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Dienstag, 3. November 2015

Apparat, New Fall Festival + ELECTRI_CITY Konferenz Düsseldorf, 29+30.10.2015

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Konzert: Apparat, New Fall Festival, ELECTRI_CITY Konferenz
Ort: Düsseldorf, Robert Schumann Saal, NRW Forum
Datum: 30.10.2015
Dauer: 80 min
Zuschauer: 800


Apparat, das musikalische Projekt von Sascha Ring gastierte im Rahmen des New Fall Festivals in Kooperation mit der gleichzeitig stattfindenden ELECTRI_CITY Konferenz im Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf.

Die Konferenz besuchte ich am Nachmittag spontan, ich hielt sie nach kurzer Sichtung der Webseite für ein launiges Fantreffen mit nerdigem Charakter. Doch weit gefehlt: Hier waren echte Wissenschaftler am Werk, die vor größtenteils anderen Wissenschaftlern über ihre Arbeit am Projekt der Band Kraftwerk referierten. 


Das war spannend, teilweise lustig und vor allem interessant, kam es doch im Anschluss an jeden Vortrag doch noch zur Konfrontation mit langjährigen Fans, die es zum Beispiel gar nicht wissenschaftlich fanden, wenn man die Fanszene von Kraftwerk in Ermangelung anderer verwertbarer Quellen anhand von You-tube und Facebook-Kommentaren definieren wollte. 

Ein toll gelaunter und gut gekleideter Peter Hook (Joy Division, New Order) plauderte im Anschluss freizügig aus seinem bewegten Leben und wie es sich anfühlt, wenn der eigene Sohn auf der Bühne neben einem steht und genauso Bass spielt wie man selber früher. 


Danach gab er noch bereitwillig Autogramme und zeigte so gar keine Starallüren, die man vielleicht hätte erwarten können. Später lockerte sich bei Freibier und kleinen Snacks die Runde nochmals und bei einem von Klaus Fiehe geleiteten Podiumsgespräch wurde die Bedeutung von "Düsseldorf für die elektronische Musik" im allgemeinen beleuchtet. Hans Nieswandt und Thomas Venker plauderten locker mit dem Autor des Buches Electr_city (Rüdiger Esch) und der Produzentenlegende Mark Reeder über alte und neue Zeiten in der Musik. Ob dabei Düsseldorf wirklich einen größeren Einfluss hatte, außer das die KlingKlang Studios eben dort standen und Kraftwerk eigentlich überhaupt keinen Bezug zu den sonstigen Musikern der Stadt pflegten, blieb letztlich unklar.

Fakt ist aber, dass mit Apparat mit Sicherheit einer der interessantesten Künstler der aktuellen elektronischen Musik vertreten ist, jedoch die anderen Live-Acts der Konferenz (mit Heaven 17 und Michael Rother) mehr der geschichtlichen Aufarbeitung verschrieben waren. Apparat füllen mit ihrem Equipment die nicht gerade kleine Bühne des Saals fast vollständig. Dahinter eine ebenso imposante Leinwand die den ganzen Set über live produzierte Filme zeigen sollte. Diese wurden von einem imposanten Gebilde mit Monitoren und Kameras verfremdet und direkt an den Beamer weitergeleitet. 


Leider war es ansonsten auf der Bühne so dunkel, dass man diesen und viele andere Prozesse kaum verfolgen konnte. Das war umso bedauerlicher, da extrem viele Instrumente zum Einsatz kamen. Von Blockflöte bis zu Geige und Kontrabass war alles vertreten. In der Mitte Sascha Ring am Keyboard, mit Gitarre und selten auch mit Gesang. Das ganze beginnt mit sphärischen Stücken, noch ohne Bass und Beat, der Tourname "Soundtracks" scheint wirklich Programm zu sein. 


Nervig erweisen sich die Strobolichter auf dem Boden der Bühne, sie zielen leider genau in Augenhöhe in die bestuhlten Reihen und unterbrechen so leider oft den Genuss der Musik, da man sich halbblind abwenden muss. Die Stille und Ehrfurcht des Publikums ist etwas übertrieben, erst nach ca.45 Minuten bricht der erste Applaus los und die Musiker sind sichtlich erleichtert. Zum Ende des rechten kurzen Sets hin schwillt der Sound immer mehr an, jetzt werden die Stücke fast tanzbar, und durch jetzt eingesetzte Schlaginstrumente auch rhythmischer. Nach einer kurzen Zugabe ist dann auch schon das Ende erreicht, die Band verbeugt sich artig und tritt ab.


Eine Show wie diese zeigt wie innovativ deutsche Musik sein kann und daher ist es auch kein Wunder das Apparat damit in der ganzen Welt ausverkaufte Theater bespielen können. Im eigenen Land gilt man da eher noch als Exot, Nils Frahm teilt ein ähnliches "Schicksal". Genau dies war auch in der Talkrunde immer wieder Thema, egal ob Nirvana in Seattle oder Kraftwerk in Düsseldorf. Im eigenen Land haben es die Propheten immer schwerer.


Es bleibt ein tolles Konzept, teilweise ohne Eintritt bekam man viel Prominenz und geballtes Wissen auf der Konferenz geboten. Abends dann noch ausgewählte Künstler die nicht jede Woche in NRW zu bewundern sind. Eingebettet in das ohnehin sehenswerte New Fall Festival entsteht so in Düsseldorf hoffentlich eine neue "Düsseldorfer Schule".


Dienstag, 14. Oktober 2014

Peter Hook and The Light, Paris, 07.10.14

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Peter Hook and The Light
Ort: La Machine du Moulin Rouge, Paris
Datum: 07.10.14
Zuschauer: viele, vielleicht 600
Konzertdauer: drei Stunden !



Peter Hook ist einer der Allergrößten, das mal vorausgeschickt. Wer mir hintereinander drei sensationelle Konzerte beschert, kann nur dufte sein. Und meinen Segen braucht er ja eh nicht, alle wissen daß er einer der größten Bassisten der Musikgeschichte ist. Zweifel besteh eher hinsichtlich seiner Gesangeskünste und seiner Legitimität, den Joy Division- und nun auch den New Order Katalog live abzuspulen. Zu der zweiten Sache darf man mal getrost sagen: alle die Hooky dafür kritisieren, altes britisches Liedgut wieder neu zu beleben, sollen sich mal ganz bedeckt halten, Barney Sumner allen voran. Peter Hook hat verdammt noch mal das Recht diese Songs zu spielen, er war wichtiger Teil dieser Bands und viele Fans wollen das Material hören. Zumal Hooky seine Sache saugut macht. Zu den stimmlichen Fähigkeiten des Ausnahmebassisten: die sind sicherlich eher begrenzt. Wobei er sehr gut den grimmigen hundgesmeinen Tonfall von Ian Curtis imitiert bekommt. Viel schwieriger fällt es ihm, das dünne unschuldige Sentimentalstimmchen von Barney Sumner nachzumachen. Da trifft er selten ganz genau die richtigen Töne, das war auch heute nicht anders.



Dass es dennoch auch hinsichtlich des New Order Teils des Konzertes fantastisch wurde lag an den herausragenden Instrumentalparts und auch dem mitsingenden Gitarristen der Band The Light, der die Stimme von Barney recht gut hinbekam und Hook gesanglich immer wieder untertstützte.



Der erste Teil in dem alte Joy Divsion Hits gebracht wurden, war eh überragend. Zwar fehlten Highlights wie Transmission, Shadowplay, oder Atmosphere, aber imerhin bekamen die Fans eine messerschafe Version von She's Lost Control zu hören, die ähnlich gut wie das Original klang. Zudem gab es das selten gespielte Atrocity Exhibition, ein angsteinflößender Song, bei dem Ian Curtis live immer total ausgerastet ist: "This is the way step inside, this is the way step inside !! " Auch Digital und New Dawn Fades wurden tadellos performt, wobei der Sohnemann von Hooky am zweiten Bass viel zu tun hatte, weil sein Vater oft nicht Bass spielte, sondern stattdessen den Arm regelmäßig gen Himmel riss. Eine eigenwillige, etwas verstörende Geste, die sich Hook wohl nicht abgewöhnen kann oder will.




Nervig war das abrupte Ende des ersten Teils. da gingen die Musiker wortlos nach Atrocity Exhibition von der Bühne und sofort im Anschluß wurde Take Me Out von Franz Ferdinand vom Band auf die unschuldigen Leute im Publikum abgefeuert. Da standen die Zuschauer dann etwa eine viertel Stunde blöd und ratlos rum (gab es etwa technische Probleme ?- das fragten sich so einige), bevor Hook and The Light wiederkamen und mit New Order fortfuhren. Die Alben Low Life und Brotherhood standen nun auf dem Programm. Beide hatte ich ewig nicht mehr gehört, wobei The Perfect Kiss (von Low Life) und Bizarre Love Triangle ja nun Songs sind, die eigentlich jeder kennt und die ich natürlich auch für immer im Ohr habe. Ob alle Fans die gesamten Alben noch auswendig kennen, wage ich allerdings zu bezweifeln. So plätscherten dann ein paar Nummer dieser beiden Machwerke ein wenig kommentarlos vor sich hin, wenngleich kein einziger wirklich schwacher Song performt wurde, dazu spielte die Band auf der Bühne einfach zu großartig auf. Alles war so sensationell druckvoll, präzise, tight, eine Wonne ! Und die Synthieparts klangen viel besser als auf Platte, weil man in den 80er Jahren billige Drumcomputer einsetzte, die unfassbar steril vor sich hin schepperten.

Vor dem integralen Performen von Low Life und Bortherhood wurden aber noch drei andere Lieder vorangestellt, darunter eine gelungene Instrumentalnummer und der Hit Thieves Like Us vom Album Power Corruption & Lies. (zumidnest auf der Deluxe Edition enthalten) Eine sehr großzügige Sache wie ich finde, da beschränkte man sich eben nicht nur auf zwei Alben, sondern bot den Fans noch viel Bonusmaterial.


Highlights im New Order Teil waren sicherlich Perfect Kiss, Love Vigilantes (" Iwant to see my family, my wife and child...") und das herrlich schnelle und postpunkige Sunrise hinsichtlich Low Life und Weirdo (herrlich beschwingt und euphorisierend !) , Bizzare Love Triangle  + der ersten hervorragenden Zugabe State of The Nation bezüglich Brotherhood.

Wobei ich mich schwer tue, Highlights besonders hevozuheben, denn das Schöne an diesem Konzert war, daß selbst vermeintlich schwächere Albumtitel ordentlich aufgemotzt wurden und in neuem Glaz erstrahlten. Selbst die Instrumentalnummern waren keineswegs langweilig, sondern packend und anregend. Zu Elegia setzte sich Hooky auf ein Stühlchen und performte ganz alleine. Es klang fast nach einer Zither, was er da zusammenzupfte, großartig ! 

Fast drei Stunden lang wurde in Nostalgie geschwelgt und vor allem die älteren Zuschauer, die von Joy Divsion und New Order in ihrer Jugend geprägt wurden, hatte ihre helle Freude.

Im Zugabenteil wurden dann auch noch einmal allerletzte Reserven freigemacht. Hooky schnaufte zwar schon aus dem letzten Loch, aber mit True Faith und Temptation wurden noch mal Kracher rausgehauen, die die Massen elektrisierten. Plötzlich tanzten viele Pogo, es wurde richtig wild. Das i- Tüpfelchen war dann die nichtgeplante Übernummer Love Will Tear Us Appart, bei der alle mitsangen und die Stimmung überschäumte. (Video von youtube Nutzerin Vio V)


Danach ließ sich Peter Hook zu recht feiern. Er hatte sein Shirt ausgezogen und gab den Blick frei auf einen gut austrainierten Oberkörper. Vielleicht hat er ein kleines Bäuchlein, aber bei ihm wirkt alles fest und kompakt. Wie der musikalische Teil im Übrigen.

Welche New Order Alben wird er uns wohl auf der nächsten Tour präsentieren ? Man darf gespannt sein, wie weit er das Spielchen noch treibt !

Definitiv eines der Konzerte des Jahrs 2014 ! 

- Die Fotos © stammen aus meinem Archiv.




Freitag, 2. August 2013

Peter Hook & The Light, Hyères, 26.07.13

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Konzert: Peter Hook And The Light
Ort: Hippodrome de la plage, Hyères, Südfrankreich
Datum: 26.07.2013
Dauer: 60 min
Zuschauer: etwa 1.000


Was für ein herrlicher Geburtstag! Tagsüber weideten sich meine alten lüsternen Augen an den ganzen jungen, knackigen Mädchen, die am Strand mit String Tangas und gepiercten Bauchnabeln entlangspazierten, abends ging es gemeinsam mit meiner Süßen zum herrlichen Midi Festival In Hyères. 

Unter Pinien traten hier bei bestem Sommerwetter im Hippodrom insgesamt vier Bands auf, darunter der ehemalige Bassist von Warsaw, Peter Hook, der zusammen mit seiner jungen Truppe The Light um 22 Uhr 30 angesetzt war. Auf ihn will ich (zumindest zunächst) meine Berichterstattung konzentrieren. 


Hooky wie ihn die Fans liebevoll nennen, hatte mich schon im letzten Jahr bei einem Clubkonzert in Paris total weggeblasen und deshalb waren die Erwartungen an diesen Festivalauftritt in Südfrankreich auch turmhoch. Würrde er mich wieder in Euphorie versetzen? Alle Zweifler verstummen lassen, die ihm unterstellen, er tingele nur der Kohle wegen mit den alten Klassikern von Joy Division durch die Lande? 



Spätestens um 23 h 30 als die letzte Note von Love Will Tear us Apart verklungen war, hatten ich, hatten alle die Antwort bekommen. Ja, er konnte mich erneut begeistern und ja, er stopfte fast allen ihr blödes Maul. Klar gab es trotz des Sensationsgigs noch ein paar Nörgler, aber man kann und muss es nunmal nicht allen recht machen. Was wollte man schließlich auch mehr? Es gab alle großen Hits (She's Lost Control, Shadowplay, Radio Transmission, Love Will Tear Us Apart), aber auch ein paar Nummern, die die oberflächlich Interessierten nicht wirklich kannten (These Days, 24 Hours, Warsaw). Für mich war die Setlist mehr als ein Geburtstagsgeschenk, es war als fielen mehrere Feiertage gleichzeitig Zumal ich das große Glück hatte, akkreditiert zu sein und vorne im Fotograben Hooky und Band aus nächster Nahe in Aktion zu sehen. Ich stand direkt vor den großen Boxen! Der Sound war aus dieser Distanz einfach obergeil, die scharfen Bässe (gespielt von Hooky, aber vor allem auch von seinem Sohnemann), die astreinen Gitarrensoli und das trockene, punktgenaue Schlagzeug, all dies nahm ich ganz bewusst und sehr intensiv wahr. Das Ganze war so ungeheuer rhythmisch und tanzbar, dass ich es nicht aushielt und tierisch abhottete. Mit wild zuckenden Bewegungen reagierte ich auf die ungemein modern klingende Musik da vorne und scherte mich einen feuchten Kehricht darum, was die anderen Fotografen oder die Zuschauer in den ersten Reihen dachten. She's Lost Control und Shadowplay hintereinander, wer kann da noch stillhalten? Ich nicht!





Hooky selbst war auch sehr agil und herrlich agressiv. Nicht nur sein Gesang klang hundsgemein und angrifslustig, sondern auch seine Gestik (das permante Armheben!) sprach Bände. Immer wieder baute er sich posend am Bühnenrand auf und hielt mit gespreizten Beinen seinen Bass demonstrativ vor seinen gut durchtrainierten Körper (kleiner Bauch, aber alles fest, man würde sich die Hand verletzen, schlüge man da rein), so als wolle er sagen: "der geilste Bassist aller Zeiten, das bin ich, alle andern sind Lutscher!" 

Aber auch gesanglich bekam er den Ian Curtis Part bestens hin. Jeder, der zum ersten Male Liveaufnahmen von Joy Division gehört hat, wird erstaunt sein, wie fuchsteufelswild und laut Ian sang, ganz anders als auf den von Produzent Martin Hannett geschönten und geglätteten Studioaufnahmen. Und sehr sehr ähnlich intonierte auch Peter Hook. Es wirkte trotzdem nicht wie eine Parodie, oder eine Imitation, denn die Agressivität nahm man Hook bedingungslos ab, sie wirkte nicht gekünstelt. 

Als die Fotografen nach ein paar Liedern (erstaunlicherweise durfte man 5 Songs lang vorne bleiben, üblich sind in der Regel drei) dann ihre Stellung im Graben verlassen mussten, war ich bereits vollkommen high. Hormone hatten für einen explosiven Cocktail gesorgt, in meinem Gehirn fanden sich sicherlich noch deutlich später Spuren von Adrenalin, Endorphin, Serotonin und was weiß ich noch was alles. 

 Musik kann wie eine Droge wirken, selten war dieser Satz so wahr wie in jener lauschigen Sommernacht. 

Mein Hemd war vom Tanzen inzwischen pitschnass, aber es ging noch eine halbe Stunde mit postpunkigem Dauerfeuer weiter. Twenty Four Hours und Dead Souls weckten mit ihren harten Rhythmen (das Schlagzeug erinnerte bsiweilen an Peitschenschläge) noch die totesten aller Seelen auf und nicht sehr viel später kam mit Ceremony sogar noch der beste (und einzige) Song von New Order. Sogleich klang alles ein wenig fröhlicher, melodischer und poppiger, wenngleich dieses Lied noch ganz klar an die Vorgangerband erinnerte. Ceremony, das sind noch nicht die elektronischen New Order, wie wir sie in den späteren 1980er Jahren kennenlernen sollten. 



Interessanterweise wird dieser famose Titel auch noch von Barney Sumner regelmäßig gespielt, eine der wenigen übriggebliebenen Gemeinsamkeiten zwischen dem New Order Sänger und dem ex-Bassisten dieser Band. Barney mag die frühen Sachen von New Order nicht, Hooky liebt sie. 

Barney wurde ich allerdings nicht zutrauen, den Joy Divison Katalog ähnlich gelungen live zu präsentieren, da fehlt ihm einfach die Kraft, die Wut und die Schizophrenie in der Stimme. Love Will Tear Us Apart, das natürlich auch beim Midi Festival den krönenden Abschluss bildete, spielt allerdings auch Barney immer noch am Ende von New Order Konzerten und dies definitiv gleich gut. 

Für mich gab es am Ende des 26. Juli allerdings trotzdem nur einen Helden: Peter Hook. Sumner und seine Kollegen waren mir an diesem tollen Tag einfach mal vollkommen egal, sollen sie über Hooky lästern wie sie wollen. 

Es wurde deutlich: Peter Hook is Joy Division. In ihm lebt die Legende weiter. 

Einen besseren Nachlassverwalter kann ich mir einfach nicht vorstellen. Ian Curtis würde sich angesichts der Darbietungen seines Bassisten nicht im Grab rumdrehen, sondern ihm vom Himmel aus zujubeln. 

Setlist Peter Hook & The Light, Midi Festival, Hyères: 

01: No Love Lost 
02: Digital 
03: Disorder 
04: She's Lost Control 
05: Shadowplay 
06: Isolation 
07: Twenty Four Hours 
08: Dead Souls 
09: These Days 
10: Warsaw 
11: Failures 
12: Ceremony (New Order) 
13: Transmission 
14: Love Will Tear Us Apart 

* Foto Archivaufnahme. Aktuelle Bilder folgen in Kürze.


Freitag, 25. Januar 2013

Meeting mit Peter Hook (Warsaw, Joy Division, New Order), Paris, 21.01.13

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Meeting mit Peter Hook (Warsaw, Joy Division, New Order)
Ort: Le Môtel, Paris
Datum: 21.01.2013
Zuschauer: sehr viele, etwa 150
Dauer: etwa 40 Minuten Interview



Kein böses Wort über Barney Sumner oder die schmerzvolle Trennung von New Order, keine Auseinandersetzung mit der der Frage, was die übrigen alten Bandmitglieder von Joy Division oder andere der Gruppe Nahestehende davon halten, daß er, Peter Hook, mit alten Joy Division Alben auf Tour gegangen ist.

Klarer Fall, daß hier war eher eine Promoveranstaltung als ein kritisches Interview mit Peter Hook.

 

Hooky war extra nach Paris gekommen, um seine beiden inzwischen auf französisch übersetzten Bücher "Unknown Pleasures- Joy Division vu de l'interieur" und L'Haçienda- la meilleure façon de couler un club"* zu vermarkten und im kleinen Indieschuppen Le Motel dem englischen Moderator Rede und Antwort zu stehen. 


Die kleine Herrenrunde wurde aufgelockert durch die charmante Übersetzerin und Dolmetscherin Suzy Borello, der es zu verdanken ist, daß die Franzosen die Werke nun in ihrer Landessprache lesen können.

 

Hooky, Suzy und der mir nicht namentlich bekannte Moderator saßen auf der kleien Fäche, die ansonsten hier meist von lokalen Bands als Bühne genutzt wird  und unterhielten sich äußerst entspannt und angeregt. Erstaunlich wie gelöst Peter Hook wirkte. Er lächelte oft, bewies Charme und Witz und schien sichtlich Spaß an der Veranstaltung zu haben. All diejenigen, die einen agressiven,verbitterten Kotzbrocken erwarteten, wurden eines Besseren belehrt. Der ex-Bassist von Joy Divion war die Ruhe selbt, sprach mit sanfter Stimme, lobte immer mal wieder die engagierte Übersetzerin und ging extensiv auf die Fragen ein.



Warum er denn mit den alten Platten von Joy Division auf Tour gegangen sei? Na, weil die Lieder nach wie vor großartig seien und viele unbekannte Songs schon damals eher selten gespielt wurden. Insight sei so ein Beispiel, ein klasse Song, den nicht viele kennen. Er habe sich von Bobby Gillespie von Primal Scream inspirieren lassen, der mit Screamadelica getourt war. Warum nicht selbst noch einmal mit den alten Songs von Joy Division durch die Städte ziehen? Das gab es nie nach dem Tode von Ian Curtis und das sei rockhistorisch gesehen ein Kuriosum. Keine spezielle Tour zum 10, 20 oder 30 Jährigen Jubiläum der Alben Closer oder Unknown Pleasures, keine Festivalauftritte mit Joy Division Material, nichts. Aber gut, das habe daran gelegen, daß New Order eben noch aktiv war. Als er dann bei New Order ausgestiegen ist, hatte er plötzlich wieder die Zeit und Muße sich mit Joy Division zu beschäftigen.  Erst 2010 habe er noch einmal die Platten gehört und festgestellt, daß die Lieder super und gut gealtert seien. Dem Produzenten Martin Hannett habe er auch jetzt, 33 Jahre (!) später, die ihm damals zu glattgeschmirgelte Produktion verziehen. Er habe damals lieber wie The Clash oder The Sex Pistols klingen wollen. Überhaupt The Sex Pistols. Als er Barney, Ian und Stephen1976 das kultige Konzert der Pistols in Manchester in der Lesser Free Trade Hall gesehen haben, wussten sie, daß sie auch als Band durchstarten wollen. Zudem habe er, Hooky, sich gesagt: "was die da machen, das kannst du auch." Led Zep, die er sehr schätze, habe er in dieser Zeit auch gesehen, aber die zu kopieren war ihm musikalisch viel zu anspruchsvoll, das traute er sich nicht zu. Joy Divison wollten also ein wenig wie die Pistols klingen, beziehunsgweise genauso energiegeladen und wild live auftreten, aber auch von The Doors waren sie besessen und stark beeinflusst.


Da hakte dann der Morderator ein, sagte The Doors seien unter Tausenden erkennbar durch das markante Orgelspiel von Ray Manzarek, Joy Division hingegen durch das einzigartige Basspiel von Hooky. Der Gelobte nahm das Kompliment gerne an und klopfte sich selbst auf die Schulter: "ja, stimmt, keiner spielte und spielt den Bass wie ich und das Tollste für mich ist, wenn junge Musiker auf mich zukommen und mir sagen: "ich habe deinetwegen mir dem Basspielen angefangen. Diese Art von Selbstbeweihräucherung wirkte aber nie zu penetrant oder unangenehm, weil Hooky dabei immer schelmisch grinste und das Ganze mit einem gewissen Augenzwinkern versah. So als wolle er ausdrücken: "tut mir leid, ich spreche einfach nur Wahrheiten aus, so ist es eben" Gleiches Bild als Hook sagte: "Manchester ist immer noch die wichtigste und einflußreichste Musikstadt der Welt, wer wolle das ernsthaft bestreiten?" Fast hätte ich reingerufen: "was ist denn mit Brooklyn oder Portland, Oregon?", aber dazu kam ich gar nicht, weil der englische Moderator meinte: ist Liverpool nicht die wichtigste Musikmetropole der Welt? (Anmerkung von mir: die sind lustig, die Engländer!).


Wie ein gütiger Lehrer gab sich Hooky beim Thema Auftreten einer jungen Band. Man müsse 100 % an sich glauben und denken, man sei großartig, sonst könne man das den Leute nicht übermitteln. Aber man müsse auch ziemlich bescheuert sein und kein Sicherheitsdenken haben. Es sei sicherlich vernünftiger, einen ordentlichen Beruf zu ergreifen. Sie selbst seien damals enthusiastisch, aber auch sehr naiv gewesen, hätten nie geglaubt, daß es mal einen solchen Kult um die Band geben würde. Aber er wolle nicht verschweigen, daß er es dadurch zu Wohlstand gebracht habe. Seine beiden Wagen seinen jedenfalls keine Gebrauchten ("no crappy cars"), sondern eher ziemlich tolle Modelle. Er könne sich wahrlich nicht beschweren, wisse aber, daß er ziemlich viel Glück gehabt habe. Wenn er neben dem frühen Tod von Ian Curtis etwas bedauere sei das, daß so viele Mithelfer der ersten Stunde heute nicht finanziell von dem Boom profitierten könnten, Martin Hannett (der Produzent), Rob Gretton (der Manager von Joy Division und New Order) und Tony Wilson (der Labelboss von Factory) seien tragischerweise so früh gestorben.

 


Bezüglich New Order gab er sich diplomatisch und pragmatisch. Für die Fans sei es doch toll, daß man 2013 die Chance habe, New Order gleich in zwei Bandformationen zu sehen, ihn als Peter Hook and The Light, der mit Movement ("the album sounded like Joy Division but it had New Order Lyrics") und Power, Corruption and Lies auf Tour gehe und New Order mit Barney. Diese beiden Alben seien ihm in der Diskografie sowieso am liebsten, während Barney sie nie wirklich mochte, weil sie noch so viel mit Joy Division zu tun hatten.

 


Über das Thema Haçienda wurde nicht viel gesprochen. Der fatale Niedergang des falsch geführten Nachtclubs in den New Order viel eigenes Geld gesteckt hatten, blieb weitestgehend außen vor, wichtiger war das Thema Joy Division. Hooky habe das Buch geschrieben, um als Insider die Sachen darzustellen und auch mit gewissen Fehlvorstellungen aufzuräumen. Ohne es gelesen zu haben: eine Abrechung mit den anderen Bandmitglieder scheint es keinswegs zu sein. Eher eine persönliche Darstellung mit der Distanz der Jahre, die dazu führt, daß man über einiges heutzutage eher lachen kann. Peter Hook liebt Joy Disbion, es ist ein ganz wichtiger Teil seiner Existenz. Als reine Coverband will er Peter Hook and The Light aber nicht verstanden wissen. Das habe in England immer so einen ranzigen Beigeschmack. Bei ihm geht es vielmehr darum, die Lieder nicht sterben zu lassen und wie oben geschildert auch unbekanntere Songs ins Rampenlicht zu stellen.


Auch das ähnlich chaotisch wie die Hacienda geführte Factory Label kam kurz zur Sprache. Erstaunlicherweise meinte Hooky hierzu, daß Factory die Art und Weise, wie Record Labels arbeiten, entscheidend geändert hätte. Da fragte ich mich natürlich: "wie meint er denn das jetzt? Factory ist durch Missmanagement pleite gegangen, Maßstäbe im ordentlichen Führen eines Labels haben sie in wirtschaftlicher Hinsicht ja wohl keine gesetzt. Aber nun gut, solche Interviews sind dann trotzdem oft zu kurz, um mehr in die Tiefe zu gehen und Vorgänge richtig zu erklären.

 

Dennoch: immerhin stand Peter Hook 40 Minuten lang Rede und Antwort und nahm sich dann noch alle Zeit der Welt, um Bücher zu signieren und für Erinnerungsfotos zu posieren.

Auch mein Konzertticket von dem Sensationsgig im Trabendo hat er unterschrieben. Der Gig wurde von den Lesern eines sehr bekannten Pariser Newsletters deutlich auf Platz eins gewählt, bei mir landete die Show auf Platz zwei.

Wo wird Peter Hook am Ende des Jahres 2013 mit Movement und Power Corription & Lies landen? Sicherlich weit vorne!



* In der englischen Originalausgabe heißen die Werke "Unknown Pleasures: Inside Joy Division" und "The Haçienda: How Not To Run A Club"



Dienstag, 18. Dezember 2012

Peter Hook and The Light playing Joy Division, Paris, 17.12.12

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Konzert: Peter Hook & The Light playing the album Closer and other tracks by Joy Division
Ort: Le Trabendo, Paris
Datum: 17.12.2012
Zuschauer: 600 etwa, fast ausverkauft
Konzertdauer: 100 Minuten



Da fehlten selbst den erfahrensten Konzerthasen die Worte. Nach dem unfassbar genialen Auftritt von Peter Hook & The Light, die das Album Closer und andere Titel von Joy Divison gespielt hatten, konnten wir nur noch bekifft grinsen und uns ungläubig ansehen. So als wollten wir uns gegenseitig fragen: "Hast du das gesehen? War das nicht der helle Wahnsinn? Gab es ja schon mal was Geileres?"



 

Aber genau für solche epischen Konzerte leben wir Gigjunkies. Obwohl wir im Jahr 200-250 Shows sehen, erleben wir maximal 5, manchmal nur 3, in schlechten Jahren sogar nur eines dieser besonderen Sorte.


Und heute war es mal wieder soweit. Alles stimmte. Der Sound, die Atmosphäre, die Songs, die Stimmung. Peter Hook imitierte 140 Minuten lang den agressiven Baritongesang von Ian Curtis, seine Band The Light, in der sein Sohn den Bass zupfte, spielte punktgenau und wahnsinnig schmissig und ein kultiges Stück jagte das Nächste. Ich übertriebe nicht, wenn ich sage, daß das Original teilweise deutlich getoppt wurde. Besonders der Track Decades wurde sagenhaft gut performt.



Ansonsten guckt euch einfach die Setlist an. Was soll man da noch sagen?! Isolation, Shadowplay, She's Lost Control, Radio Transmission, Love Will Tear Us Apart und als abolute Krönung noch Ceremony von New Order. Wow!!



Hooky du bist ein ganz Großer, besser ging's nicht!

Forever Joy Division! Die Legende lebt!

Setlist Peter Hook & The Light, Trabendo, Paris

01: Atmosphere
02: Dead Souls
03: Leaders Of Men
04: Novelty
05: Atrocity Exhibition
06: Isolation
07: Passover
08: Colony
09: A Means To An Ende
10: Heart & Sould
11: Twenty Four Hours
12: The Eternal
13: Decades

14: These Days
15: Disorder
16: She's Lost Control
17: Shadowplay

18: Digital
19: The Drawback
20: Transmission
21: Love Will Tear Us Apart

22: Ceremony (New Order)




Mittwoch, 8. Februar 2012

Peter Hook and the Light, Luxemburg, 07.02.12

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Konzert: Peter Hook and the Light
Ort: den Atelier, Luxemburg
Datum: 07.02.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft aber ganz gut gefüllt*
Dauer: 85 min


Als das Publikum bei der letzten Zugabe Love will tear us apart so laut sang, daß sich Peter Hook an den Bühnenrand stellte und feststellte "you don't need me", fragte ich mich, wie viel Wahrheit wohl in dieser Aussage steckte...

Natürlich habe ich Joy Division nie live gesehen. Im Gegensatz zu den Smiths, der zweiten entscheidenden Band der letzten 40 Jahre, habe ich ihr Ende nicht knapp verpasst. Die Smiths habe ich etwa ein Jahr nach ihrer Auflösung lieben gelernt, da war Ian Curtis schon bald ein Jahrzehnt tot. Den meisten deutschen (bzw. nichtenglischen) Fans von Joy Division geht es genauso. Von 78 bis 80 spielte die Band Konzerte, darunter waren aber nur eine Handvoll Shows außerhalb Großbritanniens, u.a. im Dezember 79 in Paris und einen Monat später im Doornroosje in Nijmegen, in Berlin oder in Köln. Ich habe keine Ahnung, wie voll diese Konzerte waren. Die Bilder aus der Hacienda in Manchester vermitteln aber nicht den Eindruck, daß Hunderttausende Joy Division damals live erlebt haben.

Eines der wichtigsten Elemente der Musik der Band ist der dominante Bass. Den Beginn von Love will tear us apart kennt vermutlich sogar jeder Nickelback-Fan. Aber auch die meisten anderen Stücke (die dann keiner außerhalb der kleinen Welt der Musiknerds je gehört hat), erkennt man an den ersten Tönen des Basses, lange bevor sonst etwas passiert. Ohne Peter Hook wären Bässe heute vermutlich so langweilig wie Schlagzeuge; sein Spiel hat ein Musikgenre geschaffen; das der Bands, die wie Joy Division klingen.

Was nach dem Selbstmord von Ian Curtis geschah, ist bekannt. Die Band hatte sich zu dessen Lebzeiten (die nach den Aussagen des Sängers nicht lange sein würden), abgesprochen, nicht als Joy Division weiterzumachen, sollten nicht mehr alle vier
dabei sein. Bernie Summner, Peter Hook und Stephen Morris gründeten mit New Order die zweite Lieblingsband, aus der Hook 2006 ausstieg. Im vergangenen Jahr spielte New Order zwei Benefizkonzerte ohne den Bassisten; das Verhältnis der drei Joy Division Gründer scheint vergiftet zu sein.

Daß Peter Hook jetzt mit Begleitband The Light unterwegs ist, die beiden Alben von Joy Division live zu spielen, scheint ein ausgestreckter Mittelfinger in Richtung Bernard
Summner zu sein und sollte dem Zuschauer eigentlich egal sein (weil es ihn nichts angeht), ist aber für meine Beurteilung des Abends wichtig.

Der Abend mit der Musik von Joy Division fand im
Atelier in Luxemburg statt und erforderte eine Fahrt über verschneite Eifelautobahnen. Da unterwegs nicht viel los war, fuhr ich durch eine schwarz-weiße Landschaft, eine perfekte Einstimmung, da man schließlich mit Joy Division nicht unbedingt bunte Farben verbindet. Als ich kurz vor Beginn des Vorprogramms im Atelier ankam, war da noch nicht viel los. Eine belgische Familie mit kleiner Tochter schrieb gerade eine Nachricht auf ein mitgebrachtes Geschenk für Hooky, wurde dann von weiteren Hardcore-Fans begrüßt. Es war zumindest da noch keine Laufkundschaft da.

Um halb neun begann eine kurze (sehr mies geschnittene) Dokumentation über Joy Division, eine Stunde später dann das Konzert.

Peter Hook trug ein Closer T-Shirt, das mochte ich nicht (den Umstand, nicht das Hemd). Jeder im Saal wusste, wer er war. Er musste das nicht mit einem Shirt verdeutlichen. Oder wenn, dann mit "I was in Joy Division". Ebenso merkwürdig war das Lineup. The Light ist eine
ausgewachsene Band - mit Bassist. Es gab also zwei Bassspieler. Daß das aber durchaus Sinn machte, zeigte sich nach den ersten Takten des Openers No love lost. Nach ein paar Basstönen von Peter Hook, übernahm der andere Musiker diese Parts. Peter sang nur noch. Sobald er singen musste, hing der Bass untätig rum. Aber auch sonst waren Peter Hooks Einsätze an seinem Instrument überschaubar. Der Nachgeschmack, den das hinterließ, war deutlich fieser als der des T-Shirts. Dazu wirkt der Musiker ungemein unsympathisch; in eine Diskussion möchte man mit ihm nicht geraten.

Ein selbstverliebter Bassist mit einer Coverband, der tourt, um alte Kumpels zu ärgern, und der sich plötzlich als Sänger begreift, klingt nach einem Desaster. Das war es aber nicht, und deshalb tue ich mich mit der Einschätzung so schwer.

Peter Hook singt nämlich nicht schlechter als Ian Curtis auf vielen Bootlegs, die ich gehört habe. Und auch, wenn er nur die ersten Takte jedes Lieds (und danach immer mal wieder sporadisch) spielte (Amerikaner sprächen wahrscheinlich von "signature riffs"), kann ich nicht bestreiten, daß die Band hervorragend agierte. Es klang wie Joy Division und war eine enorm würdevolle Interpretation der großen Lieder dieser Band. Der Gitarrist wirkte auf mich, als sei er lange nach Curtis' Tod geboren. Das war aber egal, weil sich seine Band nicht wie eine Kirmes-Cover-Truppe anhörte, das hier war überhaupt nicht verkehrt.

Und ist es in einem Sternerestaurant nicht auch vollkommen irrelevant, wer das Gericht zubereitet? Der Koch, der den Stern erarbeitet hat, wird das mit Sicherheit nicht sein, das Essen ist allerdings identisch. Melonenkaviar wird auch dann eine Sensation sein, wenn Pepe Müller und nicht Ferran Adrià ihn zubereitet hat.

Uns kann man hier vieles vorwerfen, sicher aber nicht, daß wir objektiv über
Konzerte berichteten! Das gibt es nicht. Heute muß ich es aber so halten, denn eine schlüssige Beurteilung des Abends fällt mir aus den geschilderten Gründen schwer. Es hätte ein Desaster sein können, war es aber nicht. Es hätte mich euphorisieren können, tat es aber nicht. Der Abend war gut, die musikalische Darbietung sogar besser. Und es kam hervorragend an: in der Mitte wurde wild getanzt und gepogt. Hilft nur der Ausweg in die Objektivität. Also ein paar Worte noch zum Programm:

Vor der angekündigten Unknown pleasures spielte die Band als Einstimmung ein paar Lieder wie No love lost und Leaders of men (beide von der ersten EP An ideal for living - mit dem Hitlerjungen auf dem Cover). Nach Unknown pleasures folgten zwei Zugabenblocks mit sechs "greatest hits." Das wieder war genauso, wie ich es mir vorher gewünscht hätte.

Schwarz-weiß war das Motto des Abends, in jeder Hinsicht.

Setlist Peter Hook and the Light, den Atelier, Luxemburg:

01: No love lost
02: Leaders of men
03: Glass
04: Digital

Unknown Pleasures:
05: Disorder
06: Day of the lords
07: Candidate
08: Insight
09: New dawn fades
10: She's lost control
11: Shadowplay
12: Wilderness
13: Interzone
14: I remember nothing

15: Atmosphere (Z)
16: Isolation (Z)
17: Failures (Z)
18: Warsaw (Z)

19: Transmission (Z)
20: Love will tear us apart (Z)

* vermutlich mehr als bei den meisten Konzerten zu Ian Curtis' Lebzeiten




Donnerstag, 6. November 2008

Peter Hook & Section 25, Paris, 06.11.08

2 Kommentare

Konzert: Peter Hook (Bassist New Order, Joy Division, Warsaw) & Section 25

Ort: Elysée Montmartre, Paris
Datum: 06.11.2008
Zuschauer: recht wenige
Konzertdauer: circa. 1 Stunde



Stell Dir vor Joy Division spielen ein Konzert in Paris und keiner geht hin!

Nun ganz so war es nicht. Aber fast! Ian Curtis ist zwar leider nicht von den Toten auferstanden (könnte er für mich eigentlich ruhig mal machen, so für eine Nacht meine ich...), aber Peter Hook, der Bassist von Warsaw, Joy Division und New Order lebt ja noch, auch wen einige Falten in seinem Gesicht von seinen Konzert- Nächten mit Ian erzählen könnten.

Peter selbst steht ganz gut im Futter, was man von Larry Cassidy, dem Sänger der mit seiner Band Section 25 bei dem Kultlabel Factory gesignt war, nicht gerade behaupten kann. Hager und völlig ausgezehrt stand der alt wirkende Mann da und sang mit einer Nörgelstimme, die an Mark E. Smith von The Fall erinnerte, eigenes Material von dem Album Always Now (1981) und auch Klassiker von Joy Division bzw. Warsaw. Darunter waren Knüller wie No Love Lost, She Lost Control und Shadowplay, die von der teilweise jungen Begleitband sehr wavig und postpunkig gespielt, aber leider nicht perfekt gesungen wurden. Die Stimmung im logischerweise recht ergrauten und zum Großteil männlichen Publikum konnte man höchstens als mittelprächtig bezeichnen. Da ging kaum was ab, selbst wenn bei manchen das Herz höher schlug, als am Ende Love Will Tear Us Apart erklang. Das Lied, das trotz seines Titels positiver und optimistischer klang, als das gesamte von Joy Division zuvor geschriebene Material (aber das täuschte gewaltig!), wurde der erste Chart-Hit der Band, makabrerweise allerdings erst nach dem Tode von Ian Curtis im May 1980 (der Song war im April 1980 veröffentlicht worden). Ich habe dieses Stück immer geliebt, schon als Jugendlicher und auch noch heute mit 37 Jahren. Die Magie, die davon ausgeht, ist schwer in Worte zu fassen. Vielleicht macht der ausnahmsweise recht sanftmütige Gesang und der Funken Hoffnung, der dem Song trotz der starken Melancholie und des desillusionierenden Textes innewohnt (es geht um die Eheprobleme zwischen Ian Curtis und seiner Frau Deborah), die starke Faszination aus. Auch heute ließ mich Love Will Tear Us Apart nicht kalt, aber es war halt eben nur der Sänger von Section 25, der Sätze wie "Get a taste in my mouth as desperation takes hold" in sein Mikro nörgelte. Die Tatsache, daß Section 25 seinerzeit mit Joy Divison auf Tour und auch Labelmates waren, änderte daran nichts.

Interessanterweise zogen die heute gespielten New Order Stücke fast besser als die Evergreens von Joy Division. bzw. Warsaw. Temptation, die Single, die New Order in ihrer Karriere häufiger als jedes andere Stück ihres Repertoirs live spielten, kam wirklich gut rüber und auch der oft gecoverte Uraltsong Ceremony (von Ian Curtis geschrieben und mit seinem Gesang auf der Joy Division CD Still enthalten), gesungen von Peter Hook, war sehr brauchbar. Da kam dann auch im Publikum zum ersten Mal etwas mehr Bewegung rein.

Alles in allem war es aber eine eher maue Veranstaltung, das muß man leider so festhalten. Ich hätte mir mehr Dynamik und Herzblut gewünscht. Vielleicht sollte man die Toten wirklich in Frieden ruhen lassen...

Möglicherweise dient die Veranstaltung in erster Linie dazu, die Reissues der CDs von New Order zu vermarkten. Man kann nämlich die Klassiker, beginnend mit Movement, angereichert um umfangreiches Bonusmaterial neuerdings in schicker Aufmachung noch einmal erwerben. Tempation und Ceremony findet man auf der Bonus-Cd von Movement.

Setlist Section 25 & Peter Hook (die ersten fünf Songs ohne Peter)

01: Up To You
02: Wretch
03: Charnel Ground
04: Can't Let Go
05: After Image

06: No Love Lost
07: Warsaw
08: Interzone
09: She Lost Control
10: Shadowplay
11: Dreams Never End
12: Ceremony (New Order)
13: Temptation (New Order)
14: Love Will Tear Us Apart

15: Section 25 Titel (Name wird nachgereicht)
16: Doubts Even Here

Links:

- Peter Hook singt im Video Dreams Never End (New Order 1981).
- New Order - Ceremony (Live At Finsbury Park 9th June 02)
- Ceremony live in NYC 1981
- New Order Studiosession von 1984 Temptation
- Joy Division live in Brüssel 1979 Love Will Tear Us Apart
- Love Will Tear Us Apart Videoclip
- Shadowplay Joy Division live in einem Fernsehstudio, ein Dokument! Gänsehaut garantiert!

Achso: Hatte ich es schon gesagt? Joy Division ist meine Lieblingsband. Für immer. Ende der Durchsage!


Konzerttermine von Section 25 & Peter Hook:

07.11.2008: Ancienne Belgique, Brüssel, Belgien
08.11.2008: Groen Engel, Oss, Niederlande
09.11.2008: Kulturfabrik Krefeld E.V., Krefeld, Deutschland
19.12.2008: Beat Club, Blackpool, England
25.01.2009: Piper Club, Rom, Italien




 

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