Montag, 10. Februar 2014

Big Fox und Cajsa Siik, Paris, 28.01.14


Konzert: Big Fox und Cajsa Siik, I Love Sweden #2
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 28.01.2014
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: Cajsa Siik etwa 30 Minuten, Big Fox gut 45 Minuten


"I Love Sweden" war das Motto des Konzertabends. Die talentierte Videofilmerin Valérie Toumayan  betreibt eine Webseite gleichen Namens und hatte diesen Abend im Espace B organisiert. Sie hat sich seit ein paar Jahren auf schwedische Musiker spezialisiert, filmt diese, wenn sie nach Paris kommen, begibt sich aber auch nach Stockholm um sie in ihrer Heimat auf Zelluloid zu bannen. In der Szene hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht, so daß es nur eine konsequente Weiterentwicklung ist, daß sie inzwischen eigene Konzerte organisiert. Die Veranstaltung war die zweite ihrer Art. Bereits vor ein paar Monaten hatte es eine erste im Petit Bain gegeben, bei der Last Lynx und Carolina Wallin Pérez angetreten waren.

Heute nun Cajsa Siik und Big Fox.

Ertstgenannte interessierte mich besonders, weil ich nur zwei Tage später mit ihr eine Oliver Peel Session organisieren würde. Aber der lange Anweg und meine schon fast obligatorische Verspätung sorgten dafür, daß ich von Cajsa nur noch zwei Lieder mitbekam. Dies waren allerdings absolut wundervoll. Die rothaarige Skandinaverinn mit dem schwarzen Hütchen spielte ihre Stücke alleine und nur mit Akustikgitarre. Eine wohlige Atmossphäre machte sich breit und Cajsa sang wirklich herzallerliebst. "Birds don't fly so high" hieß es im berührenden letzten Stück (Birds), das man nicht auf dem Debütalbum Plastic House (2012) finden kann. Siik arbeitet bereits an einem Nachfolger, den sie im Self-Release noch dieses Jahr auf den Markt bringen will. Sie habe sich gegen ein Label entscheiden, weil sie hinsichtlich iher künstlerischen Freiheit keinerlei Abstriche machen will, erklärte sie.

Auf das Werk darf man gespannt sein, aber die meisten hier kennen wahrscheinlich das 2012 Debüt noch nicht, so daß ich zunächst dieses zur Einarbeitung empfehle. Man findet darauf so manches schöne Stück, zum Beispiel den Hit Was I Supposed To oder die Ballade Giants.

 


Big Fox, den Namen würde ich nicht unbedingt mit einer hübschen Schwedin mit umwerfender Stimme in Verbindung bringen. Aber Charlotta Perers hat nun einmal diesen Moniker gewählt und wenn man einmal weiß, wer dahinter steckt, ist der Name eh Schall und Rauch.



Big im Sinne von dick ist Charlotta ohnehin keineswegs, eher tall, also groß, wie so viele Schwedinnen. Mit ihren langen Beinen und ihrem hübschen Gesicht sieht sie aus wie ein Model, legt es aber keinswegs darauf an, bloß als Modepüppchen wahrgenommen zu werden. Sie gab sich vielmehr natürlich sympatisch und enterte zusammen mit ihrer Cellistin Gerda (ein Mädel mit feschem blonden Kurzhaarschnitt) gegen 22 Uhr die Bühne. Zunächst spielte Charlotta elektrisches Piano, später dann auch E-Gitarre. Wichtiger als die Instrumente war aber definitiv die Stimme der Schwedin. Die war nämlich der helle Wahnsinn. Sie sang wie Cat Power zu ihren besten Zeiten! Nun wird dieser Cat Power Vergleich ja ständig und oft nicht unbedingt passend bemüht. Immer wenn eine neue Sängerin in
Erscheining tritt, fällt er fast zwangsläufig, aber bei Big Fox passte er einfach unglaublich gut. Diese leicht rauchige, aber gleichzeitig so herrlich warme und samtweiche Stimme. Wow, einfach nur wow!! Ich bin mir sicher, daß sich kaum einer von der magischen Sogwirkung dieses traumhaften Gesanges entziehen kann, wenn er ihn einmal gehört hat. Nun mögen ja ein paar wieder vorschnell von einem Plagiat reden und die fehlende eigene Identität anprangern, aber Charlotta singt nun einmal wie sie singt. Und wenn es nach mir geht, soll sie daran auch bitte nichts ändern. Ihr Stil ist einfach recht klassisch und auch mit anderen Skandinavierinnen wie Agnes Obel oder Sarah Blasko (ok die ist Australiern, musiziert aber in Schweden und kann der dortigen Szene durchaus zugerechnet werden) zu vergleichen. Dies mit Nichtbeachtung von Big Fox zu anden, wäre aber ein großer Fehler. Allein ihr Songmaterial ist dafür einfach zu gut. Zwei Alben hat die brünette Dame bis dato aufgenommen und auf beiden Werken strotzt er nur so von Perlen von zeitlöser Schönheit.

Man nehme nur Shadows, den Opener des aktuellen Albums Now. Einen solch starken Song hat Cat Power seit The Greatest nicht mehr hinbekommen. "Why is it so hard, to show yourself to someone the way you really are, not someone you try to be" sang Big Fox und ich schmolz dahin.

Aber es gab auch Stücke des selbstbetitelten Erstlings. Cut You Out wurde früh gespielt, ein luftiges, recht beschwingtes Stück (mit Pfeifpassagen) zu dem sich Big Fox die Gitarre schnappte.

Das lasziv-lässige Girls folgte und hätte so ähnlich auch von Cate Le Bon stammen können. Unangestrengte Klasse, zeitlos cool.


Etwas später gab es mit Romantic Movie Love noch ein Stück, das aus dem Rahmen fiel, weil es elektronischer und wesentlich tanzbarer war als der Rest. Wahnsinnig catchy kam es daher, ein veritabler Ohrwurm, den ich seitdem reglmäßig unter der Dusche pfeife (und das ist ein Kompliment für ein Lied, zumindest für mich).

Eine gute dreiviertel Stunde wurde auf das Wundervollste musiziert, dann war aber leider schon Schluß. Charlotta und Gerda erklärten, daß sie am nächsten Tag frei hätten und wollten wissen, was man denn in Paris so unternehmen könne. Ich führe es auf die Schüchternheit des Publikum zurück, daß keinem irgend etwas dazu einfiel. Oder gibt es in Paris wirklich nichts zu tun? Müssen wir etwa alle nach Schweden ziehen? Aus musikalischer Sicht würde es sich sicherlich lohnen, bei den zahlreichen Talenten die die schwedische Musikszene zu bieten hat. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Konzertabend aus der Reihe I Love Sweden!

Setlist

01: Rain
02: Shadows
03: Cut You Out
04: Girls
05: Days
06:Romantic Movie Love
07: Cheer You Up
08: Now

09: Thank You



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