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Freitag, 8. Februar 2019

Anna Calvi, Paris, 30.01.19

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Konzert: Anna Calvi
Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 30.01.2019
Zuschauer: ungefähr 2000 
Konzertdauer: 80 Minuten
Fotos: Stéphane Guilley ©, merci !



Anna Calvi hatte ich lange nicht mehr live gesehen. Der Besuch eines Konzertes der stylischen Britin mit dem korsischen Nachnamen war somit überfällig. Schliesslich hat sie über die Jahre bewiesen, dass sie zu einer festen Grösse des Indierock geworden ist. Gerade in Zeiten in denen der Gitarrenrock immer seltener wird, braucht diese Musikrichtung zugkräftige Namen wie Anna Calvi. So war der nicht gerade kleine Salle Pleyel denn wohl auch ausverkauft. Ein klassischer Konzertsaal, der ab und zu auch Rock-und Popkonzerte empfängt.

Eine Vorgruppe im eigentlichen Sinne gab es nicht. Lediglich ein DJ Set der in Paris lebenden Kanadierin Melissa Laveaux. Musikalisch ging das querbeet, es war vor allem viel Hip Hop dabei. Mit dem Stil einer Anna Calvi hatte das alles wenig zu tun.


Dann um 21 Uhr endlich das Hauptprogramm. Alle Augen (und die filmenden Kameras von arte live) waren nun nach vorne gerichtet. Und da kam sie auch schon! Im Schummerlicht! Anna! Mit weissen Stiefelchen, dunkler Anzugsweste und einem roten Leder-BH. Heiss! Ihre Band, eine Dame an den Keyboards (Molly) und ein Herr (Alex) an den Drums, waren zu Statisten verdammt, zumindest in optischer Hinsicht, nicht aber in musikalischer. Denn obwohl Anna auch solo tolle Konzerte geben kann, sind sie doch noch einen Tick besser mit Schlagzeug und Synthesizern.



Der Einsteig erfolgte sogleich mit dem Titeltrack des aktuellen Albums Hunter. Ein atmosphärisches Stück mit einem langen intro. Man liess es erst einmal langsam angehen, stolperte nicht gleich mit der Tür ins Haus. Aber bereits im Laufe des Songs wurde die Stimme von Anna lauter und fester, das Gitarrenspiel verzerrter und schwerer.

Beim zweiten Lied Indies Or Paradise wurde der Sound gemeiner und geheimnisvoller. Anna hauchte zunächst wie eine PJ Harvey in ihren Anfangszeiten, das Tempo war langsam, die Atmosphäre heiss und schwül wie in der Wüste. Stonerrock wie man damals sagte. Die Gitarre von Anna heulte gegen Ende wie verrückt auf, das Solo dauerte unendlich, die Haarre der Sängerin flogen wie wild durch die Luft. "Your Beauty will comme save me" sang sie.

Zu As a Man wurde zum ersten mal das Tempo etwas hochgefahren. Das Lied erinnerte mich recht stark an Walking In The Rain von Grace Jones. Es war das bisher eingängiste Stück, auch das melodischste.

Fetzige repetitive Riffs eröffneten Wish, bevor das Tempo und die Lautstärke erst einmal zurückgenommen wurden, nur um dann noch wilder zurückzukommen. Von diesem Wechselspiel lebte der ganze Song, der mit vielen überraschenden Wendungen begeisterte. Im Mittelteil wurde es kurzfristig richtig mild und lieblich bevor wieder saftiger Rock das Sagen hatte. Ein sagenhaftes Lied, das bisher beste im Set, ein nicht endender Höllenritt, der sich über 10 Minuten erstreckte!

Inzwischen waren 29 Minuten absolviert, aber erst vier Lieder gespielt worden. In der Kürze liegt die Würze galt hier nicht. Calvi hatte reichlich von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sich auf der Rampe auf und ab zu bewegen und so dem Publikum bedrohlich nahe zu sein. Wie ein Panther schlich sie sich heran und warf laszive Blicke ins Rund. Natürlich alles zuvor einstudiert, aber glänzend dargeboten.



Zu Eden wurde es wieder deutlich ruhiger. Ein langes A-capella intro leitete in das melancholische Stück ein, das eine feierliche Stimmung erzeugte. Es war fast wie an Weihnachten, herrlich.

Das Tempo blieb erst einmal gedrosselt. Away war fast wie Eden Part 2, mit ähnlichem Ambiente.

Mysteriös wurde es zu Swimmingpool. Ein fantastisches, feinperliges Lied mit einem gewissen James Bond Soundtrack Feeling. Voller Anmut und Klasse performte die zierliche Sängerin diese Ballade und zeigte erneut ihre erstaunliche stimmliche Bandbreite. Ich dachte die ganze Zeit an den französischen Film gleichen Namens, bei dem Alan Delon am Ende tot im Pool lag.

Die bedächtige Phase war nun beendet, jetzt gab es wieder saftigen, donnernden Rock. Suzanne and I und I'll be Your Man vom Debütalbum hatten nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Zu der letzten Nummer liess sie am Ende Minuten lang ihre Gitarre aufheulen und auch der Schlagzeuger ging phasenweise auf Ganze. Ein Höllenritt.

Mit Don't Beat The Girl Out Of My Boy wurde es wieder freundlicher und eine Spur poppiger. Nicht unbedingt das stärkste Lied auf dem neuen Album aber live mit viel Pfeffer und Theatralik dargeboten. In einer Szene wälzte Anna Clavi sich gar auf dem Boden, ein Moment der von tausenden Handkameras eingefangen wurde (Unter uns: eine Unsitte)



Alpha war dann das letzte Lied des offiziellen Teils. "The lights are on, the TV is on, my body is still on" sang sie eingangs dazu ganz sexy, bevor sie den Refrain geradezu stöhnte: I'm an ah ah alpha, ah ah alpha woman". Ein starker, dramatisch aufgebauter Song mit einem regelrechten Gitarrengewitter der verzerrten Sorte, Drums wie Donnerschlägen und wild wallendem Haar. Es wurde laut, so richtig laut! In den letzten Sekunden schlug Anna gar die Gitarre mehrfach auf den Boden, warf sie am Ende sogar weg und liess sich mit erhobenen Armen wie eine Gladiatorin feiern.



Der Zugabenteil dann mit altbekannten Stücken wie Jezebel (in der französischen Version) und Desire, die nach wie vor hervorragend beim Publikum ankamen.



Spannender war aber noch der allerletzte Song des Sets, Ghostwriter, ein Cover der kultigen Punkband Suicide. Eine bissige, aggressive Nummer mit bedrohlichen, dröhnenden Synthies, zu der Calvi fast auf dämonische Weise sang. Hier konnte sie noch einmal herrlich ihre Show abziehen, zeigen was für ein wildes Weibsbild sie ist. Sie kämpfte geradezu mit Ihrer Gitarre, schleudert sie schliesslich erneut weg und verschwand unter lautem Applaus von der Bühne.

Setlist:

Hunter
Indies Or Paradise
As A Man
Wish
Eden
Away
Swimming Pool
Suzanne and I
I'll be your Man
Don't Beat The Girl out Of My Boy
Alpha

Jezebel
Desire
Ghost Rider (Suicide Cover)



Montag, 3. Dezember 2018

Interpol, Paris, 29.11.18

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Konzert: Interpol (Nilüfer Yanya)
Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 29.11.2018
Konzertdauer. Nilüfer Yanya 30 Minuten, Interpol 2 Stunden
Zuschauer: etwa 2000, ausverkauft
Fotos: archive by Oliver Peel ©




"Interpol im Jahre 2018 interessieren mich nicht die Bohne." Das Statement meines Bekannten war schroff, aber immerhin offen und ehrlich. Ich hatte ihn zufällig beim Handzettelverteilen vor dem Eingang des eleganten Salle Pleyel in Paris getroffen, wo das Konzert der New Yorker Band stattfinden sollte. Er war nur zu Promozwecken dort, das Konzert selbst wollte er sich gar nicht ansehen.


Ich fragte mich, wie ich selbst bezüglich Interpol stehe. Ist das immer noch eine meiner Lieblingsbands, oder hat sich ihr immergleicher Dunkelrock über die Jahre abgenutzt ?



Hinsichtlich der Studioalben gehörte ich schon mal nicht zu denjenigen, die nur die ersten beiden Alben gemocht haben, sondern zu den Dauerfans die alle 6 Longplayer zu schätzen wissen. Auch der letzte Output Maurauder stiess bei mir auf Zustimmung, ich würde ihn mit 8/10 Punkten bewerten.



Mit diesem starken Album im Gepäck sollte eigentlich auch live nichts schiefgehen und so freute ich mich auf das Konzert im Salle Pleyel, ein Saal der eigentlich mehrheitlich für klassische Musik genutzt wird. Ab und zu gibt es hier aber auch Rockkonzerte.



In den Abend leitete die talentierte junge Britin Nilüfer Yanya ein. Ich hatte die dunkelblond gelockte Sängerin bereits im August bei dem Pariser Festival Villette Sonic im Freien gesehen. Wenn ich mich recht erinnere war sie dort alleine aufgetreten, im Salle Pleyel hatte sie nun eine mehrköpfige Band dabei, zu der eine Saxofonistin, ein Basser und ein Drummer gehörten.



Logischerweise klang ihr Sound gleich deutlich weniger folkig und reduziert als noch vor ein paar Wochen, teilweise wurde es fast richtiggehend rockig. Dabei ist die Dame eher eine Leisetreterin, die über ein wundervoll soulig angehauchte Stimme verfügt (die neue Sade?) und ihre Songs mit geschmackvoll minimalistischen Arrangements versieht. Mit der Musik von Interpol hat ihr Stil nicht allzu viel gemein, aber es gab ein paar Gitarrenmelodien, die dann doch nicht so weit von der Band von Daniel Kessler entfernt waren.



Sie spielte eigene Songs von ihren drei EPs aber auch ein Cover der Pixies (Hey), das kaum jemand erkannte.






Besonders mochte ich ihren spartanisch instrumentierten Song Baby Luv, aber auch HeavyWeight Champion of the world, zu dem es auch seit kurzer Zeit einen Clip gibt:



Dann erfolgte eine Pause, die länger dauerte als die von einer Stimme vom Band angekündigten 20 Minuten. Sicherlich 35 Minuten sassen wir rum und langweilten uns ein wenig. Quasi alle Leute die um mich herumsassen, kramten ihr blödes Smartphone heraus und fingen an wie die Bescheuerten im Internet zu surfen. Vor mir befand sich eine Familie: Mami, Papi und zwei Töchter im frühen Teenageralter, ich schätzte die beiden auf 12 und 14. Alle (!) beschäftigten sich nur mit ihrem Smartphone und redeten kein Wort miteinander. Das deprimierte mich, aber zumindest sah ich auf dem Display, wer das musikalische Idol eines der Mädchen war: Ariana Grande.



Interpol also inzwischen eine Band für instagrammsüchtige Teenager mit Mainstreamgeschmack? Mir wurde ganz mulmig zu mute, ich fragte mich fast, was ich hier zu suchen hatte.



Aber seien wir ehrlich, Interpol ist definitiv keine Indieband mehr und war es vielleicht noch nie. Was an sich kein Problem ist, weil es auch Mainstreambands gibt, die ich mag.





Und als das gegen 21h15 dann endlich losging, waren meine Zweifel nach ein paar Takten von Pioneer To The Falls ohnehin wie weggeblasen. Ich war von Anfang an gepackt von dieser düsteren aber auch so poppigen Musik. Punk mit Lippenstift, so wurde die New Wave Bewegung einmal treffend beschrieben und das gilt auch für die Neo Post Punk Welle, die wir seit etwa 2003 erleben und mit der Interpol untrennbar verbunden ist. Irgend was ist süsslich an der scheinbar bitter-depressiven Klangwelt der Nachfahren von Joy Division und The Cure. Leute, die wie ich in den 80ern musikalisch sozialisiert wurden, können damit was anfangen, diejenigen die aber in den 90er Jahren geboren wurden, hören lieber psychedelischen Rock, das stelle ich immer wieder fest.





Auffällig an der Setlist war, dass die neuen Stücke nur sehr vorsichtig integriert wurden. Nie kamen zwei Neulinge hintereinander, oft folgte auf das Antasten eines Songs von Maurauder ein, zwei oder gar drei alte Sachen. Und das erste Album, dessen Erscheinen erst 2017 in eine langen Tour gewürdigt wurde, wurde auch diesmal wieder in den Vordergrund gerückt. Nicht weniger als 6 Lieder stammten von Turn On The Bright Lights. Recht überraschend fand ich es, das unscheinbare Stück Public Pervert darunter zu finden. Das haben Interpol zwischen 2017 eigentlich nie gespielt. Ein Irrtum wie sich herausstellen sollte, denn der Song kam wirklich ziemlich gut rüber.



Leider war das Publikum aber dennoch kaum zu begeistern, es blieb alles sehr ruhig, die meisten standen nur reglos rum und ein klein wenig getanzt wurde erst am Ende zu alten Klassikern wie Slow Hands, Evil oder Obstacle 1. Unverständlich aus meiner Sicht, denn Roland bzw. oder Say Hello To The Angels waren so fetzig, dass eigentlich jede Menge Bewegung die richtige Reaktion gewesen wäre. Die eher maue Atmosphäre lag m.E. nicht an der Band, sondern eher an den Fans. Wie sagte Uli Hoeness einmal so schön, als ihm von Bayern Fans bei der JHV 2007 vorgeworfen wurde, dass die Stimmung im Stadion so ruhig sei: "dass ist doch eure Schuld, wenn ihr nicht richtig mitgeht!"



Wobei selbst ich mich fragte, warum man einen zwar schönen, aber auch so lahmen Song wie NYC in die Mitte des Programms nahm. Solche Balladen lassen die Stimmung eher absacken und nehmen den Schwung raus. Schnelle Titel von El Pintor beispielsweise hätten hier ihren Platz gehabt, aber von dem Vorgängeralbum zu Maurauder spielten Interpol lediglich All The Rage Back Home, bedauerlich.



Von den neuen Sachen zog das eingängige The Rover am besten, meine Favoriten waren aber eher Stay in Touch und Flight of Fancy.





Stay in Touch hatte die Band am Vortag in Utrecht wohl zum allerersten Mal live gespielt. Dafür performten sie den mittelschnellen, nicht sonderlich melodischen Songs aber schon erstaunlich sicher, während sie den Start von Flight of Nancy noch einmal wiederholen mussten, weil sie sich verspielt hatten. Ein wundervolles Stück, dieses Flight of Fancy! "Who reigns in that silence when you sleep in the afternoon,you reach out to emptyness until the reaching out feels empty too", heisst es da in den ersten Zeilen. Keine Ahnung worum es wirklich geht, aber diese kryptischen Lyrics gehören auch irgendwie bei Interpol mit dazu.



Als dann Slow Hands geschmettert wurde, ging endlich bei den Leuten mal ein wenig die Post ab. Da wäre es fast besser gewesen, im Anschluss nicht von der Bühne zu gehen, sondern die drei Zugaben direkt hintereinander zu bringen, denn die waren mit Lights (einziger Song vom 4. Album), Evil und Obtacle 1 absolut hochkarätig.

Setlist



Pioneer To The Falls

C'mere
If You Really Love Nothing
Public Pervert
Roland
Complications
Say Hello To The Angels
NYC
The Rover 
Rest My Chemistry
NYSMAW
PDA
Stay in Touch
All The Rage Back Home
The New
Flight Of Fancy
Slow Hands


Lights

Evil
Obstacle 1





Donnerstag, 7. März 2013

Antony and The Johnsons, Paris, 06.06.2013

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Konzert: Antony and The Johnsons
Ort: Salle Pleyel Paris
Datum: 06.06.2013
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: fast zwei Stunden

Total verrückt, ich bin beim seit Monaten ausverkauften Konzert von Antony and The Johnsons gelandet, obwohl ich nur kurz in den Supermarkt und neue Kontaktlinsen kaufen wollte!

Fast zwei Stunden lang croonte Antony mit seiner unnachahmlichen Falsettstimme und lud zur Zugabe keinen Geringeren als Lou Reed auf die Bühne. Der Beifall war am Ende so heftig, daß noch eine weitere ungeplante Zugabe mit ins Programm genommen wurde. Dust And Water trug Hegarty a' cappela vor und ließ hierzu das Publikum summen.

Ein hinreißendes Konzert, von dem ich demnächst gern mehr erzählen möchte.

Setlist Antony and The Johnsons, Salle Pleyel, Paris

01: For All We Know
02: Returnal
03: Child Of God
04: Cripple And The Starfish
05: As Tears Go By (The Rolling Stones Cover)
06: Your Precious Love
07: A Dream
08: Cut The World
09: Cruel Mother (mit Laurie Anderson)
10: I Will Survive (Gloria Gaynor Cover)
11: You Are My Sister
12: Motherless Child
13: Someday Someway
14: If It Be Your Will

15: Candy Says (Lou Reed)
16: Hope There's Someone

17: Dust And Water (a capella)



Mittwoch, 18. Juli 2012

Agnes Obel & St. Vincent & Kurt Vile, Paris, 09.07.12

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Konzert: Agnes Obel & St. Vincent & Kurt Vile
Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 09.07.12

Zuschauer: etwa 1800

Konzertdauer: Kurt Vile etwa 30, St. Vincent 45 und Agnes Obel ungefähr 1 Stunde



Ein Konzertabend, der von mir mit großer Spannung erwartet wurde, schließlich aber doch nicht so prickelnd war.

Letztlich war das Beste am 9 Juli die erste richtige Begegnung mit dem sympathischen Musikfreak Guido E. aus dem Saarland, dem ich bisher nur bei Fratzenbook (dort allerdings sehr regelmäßig) begegnet bin. Spontan lud ich ihn auf meine Terrasse ein und trank zusammen mit ihm und dem französischen Konzertjunkie Jean-Luc ein Gläschen zum Warmwerden. Anschließend sind wir dann gemeinsam in den klassischen Musiksaal Pleyel gepligert. An diesem Tag fuchtelten dort aber keine Dirigenten wie die Gestörten rum, sondern die Bühne gehörte Rock-und Popmusikern. Und ich blöder Bastard saß in der ersten Reihe!


Als Erster war der lang gelockte Ami Kurt Vile dran. Sein herrlich freiheitsliebender Folkrock in der Tradition von Bob Dylan und Neil Young verhallte aber weistestgehend in den klassischen Räumlichkeiten des Salle Pleyel. Es schien als würden Kurt und seine Band mit angezogener Handbremse spielen und sich nicht richtig trauen, draufzuknallen. Fast ehrfürchtig und schüchtern agierten sie auf der Bühne und waren nach lediglich circa 30 Minuten auch schon durch. Viel zu kurz!

Jesus Fever, He's Alright, Blackberry Song, Ghost Town, Baby's Arms wurden gespielt, mein Favorit Freak Train (riding.. train train train, ein spitzenmäßiges Lied) aber ausgelassen. Am besten kam der sphärische Titel Blackberry Song von A childish Prodigy rüber, da wurde ich richtiggehend melancholisch, dachte an meine letztjährige Reise durch die USA und das Pitchfork Festival in Chicago, bei dem ich Kurt Vile mittags bei 40 Grad Hitze erlebt hatte und wie ein Schwein geschwitzt hatte. An die Emotionen dieser Hitzeschlacht von 2011 kam das Konzert in Paris nicht ran. Die Location war einfach zu steif für den coolen Rock von Vile. Schade.

St. Vincent im Anschluß machte dann ordentlich Krach konnte aber nicht wirklich kompensieren, daß dies für sie ein Auftritt unter vielen war. Routiniert und effzient zog sie ihr Programm durch, blieb dabei aber so kalt wie eine Hundeschnauze. Kaum Kommunikation mit ihrer hinter ihr agierenden Band (waren das Roboter?), sehr wenige und einstudiert wirkende Ansagen an das Publikum, da konnte sie mit ihrer Elektrischen rumhüpfen wie sie wollte, wahnsinnig viel Bock hatte sie nicht.

Ein neues Lied gab es auch nicht, der obligatorische Sprung ins Publikum bei Your Lips Are Red (das nicht gespielt wurde) musste ausfallen und sogar die Klamotten (kurze schwarze Ledershort, Boots) waren genau die gleichen wie bei den Shows im Café de la Danse und im Alhambra. Langweilig. Erfreuliche Ausnahmen: Cruel, das einfach wahnsinnig cathcy ist und immer zieht und das Cover der Pop Group, das mich mit seinem kühlen Punk Funk begeisterte. Insgesamt aber nur ein gehoben durchschnittliches Konzert.


Blieben Agnes Obel und ihre deutsche Cellistin Anne Müller. Diese beiden Damen entpuppten sich als diejenigen Künstler, die am besten in diese Location passen. Ihre fast klassische Musik ohne Schlagzeug und krachende Gitarren entwickelte in Pleyel ihren vollen Charme und ließ einen wohlig dahinträumen. Einen besonders guten Eindruck hinterließ Müller bei mir, sie spielte ihren Part wirklich mit viel Können und Gefühl und untermalte die hübsche Stimme der Obel perfekt. Auch hier hinsichtlich der Setlist keine Überraschungen, sondern bis auf ein neues Lied die bereist bekannten Stücke inklusive des hervorragenden Covers von Katie Cruel und zum Schluß die Hits mit Riverside und On Powdered Ground. Als Einzige durften sie auch noch Zugaben spielen und wurden hinterher mit viel Applaus bedacht. Guido hat sich glaube ich bei Agnes ein wenig gelangweilt, ich aber war angetan und verbuchte ihren Auftritt als das gelungenste Konzert des Abends.

Setlist St Vincent, Salle Pleyel, Paris, klick!
Setlist Agnes Obel, Salle Pleyel, Paris,
klick!

Aus unserem Archiv:

St. Vincent, Paris, 26.02.12
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Dienstag, 5. Juli 2011

Fleet Foxes, Paris, 04.07.11

9 Kommentare

Konzert: Fleet Foxes (Villagers)

Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 04.07.2011
Zuschauer: ausverkauft, etwa 2000
Konzertdauer: Villagers etwa eine Stunde, Fleet Foxes 2 Stunden


"C'est trop fort". Wenn Franzosen das sagen, kann das zwei verschiedene Dinge bedeuten. Zum einen, daß eine Sache einfach unglaublich toll, ist, sprich zu stark (trop fort), um wahr zu sein. Zum anderen, daß der Ton zu laut ist. "Parle moins fort" ermahnen Pariser Mütter oft ihre Kinder, um ihnen zu sagen, daß sie leiser sprechen und nicht so schreien sollen.

Heute im Salle Pleyel beim Konzert der Fleet Foxes traf leider die zweite Alternative zu. "C'est trop fort", es ist viel zu laut, riefen mindestens 30 Leute nach dem dritten Lied der Amerikaner herein. Und sie hatten so verdammt recht damit. Der Lärm war ohrenbetäubend, die Gitarren wild und brachial und das Schlagzeug von Josh Tillman bollerte plump und schwer aus dem Hintergund. Wie schon beim enttäuschenden Konzert im Bataclan klangen die Fleet Foxes wie eine vulgäre Stadionrockband, die das Publikum mit Wucht, aber ohne Feingefühl und Finesse, beindrucken will. Im Gegensatz zum Bataclan wehrten sich aber heute die Pariser und machten ihrem Unmut über den saturierten Bombastsound Luft. Auch ich beteiligte mich an den Protesten, den ich war bitter enttäuscht darüber, daß eine frühere Lieblingsband so derbe und wenig subtil klang. Zum zweiten Mal in Folge, das konnte kein Zufall sein.

Dabei war ich so optimistisch und frohgemut in dieses Konzert gegangen und überzeugt davon, daß in dem klassischen Konzertsaal Pleyel mit viel Zärtlichkeit und Innigkeit zu Werke gegangen würde. Das neue Album ist doch gut, das Altmaterial eh super, warum sollten dann die Fleet Foxes nicht einen wunderbaren Auftritt aufs Parkett legen können? Den Flop vom Bataclan redete ich mir als einmaligen Fehltritt schön. Heute sollte alles besser werden.

Aber Pustekuchen! Es war noch schlimmer als im Bataclan! Noch plumper, noch feister, noch herzloser. Echte Gefühle kann man nicht mit Lautstärke übertünchen, soviel sollte klar sein. Das Publikum protestierte also. Und wie reagierte die Band? Robin schien zunächst überrascht, nicht richtig zu verstehen, was los war. "What? The sound ist too loud? Too much noise?" "Can you turn it down a bit", gab er nicht wirklich von seiner Schuld überzeugt alibihaft Anweisungen an die Leute vom Ton. Wer aber glaubte, es würde in der Folge dezenter weitergehen, wurde enttäuscht. Es donnerte und krachte genauso wie vorher, jeder gute Song wurde durch den Wummersound nach spätestens 30 Sekunden ruiniert, die Stimme von Pecknold zugekleistert und dies obwohl er rumschrie wie ein Besessener. Ein Trauerspiel, eine Katastrophe. Mehr noch: eine Frechheit. Robin versuchte ein paar Lieder später zu beschwichtigten, erklärte, daß sie kürzlich bei einem Festival neben Iron Maiden angetreten sind und sich durch massive Lautstärke Gehör verschaffen mussten. Nur er schmunzelte darüber...

In der Folge wurde es dann immer weniger komisch, denn nun schaltete sich plötzlich Josh Tillman von hinten ein. Ob es an seinem Schlagzeugspiel liege? Ob das auch zu laut sei? Ein paar Leute trauten sich die Wahrheit zu sagen und die Frage zu bejahen. Das schmeckte Tillman überhaupt nicht. Er reagierte wie ein beleidigter Rotzbengel, wie ein ungezogenes Kind, schmollte rum und spielte beim nächsten Lied bewußt leise und viel zu langsam. Witzig fand ich das nicht, eher provozierend und deplatziert. Wäre ich Schiedsrichter gewesen, hätte ich ihm mindestens die gelbe Karte für unsportliches Verhalten gezeigt. Der Kerl verweigerte allen Ernstes in der zweiten Hälfte des Konzertes die Arbeit, spielte manchmal in den ersten Minuten gar nicht richtig mit und wirkte ansonsten extrem lustlos und angepisst. Er ließ das auch die Leute merken, denn nachdem der Bassist Christian Wargo irgendwann frustiert sagte: "it feels like playing a diet version of Fleet Foxes", reagierte er mit: "I don't feel like being on a diet, I feel fater than ever." War klar, was er damit sagen wollte, er war tierisch genervt.

Dabei war es zu 100 % die Schuld der Band. Einer Band, die mit aller Gewalt ins Stadion, auf die großen Bühnen dieser Welt drängt und ihren einst so feinen Sound entsprechend fett gemacht hat. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Altfans murren.

Es war einzig und allein der Souveränität von Robin Pecknold zu verdanken, daß dieser Auftritt nicht ausuferte und zum Eklat führte. Er blieb besonnen und sportlich fair, schaffte es die Leute zu besänftigen und beruhigte die erhitzten Gemüter. Dadurch mobilisierte er sogar einen Teil der Fans, die nun verstärkt: "we love you" und "merci" riefen, was ihm sichtlich gut tat.

Und prompt wurde das Konzert gegen Ende besser. Bei Montezuma hatte Pecknold endlich mal freie Bahn und konnte seinen Gesang richtig schön entfalten. Keine Band, die ihm nach einer Minute die Luft abschnitt und alles zudröhnte. Ein tolles Lied, ein Highlight, keine Frage. Aber die Herrlichkeit hielt zunächst nicht allzulange, denn bei He Doesnt Know Why wurde nach gutem Beginn schon wieder zu stark auf die Tube gedrückt. Dennoch war das Konzert nun in einer stärkeren Phase, mit The Shrine/An Agument und Blue Spotted Tail konnten die Füchse noch einmal punkten, bevor Blue Ridge Mountains erneut zu pompös geschmettert wurde.

Bei den Zugaben sah man dann zu Oliver James Robin solo und merkte noch einmal deutlich, daß hier und heute die Regler einfach zu laut aufgedreht waren.Wenn der Sänger auf das Holz seiner Gitarre klopfte, klang das fast als würde er massive Steine dagegen werfen. Alles andere als harmonisch.

Aber zumindest ganz zum Schluß wurde dann noch einmal auf Harmonie gemacht, Pecknold bedankte sich beim Publikum "for being sweet and respectful" (ein paar Leute hielten das für einen ironischen Kommentar) und "for the constructive criticism."

So etwas hatte ich auch noch nie zum Abschluß gehört. "Danke für die konstruktive Kritik." Hoffentlich nehmen sie sich diese zu Herzen, vor allem Josh Tilmann.

Gerne möchte ich nämlich zukünftig wieder einmal nach einem Fleet Foxes sagen können: "C'était trop fort", das war einfach zu stark.

Setlist Fleet Foxes, Salle Pleyel, Paris:*

01: The Cascades
02: Grown Ocean
03: Drops In The River
04: Battery Kinzie
05: Bedouin Dress
06: Sim Sla Bim
07: Mykonos
08: Your Protector
09: Tiger Mountain Peasant Song
10: White Winter Hymnal
11: Ragged Wood
12: Lorelai
13: Montezuma
14: He Doesn't Know Why
15: The Shrine/An Argument
16: Bue Spotted Tail
17: Blue Ridge Mountains

18: Oliver James (Pecknold solo)
19: Helplessness Blues


* exakt die gleiche Setlist wie im Bataclan. Enttäuschend, daß da nicht zumindest ein wenig variiert wird.

Aus unserem Archiv:

Fleet Foxes, Paris, 30.05.11
Fleet Foxes, Paris, 16.09.09
Fleet Foxes, Luxemburg, 15.09.09
Fleet Foxes, Paris, 25.02.09
Fleet Foxes, Essen, 22.11.08
Fleet Foxes, Paris, 12.11.08
Fleet Foxes, Haldern, 07.08.08
Fleet Foxes, Paris, 02.06.08


Morgen dann übrigens auch noch ein paar Sätze zur Vorgruppe Villagers.



Montag, 4. Juli 2011

Cat Power, Paris, 04.07.11

2 Kommentare

Konzert: Cat Power (Ólafur Arnalds)

Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 04.07.2011
Zuschauer: ausverkauft (ungefähr 2000)
Konzertdauer: Ólafur Arnalds etwa 1 Stunde, Cat Power 2 Stunden


Sublime Cat Power! Elle se produisait juste devant mon nez dans une salle de musique classique qui compte quand même 2000 personnes! J'étais vraiment chanceux d'avoir été si prêt d'elle et parfois j'avais l'impression d'assister à un concert d'appartement. C'était incroyablement intimiste! Merci Rockerparis!!

Et la belle Chan n'a pas déçu. Malgré ses angoisses et agitations habituelles (elle parcourait la scène comme un tigre/une tigresse en cage) elle a su gérer le stress et elle a chanté d'une manière incroyable pendant deux heures de pur bonheur. Parfaitement assisté par son groupe Dirty Delta Blues (Jim White: batterie, Erik Paparazzi: guitare, bass, Judah Bauer: guitare, Gregg Foreman:clavier) discret, mais efficace, elle est montée un peu plus en puissance avec chaque nouveau morceau.
Après un début un brin hésitant elle a pris plus de confiance en elle dans la suite en mettant tout son coeur dans ses chansons magnifiques. Sa voix de velours n'a rien perdu de son charme et ses chansons, notamment celles de son dernier disque Jukebox (2008), ont éte interprétées d'une manière nouvelle et inattendue. On avait également du mal à reconnaître The Greatest, titre phare de l'album du même non, qui a clôs la première partie du concert, stylistiquement plutôt bluesy et calme.

Après Chan et ses musiciens sont devenus plus rock et bruyants et Miss Marshall a pour la premiére fois mis sa guitare autour du cou. I Wanna Be Your Dog n'avait plus grand chose a voir avec l'original des Stooges, tant mieux. Puis après Cherokee (paroles: "marry me to the moon") m'as mis une belle gifle. Morceau fabuleux, fiévreux, habité et rock. Une pure merveille!
Le groupe a su garder cette tension tout au long de la deuxième partie du concert.

Juste avant la fin viendra le titre espagnol Angelitos Negros (Roberta Flack) et on voyait une Chan Marshall très émue, dans un état presque hypnotique. Elle mettait tout qu'elle avait dans cette ballade si triste, mais si touchante en même temps.

Pour finir en beauté, le public a eu droit au classique I'Dont Blame You (de l'album You are free), une fois de plus interpréte d'une manière nouvelle et différente de l'album, montrant parfaitement que Cat Power ne se contente jamais de jouer des morceaux comme sur ses disques, mais toujours à la recherche de nouveaux arrangements.

Et puis il y avait comme d'habitude des fleurs que Chan lançait dans le public, des larmes (de joies), des applaudissements frénétiques, des salutations, des bisous, des remerciements chaleureux ("Paris, je t'aime, merci, je t'aime!").

Un grand concert.


Unfassbar! Sensationell! Atemberaubend! Und diese Superlative beziehen sich zunächst auf die Tatsache, daß ich in diesem verfluchten (bzw. eigentlich sehr schönen) Salle Pleyel in Paris in der allerersten Reihe saß und Chan Marshall quasi zwei Stunden lang direkt vor meiner Nase hatte, während ich bequem in meinem Kinosessel lungerte. Ich altes Glücksschwein! Ich Gustav Gans! Ich war so nah dran, daß mir bei einer unbedarften Bewegung der Chanteuse der Mikrofonständer in meine blöde Fresse geflogen wäre! Ich hätte ihr die Schnürsenkel aufmachen können! Und hinter mir sitzen 2000 Fans, die teilweise meilenweit von der Bühne entfernt waren. So etwas nennt man dann wohl Dusel haben!

Zu verdanken hatte ich meine privilegierte Sitzposition meinem Freund von Rockerparis, der mir gestern zum regulären Preis sein Kärtchen verscherbelt hat, weil er selbst zu einem Konzert von den Doors ins Bataclan gegangen ist Den Doors, Freunde?! Überlegt selbst, was daran seltsam ist...

Statt wie der Rockerparis alten abgehalfterten Musikern dabei zuzusehen, wie sie sich aus Anlaß des vierzigsten Todestages eines gewissen Jim Morrisson die Taschen voll machen, verfolgte ich also genüßlich die ewig jugendliche Cat Power.

Überflüssig zu sagen, daß sie mich fast wieder zu Tränen rührte. Ihr bemerkenswertester Satz (den sicherlich nicht viele mitbekommen haben, weil sie ihn fast beiläufig ins Mikro nuschelte) war sinngemäß: "It's not important to think about our worries and doubts, because they never go away, they are always there." Später habe ich lange darüber nachgedacht, wie sie das meinte. War das nicht sehr fatalistisch? Die Sorgen gehen nie weg. Der Mensch kann einfach nicht glücklich sein.

Oder war der Spruch vielmehr psoitiv zu deuten. So nach dem Motto: "warum machen wir uns überhaupt Sorgen, ist doch eigentlich egal, schließlich machen wir uns ständig neue. Also scheiß drauf!


Aber selbst wenn nicht viele diesen Spruch gehört haben und selbst wenn ich ihn nicht 100 % korrekt widergegeben habe, so wurde doch erneut deutlich, daß dort eine sensible, fragile und teilweise verängstigt bzw. verunsichert wirkende Künstlerin auf der Bühne stand, die gerade deshalb so gut beim Publikum ankam. Die Franzosen lieben Chan Marshall, eben weil sie eine solch verletztliche Person ist. Niemand möchte Roboter in Aktion sehen, die gefühlskalt und routiniert ihre Show abziehen und dann wieder gehen. Stattdessen fiebert man mit einer Cat Power mit, hält den Atem an, wenn sie ihre sensationelle Hauchstimme erhebt, gerät in Ekstase, wenn sie innere Blockaden aus dem Weg räumt und sich in ihre Songs so richtig emotional reinsteigert. Man liebt sie, weil sie trotz iher Bekanntheit so natürlich ist, so liebenswürdig, so saunett. Gerne würde man sie in den Arm nehmen, gegen die Brust drücken, ein Lächeln von ihr geschenkt bekommen. Ihr Charisma ist unbeschreiblich, die Sympathien die ihr heute abend wieder zuflogen fast grenzenlos.

Zwei Stunden lang berauschte ich mich an der samtweichen Stimme, der die Songs untermalenden Theatralik und der natürlichen Schönheit der Amerikanerin, die oft so unfassbar nah vor mir agierte, ja mir manchmal von oben runter scheinbar in die Augen schaute. Das war fast wie ein Wohnzimmer-Konzert in einer 2000 Zuschauer Location! Unbeschreiblich intim!

Morgen mehr...

Setlist Cat Power, Salle Pleyel, Paris:

01: Bully
02: Dreams
03: Don't Explain (Billie Holiday)
04: Nilo/Song To Bobby
05: Woman Left Lonely (Janis Joplin)
06: Silver Stallion (The Highwaymen)
07: Lord Help (Jessie Mae Hemphill)
08: Real Life
09: Brave Liar
10: The Greatest

11: I Wanna Be Your Dog (The Stooges)
12: Cherokee
13: Horizon
14: Let Me Go
15: Monster
16: Woman Of My Word
17: Ruin
18: Angelitos Negros (Roberta Flack)
19: I Don't Blame You

Aus unserem Archiv:

Cat Power, Köln, 04.06.08
Cat Power, Paris, 01.06.08
Cat Power, Paris, 22.01.08
Cat Power, Paris, 21.01.08
Cat Power, Paris, 05.11.06




Montag, 6. September 2010

John Cale, Paris, 05.09.10

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Konzert: John Cale

Ort: Salle Pleyel, Paris
Datum: 05.09.2010
Zuschauer: fast 2000
Konzertdauer: ungefähr 90 Minuten netto



Am Tage nach einer meiner Oliver Peel Sessions bin ich immer platt wie eine Flunder. Wenn dann noch hinzukommt, daß zur Zeit gerade die US Open im Tennis laufen und ich um 5 Uhr morgens ins Bett gehe, kann man sich ausrechnen, daß ich heute auf dem Zahnfleisch gekrochen bin. Es fehlt nicht mehr viel und ich bin reif für die Rehab! Den Hals kriege ich dennoch nie voll genug. Nachdem ich eine 0,5 Liter- Dose Red Bull gesoffen hatte (ein fieses Zeug!), fühlte ich mich gegen 19 Uhr wieder halbwegs wach und bereit für ein neues Konzert. John Cale, der alte Haudegen, spielte im Salle Pleyel auf, um sein vielgerühmtes Meisterwerk Paris 1919 zu performen. Da musste ich doch dabei sein, oder etwa nicht? Um mich fit zu kriegen, musste ich aber erst noch einmal ausgiebig kalt duschen. Gegen 19 Uhr 30 klingelte das Telefon und der weltberühmte Rockerparis war am Telefon. Mit nassen Händen nahm ich den Anruf entgegen und vereinbarte mit meinem Kumpel, John Cale live unter die Lupe zu nehmen. Ich musste mich also nun ein wenig sputen. Die Webseite des Salle Pleyel behauptete, das Konzert fänge um 20 Uhr an, aber das nahm ich nicht allzu ernst. Ich war felsenfest davon überzeugt, daß es erst frühestens um 20 Uhr 30 losgehen würde. Dementsprechend trudelte ich auch ganz lässig erst um halb neun vor dem Salle Pleyel ein. Der gefuchste Rockerparis verhandelte gerade vor der Türe mit einem Typen den Preis für die Tickets. Wir Chaoten kamen nämlich coolerweise ganz ohne Billet oder Gästenlistenplatz an. Ist ja auch für was Spießer, diese ganze Reservierungskacke! Spontanen Menschen wie uns kommt das nicht entgegen. Lediglich zehn Euro pro Nase sollten die Plätze kosten. Ein super Geschäft (und legal obendrein!), bedenkt man, daß es sich um Plätze der ersten Kategorie handelte, die eigentlich 45 Euro wert waren! Wir schlugen zu und ließen die Scheinchen rüberwachsen. Die Sache hatte aber einen kleinen Haken: Das Konzert hatte schon angefangen und zwar pünktlich um 20 Uhr! Was für eine pedantische Scheiße seitens des Veranstalters. Wo gibt es denn so etwas, bitte schön? In jedem vernünftigen Konzertsaal beginnen die Konzerte mindestens eine halbe Stunde später als auf den Karten ausgewiesen. Aber wir waren nun einmal nicht in einem vernünftigen Konzertsaal, sondern in einem altmodischen Theater, wo sonst klassische Musik gespielt wird. Die alten Leute müssen halt früh ins Bett!

Ziemlich angepisst kletterten der Rockerparis und ich die mit rotem Samt ausgelegten Treppenstufen hoch und platzten zur Tür rein, wo schon wie blöd rummusiziert wurde. Der Platzanweiser (dieser Hanswurst!) erklärte uns, daß wir unsere Plätze erst nach der Pause einnehmen dürften. Hä? Was für eine Pause? Tja, das Konzert war in zwei Hälften eingeteilt, beide 45 Minuten lang, unterbrochen von einer 20 minütigen Pause. Höchstwahrscheinlich hatte man Rücksicht auf die ganzen Sozialkundelehrer im Publikum genommen, die von der Schule her Lerneinheiten à 45 Minuten gewohnt sind. Da standen wir also wie die Deppen im Gang rum und glotzten auf die Bühne, wo ein ganzes Orchester rumfiedelte wie auf Droge. John Cale croonte mit seinem weißen Schopf in der Mitte und sang zum Abschluß des ersten Teils Macbeth. Die alten Herrschaften im Publikum klatschten wie die Gestörten, so ähnlich wie in der Berliner Philharmonie, wenn Sir Simon Rattle mit seinem Rumdirigieren fertig hat. Pause war angesagt...

Unten im Flur tummelte sich das gesamte Musik-Bildungsbürgertum. Überflüssig zu sagen, daß kaum junges Publikum da war, die gehen ja schließlich zu den Kooks oder so. Welche junge fetzige Pariserin will schon einen zerknautschten Crooner im Anzug auf der Bühne sehen? Na keine, eben! Ich sah mich also umgeben von gleichaltrigen oder noch älteren Semestern. Deprimierend. Meine Laune wurde gänzlich beschissen, als ich erfuhr, daß im ersten Teil sämtliche Lieder von dem wunderschönen Album 1919 gespielt worden waren. Verflixte Axt! Ich wollte doch unbedingt Endless Plain Of Fortune, Andalucia oder Paris 1919 einmal live sehen und hören! Lieder, die mich auf fabelhafte Weise an vorzügliche zeitgenössiche Bands wie Midlake oder die Flamming Lips erinnern. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich sofort die Fliege machen und mir den zweiten Teil schenken sollte. Meine Neugier siegte schließlich, ich blieb.

Nach der Pause nahmen der Rockerparis und ich unsere Sitzplätze ein. Vierte Reihe, super Sicht, diesbezüglich gab es nichts zu meckern. John Cale kam nun mit seiner Band, aber ohne die Streicher des Orchestre National d'Ile-de-France zurück. Der alte Ex-Velvet ließ nun den Rocker raushängen, aber das Stück Hello, There klang so hausbacken und altmodisch, daß ich am liebsten auf den Fußboden gekotzt hätte. Bluesrock für alte Herren, ganz fies. Catastropic war dann zwar nicht katastrophal, aber immer noch nicht wirklich gut. Zu Whaddya Mean By That trat Cale dann in die Mitte der Bühne und performte ohne Instrument. Das Licht war glänzend und ich hielt es für an der Zeit, den grauen Fuchs abzulichten. Ich hatte gerade ein einziges Foto abgefeuert, da kam schon ein Ordner (was für ein Heini!) angesprungen und befahl mir, die Knipserei sofort einzustellen. Ich tat ihm den Gefallen und steckte meine kleine Kompaktkamera wieder ein. Ohnehin galt es sich jetzt ganz auf die Musik zu konzentrieren, denn die wurde mit der Ballade Amsterdam vorzüglich. Das Streicherorchester war nun wieder mit von der Partie und die Stimme von Cale war einfach sensationell! "But I love her still and need her company still more. Come down, come down once more. And I think, the journey, did her well", sang John kraftvoll, präzise und mit einem formidablen Timbre. Keine Frage, der alte Bock hat es noch drauf! Ich schnalzte mit der Zunge, war plötzlich topfit und bester Laune. Von nun wurde das Konzert der erhoffte Genuß. Sechs Violinen, drei Celli und zwei Kontrabässe zauberten Wohlklänge in den Salle Pleyel, in dem nun Secret Corrida ertönte. Schön! Aber es wurde noch schöner: Do Not Go Gentle Into That Good Night (von Fragments Of A Rainy Season) kam traumhaft und in allerbestem Klang rüber. Eine Trombone versüßte das Ganze noch zusätzlich. Toll, toll, toll!

Zu dumm nur, daß nach Hedda Gabler schon Schluß war. Der Salle Pleyel tobte. Natürlich kam John Cale noch einmal zu Zugaben zurück und spendierte Gun und nach einer weiteren Pause Pablo Picasso. In dieser Phase gab er noch einmal den Rocker und ließ seine Elektrische aufjaulen. Ich ließ meiner Fantasie freien Lauf und fühlte mich an Shadowplay, den Klassiker meiner Lieblingsband Joy Division erinnert. Wahrlich keine schlechte Assoziation und am Ende stand fest: John Cale müssen Fans von Bands wie The National, Interpol und den Tindersticks einmal live gesehen haben, schon allein wegen der famosen Baritonstimme des Altmeisters!

Die Abschiedsworte des Walisers: "Eine kleine Nachtmusik"

Setlist John Cale, Salle Pleyel, Paris:

01: Childs Christmas In Wales
02: Hanky Panky Nohow
03: Endless Plain Of Fortune
04: Andalucia
05: Paris 1919
06: Graham Green
07: Half Past France
08: Antarctica Starts Here

Pause

09: Hello, There
10: Catastrophic
11: Whaddya Mean By THat
12: Amsterdam
13: Secret Corrida
14: Do Not Gentle
15: Hedda Gabler

16: Gun

17: Pablo Picasso


- Englische Review bei Rockerparis, klick!

Sehr schöne Videos von einem Konzert in Norwich von John Cale:

- Whaddya Mean By That
- Secret Corrida
- The Endless Plain Of Fortune



 

Konzerttagebuch © 2010

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