Konzert: Haldern Pop Festival
Ort: Rees/Haldern
Datum: 05.08.-08.08.2026
Dauer: 4 Tage
Zuschauer: fast ausverkauft
Als einer der Headliner für die drei vollgepackten Tage dieses Vorhabens wurden "The Notwist" ausgewählt. So vorhersehbar und logisch diese Wahl erschien, es steckt etwas mehr dahinter.
"The Notwist" spielen am Freitagabend ein wirklich epochales Konzert auf der Mainstage. Die Band besteht seit 1989, also fast 37 Jahre. Das klingt weder Hip, noch spannend. Genau wie das Festival hat aber auch die Band diverse Häutungen in den ganzen Jahren durchlaufen. Früher wild und ungestüm, dann voller Experimentierfreude und Überraschungen. Es folgten ruhigere Phasen und auch etwas orientierungslos mäanderte es einige Weile vor sich her, bevor es seit der Corona Zeit wieder künstlerisch und live steil bergauf geht.
1000 Stile, 1000 Melodien, 1000 Talente. Das verbindet diese beiden Lieblingsprojekte.
Ich weiß nicht, ob "Geordie Greep" (der ehemalige Sänger von "Black Midi") vom Backstage des Spiegelzeltes am Nachmittag schonmal sehen wollte, wer da vor ihm so auftritt. Er hätte vermutlich geschmunzelt, als die Schweizerin "Nathalie Fröhlich" dort ihre ganz eigene Version von Pop präsentierte.
Das Publikum, wenn auch nicht identisch, feierte beide Auftritte wie eine Messe. Die Eine auf der Bühne im Bikini, die Anderen in gebügelten Hosen und Hemden.
In der Frage, was Pop ist, zählt für das Haldern Festival nicht, ob es im Studio einen Glücksfall gab oder ein Produzent einen Song zum Hit destilliert hat.
Wer in Haldern auftreten darf, ist auf der Bühne zu Hause. Er wird jedes Publikum überzeugen, egal ob als ausufernder Prog-Rock oder Solo am Piano in der Kirche. So wächst das Festival immer mehr in der stilistischen Breite, statt auf überteuerte Headliner und mehr Zuschauer zu schielen.
Das macht es aber auch so schwer, neue Besucher*innen für einen Besuch zu begeistern. In der deutschen Monokultur der Festivals muss es eine klare Erzählung geben. Wo Genregrenzen überschritten werden, gibt es oft Unmut und Schulterzucken.
Und auch das ist nur in Haldern möglich: "Bonnie Prince Billy", eigentlich gesetzt für den späten Abend auf der Hauptbühne, spielt lieber mittags in der Dorfkirche. In früheren Jahren hätte so eine Entscheidung noch viele Diskussionen in der Community des Festivals ausgelöst. Mittlerweile gibt es so viel anderes zu bestaunen, das die meisten Besucher*innen davon kaum Notiz nehmen müssen.
Für die Postrock Fraktion und die tanzende Meute gab es ebenfalls genug zu erleben. Mit "chest.", "the 113", "Adult DVD", "Bleech 9:3" und vielen mehr, waren fast alle vielversprechenden Bands dieses Jahres am Start.
Dazu die Bands der mittlerweile schier unermüdlichen Talentschmiede des Windmill Club in Brixton. Hier dürfte das Haldern Pop schon lange ein geflügeltes Wort sein. Neben den Headlinern von "Black Country, New Road" schauten dieses Jahr auch ein weiterer "Black Midi " Ableger: "My New Band Believe" (Post-Pop), "1000 Rabbits" und der DJ "Mount Palomar" vorbei.
Warum dieser mit gleich zwei prominenten Sets, sowohl im Spiegelzelt als auch auf der Hauptbühne bedacht wurde, ist mir allerdings unklar. Während der Auftritt im Spiegelzelt noch intensiv und frisch daherkam, wirkte es auf der großen Bühne dann doch etwas beliebig.
Über die üblichen Beschwerden bei anderen deutschen Festivals braucht man hier gar nicht erst reden. Bis auf etwas Stau bei der Anreise, leistete die größtenteils ehrenamtliche Crew wieder ganze Arbeit. Der Verzicht auf das sonst übliche Becherpfand war sehr entspannend und auch das etwas größere Spiegelzelt klang wesentlich besser und fasste ca. 300 glückliche Besucher mehr pro Konzert.
Und dann war da noch der Auftritt von "The Itch" am Samstagnachmittag. Die Band war live noch nicht ganz an dem Punkt, wo Viele sie bereits verorten, aber in ein paar Jahren werden wir uns erzählen, sie in Haldern schon 2026 gesehen zu haben.
Wie so viele andere Geschichten, die nur ein Festival schreiben kann, das keine Melodie, kein Genre und kein Talent auslässt.
Schöner als "The Notwist" in ihrem Song Teeth kann man es nicht beschreiben: "I won`t sing in vain like all the others".
Wir sehen uns zum 44. Mal in Haldern vom 11.08.-14.08.2027. Kauft früh eure Tickets und alle bringen eine*n Freund*in mehr mit.
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Mehr Fotos schon jetzt und in den nächsten Tagen auf Instagram: Konzerttagebuch / folgt uns....









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