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Samstag, 29. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 28.08.09

10 Kommentare

Konzert: Festival Rock en Seine, 1. Festivaltag

Ort: Domaine national de Saint-Cloud bei Paris
Datum: 28.08.2009
Zuschauer: ausverkauftes Festival


Inzwischen eine schöne Tradition: Ende August treffe ich nach den Sommerferien meine Pariser Freunde wieder und gemeinsam genießt man drei Tage lang etliche Konzerte vor den Toren der Metropole. Auch der Wettergott hat in den letzten Jahren immer mitgespielt, problematischer war eigentlich eher die Zuverlässigkeit der gebuchten Headliner. Aber dazu später mehr...

Beginnen wir einfach mit den Konzerten, die auf dem brechend vollen Gelände der herbstlich wirkenden Domaine de Saint-Cloud stattfanden.

Keane:

Mein persönlicher Festivaltag begann gegen 16 Uhr 30 mit den Engländern Keane. Die sind eigentlich auch in Frankreich so groß, daß sie das riesige Zénith (ca. 7000 Plätze) füllen können. Hier und heute mußten sie sich aber mit der unbeliebten Nachmittagszeit begnügen und bekamen auch nur eine Spielzeit von circa. 45 Minuten zugestanden. Den Anfang hatte ich verpasst, aber mit Is It Any Wonder? bekam ich prompt einen alten Hit vom zweiten Album Under The Iron Sea serviert. Ein Album, daß ich zugegebenermaßen gar nicht besitze, denn ich war schon nach dem Debüt Hopes And Fears von Bord gegangen. Und dies obwohl ich den Erstling eigentlich sehr schätzte. Dazu stehe ich, wohlwissend, daß Keane als seicht, schmalzig und beliebig gelten und ihr Sound gerne als Fahrstuhlmusik bezeichnet wird. Aber ich mochte nun einmal melancholische Stücke wie Somewhere Only We Know oder Everybody's Changing und habe die damals auch gerne unter der Dusche gepfiffen, hatte damit allerdings auch mein Bedürfnis nach Zuckerguß erst einmal gestillt. Natürlich kam auch heute Somewhere Only We Know und zumindest ansatzweise habe ich auch wieder ein gewisses Kribblem im Bauch gefühlt, als es erklang. Mit Crystal Ball, dem (wohl) besten Lied von CD Nummer 2 und Bedshapped, dem persönlichen Lieblingslied des milchbubigen Sängers Tom Chaplin wurde dann abgeschlossen und viele Zuschauer, die Keane noch nie live gesehen hatten, wunderten sich wie dynamisch, agil und wild Tom, aber auch die anderen beiden, Drummer Richard Hughes und Pianist Time Rice-Oxley zu Werke gingen. Für mich war das nicht neu, hatte ich Keane doch bereits einmal vor ein paar Jahren im Olympia erlebt.

Ein guter Auftritt einer sympathischen Band.

Setlist Keane, Festival Rock en Seine, Paris 2009:

01: The Lovers Are Losing
02: Everybody's Changing
03: Nothing In My Way
04: Perfect Symetry
05: Is It Any Wonder?
06: Spiralling
07: Somewhere Only We Know
08: Crytal Ball
09: Bedshaped

Yeah Yeah Yeahs:

Allein schon dieses unglaublich lange Mikro. Wie ein Phallussymbol und dann reckt Sängerin Karen O das Ding auch noch die ganze Zeit wie eine Monstranz gen Himmel! Blasphemie? Oder einfach nur typische Provaktionen aus dem Lexikon für Rockstars? Am Anfang bleibe ich jedenfalls sehr skeptisch, wozu auch Christophs gemischt ausgefallene Konzerteinschätzung von vor ein paar Monaten beigetragen hatte. Das früh gespielte Phenomena plätschert vor sich hin und ich bereite mich innerlich schon auf ein mittelmäßiges Konzert vor. Aber dann, mit dem dritten Lied Heads Will Roll platzt der Knoten. Karen, die in ein goldenes Paillettengewand gehüllt ist, schafft es, die Leute in Bewegung zu bringen. Das ganze Festivalgelände tanzt und die Sonne lacht ebenso wie die wilde Frontlady, die Sprungfedern an den Füßen zu haben scheint. Von nun gibt es kein Halten mehr. Klar ist da viel Gepose und Getue dabei - oft fühle ich mich an ein weibliches Pendant von Iggy Pop erinnert- aber das Weib hat einfach Feuer unter dem Arsch! Der Beweis folgt mit dem garagenrockigen Pin auf dem Fuße und selbst die neuen Sachen von It's Blitz, von denen ich vermutet hatte, daß sie mir zu discolastig und synthetisch sein würden, finden im raueren Livegewand mein Gefallen, Dull Life sei hier nur als Beispiel genannt. Die absoluten Kracher wie Maps, Honeybear oder das abschließende Date With The Night sind aber alle etwas älter und punkiger und treffen voll ins Schwarze. Karen O hat vorbildlich ihre Show abgezogen (mehrere Kostümwechsel inklusive), die beiden Männer Nick Zinner (Gitarre) und Brian Chase haben auch nicht weiter gestört und so steht am Ende die Erkenntnis: Die New Yorker bringen's live! Und wie Karen immer das Wasser aus ihrem Munde sprudeln lässt! Wie ein Vulkan. Oder so...

Setlist Yeah Yeah Yeahs, Rock en Seine 2009:
01: ?
02: Phenomena
03: Heads Will Roll
04: Pin
05: Dull Life
06: Gold Lion
07: Miles Away
08: Soft Shock
09: Maps
10: Honeybear
11: Zero
12: Cheated Hearts
13: Date With The Night

Passion Pit:

Der neue Hype bei den amerikanischen Bloggern. Zu dumm nur, daß ich (fast) keine Blogs lese (Ausnahmen: das klienicum, plattenvorgericht und ein paar wenige andere), vor allem keine englischsprachigen! Aber ich habe die studentisch wirkenden Typen ja im Juli schon beim Melt! erlebt und mir mein eigenes Bild machen können. Ihr elektronischer Pop ist mir eigentlich eine Spur zu süßlich und happy, aber man muß den Jungspunden auf jeden Fall zugestehen, daß sie ideenreich und frisch rüberkommen und das Publikum mit Songs wie The Reeling oder Sleepyhead ordentlich zum Tanzen bringen. Sie bieten letztlich den perfekten Soundtrack für den (zu Ende gehenden) Sommer und die Kopfstimme von Sänger Michael Angelakos ist wirklich außergewöhnlich. Wer findet noch, daß er klingt wie der junge Michael Jackson bei den Jackson Five?

Madness:

Nostalgie mag ich nicht sonderlich. Deshalb halte ich auch nicht allzuviel von Reunions oder Comebacks alter Recken längst vergangener Zeiten. Konzerte von Madness im Jahre 2009? Interessieren mich nicht! So dachte ich zumindest bis heute. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. Die alten Säcke waren nämlich schlicht und einfach grandios! Und zwar von Anfang bis Ende! Wie Perlen auf einer Kette reihten die Ska-Götter ihre unzähligen Hits aneinander und wirbelten das Pariser Publikum mächtig durcheinander. Ob Opener One Step Beyond, das unfassbare Baggy Trousers oder das wundervolle My Girl, alles was gespielt wurde , klang einfach großartig und keine Spur antiquiert oder verstaubt. Im Gegenteil, zahlreiche aktuelle britische Künstler haben sich vieles von Madness abgeguckt, Dirty Pretty Things, Babyshambles, Kaiser Chiefs oder auch Amy Winehouse seien hier nur beisspielhaft erwähnt. So geriet das fulminante Konzert schließlich zu einer riesigen Freiluft-Tanzveranstaltung und selbst alte Fans im Publikum bewegten ihre fetten Bäuche im infektiösen Takt. Mit Night Boat To Cairo ließen sie am Ende ein verzücktes Publikum zurück, dessen Ohren vom lauten Saxofon kräftig durchgepustet wurde. Und eine Zirkusnummer hatte es obendrein gegeben: Ein Musiker spielte in 10 Meter Höhe, an Seilen festgemacht, Saxofon. Cool! Und das Lustigste: Madness spielten ein paar Stunden später noch einmal das gleiche Konzert auf der Hauptbühne. Warum? Siehe Oasis!

Setlist Madness, Rock en Seine 2009:

01: One Step Beyond
02: Embarassment
03: The Prince
04: Nw 5
05: My Girl
06: The Liberty Of Norton Folgate
07: The Sun And The Rain
08: Out Of Space
09: Dust Devil
11: Forever Young
12: House Of Fun
13: Baggy Trousers
14: Our House
15: It Must Be Love
16: Madness
17: Night Boat To Kairo

Vampire Weekend:

Von der amerikanischen Sensation des Musikjahres 2008 bekam ich nur 3 Lieder mit, da ich zu Bill Callhan wollte, der auf einer kleineren Bühne spielte. A Punk, M 79 und One (Blake's Got A New Face) klangen aber noch genaus frisch wie eh und je...

Bill Callahan:

Leider hatte ich die ersten beiden Titel des ehemaligen Smog Sängers verpasst, aber mit dem grandiosen Diamond Dancer erwischte ich einen fantastischen Start. Bill hatte eine ausgewachsene Band mit Cellist, Violinistin, Bassist und Schlagzeuger dabei und wärmte in der Folge das Herz mit Eid Ma Clack Shaw, Too Many Birds, The Wind And The Dove ( zusammen mit der reizenden Sophia Knapp). Der Abschluß mit Cold Blooded Old Times war regelrecht noisig und verschlug mir glatt die Sprache! Ein formidabler Schocker, der bewies, daß Bill auch auf einer großeren Bühne bestehen könnte. Verdient hätte er es, seine Bariton- Stimme ist außerdordentlich toll und seine Kompositionen voller Klasse und dunkler Eleganz. Für mich einer der ganz Großen!

Bloc Party:

Die Engländer um Kele Okereke sind für Festivalveranstalter eine verlässliche Sache. Fast jeder mag sie, die meisten Songs rocken sehr ordentlich und die allermeisten Zuschauer kennen zumindest Helicopter oder Banquet. Beim Melt! Festival war ich berechtigterweise sehr von ihnen angetan, heute aber spielten sie quasi das gleiche Konzert noch einmal. Wenige Überraschungen also und selbst das neue Lied One More Chance (eher Mittelmaß), war mir schon in der Liveversion bekannt. Meine persönlichen Favoriten waren eher altbewährt: This Modern Love mit seiner hübschen Gitarenmelodie, Like Eating Glass mit Keles durch Mark und Bein gehendem Gesang und das technolastige Flux, das noch am wenigsten abgenudelt ist.

Grundsolide und, ich sagte es breits, zuverlässig

Setlist Bloc Party, Festival Rock en Seine, Paris 2009:
01: One Month Off
02: Hunting For Witches
03: Positive Tension
04: Talons
05: Signs
06: Song For Clay (Disappear Here)
07: Banquet
08: Two More Years
09: One More Chance
10: Mercury
11: This Modern Love
12: The Prayer
13: Like Eating Glass
14: Flux
15: Helicopter

Oasis:

Mit zuverlässig sind wir beim Thema. Eigentlich sind das ja Oasis normalerweise und die Veranstalter waren sich sicher, nicht wie bei Amy Winehouse im letzten Jahr, eine kurzfristige Absage eines Headliners hinnehmen zu müssen. Sie hatten aber nicht mit dem Jähzorn der Gebrüder Gallagher gerechnet, die sich wohl hinter der Bühne geprügelt hatten. Bei dieser Aktion zerstörte Liam angeblich auch eine von Noels Gitarren (siehe Kommentar von Christoph). "Die Band Oasis besteht nicht mehr, alle künftigen Termine sind gecancelt" wurde gar verlautbart*, aber vielleicht sollte man da noch ein wenig warten, bis sich die erhitzten Gemüter etwas beruhigt haben. Riesenpech für die Organisatoren und die zahlreichen nur für Oasis erschienenen Fans! Diese und alle anderen Festivalbesucher bekamen übrigens Madness als Ersatz geboten. Die alten Herren hatten sich spontan bereit erklärt einzuspringen...

Fotos folgen!

* verkündet wurde diese Nachricht übrigens während des Konzertes von Bloc Party, das zwischen 21 und 22 Uhr stattgefunden hatte. Oasis waren um 22 Uhr angesetzt. Kele Okereke stimmte mit seiner Band das Gitarrenriff von Supersonic an, rief seinen Tourmanager auf die Bühne, und ließ von diesem ausrichten: "Oasis will not play tonight." Mister Okereke schien das nicht sonderlich zu betrüben. Er grinste über das ganze Gesicht und meinte lapidar: "Now we are headlining", so we can play more songs." Aus diesem Grunde waren auch etliche Festivalbesucher skeptisch, sie hielten die Ansage für einen Joke und wanderten rüber zur Hauptbühne um festzustellen: Die Sache stimmt! Oasis haben tatsächlich gecancelt! Ein Verantwortlicher des Festivals war hierzu auf die Bühne gekommen und hatte folgendes ins Mikro gesagt: Oasis n'existent plus! Oasis gibt es nicht mehr...



Sonntag, 8. Februar 2009

Oasis, Düsseldorf, 04.02.09

3 Kommentare

Konzert: Oasis
Ort: Philipshalle Düsseldorf
Datum: 04.02.2009

Zuschauer: ausverkauft


Es gibt Bands, da verwischt blinde Begeisterung jede objektive Sichtweise auf das musikalische Schaffen. Sonic Youth sind so eine Band, Oasis eine andere. Sie können tun und lassen was sie wollen, einen Kern grandioses finde ich immer.

Im Fall von Oasis, und um die geht’s hier, sind es in der Phase der schwächeren Alben „Standing on the shoulder of Giants“ and „Heathen chemistry“ mit Peinlichkeiten wie Little James oder Hindu times kleine all-time-favourites wie Songbird oder She is love. Seinerzeit musste man Befürchtungen haben, dass die große Oasis Ära vorbei ist, dass Hallen wie die Philipshalle eine Nummer zu groß sind.

Nun ja, mittlerweile sind Oasis wieder für alle gut, die Philipshalle folglich rasch ausverkauft. (Das galt für den ersten angesetzten Termin, gestern gab es wohl noch 10 Restkarten).

Auch ich hatte mir zügig eine Karte gesichert, um dann, nach der Absage des Januartermins, vor einem kleinen Dilemma zu stehen. Ausgerechnet der 4. Februar. Spielen dann nicht auch Travis? Habe ich nicht auch für die Live Music Hall eine Karte? Keine Frage, Oasis lasse ich nicht sausen. Also schnell noch die Travis Karte verkaufen. Trugschluss. Weder über lastfm, noch über Fansale wurde ich das Ticket los. Auch hanebüchene Offerten von Auge-zu-Auge (10 Euro) brachten keinen Verkaufserfolg. Selbst als ich gestern die Karte verschenken wollte, keine Chance. „Ach, alleine hab ich keine Lust“, „ich muss zum Tanzkurs“ oder „wir haben heute Spieleabend“. Nee, ist klar! Musikignoranten!

Wer Oasis zum ersten Mal live sieht, ist vielleicht enttäuscht. Der Begriff „unspektakulär“ ist für ihre Bühnenshow noch übertrieben. Es passiert nichts.

Noel Gallagher gehört die rechte Bühnenhälfte. Der ältere der Gallagher-Bros verlässt den 2 Meter Raum um sein Mikro ebenso wenig wie Gem Archer und Andy Bell ihre Plätze am linken Bühnenrand. Vor den Boxen dudeln sie ihre Parts runter, als ob sie mit dem Ganzen nur bedingt etwas zu tun haben. Einzig Liam, der alte Rocker, verspürt einen Hauch von Bewegungsdrang, er läuft zwischen Schlagzeug und Mikro hin und her. Zwischendurch immer mal wieder Lad-Posen (die erwartet man, also bekommt man sie auch), und ein bisschen Schellenkranzgefurchtel. Das muss reichen.

Es hat sich nichts geändert bei Oasis. So war es schon immer, so wird es wahrscheinlich immer bleiben.

Mehr als bei anderen Bands ist es am Publikum, für ein gutes Konzert zu sorgen. Lässt sich die Meute von der Trägheit der Band anstecken, lässt sich wiederum die Band davon anstecken und es wird ein gruseliger Abend.

Akzeptiert das Publikum das arrogant und desinteressiert wirkende Gehabe der vier und feiert fröhlich ab, wird es ein guter Abend. Und wenn dann noch eine ausgeglichene Grundstimmung bei Noel und Liam vorhanden ist, wird es ein sehr guter Abend.

Gestern schien den beiden nichts quer gekommen zu sein. Auch die kleineren Soundprobleme bei Liam, die er nach seiner ersten Rückkehr zu Songbird augenscheinlich hatte, konnten ihn nicht aus der Bahn werfen. Ein durchaus gutes Zeichen. Ich habe schon erlebt, dass Liam wegen einer solchen Kleinigkeit komplett die Lust verliert, das jedem ungefragt mitteilt und der Abend gelaufen ist.

Aber gestern: zwei Gespräche nach Songbird und Slide away mit dem Tonmann am rechten Bühnenrand, Daumen hoch nach Morning Glory und alles war in bester Ordnung.

Die Zeiten scheinen sich zu ändern.

Was sich allerdings nicht ändert, sind große Teile der Setlist. Einige Sequenzen spielen Oasis bereits seit Jahren. So gibt es den Eröffnungsdreier des gestrigen Abends schon seit der „Standing of…“ Tour. Und überhaupt scheinen Oasis für diese Tour nur eine einzige Setlist parat zu haben. Gestern war wie Berlin, Berlin wie Dresden und Dresden wie Göteborg und Oslo. Wird das nicht auf Dauer dröge, Jungs?

Irgendwo habe ich gelesen, dass Liam keinen Bock drauf hat, viele Texte bzw. Songs einzuüben, so dass man bei Auftritten lieber auf bekanntes Material zurückgreift. So gab es vom neuen Album fünf Songs, das Hauptgerüst bildeten aber Stücke der ersten beiden Alben „Definitely maybe“ und „What’s the story…“

Von den großen Brechern fehlte einzig Live forever. Songs der „Be here now“ und „Standing on the shoulders…“ Alben wurden gänzlich unberücksichtigt gelassen (vom Fuckin’ in the Bushes Intro mal abgesehen).

Das Intro sowie Rock’n’Roll Star und Lyla gehen komplett an mir vorbei. Die Security hatte sich nämlich just mit Konzertbeginn dazu entschieden, noch einige Dutzend Leute mehr in den vorderen Bühnenbereich zu lassen. So war ich bemüht, dazuzugehören, und das Bühnengeschehen geriet kurzzeitig ins Abseits. Bei Shock of a lightning war ich drin, und voller Freude dem engen treiben an den Absperrgittern entkommen zu sein.

Das war auch mein eigentlicher Plan für diesen Abend, eines der begehrten Bändchen für den vordersten bereich zu erhaschen. Doch als ich um kurz nach sieben in die Philipshalle kam, war schon nichts mehr zu machen. Alle Kapazitäten erschöpft. Dabei war vor der Bühne augenscheinlich noch Platz für ca. 100 Leute, ohne das größere Verletzungsgefahren zu befürchten wären. Doch die Sicherheitsleute blieben hart. Nein, keiner kommt mehr rein, und nein, bitte nicht die Jacke über die Absperrgitter legen.

Um kurz nach 21 Uhr war dies alles Geschichte. Jetzt konnte der Abend so richtig beginnen.

Die Massen war bereits aus dem Häuschen. Kein Wunder, wer Rock’n’Roll Star als zweiten Song spielt, der kann nur gewinnen.

Nach dem ersten Noel Solopart mit Waiting for the rapture und The Masterplan kam Gallagher Zwo zu Songbird zurück auf die Bühne. Songbird, Slide away und Morning glory gehörtem dem Vorzeige- Lad. Cool Britannia! Liam ist einzigartig, wenn er in leicht gekrümmter Körperhaltung in sein Mikrofon grölt. Oder wenn er in längeren Gitarrenparts ein zwei Schritte an den Bühnenrand stolziert, die Hände in die Manteltaschen packt und seine Körpersprache vor Arroganz und Provokation nur so trieft. So steht er dann da, sekundenlang, ohne Bewegung. Ach ist das lustig!!!

Wonderwall, dass Liam so schnell singt, dass Noel kaum mit dem Gitarrenspiel hinterherkommt, und Supersonic bilden den Abschluss des Sets.

Der erste Zugabeteil gehört Noel. Das obligatorische Don’t look back in anger (den Song find‘ ich wunderbar, aber auch stark überbewertet) mit vollständigem Philipshallenchor, grandios. Falling down, nicht weniger schlecht.

Die Rückkehr des Liam dritter Teil zu Champagne Supernova und I am the Walrus bildet den Abschluss des Konzerts. Irgendwas von den Beatles muss sein. Und wenn live das John Lennon Sample schon nicht stattfindet, dann zumindest der Beatles- Song. Ich glaube, I am the Walrus gehörte schon immer zur Setlist.

Noch ein Wort zu Andy Bell. Jedes Mal, wenn ich ihn Bass spielen sehen muss ich mit einem großen Stück Wehmut an Ride denken. Was war das doch für eine großartige Band. Können die nicht mal wieder was zusammen machen? Aber das bleibt wohl ein Traum, denn zu groß scheinen die Spannungen zwischen Andy Bell und Mark Gardener zu sein. Und dann fallen mir die nicht minder schlechten Hurricane #1 ein. Was für ein Schreibertalent sich doch in der zweiten Oasis- Reihe rumtreibt.

So wurde es ein perfekter Abend mit dem besten Oasiskonzert, das ich gesehen habe. Und erlebt habe ich einige in den letzten 14 Jahren.

Ach ja, und wie waren Travis? Diese Frage stelle ich mir eher, als mich mit der Vorband zu beschäftigen. Everlaunch nennt sie sich. Wer sie engagiert hat, ich weiß es nicht. Wir sind uns aber darüber einig, dass sie vollkommen fehl am Platz waren. Die Philipshalle machte auch keinen Hehl daraus, und ließ sie gnadenlos auflaufen. Naja, nach knappen 35 Endlosminuten war der Everdingens-Drops auch gelutscht. Er schmeckte mir nicht besonders. Everdingens machen die Art von langweiliger Gitarrenmusik, die mich nicht interessiert. Ich suche nach Referenzen. Blackmail ohne Zähne, Pearl Jam ohne Attitüde. Placebo im WDR 2 Format. Irgendwo hier. „Wir sind keine Engländer,“ sagt der Everlaunch Sänger. Ich bin auch keiner, erzähl’ das aber nicht ungefragt, weil es erstens egal ist und zweitens keinen interessiert. Ihr kommt also aus Deutschland. Das hört man euch an. Ich glaube, ihr habt heute keinen neuen Fan hinzugewonnen.

Da freue ich mich schon auf Zürich. Dort bestreiten zwar auch keine Engländer das Oasis-Vorprogramm, aber auch keine Deutschen!

Setlist Oasis, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Fuckin’ in the Bushes
02: Rock’n’Roll Star
03: Lyla
04: The shock of the lightning
05: Cigarettes and Alcohol
06: The meaning of soul
07: To be where there’s life
08: Waiting for the rapture
09: The Masterplan
10: Songbird
11: Slide away
12: Morning Glory
13: Ain’t got nothin’
14: The importance of being idle
15: Wonderwall
16: Supersonic

17: Don’t look back in anger (Z)
18: Falling down (Z)
19: Champagne Supernova (Z)
20: I am the Walrus (Z)

von Frank von Pretty Paracetamol

(Fotos folgen gleich!)



Dienstag, 11. November 2008

Oasis, Paris, 10.11.08

2 Kommentare

Konzert: Oasis
Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 10.11.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 100 Minuten



Eine Wahnsinnstimmung, ein schwerer und wuchtiger Sound und zahlreiche Hits, vor allem gegen Ende. Oasis Fans, die zum Teil von England aus nach Paris gereist waren, kamen mit Sicherheit voll auf ihre Kosten! Ich persönlich allerdings war schlecht auf dieses Event vorbereitet, hatte keine dringend notwendigen Ohrenstöpsel dabei und auch das aktuelle Album Dig Out Your Soul nie zuvor gehört. Deshalb rauschte auch der erste Teil des Konzertes, indem Neulinge wie The Schock Of The Lightning, To be Where There's Life und Waiting For The Rapture mit unerhörter Lautstärke (sehr dominant: das Schlagzeug und die Gitarren!) gespielt wurden, wie ein tosender Vulkan an mir vorbei.

Oasis, eine meiner Lieblingsbans der 90er, hatten Probleme, mich als Altfan zu erreichen, so wie das früher einmal der Fall war. Erst mit der schönen Ballade The Masterplan kam ich besser rein und auch Songbird sofort im Anschluß war ein Highlight. Im Grunde genommen, hatte das Konzert für mich die besten Momente, wenn das Tempo und die Wucht ein wenig rausgenommen wurden und melodieseelige, beatleske Songs angestimmt wurden. The Importance Of Being Idle war eine dieser Perlen und ich denke man kann mit Fug und Recht von einem der besten und markantesten Songs der Kultband aus Manchester sprechen. Das Ende vor dem Zugabenteil war auch noch einmal hochkarätig, obwohl Klassiker wie Wonderwall und Supersonic durch Dauerbeschallung im Fernsehen und Radio schon ein wenig totgenudelt sind. Don't Look Back In Anger, die erste Zugabe, ist hingegen nach wie vor brilliant, während ich Champagne Supernova schon damals nie richtig mochte.

Alles in allem ein Konzert bei dem die Brüder Gallagher und ihre Kumpels bewiesen haben, daß sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und auch in der Lage sind, neue, sehr junge Fans hinzuzugewinnen, daß sich aber wohl kaum in meinen persöhnlichen Jahres Top Ten wiederfinden wird.

An dieser Stelle aber mal ein Aufruf an alle Oasis- Fans in Deutschland und Frankreich:

Wie habt ihr die Konzerte im Kölner Gloria und im Pariser Bataclan erlebt? Wurden Eure (mit Sicherheit hohen) Erwartungen erfüllt? Können Oasis nach wie vor den Titel "Beste Band der Welt" für sich beanspruchen? Hat sich das lange Anstehen für die Karten gelohnt? Welches war live der beste neue Song? Euer Feedback würde mich an dieser Stelle sehr interessieren, wir könnten dann eventuell auch Eure Kommentare direkt auf dieser Hauptseite veröffentlichen...

Questions à tous les fans d'Oasis en France:

- Comment avez-vous vécu le concert au Bataclan? Est-ce qu'il répondait à vos attentes? Est-ce que Oasis méritent comme avant le titre de "meilleur groupe du monde"? Est-ce que la longue fille d'attente en a valu la peine? Parmi les nouveaux morceaux quel est le meilleur en live? Merci pour votre retour!



Setlist Oasis, Le Bataclan, Paris:

01: Rock & Roll Star
02: Lyla
03: Schock Of The Lightning
04: Cigarettes And Alcohol
05: Meaning Of Soul
06: To Be Where There's Life
07: Waiting For The Rapture
08: The Masterplan
09: Songbird
10: Slide Away
11: What's The Story Morning Glory
12: Ain't Got Nothing
13: Importance Of Being Idle
14: I'm Outta Time
15: Wonderwall
16: Supersonic

17: Don't Look Back In Anger (Z)
18: Fallin' Down (Z)
19: Champagne Supernova (Z)
20: I Am The Walrus (Z)

Links:

- Sehr gute Fotos (très belles photos) von Oasis haben unser Freunde von Soundofviolence und zwar hier
- Englische Review von Oasis im Bataclan bei Rockerparis. Dort gibt es auch ein Video von I'm The Walrus
- Oasis live Paris Bataclan (10. November 2008) Video Supersonic

Ammerkung: das schöne letzte Foto, wo man die ganze Band sieht, stammt von Anjali Knebworth, (merci Annie-Line!) hier ist der Link zu ihrer Flickr-Seite, wo man noch mehr Pics von Oasis anschauen kann.




 

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