Sonntag, 23. November 2008

Fleet Foxes, Essen, 22.11.08


Konzert: Fleet Foxes
Ort: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)
Datum: 22.11.2008
Zuschauer: halb volle Halle (sehr optimistisch)
Dauer: 55 min


Welch großartige Band! Ich mache nie Listen mit den Platten des Jahres, wäre das anders, Fleet Foxes wäre sicher auf einem der ganz vorderen Plätze! Wie schön diese mehrstimmigen Lieder doch sind! Eines sind sie nicht: Rockmusik. Der Name der veranstaltenden Fernsehsendung machte den Washingtoner Hippies dann auch viel Freude. "Rock palace? Palace of Rock! You are Rock subjects! We tell you, when we gonna rock!"

Daß die Band, die mir schon in Haldern musikalisch viel Freude bereitet hatte, auch jenseits der Lieder Freude liefert, war mir neu. Im Spiegelzelt in Haldern hatten sie Pausen mit dem Stimmen ihrer Instrumente verbracht. Teilweise unterbrach das den Spielfluß sehr. In Essen verging kaum eine Liedpause ohne Gespräche zwischen Fleet Foxes und uns.

Auch wenn die Pausen dadurch kurzweilig waren, erzeugten natürlich die überragenden hymnischen Lieder die große Begeisterung.

Den Auftakt bildete Sun giant von der gleichnamigen EP. Vorher hatte Sänger Robin
Pecknold allerdings das Publikum sehr spektakulär begrüßt: "Hallo, schön hier zu sein. Hier in Essen, der europäischen Kulturhauptstadt 2010, siebtgrößte Stadt Deutschlands. Trotz des Industrieerbes eine grüne Stadt." "We know all about you, Essens!"

Sun giant war also der Beginn. Das Lied fängt a cappella an, nur von gelegentlichem Klopfen auf Robins Gitarre unterstützt. Es ging dann nahtlos in Sun rises über, die zweite Liedhälfte zu Red Squirrel, dem Eröffnungstitel der Platte. Ich brauchte ein wenig, das so zu erkennen.

Es folgten Drops in the river und English house von Sun giant. Dabei fiel mir erstmals auf, daß Gitarrist Skyler Skjelset (der einzige, der nicht singt, wenn ich das richtig gesehen habe), seine Gitarre mit Geigenbogen spielte. Die singenden Fleet Foxes sind
neben Robin Keyboarder Casey Westcott, der auch Ukulele spielte, Schlagzeuger Josh Tillman und Bassist Christian Wargo.

Nach oder während English house pfiff jemand im Publikum: "Stop whistling! No, just kidding. Everybody whistle!" - "There's one very aggressive bird!" ergänzte Joshua.

Mit
White winter hymnal, Ragged wood und dem schönsten Lied der Welt, Your protector, hatte das Set etwa zu Halbzeit seine stärkste Phase. Diese zehn, zwölf Minuten waren schlicht wundervoll! Also noch ein wenig wundervoller als der Rest, der war es ja auch.

Nach Your protector (schönstes Lied der Welt, nicht vergessen!) spielte Robin zunächst alleine weiter. Vorher aber wieder ein köstlicher Dialog! Eine Frau brüllte ein für mich nicht ganz nachvollziehbares Kompliment nach vorne. "You love my hand? You love my hair! Thanks!" Der Sänger erklärte dann das Schönheitsgeheimnis seines wallenden Haupthaars: "Du darfst Deine Haare anderthalb Wochen nicht waschen, dann ist es perfekt." Als das geklärkt war, ging es mit den Sololiedern los. Das erste war Crayon angels, von dem es eine Black Cab Session gibt (siehe unten). Das Lied stammt im Original von der amerikanischen Singer/Songwriterin Judee Sill.

Crayon angels ging dann in Oliver James von Fleet Foxes (der Platte) über. Die Band
nahm wieder Stellung, um einen weiteren Monsterhit (Robin) zu spielen, He doesn't know why. Ein weiterer solcher (Mykonos) bildete schon fast den Schlußpunkt. Dazu muß man nicht viel sagen, das Stück ist natürlich fabelhaft. Danach folgte die unschöne aber souverän gekonterte Stelle des Konzerts. Ein besonders schlauer Zuschauer (wir haben uns verständigt, hier nie beleidigend zu werden) meinte, daß eine Band aus Seattle gefälligst Ansagen auf Deutsch zu machen habe. Er bezeichnete Robin und Kollegen, diese netten Hippies, also schnell als "Arschlöcher," was die erst nicht verstanden. Auf Nachfrage übersetzte aber jemand. "He called us assholes?" Aber sie nahmen es gelassen und machten ihre Späße. Ob der Schreier beim nächsten Thailand Urlaub auch Thai spricht? (keine Beleidigung, schönes Land und so).

Nach dem würdigen Abschluß
Blue Ridge Mountains setzte enormer Beifall ein! Hochverdient, denn das Konzert war perfekt (abgesehen von den störenden Betrunkenen, die rhythmisches Klatschen, das nur ganz wenig neben dem eigentlichen Rhythmus lag, für eine gute Idee hielten, wobei "ganz wenig" relativ ist)! Von dem minutenlangen Applaus bekam die Band restlos alles mit, denn nach dem letzten verklungenen Ton bauten die Fleet Foxes ihre Instrumente und Effekte selbst ab, ohne von der Bühne verschwunden zu sein.

Setlist Fleet Foxes, Rockpalast Festival, Grugahalle Essen:

01: Sun giant
02: Sun rises
03: Drops in the river
04: English house
05: White winter hymnal
06: Ragged wood
07: Your protector
08: Crayon angels (Judee Sill Cover) (Robin Pecknold solo)
09: Oliver James
(Robin Pecknold solo)
10: He doesn't know why
11: Mykonos
12: Blue Ridge Mountains


Links:

- Fleet Foxes in Paris (12.11.08)
- und beim Haldern Festival
- sowie in Paris (02.06.08)
- mehr Fotos von den Fleet Foxes beim Rockpalast (ähh Palace of Rock)




3 Kommentare :

Nelle hat gesagt…

Damit du den blöden Reinrufer auch korrekt wiedergeben kannst: Inzwischen weiß ich, dass der das völlig unsinnige "Speak German, you a******" rief... Au weia.
Ansonsten bleibt zu sagen: Fleet Foxes, Fleet Foxes, Fleet Foxes!

Anonym hat gesagt…

die Debüt-Platte heißt doch aber einfach Fleet Foxes, zumindest steht auf meiner nicht Ragged Wood

Christoph hat gesagt…

Du hast vollkommen recht, an anderer Stelle hatte ich auch von der Platte geredet.

Bei Ragged wood bin ich auf meine iTunes Version reingefallen. Das ist eine incl. einer EP, genannt hat Apple die Ragged wood Bonus version oder so.

 

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