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Mittwoch, 15. August 2012

Haldern Pop Festival zweiterTag, Rees-Haldern, 09.08.12

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Konzert: Haldern Pop Festival 2012, 2. Tag, mit Wye Oak, Other Lives, Dan Mangan u.v.a.
Ort:Spiegelzelt und Mainstage
Datum:10.08.2012
Zuschauer: Tausende

Der zweite Festivaltag wurde von uns erst um 15 Uhr 30 mit Wye Oak angestochen. Vorher war ausschlafen angesagt, schließlich waren wir im Urlaub, vor allem meine Frau, die sonst immer früh raus muss, pochte auf ihr Recht, lange zu pennen.
Als wir die Vorhänge des Hotelzimmers (wir sind alt und komfortversessen, zelten kommt für uns nicht mehr in Frage) aufzogen, hielt sich die Sonne noch ein wenig zurück und es war leicht bewölkt, aber als wir das Festivalgelände erreichten, war Sonnenschein pur angesagt und die Temperaturen sommerlich warm. Beste Bedingungen für einen großartigen Festivaltag, auf den wir zudem durch ein spätes Frühstück mit herrlich starkem Espresso bei einem Italiener in dem Grenzstädtchen Goch gut vorbereitet waren.
Weniger ausgeschlafen erschienen Andy Stack und Jenn Wasner alias Wye Oak, die heute erst aus Baltimore eingeflogen waren und zugaben, ziemlich durch den Wind zu sein. Leistungsmindernd wirkte sich der Schlafentzug und das Jetlag aber nicht aus. Mit viel Einsatz und Spielfreude präsentierten die beiden ihren erdigen Indierock, der mitunter ordentlich laut wurde. Jen schien eine diebische Freude daran zu haben, ihre Elektrische aufheulen zu lassen, während ihr musikalischer Partner am Schlagzeug (und Keyboard, manchmal gleichzeitig bedient!) hingegen weitestgehend stoisch agierte. Ein Paar voller Gegensätze. Sie die wilde Pipi Langstrumpf, er der fleißige Streber. Trotzdem harmonierten die beiden fast blind miteinander und ihr Set flutschte reibunsglos. Erstaunlich, daß sie es mit ihrem reduzierten Instrumentarium schafften, abwechslungsreich, melodiös und spannend zu klingen. Die Songs ihrer drei Alben waren jedenfalls ziemlich dufte und am Ende war es etwas schade, daß das Set nicht sonderlich lang war. City Slang Chef Cristof Ellinghaus schien mit dem Auftritt seiner Schützlinge zufrieden gewesen zu sein und auch ich hatte meinen Spaß mit dem explosiven Duo.
Um 16 Uhr 30 dann die Begegnung mit einer der Bands der Stunde. Other Lives aus Oklahoma haben einen kometenhaften Aufstieg hinter sich, der sie sogar ins Vorprogramm von Radiohead katapultierte und etliche ausverkaufte eigene Shows beinhaltete. Dabei waren sie noch vor einem Jahr nahezu unbekannt, als sie vor ein paar glücklichen Zusehern in der kleinen Haldern Pop Bar aufspielten, da aber bereits erkennen ließen, daß mit ihnen unbedingt zu rechnen ist. Ihr drittes Album* Tamer Animals ist aber auch wirklich ein Schmuckkästchen, das mit unglaublich vielen Schätzen gefüllt ist. Kein Wunder, daß dann viele Musikfans auch hören wollen, wie die Liveumsetzung gelingt. Hervorragend nämlich! Jesse Tabish versteht es immer wieder, den tollen Songs der CD live mehr Druck, Schärfe und Tiefgang zu verleihen und seine hervorragende Liveband um die talentierte Cellistin, Geigerin und Autoharpistin Jenny Hsu zu dirigieren. Auch in Haldern 2012 spielten die Musiker wie aus einem Guß und verzauberten das in der Sonne schwitzende Publikum mit einem vielschichtigen, orchestralen Wildwestsound, den Jesse Tabish mit sensationeller Baritonstimme intonierte. Hit (ganz groß der sentimentale Titeltrack) reihte sich an Hit (For 12, Dark Horse) und auch hier hatte man sich durchaus Lust auf ein längeres Konzert, was aber auf Grund des dichtgedrängten Zeitplanes nicht möglich war.
Danach musste ich erst einmal in Ruhe etwas essen und ein wenig chillen. Dazu gab es im hinteren Teil des Geländes bei den Merchständen auf sandigem Boden herrlich Gelegenheit. Hier konnte man prima relaxen, Kraft tanken und fühlte sich fast wie in einer kleinen Hippie Kommune. Alles passte, das Wetter, die netten Leute in Haldern und meine Stimmung (lag das vielleicht am Bier?). Selbst meine Wadenmuskulatur hatte sich ein wenig gelockert, wenngleich es immer noch zwickte und zwackte und ich mich humpelnd wie ein alter Mann fortbewegte. Zu dieser Zeit, es war in etwa viertel vor sechs, spielten die Indierocker White Rabbits auf der Hauptbühne, während kurze Zeit später die Briten Zulu Winter im Spiegelzelt für Stimmung sorgten. Ich selbst war erst um 18 Uhr 50 mit Dan Mangan wieder mit von der Partie.

Der liebenswürdige Kanadier erschien schon bei den Aufbauarbeiten (ein Zeichen seiner Bodenständigkeit) mit grünem Parka und seinem obligtorischen Lächeln im runden Gesicht. Der sympathische Bursche aus Vancouver hat aber auch wirklich gut lachen, denn zusammen mit seiner powervollen Band hat er es geschafft, vom Spiegelzelt (2011) auf die Hauptbühne aufzusteigen. Ein Verdienst seiner explosiven, äußerst inbrünstig vorgetragenen Konzerte, die immer mehr Fans rund um den Globus anzogen.
Auch heute machte Dan Mangan seine Sache gut, konnte aber nicht mehr so ganz von dem "Aha- Effekt" im Publikum profitieren, dass ihn vor einem Jahr kennen- und lieben gelernt hatte. Damals war er ein unbekannter Newcomer und kaum einer wusste, wie wahnsinnig stimmungsvoll und berauschend seine Shows sind, heute aber erwartete jeder ein neuerliches Feuerwerk und noch mehr Extase. Trotzdem blieb es lange Zeit ziemlich ruhig auf den Rängen und erst beim Überhit Robots wurden letzte Blockaden endgültig gelöst. Zuvor hatten Mangan und seine Band einen wohlschmeckenden Cocktail aus den beiden letzten Alben Nice Nice Very Nice und Oh Fortune! bereitet und ein Lächeln auf so manches Gesicht gezaubert. Wir werden ihn also wiedersehen, diesen Pfundskerl mit dem diebischen Lächeln, dessen kann man sich sicher sein!

Gleich nach Ende des Konzertes von Dan Mangan, das auf der Hauptbühne stattgefunden hatte, bemühte ich mich, schleunigst ins Spiegelzelt zu Daughter aus England zu kommen. Hier machte sich mein Pressepass bezahlt, da ich die Möglichkeit hatte, über einen Seiteneingang schneller reinzukommen, ohne vorher in der Schlange zu stehen. Drinnen war es wahnsinnig voll und wegen des starken Nebels war es auch schwierig, die Protagonisten auf der Bühne zu erkennen. Dummerweise stand die britische Sängerin auch auf der rechten Seite, sodass ich die Seiten wechseln musste, da sie vorher im toten Winkel war. Durch meine Linse sah ich eine dünne, gutaufgelegte junge Dame mit E-Gitarre, die eine männliche Begleitgruppe anführte. Ihre Stimme klang sirenenhaft und herrlich verhuscht. Aber der verhallte Dreampop wich im weiteren Verlaufe einer noisigeren Instrumentierung und man konnte fast Postrockelemente erkennen. Laura Marling meets Sigur Ros, so schoss es mir durch den Kopf. Wie auch immer, ich genoß das Set und kann die Programmveranstalter des niederrheinischen Festivals nur beglückwünschen, diesen in Zukunft sicherlich dicken Fisch ans Land gezogen zu haben. Auf dem europäischen Festland waren Daughter noch nicht so oft, insofern waren die Haldener erneut früh am Ball und ich würde mich nicht wundern, wenn wir Daughter in Zukunft einmal auf der Hauptbühne erleben werden.

Erneuter Bühnenwechsel und zurück zur Mainstage auf der nun Thees Uhlmann und seine Band antraten. Mein Bloggerfreund Christoph hatte den Tomte-Sänger erst kurz vorher interviewt und von einem bestens aufgelegten und natürlich-sympathischen Kerl geschwärmt (der im Übrigen auch unser Konzerttagebuch liest! Yeah, baby). Und genauso kam Thees dann auch live rüber. Locker, gerade heraus und uneitel. Ein Typ, der seine Herkunft vom Lande nicht verleugnet und sich höchst erfreut zeigte, auf dem Dorf, sprich dem Haldern zu spielen. Das sei seit langer Zeit sein Traum gewesen. Beim Publikum kam er mit seiner unverkrampften Art ungemein gut an, viele Leute sangen die Texte mit und an dem satten, hochmelodischen Gitarrenrock hatte einfach jeder seinen Spaß. Ich persönlich erfreute mich zudem an dem Anblick der zuckersüßen Keyboarderin, die unverschämt jung aussah, aber sicherlich schon seit einer gewissen Zeit volljährig ist. Einzig der Anblick der Leute neben mir, mit den hässlichen T-Shirts, die unweigerlich auf einen dieser unsäglichen Junggesellenabschiede hindeuteten, irritierten mich ziemlich. Es gibt ja kaum etwas Schlimmeres als Junggesellenabschiede, finde ich zumindest und auch Hochzeitsgags wie das Entführen der Braut erscheinen mir absurd. Ich hätte möglicherweise jedem meine Freundschaft gekündigt, der mir damals bei meiner Eheschließung mit einem solchen Käse gekommen wäre. Aber Schluss mit diesem Exkurs, das Konzert von Thees war kurzweilig und in manchen Teilen gar berauschend. Musik mit deutschen Texten ist also nicht per se zu verdammen.

Gilt sicherlich auch für Niels Frevert, der nun im Spiegelzelt auflief.

Allerdings fehlte mir die Kraft, um mir den sensiblen Barden drinnen anzusehen und richtig aufzupassen. Stattdessen plauderte ich gemütlich auf einer der Bierbänke draußen mit einem Freund, denn wir sehen uns das Jahr über nur selten und haben kaum Gelegenheit, uns mal auszutauschen. Aber auch das gehört zu einem Festival dazu: Freunde treffen, soziale Kontakte pflegen, über die Qualität der Konzerte fachsimpeln. Zu Niels Frevert konnte ich mir keine richtige Meinung bilden, obwohl man den Auftritt auch draußen auf dem großen Bildschirm verfolgen konnte. Ich denke der Hamburger ex Nationalgalerie Mann ist gut, ansonsten hätte er nicht eine solch treue Gefolgschaft und wäre nicht bei dem glänzenden Label Tapete beheimatet.

Fraglich ist hingegen, was ich von Ben Howard zu halten habe. Der Engländer, der letztes Jahr noch beim Haldern Pop im Zelt spielte, hatte 2012 den Aufstieg auf die Hauptbühne geschafft und gefiel meiner Frau, die sich das Ganze aus der Nahe ansah, recht gut. Ich hörte das Konzert nur aus der Ferne, konnte demzufolge auch hier kein Urteil abgeben. In Frankreich, wo ich seit 10 Jahren lebe, ist er bereits ein Star, spielt 1.500er Locations und in Deutschland ist sein Aufstieg sicherlich auch noch nicht beendet. Ob ich dabei bin, wird die Zukunft zeigen.

Dabei war ich dann aber auf jeden Fall beim Konzert der Briten Diagrams. Von denen hatte ich viel erwartet, da sie mir in Paris vor ein paar Monaten ein fulminantes Konzert beschert hatten und meine Erwartungen wurden auch keineswegs enttäuscht. Ex Tunng Vorstand (der vor ein paar Jahren mit seiner alten Band bereits im Spiegelzelt aufgetreten war) Sam Genders und seine Truppe spielten druckvoll, abwechslungsreich und melodiesselig auf. Ihre Mischung aus funkigem Pop, Electronica und Folk war clever arrangiert und wartete auch mit einigen Hits auf. Tall Buildings beispielsweise zog irre gut, war groovy und catchy, ohne dümmlich und platt zu klingen. Unterstützt wurde Genders u.a. von einer hübschen rothaarigen Keyboarderin und einer im Hintergund agierenden Sektion aus Trompete, Saxofon und Geige. Einen Gag hatte sich die sympathische Band für den Schluß aufgehoben. Da wurden nämlich die Zuschauer gebeten, die anfänglich verteilten Luftballons in die Höhe zu werfen und so endete das prima Konzert wie auf einem Kindergeburtstag: Viele Ballons und viele glückliche lächelnde Gesichter. Schön!

Um 22 Uhr 55 ging es dann zurück auf die Mainstage. Dort warteten schon die Iren Two Door Cinema Club, um ihren bubblegumartigen Gitarrenpop abzufeuern. Das klang dann am Anfang auch noch frisch und teilweise enthusiasmierend, entwickelte sich im weiteren Verlaufe aber zu einer eher flachen Angelegenheit, weil einfach jedes Lied, jede Gitarrenmelodie und jeder Schlagzeugrhythmus ähnlich bzw. gleich klang. Immer deutlicher wurde, daß die junge Band keine eigene Identität hat und nur eine uninteressante Mixtur aus Franz Ferdinand, den Maccabees und Foals darstellt. Auch die wenigen neuen Lieder vom demnächst erscheinenden zweiten Album unterschieden sich kaum von den Hitsingles des ersten Albums. Einem Großteil des Publikums schien diese mangelnde Originalität aber egal zu sein. Viele tanzten zu den bisweilen karibisch anmutenden Rhythmen und den poppigen Melodien und gaben keine shit darauf, daß Two Door Cinema Club Klone sind, die dem Mainstream die Füße küssen.

Bessere Musik gab es dann wieder im Spiegelzelt. Es war schon nach Mitternacht als Wendy McNeill und ihre Band loslegten. Die Akkordeonspielerin aus Kanada hatte bereits 2010 das Halderner Publikum im Spiegelzelt entzückt und auch 2012 kam sie hervorragend an. Das lag zum einen Teil an ihrer äußerst liebenswürdigen herzlichen Art, zum anderen an ihrer markanten Stimme und ihren fein arrangierten Kammerpopsongs mit schwarzer Note. Zu jedem Lied erzählte McNeil übrigens auch eine Anekdote, sodass das gesamte Konzert eine Geschichte über den Fischer namens Eddie darstellte. Christoph hatte besonders gut aufgepasst. Er wird in seinem Bericht sicherlich detailliert auf diese interessante Story eingehen.

Ich hingegen verabschiede mich für heute, denn die anschließenden Konzerte waren mir zu spät und dies obwohl ich insbesondere Oberhofer sehr gerne gesehen hätte.

Morgen dann der Bericht vom dritten und letzten Festivaltag. Dann auch hoffentlich endlich Fotos!

* wenn man das Debüt unter dem Bandnamen Kunek hinzurechnet

Setlist Two Door Cinema Club, Haldern Pop Festival 2012:

01: Cigarettes In The Theater
02: Undercover Martyn
03: Do You Want It All?
04: This Is The Life
05: Wake Up
06: Something Good Can Work
07: You'reNot Stubborn
08: Settle
09: Costume Party
10: Handshake
11: Eat That Up, It's Good For You
12: What You Know
13: Sleep Alone
14: Come Back Home
15: I Can Talk

Setlist Other Lives, Haldern Pop Festival 2012:

01: As I Lay My Head Down
02: Old Statues
03: Landforms
04: Desert
05: For 12
06: Tamer Animals
07: Wheater
08: Dust Bowl III

Setlist Dan Mangan,
Haldern Pop Festival 2012:
01: Oh Fortune!
02: Sold
03: If I Am Dead
04: Post War Blues
05: Robots

Setlist Thees Uhlmann,
Haldern Pop Festival 2012:
01: Römer Am Ende Roms
02: Das Mädchen von Klasse 2
03: Vom Delta Bis Zur Quelle
04: Sommer In der Stadt
05: Zum Laichen Und Sterben Ziehn Die Lachse den Fluss Hinauf
06: Die Nacht War Kurz (Ich Stehe Früh Auf)
07: & Jay-Z Singt Uns Ein Lied
08: XOXO
09: Die Toten Auf dem Rücksitz
Setlist Ben Howard, Haldern Pop Festival 2012:

01: Oats In The Water
02: Diamonds
03: Old Pine
04: The Wolves
05: Everything
06: Black Flies
07: Keeo Your Head Up
08: The Fear




Freitag, 20. April 2012

Dan Mangan, Köln, 19.04.12

9 Kommentare
Konzert: Dan Mangan
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.04.2012
Zuschauer: wohl fast ausverkauft
Dauer: Dan Mangan fast 95 min, Zeus 37 min


Es dauerte eine ganze Weile, bis ich in den Abend reinkam. So etwas passiert Sportlern häufig, die Gründe sind oft schwer auszumachen. Liegt es an ihnen selbst oder läßt der Gegner nicht mehr zu? Ist der Platz vielleicht in miesem Zustand, das Publikum zu laut / leise? Daß eine Vorgruppe mir nicht gefällt passiert (wenn auch viel zu selten, würde Oliver sagen). Aber als auch nach fünf Minuten Dan Mangan bei mir noch kein Funken Euphorie und Begeisterung aufgekommen war, kam ich ins Grübeln. Liegt es an mir? Sind das Abnutzungs-erscheinungen? Ich denke mir oft, ich will wieder Musik genießen, endlich wieder Fan sein. Ich bin zu satt.

Gottseidank ist das alles ausgemachter Unsinn. Satt war ich nicht, abgenutzt ist höchstens die Haut unter meinen Augen. Es lag an der Abmischung, daß der erste Song der kanadischen Hauptgruppe seelenlos klang. Das Stück mit dem schönen Titel About as helpful as you can be without being any help at all (den ich lieber kopiert habe) fing noisig an, die Musiker schrammelten auf ihren Instrumenten, als wollten sie einmal nicht Folk spielen müsssen. Dan hatte eine akustische Gitarre umgehangen und hielt eine andere am Hals fest, als wartete er auf einen weiteren Musiker. Das zusätzl
iche Instrument diente aber nur als Rückkopplungserzeuger. Als er anfing zu singen, war die Stimme blass und leise.

Es dauerte ein paar Minuten und bis zur Mitte von Oh Fortune, bis die Kraft von Dans Stimme erstmals durchbrach. So exzellent auch seine Mitmusiker sind, Alleinstellungsmerkmal der Stücke ist ohne Zweifel die rauhe Kneipenstimme des Kanadiers. Man kann sich ihn gut vorstellen, wie er im heimischen Vancouver die Canucks in der NHL anfeuert und sich die Seele aus dem Leib brüllt. Ob das Eishockey-Team in den Playoffs gegen LA zurückliegt, weil diese Unterstützung gerade fehlt? Ich weiß es nicht, es ist mir auch egal, ich mag die Bruins.

Dans Kollegen zuzusehen, war ein großes Vergnügen. Bassist Colin Cowan, der wie eine Mischung aus Catweazle und Doug Martsch aussieht (und wahrscheinlich 20 Jahre jünger ist, als er wirkt), und der einen Höfner Bass spielt*, der so gar nicht zu seinem Holzfälleräußeren zu passen scheint, reizte das ganze Spektrum der nicht-fiesen Rockmusikerbewegungen aus, eine seltene Kunst! Gitarrist Gord Grdina stand ihm dabei in nichts nach. Erstaunlich, daß sein energisches Spiel nur eine Saite kostete, die bei Rows of houses kurzerhand nach hinten gedreht wurde, um minutenlang weiterzuspielen.

Nach dem Holperstart gab es nichts mehr zu meckern. Zwar waren Gords Gitarre und das Schlagzeug einen Tick zu laut im Vergleich zu Dans Beiträgen, vor allem zu seiner akustischen Gitarre, dies störte aber nicht mehr sehr. Der Gesang war da, und der ist das große Pfund des Sängers. Nicht alle Lieder strotzen vor Komplexität, ab und zu fragte ich mich, in welche Kategorie ein Stück wohl gehörte, wenn es ein Künstler auf Deutsch singen würde. Das ist ein doofer Gedanke, den ich sofort unterdrückte. Dans dreckige Stimme macht nämlich auch aus den etwas weniger aufregenden Liedern echte Kracher.

Obwohl bei den Kanadiern für mich die Formel gilt, je lauter desto besser, überzeugten mich auch einige der ruhigen Stücke restlos. Die erste Zugabe The indie queens are waiting vom Album Nice, nice, very nice war eines dieser langsameren Stücke, die besonders wundervoll waren. Aber natürlich ziehen in einem Club wie dem vollen Gebäude 9 die lauten Titel am besten.
Sold, Post-war blues und Robots punkteten auch bei mir ganz besonders gut.

Als nach 75 Minuten der reguläre Teil und die erste Zugabe vorbei waren, die Band im Backstageraum verschwunden war, fragte der Sänger, wie spät es sei und wann die Züge führen. Ob denn noch Zeit für Lieder sei? Als jemand antwortete, der Zug führe um fünf, wurde das Programm wohl noch einmal verlängert. Pine for cedars spielte Dan alleine, danach suchte er seine Kollegen, die nicht wieder auf die Bühne kamen (und vielleicht schon ein Feierabendgetränk nahmen). Die drei kamen zurück und spielten mit Fair Verona und So much for everyone zwei weitere Zugaben. So much... war dabei sicherlich geplant, denn dazu nahm Dan einen Stuhl und sein Mikro, kletterte in den Saal und stellte sich auf den Stuhl, um das Lied dort zu singen, nachdem er uns unseren Mitsingpart erklärt hatte. Geplant hin oder her, es funktionierte, das im Chor gesungene Stück bildete einen fabelhaften Abschluß dieses sehr schönen Abends! Wir waren uns hinterher sicher, daß die Kanadier in der nächsten Hallengröße spielen werden, wenn sie das nächste Mal nach Köln wiederkommen.

Nicht wiederkommen muß übrigens Zeus, die kanadische Vorgruppe. Lastfm hatte bei Zeus lustige Tags geliefert, z.B. "polish" und "rap".** Wäre es das doch bloß gewesen... Die kanadischen Zeus bestreiten sicherlich 95% ihrer Auftritte auf Hochzeiten und Highschool Abschlußbällen in heimatlichen Provinznestern. Manchmal begannen die Lieder mit einem vielversprechenden Intro, hatten dann aber einen harten Bruch, bevor das eigentliche Stück anfing. So, als hielte man jemanden einen Keks hin, um den dann wegzuziehen und etwas Ekliges in seinen Mund zu stopfen. Wenn schon ein Genesis Cover das beste Lied der guten (nein!) halben Stunde war, sagt das alles.

Setlist Dan Mangan, Gebäude 9, Köln:

01: About as helpful as you can be without being any help at all
02: Oh fortune
03: Leaves, trees, forest
04: Sold
05: So I am dead
06: Post-war blues
07: Basket (Dan Mangan solo)

08: Starts with them, ends with us
09: How Darwinian
10: Robots
11: Rows of houses
12: Regarding death and dying
13: Jeopardy

14: The indie queens are waiting (Z)
15: Pine for cedars (Z)
16: Fair Verona (Z)
17: So much for everyone (Z)

* als Konzertberichterstatter sollte man häufig die Namen der Instrumente erwähnen. Das vermittelt Fachkenntnis und schafft Vetrauen. Done. Sollte ich mit meinem Raten falsch liegen, bitte ich das zu entschuldigen. Ich habe keinerlei Ahnung von Instrumenten.

** uneindeutige Bandnamen sind dämlich! Aktuell interessiert mich eine Gruppe namens Friends aus Brooklyn. Googelt man nach "Friends", bekommt man zum einen in den nächsten Monaten merkwürdige Anzeigen vorgesetzt, zum anderen viel Mist auf der Suche nach der richtigen Band (das gilt auch für Boy und viele andere Beispiele). Warum kann man seine Gruppe nicht unverwechselbar benennen? Angebissenes Butterbrot oder The Bepanthens z.B. würde man viel leichter finden. Sollten Musiker bei der Namensgebung Hilfe benötigen, ich stehe gerne zur Verfügung.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dan Mangan, Paris, 06.04.12
- Dan Mangan, Haldern, 13.08.11
- Dan Mangan, Frankfurt, 05.06.11
- mehr Fotos
- andere Berichte:
- Dan Mangan, München, 18.04.12 beim Klienicum!



Sonntag, 8. April 2012

Dan Mangan, Paris, 06.04.12

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Konzert: Dan Mangan (Flip Grater)

Ort: La Mécanique Ondulatoire
Datum: 06.04.2012

Zuschauer: etwa 130
Konzertdauer. Dan etwa 75 Minuten, Flip Grater 30 Minuten



Der Kanadier Dan Mangan muss in Paris noch kleinere Brötchen backen als in Deutschland. Für den Publikumsliebling von Haldern und anderer deutscher Festivals reicht es in der Seine-Metropole noch nicht ganz zur großen Zugnummer. Sein für das Nouveau Casino (Kapazität: 400 Besucher) geplantes Konzert musste in die wesentlich kleinere Mécanique Ondulatoire verlegt werden, wo maximal 150 Leute Platz finden. Damit schien der sympathische Bursche aber schon sehr zufrieden zu sein: "Als ich beim ersten Mal hier spielte waren vielleicht 5 Leute da, beim letzten Mal etwa 30-40 und heute mindestens 3 mal soviele, es geht also aufwärts."


Und in der Tat, auch in Frankreich kommen so ganz langsam ein paar Leute auf den Geschmack. Allerdings bestand das heutige Publikum zu nicht geringen Teilen aus Kanadiern, oder vielmehr Kanadierinnen. Gleich neben mir hatte ein Grüppchen junger Mädels Stellung bezogen und feierte von Anfang bis Ende.

Vorangegangen war aber zunächst der recht kurze Auftritt der charmanten Flip Grater aus Neuseeland. Die Dame mit dem schicken Pagenschnitt und dem Stewardessen-Look sang mit sehr schöner Stimme reduzierte Foksongs auf ihrer Akustikgitarre und wusste durchaus zu gefallen. Leider aber bekam ich nur noch 3 Lieder mit, weil ich vorher im Meditations-Kurs war. Ich lerne da " im Hier und Jetzt zu sein" und weder an die Vergangenheit noch die Zukunft zu denken. Ein schwieriges Unterfangen und immer wenn ich da raus komme, bin ich irgendwie müde und matt vom vielen Nichtstun und Nichtsdenken. Deshalb fällt es mir auch schwer, viel über Flip Grater zu sagen, außer, daß ich mich gerne einmal näher mit ihr beschäftigen möchte, sie hat immerhin schon drei Alben herausgebracht, die zum Teil sehr gute Kritiken bekommen haben.

Meine Müdigkeit trug ich leider auch mit zum Konzert von Dan Mangan rüber. Es war ein seltsames Gefühl. Ich stand da apatisch und leer vor der Bühne und die jungen Mädchen neben mir waren in unglaublicher Partylaune, hüpften rum wie verückt und knipsten sich ständig selbst ab. Ich fühlte mich in ihrer Gegenwart wie ein launischer , alter Mann, der des Lebens schon ziemlich überdrüssig ist und auch in punkto Konzerte schon alles gesehen hat.


Dabei gaben sich Dan Mangan und seine Mistpieler allergrößte Mühe, mich und die Leute bei Laune zu halten. Von Anfang an schmetterten sie ihre Folkrocker mit viel Inbrunst und Einsatz und machten dabei einen Höllenlärm. Gut, daß ich Ohrenstöpsel dabei hatte, sonst hätte mich der zauselige Trompeter weggeblasen! Ganz zu schweigen von Dan, der wieder mal sang wie ein besoffener Matrose und mit seiner unfassbaren, herrlich würzigen Reibeisenstimme wahnsinnig auftrumpfte.


Performt wurden überwiegend Tracks vom letzten Output Oh Fortune (inklusive des starken Titelstracks!), aber auch Sachen von Nice, Nice Very Nice. Fast alles Uptempo-Nummern, die vordergründig fröhlich und stimmungsvoll waren, aber auch viel Melancholie intus hatten.



Als besonders schön vermerkte ich Leaves, Trees, Forest. Eine warmherzige Gitarrenballade mit tollen Harmonien und einer einschmiegsamen Melodie.



Aber auch Road Regrets ragte heraus, mit seiner flotten Akustikgitarre, dem polternden Bass und der einprägsamen Textpassage:" It's a crying shame." Die Kanadierinnen neben mir hüpften rum wie auf einer Abi-Fete, umarmten sich pausenlos und vergaßen nie laut kichernd, sich auch selbst noch einmal für die Ewigkeit festzuhalten. Fast gewann ich den Eindruck, daß vorne auch Hänschenklein hätte gespielt werden können, ohne die Stimmung einzutrüben, aber das war vielleicht nur so ein Gedanke von mir. Tatsache war aber, daß Dan das wilde Treiben von der Bühne aus genau verfolgte und auch sah, daß die Mädchen immer mit Blitzlicht rumknipsten. Da machte er plötzlich ein ganz braves Gesicht, posierte mitten im Lied und wurde prompt abgelichtet. Dan schmunzelte gütig und besann sich wieder auf seinen Song. Eine äußerst charmante Szene.

Kurze Zeit später wurde er ziemlich ernst, redete vom Irak Krieg und Geoge W.Bush, bevor ihn ein Zuruf aus dem Hintergund jäh unterbach. Er brummelte leicht genervt zurück: "Hey I am trying to be deep!", nahm dann aber wieder den Faden auf und erklärte das das nun folgende Post War Blues von verfehlter Außenpolitik handele. Auch dieser Song wieder enorm druckvoll und laut und trotz seiner Thematik und seines Titels nicht gerade an alte Bob Dylan Songs erinnernd.



Die Stücke wurden in der Folge kompromisslos und ohne großen Ansagen abgefeuert, bis man irgendwann das Pulver verschossen hatte und unweigerlich dem letzten Lied zusteuerte. Natürlich war es Robots, natürlich wurde mitgesungen ("Robots need love too") und natürlich ging Herr Mangan mitsamt seiner Gitarre durch das johlende Publikum. Trotz dieser Vorhersehbarkeit war es wieder toll und endorphinanregend.

Die Stimmung hatte seinen Höhepunkt erreicht und so war es nur normal, daß auch noch eine Zugabe her musste. Dabei schien es wirklich so, als habe die Band diese nicht eingeplant. Das Licht war schon angegangen und die fünf Musiker wirkten so, als wollten sie nun schleunigst oben an die Bar. Aber das Publikum ließ sie noch nicht so schnell ziehen und so gab es als Sahnehupferl noch das absolut wundervolle Tina's Glorious Comeback ("we're not Elvis anymore"), daß ein rundum gelungenes Konzert beschloß.

Es ist also sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis Mangan auch Frankreich im Sturm erobert.

Aus unserem Archiv:

Dan Mangan, Haldern, 13.08.11
Dan Mangan, Frankfurt, 05.06.11




Montag, 22. August 2011

Fleet Foxes, Dan Mangan, Okkervil River u.a., Haldern Pop Festival, 11-13.08.11

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Konzert: Fleet Foxes, Dan Mangan, Okkervil River, Matthew & The Atlas, Golden Kanine, Dry The River, The Low Anthem, The Avett Brothers u.a., Haldern Pop Festival 2011

Orte: Spiegelzelt und Hauptbühne
Datum: 11-13.08.2011 Zuschauer: jeweils viele


Kommen wir zum Vergleich der Folkrockbands beim Haldern Festival 2011. Folk und Folkrock gehören zu meinen bevorzugten Musikstilen, das weiß jeder, der uns regelmäßig liest. Und weil Haldern immer wieder feinste Acts aus diesem Genre an den Niederrhein kommen lässt, gehört das Festival unweit von Holland zu meinen absoluten Lieblingen.

Aber wer hat sich innerhalb der Folkrockbands dieses Jahr am besten geschlagen? Keine leichte Entscheidung, denn es waren mit den Fleet Foxes, Okkervil River (1. Foto oben) und The Low Anthem drei richtige Schwergewichte dabei. Dennoch fällt meine Wahl auf Newcomer, die ich im Januar 2011 vor lediglich 15 Leuten in einem Pariser Wohnzimmer erleben durfte. Die Rede ist von Dry The River, die bei der damaligen Homeshow sehr reduziert, akustisch und melodieseelig zu Werke gingen. Notgedrungen, denn in einem Wohnzimmer darf man nun einmal nicht so viel Krach machen, wie man gerne möchte. Ohne die wundervollen Chorgesänge zu vernachlässigen, besannen sich Dry The River in Haldern auf ihre rockige Seite und ließen es insbesondere beim letzten Lied, dem überragenden Lion's Den, so richtig fetzen. Da konnte man so richtig schön sehen, was das für Heißsporne sind. Ihre langen Haare flogen in alle Richtungen, ihre schlanken Körper zuckten wie unter Strom und irgendwann knieten sie alle auf dem Boden und ließen die Gitarren aufjaulen, bis die Schwarte krachte. Das Publikum johlte, zu Recht!



Das Haldern Pop Label hat also alles richtig gemacht, als sie die Engländer in diesem Jahr signten, denn das Potential erscheint mir enorm. Die würzige Stimme des Sängers ist markant und geht einem durch Mark und Bein, die Refrains sind catchy und mitreißend und die feine Geige verleiht dem Ganzen die besondere Note. Definitiv eine Band, die in die Fußstapfe der auch kommerziell wahnsinnig erfolgreichen Mumford & Sons treten kann. Sie verbinden betörende Schönheit mit jugendlicher Ungestümheit, haben einen ausgeprägten Sinn für herzerwärmende Melodien und bringen eine Frische und Spielfreude mit, die einfach begeistert. Und Hits haben sie noch und nöcher! Besonders gelungen ist das herzblutgetränkte Weights & Measures, das auch textlich neugierig macht: " I was prepared to love you, never expect anything of you." Aber auch das an Arcade Fire (dieser Pomp, dieser an Bombast grenzende Gesang) New Ceremony und die neue Single No Rest sind ausgezeichnet und brachten das Halderner Publikum in Wallung.

Der bereits oben beschriebene Abgang mit Lions Den setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf. Wie sagte der holländische Moderator später auf der Hauptbühne so treffend:" ich war eben bei Dry The River im Zelt, das war geil, das war supergeil!"

Aber nicht nur Dry The River, sondern auch der Kanadier Dan Mangan und seine Band konnten am Niederrhein auf ganzer Linie begeistern. Der bärtige Mann mit dem in der Folkszene obligatorischen Holzfällerhemd steigerte die Temperatur im ohnehin hin schon sauwarmen Zelt am Nachmittag noch einmal um mindestens 10 Grad. Mit einer ungekünstelt wirkenden Inbrunst und Emphase und seiner verrauchten Reibeisenstimme à la Tom Waits schmetterte er die Hits seines glänzenden Albums Nice, Nice, Very Nice (+ ein paar Neulinge) und hatte im Handumdrehen die Leute auf seine Seite gezogen. Die Zuschauer fraßen ihm förmlich aus der Hand, was Dan wiederum so glücklich machte, daß er sichtlich gerührt kundtat: "you guys in germany are the best crowd in the world, already at the OBs in Beverungen I had a fantastic time."

Am Ende ging es zum Schunkelsong Robots sogar zur Triumphrunde mitten durchs Publikum und wem das zu eng und heiß war, der tanzte einfach draußen vor dem Bildschirm, wie das eine Gruppe junger Mädchen tat. Mit dem Elliott Smith Cover (ich liebe Elliott, Dan hat Geschmack!) Waltz # 2 ging dann ein Konzert zu Ende, das die Geschichte des 2011 er Haldern Festivals entscheidend mitprägte.

Die großen Folkrockacts wiederum schlugen sich ebenfalls gut, wenngleich Okkervil River bei mir nicht die gleichen Glücksgefühle auslösten wie noch 2008, vielleicht weil ich mit den Lieder von dem neuen Album I Am Very Far noch nicht so vertraut bin. Und zu Low Anthem kann ich nicht viel sagen, weil ich da leider nur 3 bis vier Lieder hörte, die freilich wunderbarst waren.

Deutlich mehr bekam ich von den Fleet Foxes mit. Die besannen sich glücklicherweise auf ihre Stärken, sprich die bildhübschen Harmoniegesänge und konnten auch mit den neuen Liedern von Helplesness Blues punkten. Inzwischen sind sie so gut eingespielt, daß es kaum noch qualitative Unterschiede zwischen dem alten und dem aktuellen Material gibt und auch Morgan Henderson, das neue Bandmitglied an der Flöte, dem Saxophon und den Percussions ist in die Truppe integriert. Mein Ärger über die zwei für meine Begriffe viel zu rockigen und lauten Clubkonzerte ist verraucht, bei den Festiavls gingen die Fleet Foxes wieder deutlich filigraner und gefühlvoller zu Werke. Ein sehr ansprechendes Konzert.

Setlist Fleet Foxes, Haldern Pop Festival 2011:

01: The Cascades
02: Grown Ocean
03: Drops In The River
04: Battery Kinzie
05: Sim Sala Bim
06: Mykonos
07: Your Protector
08: White Winter Hymnal
09: Ragged Wood
10: He Doesn't Know Why
11: Lorelai
12: Tiger Mountain Peasant Song
13: The Shrine/An Argument
14; Blue Ridge Mountain
15: Helplessness Blues



Dienstag, 7. Juni 2011

Dan Mangan, Brotfabrik, Frankfurt, 05.06.11

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Konzert: Dan Mangan
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 05.06.2011


Folksongs bei Roibuschtee: Dan Mangan in der Frankfurter Brotfabrik
von Ursula von neulich als ich dachte

Langsam werden Konzertbesuche in der Brotfabrik zu einer Gewohnheit - so sehr, dass wir gestern Abend zum ersten Mal dorthin gefunden haben, ohne auf Google Maps zurück greifen zu müssen!

Dieses Mal war es Dan Mangan, der in Hausen auftrat, ein Folk-Indie-Rocker aus Kanada, der mit seinem Album "Nice, Nice, Very Nice" in der Jahresendwertung der renommierten Plattenbewertungsseite Platten vor Gericht Platz 3 erreichte. Als Vorband trat eine Formation namens "The Crackling" (benannt nach dem Geräusch) auf, an die wir uns bald gewöhnen sollten, denn es handelte sich praktischerweise um Dan Mangans Begleitband - und Dan selbst spielte für eines der Lieder Schlagzeug (während The Cracklings Sänger Kenton Loewen Schlagzeuger in Mangans Band ist).

Besonders erinnerungswürdig fand ich The Cracklings Lieder nicht, lustig war lediglich die Eigenart des Trompeters, einhändig sein Instrument zu spielen und mit der anderen am Verzerrer die Töne zu bearbeiten. Das wurde auch im weiteren Teil des Abends fortgeführt.

Nach kurzer Pause kam dann der Hauptact ganz konservativ mit einem dampfenden Tässchen Tee auf die Bühne und bestätigte, was seine Vor- und nun Begleitband bereits gesagt hatte: Dass sie alle komplett gejetlagged und übermüdet seien und kurz davor stünden, Halluzinationen zu haben. Das Set begann mit "Sold".

Trotz, oder vielleicht auch wegen der Erschöpfung wurden bei dem Auftritt Kommunikation und Humor groß geschrieben. So erzählte die Band von einem Fleischbüffet, das (da man momentan Gurken ja nicht essen solle) sich für sie hinter der Bühne befinde. Die aktuelle EHEC-Panik kommentierte Kenton Loewen dann mit dem Gesang "E.Coli" auf die "Ricola"-Werbungsmelodie (und klärte somit für mich zwei Dinge, nämlich die amerikanische Aussprache von E.Coli sowie den Umstand, dass Ricola in Kanada bekannt ist). Desweiteren gab es Komplimente an die deutsche Sprache ("Hand-Shoe, that's great!"), schicke Kleidung im Publikum (es waren wandernde Gesellen in entsprechender Aufmachung anwesend) und unsere generelle Gastfreundschaft.

Letztere Bemerkung nahm sich ein weiblicher Gast zu Herzen und reichte Dan Mangan mit der (englischsprachigen) Bemerkung, das mit dem Tee sei ja nicht mehr mit anzusehen, ein Bier. Dan nahm dankbar an und erklärte darauf, er habe eben einen trockenen Hals und könne seinen Honig ja schlecht in Bier mischen - worauf der Kontrabassist laut überlegte, ob Dan gerade eine großartige Erfindung gemacht habe, dieser eine Anekdote über die Simpsons erzählte ... wie gesagt, es wurde viel geredet und gealbert.

Dan Mangan spielte sein Album nahezu komplett, aber auch einige Songs von der neuen Platte ("Post War Blues"), die im Herbst in den USA erscheinen soll. Live erinnerte mich die Musik stark an die Briten Mumford & Sons. Nachdem wir uns alle so gut verstanden, wurde bei mehreren Liedern zum Mitsingen und -klatschen animiert, und für die letzten drei Songs verließ die Band die Bühne, begab sich in die Mitte des Zuschauerraums und spielte in unserer Mitte unter anderem "Tina's Glorious Comeback" und "Robots". Dann war aber das Limit erreicht - die Band musste sich ausruhen, hätte aber anschließend noch für Gespräche und Autogramme zur Verfügung gestanden. Vielleicht bei einem weiteren Tässchen Tee.



 

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