Freitag, 22. Juni 2012

Tiny Ruins, Paris, 20 & 21.06.12


Konzerte: Tiny Ruins

Orte: Shakespeare & Company; Espace B; Féte de la musique chez Le Cargo

Daten: 20. & 21.06.2012
Zuschauer: 10 (Shakespeare) 30 (Espace B) 60-70 (Le Cargo)

Konzertdauer: jeweils etwa 40 Minuten



Total hin und weg von der absolut wundervollen Neuseeländerin Holly Fullbrook alias Tiny Ruins! Jawohl, das bin ich! Holly ist schon jetzt meine Sängerin des Jahres, ihr Debütalbum Some Where Meant For Sea unbeschreiblich schön und ihre intimen Konzerte entzücken mich im höchsten Maße. Wir Pariser haben das unfassbare Glück, sie die ganze Woche live erleben zu dürfen. Am Mittwoch spielte sie um 17 Uhr in dem berühmten englischen Bookshop Shakespeare & Company, danach gleich anschließend um 21Uhr im Espace B, am heutigen Donnerstag dann als (hervorragender!) Ersatz für den eigentlich eingeplanten Jens Lekman bei der Fête de la Musique im idyllischen Innenhof von Reno von Le Cargo und morgen geht es dann in der Fabrique der Balades Sonores weiter, bevor sie am Sonntag auf unseren Terrasse bei einer sicherlich denkwürdigen Oliver Peel Session zusammen mit ihrer charmanten Kontrabassistin Cass antreten wird.

Ich weiß noch nicht, ob ich ihre Konzertberichte abtrennen werde, oder in einem größeren Artikel belasse. Ein paar hochaktuelle Videos, entstanden bei Shakespeare & Company und der Fête de la Musique möchte ich euch aber nicht vorenthalten. Viel Spaß! Und wenn ihr genau hinhört, vernehmt ihr Vogelgezwitscher! Das letzte der drei Lieder ist übrigens neu und unveröffentlicht und heißt Reasonable Man.








Update: 22. Juni:

So, dann kommen wir doch noch mal ausführlich auf die wundervollen Konzertmomente zurück, die uns die junge Sängerin aus Auckland geschenkt hat.

Shakespeare & Company,Paris, 17 Uhr

Am 20 Juni ging es an einem sonnigen Mittwoch los. Hollie war aus dem nordfranzösischen Lille angereist und hatte es geschafft, gleich zwei Züge zu verpassen. Irgendwie kam sie dann aber doch noch in Paris an, musste aber ihren nachmittäglichen Instore Gig in der kultigen englischen Buchhandlung Shakespeare & Company ohne ihre Kontrabassistin Cass bestreiten. Cass war nämlich zu dieser Zeit unterwegs auf der Suche nach einem Leih-Instrument. Die überaus wuchtigen und schwer zu transportierenden Holzungeheuer besorgt sie sich immer vor Ort und schleppt nicht ihren eigenen Kontrabass aus Neuseeland durch ganz Europa.

Als ich in der Buchhandlung eintraf, hatte ich das Gefühl, das Konzert sei annuliert worden. Normalerweise finden die Akustikvorträge nämlich immer entweder draußen vor der Tür oder im Hauptraum unten statt. Auch die junge Dame an der Kasse schien überfragt, von einem Konzert wusste sie nur sehr vage zu berichten. Da entschied ich mich, die alten Holztreppen hochzuklettern und gelangte irgendwann in einen kleinen charmanten Raum aus dem zarte Musik drang. Hier fand das Ganze also statt! Gerade mal 10 Leute (viel mehr Platz gab es auch nicht) hatten es sich auf der Bank und den Stühlen bequem gemacht, darunter eine andere neuseeländische Sängerin names Flip Grater.

Hollie spielte bereits ihr zweites Lied, ich hatte also einen Song verpasst. Sie performte komplett akustisch, ohne Mikro und Strom für die Gitarre. Ihr Gesang war so wundervoll und naturrein, daß mein Herz augenblicklich raste. Mir war, als hörte ich den schönsten Vogel singen. Diese Natürlichkeit, diese Unverfälschtheit und Sanftheit in ihrer Stimme brachte meine Endorphine in Wallung. Es dauerte nicht lange, bis sogar kleine Tränchen in mir aufstiegen. Ich war total gerührt von diesem Vortrag, den traumhaften Songs, dem reifen Songwriting. Mir wurde bewußt, wie privilegiert ich war, hier zusammen mit 10 andern Fans der schönen Musik sitzen zu dürfen und diese unbezahlbaren Augenblicke miterleben zu können. So wahrhaft, ungekünstelt und authentisch wie hier, bekommt man Musik selten geboten. Es sind Momente, in denen man mit dem Künstler und seinem Werk eins zu sein scheint, wo man das Gefühl hat, er oder sie singe nur für dich. Direkter und trostspendender kann kaum etwas auf der Welt sein.


Songs voller Gefühl und (im besten Sinne) altmodischer Eleganz durchleuchteten den heißen und trockenen Raum, der mit Büchern nur so vollgestopft war. Die Atmosphäre passte perfekt zum klassischen und poetischen Stil der Neuseeländerin, die eigentlich englische Wurzeln hat und in Bristol geboren wurde. Sie performte Kleinode wie Old As The Hills, Little Notes, Bird on The Tyhme und Death Of A Russian, in dem es um den Tod eines berühmten Schriftstellers geht, der kurz vor seinem Tode noch Champagner trinken wollte (Dostojewski ist es übrigens nicht).

Zum Schluß brachte sie noch Adelphi Apartments (Apartments, die sich in ihrer Nachbarschaft in Neuseeland befinden, an denen sie oft wehmütig vorbeigewandert ist) und ein neues, unveröffentlichtes Lied namens Reasonable Man, das ebenso wundervoll klang wie die Titel des ersten Albums.



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