Posts mit dem Label Den Atelier werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Den Atelier werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 6. Juni 2024

Slowdive, Luxemburg, 04.06.24

2 Kommentare

Konzert: Slowdive
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 04.06.2024
Dauer: Slowdive knapp 90 min, Pale Blue Eyes gut 30 min
Zuschauer: ca. 1.000 (vermutlich ausverkauft)



The world is full of noise, yeah, I hear it all the time. Oh wie sehr ich Slowdive live vermisst habe. Mein letztes Konzert der Shoegaze-Band vor dem Auftritt beim Maifeld-Derby vorgestern liegt auch schon wieder mehr als sechs Jahre zurück. Seitdem haben Slowdive das zweite Album nach der Reunion veröffentlicht, das sie intensiv betouren. 


Die zweite Karriere der in den 90ern von der britischen Musikpresse belächelten Band verläuft so viel besser als die erste. Shoegaze ist keine Beleidigung mehr, es ist ein hipper Musikstil, endlich feiert nicht nur die Szene sich selbst. Mit dem Reunion-Album Slowdive (es ist ein wenig verwirrend: es gibt die Band Slowdive, eine EP Slowdive, ein Album Slowdive und ein Lied Slowdive) ist der Band etwas gelungen, was mehr als selten ist: es ist mindestens so gut wie die besten alten Veröffentlichungen. 


Das Atelier in Luxemburg ist einer meiner Lieblingsclubs. Das zeigte sich schon am Mittag. Da sendete der Club nämlich noch einmal alle wichtigen Informationen wie den genauen Zeitplan. So was ist toll und hilfreich! Wir wussten also, dass wir kurz vor dem Beginn der Vorgruppe da sein würden. Supportet werden Slowdive auf dieser Tour von Pale Blue Eyes aus Devon (beste Gegend!), einer vierköpfigen Band, die nach The Velvet Underground benannt sind und nach einer shoegazigen Sozialisation klangen. Mir gefiel das gut halbstündige Set gut, Uncut nennt die erste Platte der Band "joyous, propulsive, exhilarating."


Es gab wohl noch Tickets an der Abendkasse, als Slowdive um 21:00 Uhr auf die Bühne kamen, war der Saal aber knackig voll. Der erste Teil des Konzerts unterschied sich nicht vom Auftritt beim Maifeld-Derby - weder in der Liedauswahl noch in der Klarheit des Sounds. Wenn Shoegaze-Bands mies abgemischt sind, ist das eine Qual. Slowdive klingen immer top. Auch wenn - ich jammere jetzt auf sehr hohem Niveau - es nicht mehr an die glasklaren Abmischungen wie in der frühen Reunion herankommt. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Soundmann, der mit ihnen vor und nach der Pause gearbeitet hat, jetzt nicht mehr dabei ist.


In der zweiten Konzerthälfte waren Slomo, Machine gun und Dagger neu im Vergleich zu Mannheim, gerade auf das wunderschöne Dagger hatte ich sehr gehofft (sie spielen das wohl erst seit 2014). 

Ich habe Slowdive jetzt schon oft gesehen, genug davon habe ich aber vermutlich nie. Warum auch, wenn sie immer noch so großartig wie gerade sind?

Setlist Slowdive, den Atelier, Luxemburg:

01: Shanty
02: Star roving
03: Catch the breeze
04: Skin in the game
05: Crazy for you
06: Souvlaki Space Station
07: Sugar for the pill
08: Slomo
09: Kisses
10: Alison
11: When the sun hits
12: 40 days

13: Machine gun (Z)
14: Chained to a cloud (Z)
15: Dagger (Z)
16: Slowdive (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Brüssel, 07.10.17
- Slowdive, Hamburg, 04.10.17
- Slowdive, Dortmund, 29.09.17
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14


Montag, 26. Februar 2018

The Charlatans, Luxemburg, 25.02.18

0 Kommentare

Konzert: The Charlatans
Ort: den Atelier
Datum: 25.02.2018
Dauer: The Charlatans 95 min, The Kooters 30 min
Zuschauer: ca. 300




Um 19 Uhr sollte der Einlaß im Atelier beginnen. Ich hatte mehr Sonntagsfahrer eingerechnet und war ein paar Minuten zu früh da. Weil in Luxemburg aber alles exakt nach Zeitplan funktioniert (sofern nicht Pete Doherty beteiligt ist), erschien mir das Risiko überschaubar, fünf Minuten in der Kälte zu warten ist ja nicht dramatisch. Aus fünf wurden aber gut dreißig, aus -1° schnell -20°. Ab und zu ging die Tür des Clubs auf, aus der Soundcheck-Geräusche kamen. Als die Band ganze Lieder spielte, hoffte ich, daß das nichts Aktuelles von den Charlatans sein möge, deren letztes Album kenne ich nämlich nicht. Und das, was aus dem Atelier rüberschallte, klang nicht so, als lohnte sich das Frieren. Als ich gerade schon den Beschluß gefasst hatte, in fünf Minuten nach Hause zu fahren, kam ein Ordner und sagte, es ginge in zwei Minuten los. Das stimmte und bescherte mir ein frühes Konzerthighlight 2018.



Die Band, die noch so spät soundgecheckt hatte, war The Kooters aus Luxemburg. Grund für die Verzögerung war das Spiel Man United gegen Chelsea (2:1), das die Hauptgruppe noch sehen wollte, bevor sie zum Soundcheck konnte. Sänger Tim Burgess ist United-Fan, was ihn mir noch mal eine Nummer sympathischer macht. 

Für die Musik der Kooters (die mich an die Guano Apes erinnerte) bin ich zu alt (um etwas Nettes über den halbstündigen Auftritt zu schreiben). 



Um Punkt neun betraten sehr gut gelaunte Charlatans (2:1) die Bühne des tollen Ateliers. Auch wenn der Club alles andere als gut besucht war, war sofort Stimmung da. Ich kannte in der ersten Konzerthälfte kaum einen Song, die meisten Lieder stammten von Different days (2017) und dem Vorgänger Modern nature, den ich auch verpasst hatte. Aber das machte nichts, es klang durch und durch nach den Charlatans und auch die aktuellen Platten scheinen nicht sehr verkehrt zu sein, es war nämlich alles gut und sehr kurzweilig. Daß trotzdem die beiden älteren Lieder der ersten Hälfte die besten waren (Weirdo und das fantastische One to another), relativiert diese Aussage nicht.


Tim Burgess ist um ein paar Jahre gealtert, seit wir uns (haha!) zuletzt gesehen haben. Beim Primavera Festival 2010 spielten die Charlatans ihr umwerfendes Debüt Some friendly. Aber das ist ja jetzt auch schon wieder acht Jahre und ein paar Zentimeter Haaransatz her. An der Stirn wird es bei Tim etwas lichter, daher scheinen die klassischen Prinz-Eisenherz-Frisuren nicht mehr zu funktioneren. Unverändert ist Tims Bühnenpräsenz. Er tanzt, wippt, gestikuliert wie früher. Madchester ist eben nicht nur Sound, Madchester sind auch extrovertierte Frontmänner. Und auch sein sehr kurzer Pullover und seine tief gerutschte Hose schienen aus den frühern 90ern zu stammen.

Die Musik der Nordengländer ist erstaunlich zeitlos, jedenfalls in meinen Ohren. Bei Bands, die von Nostalgie leben, sind neuere Stücke meist großer Quatsch, die Lieder der Gruppe aus Manchester klangen alle gut und frisch, was ein wenig unsinnig klingt, weil das tragende Instrument der meisten Songs ja die herrlich olle Hammond-Orgel ist, die mit auf Tour geht.



Ich bezeichne die Charlatans immer gerne als eine meiner liebsten Bands, was etwas geschönfärbt ist, weil ich - wie auch bei James - die letzten Alben ignoriert habe. Auch höre ich zwischen Konzerten sehr selten die Platten. Da ist das Risiko natürlich groß, daß so ein Abend ein anstrengendes Warten auf die Hits ist. Das war er aber nicht. Auch wenn nach 45 Minuten Schluß gewesen wäre, hätte ich ein sehr gutes Konzert gesehen (und zwei, drei Lieder gekannt). Gegen Ende wurde die Orgel immer orgeliger, die Intros klangen immer mehr nach The only one I know. Bei der 91er Single Over rising dachte ich einen Moment lang, Organist Tony Rogers habe sich verspielt und das falsche Lied begonnen.

Das Konzert war bei weitem nicht so laut wie das 2008 in Köln, es war aber hervorragend. Daß ich dafür an einem Sonntag nach Luxemburg fahren musste (obwohl die Band am nächsten Tag in Köln spielt - da allerdings parallel zu Slowdive), wurde in 95 vollkommen gerechtfertigt. Wir Zuschauer hatten einen guten Abend!

Aber auch die Band schien ausgezeichnet gelaunt zu sein. Tim unterhielt sich immer wieder mit Leuten im Publikum. Einmal setzte er sich an den Rand und redete eine ganze Weile mit einer Frau (?) in der ersten Reihe. Wir konnten nur ihn hören, daher war die Unterhaltung ein wenig rätselhaft. Später ging es um das "beste Lied" der Band, das bitte jetzt gespielt werden möge. Also sagte Tim danach einige Stücke als beste Lieder (oder seinen Liebling, nachdem er danach gefragt worden war) an.

Charlatans-Konzerte enden mit Sproston green von Some friendly. Davor packten die Engländer mit Then noch die Single der Debütplatte.

Vielleicht dauert es jetzt wieder acht oder zehn Jahre, bis ich die Charlatans live sehe, vermutlich höre ich auch in der Zeit kaum Platten der Band. Und ganz sicher komme ich begeistert aus dem Konzert und freue mich, wie gut die Entscheidung war, hinzugehen!


Setlist The Charlatans, den Atelier, Luxemburg:
 

01: Not forgotten
02: Weirdo
03: So oh
04: Solutions
05: Talking in tones
06: Emilie
07: One to another
08: Different days
09: Plastic machinery
10: Just when you are thinking
11: Over again
12: North country boy
13: Telling stories
14: Come home baby
15: Over rising
16: The only one I know
17: Let the good times be never ending

18: Then (Z)
19: Sproston green (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
-
The Charlatans, Barcelona, 29.05.10
- The Charlatans, Köln, 23.09.08
- The Charlatans, Brüssel, 17.02.08
- The Charlatans, Paris, 12.02.08



Montag, 21. August 2017

Interpol, Luxemburg, 19.08.17

0 Kommentare

Konzert: Interpol
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 19.08.2017
Dauer: Interpol knapp 95 min, Froth knapp 45 min
Zuschauer: ca. 800 (ausverkauft)



Interpol sind die wichtigste Band der letzten 20 Jahre, auch für mich. Die Liste der Bands, die sich auf die New Yorker beziehen oder mit ihnen verglichen werden, ist entsetzlich lang. Während viele von denen wieder verschwanden, sind Interpol immer noch aktiv und verweigern das übliche Schicksal, immer schlechter zu werden und irgendwann nicht mal mehr aus Mitleid attraktiv zu sein. Nichts kommt an die ersten beiden Alben der Band ran, aber nichts aus dem späteren Werk ist peinlich oder langweilig.

Das Debüt Turn on the bright lights ist 2002 erschienen und wird seit wenigen Tagen live aufgeführt. Als diese Tour im Januar angekündigt wurde, waren zwar nur zwei Termine in Deutschland dabei, allerdings auch ein Konzert im kleinen und sehr tollen Atelier in Luxemburg. 2015 hatte ich Interpol beim Primavera-Festival in Barcelona in einem kleinen Theater gesehen und nicht gedacht, sie noch einmal so winzig erleben zu dürfen. Das Atelier ist eine Ecke kleiner. 


Vor Interpol spielten erst einmal Froth aus Los Angeles, eine vierköpfige Dreampop-Band, die zuletzt u.a. Ride supportet hatte. Weil ich viel Gutes über sie gehört hatte, war Vorfreude da, obwohl Vorgruppen bei einem Konzert, das ewig lange Anreise erfordert, fast immer lästig sind. Froth waren allerdings ganz anders. Ich habe ewig keine so überzeugende Support-Band gesehen. Froth klangen mal shoegazig, mal rockig, mal mehr nach Dreampop, vor allem waren sie über 45 Minuten lang hochspannend. Eigentlich total unfair, eine solch gute Band vor Interpol anzusetzen, denn dadurch bekommen Froth (z.B. hier) bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienten. Im Saal wurde ihr Auftritt aber gefeiert, auch das habe ich bei Supports selten in der Form erlebt.

Und dann Interpol...

Meine letzten beiden Konzerte der New Yorker waren wieder sehr gut, nachdem ich davor ein paar Auftritte erlebt hatte, die mich erschreckend kalt gelassen hatten. Der Witz schien auserzählt, bis 2015 wieder ein gutes Live-Jahr war. Schlechte Alben hatte die Band auch zuletzt nicht, der Lack schien aber ab zu sein. Dann kam Barcelona und ein hervorragendes Konzert im Schlachthof in Wiesbaden. Das Risiko, daß ausgerechnet das Turn on the bright lights Jubiläum mies werden würde, war überschaubar.

Als die Band - die drei Gründer Paul Banks, Daniel Kessler und Sam Fogarino, Tour-Bassist Brad Truax und Tour-Keyboarder Brandon Curtis - das Konzert nicht mit Untitled eröffneten, begann erst einmal ein Aufwärmen, das mehr als fantastisch war. Not even jail, Take you on a cruise, Slow hands, die drei mittleren Lieder der zweiten Platte Antics nacheinander, das war phänomenal gut! Bei Not even jail klang Paul Banks' Stimme noch arg breiig, der Sound wurde aber ab Take you on a cruise viel besser.

Danach folgten die beiden einzigen Lieder des Abends, die jünger als zehn Jahre sind, erst Lights von Interpol, das enorm wuchtig klang (was gut war) und der große Hit All the rage back home vom letzten Album (der einzige Song des Abends, der nach dem Ausstieg von Bassist Carlos Dengler entstanden ist. 


Nach einem solche starken Anfang spielen Bands normalerweise neueren Kram, den niemand (außer der Band) hören will, um am Ende wieder die Hits auszukramen. Hier kam nach den ersten fünf Highlights stattdessen eines der besten Alben der Musikgeschichte in voller Länge. 

Turn on the bright lights klingt auch nach 15 Jahren noch aufregend wie am ersten Tag. Wenn ich bei einem Brand zehn Platten aus meinem Schrank retten dürfte, wäre immer Turn on the bright lights dabei (und Grab that gun von The Organ, Funeral von Arcade Fire, der Breaking glass Soundtrack und der Rest aus Manchester und von den Pastels).

Nachdem er neu dabei war, hatte mich Bassist Brad Truax durch scheußliches Rock-Gepose entsetzlich gestört. Mit den langen Haaren ging offenbar auch die fehlende Demut weg, mich störte in Luxemburg nichts mehr an dem Mann rechts. Diese dämlichen Mitklatsch-Animationen von Daniel Kessler sind ärgerlich (weil sie zu keiner Band weniger als zu Interpol passen), sie konnten aber auch nicht verhindern, daß das Konzert großartig war. Einzig die deutlich dünnere Stimme von Paul Banks schmälerte den Genuß ein wenig. Ob er erkältet war? Oder läßt sie einfach altersbedingt nach? Sie war jedenfalls merkbar kraftloser als früher.

Ansonsten war alles wunderbar! Die elf Lieder von TOTBL sind alle Lieblinge, die meisten habe ich bei meinen bisherigen Interpol-Konzerten auch schon gesehen. Stella, Hands away, Leif Erikson, Obstacle 1 und Roland in einem Konzert, das ist aber eben vollkommen einmalig (nein, ich sehe sie auch in Tilburg). Es war schon fast langweilig, daß nach einem Hit ein Hit kam. Und dann wieder einer. Für Leute mit niedriger Aufmerksamkeitsspanne war das nichts.


Die Platte endet mit Leif Erikson, benannt nach dem Sohn von Erik dem Roten und erster Europäer, der Nordamerika erreicht hat. Zugaben wären danach nicht mehr nötig gewesen, was sollte denn auch noch kommen nach der Einleitung und dem Hauptteil?

Es kam zunächst einmal Specialist von der 2002er EP Interpol (mit NYC und PDA), eine echte Besonderheit. Auch hier waren Interpol stilsicher wie je. Nicht irgendein Quasch, eine sehr gut ausgewählte B-Seite, wobei es das eigentlich auch nicht ist. Specialist war die kleine Kirsche auf dem Törtchen, großartig!

Danach folgten noch die Knüller Heinrich maneuver und Evil.

Die Sache mit der Stimme war auffallend. Vielleicht war es aber trotzdem mein bestes Interpol-Konzert bis jetzt.


Setlist Interpol, den Atelier, Luxemburg:

01: Not even jail
02: Take you on a cruise
03: Slow hands
04: Lights
05: All the rage back home
Turn on the bright lights:
06: Untitled

07: Obstacle 1
08: NYC
09: PDA
10: Say hello to the angels
11: Hands away
12: Obstacle 2
13: Stella was a diver and she was always down
14: Roland
15: The new
16: Leif Erikson

17: Specialist (Z)
18: Heinrich maneuver (Z)
19: Evil (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:

- Interpol, Stuttgart, 26.08.15
- Interpol, Wiesbaden, 25.08.15
- Interpol, Barcelona, 28.05.15

- Interpol, Köln, 25.01.15
- Interpol, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07



Dienstag, 8. September 2015

Foals, Luxemburg, 05.09.15

0 Kommentare

Konzert: Foals
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 05.09.2015
Dauer: Foals gut 80 min, Formation 30 min
Zuschauer: rund 800 (ausverkauft)



Luxemburg ist so etwas wie die ausgleichende Gerechtigkeit für den miesen Trend, daß immer mehr Bands nur noch in Berlin auftreten und den Rest Deutschlands ignorieren. Je größer eine Gruppe, desto mehr Länder bereist sie. Das bedeutet aber auch weniger Städte pro Land im Tourplan. Bands aus der Kategorie New Order z.B. kommen dann einfach nicht mehr nach Köln. Luxemburg dagegen liegt perfekt zwischen Paris und Brüssel (aus Booker-, nicht aus Erdkundlersicht) und passt daher gut in Reisepläne. Dazu sind die Säle toll aber auch eine Spur kleiner als unsere. Also ist die Rockhal oder das Atelier oder das Exit07 schon seit Jahren der Tipp, dieser Berlin-only Gruppen doch zu sehen.

Das deutsche Foals-Konzert ist wie so oft eines in der Hauptstadt; daß im Atelier in Luxemburg nicht nur grenznahe Besucher aus Deutschland waren, war daher nicht überraschend. Das Atelier war restlos ausverkauft und knackig voll. Neben den in Luxemburg üblichen Briten und Franzosen waren viele Deutsche da. 


Die Vorgruppe des Abends war gut ausgewählt. Formation sind ein um Livemitglieder erweitertes Bruderpaar und stammen aus Südlondon. Ganz grob gehört die Musik der Band ins Genre, dem auch Foals angehören, was auch immer das sein mag. Allerdings klingen die Songs der Engländer viel funkiger als die der Foals (ihnen wird eine Nähe zu ESG angedichtet). Ein, zwei Lieder gefielen mir gut, irgendwann nervten aber die immer wieder eingesetzten Kuhglocken ganz gehörig. Hängengeblieben ist bei mir von Formation nichts. Der halbstündige Auftritt kam aber allgemein gut an, vermutlich werden Formation also nicht sofort wieder verschwinden.


Schuld daran, warum Formation schnell wieder weg aus meinem Gedächtnis waren, waren die Foals. Nach dem ersten Lied war die Richtung des Abends klar. Es würde ein Knallerkonzert werden - und das wurde es. Die neue Platte der Band aus Oxford, die vierte, ist vor wenigen Wochen erschienen und krachiger als die Vorgänger. Mir gefällt das gut. Das Konzert begann dann auch mit einem dieser Stücke (Snake oil), das mir live gut gefiel, vor allem der Joy Division Sound von Gitarre und Bass und dem einer der Überhits (Olympic Airways) folgte. Spätestens jetzt hüpfte der Saal. Es bildeten sich vor der Bühne erste Circle pits! Vielleicht stand das im Zusammenhang mit der Tatsache, das wahnsinnig viele Rock am Ring-Kappen im Publikum zu sehen waren, da gehören solche Rock-Formationstänze (quasi der Lambada der Rockmusikfreunde) ja zur Folklore (habe ich gehört). Ich fand es ungewöhnlich und ein wenig lästig, immer mal wieder ein paar Schritte nach hinten gehen zu müssen, bis der Ringelpiez vorne wieder vorbei war. Jedenfalls war die Stimmung atemberaubend gut im Atelier. Der kleine Saal war viel vollgestopfter als unsere Clubs das bei "ausverkauft" sind. 


Auch das zweite der neuen Stücke, die Single Mountain at my gates, war vollkommen überzeugend und eines der besten Lieder des Abends. Die "schwierige zweite Platte" ist ja meist nicht das Problem bei Bands, die "enttäuschende dritte", die "katastrophale vierte"... sind es. Wer solche Kracher auch noch in der Phase, in der vielen die Ideen ausgehen, schreibt, macht offenbar vieles richtig.

Bei Providence kletterte Frontmann Yannis Philippakis zum ersten Mal ins Publikum. Das war aber nur der Appetitanreger. Später bei Inhaler stieg der bärtige Sänger die Treppe hoch auf den Balkon - mit Gitarre -, kletterte über die Brüstung und stieg auf die entgegengereckten Hände der Leute unten. Stunt Nummer eins. Bei der Zugabe, den Weg kannte er ja jetzt, ging er wieder nach oben und sprang kopfüber ins Publikum! Es ging gut.

Das Konzert war eine sagenhafte Party, vom ersten Song an. Dafür hätte sich auch eine Tour nach Berlin gelohnt. Aber in Luxemburg ist ja mindestens genauso nett. Und viel näher.

Setlist Foals, den Atelier, Luxemburg:

01: Snake oil
02: Olympic Airways
03: My number
04: Mountain at my gates
05: Birch tree
06: Providence
07: Spanish Sahara
08: Red socks pugie
09: Late night
10: A knife in the ocean
11: Inhaler

12: What went down (Z)
13: Two steps, twice (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Foals, Köln, 20.03.13 
- Foals, Paris, 27.08.10
- Foals, Haldern, 07.08.08
- Foals, Evreux, 28.06.08
- Foals, Paris, 16.04.08
- Foals, Paris, 21.02.08
- Foals, Paris, 09.11.07


Dienstag, 26. August 2014

Warpaint & Amatorski, Luxemburg, 25.08.14

0 Kommentare

Konzert: Warpaint (& Amatorski)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 25.08.2014
Dauer: Warpaint 80 min, Amatorski knapp 30 min
Zuschauer: 400 - 500 



Eigentlich hatte ich gar nicht zu diesem Konzert fahren wollen, ich versuche nämlich, Bands nicht häufiger als zweimal pro Jahr gezielt zu sehen, um mir den Spaß an ihnen nicht zu nehmen - Ausnahmen sind Festivals und Slowdive. Bei Festivals auf eine Lieblingsband zu verzichten, überfordert meine Selbstdisziplin, bei Clubshows, die eine Anreise erfordern, ist das einfacher. Nach dem Warpaint-Konzert vor ein paar Tagen im Sendesaal des WDR im Rahmen der c/o pop wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die Amerikanerinnen sofort wieder zu sehen. Wir verabredeten stattdessen, im November in den Cirque Royal zu fahren, weil das schließlich einer der schönsten Konzertsäle Europas ist. Als ich nach dem genauen Termin dieses Warpaint-Auftritts suchte, kam mir in den Sinn, daß ich auch im Herbst die heißgeliebten Amatorski in Brüssel sehen wollte und suchte stattdessen nach dem Datum dieses Konzerts. Auf der Amatorski-Website fand ich dann aber eine Information, die mich überforderte. "25.08. den Atelier, Luxemburg w/ Warpaint" - zwei Lieblingsbands, die ich nie in einem Zusammenhang gebracht hätte, an einem Abend gemeinsam. Auch wenn meine Selbstdisziplin dominierender wäre, da käme ich nicht niemals dran vorbei. 

Außerdem wäre es unhöflich den Lieblingskünstlern gegenüber.

Das Atelier war noch sehr leer, als Amatorski um halb neun auf die Bühne kamen. Ich habe die belgische Band schon in einigen Konstellationen erlebt, zuletzt zweimal als Trio. Heute fehlte Schlagzeuger Christophe Claeys. Aber da Sängerin Inne Eysermans und vor allem Gitarrist Sebastiaan Van Den Branden auf der Bühne so viele Dinge gleichzeitig machen, fiel das nicht schrecklich stark ins Gewicht. Das Programm war offenbar ein wenig an die Duo-Situation angepsst worden. Warszawa, das bisher immer gespielt wurde, ist offenbar zu zweit nicht machbar. Aber obwohl Amatorski nur zwei Platten veröffentlicht haben, können die Belgier ganz offensichtlich auf einen riesigen Vorrat an großen Hits zugreifen. Statt Warszawa war Anthem Teil des kurzen Auftritts. Das in dieser Form unveröffentlichte Lied, das auf U-Turn und das wundervolle Duett Wildbirds folgte, ist eine Schönheit auf den zweiten Blick. Aber was für eine! Auf der ersten Platte tbc war eine verhutschelte Vorgängerversion ein hidden track. Die Überarbeitung mit viel Klavier wird hoffentlich auch veröffentlicht, es wäre eine elende Verschwendung, das nur live zu spielen!



Es ist eine Wonne, Amatorski zuzusehen. Die Musiker aus Gent bedienen meist mehrere Instrumente gleichzeitig. Inne sitzt hinter ihrer Keyboard-Burg und spielt häufig mit je einen Hand eines ihrer Instrumente, während Sebastiaan auch schon einmal synchron Keyboard und Gitarre (singend) bedient.


Diese leider viel zu unbekannte Band ist solch eine unglaubliche Perle! Trotzdem ist es keine richtig gute Idee, die Belgier als Vorgruppe anzusetzen, weil die Gefahr groß ist, von ihnen trotz der ruhigen Lieder an die Wand gespielt zu werden.

Setlist Amatorski, den Atelier, Luxemburg:

01: U-Turn
02: Wildbirds
03: Anthem
04: Boy / girl
05: Fragment
06: Hudson
07: Never told

Es muß allerdings viel passieren, daß Warpaint blass gegenüber einen Vorgruppe wirken, dafür sind die Shows des kalifornischen Quartetts und vor allem das Songmaterial zu gut! Ich weiß nicht recht, ob es an Amatorski, an mir oder an Warpaint lag, daß der Anfang - fast die erste Konzerthälfte - wenig Eindruck auf mich machte. Wenn es an der Band und nicht an meiner etwaigen Warpaint-Müdigkeit (Himmel hilf!) lag, war die Ursache dafür vielleicht der Unterschied zwischen Paris am Vortag und dem bei weitem nicht ausverkauften und sehr wenig euphorischen Club in Luxemburg heute. Mir fiel nicht auf, daß die vier Frauen schlecht gelaunt wirkten, die Lieder zündeten einfach nicht. Aber dafür die Ursache zu benennen fällt mir extrem schwer, weil so etwas ja immer auch an mir selbst liegen kann. 


Das, was dem großen Teil des Publikums an Euphorie fehlte, hatten eine Handvoll junger Engländerinnen drei- und vierfach intus. Sie nervten auf unerträgliche Weise mit Wolfsgeheul oder dem Versuch, den Anfang von Composure an den falschen Stellen nachzusingen, es war gruselig. So Fans gönnte ich nicht mal U2, Nickelback oder Bon Jovi. Ich war ganz froh, daß mein alter Liebling Billie Holiday nicht wie geplant als Zugabe gespielt wurde. Die Nerv-Frauen, die sich zielsicher wieder von mir Freakmagneten angezogen fühlten, hätten das (und auch Baby, das in Köln die ruhige Zugabe war) locker versaut. 


Nach einer Weile, vielleicht nach Undertow, spätestens mit Love is to die hatte das Konzert mich. Love is to die ist allerdings auch einer der grandiosesten Livelieder des Jahres, wenn mal jemand endlich diese Jahresrückblick-Rubrik einführen mag. Nicht so toll funktionierte Disco / very, es war das lahmste Lied des Abends. 

Beetles danach kam mir noch einmal länger vor als zuletzt. Neben Elephants scheint das Stück im Moment von Warpaint regelmäßig live in einer nicht enden wollenden improvisierten Version gespielt zu werden. Nachdem nach dem langen Rumgejamme, das Motiv des Lieds wieder aufgegriffen wurde und Gitarristin Theresa noch einmal die normale Strophe singt, improvisierten Warpaint diesmal noch einmal weiter und machten das Lied noch länger. Auch Elephants als zweite Zugabe dauerte zwölf, dreizehn Minuten, ohne jedoch an irgendeinen Punkt Gefahr zu laufen, langweilig zu werden. Da ging es dann auch zumindest mir so, daß ich keine Augen für Details hatte, weil ich der Musik zuhörte. Im ersten Teil war das noch anders, da war das Konzert weit weniger packend, was ich bisher bei Warpaint nicht erlebt hatte. Da "weit weniger packend" aber immer noch so viel besser ist als das, was viele andere Bands abliefern, und weil die zweite Hälfte Warpaint-Standard (also toll!) war, war es kein schlechtes Konzert! Und wegen Amatorski ein sehr gelungener Ausflug!

Setlist Warpaint, den Atelier, Luxemburg:

01: Intro (vom Band)
02: Keep it healthy
03: Bees
04: Hi
05: Composure
06: Undertow
07: Love is to die
08: Drive
09: Disco / very
10: Beetles

11: No way out (Z)
12: Elephants (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Köln, 20.08.14
- Warpaint, Ewijk, 29.06.14
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10

- Amatorski, Frankfurt, 12.08.14
- Amatorski, Hilvarenbeek, 21.06.14
-
Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13

Tourdaten Warpaint:

- 03.09.14 Stuttgart - LKA Longhorn
- 06.09.14 Münster - Skater's Palace (Visions Party)
- 23.11.14 Frankfurt - Batschkapp



Mittwoch, 8. Februar 2012

Peter Hook and the Light, Luxemburg, 07.02.12

1 Kommentare

Konzert: Peter Hook and the Light
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 07.02.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft aber ganz gut gefüllt*
Dauer: 85 min


Als das Publikum bei der letzten Zugabe Love will tear us apart so laut sang, daß sich Peter Hook an den Bühnenrand stellte und feststellte "you don't need me", fragte ich mich, wie viel Wahrheit wohl in dieser Aussage steckte...

Natürlich habe ich Joy Division nie live gesehen. Im Gegensatz zu den Smiths, der zweiten entscheidenden Band der letzten 40 Jahre, habe ich ihr Ende nicht knapp verpasst. Die Smiths habe ich etwa ein Jahr nach ihrer Auflösung lieben gelernt, da war Ian Curtis schon bald ein Jahrzehnt tot. Den meisten deutschen (bzw. nichtenglischen) Fans von Joy Division geht es genauso. Von 78 bis 80 spielte die Band Konzerte, darunter waren aber nur eine Handvoll Shows außerhalb Großbritanniens, u.a. im Dezember 79 in Paris und einen Monat später im Doornroosje in Nijmegen, in Berlin oder in Köln. Ich habe keine Ahnung, wie voll diese Konzerte waren. Die Bilder aus der Hacienda in Manchester vermitteln aber nicht den Eindruck, daß Hunderttausende Joy Division damals live erlebt haben.

Eines der wichtigsten Elemente der Musik der Band ist der dominante Bass. Den Beginn von Love will tear us apart kennt vermutlich sogar jeder Nickelback-Fan. Aber auch die meisten anderen Stücke (die dann keiner außerhalb der kleinen Welt der Musiknerds je gehört hat), erkennt man an den ersten Tönen des Basses, lange bevor sonst etwas passiert. Ohne Peter Hook wären Bässe heute vermutlich so langweilig wie Schlagzeuge; sein Spiel hat ein Musikgenre geschaffen; das der Bands, die wie Joy Division klingen.

Was nach dem Selbstmord von Ian Curtis geschah, ist bekannt. Die Band hatte sich zu dessen Lebzeiten (die nach den Aussagen des Sängers nicht lange sein würden), abgesprochen, nicht als Joy Division weiterzumachen, sollten nicht mehr alle vier
dabei sein. Bernie Summner, Peter Hook und Stephen Morris gründeten mit New Order die zweite Lieblingsband, aus der Hook 2006 ausstieg. Im vergangenen Jahr spielte New Order zwei Benefizkonzerte ohne den Bassisten; das Verhältnis der drei Joy Division Gründer scheint vergiftet zu sein.

Daß Peter Hook jetzt mit Begleitband The Light unterwegs ist, die beiden Alben von Joy Division live zu spielen, scheint ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Bernard
Summner zu sein und sollte dem Zuschauer eigentlich egal sein (weil es ihn nichts angeht), ist aber für meine Beurteilung des Abends wichtig.

Der Abend mit der Musik von Joy Division fand im
Atelier in Luxemburg statt und erforderte eine Fahrt über verschneite Eifelautobahnen. Da unterwegs nicht viel los war, fuhr ich durch eine schwarz-weiße Landschaft, eine perfekte Einstimmung, da man schließlich mit Joy Division nicht unbedingt bunte Farben verbindet. Als ich kurz vor Beginn des Vorprogramms im Atelier ankam, war da noch nicht viel los. Eine belgische Familie mit kleiner Tochter schrieb gerade eine Nachricht auf ein mitgebrachtes Geschenk für Hooky, wurde dann von weiteren Hardcore-Fans begrüßt. Es war zumindest da noch keine Laufkundschaft da.

Um halb neun begann eine kurze (sehr mies geschnittene) Dokumentation über Joy Division, eine Stunde später dann das Konzert.

Peter Hook trug ein Closer T-Shirt, das mochte ich nicht (den Umstand, nicht das Hemd). Jeder im Saal wusste, wer er war. Er musste das nicht mit einem Shirt verdeutlichen. Oder wenn, dann mit "I was in Joy Division". Ebenso merkwürdig war das Lineup. The Light ist eine
ausgewachsene Band - mit Bassist. Es gab also zwei Bassspieler. Daß das aber durchaus Sinn machte, zeigte sich nach den ersten Takten des Openers No love lost. Nach ein paar Basstönen von Peter Hook, übernahm der andere Musiker diese Parts. Peter sang nur noch. Sobald er singen musste, hing der Bass untätig rum. Aber auch sonst waren Peter Hooks Einsätze an seinem Instrument überschaubar. Der Nachgeschmack, den das hinterließ, war deutlich fieser als der des T-Shirts. Dazu wirkt der Musiker ungemein unsympathisch; in eine Diskussion möchte man mit ihm nicht geraten.

Ein selbstverliebter Bassist mit einer Coverband, der tourt, um alte Kumpels zu ärgern, und der sich plötzlich als Sänger begreift, klingt nach einem Desaster. Das war es aber nicht, und deshalb tue ich mich mit der Einschätzung so schwer.

Peter Hook singt nämlich nicht schlechter als Ian Curtis auf vielen Bootlegs, die ich gehört habe. Und auch, wenn er nur die ersten Takte jedes Lieds (und danach immer mal wieder sporadisch) spielte (Amerikaner sprächen wahrscheinlich von "signature riffs"), kann ich nicht bestreiten, daß die Band hervorragend agierte. Es klang wie Joy Division und war eine enorm würdevolle Interpretation der großen Lieder dieser Band. Der Gitarrist wirkte auf mich, als sei er lange nach Curtis' Tod geboren. Das war aber egal, weil sich seine Band nicht wie eine Kirmes-Cover-Truppe anhörte, das hier war überhaupt nicht verkehrt.

Und ist es in einem Sternerestaurant nicht auch vollkommen irrelevant, wer das Gericht zubereitet? Der Koch, der den Stern erarbeitet hat, wird das mit Sicherheit nicht sein, das Essen ist allerdings identisch. Melonenkaviar wird auch dann eine Sensation sein, wenn Pepe Müller und nicht Ferran Adrià ihn zubereitet hat.

Uns kann man hier vieles vorwerfen, sicher aber nicht, daß wir objektiv über
Konzerte berichteten! Das gibt es nicht. Heute muß ich es aber so halten, denn eine schlüssige Beurteilung des Abends fällt mir aus den geschilderten Gründen schwer. Es hätte ein Desaster sein können, war es aber nicht. Es hätte mich euphorisieren können, tat es aber nicht. Der Abend war gut, die musikalische Darbietung sogar besser. Und es kam hervorragend an: in der Mitte wurde wild getanzt und gepogt. Hilft nur der Ausweg in die Objektivität. Also ein paar Worte noch zum Programm:

Vor der angekündigten Unknown pleasures spielte die Band als Einstimmung ein paar Lieder wie No love lost und Leaders of men (beide von der ersten EP An ideal for living - mit dem Hitlerjungen auf dem Cover). Nach Unknown pleasures folgten zwei Zugabenblocks mit sechs "greatest hits." Das wieder war genauso, wie ich es mir vorher gewünscht hätte.

Schwarz-weiß war das Motto des Abends, in jeder Hinsicht.

Setlist Peter Hook and the Light, den Atelier, Luxemburg:

01: No love lost
02: Leaders of men
03: Glass
04: Digital

Unknown Pleasures:
05: Disorder
06: Day of the lords
07: Candidate
08: Insight
09: New dawn fades
10: She's lost control
11: Shadowplay
12: Wilderness
13: Interzone
14: I remember nothing

15: Atmosphere (Z)
16: Isolation (Z)
17: Failures (Z)
18: Warsaw (Z)

19: Transmission (Z)
20: Love will tear us apart (Z)

* vermutlich mehr als bei den meisten Konzerten zu Ian Curtis' Lebzeiten




Montag, 4. Oktober 2010

Shellac, Luxembourg, 02.10.10

2 Kommentare

Konzert: Shellac

Ort: den Atelier, Luxembourg
Datum: 02.10.2010
Dauer: 80 min
Zuschauer: ca. 400-450 (?), die Empore des Atelier war gesperrt


Von Markus M. (tausend Dank!)


Was soll man von einer Band erwarten, die sich den Luxus gönnt weitgehend unabhängig von irgendwelchen Album-Releases zu touren (die letzte Shellac-Veröffentlichung "Excellent Italian Greyhound" liegt mittlerweile auch schon 3 Jahre zurück), und zu der u.a. die Produzenten-Ikonen Steve Albini (Nirvana, Mono, ...) und Bob Weston (u.a. Sebadoh, Polvo) gehören?

Die musikalische Vorstellung, die Shellac am Samstag im Atelier geboten haben, war laut, roh und minimalistisch. Das ist zugegebenermaßen Geschmackssache, aber wer diese drei Nerds (Albini sieht aus wie ein alt gewordener Harry Potter, Weston etwas untersetzt und dauergrinsend, der ausgezehrte Todd Trainer ähnelt irgendwie sehr seinem Greyhound) verpasst hat, weil sie vielleicht nicht hipp genug sind, den kann ich nur bedauern.

Albinis Lyrics sind beißend sarkastisch (wie etwa beim einzigen Shellac-"Hit" Prayer To God), Weston schrubbt bei The End Of Radio gut 10 Minuten lang immer nur die gleichen drei Riffs runter und Todd Trainer hat sowieso seinen eigenen trockenen Drumming-Stil. Trotzdem entwickelt sich an diesem Abend aus diesen Zutaten keine autistische Show von Rock-Allstars, sondern in der Kommunikation mit dem Publikum ein fantastisches Konzert, das - je länger es dauert - immer surrealer wird. Die Band wäre m.E. zumindest für die Comedy-Einlagen ihr Geld absolut wert gewesen.

Ein paar Kostproben :

* Weston liefert sich, während Albini wiederholt seine Gitarre nachstimmt, seine berühmt berüchtigten Q&A Wortgefechte mit dem Publikum (u.a. über seine lachsroten Hosen, Lieblings-Schimpfwörter der Band etc).

* Albini lobt das Luxemburger Publikum, dass er bisher noch keinen einzigen unhöflichen Luxemburger getroffen habe (Stimme aus dem Off: "Yes, you did. - No - Yes you did, you even recorded it").

* Nach "The End Of Radio" bittet jemand in der ersten Reihe Trainer um seine Drumsticks, die er auch prompt herunter reicht. Da er ohne diese jetzt nicht mehr mehr weiterspielen kann, entert schließlich der Fan mit den Drumsticks die Bühne, und die Band improvisiert ein paar Takte mit ihm. (Könnte auch eine bewusste Finte gewesen sein, er lernte jedenfalls relativ schnell.)

* Nachdem Trainer und Weston jeweils einen Neustart von The Squirrel Song versemmelt haben, erkundigt sich Trainer süffisant, ob es nicht auch zwei Leute im Publikum gäbe, die gerne Gitarre oder Bass spielen würden.


Setlist Shellac, Den Atelier,Luxembourg:

01: Ghosts
02: My Black Ass
03: Gary, Indiana
04: Canada
05: Steady As She Goes
06: Compliant
07: Be Prepared
08: (Unknown Song)
09: Prayer To God
10: (New Song)
11: Killers
12: Dog And Pony Show
13: The End Of Radio
14: (Improvisation)
15: Squirrel Song
16: Dude, Incredible
17: Crow

Einziger Konzerttermin von Shellac in Deutschland: 9. Oktober, Feierwerk, München



Dienstag, 20. Oktober 2009

Maxïmo Park, Luxemburg, 19.10.09

4 Kommentare

Konzert: Maxïmo Park (Pete & The Pirates)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 19.10.2009
Zuschauer: vielleicht 700
Dauer: Maxïmo Park 76 min, Pete And The Pirates 30 min


Das Atelier in Luxemburg ist vermutlich der kleinste Club der aktuellen Maxïmo Park Tour, passen doch gerade mal 1.200 Leute hinein. Das letzte reguläre Kölner Konzert fand vor zwei Jahren vor 4 - 5.000 Zuschauern im Palladium statt, da sind intimere Rahmen eine schöne Gelegenheit, eine große Band einmal näher zu sehen. Keine Frage also, daß Luxemburg gesetzt war.

Um die Entscheidung, an einem Montag ins benachbarte Ausland zu fahren, nicht allzu sehr schönreden zu müssen, packte der Veranstalter noch zwei ausgezeichnete
Vorgruppen drauf. Das vermutete ich zumindest, denn Cougar, die erste der beiden kannte ich nicht. Leider sollte sich daran auch nicht viel ändern, weil eine Mischung aus polizeilicher Sperrung einer Bahnstrecke und anderen Unwägsamkeiten verhinderte, daß ich alles mitbekam. Das, was ich hörte, war durchaus guter Postrock, dem aber der Pfiff der Klassenbesten wie Mono fehlte. Aber vielleicht habe ich dafür einfach zu wenig von den Amerikanern gehört.

Auf die zweite Band freute ich mich ganz besonders! Pete And The Pirates aus Reading sind leider in Deutschland viel zu wenig bekannt, zählen aber zu den besten jungen englischen Bands, die ich bisher gesehen habe. Das Anfang 2008 erschienene Album Little death ist eine Sammlung großartiger Lieder, die irgendwo zwischen Maccabees und Noah And The Whale angesiedelt sind und von tollen mehrstimmigen Gesängen leben. Ein Knüller!

Die dreißig Minuten ihres Programms nutzten die
Piratenkumpels, um einige neue Lieder zu spielen. Ein zweites Album scheint nicht weit entfernt zu sein, glaubt man dem Bandforum. Die beiden ersten Lieder des Auftritts waren mir direkt neu. Über das erste, Shotgun, habe ich nichts gefunden, vielleicht war das eine Premiere. Things that go bump scheint zumindest bei den letzten Konzerten häufiger gespielt worden zu sein. Ich fand beide Lieder beim ersten Mal noch etwas weniger spannend als die oft gehörten alten Sachen, glaube aber, daß ich sie schnell sehr mögen werde!

Egal ob schon vertraut oder nicht: mir fiel direkt wieder ein, wie sehr ich die Musik der Reading-Band liebe. Sie ist schmissig, hat grandiose Melodien und
einen spannenden Rahmen durch die perfekt passenden Stimmen. Schade, daß Pete nicht auch bei dem deutschen Terminen zusätzlicher Support ist!

Nach dem Superhit Mr. Understanding folgte mit der Nach-Album-Single Blood gets thin noch ein besonderer Schlußpunkt. Das Stück hat eine herrlich schrammelige zweite Hälfte, in der sich die Pirates richtig austobten. I Like Trains light - aber hervorragend! Eine leider ungerechtfertigt unterschätzte Band!

Setlist Pete And The Pirates, den Atelier, Luxemburg:

01: Shotgun (?)
02: Things that go bump
03: Knots
04: She doesn't belong to me
05: Little gun (vermutlich)
06: Good girl
07: Lost in the woods
08: Come on feet
09: Mr. Understanding
10: Blood gets thin

Nach zig Maxïmo Park Konzerten dachte ich nicht, daß die Band mich noch überraschen kann. Obwohl die letzte Deutschland-Tour eine Weile zurückliegt, konnte man Paul Smiths Band immer wieder sehen, so bei kleinen Konzerten in Holland oder Köln oder bei Festivals. So hatte ich sie zur letzten Platte, und damit mit vielen neuen Songs, schon sehen können, die kannte ich also zum Großteil schon live. Also waren es erst einmal die Kleinigkeiten, die sich geändert hatten.

Wo war zum Beispiel Lukas Woollers rotes Keyboard? Ich denke, Musiker sind extrem konservativ, was ihre Instrumente angeht. So einfach mal das gewohnte Keyboard auszutauschen, erscheint ungewöhnlich. Vielleicht hat er es totgehampelt, bei meinem letzten
Maxïmo Park Konzert in Münster hatte er es mehrfach bedrohlich zum Kippen gebracht...

Paul Smiths neuen Hut kannten wir schon; die olle Melone ist wohl endgültig eingemottet. Ob die neue Kopfbedeckung nicht so gut sitzt wie die Vorgängerin, kann
ich nicht beurteilen. Daher weiß ich auch nicht, ob die augenscheinlichste Veränderung am Hut liegt: Paule hüpft nicht mehr, kein Witz!

Der Sänger ist unverändert ein unfassbarer Entertainer, der über die Bühne rennt und zappelt, irre Gesichtsausdrücke hervorzaubert und keinen Moment still steht (da ich den Begriff Rampensau nicht mag, vermeide ich ihn hier). Bisher hüpfte er dazu aber wie ein Bodenturner; die Anzahl seiner Sprünge konnte man als Index für seine Form heranholen. Das hat er eingestellt. Spektakulär!

Das alles war aber sicher nicht der Grund, warum das Konzert bei weitem nicht ausverkauft war. Auch nicht die Musik oder die Liveperformance, denn beide überzeugten restlos! Und ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, warum die fünf Musiker aus Newcastle in einer Stadt wie Luxemburg mit ihren deutschen,
französischen und belgischen Einzugsgebieten nicht anziehender wirken. Vielleicht war es der Montagabend...? Selbst schuld, Ignorierer!

Dabei gab sich Paul Smith wie üblich besondere Mühe! Mit herrlich breitem nordenglischem Akzent sprach der Frontmann immer wieder auf Französisch zu uns, sehr schön!

Auch die Setlist war alles andere als lustlos. Neben der üblichen Mischung aus Titeln der aktuellen Platte und Klassikern wie Apply some pressure oder Books from boxes machte mir vor allem A19, der Auftaktsong, Spaß. Das Lied von Missing songs hatte ich weder erwartet noch je live gesehen.

Mir blöderweise neu war That beating heart, die B-Seite der aktuellen Single Questing, not coasting.

Von den neuen Sachen ist auch Questing das überzeugendste. Ich kann mir kein künftiges Konzert ohne diesen Hit vorstellen.

Es war wieder ein sehr schöner Abend mit
Maxïmo Park! Auch wenn der Laden zu leer und das Publikum anfangs viel zu zurückhaltend war! Aber nach und nach stieg die Ausgelassenheit und damit die Stimmung.

Mehr demnächst; dann mit einer weiteren perfekten Vorgruppe, den Blood Red Shoes!

Setlist Maximo Park, den Atelier, Luxemburg:

01: A19
02: The penultimate clinch
03: Wraithlike
04: Russian literature
05: The coast is always changing
06: A cloud of mystery
07: Parisian skies
08: The kids are sick again
09: Tanned
10: That beating heart
11: Going missing (akustisch)
12: Let's get clinical
13: The unshockable
14: Questing, not coasting
15: Overland, west of Suez
16: Books from boxes
17: Apply some pressure
18: Girls who play guitars

19: Calm (Z)
20: Acrobat (Z)
21: Our velocity (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Münster, 08.05.09
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- Pete And The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete And The Pirates, Paris, 18.03.08
- Interview mit Pete And The Pirates

Fotos folgen! flickR mochte eben nicht.



Mittwoch, 16. September 2009

Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09

1 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (Blitzen Trapper)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 15.09.2009
Zuschauer: etwa 1.000 (so gut wie ausverkauft)
Dauer: gut 80 min (ohne die Stimm- und Einsingpausen zwischen den Liedern vielleicht knapp eine Stunde)


"Alles, was die Lobpreisungen am Jahresende über die Fleet Foxes geschrieben haben, stimmt! Selten hat mich ein Kritikerliebling so sehr gepackt," habe ich nach dem Konzert der amerikanischen Indie-Folkhelden in der Essener Grugahalle geschrieben. Nach einem guten, wegen langer Pausen zwischen den Liedern aber zähen Auftritt in Haldern im Sommer vorher, begeisterte mich Essen wahnsinnig. Diese Begeisterung vermochte ich prima zu konservieren. Als dann ein Konzerttermin für den Atelier in Luxemburg bekanntgegeben wurde, war klar, daß ich da hin musste. Das hatte schließlich Potential, Konzert des Jahres zu sein.

Als wir reinkamen, hatte Blitzen Trapper, die amerikanische Vorgruppe, bereits ihren Part begonnen. Auf der Bühne stand ein eigentlich interessanter Instrumente-Mix, viele Gitarren aber auch zwei Keyboard-Batterien. Das und das viele Lob, das ich vorher über die Sub Pop Band gelesen hatte, halfen aber nicht darüber hinweg, daß mich der Auftritt nicht sonderlich begeisterte. Ein Stück gefiel mir wirklich gut, der Rest berührte mich nicht. Und die nach Axl Rose klingende Stimme von Sänger Eric machte es mir auch nicht leichter, den Auftritt zu mögen. Schade, ich hatte mir sehr viel mehr von Blitzen Trapper versprochen...

Dann konnte sich meine Vorfreude eben noch mehr auf die Fleet Foxes konzentrieren. Gegen halb zehn war es soweit. Eine Besonderheit des Ateliers ist der Zugang zur Bühne, denn der erfolgt am linken Rand des Clubs quer durch den Laden. Und durch diesen Gang schlappten dann auch die Fleet Foxes. Dabei konnte ich den attraktiven Kopfschmuck von Robin Pecknold erstmals bewundern. Der Sänger trug eine dieser aus der Mode gekommenen Häkelhüllen für Toilettenpapier-Rollen. Die von der Hutablage.

Aus der Zeit, in der diese Scheußlichkeiten bei manchem hip waren, könnte auch die Musik der Fleet Foxes stammen. Die wundervolle Musik der Fleet Foxes!

Obwohl das Konzert mit den gleichen Liedern wie Essen begann, ging am Anfang alles an mir vorbei. Weder das umwerfende Sun giant, noch einer der Nachfolger fesselte mich auch nur annähernd so wie vergangenes Jahr. Das mag auch am schrecklich flachen Sound unseres ersten Standorts links (zu nah an den Boxen) gelegen haben. Aber es lag nicht nur am schlechten Klang, daß es zu Beginn so wenig packend war. Auch die schrecklich langen Pausen zwischen den Liedern machten den Zugang so schwierig. Manchmal hatte man fast den Eindruck, die Musiker jammten ein wenig zwischen den Stücken; da wurde auch ab und an die Stimme "gestimmt". Dem Fluß des Konzerts tat das nicht gut.

Das wurde während des Abends nicht besser. Von den 80 Minuten, die die Band aus Seattle auf der Bühne stand, verbrachte sie vermutlich 20 mit dem Stimmen der Gitarren. Wenn sie denn spielten, wurde es besser und besser.
White winter hymnal, Ragged wood, Your protector und der Tiger Mountain peasant song nach einander waren brillant, die Stücke sind einfach grandios. Aber auch die neuen Lieder Bedouin dress, Blue spotted tail und Lorelai* (Ich weiß nicht, wie soll man es schreiben...) gefielen mir ausgezeichnet, auch wenn sie nach dem ersten Hören nicht an Überhits wie Your protector herankommen.

Your protector stellte auch in Luxemburg wieder den Höhepunkt dar - das beste Lied der Band, finde ich. Danach verließ die Band die Bühne und ließ den Frontmann für drei Songs alleine zurück (u.a. zwei der neuen). Nach
He doesn't know why (herausragend!) und Mykonos war bereits gut eine Stunde vorbei; die Band beendete ihr Set.

Die erste Zugabe wurde dann noch einmal richtig spektakulär! Robin kam alleine zurück, stellte sich neben das Mikro und spielte mit nicht-angeschlossener Gitarre Katie Cruel. Auch wenn der Saal leider nicht leise genug war: Hut ab vor einem Musiker, der einen solchen Saal alleine und ohne Verstärkung unterhält!

Zum Abschluß kamen dann noch einmal Blitzen Trapper mit auf die Bühne und halfen bei
Blue Ridge Mountains mit Percussions aus. Auch das noch einmal ein schöner Höhepunkt.

Ein am Ende sehr gutes Konzert haben die Fleet Foxes auf alle Fälle hingelegt. Das erwartete absolute Highlight war es für mich jedoch nicht. Ich hatte ein Erlebnis, als habe ich die Band bereits 20 mal gesehen und stumpfte langsam ab. Dabei war es erst das dritte Konzert nach Haldern und Essen. Da war mehr drin...
**

Setlist Fleet Foxes, den Atelier, Luxemburg:

01: Sun giant
02: Sun it rises
03: Drops in the river
04: English house
05: Bedouin dress (neu)
06: White winter hymnal
07: Ragged wood
08: Your protector
09: Tiger Mountain peasant song (Robin Pecknold solo)
10: Blue spotted tail (Robin Pecknold solo) (neu)
11: Lorelai (?) (Robin Pecknold solo) (neu?)
12: He doesn't know why
13: Mykonos

14: Katie Cruel (Z) (Robin Pecknold solo)
15: Oliver James (Z) (Robin Pecknold solo)
16: Blue Ridge Mountains (Z) (mit Blitzen Trapper)

Links:
- aus unserem Archiv:

* ist das neu oder ein Cover?
** auch bei diesem Bericht...



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates