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Freitag, 31. Oktober 2014

The Dø (+ Amatorski), Leipzig, 30.10.14

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Konzert: The Dø (Support Amatorski)
Ort: Täubchenthal, Leipzig
Datum: 30. Oktober 2014
Dauer: 30 Min + 90 Min
Zuschauer: ca. 300


Das Täubchenthal liegt in Leipzig-Plagwitz und ist im einstigen Kontorgebäude der Kammgarnspinnerei Stöhr in der Wachsmuthstraße 1 untergekommen. Ich betrete das Gelände zum ersten Mal und gleich fühle ich mich um Jahre zurückversetzt, als ich die Leuchter im Saal erblicke. Die Formen sind über viele Jahre und Gebäude im Osten der Republik verteilt gewesen, die Lichtgestaltung inzwischen aber erneuert und ein Blickfang vor dem Konzert und in der Umbaupause.




Ich hatte mich schon länger auf diesen Abend gefreut und erst kurz vor der Fahrt nach Leipzig überhaupt realisiert, dass Amatorski "nur" Support für The Dø sein sollten. Im Netz hatte ich mir schnell noch einen Titel von The Dø angehört und mir vorgenommen, wenigstens wegen Amatorski dennoch zu fahren.


Amatorski begannen den Abend mit einem 30 minütigen Set und wurden vom Publikum sehr herzlich aufgenommen. Ich habe schon andere Empfänge von Vorbands erlebt. Hier und heute aber war der Support Act willkommen und der Applaus fiel generös aus. Inne Eysermans und Sebastiaan van den Branden spielten Songs ihrer letzten Veröffentlichung "From Figures to Clay". Die sympathische Art ihres Auftritts ließ für mich den Schluss zu, dass sie wohl noch nicht so oft vor größerem Publikum gespielt haben oder sich ihre Bodenständigkeit bewahrt haben. Zur Musik: Inne an den Keyboards und Electronics und Sebastiaan an der Gitarre spielten die Songs sehr nah an der Albumfassung. Gewöhnlich mag ich das nicht so sehr sondern habe mehr Freude an Interpretationen, hier aber überwog die Freude, Amatorski spielen zu sehen und zu hören - und das alles in der ersten Reihe zu genießen. Und so war die halbe Stunde viel zu schnell vorbei.


Wir sahen einen überaus professionellen und perfektionistischen Umbau. Alle Positionen beweglicher Teile wie Mikroständer, Percussionständer, Pedale und Keyboardfüße waren vorher markiert gewesen und jede solche Stelle wurde von den Technikern immer wieder akribisch überprüft und zurechtgerückt. Dieses Erleben allein verkürzte die Wartezeit auf The Dø und die Spannung stieg, was mich wohl erwarten würde. Aus dem Netz hatte ich mir den Satz gemerkt, in dem über "intelligente Popsongs" geschrieben wurde.



Als die Band auf die Bühne kam und der erste Titel anlief, war mir klar, dass hier ein Energiebündel auf der Bühne stand. Olivia Merilahti mit finnisch-französischen Wurzeln strahlte mit ihren höchstens 160 cm Körpergröße eine unglaubliche Präsenz aus. Sie wandelte von Thai-Chi zu wilden Box-Ausbrüchen getragen von der Musik. Ihre Stimme kann sehr stark, dann wieder leise und zart, in jedem Fall aber immer klar sein. Unterstützt wird sie auf der Bühne von ihrem The Dø - Partner Dan Lavy (keyboards und Percussion) sowie zwei weiteren Musikern an Gitarre, percussion und electronics. Die Kraft der Musik entlud sich vor der Bühne direkt in den Brustkorb, die Bässe drückten in den Saal zuerst ungewohnt stark, im Verlaufe des Konzerts jedoch angenehm wie eine Art manuelle Therapie mittels Resonanzwellen.



Die Musikbeschreibung aus dem Netz passte und mit zunehmender Dauer des Konzerts stieg meine Begeisterung über die Performance. Ganz anders als Amatorski spielten sich The Dø in einen Rausch angetrieben von einem verzückten Publikum. In den Zugaben zeigten sie sowohl Energieausbrüche als auch das ganz verhaltene fast-acapella Stück "Nature will remain" - nur begleitet von Dan Levy an den Tasten. Dieser Abend war mal wieder ein Beispiel für eine gelungene Überraschung. Im Nachhinein höre ich das aktuelle Album "Shake shook shaken" und wäre wohl nicht übermäßig an dem Konzert interessiert gewesen, wenn ich es bereits vor dem gestrigen Abend gekannt hätte. Die Produktion im Studio lässt nicht auf die Bühnenshow und Spielfreude schließen, die ich im Täubchenthal erleben durfte. So aber haben mich The Dø mit ihrem Auftritt völlig überzeugt. Musikalisch abwechslungsreiche Songs und einfach schöne Melodien prägten die Setlist, auf der sich bis auf einen Song ausschließlich Titel des aktuellen Albums fanden. Wer noch die Chance hat, eines der Konzerte in Frankreich oder in der Schweiz mitzunehmen, der sollte sich diese nicht entgehen lassen.





Setlist The Dø (unvollständig ohne Zugaben)
1. Omen
2. A Mess Like This
3. Keep Your Lips Sealed
4. Miracles
5. Sparks
6. Trustful Hands
7. Anita No!
8. Opposite Ways
9. Slippery Slope
10. Going Thru Walls
11. Dispair Hangover and Ecstasy

12. Lick My Wounds (Z)
13. Nature Will Remain (Z)

14. unbekannt (Z)


Website Amatorski
Website The Dø



Dienstag, 26. August 2014

Warpaint & Amatorski, Luxemburg, 25.08.14

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Konzert: Warpaint (& Amatorski)
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 25.08.2014
Dauer: Warpaint 80 min, Amatorski knapp 30 min
Zuschauer: 400 - 500 



Eigentlich hatte ich gar nicht zu diesem Konzert fahren wollen, ich versuche nämlich, Bands nicht häufiger als zweimal pro Jahr gezielt zu sehen, um mir den Spaß an ihnen nicht zu nehmen - Ausnahmen sind Festivals und Slowdive. Bei Festivals auf eine Lieblingsband zu verzichten, überfordert meine Selbstdisziplin, bei Clubshows, die eine Anreise erfordern, ist das einfacher. Nach dem Warpaint-Konzert vor ein paar Tagen im Sendesaal des WDR im Rahmen der c/o pop wäre ich nicht auf die Idee gekommen, die Amerikanerinnen sofort wieder zu sehen. Wir verabredeten stattdessen, im November in den Cirque Royal zu fahren, weil das schließlich einer der schönsten Konzertsäle Europas ist. Als ich nach dem genauen Termin dieses Warpaint-Auftritts suchte, kam mir in den Sinn, daß ich auch im Herbst die heißgeliebten Amatorski in Brüssel sehen wollte und suchte stattdessen nach dem Datum dieses Konzerts. Auf der Amatorski-Website fand ich dann aber eine Information, die mich überforderte. "25.08. den Atelier, Luxemburg w/ Warpaint" - zwei Lieblingsbands, die ich nie in einem Zusammenhang gebracht hätte, an einem Abend gemeinsam. Auch wenn meine Selbstdisziplin dominierender wäre, da käme ich nicht niemals dran vorbei. 

Außerdem wäre es unhöflich den Lieblingskünstlern gegenüber.

Das Atelier war noch sehr leer, als Amatorski um halb neun auf die Bühne kamen. Ich habe die belgische Band schon in einigen Konstellationen erlebt, zuletzt zweimal als Trio. Heute fehlte Schlagzeuger Christophe Claeys. Aber da Sängerin Inne Eysermans und vor allem Gitarrist Sebastiaan Van Den Branden auf der Bühne so viele Dinge gleichzeitig machen, fiel das nicht schrecklich stark ins Gewicht. Das Programm war offenbar ein wenig an die Duo-Situation angepsst worden. Warszawa, das bisher immer gespielt wurde, ist offenbar zu zweit nicht machbar. Aber obwohl Amatorski nur zwei Platten veröffentlicht haben, können die Belgier ganz offensichtlich auf einen riesigen Vorrat an großen Hits zugreifen. Statt Warszawa war Anthem Teil des kurzen Auftritts. Das in dieser Form unveröffentlichte Lied, das auf U-Turn und das wundervolle Duett Wildbirds folgte, ist eine Schönheit auf den zweiten Blick. Aber was für eine! Auf der ersten Platte tbc war eine verhutschelte Vorgängerversion ein hidden track. Die Überarbeitung mit viel Klavier wird hoffentlich auch veröffentlicht, es wäre eine elende Verschwendung, das nur live zu spielen!



Es ist eine Wonne, Amatorski zuzusehen. Die Musiker aus Gent bedienen meist mehrere Instrumente gleichzeitig. Inne sitzt hinter ihrer Keyboard-Burg und spielt häufig mit je einen Hand eines ihrer Instrumente, während Sebastiaan auch schon einmal synchron Keyboard und Gitarre (singend) bedient.


Diese leider viel zu unbekannte Band ist solch eine unglaubliche Perle! Trotzdem ist es keine richtig gute Idee, die Belgier als Vorgruppe anzusetzen, weil die Gefahr groß ist, von ihnen trotz der ruhigen Lieder an die Wand gespielt zu werden.

Setlist Amatorski, den Atelier, Luxemburg:

01: U-Turn
02: Wildbirds
03: Anthem
04: Boy / girl
05: Fragment
06: Hudson
07: Never told

Es muß allerdings viel passieren, daß Warpaint blass gegenüber einen Vorgruppe wirken, dafür sind die Shows des kalifornischen Quartetts und vor allem das Songmaterial zu gut! Ich weiß nicht recht, ob es an Amatorski, an mir oder an Warpaint lag, daß der Anfang - fast die erste Konzerthälfte - wenig Eindruck auf mich machte. Wenn es an der Band und nicht an meiner etwaigen Warpaint-Müdigkeit (Himmel hilf!) lag, war die Ursache dafür vielleicht der Unterschied zwischen Paris am Vortag und dem bei weitem nicht ausverkauften und sehr wenig euphorischen Club in Luxemburg heute. Mir fiel nicht auf, daß die vier Frauen schlecht gelaunt wirkten, die Lieder zündeten einfach nicht. Aber dafür die Ursache zu benennen fällt mir extrem schwer, weil so etwas ja immer auch an mir selbst liegen kann. 


Das, was dem großen Teil des Publikums an Euphorie fehlte, hatten eine Handvoll junger Engländerinnen drei- und vierfach intus. Sie nervten auf unerträgliche Weise mit Wolfsgeheul oder dem Versuch, den Anfang von Composure an den falschen Stellen nachzusingen, es war gruselig. So Fans gönnte ich nicht mal U2, Nickelback oder Bon Jovi. Ich war ganz froh, daß mein alter Liebling Billie Holiday nicht wie geplant als Zugabe gespielt wurde. Die Nerv-Frauen, die sich zielsicher wieder von mir Freakmagneten angezogen fühlten, hätten das (und auch Baby, das in Köln die ruhige Zugabe war) locker versaut. 


Nach einer Weile, vielleicht nach Undertow, spätestens mit Love is to die hatte das Konzert mich. Love is to die ist allerdings auch einer der grandiosesten Livelieder des Jahres, wenn mal jemand endlich diese Jahresrückblick-Rubrik einführen mag. Nicht so toll funktionierte Disco / very, es war das lahmste Lied des Abends. 

Beetles danach kam mir noch einmal länger vor als zuletzt. Neben Elephants scheint das Stück im Moment von Warpaint regelmäßig live in einer nicht enden wollenden improvisierten Version gespielt zu werden. Nachdem nach dem langen Rumgejamme, das Motiv des Lieds wieder aufgegriffen wurde und Gitarristin Theresa noch einmal die normale Strophe singt, improvisierten Warpaint diesmal noch einmal weiter und machten das Lied noch länger. Auch Elephants als zweite Zugabe dauerte zwölf, dreizehn Minuten, ohne jedoch an irgendeinen Punkt Gefahr zu laufen, langweilig zu werden. Da ging es dann auch zumindest mir so, daß ich keine Augen für Details hatte, weil ich der Musik zuhörte. Im ersten Teil war das noch anders, da war das Konzert weit weniger packend, was ich bisher bei Warpaint nicht erlebt hatte. Da "weit weniger packend" aber immer noch so viel besser ist als das, was viele andere Bands abliefern, und weil die zweite Hälfte Warpaint-Standard (also toll!) war, war es kein schlechtes Konzert! Und wegen Amatorski ein sehr gelungener Ausflug!

Setlist Warpaint, den Atelier, Luxemburg:

01: Intro (vom Band)
02: Keep it healthy
03: Bees
04: Hi
05: Composure
06: Undertow
07: Love is to die
08: Drive
09: Disco / very
10: Beetles

11: No way out (Z)
12: Elephants (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Köln, 20.08.14
- Warpaint, Ewijk, 29.06.14
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10

- Amatorski, Frankfurt, 12.08.14
- Amatorski, Hilvarenbeek, 21.06.14
-
Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13

Tourdaten Warpaint:

- 03.09.14 Stuttgart - LKA Longhorn
- 06.09.14 Münster - Skater's Palace (Visions Party)
- 23.11.14 Frankfurt - Batschkapp



Dienstag, 12. August 2014

Amatorski, Frankfurt, 12.08.14

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Konzert: Amatorski (als Support von Poliça)
Ort: Palmengarten, Frankfurt
Datum: 12.08.2014
Dauer: gut 35 min
Zuschauer: ca. 500



Ach, was hätte ich den beiden Damen in der fünften Reihe vor der Sommerbühne des Palmengartens gewünscht, sie sähen sich häufiger! Hätten sie sich weniger zu erzählen gehabt, hätten sie eine der spannendsten Bands erleben können, die in diesem Jahr in Frankfurt aufgetreten ist. 

(Symbolfoto - Fotos vom Konzert gibt es in namhaften Tageszeitungen)

Im Gegensatz zur Hauptgruppe Poliça funktionierten nämlich Amatorski im ungewohnten Rahmen - im Palmengarten vor sitzendem Publikum, das augenscheinlich zum überwiegenden Teil von keiner der Bands vorher gehört hatte und der Frankfurter Kultur- bzw. kulturinteressierten Szene angehörte - hervorragend! Vor allem die offensichtlichen Lautstärke-Auflagen (am Mischpult stand ein Messgerät, das meist 65 bis 75 dB anzeigte und nie über 84 dB ging) taten der Hauptgruppe aus Minnesota keinen Gefallen und entlarvten einen Teil ihres Programms als ein wenig flach. Amatorski dagegen, die belgische Vorgruppe um Sängerin Inne Eysermans, hätte auch 90 Minuten spielen können, ohne zu langweilen. 



Die Band aus Gent hat im April ihr zweites Album From clay to figures veröffentlicht. Weil ich den Vorgänger tbc so liebe, habe ich eine Weile gebraucht, um die neue Platte als ebenbürtig wahrzunehmen. Auf der wirklich schönen Bühne im Palmengarten spielten Amatorski heute mit einer Ausnahme nur Stücke von der zweiten Platte, und das Konzert war keinen Deut weniger spannend als mein erstes vor anderthalb Jahren!


Seit einiger Zeit scheinen die Belgier nur noch zu dritt aufzutreten. 2013 war Bassist Hilke Ros noch mit aktiv, heute - wie auch vor ein paar Wochen beim Best Kept Secret Festival in einem Safaripark in Holland, bei dem sie mittags um 12.15 h auftraten - spielten Amatorski mit Christophe Claeys (Schlagzeug) und Sebastiaan Van den Branden, der Keyboard, Gitarre und Bass spielte. Ich habe zu wenig Ahnung von Musik, um das wirklich beurteilen zu können, Sebastiaan schien aber auch die Gitarre wie einen Bass zu spielen. Bei Warszawa benutzte er erstmals eine Gitarre, sie klang aber nach Bass.



Überhaupt sind die Instrumentierungen bei Amatorski enorm aufregend. Das Schlagzeug bei U-Turn zum Beispiel war so zurückgenommen, daß es klang, als schlage Christophe nur leicht auf den Bühnenboden (es war aber ein Drumpad). Im Mittelpunkt stehen aber natürlich Innes Stimme und ihr Klavierspiel. Zugegeben, die Band sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, sobald aber die ersten Töne erklingen, sind Amatorski das überhaupt nicht. Man braucht keine zwei Schlagzeuge, um mich zu beeindrucken - aber gute Lieder.


Und die haben Amatorski massenhaft. In ein kurzes Supportset einen Instrumental-Titel einzubauen, macht nicht jeder. Das kleine Boy / girl ist allerdings wunderschön und passt hervorragend zum nachfolgenden Fragment, sodaß es vollkommen Sinn macht, es bei einem so kurzen Konzert zu spielen. Von den unzähligen* Hits der ersten Platte spielten Amatorski (polnisch für Amateur - kein flacher Witz) nur das wundervolle Peaceful ganz am Ende. Aber auch U-Turn, Hudson, Fragment oder Wildbirds sind phänomenal schön, und jedes von ihnen stahl der Hauptgruppe gehörig die Show!



Zu schade, daß Amatorski so selten in Deutschland zu sehen sind. Leider gibt es selbst für Bands dieser Güte bei uns einen zu kleinen Markt, in ihrem Heimatland scheinen sie es einfacher zu haben, größere Hallen zu spielen - im Oktober sind sie zum Beispiel im AB in Brüssel angesetzt. Beim Best Kept Secret Festival schickte der Veranstalter sie bewußt früh auf die Bühne, weil sie mit ihrer Bekanntheit in Benelux das Publikum früh aufs Gelände bringen sollten.


Vermutlich hätten Amatorski auch in der schönen Kulisse des Palmengartens mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie als Hauptgruppe angesetzt worden wären, musikalisch gerechtfertig wäre das allemal gewesen. Und ganz ehrlich: wegen des Namens Poliça war der Großteil des Publikums auch nicht da, er war da, weil im Palmengarten eine Kulturveranstaltung des geschmacksicheren Mousonturms stattfand. Und einige, weil man dabei Bekannte wiedersieht und sich bei Sektchen so gut unterhalten kann und die Musik wegen der Anwohner auch nicht so laut ist, daß sie dabei stört.

Setlist Amatorski, Palmengarten, Frankfurt:

01: U-Turn
02: Wildbirds
03: Warszawa
04: Boy / girl
05: Fragment
06: Deer the wood
07: Hudson
08: Peaceful

Links:

- aus unserem Archiv:
- Amatorski, Hilvarenbeek, 21.06.14
-
Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13

* ich weiß...



Sonntag, 22. Juni 2014

Amatorski, Hilvarenbeek, 21.06.14

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Konzert: Amatorski
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 21.06.2014 (12.15 h)
Dauer: 37 min
Zuschauer: vielleicht 500




Belgien galt und gilt (die Mannschaft spielt gerade) so vielen Experten bei der WM als Geheimfavorit, daß die Wettmacher-Quoten auf eine Turniersieg der Mannschaft vermutlich winzig sind. Wenn ich davon schwärme, daß eine der besten Bands, die ich kenne, aus Belgien kommt, ernte ich regelmäßig ungläubige Blicke. Fußball traut man unseren Nachbarn zu, Indie-Musik nicht unbedingt. 


Daß Amatorski während der WM bei einem Festival mit dem Namen "Best Kept Secret" auftraten, passte da wunderbar ins Bild.


Ich habe die Gruppe aus Gent bisher leider erst zweimal gesehen, beide Konzerte waren wundervoll. Weil die Band aus Gent für mich so schwer erreichbar ist, war es keine Frage, daß mein Festival-Tag extrem früh anfangen würde. Amatorski waren um 12.15 Uhr auf der Zeltbühne angesetzt. Die Festivalorganisatoren machen dies offenbar bewußt, lassen also dafür zu bekannte Bands gleich am Tagesanfang spielen, um die Leute vom Campingplatz aufs Gelände zu bekommen, wusste ein Freund.


Als Amatorski auf die Bühne kamen, war das Zelt noch ziemlich leer, es füllte sich aber flott, sodaß es von oben vermutlich nicht allzu peinlich aussah. Die Band trat nur zu dritt auf, mit Sängerin Inne Eysermans, Gitarrist Sebastiaan Van Den Branden und Schlagzeuger Christophe Claeys. Bassist Hilke Ros fehlte. Ich weiß nicht, ob Amatorski nur noch ein Trio sind oder ob Hilke nur heute abwesend war.


Die Band mit dem polnischen Namen hat im April ihre zweite Platte From clay to figures veröffentlicht. Das Album besteht wie der herausragende Vorgänger tbc aus einer Mischung aus wundervollen Popsongs, verhutschelten Klavier-Stücken und kleinen Instrumental-Liedern. Es gehört nicht viel Expertentum dazu, den Belgiern enormes Talent zu attestieren, ins solch jungem Alter schon zwei solch fantastische Platten geschrieben zu haben (und EPs, einen Soundtrack).

Eines der ruhigen Klavier-Lieder stand ganz am Anfang, U-Turn von From clay to figures. Wie viele der Amatorski-Lieder war vor allem das Schlagzeug dabei sehr dezent und zurückgenommen, im Vordergrund standen Innes Stimme und ihr Klavierspiel.

Wild birds dagegen ist eines der Lieder mit Junge/Mädchen-Gesang, ein wundervolles Duett, ein großer Popsong, der im Radio liefe, wenn das Radio Wert auf gute Musik legte. Danach kam etwas Besonderes: auf der ersten Platte gibt es das Stück Cheapest soundtrack, das einen Hidden track enthält (der offenbar Anthem heißt). Auf tbc ist Anthem herrlich verhutschelt, mit hingehauchtem Gesang erinnert es an Julee Cruises Falling. Die Liveversion war deutlich überarbeitet und hörte sich fast wie ein neuer Titel an.

Warszawa (auch vom neuen Album) spielen Amatorski schon lange. Auch der Song wird einmal auf einem Best-of erscheinen, es ist einer der Hits der Band. Danach - und auch das ist typisch - baute Inne ein kurzes Instrumental-Lied (Boy/girl) ins Festival-Set ein. Nach Fragment kamen die ersten (und neben dem überarbeiteten Anthem einzigen) Lieder von meinem heißgeliebten tbc, zunächst Never told, das ebenfalls ganz anders als auf Platte klang (der Anfang ist neu!) und das wundervolle Peaceful mit einem irre schönen langen Instrumental-Ende. Beide Stücke sind echte Perlen!

Den Abschluß bildete Hudson, das vielleicht popigste Lied der neuen Platte und ein wunderschöner Abschluß der kurzen Matinée.


Ja, dafür lohnte es sich definitiv, früh anzureisen! Amatorski sind ohne Zweifel eine der spannendsten Bands unserer Zeit, auch wenn die Musik nicht spannend im Sinne von laut daherkommen ist. Der Reiz der Amatorski-Lieder liegt vielmehr in ihren wundervollen Melodien und Instrumentierungen. Amatorski wird vermutlich daher in Deutschland ein (echter) Geheimtipp bleiben. Aber die Band macht so viel mehr Spaß als ihre Fußball-Kollegen! Und Musik ist ja allemal wichtiger als Fußball! (huch 1:0 Belgien in diesem Moment).

Setlist Amatorski, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: U-turn
02: Wild birds
03: Anthem (Cheapest soundtrack)
04: Warszawa 
05: Boy/girl
06: Fragment
07: Never told
08: Peaceful
09: Hudson

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Wien, 03.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13


Mittwoch, 9. Oktober 2013

Waves Vienna Festival, 03.10.13

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Konzert: Waves Vienna Festival
Ort: verschiedene Locations am Donaukanal
Datum: 03.10.2013


Was für so ziemlich jede mitteleuropäische Stadt gilt, trifft auf Wien besonders zu: Winter sind nicht so lustig. Kann natürlich sein, dass ich bei der Kleidungswahl noch ein wenig in Sommernostalgie schwelgte (ein komisches Präteritum) und gleich zum Island-Pullover hätte greifen sollen, aber so oder so sind 5° ein bisserl wenig.
Nur gut, dass sich mittlerweile schon fast alle Festivitäten ins Innere verzogen haben und Festivals auch wenn sie so heißen, nichts mehr mit Outdoor zu tun haben. Das erste Oktoberwochenende wartet da traditionell mit großem Veranstaltungsgebot auf, wenn man will, kann man es gar auf zwei Großereignisse reduzieren: das höchst originäre Konstrukt "Wiener Wiesen" und das "Waves Vienna". Beide betonen im Namen schon den Bezug zur Hauptstadt, doch die jeweils transportierten Weltvorstellungen liegen eher weit auseinander, einzig die Liebe zum Bier eint die beiden Zielgruppen. Den Raum zwischen Donaukanal und Prater dominieren ein Wochenende lang also Dirndl, Lederhosen, Waves-Umhängetaschen und Timetable-Booklets.
Warum ich hier so herumschwafle über die Wiesen, wo doch eh jeder weiß, dass es nicht um Bierzeltbelustigungen gehen wird? Weiß ich auch nicht so genau. Wohl deshalb, weil Kollegin Ursula in ihrem Bericht über das Waves schon einiges erzählt hat. Und weil ich heuer keine lustigen musikalischen Sozialisierungsversuche von angeheiterten Wiesenbesuchern vorm Fluc und Beschwerden über die Lautstärke (von der Wiesen ans Waves wohlgemerkt) erleben durfte, aber doch so gerne darüber schreiben würde. Und natürlich auch, um einfache Dichotomien herzustellen, á la Orwells "Vierbeiner gut, Zweibeiner böse". Alle Vierbeiner lesen also bitte trotz langatmiger Einleitung weiter, es wird nämlich endlich musikalisch.

Dem Manchester-Boy Magic Arm war nämlich die Ehre (oder Bürde, je nachdem) überlassen, den Abend im Odeon zu eröffnen, einem wunderschönen, sehr großen Theater, das zu der frühen Uhrzeit (dreiviertel sieben) erst eine Handvoll Early Birds angelockt hatte. Wie durch Zauberhand allerdings hatte der bärtige Kollege schnell eine atmosphärische Dichte geschaffen, in den Pausen zwischen den Songs glänzte er zwar nicht als großer Erzähler, vermittelte aber das Gefühl, sich gerne mit dem Publikum auszutauschen und sich über jeden einzelnen zu freuen. Die zu erzählenden Geschichten nahmen sich in musikalischer Form sowieso ganz hervorragend aus, wurden von sehr verspielten Arrangements begleitet und ein besonderes Faible hatte der hinter dem Alias steckende Marc Rigelsford fürs Loopen. Bisweilen erinnerten die Klangwelten des Magic Arm da stark an jene von A Thousand Fuegos.
 

Die Kurzweiligkeit des Konzerts ist zum Teil sicher auch auf die Spontaneität des Künstlers zurückzuführen, der in den Pausen oft umdisponierte, andere Songs als geplant spielte und seinen Mitstreiter Ben, der nach drei Songs erstmals die Bühne betreten hatte, abwechselnd auf die Bühne zitierte und wieder wegschickte. Auf nette Art und Weise natürlich, der Typ ist grundsympathisch, aber doch irgendwie verwunderlich, dass er seinen Kollegen nicht auf der Bühne haben wollte, wenn ein Song ohne dessen Beteiligung auskam. Platz wäre da jedenfalls genug gewesen. Ob die acht Tage, die die beiden zu diesem Zeitpunkt schon gemeinsam auf Tour waren, bereits Abnutzungserscheinungen verursacht hatten? Am Tag zuvor hatten die beiden jedenfalls in München in einer Garage oder Werkstatt gespielt, was Ben zu dem berechtigten Kommentar hinriss, das Odeon sei doch ein wenig ein anderes Kaliber. Ziemlich genau nach 45 Minuten war das Konzert jedenfalls vorüber, eine kurze Verbeugung und weg waren sie. Ein schöner Start ins Festival, recht lange sacken konnte ich diesen aber nicht, da im doch ein Stückchen entfernten Flex Amatorski anstanden.

Eine Viertelstunde deren Konzerts hatte ich bei Ankunft zwar schon verpasst, die restliche halbe Stunde war aber so dermaßen gut, dass sie dieses kleine Ärgernis schnell vergessen ließ. Dabei hatte ich mich erst am gleichen Tag zum ersten mal mit Amatorski beschäftigt, war zufällig auf den Namen im Timetable gestoßen und natürlich gleich an die kürzlich im Konzerttagebuch verfassten Lobeshymnen auf eine Band dieses Namens gedacht. Amatorski klingt ja sprachlich ziemlich slawisch eigentlich, hatte ich mir gedacht, und  einen musikalischen Import Olivers von seiner Russlandreise vermutet. Im Timetable stand allerdings ein (BE). Belgien und Slowenien waren nämlich die heurigen Gastländer im Rahmen des Veranstaltungscredos "East meets West".
Für Amatorski gilt "Post-Rock meets Schüchter-Pop", zwei musikalische Hängematten, in die
ich mich besonders gern flausche. Wie ein Mangalitza-Schwein (einfach weils ein schöner Name ist) suhlte ich mich im musikalischen Schlamm der Belgier und verlor dabei jeglichen Bezug zum Rundherum. Wobei der Begriff Schlamm die Tonart, die Amatorski anschlagen, ja gänzlich verfehlt. Aber in der Konsistenz gleicht er dem Konzert gewissermaßen, so dicht und einhüllend, richtig wärmend war es. Außerdem haben Amatorski spirituell angehauchte Metaphern wie "engelsgleich" und "überirdisch" sicher schon hundert Mal gehört. Also passt Schlamm irgendwie doch ganz gut. Heißt ja außerdem auch "Perlen vor die Säue" oder? Und ich glückliche, tagebuchschreibende Sau, die dieses Konzert fast verpasst hätte, erlebte also eine sphärische Welt aus Glockenspiel, samten vorgetragenem Schlagzeug, komplex ineinandergreifender Instrumentierung und gehauchtem Gesang.
Dadurch, dass die Band rund um Sängerin Inne zwischen den Songs kaum zum Publikum sprach (dafür oft Instrumente bzw. Plätze wechselte, die Bühne war wohl zu viert mit soviel Equipment doch etwas eng), entwickelte sich eine ganz eigene Atmosphäre, die man nicht zwangsläufig mögen muss. Für viele ist ein Konzert ja erst dann richtig gut, wenn möglichst viel interagiert wird und der Kontakt zwischen Publikum und Band ausgereizt wird, aber ich habs halt hin und wieder gern so schwelgerisch, weltvergessen. Und die Leute rundherum - auffallend viele ältere und professionell wirkende, mit Akkreditierungen ausgestattete Männer übrigens, wohl Leute aus dem Business - schienen mehrheitlich diesen Ansatz zu teilen, den filigranen Songs wurde durch äußerstes Schweigen Respekt erwiesen, ganz am Ende bei Never Told tänzelten glückselige Gesichter durch den Raum (also die Körper zu den Gesichtern), durch die nebelverhängte Bühne verabschiedeten sich die etwas schüchternen Belgier leider schneller, als man überlegen konnte, was "Zugabe" wohl auf flämisch heißen möge. Zauberhaft gutes Konzert, das Hunger auf sehr viel mehr macht, heißt in diesem lustigen Kauderwelsch jedenfalls Amatorski, das steht schon mal fest. Zum Glück hatte die Band in einem Anflug auf Gesprächigkeit vor dem letzten Song schon versprochen: "See you very soon!"

Schauplatzwechsel und raus in die Kälte once again. Zum Glück nur zehn Minuten lang im Eilschritt und nicht länger - so wie die Bands auf dem Red Bull Brandwagen, der hundert Meter vom Flex positioniert war. Der hatte letztes Jahr (damals am Praterstern aufgestellt) gar nicht so schlecht funktioniert, allerdings war da auch das Wetter besser und der Platz doch deutlich belebter als der Donaukanal, wo die Leute vorbeieilten, um schnell wieder ins Warme zu kommen.
So allerdings spielten die zwei für diesen Tag angesetzten Bands in ziemlicher Kälte und vor publikumstechnischer Minimalbesetzung. Vielleicht hätte man da einfach schon am Nachmittag beginnen sollen, wo die Konkurrenz der anderen Bühne sich noch in Grenzen gehalten hätte...

Im Odeon ist es aber schön warm und Frida Hyvönen konnte also in einem sehr luftigen, farbenfrohen Kleid auftreten. Von der schwedischen Songwriterin erlebte ich nur mehr die letzte Viertelstunde, die zwar musikalisch nicht ganz meinen Nerv traf (oder Amatorski zuvor waren einfach zu gut, auch möglich), aber dafür ein wenig mehr auf der Entertainment-Schiene unterwegs war als die Belgier.
Ein Apfel, der auf ihrem Klavier lag, dürfte als Running Gag eine große Rolle gespielt haben, auch mit ihrer Begleitung an den Backvocals erlaubte sie sich den einen oder anderen Scherz, der letzte Song Dirty Dancing blieb mir auch spaßig in Erinnerung. Er handelte von der alten Jugendliebe, die man irgendwann aus den Augen verliert und dann plötzlich als Rauchfangkehrer vor der Tür steht. Erinnern an vergangene Zeiten - Dirty Dancing mit dem kohlschwarzen Homie, schönes Wortspiel. Vergangene Zeiten müssen aber gar nicht so lang her sein, es reicht auch das Jahr 2007, als Frida Hyvönen mit Au Revoir Simone in den USA unterwegs gewesen sei und die nachfolgende Band sehr schätzen gelernt habe, man möge doch bitte bleiben.


 

Kein Problem - von denen hatte ich mir sowieso sehr viel versprochen. Viele andere taten das ebenfalls, denn der Saal füllte sich deutlich und bald waren alle Sitzplätze besetzt. Die Umbauphase bescherte der Bühne eine auf drei Pulte reduzierte Möblierung, die dann bald von den drei Mädchen in Beschlag genommen wurden. Die im Hintergrund montierten Leinwände wurden (im Unterschied zu farbenfroheren Visuals bei den Künstlern zuvor) anfänglich hauptsächlich grau-weiß bestrahlt, das weiße Bühnenlicht tauchte die Bühne in eine etwas düstere Atmosphäre und dürfte ein schönes Fotomotiv abgegeben haben. Ich fand den Anblick der fünf Fotografen, die am Steinboden vor der Band im Halbkreis saßen, lagen und sich verrenkten, sehr unterhaltsam. Wie fünf Raubtiere, die potenzielle Beute belagern. Rein fotografische Beute natürlich...
Optisch ansehnlich, rissen mich Au Revoir Simone jedoch nicht völlig mit, das Konzert geriet deutlich beatlastiger als ich es von den CDs gewohnt war und generell regierte etwas mehr die hippe Coolness als die Spielfreude, schien mir. Trotzdem bleiben die Songs der Brooklyner Band ausgesprochen gut, treibend und ausgelassen zugleich, gehen leicht ins Ohr und die abwechselnd eingesetzten Stimmen sorgen irgendwie für den Eindruck, bei jedem Song eine neue Person entdecken zu können.
Relativ am Ende gabs dann ein Cover von Mazzy Star, war halt kein ausgefallenes, sondern Fade into You, eh klar. Das war eigentlich recht gut und damit, die leicht distanzierte oder entrückte Coolness des Songs zu transportieren, taten sich die New Yorker auch nicht allzu schwer. Generell finden sich zwischen diesen beiden Bands einige Parallelen bzw. gemeinsame Vorlieben, Mazzy Star sind halt im Endeffekt doch gitarrenlastiger. Und eigentlich gefiel mir dieses Cover fast am Besten am gesamten Konzert, denn das abschließend präsentierte Shadows, auf das ich mich sehr gefreut hatte, erfasste mich nicht völlig. Soundtechnisch war das Konzert gegen Ende hin dafür nach einigen Adaptierungen sehr überzeugend und auch nicht mehr ganz so dumpf und unausgewogen wie zu Beginn. 


 Nach einem kurzen Besuch im Flex, um jemand abzuholen und 10 Minuten CSS (been there, done that), ging es dann ins Fluc, wo eine Labelnight anstand und die heimischen Velojet ihr mittlerweile viertes Album, glaub ich, vorstellten. Die Location war relativ voll und die Sicht auf die Bühne daher für mich eher eingeschränkt, ich hatte die Band aber zwei Wochen zuvor schon in ihrer Heimatstadt bei einem bumvollen Konzert - Heimspiel nennt man sowas wohl - erlebt und daher auch eine ungefähre Ahnung, was sich da so abspielt. Die vier wagen mit dem neuen Album Panorama nämlich gewissermaßen einen Neuanfang, allerdings eher in vermarktungstechnischer Hinsicht, das Album erscheint nämlich auf einem neuen Label, ist in Finnland aufgenommen worden und besonderer Wert wurde diesmal auf Vinyl gelegt. Die Songs sind von gewohnt hoher handwerklicher Qualität. Mit ihrer Mischung aus Indie-Rock, leicht melancholischem Songwriting und eingängigen Vocals werden Velojet zwar vermutlich nicht reich und berühmt, aber das Herzblut und die Energie, die sie in Musik und Liveauftritte stecken, macht die Band höchst sympathisch. Mit einer guten Stunde Auftrittszeit zwischen dreiviertel elf und dreiviertel zwölf hatten sie auch einen der besten Slots des ganzen Festivals und aufgrund geografischer Lage des Fluc auch kaum Konkurrenz zu dieser Zeit.
Vor allem Sänger Réne nutzte diesen Umstand und feierte mit dem Publikum ein Freudenfest, animierte es zum Mitsingen, der Schweiß rannte ihm von der Stirn und so erging es auch dem Publikum. Neben neueren Songs wie Angeldust, Cold Hands und Away! Away!! kamen gegen Ende hin auch einige wenige Stücke älteren Datums hinzu. Irgendwann kam dann mein Lieblingssong vom neuen Album, The Sea is the Ocean is the Sea. Eine interessante Gleichung!

Mathematisch auf einen Nenner kam ich allerdings nicht mit der Vorliebe der Band, die schönen gelben Vinyls wie beim Diskuswurf durch den Raum zu schleudern und derart zu verschenken, wie sie es schon beim erwähnten Konzert in Steyr geschehen war. Ein bissi mehr Liebe, herst!
Zu Ende ging das Konzert dann mit dem Klassiker I follow my Heart, das zu einer etwa zehnminütigen Version ausgebaut wurde und zur Manifestation der Livequalitäten der Band geriet. Alles in allem ein sehr gelungenes Release-Konzert der Band, für mich auch gleichzeitig das letzte des Abends.

Leider hat mir einmal mehr die Arbeit einen Strich durch ein vollständiges Waves-Wochenende gemacht, das Erlebte hat aber einmal mehr von der ambitionierten Umsetzung des Festivals überzeugt. Schlicht großartig, was da jedes Jahr auf die Beine gestellt wird - und jährlich kommt etwas dazu. Für Musikdiskurs-Interessierte sei daher auch gleich die superb besetzte Konferenzschiene des Festivals herausgehoben, von Panels zum slowenischen Musikmarkt, Feedback-Sessions mit Musikexport-Chefs aus ganz Europa (und Island vor allem
) und Diskussionen zu Vermarktungsstrategien von Indielabels war da so ziemlich alles dabei. Sollte man sich alles im Hinterkopf behalten - es muss ja nicht jedes Jahr das Primavera sein! (Also eigentlich schon, aber das Waves kann man als ideale Ergänzung ja trotzdem dazunehmen!) Das nächste Waves kommt nämlich ganz bestimmt. Aber bis dahin fließt noch ein wenig Wasser die Donau hinunter... 

aus unserem Archiv:

- Frida Hyvönen, Fontenay-Sous-Bois, 18.12.12
- Frida Hyvönen, Rennes, 21.03.09
- Frida Hyvönen, Paris, 08.12.08
- Frida Hyvönen, Paris, 12.12.06
- Au Revoir Simone, Paris, 20.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 18.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 26.02.07
- Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13 (Christoph)
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13 (Gudrun)


Vielen Dank für die Fotos vor allem an Patrick!


Sonntag, 6. Oktober 2013

Amatorski, Stuttgart, 04.10.13

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Konzert: Amatorski
Ort: Zwölfzehn in Stuttgart
Datum: 4. Oktober 2013
Dauer: 85 min
Zuschauer: 40-50


Amatorski ist hier zwischen Christoph und mir eines DER Ereignisse 2013. Unsere beiden  Berichte  vom Wiesbadener Konzert und von dem kürzlich in Frankfurt brennen vor Begeisterung und Verwunderung. Die CD tba läuft nach fast einem Jahr immer noch völlig unabgenutzt und mich begeisternd in meinem Wohnzimmer. Umso blöder das Gefühl sie im Juli zweimal hintereinander knapp verpassen zu müssen. Nun, im Oktober passte es endlich und ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Machte mich sogar auf den Weg nach Stuttgart, was immer irgendwie kompliziert ist wegen der doofen Zugverbindung und der überfüllten Autobahn.



Das Zwölfzehn kannte ich bis dahin noch nicht. Mir wurde aus vertrauenswürdiger Quelle versichert, es sei der beste Laden der Stadt... Da ich nicht so viele Läden in Stuttgart kenne, kann ich das nicht wirklich kommentieren, aber es gefiel mir im Großen und Ganzen gut. Als ich ankam, war die kleine Bühne vollgestopft mit Instrumenten. Links das Schlagzeug, rechts außen der Yamaha Miniflügel. Dazwischen noch Xylophon, diverse Effektinstrumente, zwei Keyboards und ein Gitarrenständer. Ich fragte mich spontan, wie die Musiker dort noch Platz finden würden.




Gegen 21:15 Uhr schließlich kamen sie hinter dem roten Vorhang hervor, quetschten sich an ihre Plätze und begannen das Set mit einem intensiven Instrumentalstück Empty robots Pt. 1. Mir fiel wieder ein, wie begeistert ich im Februar vom filigranen Spiel des Schlagzeugers  Laurens Van Bouwelen gewesen war.  Er war diesmal von mir aus gesehen am weitesten links. Deshalb gibt es von ihm keine Fotos. Sein Spiel hatte ich jedoch bestens im Blick und der ruhte immer wieder fasziniert auf dem, wie er sich im Drumset bewegte und was er für Klänge hervorzaubern konnte. Die Sängerin Inne Eysermans  und Sebastiaan Van den Branden mit seiner Gitarre standen jeweils nur etwa einen Meter von mir entfernt, Hilke Ros meist an zusätzlichen Tasten, manchmal auch am E-Cello stand etwas im Schatten weiter hinten im Set zwischen Inne und Sebastiaan.




Für das zweite Stück Almost dancing griff Inne zum ersten Mal zur Gitarre statt in die Tasten. Mein persönlicher erster Höhepunkt war das dritte Stück des Abends jedoch Soldier. Welche Intensität! Selbst Laurens, den Schlagzeuger hielt es für Momente nicht im Sitz. Welche Gänsehaut. Und wie verwandelt gegenüber der Version auf CD! Mit Peaceful gab es schließlich das erste Duett zwischen Inne und Sebastiaan und einen ersten Platzwechsel zwischen Inne und Hilke (zum Glück beide schlank genug für die nötigen Manöver auf der Bühne). Für 22. Februar griff Hilke endlich zum Cello. Das Stück war für mich fast nicht mehr erkennbar mit Reggea-artigem Rhythmus dargeboten. Spätestens hier wurde mir klar, dass die mir so vertrauten Titel in den Händen der Band inzwischen gewachsen waren und sich dabei gewandelt hatten. Das traf für fast alle Songs der Setlist zu - mal mehr mal etwas weniger.



Das Stück 8. November war z.B. tänzelnd wie ein Degengefecht bis es schließlich emotional explodierte. Für Warszawa gab es einen großen Xylophon-Part und es war nett zu sehen, wie Hilke sich verspielte und darüber den Kopf schütteln und lächeln musste.  Das Stück Cyrk präsentierte sich wie ein Bärentanz im Zirkus. 


Mein so vertrautes und geliebtes Tiny Bird brachte schließlich endlich ein echtes Duett von Sebastiaan und Inne (wie zauberhaft und schön!) - ausnahmsweise kein Schlagezeug, denn alle acht Hände ruhten auf Tasten. Der Rhythmus wieder eine tänzelnde, hüftenschwingende Rumba. Das nächste Stück How are you endete in einem famosen, explosionsartigen Ausbruch. Im Kontrast dazu hatte das letzte Stück I'll become a friend einen fast mystisch zu nennenden Einstieg.



Das Publikum kochte und natürlich gab es zwei Zugaben. Dabei das vielleicht schönste Stück des Abends Never told als Rumba mit wunderbarem Duett. Und weil wir auch danach noch nicht Ruhe gaben, den Hit Come home. Aber irgendwie konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie mit diesem Lied irgendwie durch sind. Es war für uns als Liebesgabe, aber für sie selbst eher nicht so interessant. Die Band war sichtlich gerührt über die Begeisterung des Publikums und das war für mich sehr schön zu sehen. 


Ich bin sehr gespannt darauf, was diese vier als nächstes vorhaben und wohin uns der Weg noch führen wird.


Setlist:
1: Empty robots Pt. 1
2: Almost dancing
3: Soldier
4: Peaceful
5: 22 February
6: 8. November
7: Warszawa
8: Anthem
9: Cyrk
10: Tiny bird
11: How are you
12: I'll become a friend

13: Empty robots Pt. 2 (Z)
14: Never told (Z)

15: Come home (Z)


Aus unserem Archiv:
Amatorski in Frankfurt am 30. September 2013 (Christoph)

Amatorski in Wiesbaden am 07. Februar 2013 (Gudrun)
Amatorski in Wiesbaden am 07. Februar 2013 (Christoph)

Interview mit der Bedroomdisko (kurz und knackig)

Weitere Fotos:







Dienstag, 1. Oktober 2013

Amatorski, Frankfurt, 30.09.13

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Konzert: Amatorski
Ort: Sankt Peter Café, Frankfurt
Datum: 30.09.2013
Dauer: 75 min
Zuschauer: gut 30 



Zugegeben, die Sinnfrage, warum ich so viele Nächte in düsteren Kneipen vor Bühnen verbringe, auf denen Bands spielen, von denen meine Freunde noch nie gehört haben (und auch nie hören werden), stelle ich mir selten. Die Antwort darauf wäre auch die immergleiche. Wegen solcher Konzerte wie heute. Ganz einfach.

Daß Leute, die sich nicht viel aus Musik machen, kleine Bands nicht kennen, verstehe ich. Gruppen, die hier vor 100 Leuten spielen, werden eben nur in einer sehr sehr kleinen Indie-Welt wahrgenommen. Daß allerdings auch ein Magazin wie die Intro eine der spannendsten Bands der letzten Jahren nicht kennt ("Nicht nur sind diese Motorama, die uns bisher nicht wirklich ein Begriff waren und nun da oben auf der Bühne ihrem eigenartig fröhlichen Post-Punk spielen, überraschend gut."), hat mich sehr verwundert. Die lesen uns offenbar zu wenig. Also liebe Intro, bitte mal notieren:


Amatorski sind eine junge Band aus Belgien, die ich Anfang Februar im Schlachthof in Wiesbaden gesehen hatte. Ich kannte die Belgier damals noch nicht, sie begeisterten mich aber so restlos, daß mir immer, wenn ich die besten Konzerte des Jahres im Kopf Revue passieren lasse, Amatorski sofort in den Sinn kommen.

Die vier jungen Beligier spielten heute im Sankt Peter Café in Frankfurt. Das Foyer der evangelischen Kirche war mit einigen Sitzgelegenheiten bestückt, es waren aber noch sehr wenige Besucher da, als ich kurz vor acht ankam. Um 20.15 erschienen die Musiker extrem schüchtern aus einem Seiteneingang und begannen mit einem sehr kurzen und einem längeren Instrumentalstück. 


Es war die gleiche Besetzung wie im Februar: Sängerin Inne Eysermans, Gitarrist Sebastiaan van den Branden, Keyboarder und Bassist Hilke Ros und Schlagzeuger Laurens van Bouwelen.

Obwohl die anderthalb Instrumentallieder schon toll waren, wurde die Stärke der Band erst bei Almost dancing richtig deutlich. Innes junger Gesang - zum Teil ganz leise dazugeloopt, wenn sie nicht sang - zu einer wundervollen Melodie. Wow! Ich kannte das Lied nicht, es war aber ein großartiger Auftakt.



Es folgten vier Titel vom Album TBC. Eigentlich mag ich darauf Soldier und Peaceful am meisten, heute waren aber 22 Februar und 8 November besonders beeindruckend. Bei 22 Februar hatte ich merkwürdige Assoziationen, für die ich von mindestens zwei Konzerttagebuch-Kollegen Prügel beziehen werde. Amatorski klingen manchmal wie eine coole, aufregende Version von Sophie Hunger, eine sehr coole und sehr aufregende! 8 November ist eine vollkommen unterschätzte Perle. Das Stück beginnt sehr leise und jazzig, es plätschert dahin. Irgendwann werden die vier lauter und lauter, die Melodie bleibt aber sehr ruhig und getragen, ruhig aber laut, kein Widerspruch. Vor allem Sebastiaans Gitarre schrammelt herrlich! Dazu erzeugen Keyboard und Becken schleifende Geräusche, die wie ein quietschendes Karussell im Wind klangen, im Hintergrund eine Glockenspiel-Kindermelodie. Oh, war das eindrucksvoll! 


Bei Warszawa, das wohl unveröffentlicht ist, das aber in Wiesbaden auch schon auf dem Programm stand, hatte ich den Eindruck, als habe Keyboarder Hilke das Glockenspiel-Ende ein wenig verpatzt, aber vielleicht sollte es auch so sein, es tat weder dem Lied noch dem Rest einen Abbruch.

Das nächste Lied Anthem war einer meiner heutigen Lieblinge! Das Stück hat einen kurzen Text, der immer und immer wiederholt wurde. Auch Anthem wurde im Verlauf lauter und ging in ein weiteres Lied über, das ich nicht kannte, Cyrk (polnisch für Zirkus), das schließlich leise ausfadete.

Sebastiaan hatte bis dahin immer wieder die zweite Stimme gesungen, die beiden folgenden Titel waren "echte" Duette mit Inne, ein Stilelement, das mir auch enorm gut bei Amatorski gefällt. Tiny bird ist auf einem Sampler erschienen, How are you? eine eigene Single. 


Nach einer guten Stunde verabschiedete sich Inne mit dem letzten Lied, einem neuen (I'll become a friend), um mit ihren Kollegen nach einer Minuten im Kircheninnenraum zurückzukommen. "Yeah, I lied. Every night I lie!" Diese feierliche Erklärung zur Zugabenlüge wurde durch einen lauten Schluckauf eines Zuschauers quittiert, was Inne herzhaft lachen ließ. Eine herrliche kleine Szene! 

Empty robots pt. 2, diesmal mit Gesang und das überragende Never told beendeten das Konzert, das die irre guten Eindrücke, die das in Wiesbaden hinterließ, kräftig bestätigte! Es war ein wundervoller Abend mit einer Band, die vor Talent nur so strotzt. Egal wie groß Amatorski werden, bei mir sind sie bereits riesig!
 

Setlist Amatorski, Sankt Peter Café, Frankfurt:

01: Empty robots pt. 1
02: Almost dancing
03: Soldier
04: Peaceful
05: 22 Februar
06: 8 November
07: Warszawa
08: Anthem
09: Cyrk
10: Tiny bird
11: How are you?
12: I'll become a friend (neu)

13: Empty robots pt. 2 (Z)
14: Never told (Z)

Links:

- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13



Samstag, 9. Februar 2013

Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13

2 Kommentare

Konzert: Amatorski mit Support Skirt
Ort: Kreativfabrik Wiesbaden (Ersatz für Schlachthof)
Datum: 07.02.2013
Zuschauer: ca. 50
Dauer: 35 min + 70 min


Die Ehrenbezeichnung Amateur kommt ja ursprünglich einer Person zu, die eine Sache so sehr liebt, dass sie ihr alle Zeit widmet, die sie irgend erübrigen kann. In slawischen Sprachen wird als Adjektivendung ein -ski angehängt.

Der Musikblog Nothing But Hope and Passion hatte mich vor Weihnachten auf die Tour und die Musik der flämischen Band Amatorski aufmerksam gemacht. Seitdem war in meinem Browser immer ein Tab geöffnet mit der Bandcamp-Seite. Den Termin in Wiesbaden hatte ich mir notiert. Anschließend habe ich das Wetter beobachtet und Varianten erwogen, wo ich in der Nacht bleiben könnte (und alle wieder verworfen). Ich habe mich gefragt, wie diese Musik wohl live präsentiert würde. Ob frickelige Beats gewinnen oder die Melodien (oder die Nervosität...). Es hat sich dann äußerst kurzfristig endgültig entschieden (mit einem hilfreichen Schubs von der Bedroomdisco), dass ich es wagte, dieser Frage höchstpersönlich nachzugehen. Wie ich den Zug nach Mainz geschafft habe, ist eine längere Geschichte und beim Umsteigen in die S-Bahn nach Wiesbaden hätte ich es fast noch versaut (die haben das Gleis 1 echt fies versteckt). Aber dann war ich kurz vor 21 Uhr in Wiesbaden auf dem Weg in den Schlachthof, um gegenüber die Kreativfabrik zu suchen. 

Ein bisschen mulmig wurde mir: Kein Mensch weit und breit in einer Industriebrache neben den Bahnschienen. Dafür ignorierten mich zahlreiche Kaninchen, die es in der Kälte besonders eilig zu haben schienen. Im Kellerclub angekommen gab es aber zur Belohnung eine nette Überraschung: Christoph hatte sich auch kurzfristig für Amatorski entschieden und so gab es ein überraschendes Treffen. Wie nett!



Da ich so knapp dran war, hatten wir auch nur gerade so Zeit uns zu begrüßen bevor Skirt die Bühne betrat und sehr pünktlich 21 Uhr ihr Set begann. Ich bin eigentlich nicht so sehr für den elektronischen Flügel der Indie-Musik begeistert, hatte aber hier Spaß daran, wie sich Stimme, Liveinstrumente und Playback zu einem ganzen fügten. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir The end and the start und Not counting trains. Sicher auch deshalb, weil durch die Einführung von Ursula Maurer ein nachvollziehbarer persönlicher Bezug zur Musik geknüpft wurde. Und das Thema Heimat ist auch für mich so ein blauer Fleck, der nicht abheilen will und in Resonanz zu dieser Musik trat und schmerzte.

Skirt spielt heut (Samstag, 9. Februar) im Berliner PlemPlem. Die Einladung des Ladens verrät mehr über die Musikerin und sei hiermit zur Lektüre empfohlen. Das Konzert und die Musik sowieso (*).

Nachdem die Bühne wieder frei war, wurde nur kurz umgeräumt - geradeso Zeit dafür ein Bier zu holen und zu leeren. Dann erklang als Teil der Pausenmusik schon das erste Instrumentalstück Fading von Amatorski und wir waren alarmiert: Es geht los!



An diesem Abend waren Amatorski:
Inne Eysermans  (songs, programming, vocals, piano, guitar)
Sebastiaan Van den Branden  (guitar, backing vocals)
Hilke Ros (upright bass, synth)

Laurens Van Bouwelen (drums, glockenspiel) 




Das Konzert entwickelte sich ab da zu einem still leuchtenden Juwel. Christoph hat vieles von dem beschrieben und ausgedrückt, was ich auch empfunden habe. Die Stimme von Inne ist wunderbar empfindsam und wurde im Duett mit Sebastiaan (leider noch zu selten) fast überirdisch beglückend. Es gab die ganz ganz leisen Töne und fast schon seichte Unterhaltung mit Come home (das jedem ein seliges Lächeln ins Gesicht malt) und so richtig wütenden Krach ohne Struktur. Die Ansagen machten uns die Truppe nur noch sympathischer. Mich faszinierte mal wieder der Drummer. Hinterher erst habe ich realisiert, dass er "nur" für die Tour eingesprungen ist. Aber er spielte sein Set häufig fast so, als würde er die Becken und Trommeln gesund-massieren. Und natürlich ist das für diese Art der Musik ein sehr wichtiger Aspekt, dass das Gefrickel im "Hintergrund" genau passt. Dass es im zweiten Lied ein Problem mit dem Mikro gab, hat die Truppe echt professionell gelöst und sich nicht verrückt gemacht. Sie haben uns dann im Zugabenteil das Stück noch einmal ohne Geknatter präsentiert. Die Instrumente wurden während des Sets häufig getauscht und mitunter haben drei Personen Keyboards beigesteuert. 

Im Anschluss an das Konzert hatten wir noch sehr nette Unterhaltungen mit allen Bandmitgliedern. Leider ist ihre Tour durch Deutschland ja schon wieder vorbei. Aber die CD tbc bekommt dieser Tage ein Deutschland-Release in dem die vier Lieder der ersten EP Same stars we shared beigelegt sein werden.





Erst hinterher zu Hause (ich verstehe mich manchmal selbst nicht, weil ich mich ja eigentlich schon lange mit der Musik beschäftigt hatte, aber eben kein bisschen mit den Personen oder der Band) habe ich dann verstanden, dass die Truppe in ihrer Heimat so richtig groß ist. Ich kann das nach dem Konzert gut verstehen und werde mich nun bis zum nächsten Liveerlebnis als Evangelistin versuchen und die gute Nachricht von Amatorski in Deutschland verbreiten helfen. Dieser Konzertabend in Wiesbaden war ein wunderschönes Erlebnis, wie ich es mir immer wieder wünsche: aufmerksames Publikum, Freunde die das Erlebnis teilen und der magische Moment, einer Band lauschen zu dürfen, die im wörtlichen Sinn amateurhaft ihre Musik liebt und lebt.

Setlist:
 
(Fading)
22 Februar
Soldier
Same Stars We Shared
The King
Come home
8 November
Warszawa (*)
Peaceful
How are you? (*)
Tiny bird (von Compilation)
Anthem

Soldier (Z)
Never told
(Z)


Aus unserem Archiv:
Bericht von Christoph

(*) wieso das Label gleichzeitig schreibt, sie spiele heut in Heilbronn, erschließt sich mir leider nicht.



 

Konzerttagebuch © 2010

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