Mittwoch, 23. Juni 2010

Bosque Brown, Josh T. Pearson, Tom Cooney, H-Burns, Thousand, Paris, 21.06.10


Konzert: Bosque Brown, Josh T. Pearson, Tom Cooney, H-Burns, Thousand

Ort: Fargo Store Paris
Datum: 21.06.10
Zuschauer: etwa 25 Konzertdauer: eine gute halbe Stunde


Eine Pariser Crêperie mausert sich zum Konzertveranstalter und Plattenlabel! In der Tat eine kuriose und spannende Geschichte, die sich gerade ereignet. Wie das Ganze in Gang kam? Nun, der Bretone Erwan und seine Frau Sophie führen ein schönes kleines Bistro namens West Country Girl im trubeligen Oberkampfviertel und bieten dort ihre mit viel Liebe zubereiteten Pfannküchlein feil. Einer ihrer Stammgäste ist der texanische Folksänger Josh T. Pearson, der im gleichen Haus lebt. Da kam ihnen spontan die Idee, Akustiksessions in der Crêperie zu organisieren, denn Josh kennt etliche musizierende Landsleute, die bei Konzerten in der französischen Metropole gerne mal bei Erwan und Sophie vorbeischauen, um bei Crêpes und Cidre über die Liebe, das Leben und die Musik zu plaudern. Künstler, die sich vor einem folkverliebten Publikum bereiterklärten, ohne Bezahlung auf der Klampfe zu kratzen, fanden sich sehr rasch. Die West Country Night Sessions waren geboren.* Aus Frankreich rekrutierte man Thousand und den grandiosen H-Burns, aus den USA neben dem Gastgeber Josh T.Pearson die ungemein talentierte Mara Lee Miller aka Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson (Letztgenannten allerdings nur für einen Abend). Australien schickte zudem Tom Cooney ins Rennen.

Diese Fünfer- Truppe ist inzwischen so eng zusammengewachsen, daß man sich entschloss, ein ganzes Album von den Sessions aufzunehmen und dieses auch außerhalb der Crêperie zu promoten. Bei der Fête de la Musique am Montag (ich berichtete hier) war bereits die gesamte Mannschaft versammelt und heute war der Anfang 2010 eröffnete Recordstore des Labels Fargo an der Reihe. Am Donnerstag wird die Promotour dann mit einem Konzert im Nouveau Casino feierlich beschlossen.



Als ich gegen 18 Uhr 30 in den Plattenladen von Fargo eintrat, war die Truppe bereits seit ein paar Minuten zu Gange. Der Franzose Renaud Brustlein aka H-Burns sang gerade mit seiner whiskeygetränkten Stumme und die anderen saßen um ihn rum, steuerten bisweilen Backgroundvocals und Percussions hinzu. Stephane Milochevitch aka Thousand saß mit Sisters Of Mercy- T Shirt ganz links (vom Zuschauer aus), dann folgten Tom Cooney, H-Burns (T-Shirt The Saints), Josh T. Pearson mit seinem obligatorischen schwarzen Cowbyhut und Bosque Brown. Das Quintett gab den Staffelstab der Reihe nach weiter, jeder durfte einmal singen. Besonders erfreut war ich, als die einzige Frau in der Runde dran war. Sie sang ein Towns Van Zandt Cover namens Fort Worth Blues und legte wie immer jede Menge Inbrunst und Leidenschaft in ihren Gesang. Obercowboy Josh T. Pearson sorgte hingegen immer wieder für die richtige Vermarktung: "Kauft dieses schöne Album, für 20 kleine Euros habt ihr ein Werk, das euch das ganze Lebne begleitet. Ihr könnt es schon heute abend hören. Und wenn ihr keinen Plattenspieler habt, auch kein Problem, es ist eine CD beigefügt. Alle Smash Hits, die wir hier und heute spielen, sind da drauf." Dieses Werbesprüchlein wiederholte der rauschebärtige Mann, der mit einer deutschen Fotografin verheiratet ist (war?) gleich mehrfach und alle schmunzelten. Aber auch ohne Kaufdruck stand mein Entschluss zum Erwerb dieses schönen Machwerks schon vorher fest. Die knisternden und intimen Countrysongs, die darauf enthalten sind, sind nämlich wirklich zum mit der Zunge schnalzen und ungefähr 25 Zuschauer im Fargo Store waren in der glücklichen Lage, ein paar feine Kostproben davon geboten zu bekommen. Schön!

Aftershow: Nach dem Instore Gig inspizierte ich den Fargo Laden ganz genau. Es gibt eine ungemein gute Auswahl an exzellenten Folk-und Indierock CDs und auch Vinyliebhaber kommen auf ihre Kosten. Ich musste mich zusammenreißen, um nicht in einen Kaufrausch zu verfallen. Neben den Tonträgern (die nicht ausschließlich von ihrem Label stammen) bieten die Leute von Fargo ihr hauseigenes Fachmagazin namens Eldorado an und auch Rockbücher, DVDs und T-Shirts gibt es zu kaufen. Darüber hinaus kann man sich mit sehr hübsch gemachten Postern und kunstvollen Drucken eindecken und wer auf Nippes steht, wird mit Plastikfiguren von den Beatles, ZZ Top, Doors und Jimi Hendrix bedient. An den Wänden hängen bunt bemalte Gitarren, Bilder von Johnny Cash und June Carter Cash und Elvis. Ein Ambiente, da wirklich Lust aufs Verweilen, Stöbern, Kaufen und Fachsimpeln macht! Ich könnte hier gleich mehrere Stunden verbringen und wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann ist es die Tatsache, daß ich Angst habe in einem solchen Laden in einen Kaufrausch zu verfallen und mit 27 CDs, 3 Musikbüchern, sämtlichen Eldorado Magazinen und 5 Postern rauszugehen.

Und demnächst soll hier auch Alela Diane spielen. Der Termin ist aber noch "top secret". Mir werden die Leute von Fargo doch hoffentlich früh genug Bescheid sagen? Meine Güte, man kann sich jetzt schon vorstellen, wie eng und heiß es in dem Laden sein wird, denn schon heute schwitzte man sich fast zu Tode und war froh an die frische Luft zu kommen! ...

Boutique Fargo, 42 rue de la Folie Méricourt, Paris 11 ième, Metro Oberkampf, geöffnet von Dienstag bis Samstag 11-19 Uhr.

Mehr Fotos vom Fargo Store und dem Showcase, klick!

* hier gibt es einen ausführlichen Konzertbericht davon.

Aus unserem Archiv:

Bosque Brown, Paris, Café de la danse, 19.03.2010



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