Mittwoch, 12. Februar 2014

Samantha Crain, Berlin, 10.2.2014


Konzert: Samantha Crain
Ort: Berlin - Monarch
Datum: 10.2.2014
Dauer: 60 Minuten
Zuschauer: 100


Oh, try not to disappear until the shadow 
Into a tunnel that doesn't where, doesn't nowhere to go 
so where is that ghost that was the most the best you find?


Ich habe es mir an der breiten Fensterfront des Monarchs bequem gemacht. Nach einer Weile stelle ich fest, dass ich mich wohl unwissentlich in eine Lache von Bier gesetzt habe. Das betrübt mich nicht weiter, denn das gehört zu dem rustikalem Charme dieses Kiezes. Ähnliche Erlebnisse hätte man auch gut im abgebrannten Festsaal Kreuzberg haben können. Und so bereite ich mich innerlich auf Choctaw-"Indianerin" Samantha Crain vor, welche an diesem Abend ihr einziges Solo-Konzert in Deutschland geben wird.
Währenddessen dudelt depressiver 70er Folk durch den Monarch, Zigarettenqualm wabert umher und durch das Fenster beobachte ich eine Drogenrazzia der Polizei. Ich fühle mich in diesem Moment selbst wie in einem dieser Filme über die Großstadtmelancholie. Eine gute Einstimmung.

Kid Face ist bereits ihr drittes Album - und auch eine Anspielung auf ihr  junggebliebenes Gesicht -  denn nach 27 Lebensjahren sieht Samantha Crain wahrlich nicht aus. Auch nicht, als sie die kleine Bühne betritt. Mittlerweile hat sich auch das Monarch gut gefüllt. Sofort das erste Lied gefällt mir, ihre anrührende Stimme ebenso. Bevor sie mit Never Going Back ihr zweites Lied anstimmt, erzählt sie noch, wie ein Reporter ihr tatsächlich glaubte, dass sie sich bei diesem Lied von Taylor Swift inspirieren ließ. Ein eigentlich auch interessanter Gedanke.
Mit geschlossenen Augen wippt sie mit ihrem Kopf und ihrer Gitarre rhythmisch umher. Ein schöner Anblick.

Das Monarch hat eine richtig schöne Wohnzimmeratmosphäre und was darf auf einem Folk-Konzert im Wohnzimmer nicht fehlen? Das Mitmach-Lied und so dürfen wir bei Songs In The Night uns mit Oh Oh Oh beteiligen. Aber so recht springt der Funke nicht über. Macht aber nichts, denn Samantha Crain kann das auch gut alleine.
Mit Paint spielt sie dann auch mein Lieblingslied ihres aktuellen Langspielers. Wie schön sie die Wörter langzieht - wie ein Wehklagen, dass dann im Verlauf wieder in souveräner Klarheit mündet.
Sie berichtet, wie das erste Mal aus der Provinz in New York ankam und gleich mit Scientology in Berührung kam, aber mangels Geld gleich wieder gehen musste. Es geht um Glückskekse, Träume mal eine Truck-Fahrerin zu werden oder zum Soundtrack eines möglichen zweiten Teils des 70er Jahre Schinkens Convoy (mit Kris Kristofferson) ein Lied beizutragen. 

For The Miner widmet sie ihren Idol und Vorbild Jason Molina, den der Alkohol mit nicht mal 40 Jahren dahingerafft hat. Dabei schiesst mir gleich wieder Peter Doherty in den Sinn, der gerade für diesen Lebensweg von einem Teil der Fans umjubelt und vergöttert wird.

Das Konzert endet nach der Zugabe The Dam Song, welches sie auch schon mit den "two hot tall swedish girls" zusammen gesungen hat.
Samantha Crain spielte ein schönes Wohnzimmer-Wohlfühlkonzert. Ich würde mich freuen, wenn sie das nächste Mal mit Band in Berlin spielen würde.








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