Montag, 26. Februar 2018

The Charlatans, Luxemburg, 25.02.18


Konzert: The Charlatans
Ort: den Atelier
Datum: 25.02.2018
Dauer: The Charlatans 95 min, The Kooters 30 min
Zuschauer: ca. 300




Um 19 Uhr sollte der Einlaß im Atelier beginnen. Ich hatte mehr Sonntagsfahrer eingerechnet und war ein paar Minuten zu früh da. Weil in Luxemburg aber alles exakt nach Zeitplan funktioniert (sofern nicht Pete Doherty beteiligt ist), erschien mir das Risiko überschaubar, fünf Minuten in der Kälte zu warten ist ja nicht dramatisch. Aus fünf wurden aber gut dreißig, aus -1° schnell -20°. Ab und zu ging die Tür des Clubs auf, aus der Soundcheck-Geräusche kamen. Als die Band ganze Lieder spielte, hoffte ich, daß das nichts Aktuelles von den Charlatans sein möge, deren letztes Album kenne ich nämlich nicht. Und das, was aus dem Atelier rüberschallte, klang nicht so, als lohnte sich das Frieren. Als ich gerade schon den Beschluß gefasst hatte, in fünf Minuten nach Hause zu fahren, kam ein Ordner und sagte, es ginge in zwei Minuten los. Das stimmte und bescherte mir ein frühes Konzerthighlight 2018.



Die Band, die noch so spät soundgecheckt hatte, war The Kooters aus Luxemburg. Grund für die Verzögerung war das Spiel Man United gegen Chelsea (2:1), das die Hauptgruppe noch sehen wollte, bevor sie zum Soundcheck konnte. Sänger Tim Burgess ist United-Fan, was ihn mir noch mal eine Nummer sympathischer macht. 

Für die Musik der Kooters (die mich an die Guano Apes erinnerte) bin ich zu alt (um etwas Nettes über den halbstündigen Auftritt zu schreiben). 



Um Punkt neun betraten sehr gut gelaunte Charlatans (2:1) die Bühne des tollen Ateliers. Auch wenn der Club alles andere als gut besucht war, war sofort Stimmung da. Ich kannte in der ersten Konzerthälfte kaum einen Song, die meisten Lieder stammten von Different days (2017) und dem Vorgänger Modern nature, den ich auch verpasst hatte. Aber das machte nichts, es klang durch und durch nach den Charlatans und auch die aktuellen Platten scheinen nicht sehr verkehrt zu sein, es war nämlich alles gut und sehr kurzweilig. Daß trotzdem die beiden älteren Lieder der ersten Hälfte die besten waren (Weirdo und das fantastische One to another), relativiert diese Aussage nicht.


Tim Burgess ist um ein paar Jahre gealtert, seit wir uns (haha!) zuletzt gesehen haben. Beim Primavera Festival 2010 spielten die Charlatans ihr umwerfendes Debüt Some friendly. Aber das ist ja jetzt auch schon wieder acht Jahre und ein paar Zentimeter Haaransatz her. An der Stirn wird es bei Tim etwas lichter, daher scheinen die klassischen Prinz-Eisenherz-Frisuren nicht mehr zu funktioneren. Unverändert ist Tims Bühnenpräsenz. Er tanzt, wippt, gestikuliert wie früher. Madchester ist eben nicht nur Sound, Madchester sind auch extrovertierte Frontmänner. Und auch sein sehr kurzer Pullover und seine tief gerutschte Hose schienen aus den frühern 90ern zu stammen.

Die Musik der Nordengländer ist erstaunlich zeitlos, jedenfalls in meinen Ohren. Bei Bands, die von Nostalgie leben, sind neuere Stücke meist großer Quatsch, die Lieder der Gruppe aus Manchester klangen alle gut und frisch, was ein wenig unsinnig klingt, weil das tragende Instrument der meisten Songs ja die herrlich olle Hammond-Orgel ist, die mit auf Tour geht.



Ich bezeichne die Charlatans immer gerne als eine meiner liebsten Bands, was etwas geschönfärbt ist, weil ich - wie auch bei James - die letzten Alben ignoriert habe. Auch höre ich zwischen Konzerten sehr selten die Platten. Da ist das Risiko natürlich groß, daß so ein Abend ein anstrengendes Warten auf die Hits ist. Das war er aber nicht. Auch wenn nach 45 Minuten Schluß gewesen wäre, hätte ich ein sehr gutes Konzert gesehen (und zwei, drei Lieder gekannt). Gegen Ende wurde die Orgel immer orgeliger, die Intros klangen immer mehr nach The only one I know. Bei der 91er Single Over rising dachte ich einen Moment lang, Organist Tony Rogers habe sich verspielt und das falsche Lied begonnen.

Das Konzert war bei weitem nicht so laut wie das 2008 in Köln, es war aber hervorragend. Daß ich dafür an einem Sonntag nach Luxemburg fahren musste (obwohl die Band am nächsten Tag in Köln spielt - da allerdings parallel zu Slowdive), wurde in 95 vollkommen gerechtfertigt. Wir Zuschauer hatten einen guten Abend!

Aber auch die Band schien ausgezeichnet gelaunt zu sein. Tim unterhielt sich immer wieder mit Leuten im Publikum. Einmal setzte er sich an den Rand und redete eine ganze Weile mit einer Frau (?) in der ersten Reihe. Wir konnten nur ihn hören, daher war die Unterhaltung ein wenig rätselhaft. Später ging es um das "beste Lied" der Band, das bitte jetzt gespielt werden möge. Also sagte Tim danach einige Stücke als beste Lieder (oder seinen Liebling, nachdem er danach gefragt worden war) an.

Charlatans-Konzerte enden mit Sproston green von Some friendly. Davor packten die Engländer mit Then noch die Single der Debütplatte.

Vielleicht dauert es jetzt wieder acht oder zehn Jahre, bis ich die Charlatans live sehe, vermutlich höre ich auch in der Zeit kaum Platten der Band. Und ganz sicher komme ich begeistert aus dem Konzert und freue mich, wie gut die Entscheidung war, hinzugehen!


Setlist The Charlatans, den Atelier, Luxemburg:
 

01: Not forgotten
02: Weirdo
03: So oh
04: Solutions
05: Talking in tones
06: Emilie
07: One to another
08: Different days
09: Plastic machinery
10: Just when you are thinking
11: Over again
12: North country boy
13: Telling stories
14: Come home baby
15: Over rising
16: The only one I know
17: Let the good times be never ending

18: Then (Z)
19: Sproston green (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
-
The Charlatans, Barcelona, 29.05.10
- The Charlatans, Köln, 23.09.08
- The Charlatans, Brüssel, 17.02.08
- The Charlatans, Paris, 12.02.08



0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates