, daß ich die erlebt habe.

Amy hatte ein schwarzes Kleid mit bunten Drei- und Vierecken und hohe Lackschuhe an. Und ihren Verlobungsring! Denn die Sängerin ist seit einiger Zeit mit dem englischen Fußballer Steve Lovell (28) vom schottischen Erstligisten Falkirk F.C. liiert. Das ist daher so spektakulär, weil Amy ja ein Lied über die in England noch viel ekligeren F-Prominenten geschrieben hat (Footballer's wife). Wenn man aber die Natürlichkeit der jungen Schottin auf der Bühne erlebt, erscheint dieser Widerspruch nur oberflächlich zu bestehen, sie wirkt nämlich so
bodenständig, wie es die WAGs, die Frauen und Freundinnen der englischen Glamour-Fußballer, vermutlich schon als Kind nicht waren. Ich schweife ein wenig ab.

Mit einem ihrer besten Lieder startete das siebzigminütige Konzert, mit dem fabelhaften Poison Prince (da fällt mir ein, daß schon wieder ein Babyshambles Konzert abgesagt worden ist). Die Setlist war
etwa die vom Palladium im Herbst, bis auf einige kleine Verschiebungen. Im Stau stehend hatte ich bei 1live schon gehört, daß es ein Killers- und ein Springsteen-Cover geben würde. Die Überraschung war damit weg, ich wußte also, daß Amy Mr. Brightside und Dancing in the dark spielen würde. Ihre Version des Killers-Hits kam früh und war wieder sehr schön. Dancing in the dark, einer der unbestrittenen Höhepunkte des Abends kam dann als Teil der Zugaben.

Neben den Coversongs spielte die Band wieder die beiden neuen Lieder The next big thing und Troubled soul. Das letzte hatte es mir schon in Köln angetan, The next big thing mochte ich heute schon mehr als im ollen Palladium. Ich frage mich immer bei Künstlern, die die Songs ihres Debüts über viele Jahre geschrieben haben (Amy erzählt immer, daß Youth of today in frühster Jugend entstanden sei; in Bochum
erzählte sie This is the life habe sie mit 16 oder 17 geschrieben), ob sie auch für Nachfolgeplatten noch gute Songs schreiben können. Wenn diese beiden neuen wirklich Produkt des letzten Jahres sind, dann kann Amy das!

Mein Liebling war diesmal wohl The road to home. Sie hat auch irgendetwas dazu erzählt, das aber weitestgehend unverständlich war, und diesmal nicht aufgrund des starken Glaswegian Akzents der Sängerin, sondern wegen des "ekstatischen" Publikums. Sobald Amy ansetzte, etwas zu erzählen, brüllte einige der Leute irre laut "Amy!" Zugegeben, das war originell. Aber leider hörte man dadurch nicht, was die Sängerin erzählen wollte. Anfangs kommentierte sie dies auch noch damit, daß sie eine Geschichte erzählen wolle (vor Barrowland Ballroom; irgendwas mit Bono, dem Nobelpreisträger).
The next big thing dagegen wurde regelrecht totgeklatscht. Dummerweise verleitete das Schlagzeug am Anfang des Stücks die Leute dazu, rhythmusähnlich zu klatschen - in einer Lautstärke, die Bochum vermutlich bislang nur bei der letzten Meisterschaft des VFL erlebt hat. Leider führte das dazu, daß das neue Lied anfangs kaum zu hören war. Aber ich will nicht spießig wirken (doch, will ich doch!).

Nach Run (Konzerttagebuch Wissen: dem Lieblings-Amy-Lied von Paul Weller und Steve Cradock) war Schluß. Schluß vor den Zugaben, denn die gab es natürlich.

Dazu erschien Amy erst alleine und spielte Dancing in the dark und zeigte dabei all ihre Stärken. Ihre Version war wieder fabelhaft und eine echte Liebeserklärung an dieses
großartige Stück! Die Hommage an ihre schottische Heimat, Caledonia, fehlte leider heute in den Zugaben! Dafür gab es wie erwähnt noch Troubled soul, eine wirklich sehr schöne Ballade und zum Abschluß Let's start a band.

Unsere Vorhersagen bei Amy waren bisher alle richtig (das war auch nicht furchtbar schwer), heute bin ich sicher, daß die Schottin nicht mehr lange in so kleinem Rahmen spielen wird. Nächste Station Kölnarena. 2010 spätestens. Und unser Patenkind hat das vollkommen verdient!

Setlist Amy MacDonald, Jahrhunderthalle Bochum:

01: Poison Prince
02: L.A.
03: Youth of today
04: Barrowland Ballroom
05: Footballer's wife
06: Mr. Brightside (The Killers Cover)
07: A wish for something more
08: Mr. Rock & Roll
09: The next big thing (neu)
10: This is the life
11: The road to home
12: Run

13: Dancing in the dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
14: Troubled soul (neu) (Z)
15: Let's start a band (Z)

Links:

- Amy MacDonald im Palladium im Herbst 2008
- und ihr legendärer Auftritt im Barrowland Ballroom in Glasgow 2007
- Amy MacDonalds erstes Konzert in Deutschland
- und im Gebäude 9 in Köln


Nächste Termine:

30.03.2009: L’Oympia, Paris
31.03.2009: L’Oympia, Paris
03.07.2009: Rock Werchter
04.07.2009: Nibe Festival, Skalskoven
13.07.2009: Live at Sunset, Zürich
22.08.2009: Uelzen Open Air



Donnerstag, 23. Oktober 2008

Amy MacDonald, Köln, 22.10.08

7 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald

Ort: Palladium, Köln
Datum: 22.10.2008
Zuschauer: 4.000 (ausverkauft)
Dauer: Amy MacDonald 80 min, The Life Between 30 min


Wow, das ging schnell. Vor gut einem Jahr spielte Amy MacDonald als Support von Paul Weller ein paar Konzerte in Deutschland. Ich hatte das Glück, in diesem Rahmen den ersten deutschen Auftritt der jungen Schottin (sie war da 19 Jahre alt) in Frankfurt zu sehen. Mich begeisterte das kurze Konzert so sehr, daß ich mir Amy ein paar Monate später, kurz vor Weihnachten, bei ihrem legendären Gig im Barrowland Ballroom in Glasgow. Legendär deshalb, weil Amy davon geträumt hatte, irgendwann einmal im Barras spielen zu können. Ihr gleichnamiges Lied handelt von der Sehnsucht, einmal auf dieser berühmten schottischen Bühne zu stehen. Schon im ersten Jahr ihrer Musikerkarriere bekam die junge Glasgowerin die Chance dazu und verkaufte den Saal gleich aus.

Das Konzert im vergangenen Dezember war großartig und einmalig. Als Amy als letzte Zugabe Barrowland Ballroom spielte, war das einer der stimmungsvollsten Musikmomente, die ich je erlebt habe.

Aber genug der langen Vorgeschichte, zumindest fast. Im letzten März kam Amy
erstmals als Hauptgruppe nach Deutschland. Sie verkaufte auf Anhieb das Gebäude 9 aus. Leider verhinderte ein kaputter Magen, daß ich sie an dem Abend sehen konnte. Seit März wurde aus der gerade so bekannten Musikerin ein echter Star in Deutschland, der im Radio läuft und wahnwitzig viele CDs verkauft. Also war es wenig überraschend, daß die für heute ursprünglich angesetzte Live Music Hall schnell zu klein wurde und das Konzert ins Palladium verlegt wurde. Und auch da war es schließlich vergangene Woche ausverkauft... nicht schlecht!

Bevor Amy jedoch um 21.30 Uhr auftrat, bemühte sich The Life Between aus Hamburg, für Stimmung zu sorgen. Das gelang der vierköpfigen Band auch nach ein,
zwei Liedern recht gut. Ich war leider nicht objektiv, weil mir die einstudiert wirkenden Chris-Martin-Posen von Sänger Michael Zlanabitnig wahnsinnig auf den Geist gingen. Die Musik war ganz netter Radiopop, aber nicht weltbewegend und auch nicht bleibend - nichts für mich. Aber - und das war ihr Job- sie sorgten für ordentlich Stimmung.

In der Umbaupause bemerkten wir eine witzige Szene. Amys Mikroständer hatte einen Getränkehalter auf halber Höhe. Amys
Roadie (oder Tourmanager) bestückte diesen Halter mit einer Wasserflasche. Bevor er die offene Flasche da reinstellte, nahm er aber erst einmal einen kräftigen Schluck. Ein Vorkoster? Das sah nach Starallüren aus!

Als das Licht ausging, erschien zu schottischen Tönen erst einmal Amys Band. Bei ihrem Paul Weller Support hatte Amy MacDonald noch alleine, nur von ihrer Gitarre begleitet, gespielt. Mittlerweile besteht ihre Band aus einem zweiten Gitarristen, einem Bassisten, einem Schlagzeuger und einem hütchentragenden Keyboarder. Kurz später tauchte dann auch die kleine Schottin auf, nahm ihre akustische Gitarre und begann Poison Prince, ihr Lied über Pete Doherty.

Live zeigt Amys Musik ihre wahre Qualität. Seit ich sie für mich entdeckt habe, werde ich damit aufgezogen, solch Mainstream-Radiomusik zu mögen. Allerdings ist live von der glatten Produktion der Platte nichts mehr zu hören. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied in Amys Stimme, die bei Auftritten eine Ecke tiefer klingt als auf Platte. Es gibt aber noch einen anderen lustigen Unterschied zwischen Amy und Amy: sie singt in einer anderen Sprache als sie redet. Ihr Singenglisch ist bestens zu verstehen
und könnte einem Schulbuch entsprungen sein. Wenn sie dagegen redet, ist das herrlich dreckiges Glasgow-Schottisch (nicht, daß ich das von anderem Schottisch unterscheiden könnte). Jedenfalls verzückten mich Amys Ansagen wieder einmal sehr.

Aber es ging ja um die Musik zwischen den Ansagen... Nach Poison Prince, einem meiner Lieblinge von This is the life, folgten weitere Lieder ihres Debütalbums, zuerst L.A., ihr Lied über ihren Schwarm Jake Gyllenhaal, Youth of today, das sie mit 13 oder 14 geschrieben hat und bei dem eine Saite ihrer Gitarre riss, der große Hit This is the life und Footballer's life, über B- und C-Stars in
Großbritannien. All das kam außerordentlich gut beim Palladium Publikum an. Es gab zwar kein wildes Getanze wie bei den Kooks zum Beispiel. Es herrschte mehr eine ausgelassene Feierstimmung, es wurde viel mitgesungen und geklatscht.

Nach Footballer's wife sah es ein wenig so aus, als müsse Amy improvisieren. Sie schnappte sich die Gitarre und spielte ihr schönes Killers-Cover Mr. Brightside. Später stieg dann
ihre Band ins Spiel ein. Ob es da irgendeine Panne gab und Mr. Brightside eine Notlösung war, weiß ich nicht. Amys Version des Songs war aber wieder einmal wundervoll!

Es folgten mit
A wish for something more und Mr. Rock & Roll zwei weitere Stücke vom Album, bevor der erste neue Titel gespielt wurde. Ich hatte The next big thing schon einmal gehört und mag das Lied. The next big thing ist sicher nicht so einprägsam wie This is the life oder Poison Prince, hat aber sicher Hitpotential.

Nach
The next big thing und meinem Liebling Barrowland Ballroom ("and I'll sing you a song or two") kam das nächste Cover. Ich mag es sehr, wenn Bands Lieder von anderen Bands, die sie mögen, spielen. Amys zweites Cover war Hallelujah von Leonard Cohen. Bei den rausgebrüllten "Hallelujahs" merkte auch der letzte im knallvollen Palladium, wie außerordentlich gut und kraftvoll Amy MacDonalds Stimme ist! Hallelujah kam ganz prima an. Ich weiß nicht, ob Künstler es mögen, wenn ein gecovertes Lied lauter gefeiert wird als die eigenen. Amy schien den langanhaltenden Applaus aber zu genießen.

Bevor Run nach gut einer Stunde den regulären Teil beendete, spielte die Band noch ein zweites neues Lied namens Troubled soul, eine sehr schöne Ballade, bei der Bassist Jamie eine größere Singrolle spielt. Ich hoffe, Troubled soul wird veröffentlicht, denn mir gefiel dieses ruhige Stück sehr gut!

Als Amy nach einer kurzen Pause wieder auf die Bühne kam, spielte sie zunächst alleine Caledonia, das Lied über ihre schottische Heimat. Auf Platte ist Caledonia ein Hidden Track nach Road to home. Allerdings nicht auf der deutschen Version, denn auf der fehlt Road to home. Amy entschuldigte sich dafür, daß das Lied auf dem Weg
nach Deutschland verschwunden sei. Da aber demnächst eine Deluxe Edition erscheint, auf der das fehlende Stück drauf sei, könnten wir sicher beim nächsten Mal mitsingen.

Zwischen den beiden Bonusstücken stimmte die Schottin das letzte Cover des Abends an, Dancing in the dark von Bruce Springsteen. Und mit Let's start a band endete es leider wieder. Viel zu schnell, denn der Abend war wirklich wundervoll und sehr kurzweilig. Amy MacDonald (da bleibe ich bei meinem ersten Eindruck) hat wahnsinnig viel Talent. Es macht Spaß, ihr zuzuhören und zu sehen. Die Sängerin aber auch ihre Band wirken so herrlich bodenständig. Wenn Amy erzählt, daß Footballer's wife von den Celebrities der britischen Medienlandschaft handele und sie niemals berühmt und ein Celebrity sein wolle, wirkt das 100%ig aufrichtig. Berühmt
zu sein, kann sie nicht mehr verhindern, ins Big Brother Haus wird sie aber sicher auch nicht einziehen (und wohl auch nicht Oliver Kahn oder Boris Becker heiraten). Die Band scheint wirklich viel Spaß an solchen Abenden zu haben. Als Schlagzeuger Adam sich auf eine Kiste setzte und da Percussions spielte, "um einmal etwas Neues auszuprobieren", merkte man das zum Beispiel schön.

Ein hervorragendes Konzert einer sehr sympathischen Musikerin! Was bin ich froh, daß ich damals bei Paul Weller war!

Der Abend im Palladium war Amys größtes Konzert bisher als Hauptgruppe. Ich glaube aber, daß es die letzte Chance war, sie in so kleinem Rahmen zu sehen...

Setlist Amy MacDonald, Palladium, Köln:

01: Poison Prince
02: L.A.
03: Youth of today
04: This is the life
05: Footballer's wife
06: Mr. Brightside (Killers Cover)
07: A wish for something more
08: Mr. Rock & Roll
09: The next big thing (neu)
10: Barrowland Ballroom
11: Hallelujah (Leonard Cohen Cover)
12: Troubled soul (neu)
13: Run

14: Caledonia (Z)
15: Dancing in the dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
16: Road to home (Z)
17: Let's start a band (Z)

Links:

- Amy MacDonald im Barrowland Ballroom in Glasgow
- Amy MacDonalds erstes Konzert in Deutschland
- und im Gebäude 9 in Köln
- mehr Fotos



Donnerstag, 20. März 2008

Amy MacDonald, Köln, 06.03.08

0 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Gebäude9, Köln
Datum: 06.03.2008
Zuschauer: ausverkauft


Die erste Überraschung erlebe ich zwei Tage zuvor. Auf der Homepage des Gebäudes 9 ist zu lesen, dass das Konzert ausverkauft sei. Das erstaunt mich, denn ich hätte Amys Bekanntheitsgrad ausserhalb des britischen Eilandes nicht so hoch angesetzt. Das Debut-Album ist hierzulande noch nicht lange auf dem Markt, sie hat keine “Foundation” ähnliche Single auf Dauerrotation im Hörfunk. Gut, in England steht ihr Album auf Platz 2 der Charts, aber England ist weit. Woher kennen die Menschen nun Amy MacDonald?

Zum Beispiel aus dem Vorprogramm der letztjährigen Paul Weller Akkustiktour. Damals spielte sie - zumindest in Köln - gross auf und begeisterte nicht nur mit einer Killers Coverversion sondern mit ihrem gesamten halbstündigen Set. Oder zum Beispiel aus dem Internet und Itunes “Free single of the week” Werbeprogramm. Hier tauchte Mitte letzten Jahres “Youth of today” als gratis-download auf.

Oder einfach aufgrund der Tatsache, dass sich gute Musik auch ohne Werbemaschinerie und Radiopräsenz verbreitet. Schön zu wissen.

Als ich um kurz vor neun am Gebäude 9 ankomme, wundere ich mich, dass keine Menschen im Innenhof stehen. Normalerweise ist es hier vor Konzertbeginn immer recht rege. Man wartet hier im Freien bis die Musik beginnt, denn in der Halle ist oft sehr schnell sehr dicke Luft, der man sich so spät wie möglich aussetzen möchte. Und begonnen hat der Abend auch noch nicht, es dröhnt nichts aus dem Gebäude. Im Vorraum das gleiche Bild, kaum jemand der hier rumlungert. Die Theke ist verwaist. Ist heute alles anders?

In der Halle ist es rappelvoll. Hier geht nichts mehr. Liam Gerner, ein australischer Singer- Songwriterpoet eröffnet den Abend. Er hat leichtes Spiel, musikalisch passt seines gut zu Miss MacDonald und nach wenigen Songs wird klar, dass er darüberhinaus ein guter Entertainer ist. Zwischen den Songs erzählt Liam kleine Dönekes. Der Auftritt lässt mich kurz an Olli Schulz in nicht ganz so albern denken. Das Gebäude 9 fühlt sich vom mann mit der Gitarre gut unterhalten. Bei seinen Songs ist es mucksmäusenstill im Publikum. Man könnte ein Handy vibrieren hören. Die höchste Anerkennung, die eine Vorband vom Publikum bekommen kann.

Um zwanzig vor zehn räumt Liam Gerner die Bühne, doch es scheint als würde er noch länger bleiben wollen. Vor dem vorletzten und letzten Song schaut er kurz nach links. Sagt ihm da eine Stimme aus dem dunklen Off: “Es reicht.”? Es sieht so aus. Nun sind vier Rowdies an der Reihe. Da es keine Instrumente ab- und aufzubauen gibt, alles steht schon bereit, checken sie viermal die Mikrofone, prüfen dreimal jede Gitarre und sehen sehr beschäftigt aus, wenn sie immer wieder die Bühne verlassen um kurz danach mit nichts wieder auftauchen. Das wirkt sehr gross und Mainstagekompatibel und macht sich bestimmt besser bei T in the Park als auf der Bühne des Gebäudes 9. Obwohl noch voll im Umbaupausenzeitsoll wird das Publikum leicht unruhig und scharrt mit den Füssen. Alle sind sehr gespannt. Es liegt dieser typische Geruch von Vorfreude und ich-weiss-nicht-was-mich-erwartet in der Luft, der so oft bei Tourpremieren zu fühlen ist. Jeder hat eine Vorahnung, einen Traum von dem, wie die Künstler live auftreten. Hat man eine Band hingegen schon mal live gesehen, ist dieses Element nicht mehr so stark. Dann weiss man um die Bewegungen, kennt die Bühnenpräsenz.

Um kurz nach zehn betritt hat das Warten ein Ende. Erst betritt ein Laptop die Bühne, kurz darauf die Band und Amy MacDonald.

Amy und Kollegen beginnen rockig. Zwei schnelle Songs stehen am Anfang, ehe zum ersten Mal entschleunigt wird. Hatte ich vom rockigen Beginn überraschen lassen, wirkte es nun vertrauter und kam mehr nach der Konserve. Was nicht heissen soll, dass das rockige Amy nicht gut steht. Im Gegenteil, reine Singer-Songwriter Veranstaltungen ohne Tempo- und Lautstärkenwechsel sind eh etwas dröge, so freut es mich sehr, dass live der Sound mehr nach vorne ist als auf der CD. Selbstverständlich darf auch die Coverversion nicht fehlen, die mich seinerzeit hat aufmerksam werden lassen, der Killers “Mr Brightside”. Als diese in der Mitte des Sets gespielt wurde, musste ich nochmals kurz an die Autofahrt zurückdenken. Bei 1live scheint es eine neue Rubrik zu geben, “Verdeutschung bekannter Hits” nennt sie sich. (Oder so ähnlich.). Die Kölner Wolke covern dort grosse Hits und geben ihnen überdies noch deutsche Texte. Diesmal war “Today” von den Smashing Pumpkins an der Reihe. “Ich brenne mir meine Augen aus, bevor ich rausgeh’.” Naja, das war nicht allzu schwer zu erraten, und ich hätte bestimmt gute Chancen gehabt und diesen abgekarterten Anrufgewinnspielen einen Lolli gewonnen. Da habe ich im September schon länger geknobelt, bis ich Amy MacDonalds Mr Brightside erkannt habe. Und vor allem, bis mir der Titel eingefallen ist. Es ist doch so, man hört ein paar bekannte Textzeilen, sagt sich “halt, das kenn ich doch”, sucht dann man nach der Melodie des Originals, und wenn man sie im Ohr hat, fällt einem doch partout der Titel nicht ein. Geschweige denn die Band.

Aber zurück nach 2008. Nach guten 45 Minuten verschwanden die vier Jungs und Amy von der Bühne. Wie ich es vermutet hatte, endete das reguläre Set mit “Let’s start a band”, diesem rasanten Stück, das zum Ende hin immer ausufernder wird. Da kann man sich noch einmal so richtig austoben. Der perfekte Schlusssong.

Und um das andere Thema abzufrühstücken: “Foundation”, na klar, der Kate Nash Vergleich darf nicht ausbleiben. Er passt ja auch ach so wunderbar: beide Mädels sind Anfang 20, beide kommen von der Insel, haben diese typische Seitenscheitelmädchenfrisur und sind do-it-yourself Künstlerinnen. In Nuancen hinkt es aber gewaltig. Amy ist mehr Singer- Songwriterin. Bei ihr fliessen traditionelle Musikstrukturen ein. Manchmal meint man für ein zwei Takte ein schottisches Heimatlied zu hören. Und während Kate Nash über Pickel, die erste Liebe, Boyfriends und gibbeligen Mädchenkram singt, heissen Amys Themen eher “was will ich im Leben” (”This is the life”), und drehen sich um mehr als den eigenen oder Freundeskreis- kosmos (wie in “Footballer’s wife”). Das lässt ihre Songs erwachsener und reifer klingen, und spricht damit scheinbar auch ein älteres Publikum an, wie im Gebäude 9 zu beobachten war. Kein Teenagerpublikum wie seinerzeit in der Kantine, eher das Mitt-/ Endzwanziger Publikum mit Peaks Richtung älter.

von Frank von Pretty Paracetamol

Links:

- Amy MacDonald live im Barrowland Ballroom in Glasgow
- als Support von Paul Weller in Frankfurt



Samstag, 15. Dezember 2007

Amy MacDonald, Glasgow, 14.12.07

6 Kommentare

Konzert: Amy MacDonald
Ort: Barrowland Ballroom, Glasgow
Datum: 14.12.2007
Zuschauer: ausverkauft


"Oh the lights outside they're as bright as the sun
They're much brighter than anyone
Oh the girls in the queue yes they're waiting for you
Well they're waiting for their song to be sung
And when the night turns to day and all the people go away
It's not the same, tell me who's to blame?
And when the stars shine so bright on the cold December night
I wish that I was on the stage"

Als ich mir nach ihrem Auftritt als Support von Paul Weller in Frankfurt Amy MacDonald's Debüt-CD gekauft habe und zum ersten Mal "Barrowland Ballroom" gehört habe, habe ich mir vorgestellt, wie gut es sein müsste, das Lied in dem besungenen Konzertsaal einmal zu hören. Der schottischen Singer/Songwriterin ging es auch so, sie hatte bei einem anderen Auftritt in Glasgow den Song vor ein paar Monaten damit angesagt, dass das nächste Lied von einem Ort handele, an dem sie irgendwann mal spielen wolle. Dass das alles so schnell ging und Amy ein halbes Jahr nach ihren gefeierten Festivalauftritten den Saal ausverkaufte, in dem Bands wie Maximo Park oder Travis spielen, hatte sie dann aber wohl auch nicht erwartet. Auf ihrer Website schrieb die junge Schottin vor ein paar Tagen "I really am incredibly excited for the gig. It's such a great way to round up the year aswell. I hope it's as special as i dreamed!" Das war ich auch, denn das wollte ich mir nicht entgehen lassen...

Schon an den Strassenmusikanten merkt man, dass Glasgow mehr musikalisches Talent beheimatet als manches europäische Land insgesamt. Auf einem kurzen Gang durch die Innenstadt waren die Highlights, die ich gesehen habe, eine dreiköpfige Band mit Cello, Keyboard und Saxophon und ein Duo mit Gitarre und Schlagzeug (!).

Der Barrowland Ballroom liegt fünf Minuten zu Fuss von der Innenstadt weg, ist also prima erreichbar. Der Saal liegt im zweiten Stock, ist etwas kleiner, als ich wegen der
Menschenmassen bei Maximo Park gedacht hatte (da kam ich, als der Raum schon proppenvoll war), stinkt aber auch wie damals ekelhaft nach viel Bier auf dem Boden, sehr viel Bier.

Um sieben war Einlass und um halb acht begann die erste Vorgruppe "The Fire and I" aus Bathgate in Schottland. "The Fire and I" sind zwei Musiker, ein singender Bassist und ein punkig blondierter Schlagzeuger, der wie der Ex-Automatic Penny
haupsächlich den Background-Schrei-Part übernahm. Das hat mich nicht vom Hocker gerissen, klang weder aufregend noch neu, hat aber einige Leute so begeistert, dass die tanzten und mitsangen (und brüllten). Nach einer lauten halben Stunde waren sie fertig und machten Platz für ein ziemliches Gegenstück. Ein lockiger, holzfällerhemdtragender Mann (Jack) setzte sich an sein Keyboard und begann ein paar Lieder gemeinsam mit einem Gitarristen Chris, der auf einer Bühnenkiste sass, zu spielen. Der Stil war irgendwo zwischen (Achtung!) James Blunt, Jack Johnson und dem 90er Jahre Elton John, sprich, es war genau das, was Deutschlands meistgehörtes Radio tagaus, tagein spielt. Also liebe SWR3-Musikredaktion: ladet den Mann ganz dringend zu Eurem New Pop Festival ein! Eine Platte mit dem Titel "Either side of midnight" erscheint Anfang des Jahres.

Ich fand es schrecklich.

Setlist Jack (??? Name kommt noch)
Barrowland Ballroom Glasgow:

01: Not the hardest part
02: Milky Way
03: Either side of midnight
04: Living in a suitcase
05: Fine time
06: You think I don't care
07: Bang on the piano

Das dauerte glücklicherweise auch nur 30 Minuten, so dass um halb zehn das Licht ausging und schottische Pipes und Drums ertönten. Ganz stilgerecht tauchten auf der Bühne zwei Dudelsackbläser und zwei Trommler auf und spielten ein Intro. Unter grossem Jubel erschien dazu dann Amys Band. Im Gegensatz zu ihrem Paul Weller Support hat Amy MacDonald nämlich mittlerweile eine Band (und im Gegensatz zu Kate Nash auch eine Band, die spielen kann) - Schlagzeuger, Keyboarder, Bassist und Gitarrist.

Amy MacDonald war (britisch) festlich gekleidet, mit viel Glitzerkram im Gesicht, einem schwarzen Kleid mit schwarzen mit Glitzerzeugs verzierten Leggins und Stiefeln. Die zwanzigjährige Sängerin hat eine unfassbare Stimme, das wurde gleich beim ersten Song "This is the life" deutlich. Wow! Die Stimmung bei ihrem Heimspiel war so, wie ich es mir erhofft hatte, es war laut und
grossartig! Der ausverkaufte Saal war wegen ihr da und liess sie das von Beginn an merken. Das Publikum war bunt gemischt, hatte aber eben die Begeisterung für die Musik der jungen Sängerin gemeinsam. Also sang jeder mit, tanzte, wippte, es war herrlich! Die Stimmung war durchaus mit Gogol Bordello vergleichbar, wenn auch viel friedlicher und entspannter natürlich.

Wenn Amy MacDonald sing, macht sie das in schönstem Englisch. Wenn sie allerdings spricht, ist das eine vollkommen andere Sprache. Ich habe selten ein so schwer verständliches Schottisch gehört, unfassbar!

Das Set war anfangs nicht überraschend, bestand aus Lieder der im Sommer veröffentlichen CD, die auf Platz zwei der britischen und Platz eins der schottischen Charts (vier Wochen) war. In der Mitte des Programms kamen dann mit der B-Seite "Rock bottom" und dem Killers Cover "Mr Brightside" die ersten nicht-Album Stücke. Es folgte, falls ich Amy richtig verstanden habe, hmmm...., das offizielle Lied zur Bewerbung Glasgows für die Commonwealth Games 2014, das auf den späteren Albumversionen enthaltenen "Road to home", ein wunderschöner Titel! Dabei begleitete sie nur ihr Bassist am Schlagzeug.

Das nachfolgende "Run" war laut Amy das Lieblingslied von Paul Weller und dessen Begleiter Steve Cradock während ihres Supports. Cradock sollte wohl ursprünglich auch im Barras dabei sein, konnte aber leider nicht. Mit "Let's start a band" endete nach immerhin einer Stunde der extrem gefeierte Auftritt. Selbstverständlich war aber klar, dass das Konzert nicht ohne das Lied dazu enden würde. Daher dauerte es
auch nicht lange, bis Amy zurückkam. Sie kam aber nicht mit Band, sie kam mit ihren in Kilts gekleideten Landsleuten zurück, die sie zu "Caledonia", dem hidden track auf "This is the life" begleiteten, mit Dudelsack und Trommeln. Alleine dafür hätte sich der Abend gelohnt, einfach wundervoll!

Die zweite Zugabe, dann mit Band, war dann aber noch eine Nummer aufregender. Weil ja bald Weihnachten ist, folgte ein Weihnachtslied, "Fairytale of New York" von den Pogues, von Amys Bassisten gesungen, der den Text
auf mehreren Blättern vor sich auf dem Boden hatte. Amy übernahm dabei nur die zweite Stimme. Dazu leuchteten Lichterketten am Schlagzeug! Hach...

Während dieses Stücks legte der Tourmanager einen Blumenstrauss auf einen der Verstärker. Nach dem Pogues Cover erschien dann ein rundlicher Mann mit lustiger bunter Frisur (das musste einfach ein Radiomoderator sein), stellte sich als Joe von Radio XFM Schottland vor und berichtete, Amy habe
ihm damals Demos geschickt und heute habe er etwas für sie. Er überreichte der vollkommen verdutzten Sängerin eine Platinplatte für 300.000 verkaufte Exemplare ihrer Debüt-CD. Nach ein paar Fotos und einem "Ihr wisst, was jetzt kommt" folgte "Barrowland Ballroom" als grosser Abschluss eines fabelhaften Abends. Jeder sang mit, jeder wirkte wahnsinnig glücklich, es war wie es sein sollte und jeder ging sehr zufrieden zurück in die cold December night.

Amy hatte vorher noch gesagt, sie seien alle nicht sicher gewesen, ob sie dieses Jahr den Ballroom füllen könnte und vor ein paar Tagen habe sie bei ebay nachgesehen, ob es da Tickets gebe und es gab nicht mal da welche. Es wollte sich niemand entgehen lassen, diesen besonderen Abend dieser hochtalentierten Frau mitzuerleben. Wenn nichts dazwischen kommt, habe ich in
Glasgow den zukünftig grössten weiblichen Star aus Grossbitannien erlebt. Den Vergleich mit Amy Winehouse hatte die Schottin schon klar gewonnen, Kate Nash, die ich letzte Woche gesehen habe, ist nett, kommt aber nicht ansatzweise an Amy MacDonald ran.

Setlist Amy MacDonald Barrowland Ballroom Glasgow:

00: Intro
01: This is the life
02: Poison prince
03: Youth of today
04: L.A.
05: Wish for something more
06: Footballer's wife
07: Mr Rock 'n' Roll
08: Rock bottom
09: Mr Brightside (Killers Cover)
10: Road to home
11: Run
12: Rock 'n' Roll star
13: Let's start a band

14: Caledonia
15: Fairytale of New York (Pogues Cover)
16: Barrowland Ballroom

Links:

- Amy MacDonald, Köln, 06.03.08
- Amy MacDonald, Frankfurt, 16.09.07

- mehr Fotos

- Amy Winehouse, Köln, 28.10.07
- Kate Nash, Köln, 06.12.07




Montag, 17. September 2007

Paul Weller & Steve Cradock, Frankfurt, 16.09.07

3 Kommentare

Konzert: Paul Weller & Steve Cradock
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 16.09.2007
Zuschauer: voll


Meine letzte Begegnung mit einer Art Mod hatte ich am Samstag, als mir ein Roller fast ins Auto gefahren wäre. Der Fahrer war aber vermutlich noch nicht geboren, als Modfather Paul Weller seine Band The Jam schon wieder aufgelöst hatte und hätte daher gar nicht mitbekommen, wie symbolhaft das für mich gewesen wäre, wenn er mir unbeleuchtet ins Auto gerast wäre.

Dafür, daß eine der Hauptpersonen des Mod-Revivals der späten 70er Jahre auftreten sollte, liefen rund um den Mousonturm in Frankfurt verblüffend wenig Leute im Parka rum. Aber bei einigen Koteletten und T-Shirts sah man schon, daß viele alte Fans der Britpop-Legende da waren.

Bevor Paul mit Unterstützer Steve Cradock seinen akustischen Abend begann, trat eine junge Frau auf, passend zum Abend auch nur mit einer Gitarre ausgestattet. Ich hatte vorher gelesen, daß sie Amy MacDonald* heiße, kannte aber keines ihrer Lieder. Amy kommt aus Glasgow und hatte den Saal nach den ersten Takten für sich
gewonnen. Es waren zwar ein paar Fans von ihr da (insgesamt waren es einige Briten, die nah an der Bühne standen), der Rest des Publikums kannte die Schottin aber sicher nicht. Ihre großartigen Lieder und nicht zuletzt ihre wundervolle, sehr tiefe Stimme fesselten aber alle so sehr, daß es tosenden Applaus nach jedem Stück gab.

Die 20 Jahre (!) alte Schottin kam über ihre Liebe zu Travis, den Libertines und Babyshambles dazu, selbst Musik zu machen. Ihr Debüt-Album (das ich mir heute bestelle**), erschien im Juli, es folgten im Sommer Auftritte unter anderem in Glastonbury, beim V Festival und bei T in the Park. Eines
ihrer Lieder ist dem Barrowland Ballroom in Glasgow gewidmet, einer Veranstaltungsort, in dem Amy einmal auftreten will. Ich habe keinen Zweifel, daß sie das sehr bald tun wird, der kurze Auftritt gestern war schlicht sensationell, Amys Lieder sind wunderbar und so voller Talent!

Eines ihrer Stücke ("Poison prince") widmete sie ihrem musikalischen Vorbild Pete Doherty ("I tell you this my poison prince, you'll soon be knocking on heavens door").

Setlist Amy MacDonald Frankfurt:


01: This is the life
02: Poison prince
03: Footballer's wife
04: Mr Rock and Roll
05: The youth of today
06: Mr Brightside
07: Run


Nachdem der überschaubare Bühnenaufbau von Amy abgeräumt war, stellten die beiden nach Zwillingen aussehenden Roadies das hin, was jeder bei einem akustischen Abend erwartet hatte: zwei Barhocker, zwei Notenständer und zwei Mikros. Steve Cradock bekam zusätzlich eine Packung Zigaretten hingelegt!

Cradock, Gitarrist von Ocean Colour Scene, der schon häufiger mit Paul Weller zusammengearbeitet hat, begleitet ihn auf der akustischen Tour. Ich vermute, es hat mit Wellers Wertschätzung Cradock gegenüber zu tun, daß beide Namen im Titel der Veranstaltung auftauchen.

Vor begeistertem Publikum nahmen die beiden auf ihren Hockern Platz
(rechts und links auf der Bühne, auch hier keine erkennbare Hierarchie), rückten die Pappbecher mit Rotwein zurecht und begannen. Den Auftakt bildete "All on a misty morning" von "As is now" von 2005. Für mich war das das erste Paul Weller Konzert, daher kann ich nicht vergleichen, nicht enttäuscht sein, weil die Lieder sonst live anders klingen. Ich war fasziniert von Pauls sehr eindringlicher, souliger Stimme. Dazu kam das perfekt zusammenpassende Gitarrenspiel der beiden. Steve Cradock saß direkt vor mir. Ihn beim Spielen zuzusehen, war wirklich fesselnd, besonders dann, wenn er hoch konzentriert auf einer zwölfsaitigen Gitarre spielte.

Der erste Teil des Konzerts bestand ausschließlich aus Liedern von Pauls Soloplatten (dabei war "Lite nites" vermutlich neu). Und es war wirklich wundervoll, was der grauhaarige Mann mit der lustigen Frisur da hinlegte. Die beiden Musiker ließen sich auch nur selten aus der Ruhe bringen. Einmal mußte Weller während eines Lieds lächeln, als eine Frau in meiner Nähe Seifenblasen auf die Bühne pustete - eine herrliche Idee! Schon Amy MacDonald hatte das mit einem
Lachen registriert. Ab und zu reagierte Paul auf Zurufe des englischen Teils des Publikums.

"Pan" und "Wings of speed" spielten Weller & Cradock dann auf Keyboard (Cradock) und Klavier (Weller), die im Hintergrund standen und vorher nicht weiter aufgefallen waren.

Ein besonderer Höhepunkt war kurz später "Ghosts", daß Paul Weller wohl lange
nicht mehr gespielt hatte und das wahnsinnig gut ankam. Ähnlich räumte gegen Ende des regulären Teils "English rose" ab, begleitet von nach vorne fliegenden Rosen. Für den Rest des Programms verließ ich meinen Platz ganz vorne, weil es da mittlerweile unerträglich heiß war. Später, als ich dann wieder die Chance hatte, echte Luft zu atmen, bemerkte ich, wei unglaublich schlecht die Luft drinnen war. Es war heiß, stickig, roch eklig, es war, als ginge man durch verschiedene stinkende, schwere Vorhänge auf dem Weg Richtung Bühne. Einen tollen Konzertsaal haben die Frankfurter da, dann an der Lüftung zu sparen, ist allerdings fies.

Im etwas kühleren hinteren Teil bekam ich dann noch "Shadow of the sun" als Abschlußlied mit. Nach kurzer Pause kamen die beiden Musiker aber natürlich
zurück, um insgesamt sechs Zugaben zu spielen, u.a. Wellers großartiges "You do something to me", "Down in the Seine" aus der Style Council Zeit, "Out of the sinking" und als Abschluß "Sweet pea, my sweet pea".

Ich bin sehr froh, mit Weller endlich eine der ganz großen Musikerlegenden einmal live gesehen zu haben. Auch wenn ein akustisches Konzert sicher Weller für Fortgeschrittene ist, war es ein tolles Erlebnis. Zu dem tollen Gesamteindruck trug aber auch Amy MacDonald kräftig bei, die ein ganz toller Support war!

Setlist Paul Weller Frankfurt:

01: All on a misty morning
02: Into tomorrow
03: Who brings joy
04: Lite nites (wohl neu)
05: Oranges and rosewater
06: Amongst butterflies
07: Black is the colour
08: Pan
09: Wings of speed
10: Foot of the mountain
11: Ghosts (The Jam)
12: Roll along summer
13: I wanna make it alright
14: Let it be me (Gilbert Bécaud bzw. Jill Corey Cover)

15: English rose (The Jam)
16: Shadow of the sun

17: You do something to me (Z)
18: Down in the Seine (Z) (Style Council)
19: Hung up (Z)
20: Wishing on a star (Z)
21: Out of the sinking (Z)
22: Sweet pea, my sweet pea (Z)

Links:

- mehr Fotos


* der Mousonturm hatte sie als Amy McDonald angekündigt
** falsch: "gekauft habe" muß es heißen


 

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