Donnerstag, 12. März 2009

This Is The Kit & Rachael Dadd, Paris, 11.03.09


Konzert: This Is The Kit & Whalebone Polly & The Hand

Ort:Le Pop In, Paris

Datum: 11.03.2009
Zuschauer: geschätzte 60-70

Konzertdauer: insgesamt fast drei Stunden!





Ob ich für Kate und Rachael arbeiten würde, fragte mich ein französischer Zuschauer ganz interessiert in einer Pause während des wunderbaren Folk- Konzertabends im Pariser Pop In.

"Nein, leider nicht, ich bin lediglich Fan der beiden und This Is The Kit kenne ich auch schon eine ganze Weile", antwortete ich wahrheitsgemäß. "Diesbezüglich kann ich dich wirklich gut verstehen", sagte er augenzwinkernd und fügte hinzu, daß er die beiden erst am Vortage bei einem Konzert in einm Buchladen für sich entdeckt hatte, der praktischerweise gleich vor seiner Haustüre lag.

Ein Konzert in einem Buchladen? - Ja, richtig gelesen, Kate Stables aka This Is The Kit und ihre englische Freudin Rachael Dadd tingeln schon seit ein paar Tagen durch Pariser Librairien und beglücken Leseratten ausnahmsweise mit Ohrenschmaus statt mit Lektüre. Und dies auch noch völlig gratis, ein herzliches Lächeln und ganz viel Freude am Musizieren inklusive!

Ich selbst hatte bei einer unglaublich charmanten Session im CD Laden Ground Zero (Bericht hier!) vor ein paar Tagen Blut geleckt und war schon ganz aufgeregt, Kate und Rachael wiederzusehen. Die beiden Freundinnen hatten mir einen ganz wunderbaren Tag bereitet und ich war fest entschlossen, heute CDs von Rachael Dadd zu kaufen, wozu ich kürzlich nicht mehr gekommen war, weil der CD Laden schloss.

Die Banjospielerin Rachael Dadd stammt aus dem englischen Bristol, hat inzwischen zwei Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht, Summer/Autumn Recordings im Jahre 2005 und After The Ant Fight 2008 und verfolgt auch noch zwei andere Projekte, an denen sie maßgeblich beteiligt ist. Zum einen Whalebone Polly, das tolle Damendoppel bestehend aus ihr und Kate Stables von This Is The Kit und zum anderen The Hand, ein Duo, welches sie zusammen mit dem Kora-Spieler Wig Smith bildet.

Mit Whalbone Polly, deren erstes Album man gratis für den Kauf von Alben von Rachel oder Kate obendrauf bekam, konnte es dann auch losgehen. In allen Einzelheiten malte ich mir bereits aus, wie ich bei mir zu Hause die gekauften CDs von Rachael Dadd, The Hand und Whalebone Polly hören und genießen würde. Hach, was für ein Fest mich da erwartete! Krülle Bol von This Is The Kit hatte ich ja schon seit langem, da brauchte ich nicht mehr nachzulegen.

Auf Krülle Bol gibt es auch den Song Our Socks For Evermore und den haben Whalebone Polly in einer veränderten Fassung noch einmal neu aufgenommen. Heute wurde aber ganz überwiegend neues , noch unveröffentlichstes Material gespielt. Nur ein einziges Lied stammte von Recordings With The Windows Open, dem Debütwerk. Das war aber eher eine Randnotiz, denn nach den umwerfend guten Eindrücken, die ich heute und kürzlich gewonnen habe, bin ich überzeugt davon, daß die beiden eigentlich nur traumhaft schöne Lieder schreiben können.

Und live kommt gibt es zusätzlich noch die überschäumende, fast kindlich zu nennende Spiel-und Lebensfreude von Kate und Rachael zu bewundern, die nur noch durch die ganz wundervollen Stimmen der Folksirenen getoppt wird. Die beiden Goldkehlchen ergänzen sich ganz hervorragend, bilden tolle Harmonien und legen ihren Gesang über das meist dezente Banjo-oder Gitarrenspiel. Es ist eine pure Wonne ihnen zuzuhören- und zu sehen!

Circa 30 Minuten lang durfte man das Ganze in vollen Zügen genießen, dann war erst einmal ein Päuschen angesagt. Ein Blick auf die kleine, kaum erhöhte Bühne, wies schon darauf hin, was gleich zu bewundern sein würde. Man sah nämlich ein riesiges hölzernes Instrument auf dem ausgelegten Teppichboden, das einen langen Stil und ein kürbisförmiges Ende mit einem Loch in der Mitte hatte. Es handelte sich um eine Kora, ein harfeähnliches afrikanisches Instrument, von dessen Existenz ich bisher nur in Zusammenhang mit Toumani Diabaté gehört hatte. Live hatte ich noch nie einen Kora-Spieler erlebt. Das sollte sich nun ändern, denn der junge, aber bereits recht kahle Wig Smith performte jetzt zusammen mit Rachael Dadd. Ganz wie Kate und Rachael sind auch die beiden ein tolles Pärchen, unglaublich liebenswürdig, höflich und mit sehr viel Talent gesegnet. Die Musik von The Hand ist dabei einen Hauch experimenteller als diejenige von Whalebone Polly. Bei manchen Songs gibt es längere Instrumentalpassagen, in denen die Kora von Wig und das Banjo von Rachael eine spannende Ehe eingehen. Aber auch Wig hat eine ganz wunderbare Stimme. Wenn er singt, klingt das fast wie bei einem Messdiener oder Chorknaben und zusammen mit der engelsgleichen Stimme von Rachael fühlt man sich fast, als sei man bereits im Paradis angekommen. Ich war entzückt und völlig eingenommen von dem begeisternden Vortrage und wenn ich nicht - wie zuvor Rachael versprochen- Fotos geschossen hätte, wäre meine innere Ruhe perfekt gewesen. Die kesse Engländerin spannte mich aber noch ein wenig mehr ein, als mir lieb war. Sie machte nämlich plötzlich zwischen zwei Liedern ihre Tasche auf und reichte mir ihren kleinen Fotoapparat, wohlwissend, daß ich selbst schon mit meinem Teil wie wild rumknipste. "Oliver, could you take some pictures of us?", fragte sie mich in ihrer herzlichen Art und mit ihrem wunderschönen englischen Akzent und da konnte ich natürlich nicht nein sagen. Ich hatte also nun zwei Apparate gleichzeitig und war bepackt wie ein Esel. Zwei Songs später versuchte mich mich deshalb dezent der Kamera von Rachael zu entledigen, denn ihr kleines Ding schoss - vorsichtig ausgedrückt - nicht besonders scharfe Bilder. Ich gab sie ihr zurück, woraufhin sie vor Lachen losprustete und laut vernehmbar ausrief: "Yeah, you're right, Oliver, my camera is shit!" Um das nicht so stehenzulassen, sagte ich dipomatisch: "Oh no, it's just that the light is difficult. That's not the same thing." Aber sie hatte mich durchschaut und grinste nur...

Ich hätte sie knuddeln können, aber da ich in meinem musikalischen Urteil unabhängig bleiben will und deshalb immer eine gewisse Distanz zu den jeweiligen Musikern wahre, unterließ ich das. Außerdem musste sie ja noch Banjo spielen und bei einem Lied sogar Ukulele, genau wie ihr Partner Wig, der ebenfalls in einer Szene auf der Minigitarre brillierte.

Vorgetragen wurden übrigens fast ausschließlich Songs von dem Album Berries From The Rubble, das ich wirklich sehr empfehlen kann. Maroosia ist darauf ein Highlight, aber auch der Opener And Fold, bei dem die Instrumentierung besonders schön gelungen ist. Eine zeitlose Perle, die mich von nun an immer begleiten wird. Nie mehr will ich den Gesang von Rachael und Wig missen, die beiden sind jetzt schon eine der Entdeckungen des Jahres für mich und eine schönere Stimme als die von Rachael Dadd habe ich in meinem ganzen Leben (fast) noch nie gehört!

Setlist The Hand

01: Little Feet Running
02: If He Did Go
03: The Wind Blows The Same Way
04: New Song
05: Maroosia
06: And Fold
07: Hoovering Wasp
08: On We Skip

Es war schon circa. 23 Uhr als This Is The Kit, die Headlinerin des Konzertabends mit ihren eigenen Songs an den Start ging. Aber eingespielt war sie ja, schließlich stand sie schon zusammen mit Rachael als Whalebone Polly auf der Bühne. Natürlich kam auch Rachael wieder mit hinzu, um Kate zu unterstützen, aber es gab noch eine dritte charmante Dame zu bewundern. Ich rede von Erica Buettner, einer reizenden jungen Amerikanerin, die wie Kate seit ein paar Jahren in Paris lebt und Musik macht. Erica spielt bei ihren Solokonzerten meistens Akustikgitarre oder Banjo, heute aber durfte sie zeigen, daß sie auch auf der Querflöte brilliant ist. Ihre anfängliche Nervosität war also vollkommen unbegründet. Nach einem gelungenen Auftakt mit Creeping Up Our Shins kam schon gleich das vielleicht schönste Lied von This Is The Kit, Birchwood Beaker, das in der heutigen Version mit der Flöte sogar noch wundervoller war. Außerdem sang ja Rachael im Background mit und machte den Hörgenuß perfekt. Die beiden zusammen geben den Albumtiteln von Krülle Bol noch einmal zusätzlich Biss, die Liveversionen sind anders als aus der Konserve und klingen frischer und euphorisierender denn je. Auch Two Wooden Spoons wurde traumhaft gut neuinterpretiert und am Ende kam sogar Wig mit seiner Kora hinzu, während Rachael Klarinette spielte.

Welch grandiosen, vielseitig begabten Musiker das doch sind! Kein Wunder, daß sowohl Wig Smith als auch Wahlebone Polly dieses Jahr die Ehre erfahren, beim kultigen Glastonbury Festival zu spielen! Und wir bekamen sie in Paris drei Stunden lang umsonst. So etwas nennt man "Leben wie Gott in Frankreich!"...


Setlist This Is The Kit, Pop In, Paris:

01: Creeping Up Our Shins
02: Birchwood Beaker
03: With Her Wheels Again
04: Greasy Goose
05: Our Socks Forever More
06: Easy Listening
07: Two Wooden Spoons
08: White Ash

Links:

- Mehr Fotos von Whalebone Polly hier
- Mehr Fotos von The Hand hier
- Mehr Fotos von This Is The Kit hier





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