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Dienstag, 7. Mai 2019

Tocotronic, c/o pop Festival, Köln, 03.05.19

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Konzert: Tocotronic
Ort: Philharmonie, Köln
Datum: 03.05.2019
Dauer: 105min
Zuschauer: 1800 ausverkauft


Alles neu bei der c/o pop. Der Termin im Mai ist gut gewählt, die Konzentration auf Ehrenfeld, mit einem breiten Kultur- und Musikprogramm sinnvoll. So ist der Weg geebnet, fast ohne Pause im Jahr, Monat für Monat Festivals besuchen zu können. 

"Neu ist immer besser" sagt schon Barney Stinson, aber Gutes muss auch bewahrt werden. So sind Konzerte in der Kölner Philharmonie immer etwas besonders. Vor allem, wenn es sich um Künstler handelt, die sich sonst vornehmlich in dunklen Clubs und Hallen die Zeit vertreiben. 

Tocotronic für diesen Rahmen zu wählen, war jedenfalls für beide Seiten ein großer Gewinn. Die Band genoss das ausverkaufte Haus in vollen Zügen, die Zuschauer dankten es mit träumerischer Stimmung unter dem riesigen Diskoball des hohen Hauses. 


Der Aufbau des Konzertes ist nicht weniger berührend. Nach dem soften Opener "Die Idee ist gut..." folgt zunächst Hit auf Hit, Single auf Single. Zunächst überlegt man, was soll da später noch folgen, als Dirk Solo an der Gitarre das todtraurige "Unwiederbringlich" präsentiert.

Der Song ist bereits während der ganzen Tour im Set, aber so emotional habe ich es noch nie erlebt. Die Halle ist stumm, keine Zwischenrufe stören den Moment, danach minutenlanger Applaus und eigentlich ist damit der offizielle Teil bereits beendet, so hat man den Eindruck. 

Denn jetzt folgt ein ausuferndes "wie spielen, worauf wir Lust haben", angeführt von zwei punkigen Songs, über ein minutenlanges Solo von Rick bei "Nach Bahrenfeld im Bus", bis zu einer schnelleren Version von "Mein Ruin" und den Postrockanleihen von "Explosion". 


Viele verlassen bereits den Saal, als nach drei Zugaben bereits die betörende Ingrid Caven ihre Ballade der "großen, weißen Vögel" anstimmt, als die Band erneut für "Die Unendlichkeit" die Bühne betritt. Ein großer Abend.      

           


Montag, 29. August 2016

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln c/o Pop, Philharmonie, 28.08.2016

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Konzert: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
Ort: Köln c/o Pop , Philharmonie
Datum: 28.08.2016
Dauer: 140min
Zuschauer: ca.1.400

Edward Sharpe in der Philharmonie ? Das klang zunächst komisch, ist die Musik der bunten Truppe um Sänger Alex Ebert doch eher zum Tanzen und Feiern geeignet. 

Trotzdem ist es immer wieder schön, in einem klimatisierten und bestuhlten Konzertraum seinen Platz einzunehmen. Die Stimmung ist einfach anders als in einer abgerockten Industriehalle.

Edward Sharpe taucht in Europa immer etwas unter dem Radar der großen Aufmerksamkeit. In den USA ist dies durch beständige Tourneen und dem Kontakt zu befreundeten Bands (z.B. Mumford and Sons - hier sei die fantastische DVD Tourfilm/Doku: "Big Easy Express" empfohlen) ganz anders.

Trotzdem werden auch hierzulande die Hallen immer größer, auch nach vier Jahren Tourpause und den neuen, weniger guten Platten fanden sich am heißen Sonntagabend genug Fans in der Philharmonie ein.

Live ist die Band immer dann am besten, wenn ihr der Spagat zwischen euphorischer Spontanität und zumindest ansatzweiser Perfektion gelingt. Die Versionen der CD`s dienen für den Konzertabend nur als loses Gefüge, immer wieder treibt es die Band in andere Richtungen und Arrangements, das kann auch mal etwas langatmig daherkommen.

Schon beim zweiten Stück des Abends aber gelingt einer dieser magischen Momente. Bei "Man on Fire" steht bereits der ganze Saal, es wird ausgiebig getanzt und Sänger Axel Ebert läuft bis in die entlegensten Ecken des riesigen Kuppelbaus, um fast jeden Fan einzeln zu begrüssen.

Die Band spielt einen Mix aus Gypsy und Folk, diverse Schlag- und Blasinstrumente kommen zum Einsatz und die Version sprengt sofort jedes eventuell erdachte Konzept. Sharpe ist bester Laune und, wie er am Ende zugeben wird, viel besser bei Stimme als bei den vorangegangenen Festivals.

Coverversionen, sonst immer fester Bestandteil der Show, sind heute kaum Thema, lediglich die bewährte "Instant Karma" Version von Lennon findet wieder ihren Platz als Mitsinghymne. 



Dafür gibt es heute aber viel Spontanes und selten Gehörtes. Wie eine komplette Version von "Let`s get high", die Sharpe eigentlich auf Grund der fehlenden Damenstimmen nicht präsentieren will. Da er seinem Pianospieler (Geburtstagskind) aber den Wunsch nicht abschlagen kann, lässt er sich überreden. 

Vorab gab es neben Glückwünschen schon eine liebenswerte Version von "The Bare Necesseties" (Versuchs mal mit Gemütlichkeit) aus dem Dschungelbuch mit ausgedehntem Pianosolo. Und so dreht sich die Uhr immer weiter, Song auf Song folgt.

Hits wie "Up from Below" wechseln sich ab mit langweiligeren, fast musicalartigen Stücken wie "Lullaby" , aber immer wieder zieht das Tempo an und den Saal in seinen Bann. 

Bei "Life is hard" ist dann eine Dame aus dem Publikum besonders gut vorbereitet und bietet sich zum Gesangsduett an. Sharpe bleibt cool, und hofft das Beste. Er wird nicht enttäuscht, der Gesang ist perfekt, der Text sitzt auch und unter großem Applaus eilt sie wieder zu ihrem Platz.

Mittlerweile sind mehr als zwei Stunden vergangen, doch dann winkt der Tourmanager energisch und verweist auf die zwingend einzuhaltende Sperrstunde.


Schade, da bricht eine Band aus dem normalen Festivalmodus aus, um ein Konzert ohne Zeitlimit spielen zu können, und dann ist doch wieder plötzlich Schluss. Also gibt es keine echte Zugabe, die Band bleibt einfach auf der Bühne, spielt noch den gepfiffenen Überhit "Home" und verabschiedet sich kurz darauf, sichtlich gerührt von einem begeisterten Publikum.

Die grenzenlose Energie der früheren Gigs (Tour 2009) kann die Band nicht mehr entfalten, trotzdem bleibt ein toller Abend in einem würdigen Saal, den man nicht hätte missen wollen. 

Fotos: Lowlands Festival 2016 - Michael Graef

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln, 07.07.12 





Dienstag, 26. August 2014

coctail twins, Köln, 23.08.14

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Konzert: coctail twins
Ort: The Good Will Out, Köln (c/o pop)
Datum: 23.08.2014
Dauer: knapp 30 min
Zuschauer: gut 60



Teil der diesjährigen c/o pop war am Samstag eine Veranstaltung namens Chic Belgique, eine ganze Reiher kleiner Konzerte verteilt über das Belgische Viertel in Köln. Ich kannte so gut wie keine der Bands außer den coctail twins, die allerdings wollte ich unbedingt sehen, was ein wenig schwierig war, weil auch der FC wieder beim Chic Bundesliga dabei ist und die Session gegen den HSV eröffnete. 17.45 Uhr als Konzertbeginn schien mir kaum machbar. Da die Band aber quasi in der Verlängerung der Aachener Straße angesetzt war und ich klugt geparkt hatte, war ich fast pünktlich und perfekt in der Zeit, das Kölner Trio begann sein Set nämlich auch fünf Minuten verspätet.

Die coctail twins traten im Sneakerladen The Good Will Out in der Händelstraße auf. Allerdings habe ich das nur aus zweiter Hand. Der Laden war bereits so voll, als ich ankam, daß nicht mehr daran zu denken war, noch in den Inneraum zu kommen. Also stand ich mit gut 30 anderen vor der Tür und den Schaufenstern, die auch nur den Blick auf Hinterköpfe von anderen Zuschauern boten.

Konzerte ohne Sicht sind zwar doof, wenn sie musikalisch gut sind, nehme ich das aber gerne hin. Daß die coctail twins in diese Kategorie gehören, weiß ich seit ihrem allerersten Konzert und seit ihrer (leider mittlerweile vergriffenen) EP Our Fears.

Obwohl die Ladenrückwand, vor der die Band spielte, kaum von den Schaufenstern weg ist und dies aus meiner Laiensicht ein grausamer Auftrittsort aus Sicht eines Soundverantwortlichen sein muß, klangen die düsteren Stücke der Band glasklar. Das Nichtsehenkönnen wurde also durch umso bessere Akustik ausgeglichen.

Der Band aus Köln merkt man an, daß sie aus Leuten mit ausgezeichnetem Musikgeschmack bestehen. Das ist eine eklige Musikjournalisten-Plattitüde (die ich benutzen kann, weil ich keiner bin) - die Köpfe hinter den coctail twins (Sängerin Box, Gitarrist Marc und Bassist Mike) machen ihre Bandsache ganz offenbar nicht um hip zu sein sondern aus Leidenschaft an Musik. "Das klingt ja nach 80er", habe ich vor dem Laden aufgeschnappt. Ja, tut es! Aber die 80er waren ja auch das musikalisch beste Jahrzehnt der Neuzeit. Für mich klingen die sechs Lieder, die die Band im Sneakerladen gespielt hat, vor allem nach herrlich-düsterem Wave mit einer großartigen Stimme und einigen Ohrwürmern, die ich seit Samstag nicht mehr loswerde.

Ich hoffe auf viel Lied-Nachschub zusätzlich zu den vier bisher veröffentlichten Stücken (von denen sie drei spielten). Die anderen drei Lieder machten jedenfalls einen sehr vielversprechenden Eindruck! Und obwohl es eine Gratis-Veranstaltung war und die Band aus Köln kommt und natürlich Freunde angelockt hat - gut 60 Zuschauer an einem Samstag-Nachmittag? Das ist mehr als ich bei vielen namhaften Bands erlebt habe.

Das Abhetzen vom Stadion Richtung Neumarkt hatte sich sehr gelohnt. Und beim nächsten Mal sehe ich die Band dann auch wieder, denn natürlich werde ich mir die coctail  twins wieder und wieder angucken!

Setlist coctail twins, Chic Belgique, Köln:

01: Waiting for the birds (dreamed) 
02: Rooms made of dust
03: Perfume well
04: Sometimes the waves
05: Curtains
06: Ice machine

Foto: Nelle. Vielen Dank!


Donnerstag, 21. August 2014

Warpaint, Köln, 20.08.14

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Konzert: Warpaint
Ort: Klaus-von-Bismarck-Saal im WDR Funkhaus, Köln (c/o pop)
Datum: 20.08.2014
Dauer: gut 85 min
Zuschauer: knapp 500




Am Festival der Kölner Musikmesse c/o pop mag ich so ganz besonders, daß die Bands im immer guten Line-Up auch einmal an Orten spielen, an denen sonst keine Indie-Konzerte stattfinden. Einmal im Jahr sind Flaschenbier und nicht Weinschorle oder Sekt das Konzertgetränk in der Philharmonie, in der ich vor ein paar Jahren einen atemberaubenden Auftritt von Beirut gesehen habe. Bei einer früheren c/o pop hatte ich auch schon einen Abend in einem Sendesaal verbracht, in dem des Deutschlandfunks spielten damals Austra. Mein diesjähriger Festivaleinstieg fand im großen Sendesaal des WDR am Wallraf-Platz statt, mit den bewährten Warpaint aus Los Angeles, einer Band, die ich in den vergangenen gut vier Jahren sehr oft, glücklicherweise (für mich - vermutlich nicht für unsere regelmäßigen Leser) aber noch nicht zu oft gesehen habe.

Radio-Sendesäle haben den riesigen Vorteil, daß sie für bestmögliche Livemusik gebaut worden sind. Im Klaus-von-Bismarck-Saal finden überwiegend klassische Konzerte statt, er ist Heimat des WDR Funkhausorchesters, er hat Auftritte von Künstlern wie Igor Strawinski erlebt und galt nach seiner Einweihung fünf Jahre nach Kriegsende als modernster Sendesaal Europas. Ich war nicht sicher, ob das Konzert bestuhlt sein würde, die Fotos, die ich vorher gesehen hatte, machten diesen Eindruck. Allerdings dachte ich, daß die Stühle wohl rausgeräumt werden würden, wenn ein Pop-Konzert angesetzt ist. Das war natürlich Unsinn, die Sitzreihen sind fest eingebaut, sogar die Bezüge sind aus einem Material, das die besondere Akustik des Raums fördert. Daß die Bierflaschen daher im Treppenaufgang geleert werden mussten, machte Sinn.


Warpaint begannen um zwanzig nach neun. Wie schon bei meinem letzten Konzert der Amerikanerinnen begannen sie ihren Auftritt nicht wie auf der aktuellen (zweiten) Platte. Dort sind Intro und Keep it healthy ein Song-Doppel, das, wie ich immer dachte, zusammengehört. Beim Down The Rabbit Hole Festival in Ewijk in den Niederlanden spielten Warpaint das instrumentale Intro mitten im Konzert, heute ließen sie es komplett weg. Keep it healthy klang für mich anfangs ein wenig flach oder dumpf, jedenfalls hinter meinen Erwartungen an die besondere Akustik des Saals. Das legte sich glücklicherweise schnell, ab Bees klang des Konzert wundervoll und glasklar.  


Erstaunlicherweise war auch das Publikum sehr viel angenehmer, als es Festivalzuschauer oft sind. Wenn die Gäste nicht speziell wegen einer Band sondern wegen der Gesamtveranstaltung oder schlimmer, wegen des "Events" kommen, ist die Aufmerksamkeit dem Nachbarn gegenüber oft höher als für die Musik. Auch Fachbesucher einer Musikmesse bzw. Konferenz tragen meist nicht zu meinem Spaß an einem Konzert bei, weil sie gerne die angenehme Umgebung nutzen, um sich über das zu unterhalten, über das Fachbesucher einer Musikmesse so sprechen. Offenbar ist die neue Politik der Festivalmacher, keine Festival-Tickets und stattdessen Karten für die einzelnen Veranstaltungen zu verkaufen, ein guter Filter!

Lediglich bei Baby, der ersten Zugabe, die Gitarristin Emily alleine vortrug - dem mit Abstand leisesten Stück des Abends - unterhielten sich die beiden Typen (ohne Kinderstube) in Reihe sechs (dritter und vierter Platz von rechts)* so viel zu laut, das es nervte.

Warpaint spielten eine wenig überraschende Mischung aus Liedern der beiden Platten und der EP (Beetles), sowie das (immer noch?) unveröffentlichte No way out. Das ist es auch nicht, was die Band auch beim x-ten Mal für mich noch spannend sein lässt. Die vier Musikerinnen variieren nahezu jedes Stück von Konzert zu Konzert. Es gibt keine zwei identischen Warpaint-Auftritte. Ich bin musikalisch weit ahnungsloser als die Mehrzahl der Besucher gestern; ich halte aber das für ein Zeichen dafür, wie gut ausgebildet und talentiert die Musikerinnen sind, daß es ihnen so leicht fällt, Teile der Stücke immer wieder zu improvisieren. Und wie clever, daß sie mit dieser Strategie die zwangsläufig aufkommende Routine abmildern!


Was Warpaint heute alles anders gespielt haben als sonst, ist vermutlich nur für mich interessant, daher dazu erst später im Nerd-Anhang mehr. Aber wenigstens so viel: fast keines der Lieder hatte ich in der heutigen Version schon einmal gehört. Die letzte Zugabe Elephants spielen die vier Frauen aus Kalifornien gerne in einer ewig langen Version mit einem gejammten Mittelteil, der irgendwann wieder im Thema des Songs endet. Heute war Elephants zwölf Minuten lang. Ähnlich ausgedehnt und frei abgewandelt spielten Warpaint Beetles, das sie lange nicht gespielt hatten und erst kürzlich wieder ins Programm aufgenommen haben. Das Lied endete irgendwann scheinbar, wurde beklatscht, dann aber wieder aufgegriffen.


Ich kann solches Gejamme eigentlich nicht leiden; die Vorstellung, bei einer spontanen Jam-Session von irgendwelchen Instrumente-Göttern anwesend sein zu müssen, ist für mich das, was für Arachnophobikern eine riesige haarige Spinne ist. Merkwürdigerweise gibt es Bands, bei denen ich so etwas mag. James hatten vor vielen Jahren eine Platte mit solchen Kram, die mir gefiel - und eben Warpaint live.


Bis einschließlich Composure (dem vierten Lied) saß das Publikum. So ein Saal ist auch auf die Zuschauer einschüchternd. Aber Konzerte dieser Art im Sitzen sind nicht das Wahre, also folgten alle gerne der Aufforderung der Band, doch nach vorne zu kommen oder aufzustehen. Von da an wurde es noch einmal eine Ecke besser. 

Beim letzten Kölner Auftritt in der Live Music Hall (die das exakte Gegenteil des Klaus-von-Bismarck-Saals ist) war Bassistin Jenny Lee Lindberg grippekrank, worunter das Konzert ein wenig litt. Heute wirkten alle vier frisch und spielfreudig wie immer. Von Routine oder Runterspielen einer Pflichtveranstaltung war nichts zu spüren, obwohl die Band auf Dauertour ist.

Natürlich war bei dieser c/o pop Eröffnung der Saal der große Star. Warpaint waren von dessen Klasse aber keinen Deut entfernt und ein würdiger Festival-Headliner! A propos head... War das eine Kopfnuss, die sich Theresa und Jenny Lee bei Elephants gegeben haben? Ich glaube schon. Auch das gab es vermulich im Sendesaal des WDR noch nicht!

Der Nerd-Teil (bitte nicht weiterlesen):

Neben der zwölf-Minuten-Version von Elephants und dem wild variierten Beetles klang auch kaum eines der anderen Liedern wie auf Platte. Bees hatte ein (mir) komplett neues Ende. Bei Composure gab es in der Mitte eine lange Pause, in der Schlagzeugerin Stella, Bassistin Jenny Lee und Gitarristin Emily auf den Einsatz von Theresa links warteten, den diese aber ewig herauszögerte. Undertow hatte ein enorm schnelles (und schneller werdendes) Ende, Love is to die mündete in einen neuen Schluß (mit "ba ba ba baaa" Gesang). Disco/very hatte einen komplett neuen Beginn - No way out ebenso, wobei mir das off-beat Schlagzeug dabei zu wild klang.

Setlist Warpaint, c/o pop, WDR Sendesaal, Köln:

01: Keep it healthy
02: Bees
03: Hi
04: Composure
05: Undertow
06: Love is to die
07: Drive
08: Disco/very
09: Beetles

10: Baby (Emily solo) (Z)
11: No way out (Z)
12: Elephants (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Ewijk, 29.06.14
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10
- mehr Fotos vom Konzert von Warpaint bei der c/o pop 
- das Programm der c/o pop 

Tourdaten Warpaint:

- 25.08.14 Luxemburg - den Atelier (mit Amatorski)
- 03.09.14 Stuttgart - LKA Longhorn
- 06.09.14 Münster - Skater's Palace (Visions Party)
- 23.11.14 Frankfurt - Batschkapp


* 118 und 119

Sonntag, 26. Juni 2011

Austra & MIT, Köln, 25.06.11

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Konzert: Austra & MIT (c/o pop)
Ort: Kammerkonzertsaal des Deutschlandfunks, Köln
Datum: 25.06.2011
Zuschauer: vielleicht 300
Dauer: jeweils 50 min


Ein weiterer besonderer Abend. Im Rahmen der c/o pop gaben MIT aus Köln und Austra aus Toronto Konzerte im Kammerkonzertsaal meines Lieblingsradios.

Zu nächtlicher Stunde erst einmal Kurzzusammenfassungen:

MIT spielten fast im Dunkeln, nur von wenigen Lampen hinter der Bühne angeleuchtet. In Besetzung Gesang, Synthie, Schlagzeug klang das Set oft nach Kraftwerk aus der Boing Boom Tschak Phase oder nach einer aufgepeppten Neue Deutsche Welle Band. Das war recht gut, aber sehr gleich auf Dauer.

Austra aus Kanada leben von der Stimme von Katie Stelmanis, die ihre musikalischen Wurzeln durchaus in der Klassik sieht (sie nennt z.B. Debussy und Bach als Einflüsse). Mich erinnerte die Musik der Band beim ersten Hören manchmal an Kate Bush, heute auch an eine uneklige Version von Evanescence. Der Auftritt war sehr gut, besonders das Zusammenspiel der Frontfrau mit ihren beiden rechts und links stehenden Mitsängerinnen beeindruckte.

Setlist Austra, Kammerkonzertsaal des Deutschlandfunks, c/o pop:
(noch ohne Gewähr, ich glaube, ich habe ein Lied vergessen)

01: Darken her horse
02: Shoot the water
03: Hate crime
04: Lose it
05: The choke
06: ?
07: Beat and the pulse
08: Spellwork

09: The future (Z)
10: Woodstock (Joni Mitchell Cover) (Z)



Freitag, 24. Juni 2011

Owen Pallett, Köln, 23.06.11

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Konzert: Owen Pallett & Apparat mit Band (c/o pop)
Ort: Philharmonie Köln
Datum: 23.06.2011
Zuschauer: vielleicht 1.500
Dauer: Owen Pallett gut 80 min, Apparat 65 min


Der Höhepunkt der diesjährigen c/o pop, egal was da noch kommen möge! Vor zwei Jahren hatte ich im Rahmen der Kölner Musikmesse mit Festival Beirut in der Philharmonie erlebt und war restlos begeistert von einem besonderen Konzert. Als Anfang des Jahres bekannt wurde, daß in diesem Jahr Owen Pallett an gleicher Stelle spielen sollte, war ich zunächst verwundert, daß der Kanadier die Aufgabe hatte, den großen Saal zu füllen (kurzzeitig hatte ich damals gehofft, Owen wäre nur Support von z.B. Arcade Fire - ganz falsch lag ich nicht, diese Kanadier sehe ich übermorgen). Allerdings war trotz Verwunderung die Vorfreude enorm, denn auch die Ansetzung mit Owen Pallett als Hauptgruppe, supportet von Apparat versprach einen ähnlich guten Abend wie den mit Beirut!

Auch auf der c/o pop, aber auf der 2007, hatte ich Apparat schon einmal gesehen. Damals spielte das Projekt des Berliners Sascha Ring gemeinsam mit Battles und passte gut, weil sie reichlich experimentell und elektronisch klang. Heute stand ein Klavier auf der Bühne. Sofern das nicht angezündet würde, deute also nichts darauf hin, daß es ähnlich würde.

"Apparat & Band" waren vier Musiker, Sascha Ring an der Gitarre, ein Keyboarder (Ben Lauber), ein Schlagzeuger (Jörg Wähner) und ein Bassist und Pianist (mit dem kryptischen Namen "Nackt" - die kommen eben aus Berlin).

Apparat ist mittlerweile immerhin bei Mute Records gelandet. Im August erscheint
dort das neue Album Black Water. Wieviele der gespielten Stücke davon stammen, kann ich nicht sagen, ich kannte bewußt keines ihrer Lieder. Da sie aber alle ähnlich arrangiert waren, schienen auch die alten Stücke an die neue Instrumentierung angepasst zu sein. Elektronisch oder experimentell klang das Projekt nicht. Die Lieder waren zwar zum Teil enorm lang, sicher oft jenseits der sieben Minuten, klangen aber oft wie die kleinen, ungefrickelten Geschwister von Notwist-Stücken. Mir gefiel das ausgezeichnet, was ich leicht daran ablesen konnte, daß mich das mit 65 Minuten sehr lange Programm für eine Vorgruppe keine Minute langweilte. Höhepunkte waren Arcadia, Rusty nails, das aus der gemeinsamen Arbeit mit Modeselector als "moderat" stammt und vor allem ein Stück in der Mitte, dessen Namen ich nicht kenne, bei dem Herr Nackt erstmals Klavier spielte und die Lichteffekte auf dem Bühnenboden den Eindruck von Zeitrafferaufnahmen machten!

Nach der Pause zurück im Konzertsaal fiel gleich der ungewohnte Bühnenaufbau für Owen Pallett auf. Bisher hatte ich den Geiger zwar schon ein oder zweimal mit zusätzlichem Gitarristen gesehen (Thomas, glaube ich), ein Schlagzeug hatte er aber noch nie dabei. Es sollte aber noch ein wenig dauern, bis das zum Einsatz kam, denn zunächst begann Owen alleine. Aber auch der Startsong E is for estranged klang etwas ungewohnt, leicht anders arrangiert, sofern man das bei der Art, auf die der Künstler seine Stücke vorträgt, sagen kann. Ich glaube, es gab ein paar zusätzliche Geigenspuren.*

Und es gab den ersten Lacher. Während des Spielens entfernte sich der Sänger ein
Stück Papier, das unter dem Schuh klebte.

Auch The arctic circle aus der Zeit, als er noch unter Final Fantasy firmierte, spielte Owen Pallett alleine, bevor er die Band, den Schlagzeuger und einen Gitarristen (der aber nicht besagter Thomas war) auf die Bühne rief. "Wie jeder Solokünstler über 30 gründe ich eine Band. Das ist die Midlife Crisis - Quarterlife Crisis! Oh, das wären ja 120 Jahre, toll!"

Gemeinsam mit Band sind die Lieder den Album Versionen sehr viel näher. Vor allem das Schlagzeug macht den Unterschied zu Owens alleine gespielten Liedern. Das ist natürlich auch nicht schlecht, es nimmt aber ein wenig das Besondere, das seine Konzerte alleine bieten. Später, als die Band zu
Scandal at the parkade (von der im Herbst erschienenen EP A Swedish love story) und That's when the audience died verschwand, thematisierte er das auch: "damit ihr nicht denkt, ich habe meine Intimität verloren." Ich weiß nicht, ob es weniger intim ist, zumindest gehen das Geloope, der scheibchenweise Aufbau der Lieder verloren bzw. treten diese in den Hintergrund, wenn sie eben mit einem Schlagzeugeinsatz beginnen und nicht mehr mit vielen kleinen Rhythmusaufnahmen mit der Geige. Bei Scandal at the parkade, einem eh grandiosen Stück, fiel das extrem deutlich auf. Da zupfte und strich sich Owen die Melodie zusammen, da geigte es wieder, ohne das er das Instrument bediente, und am Ende schienen alle Streicher des WDR Sinfonieorchesters hinter den Vorhängen mitzugeigen.

Unzweifelhaft waren also alle solo vorgetragenen Stücke die Höhepunkte des Abends. Mit Band gefiel mit Midnight directives am besten, denn hier spielte das Schlagzeug eine kleinere Rolle, stand nicht im Vordergrund.

Owen Pallett spielte fast sein gesamtes Album Heartland (ich meine, das sehr kurze Mount Alpentine wäre auch noch irgendwo vorgekommen, weiß aber nicht mehr wo) und dazu einige Gassenhauer der Alben, die er als Final Fantasy veröffentlicht hatte. Beendet wurde das Set mit Tryst
with Mephistopheles, das vielleicht eines der Lieder ist, die er bisher ohne Band nicht spielen konnte, es scheint nämlich erst seit 2011 im Programm zu sein.

Nach kurzem Verschwinden folgten die herausragenden Zugaben. Zunächst wieder alleine trug Owen Many lives -> 45 mp vor, bei dem ich nie weiß, wie es heißt und
mir notiere "Schrei ins Geigenmikro." Dieses Brüllen des Refrains "Son you should" in sein Instrument ist grandios! Auf Platte geht das natürlich auch wieder unter, man muß live erleben, wie der Kanadier wirklich alles an seinem Instrument nutzt, um Songs aufzubauen. Die zweite Zugabe war ein anderer Höhepunkt von Owen Pallett Konzerten, ein Cover. Hier kenne ich den Künstler zwar nur durch den Geiger und nicht das Original, aber sicher ist auch das (Interview von Simon Bookish, der u.a. The Organ geremixt hat) in der Ursprungsform deutlich anders.

Die Band kam zurück, um mit
This is the dream of Win and Régine als geplant letztes Lied zu spielen. Das Stück über die beiden Köpfe von Arcade Fire ist eines der besten Final Fantasy / Owen Pallett Lieder und war auch in der Bandversion hervorragend!** Danach hätte durchaus Schluß sein können, es waren 75 Minuten gespielt, und alle schienen glücklich.

Aber Owen kam noch einmal wieder, tat, als habe er nichts mehr im Programm und performte das Caribou Cover Odessa, das noch einmal ein riesiges Ausrufezeichen am Ende des Abends war!

In dieser brillanten Akustik machen vermutlich die meisten Konzerte Spaß. Aber solch herausstechenden Künstler wie Owen Pallett oder Beirut sind wie für diesen Saal gemacht. Bis nächstes Jahr dann, Philharmonie.

Setlist Owen Pallett, Philharmonie, Köln (c/o pop):

01: E is for estranged
02: The arctic circle
03: A man with no ankles
04: Flare gun
05: Lewis takes action
06: The great elsewhere
07: Lewis takes off his shirt
08: Scandal at the parkade
09: That's when the audience died
10: Oh heartland, up yours!
11: Midnight directives
12: Keep the dog quiet
13: Tryst with Mephistopheles

14: Many lives -> 49 mp (Z)
15: Interview (Simon Bookish Cover)
16: This is the dream of Win and Régine (Z)

17: Odessa (Caribou Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Owen Pallett, Haldern, 14.08.09

* bei Veranstaltungen der c/o pop sind so viele Musikprofis, da muß man sich als Parajournalist besonders anstrengen und auf die Feinheiten achten.
** um das zu verdeutlichen: auch die mit Band gespielten Stücke waren hervorragend. Nur ist Owen solo noch deutlich spannender.




Donnerstag, 13. August 2009

Beirut, Köln, 12.08.09

13 Kommentare

Konzert: Beirut
Ort: Philharmonie Köln (c/o pop)
Datum: 12.08.2009
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft (vielleicht 1.800)
Dauer: Beirut gut 85 min, Johannes Stankowski und Band 35 min


Richtig warm geworden bin ich mit Zach Condons Beirut bisher nicht. Die Musik des Amerikaners ist besonders, gar keine Frage. Aber der Funke, der dafür gesorgt hätte, daß Beirut eine größere Rolle in meinem Hörverhalten gespielt hätte, ist nie übergesprungen - und das, obwohl es kaum jemand so meisterhaft beherrscht, seinen Stücken großartige Namen zu geben! Trotzdem wollte ich mir Beirut natürlich ansehen, denn oft begeistern Bands mit solch wuchtigem Sound ja erst live richtig. 2007 fiel Zachs Stimme, 2008 der Rest aus; Chancen, die Balkan-Folk-Pop Band im Rhineland zu sehen, gab es nicht.

Als dann die c/o pop ein Beirut Konzert im der Kölner Philharmonie ankündigte, funktionierte bei mir wohl erst einmal das sozialpyschologische Prinzip der Knappheit: schwer zu sehen -> also kaufen... Aber in meinem schlanken Konzertkalender waren ganz ehrlich sehr viele andere Abende, von denen ich mir (fürs Herz) mehr versprach. Ok, Philharmonie und eine Band, die ich immer schon mal erleben wollte, ist schon toll, Lieblinge wie Noah And The Whale oder Saint Etienne endlich einmal zu sehen, Nummern besser.

So ungefähr war meine Erwartungshaltung.

Das Ambiente war ähnlich, die Stimmung weit weniger feierlich-entrückt als bei Antony And The Johnsons im April in der Alten Oper in Frankfurt. Los ging es relativ pünktlich mit Johannes Stankowski und Band aus Köln. Den Sänger hatte ich bisher nur mit seiner alten Band Werle & Stankowski gesehen. Das gefiel mir gut, denn die Mischung aus ganz reduzierter Gitarrenmusik mit elektrischen Beats, schöne Melodien und eine gute Stimme machte schöne Musik.

Auch wenn Johannes Stankowski und Band Sachen von Werle & Stankowski gespielt haben (das grandiose Lady Grey!), klingt die Band heute nach einer amerikanischen
Band. Gäbe es nicht Johannes' großartige kölsche Ansagestimme, hätte man die Band auch für Freund von Zach aus New Mexico halten können. Perfektioniert wurde dieser Eindruck am Ende durch den Einsatz einer knallroten Steelguitar (oder so - hier spricht der nicht-Musiker). Aber auch die meisten Lieder klangen nach amerikanischen Referenzbands, nicht nach Köln. Johannes' Band hatte zumindest auf einer Position ein mir bekanntes Gesicht, Tasteninstrumente spielt der Wolke Keyboarder Benedikt Filleböck. Komplettiert wird die Gruppe durch Daniel Schaub (Basse), Dan Enderer (Schlagzeug) und Phillip Tielsch (Gitarre). Die Setlist bekomme ich wohl leider nicht zusammen...

Nachdem wir die Pause mit Getränken verbracht hatten, wurde es um zwanzig nach
neun spannend. Also unser Grübeln, wie viele Musiker Zach wohl mitbringen würde. Da standen nämlich viel zu wenige Mikros... Wie soll man denn den wuchtigen Balkan-Mexiko-Sound mit fünf oder sechs Hansels erzeugen? Obwohl die Philharmonie eine grandiose Akustik hat, schien das doch ein wenig dünn zu sein. Wir kamen zu dem Schluß, daß das große mexikanische Orchester wohl rechts oder links der Band aufgebaut werden müsse.

Es kamen dann aber wirklich "nur" sechs Musiker, und alle hatten Instrumente, die sie in richtigen Rockbands zu Außenseitern machen würden. (Kontra)bass,
Trompeten, Akkordeon, Posaune, Glockenspiel, Hörner, Tuba, eine Ukulele und ein ganz merkwürdig abgespecktes Schlagzeug (waren da neben der Bassdrum und einer kleinen Trommel wirklich keine anderen?).

Der Anfang des ersten Stücks Nantes hörte sich schon vielversprechend an. Die Akustik des Saals erzeugte dann aber dann erst mit dem Einsetzen der Bläser den ganz großen Effekt. Die perfekte Abmischung der Stimmen mit den lauten Instrumenten, einfach atemberaubend!

Schon bei The Shrew, einem der "mexikanischen" Lieder von der Doppel-EP March Of The Zapotec / Holland klatschte der halbe Saal mit und juchzte, als die mittelamerikanischen Tröten einsetzten! Wie fabelhaft! Ein zu unrecht von mir bisher weitestgehend ignoriertes Lied!

Egal von welcher Platte, alle Stücke begeisterten mich. Die lauten sicher mehr als ruhigere Sachen wie Elephant gun. Zwischendurch kündigte Zach ein Serge Gainsbourg Cover an. Auch auf die Gefahr hin, daß mich jetzt Blitze treffen -
La Javanaise war das schwächste Stück des Abends.

Die besten des normalen Teils des Konzerts waren für mich das abschließende
After the curtain, The Shrew und Mount Wroclai. "Normaler Teil" eines Konzerts ist in meinem Sprachgebrauch eigentlich alles vor den Zugaben. Hier hat das aber durchaus noch eine weitere Bedeutung. Denn nicht nur die Setlist betreffend, änderte sich jetzt einiges. Während bei den ersten Liedern sich nur die (wegen ihrer schrecklichen Jackets armen) Ordner bewegten, durchzuckte es mit den ersten Zugaben immer mehr Leute, nach und nach stand das Publikum auf und feierte die drei offenbar geplanten Zugaben The penalty, Carousels und Siki siki baba. Ein sehr schöner, vor allem würdiger Abschluß eines wirklich vollkommen überzeugenden Konzerts! Vermutlich eines der besten des Jahres! Überall glückliche Gesichter! Hätte es so geendet, alles wäre gut gewesen!

Aber Zach hatte vorher wohl nicht gelogen, als er nach dem üblichen "schön, in Köln zu sein" (Rockstar-Lexikon, Seite 15) noch zufügte, daß er Köln lieber möge als Berlin. Denn nach langem Klatschen kamen die Amerikaner wirklich noch einmal
wieder, auch zum Erstaunen des Tourmanagers oder Roadies. Das nächste Lied habe man sehr lange nicht gespielt, man wolle es aber versuchen. Und "versuchen" war wohl das Stichwort...

Irgendwer links vor mir fragte dann ziemlich schüchtern die Band, ob man auf die Bühne klettern dürfe zum Tanzen. Kein Problem! Und plötzlich kletterten rechts und links zig Menschen auf die ehrwürdige Bühne, bildeten einen Halbkreis um Beirut, klatschten und tanzten und verwandelten das ernste Gebäude in eine Partybude! Krawall und Remmidemmi! Es war unglaublich toll!

Und es hörte nicht auf, denn nach Rhineland (ungeschlagen bestes Lied des Abends), stimmten die sichtlich angetanen Musiker My night with the prostitute from Marseille an. Und nein, es gab keinen Grund, da schon Angst vor dem Ende zu haben. Denn auch The Gulag Orkestar spielten Zach und Kollegen noch.

Und als dann endgültig Schluß war, schüttelten
Tänzer und Musiker sich die Hände, bedankten sich die Leute am Bühnenrand mit Umarmungen von der Band, die uns einen irren Abend mit den besten letzten Minuten geschenkt hatte! Der Auftritt wird übrigbleiben im Konzertgedächtnis!

Setlist Beirut, Philharmonie Köln, c/o pop:

01: Nantes
02: Mimizan
03: The Shrew
04: Elephant gun
05: The concubine
06: Mount Wroclai
07: La Javanaise (Serge Gainsbourg Cover)
08: Postcards from Italy
09: Cocek (instrumental)
10: Scenic world
11: Cherbourg
12: The Akara
13: A sunday smile
14: After the curtain

15: The penalty (Z)
16: Carousels (Z)
17: Siki siki baba (Z)

18: Rhineland (Heartland) (Z)
19:
My night with the prostitute from Marseille (Z)
20: The Gulag Orkestar (Z)

Links:

- Beirut am 12.05.09 in Paris
- und am 27.11.07 auch dort
- und schließlich am 12.11.07 im Olympia in Paris
- mehr Fotos von Beirut in der Philharmonie



Montag, 20. August 2007

Wolke & Locas in Love, Köln, 19.08.07

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Konzert: Wolke & Locas in Love (c/o pop)

Ort: Köln Rheintriadem
Datum: 19.08.2007
Zuschauer: jeweils etwa 80

Die Veranstaltung der c/o pop, des "urbanen Festivals für elektronische Musik, Indie, Pop- und Clubkultur" (großartiger Name! Hoch lebe die zuständige PR Agentur! Vor allem der bewußt fehlende Bindestrich nach Indie ist toll, also als Aussage!), die mich im Vorfeld am meisten interessiert hat, war die "Clubnacht IndieCityNight" (s.o.). Denn da sollten neben einigen anderen interessanten Bands Locas in Love auftreten, die ich bisher noch nicht gesehen habe, deren Platten mich aber vollkommen begeistern.

Stattfinden sollte diese Clubnacht (usw.) in der Festivalzentrale Rheintriadem, einem neoklassizistischen, ehemaligen Bahngebäude auf der anderen Straßenseite des neogeschmacklosen Musicaldoms, in dem gerade passend das Queensingspiel läuft. Das Gebäude ist erwähnenswert. Natürlich ist die Fassade schon eindrucksvoll. Auch Anfang des
letzten Jahrhunderts verstanden die Bahnchefs offenbar, sich bescheidene Baudenkmäler zu errichten. Innen ist nicht mehr viel des ehemaligen Glanzes vorhanden. Ein paar Bereiche, vor allem eine Bar, die ich für die "Lounge" hielt, in der Locas in Love spielen sollten, waren nach dem neuesten Chill-Standard eingerichtet. Außenrum erinnerte aber vieles an DDR-Bauten aus den 60er und 70er Jahren, auch der Raum, der dann wirklich die "Lounge" war, ein Tagungssaal, der auch zu einer kleinen Sparkasse gehören könnte, schmal und lang, mit fies vertäfelten Decken mit diesen lustigen überkreuz befestigten Lampengittern, die man in allen Sparkassen Konzerenzräumen sieht, hier aber aufgehübscht mit modernen Blinklampen. Hinter der Bühne, die an einer der schmalen Raumseiten aufgebaut war, befand sich ein sensationell abgenutzer Spiegel, der die ganze Wand bedeckte, das hatte Charme und Flair! Man hätte also wirklich keinen treffenderen Begriff als Lounge finden können.

In dieser Lounge traten dann um 21 Uhr Wolke aus Köln, "der hässlichen Stadt mit den schönen Menschen" (Oliver von Wolke), auf. Wolke sind ein hochsympathisches Pop-Duo, das aus Bass (Oliver Minck) und Klavier (Benedikt Filleböck - mit schmalem Oberlippenbart!) besteht. Zusätzlich benutzen die beiden nur noch eine Beatbox. Die Musik ist dadurch natürlich sehr minimalistisch und zurückgenommen. Aber überhaupt nicht
langweilig, denn die beiden haben offenbar ein Gespür für schöne Melodien und Pop-Songs. Ich kenne leider nur die zweite Platte "Möbelstück", die enthält aber eben Perlen wie "Radfahren, lesen, Freunde treffen" oder "Second Hand Gefühl", wirklich wundervolle Lieder. Daß man selbst aus Queen Brauchbares machen kann, zeigt das herrliche Cover "Ich will mich befreien", das auch auf dem aktuellen Album ist.

Die beiden Wolkes wirkten wirklich sehr nett. Oliver bat irgendwann den Tonmann
"Olli", das Klavier etwas von seinem Monitor runterzunehmen. Sein Bandkollege Benedikt verbesserte ihn, der Tonmann heiße anders, und man müsse sich die Namen der Mischer merken (ich kann kein Musiker werden, ich habe den Namen des "falschen" Olivers wieder vergessen). Wolke-Oliver sagt, er hätte ihn sich ja nicht nicht gemerkt, nur eben falsch!

Und weil das ein elektronisches (s.o.) Festival sei - und Wolke da ja eigentlich nicht hingehöre - spielte Benedikt
dann ein kleines Beatbox-Solo. Anschließend, vermutlich auch, um dem Thema des Festivals gerecht zu werden - coverten die beiden "Around the world" von Daft Punk. Auch das war sehr hörenswert. Gegen Ende brachten Wolke noch ein ganz neues Stück, das einzige, das sie bisher von dem Material für die neue Platte spielen könnten. Weil die Hintergrundmusik noch nicht lief und das Publikum eine Zugabe forderte, kam die auch und beendete das einstündige, wirklich sehr schöne Konzert in diesem, nun ja, würdigen Rahmen.

Setlist Wolke c/o pop:

01: Slow
02: Radfahren, lesen, Freunde treffen
03: Ich will mich befreien
04: Walzer No. 1
05: Kapitän
06: Wir sind da
07: Schlimmer
08: Second Hand Gefühl
09: Tanzen
10: Um die Welt rum (Daft Punk Cover)
11: Liebe
12: Weg ins Nichts

13: ?

Danach wurde es erst einmal mausgrau. Denn nachdem die Mitglieder von Locas in Love ihren Kram aufgebaut hatten, zogen sie sich erst einmal im Nachbarraum um und erschienen bis auf Schlagzeuger Maurizio in hellgrauen Kleidern, Sängerin und Bassistin Stefanie in einem Kleid, die beiden Gitarristen (und Sänger) Björn und Niklas in Anzügen. Mausgrau ist aber so ziemlich das letzte Adjektiv, das ich mit Locas in Love verbinden würde. Die beiden Platten und die EP, die ich kenne, enthalten besten Indierock, anspruchsvolle Lieder, die leider viel zu wenig bekannt sind.

Verstärkt durch Sängerin Claire wird aus Locas in Love Karpatenhund, das mittlerweile sehr bekannte (und hoffentlich erfolgreiche) Projekt der Band. Karpatenhund waren am Freitag noch beim Highfield-Festival, wo ich sie leider verpasst habe. Durch die vielen Tourtermine der neuen Band, treten Locas in Love selten auf. Die c/o pop war daher mein erstes
Konzert der Gruppe. Was mir schon beim ersten Lied auffiel (das war nicht furchtbar schwer), waren die große Lautstärke und Härte der Band. Das war ganz großartig! Schon bei "Sachen" macht vor allem Björn ordentlich Krach. Nach dem Beatboxsolo bei Wolke, kam bei "Sachen" ein Schreisolo des Sängers!

Auch wenn Niklas ankündigte, sie könnten ja noch drei
Stunden spielen, war das Konzert für meinen Geschmack mit elf Liedern viel zu kurz. Ein Großteil der gespielten Stücke kam vom aktuellen Album "Saurus", darunter "Zum Beispiel ein Unfall" oder "Mabuse", bei dem mir Stefanies Stimme zu leise war. Die beiden kleinen Minuspunkte waren aber alles an Kritik, denn das Konzert war toll. Sehr toll! Besonders schön waren auch ein sehr alter Song der Band "Die Apokalypse erreicht Mühlacker" und das Cover "Cruel to be kind". Ein echter Höhepunkt war aber der Abschluß, "Our hearts and the real world", das auf Platte schon in einem ziemlichen Gitarrengeschrammele endet. Live war das eine herrliche Performance. Alle prügelten auf ihre Instrumente ein, nur Stefanie zog sich Richtung Spiegelwand zurück. Björn und Niklas legten dabei das dritte für mich neue Solo des Tages hin: Sie hockten auf dem Boden und spielten ein Pedal-Solo! Björn bearbeitete seine Gitarre mit einem Drumstick, streckte sie zur Decke, schleuderte den Drumstick auf Schlagzeuger Maurizio - und um war es. Leider! Tolles Konzert, tolle Band - und immer noch Ohrendröhnen...

Setlist Locas in Love c/o pop:

01: Sachen
02: Saurus
03: Zum Beispiel ein Unfall
04: Avoid karmic desaster
05: To get things straight
06: Honeymoon is over (if you want)
07: Mabuse
08: Die Apokalypse erreicht Mühlacker
09: Moe Tucker
10: Cruel to be kind (Nick Lowe Cover)
11: Our hearts and the real world

Im Herbst treten Locas in Love in einigen deutschen Städten auf, in Bayern gemeinsam mit Karpatenhund!



Donnerstag, 16. August 2007

Battles & Apparat feat. Raz Ohara, Köln, 15.08.07

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Konzert: Battles & Apparat feat. Raz Ohara (c/o pop)

Ort: Gloria, Köln
Datum: 15.08.2007
Zuschauer: recht voll

Mein zweiter Versuch, die sehr hippe US-Band Battles vom sehr hippen Label Warp zu sehen... Vor ein paar Monaten spielten die New Yorker schon einmal in Köln, damals konnte ich mich nicht aufraffen, mir das Konzert anzusehen. Im Rahmen der c/o pop bot sich nun eine zweite Chance, wobei ich nicht sicher bin, ob ich gestern ins Gloria gefahren wäre, wenn ich kein Festivalticket gehabt hätte.

Als ich nach neun vor dem Gloria ankam, war da noch eine stattliche Schlange, obwohl schon um acht der Einlaß begonnen haben sollte. Anstehen und im Nieselregen warten mußten aber nur die Leute mit Festivaltickets, die mit Tagestickets durften durch. Es gab nämlich keine Bändchen mehr! Ein glänzender Start... Drinnen war es dann ziemlich voll, vor allem rund um die Bars. Da auf der Bühne keine Band spielte und es schon halb zehn war, war ich sicher, Apparat feat. Raz Ohara verpaßt zu haben. Oliver sagte mir dann aber,
daß die Band bzw. das Projekt um Sascha Ring noch nicht begonnen habe.

Kurze Zeit später kamen dann drei Musiker auf die Bühne, ein Schlagzeuger und zwei Keyboarder (Ring und vermutlich Raz Ohara). Die Musik, die die drei erzeugten, war natürlich sehr elektronisch, mit vielen Dingen vom Band und Gesang von Sascha Ring und Raz Ohara. Das
war gar nicht schlecht. Bei einigen der Lieder spielten die beiden Keyboarder dann auch Gitarre, wobei es bei Ohara offenbar größere Probleme gab, denn seine Gitarre blieb erst einmal stumm. Unter anderem das erzeugte ziemlich lange Pausen zwischen den Liedern, die Ring damit begründete, sie seien neun Stunden angereist, sie wollten sich jetzt zwischen den Liedern erholen. Da das Konzert ohne Gitarren aber "nur halb soviel Spaß macht", bat er um Verständnis, für die technisch bedingten Pausen.

Die Band spielte wohl acht Lieder, ich habe allerdings keine Ahnung, was da nun Teil des Sets war. In der Mitte wurde es mir manchmal zu eintönig, am Anfang und am Ende hat es mir aber wirklich gefallen. Öfter erinnerte mich Apparat (schrecklicher Bandname) an Werle & Stankowski, die mich aber eine Ecke mehr überzeugt haben.

Das Gloria war wirklich gut gefüllt, vorne war es aber recht angenehm, weil etwas Platz war. Vermutlich ahnten die meisten, daß Battles ziemlichen Krach machen.
Erste Vorbereitung dafür war die Platzierung des Schlagzeugs in der Mitte der Bühne und vorne. Die besondere Stellung des Schlagzeugs wurde noch durch ein irre hoch aufgehängtes Becken verstärkt. Zwei Keyboards dazu, Gitarre, Bass und elektronischer Schnickschnack und für Battles war aufgebaut. Die Band begann dann eine halbe Stunde später als angekündigt, nämlich um 23 Uhr. Beim Soundcheck hatte man schon die erste Ahnung bekommen, wie laut es werden sollte, denn Schlagzeuger John Stanier prügelte unglaublich wild auf seine Trommeln ein.

Ale es dann endlich losging, folgten fast anderthalb Stunden sehr experimenteller Musik. Neben dem Ex-Helmet-Schlagzeuger Stanier standen Keyboarder und Gitarrist Ian Williams, Bassist und Gitarrist Dave Konopka und Keyboarder, Gitarrist und sowas wie Sänger Tyondai Braxton auf der Bühne. Die Melodien, die die vier Musiker produzieren, sind sehr eigen, extrem komplex, wechseln den Verlauf regelmäßig,
haben dann aber auch teilweise verblüffend einfache Melodie-Linien zwischen all den lauten Tönen der Gitarren und des Schlagzeugs versteckt. Uns kamen bei diesen Liedbestandteilen Assoziationen zu Kinderliedern (Lied der Schlümpfe zum Beispiel), mir sogar zu Volksliedern, manchmal Marschmelodien oder zu diesen Fanfaren-Liedchen der US-Kavallerie in Western. Diese River-Kwai-Themen werden aber eben umbaut mit vielen lauten Tönen. Dabei entsteht wirklich ein faszinierendes Konzerterlebnis. Ich bin ziemlich sicher, Battles nicht mehr auf Platte zu hören, dafür gibt es schlicht keine Situationen, in denen ich das hören wollen würde und dafür ist das einfach nicht meine Musik. Live und nah dran, war es allerdings ein echtes Erlebnis!

Im Mittelpunkt des Auftritts stand nicht nur optisch Schlagzeuger John. Er prügelte wahnsinnig präzise und hart auf seine Gerätschaften ein. Recht schnell waren sein Hemd und seine Hose vollkommen durchgeschwitzt. Das hohe Becken hing so hoch, daß Stanier das nur mit vollkommen gestreckten Arm spielen konnte. Ob das bequem ist, bezweifele ich, es machte aber viel her. Bassist Dave hielt den Bass höher als The Views Kyle seine Gitarre. Im Prinzip hätte er mit dem Kinn spielen können. Die beiden Keyboarder/Gitarristen fügten dann alle übrigen, teilweise sehr eigenen Geräusche bei. Tyondai, der als einziger auch in ein Mikro geräuschte, zeigte dem Soundman während des Auftritts zigmal, daß das Mikro viel zu laut eingestellt sei. Obwohl er seine Stimme nur für Effekte einsetzt, war sie ihm wohl doch noch zu dominant.

Vielleicht sollte ich nach dieser wirren Beschreibung noch einmal betonen, daß es toll
war. Den Eindruck hatte auch nicht nur ich, das Publikum schien Spaß zu haben. Es gab sogar zwei echte Groupies, die ich bei solch experimentellen Sachen nicht erwartet hatte. Zwei ziemlich angeschickerte Frauen liefen nämlich gegen Ende des Konzerts in die erste Reihe und versuchten, dem Bassisten irgendetwas mitzuteilen (vermutlich ihre Handynummern). Warum auch immer (vielleicht, weil sie das während eines Lieds versuchten), schienen sie aber keinen Erfolg zu haben und gingen wieder. Damit verpassten sie eine noch einmal spektakuläre Zugabe. Die Band kam um kurz nach zwölf wieder auf die Bühne, fing ein wenig an zu klimpern, während Stanier eine seiner Trommeln abbaute. Das erinnerte mich an Built to Spill, denn da demontierte der Schlagzeuger während der Zugabe schon seinen ganzen Kram. John Stanier legte das Ding (ein Tom Tom?) quer auf den Boden, setzte sich daneben und prügelte sitzend darauf ein. Ein durchgeknallter und damit würdiger Abschluß!



 

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