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um
19:33
Konzert: [Down the Rabbit Hole Festival]
Ort: [Nijmwegen]
Datum: [23.06.-25.06.2017]
Dauer: [3 Tage]
Zuschauer: [ca. 20.000]
Trotz des nervigen Nieselregens und teilweise kühler Temperaturen zeigte sich das Konzept und die Umsetzung des "Down the Rabbit Hole Festivals" auch dieses Jahr wieder von seiner besten Seite. Unterschiede zum ansonsten sehr ähnlichen Konzept des "BKS "sind aber immer mehr auszumachen.
Das "Rabbit Hole" hatte, zumindest in diesem Jahr, das wesentlich jüngere Publikum. Das liegt sicherlich am Line-Up, denn im letzten Jahr mit den Headlinern "PJ Harvey" und "The National" war dies nicht so auffällig.
Das Rahmenprogramm (für ein "kleines" Festival riesig) wendet sich daher auch eher an die jüngeren 18-25jährigen. Dieses Jahr konnte man Mottopartys planen, von denen die besten dann direkt auf dem Hauptgelände, in eigens errichteten Discoräumen stattfanden.
So ergaben sich im Stundentakt witzige Veranstaltungen wie die "Glow in the Darkroom"-Party. Immer wieder sah ich Leute in bester Laune aus diesen Bauten taumeln,...sofort wurde ein neues Banner aufgehangen und weiter ging es mit der nächsten Party.
Dazu gab es wie immer ein Kino (Open-Air im Wald auf tollen Holzbauten), eine schwimmende Discothek der "wilden Haren" mit viel Rap und Gast-MC`s und ein kleines Spiegelzelt mit diversen Standard-Tanzkursen über den Tag verteilt.
Das Wochenende dort ließ sich also wieder gut auch ohne Konzerte aushalten, aber uns zog es natürlich sofort wieder vor die Zeltbühnen. Der Freitag begann "Moderat" im doppelten Sinne...Anfahrt und Aufbau wollten erledigt werden und der gleichnamige Headliner war aus Deutschland bekannt genug, um dort nochmal vorbei zu schauen.
Am Nachmittag zuvor, die dieses Jahr mit dem Grammy als bestes Independent-Album ausgezeichneten "Cage the Elephant", die ich seit ihrer ersten Tour und dem Megahit "Aberdeen" überhaupt nicht mehr auf dem Radar hatte.
Die Show der Truppe könnte man netterweise mit mindestens geistig verwirrt bezeichnen, vieles davon wird aber einstudierte Show gewesen sein. Unterhaltsam war es allemal, wenn der Gitarrist sofort von der Bühne springt und den kompletten ersten Song im Publikum spielt, oder wenn Sänger "Matthew Shultz" wie ein Flummi, einen halben Meter in der Luft, quer über die Bühne springt.
Allzu viele gute Songs konnte ich nicht erahnen, die gebotenen Versionen hatten wohl mit den CD`s der Band auch nicht viel gemeinsam.
Danach boten "Bear`s Den" eine konstant tolle Form, die aber auf der großen Hauptbühne nicht so recht zünden konnte. Im kleinen Zelt dann die steile Newcomerin "Tash Sultana" als Ein-Frauband.
Sich selbst ständig loopend und zwischen Trompete und Gitarre wechselnd, erinnerte sie stark an Ed Sheeran, so einsam, wie sie dort auf der Bühne stand. Ein starker Auftritt.
Vor Moderat traten dann noch "Bonobo" mit voller Band auf. Ein guter (weil ähnlicher) Ersatz für Massive Attack, die das Festival leider absagen mussten. Im Vergleich zu der CD von Bonobo ist das Ganze live viel zugänglicher und sehr poppig. Fehlen nur noch ein paar besondere Songs, dachte ich mir während "Nathan Fake" beim Verlassen des Geländes meine Ohren noch mit etwas Minimal-Techno verwöhnte.
Über den Samstag habe ich ja schon in den ausführlichen Einträgen zu "Benjamin Clementine" und den "Fleet Foxes" berichtet. Der Rest des Tages bot viel Standardware wie "Sohn" oder "Izzy Bizu" die ja auf vielen Festivals anzutreffen sind und einen großen und starken Benelux-Block mit "Warhaus", "Spinvis", "Bazart", "Typhoon", den tollen "Moss" und den Klassikern von "Soulwax", sowie einem DJ-Set der ergrauten "2ManyDJs".
Höhepunkt im kleinsten Zelt dann noch "Sinkane" mit seinem wirklich wahnsinnig guten Album "Life and livin`it" im Gepäck, schafft er es auch hier wieder spielend, das Zelt in eine tanzende Masse zu verwandeln.
Am Sonntag dann noch eine kleine Sensation. Die "Avalanches" stehen tatsächlich auf der Bühne. Ihre Geschichte ist lang und beschwerlich, aber schön war es trotzdem diese verrückte Truppe einmal live erleben zu dürfen.
Mit zwei Gastsängern ausgestattet, wurde eine Art "Gorillaz"-Kindergeburtstag veranstaltet, inclusive "The Clash"-Coverversion und einem überaus gelungenen Bühnenbild aus diversen Filmausschnitten als Mash-UP.
Direkt danach "Spoon", die sich ja ebenfalls zur Zeit in Topform befinden. Das neue Album fügt sich nathlos in die alten Hits, ein reines Best-Of bleibt aber aus, dafür ist die Spielfreude der Band deutlich höher.
Oft hat man den Eindruck, wäre Sänger "Britt Daniel" ein wenig verrückter, oder würde einfach unfassbar viel Wein auf der Bühne trinken, wäre die Band viel erfolgreicher. So bleiben sie weiterhin die Kritikerlieblinge und bewahren sich ihren Spaß auf der Bühne, auch nicht das Schlechteste.
"Roosevelt" beweisen dann am Abend noch, dass sie sich so langsam als eine der ganz wenigen deutschen Bands im Ausland festspielen können. Mitsingen konnten schon alle, aber das alles klingt ja auch sehr international und nicht typisch deutsch.
Als Fazit bleibt wieder einmal ein perfekt organisiertes Festival mit ausgewogenem Programm, bei dem die Terrorgefahr völlig gelassen ignoriert wurde. Einzig sinnvolles und sichtbares Zeichen, war die konsequente Durchleuchtung der Rucksäcke mit Flughafenscannern. Der Ruf nach mehr Polizei statt eigener, logischer Sicherheitsmaßnahmen war hier an keiner Stelle zu vernehmen. Top.
Fotos: Michael Graef/Dirk Langen
um
19:55
Konzert: Fleet Foxes
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 24.06.2017
Dauer: 75min
Zuschauer: volles Zelt ca. 8.000
Ich glaube es war 2008 als man beim Haldern Pop Festival eine neue Band bewundern konnte, bei der sich alle einig waren: Das wird ganz groß werden.
Wurde es dann auch, bis die Fleet Foxes eine fast 4-jährige Pause einlegten und erstmal zurück an die Universität gingen. Seit gerade einmal einer Woche ist nun die neue CD der Band erschienen, und schon sollten sie beim "Rabbit Hole Festival" einen der drei Headliner abgeben.
Mutige Rückkehr dachte ich, und leider sollten sich die Zweifel im Vorfeld schnell bewahrheiten. Auch wenn das Festival bereits in den Jahren zuvor (z.B. mit Anohni) probiert hatte, Bands oder Musiker mit hohem Potential einfach mal am späten Abend als Headliner antreten zu lassen, wurde der Mut am Samstag leider nicht belohnt.
Das lag natürlich nicht an den grundsätzlich vorhandenen "Hits", die auch fast alle gespielt wurden. Die Band selber versprühte einfach (noch?!) nicht wieder die Energie der früheren Tage.
Am neuen Schlagzeuger lag das sicher nicht, der Ex-Walkmen Mann "Matt Barrick" verrichtete seine Aufgabe noch als einziger mit größerer Energie und Hingabe.
Vielleicht war Frontmann "Robin Pecknold" auch einfach überfordert. Der Gesang nimmt bei den Fleet Foxes ja einen großen Raum ein und wirkte in seiner Art ja mindestens wie ein vollständiges Instrument.
Doch genau dies fehlt bei der neuen Tour. Meist nur einstimmig versucht sich Pecknold an den vertrackten Songs, der Rest der Band steht stoisch um ihn herum. Kein Augenkontakt, kein entspanntes Lächeln, es sieht nach harter Arbeit aus und so klingt es dann auch.
Dazu viele neue Stücke, die gerade ein Festivalpublikum nach einer Woche noch nicht studiert hat. Diese sind zu allem Überfluss noch anspruchsvoller als das alte Werk.
So ergibt sich leider von Beginn an, die Band wird herzlich empfangen und steht erst einmal fünf Minuten im halbdunklen um ihre Instrumente zu stimmen, bis zum vorläufigen Ende (das Licht bleibt noch aus, klarer Hinweis auf eine Zugabe) bei dem das Publikum frustriert das Zelt verlässt, ohne die Band wirklich zu verabschieden, keine gute Stimmung.
Das mag jetzt hart klingen, aber bis auf die Freude, einige alte Songs überhaupt noch einmal live erleben zu dürfen, blieb von diesem Konzert einfach nichts hängen. Für einen Headliner einfach zu wenig.
Ob die neuen Songs auf Dauer überzeugen können, bleibt ebenfalls offen. Hit-Singles wie "Helplessness Blues" oder das immer noch himmlische "Your Protector" waren erstmal nicht auszumachen.
PS: In heutigen Zeiten ein größeres Bettlaken als Projektionsfläche für Standbilder zu verwenden, trug ebenfalls nicht zu Stimmung bei. Vielleicht brauchen die Foxes einfach wieder mehr Routine oder mehr Selbstbewusstsein um in den nächsten Monaten befreiter aufspielen zu können. Dieser Abend wird dazu nicht beigetragen haben.
Fotos: Michael Graef
um
18:47
Konzert: Benjamin Clementine
Ort: Down the Rabbit Hole Festival
Datum: 24.06.2017
Dauer: 60min
Zuschauer: volles Zelt (ca.5.000)
Benjamin Clementine auf einem Festival. Das wäre nach meinen bisherigen Erfahrungen normalerweise gründlich daneben gegangen. Aber ist es nicht schön, wenn alte Gewohnheiten aufgebrochen werden und Neues entstehen kann?
Beide Auftritte von Benjamin Clementine, sowohl im Spiegelzelt des Haldern-Pop und ein Jahr später in der Kölner Philharmonie waren etwas ganz besonderes. Aber beide waren auch mühsam und anstrengend.
Der Künstler meist schweigsam, murmelnd und gereizt. Arroganz würde man ihm unterstellen, wenn sein sonstiges Verhalten und seine Interviews nicht so positiv strahlen würden.
Klar, seine Erscheinung schüchtert ein, auch heute. Mit einem riesigen, silbernen Steppmantel bekleidet, dazu die zu einem Turm wild gesteckten Haare und erstmals auch mit Schuhen, betritt der Hüne die Bühne auf der schon sein Chor und eine kleine Band aus Bass und Schlagzeug auf ihn warten.
Und schon beim ersten Song passiert es: er lacht, summt und animiert das Publikum es ihm nachzutun. Endlich sieht man ihn entspannt und gelöst, er dirigiert seinen Chor und die Zuschauer im Stehen, dazu gibt es gleich zu Beginn viele neue Stücke von seinem noch nicht veröffentlichten, zweiten Album.
Das könnte langweilen, aber langweilig ist hier rein gar nichts. Natürlich gleichen auch die neuen Songs, gerade in der großen Umsetzung mit dem Chor, oft einem Musical oder einem Pixar-Soundtrack. Die Komplexität der Sounds und die politischen Texte sprechen aber eine ganz andere Sprache.
Kitsch, Kunst und Anspruch, verpackt in einem großen Auftritt, dessen Highlight, wie immer, die dunkelste aller Stimmen des derzeitigen Pop ist.
Manchmal wünscht man fast, es würde ihm nicht alles so leicht fallen. Dieses punktierte und fantastische Spiel am Flügel, mit seinen riesigen Händen und das Singen, ohne Anstrengung scheint er das Zelt auch ohne Mikrofon zum Beben bringen zu können.
Selten verspürt man solchen Neid aber auch Respekt für jemanden, dem so viele Talente gegeben wurden und der sie in jahrelanger, selbst verordneter Ausbildung perfektionierte.
Später dann der erste, von nur zwei alten Songs (Hits) in diesem einstündigen Set. "Condolence" dehnt er hier auf fast 10 Minuten. Wieder erstrahlt er als Chorleiter, rennt von links nach rechts über die Bühne, um einen Kanon anzustimmen.
"I`ll send in my Condolence to fear", und diese Zeile scheint kein Zufall zu sein, wie sie immer weiter durch das Zelt schallt. Die Furcht scheint der Befreiung gewichen zu sein, zumindest in diesem Moment.
Eine musikalische Reise der Extraklasse, die nie allen gefallen wird. Gesehen haben sollte man sie aber auf jeden Fall, mindestens einmal.
Fotos: Michael Graef
um
16:25
Konzert: Down The Rabbit Hole Festival - Vorbericht
Ort: Beuningen/NL
Datum: 23.06.-25.06.2017
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca.20.000
Ende Juni ist es wieder soweit: Das vielleicht schönste Festivalgelände in den Niederlanden bittet zum Tanz. Obwohl es nur unweit der deutschen Grenze stattfindet und wir schon immer oft und gerne von dort berichtet haben, könnte die Aufmerksamkeit aus Deutschland eigentlich viel größer sein.
Das "Down The Rabbit Hole", die kleine Schwester des mittlerweile erwachsenden Lowlands Festivals (mit 55.000 Besuchern im August), hat sich nämlich völlig zurecht einen Platz im heftig umkämpften Festivalkalender der Niederlande erspielt.
Das Line-Up setzt, wie schon in den letzten Jahren, nicht auf knallige Headliner, sondern bietet ein breites, handverlesenes Programm, welches so in Deutschland nicht anzutreffen ist.
Dieses Jahr sind es besonders die noch unbekannteren Acts, für die wir eine klare Empfehlung aussprechen können. Mit einem der seltenen, aktuellen Auftritte der "Fleet Foxes", und den in Deutschland ja nicht so selten anzutreffenden "Moderat", wird es aber auch am späteren Abend nicht langweilig.
Obwohl das Gelände am See, mit seinen kleinen Wäldchen und versteckten DJ Sessions, auch so schon satt und genug Abwechslung und Verspieltheit bietet, gibt es Auftritte von:
Roosevelt, Bear's Den, Cage The Elephant, De La Soul, Warpaint, Father John Misty, SOHN, Temples, The Avalanches (jaaaa!), Xavier Rudd - The Lemon Twigs und besonders Sinkane. (Ein eigener Bericht des Kölner Konzertes vor wenigen Tagen folgt noch.)
Die Nacht wird ebenfalls unruhig, die Benelux-Legenden "2manyDJs" und "Soulwax" sowie "Bonobo-Live" und dutzende weitere DJs sind ebenfalls anwesend.
Besonderes Augenmerk liegt sicherlich auf "Spoon" (mit großartiger, neuer Platte), dem schwierigen Querdenker "Benjamin Clementine" am Flügel und der tollen, jungen "Tash Sultana" aus Australien sowie den neuen, englischen "Slaves".
Wir freuen uns, euch in diesem Jahr wieder aus den schönsten Zirkuszelten der Niederlande frische Berichte zu liefern und würden uns freuen, wenn ihr den Weg nach Nimwegen selber findet. Es lohnt sich.
http://downtherabbithole.nl/tickets
Bilder: Dirk Langen/DTRH Festival
um
18:34
Konzert: Down the Rabbit Hole Festival
Ort: Nimwegen
Datum: 24.-26.06.2016
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: 20.000 ausverkauft
Nachdem ja schon vier Berichte vom diesjährigen "Down the Rabbit Hole" Festival in unserem Archiv zu finden sind, hier noch der Überblick vom restlichen Wochenende:
Das "Down the Rabbit Hole" ist die kleine Schwester des beliebten "Lowlands"-Festival in den Niederlanden.
Hier wurde schon vor mehr als zehn Jahren demonstriert was ein Festival an Komfort und Esprit neben einem extrem variablen Line-Up alles Leisten kann.
Doch die Zeiten für das "Lowlands" änderten sich. Mit 55.000 Menschen immer ausverkauft konnte es kein reines "Indie"-Festival bleiben, der Schwerpunkt verlagerte sich auf Pop und Dance und es wurde für den Veranstalter Mojo Zeit für ein neues, kleineres Lieblingskind.
Gut für uns, denn das "Rabbit Hole" liegt viel näher an der deutschen Grenze in Nimwegen, ist mit immerhin 20.000 Zuschauern dieses Mal ausverkauft, vermittelt aber trotzdem einen extrem entspannten Eindruck ohne Gedränge und Anstehen.
Der Trick ist so einfach wie genial. Biete den Leuten auf einem tollen Gelände am See einfach mehr Anlaufpunkte als nötig und alle haben Spaß.
Wie beim "Lowlands" könnte man auch hier den ganzen Tag von einer Mini-DJ-Bühne zur nächsten Aktion (Hula-Hoopen mit DJ), Kino, Yoga oder Stijldansen im Spiegelzelt flanieren, ohne überhaupt eines der großen Bühnenzelte zu betreten.
Drei davon gibt es, von der Kapazität Headliner (10.000), Stadthalle (5.000) bis Clubact (1.000) ist alles dabei.
Wenn man sich anschaut, wie entspannt die Menschen auf eine liebevolle Gestaltung des Geländes und des Programms reagieren, fragt man sich wirklich, warum es so etwas in Deutschland (trotz erster Versuche) immer noch nicht gibt.
Nach "Sun Kil Moon" (siehe Bericht) und den "Pavement"-Jüngern von "Parquet Courts", die von einem vollen Zelt erstaunlich viel Anerkennung erhielten, war es Zeit für "Courtney Barnett". Vielfach als "Album des Jahres" ausgezeichnet ist sie immer noch auf Tour, wirkt gegenüber dem fantastischen Nachtauftritt in Haldern letztes Jahr jetzt aber natürlich schon wesentlich routinierter.
Immer noch etwas schüchtern hat sie den Set jetzt voll im Griff, alles ist genau auf die genormte Festival länge arrangiert und scheppert trotzdem herrlich schrammelig daher.
Das lustige "Life, be in it" T-Shirt mit seinen Comicfiguren ist Programm. Textsicher singen und tanzen die Niederländer schon am frühen Freitag bei einen ihrer Highlights. Diesmal ist sogar eine Coverversion mit im Programm: Grateful Deads "New Speedway Boogie" dürfte der ein oder andere eher beim "The National" Gig am Samstag erwartet haben.
"Mac Demarco", in Holland wohl eine Riesennummer füllt das große Zelt fast vollständig, während "Everything Everything" mich persönlich nicht überzeugen können. Ich ertappe mich dabei, die ganze Zeit auf "Distant Past" zu warten, was aber garantiert der letzte Song sein wird, und da war dann der grandiose Auftritt von "PJ Harvey" (siehe Bericht) zurecht wichtiger.
Der zweite Tag beginnt mit den holländischen "My Baby" durchaus vielversprechend, aber hier wäre ein kleineres Zelt sicher schöner gewesen, tolle Live-Band allemal. "Whitney" und "Rhodes", beides für mich zu poppig und nicht fesselnd genug, da bietet der Elvis-Imitator auf einer Waldbühne aus alten Kühlschränken und Elektroschrott noch mehr Abwechslung.
"The Cinematic Orchestra" gibt es auch noch. Aber so richtige Begeisterung kann bei den zum Teil anstrengenden Jazz-Klängen am Nachmittag auch nicht aufkommen. Somit sind "Savages" zum genau richtigen Zeitpunkt da, um einem nach dem zweiten Pulled-Pork Sandwich wieder etwas Leben einzuhauchen.
Die Band spielt sich quer durch beide Alben und ist einfach eine Augenschmaus. Nicht, weil es vier Damen sind die hier dem Postpunk frönen, sondern weil es nie langweilig oder gestellt wirkt. Auch wenn der Überraschungseffekt beim mehrmaligen besuchen der Konzerte natürlich nachlässt, können Song wie "Husbands" oder "Fuckers" einfach nicht ihre Wirkung verfehlen.
Besonders gut ist heute die lange und extrem gelungene Version von "Adore", die sich zum Finale hin immer weiter steigert und vor "Fuckers" eigentlich schon den Höhepunkt darstellt.
Direkt danach spielt "Glen Hansard" zum Tanz auf. Seit langer Zeit erstmals wieder mit großer Band (Streicher und Bläsern) unterwegs, kann er einerseits seinem Sound alle Details entlocken, auf der anderen Seite ging dadurch die Spontanität etwas dahin.
Zudem lag der Schwerpunkt der Songs bei seinen Soloalben, so das einige Klassiker seiner diversen Bands trotz der langen 90minütigen Spielzeit keinen Platz fanden.
Trotzdem ist Glen natürlich ein perfekter Bandleader und Gastgeber, der alleine mit seinem Charme das Zelt sofort im Griff hat.
Die Ansage "Summer, crazy festival time, i will catch that beer" (in Anspielung auf den letztjährigen, holländischen Festivalmoment des Jahres als "John Coffey" während des Crowdsurfens einen halbvollen Bierbecher fängt und austrinkt, gerät hier natürlich zum vorhersehbaren Eigentor und Glen bricht das Experiment nach zwei Bierduschen aus den ersten Reihen lachend ab.
Als Cover sind diesmal eine fantastische Version von Van`s "Astral Weeks", Marvin Gaye´s "Don`t do it" und Daniel Johnston`s "Devil Town" an Board. Eine weitere musikalische Glanzvorstellung von Hansard der noch bis Ende des Jahres mit dieser Band auf Tour sein wird.
"TV Segall" fallen leider wegen der Überschneidung mit "The National" (siehe Bericht) aus, wären aber vielleicht nachträglich die bessere oder zumindest spannendere Wahl gewesen.
Der Sonntag beginnt für uns wegen der nervigen Schauern später. "Frightened Rabbit" und "Alex Vargas" fallen somit aus, dafür ist aber pünktliches Antreten bei der Indie-Sensation des Jahres (gibt ja nicht mehr so viele) Pflicht: "Car Seat Headrest", deren Sänger wie ein Sohn von "E" ausschaut, spielen einen sich ständig steigernden, tollen Auftritt mit vielen Songs des neuen Albums "Teens of denial".
Zehn wunderschöne, kleine Indieperlen mit am Ende voll aufgedrehten Gitarren und herrlichem 90er Sound. Nichts neues, aber immerhin etwas sehr gutes.
Über "Daughter" haben wir ja schon wirklich alles geschrieben. Es zeigt sich aber, wie bei der letzten Tournee, dass die Band Monate benötigt um den Versionen die Lockerheit und Länge zu bieten, die das Ganze anders als auf CD klingen lassen. Nach fast sechs Monaten klingt jetzt alles rauher, spontaner und lustvoller als noch auf den eigenen Konzerten am Anfang des Jahres.
Die armen "Suede" kommen am frühen Abend dann leider auf der größten Bühne unter die Räder, nicht einmal halbvoll ist das Zelt. Trotzdem gibt die Band alles, aber heute soll es einfach nicht sein. Dafür ist die Konkurrenz des modernen Pop, hier in Form von "M0" einfach zu groß.
Die "DMA`s" sind, nachdem man den Gag einmal gesehen hat, leider nicht mehr witzig, also ab zu Anohni (siehe Bericht), dem trojanischen Pferd des Festivals, die mit Politik, Kunst und diversen wichtigen Botschaften die Zuschauer staunend zurücklässt.
Was bleibt ist ein tolles Festival, dass in allen Bereichen punkten kann. Drei völlig verschiedene und doch allesamt fantastische Headliner, ein unfassbares Rahmenprogramm und eine tolle Organisation machen das "Rabbit Hole" zu einem Festival für Leute, die nie auf Festivals gehen würden.
Fotos: Michael Graef