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Dienstag, 7. Mai 2019

Tocotronic, c/o pop Festival, Köln, 03.05.19

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Konzert: Tocotronic
Ort: Philharmonie, Köln
Datum: 03.05.2019
Dauer: 105min
Zuschauer: 1800 ausverkauft


Alles neu bei der c/o pop. Der Termin im Mai ist gut gewählt, die Konzentration auf Ehrenfeld, mit einem breiten Kultur- und Musikprogramm sinnvoll. So ist der Weg geebnet, fast ohne Pause im Jahr, Monat für Monat Festivals besuchen zu können. 

"Neu ist immer besser" sagt schon Barney Stinson, aber Gutes muss auch bewahrt werden. So sind Konzerte in der Kölner Philharmonie immer etwas besonders. Vor allem, wenn es sich um Künstler handelt, die sich sonst vornehmlich in dunklen Clubs und Hallen die Zeit vertreiben. 

Tocotronic für diesen Rahmen zu wählen, war jedenfalls für beide Seiten ein großer Gewinn. Die Band genoss das ausverkaufte Haus in vollen Zügen, die Zuschauer dankten es mit träumerischer Stimmung unter dem riesigen Diskoball des hohen Hauses. 


Der Aufbau des Konzertes ist nicht weniger berührend. Nach dem soften Opener "Die Idee ist gut..." folgt zunächst Hit auf Hit, Single auf Single. Zunächst überlegt man, was soll da später noch folgen, als Dirk Solo an der Gitarre das todtraurige "Unwiederbringlich" präsentiert.

Der Song ist bereits während der ganzen Tour im Set, aber so emotional habe ich es noch nie erlebt. Die Halle ist stumm, keine Zwischenrufe stören den Moment, danach minutenlanger Applaus und eigentlich ist damit der offizielle Teil bereits beendet, so hat man den Eindruck. 

Denn jetzt folgt ein ausuferndes "wie spielen, worauf wir Lust haben", angeführt von zwei punkigen Songs, über ein minutenlanges Solo von Rick bei "Nach Bahrenfeld im Bus", bis zu einer schnelleren Version von "Mein Ruin" und den Postrockanleihen von "Explosion". 


Viele verlassen bereits den Saal, als nach drei Zugaben bereits die betörende Ingrid Caven ihre Ballade der "großen, weißen Vögel" anstimmt, als die Band erneut für "Die Unendlichkeit" die Bühne betritt. Ein großer Abend.      

           


Montag, 29. August 2016

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln c/o Pop, Philharmonie, 28.08.2016

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Konzert: Edward Sharpe and the Magnetic Zeros
Ort: Köln c/o Pop , Philharmonie
Datum: 28.08.2016
Dauer: 140min
Zuschauer: ca.1.400

Edward Sharpe in der Philharmonie ? Das klang zunächst komisch, ist die Musik der bunten Truppe um Sänger Alex Ebert doch eher zum Tanzen und Feiern geeignet. 

Trotzdem ist es immer wieder schön, in einem klimatisierten und bestuhlten Konzertraum seinen Platz einzunehmen. Die Stimmung ist einfach anders als in einer abgerockten Industriehalle.

Edward Sharpe taucht in Europa immer etwas unter dem Radar der großen Aufmerksamkeit. In den USA ist dies durch beständige Tourneen und dem Kontakt zu befreundeten Bands (z.B. Mumford and Sons - hier sei die fantastische DVD Tourfilm/Doku: "Big Easy Express" empfohlen) ganz anders.

Trotzdem werden auch hierzulande die Hallen immer größer, auch nach vier Jahren Tourpause und den neuen, weniger guten Platten fanden sich am heißen Sonntagabend genug Fans in der Philharmonie ein.

Live ist die Band immer dann am besten, wenn ihr der Spagat zwischen euphorischer Spontanität und zumindest ansatzweiser Perfektion gelingt. Die Versionen der CD`s dienen für den Konzertabend nur als loses Gefüge, immer wieder treibt es die Band in andere Richtungen und Arrangements, das kann auch mal etwas langatmig daherkommen.

Schon beim zweiten Stück des Abends aber gelingt einer dieser magischen Momente. Bei "Man on Fire" steht bereits der ganze Saal, es wird ausgiebig getanzt und Sänger Axel Ebert läuft bis in die entlegensten Ecken des riesigen Kuppelbaus, um fast jeden Fan einzeln zu begrüssen.

Die Band spielt einen Mix aus Gypsy und Folk, diverse Schlag- und Blasinstrumente kommen zum Einsatz und die Version sprengt sofort jedes eventuell erdachte Konzept. Sharpe ist bester Laune und, wie er am Ende zugeben wird, viel besser bei Stimme als bei den vorangegangenen Festivals.

Coverversionen, sonst immer fester Bestandteil der Show, sind heute kaum Thema, lediglich die bewährte "Instant Karma" Version von Lennon findet wieder ihren Platz als Mitsinghymne. 



Dafür gibt es heute aber viel Spontanes und selten Gehörtes. Wie eine komplette Version von "Let`s get high", die Sharpe eigentlich auf Grund der fehlenden Damenstimmen nicht präsentieren will. Da er seinem Pianospieler (Geburtstagskind) aber den Wunsch nicht abschlagen kann, lässt er sich überreden. 

Vorab gab es neben Glückwünschen schon eine liebenswerte Version von "The Bare Necesseties" (Versuchs mal mit Gemütlichkeit) aus dem Dschungelbuch mit ausgedehntem Pianosolo. Und so dreht sich die Uhr immer weiter, Song auf Song folgt.

Hits wie "Up from Below" wechseln sich ab mit langweiligeren, fast musicalartigen Stücken wie "Lullaby" , aber immer wieder zieht das Tempo an und den Saal in seinen Bann. 

Bei "Life is hard" ist dann eine Dame aus dem Publikum besonders gut vorbereitet und bietet sich zum Gesangsduett an. Sharpe bleibt cool, und hofft das Beste. Er wird nicht enttäuscht, der Gesang ist perfekt, der Text sitzt auch und unter großem Applaus eilt sie wieder zu ihrem Platz.

Mittlerweile sind mehr als zwei Stunden vergangen, doch dann winkt der Tourmanager energisch und verweist auf die zwingend einzuhaltende Sperrstunde.


Schade, da bricht eine Band aus dem normalen Festivalmodus aus, um ein Konzert ohne Zeitlimit spielen zu können, und dann ist doch wieder plötzlich Schluss. Also gibt es keine echte Zugabe, die Band bleibt einfach auf der Bühne, spielt noch den gepfiffenen Überhit "Home" und verabschiedet sich kurz darauf, sichtlich gerührt von einem begeisterten Publikum.

Die grenzenlose Energie der früheren Gigs (Tour 2009) kann die Band nicht mehr entfalten, trotzdem bleibt ein toller Abend in einem würdigen Saal, den man nicht hätte missen wollen. 

Fotos: Lowlands Festival 2016 - Michael Graef

Edward Sharpe and the Magnetic Zeros, Köln, 07.07.12 





Sonntag, 20. März 2016

Benjamin Clementine - Philharmonie Köln - 10.12.2015

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Konzert: Benjamin Clementine
Ort: Köln - Philharmonie
Datum: 10.12.2015
Dauer: 85min
Zuschauer: ca.1.800


Benjamin Clementine in der Philharmonie. Allein diese Ankündigung weckte sofort meine Aufmerksamkeit, wird doch in Deutschland viel zu selten die Spielstätte der Klassik auch für andere Veranstaltungen genutzt. Anders als in den Niederlanden scheint hier immer noch die Furcht vor randalierenden und schreienden Pop/Rockfans vorzuherrschen. An den fälligen Mieten kann es trotz des vielfachen an notwendigem Personal für Garderobe und Türsicherung nicht liegen. Die Ticketpreise lagen kaum über dem normalem Kölner Niveau für ähnliche Veranstaltungen in zugigen Fabrikhallen.

Auch für erfahrene Konzertbesucher ist ja manchmal der plötzliche Anstieg des Erfolges bzw. der Ticketnachfrage kaum erklärbar. Oft liegt es an Radio-oder TV Sendungen die nicht im eigenen Fokus liegen (oft wurde ja schon behauptet, das Konzerttagebuch würde den Soundtrack für den TV-Dschungel moderieren), manchmal sind es YouTube Videos (sein früher Auftritt bei Jools) oder auch nur die gute, alte Mundpropaganda. Bei Benjamin Clementine dürfte da alles zusammenkommen.

Obwohl erst ein Album veröffentlicht ist, war seine Präsenz in diversen Medien anhaltend groß. Seine Erscheinung und seine Aschenputtel Geschichte boten genug Stoff. Und so war ich gespannt wie sich das Konzerterlebnis nach dem grandiosen, aber auch verstörenden Auftritt beim Haldern Pop diesmal verändern würde. 

Viel erwartete ich nicht, intimer und überraschender konnte es nicht werden, viele neue Songs gab es ja auch nicht. Trotzdem erstaunte mich zunächst die fast volle Halle und das über sämtliche Altersgrenzen hinweg anwesende Publikum. Ohne Vorgruppe ging es pünktlich los, wie es sich für ein Haus der Hochkultur gehört. Clementine betrat die Bühne, diesmal zusammen mit einem ähnlich gekleideten Schlagzeuger. Wie sich herausstellte, nicht nur in modischen Fragen ein Bruder im Geiste. Sein Spiel am "Schlagzeug", hier wörtlich als eine eher lose Sammlung an Schlaginstrumenten, war ähnlich unorthodox wie Clementines Gesang und Flügelspiel. 

Der wie immer zwischen Schüchternheit und Arroganz schwankende Sänger schien die Ablenkung auf das Schlagzeug zu genießen, der Zuhörer konnte den krassen Kontrast der beiden einzigen Instrumente oft nicht ganz nachvollziehen. So ergab sich ein bemerkenswerter musikalischer Abend ohne Kompromisse. Clementine nutzt alle, wirklich alle Nuancen seiner bemerkenswerten Stimme: raunt, schreit, murmelt oder rappt.

Besser gelaunt als früher bedankt er sich des Öfteren und dehnt die Pausen zwischen den Songs mit langem Grinsen. Drummer Alexis Bossard wird erst zum Ende des Sets eine Pause gegönnt. Clementine läuft jetzt zu noch besserer Form auf, alleine am Klavier ist er halt schwer zu schlagen. Bossard verpasst keine Sekunde und bleibt gespannt am Bühnenrand stehen.

Die Stimmung löst sich weiter, bei seinen Hits ist sich Clementine mittlerweile seiner Stärke bewusst und bringt das Konzert mit einer unglaublichen Hingabe zu Ende, ohne sich dabei besonders anstrengen zu müssen. Oft denke ich völlig aus dem Kontext dabei an Robbie Williams, der sich auf der Bühne ähnlich sicher, auch oft nur auf sein Talent verlassend präsentiert.

"Condolence", "London" (mein Lieblingssong) und "I won`t complain" folgen alle, in der Zugabe wird sogar ein Publikumssingsang angestimmt, der mir aber zu fahrig daherkommt.

Mittlerweile ist der "Mercury Price" für das beste Album 2015 an Benjamin Clementine vergeben worden. Auf Platte muss er den Fokus, den er bei den Auftritten so genial beherrscht, noch etwas schärfen. Ein begeistertes Publikum wird das Talent und die Substanz des Kölner Auftritts aber rasch weiter in die Welt tragen.

Dem Wunsch des Künstlers auf Fotos zu verzichten wurde natürlich entsprochen.


Freitag, 24. Juni 2011

Owen Pallett, Köln, 23.06.11

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Konzert: Owen Pallett & Apparat mit Band (c/o pop)
Ort: Philharmonie Köln
Datum: 23.06.2011
Zuschauer: vielleicht 1.500
Dauer: Owen Pallett gut 80 min, Apparat 65 min


Der Höhepunkt der diesjährigen c/o pop, egal was da noch kommen möge! Vor zwei Jahren hatte ich im Rahmen der Kölner Musikmesse mit Festival Beirut in der Philharmonie erlebt und war restlos begeistert von einem besonderen Konzert. Als Anfang des Jahres bekannt wurde, daß in diesem Jahr Owen Pallett an gleicher Stelle spielen sollte, war ich zunächst verwundert, daß der Kanadier die Aufgabe hatte, den großen Saal zu füllen (kurzzeitig hatte ich damals gehofft, Owen wäre nur Support von z.B. Arcade Fire - ganz falsch lag ich nicht, diese Kanadier sehe ich übermorgen). Allerdings war trotz Verwunderung die Vorfreude enorm, denn auch die Ansetzung mit Owen Pallett als Hauptgruppe, supportet von Apparat versprach einen ähnlich guten Abend wie den mit Beirut!

Auch auf der c/o pop, aber auf der 2007, hatte ich Apparat schon einmal gesehen. Damals spielte das Projekt des Berliners Sascha Ring gemeinsam mit Battles und passte gut, weil sie reichlich experimentell und elektronisch klang. Heute stand ein Klavier auf der Bühne. Sofern das nicht angezündet würde, deute also nichts darauf hin, daß es ähnlich würde.

"Apparat & Band" waren vier Musiker, Sascha Ring an der Gitarre, ein Keyboarder (Ben Lauber), ein Schlagzeuger (Jörg Wähner) und ein Bassist und Pianist (mit dem kryptischen Namen "Nackt" - die kommen eben aus Berlin).

Apparat ist mittlerweile immerhin bei Mute Records gelandet. Im August erscheint
dort das neue Album Black Water. Wieviele der gespielten Stücke davon stammen, kann ich nicht sagen, ich kannte bewußt keines ihrer Lieder. Da sie aber alle ähnlich arrangiert waren, schienen auch die alten Stücke an die neue Instrumentierung angepasst zu sein. Elektronisch oder experimentell klang das Projekt nicht. Die Lieder waren zwar zum Teil enorm lang, sicher oft jenseits der sieben Minuten, klangen aber oft wie die kleinen, ungefrickelten Geschwister von Notwist-Stücken. Mir gefiel das ausgezeichnet, was ich leicht daran ablesen konnte, daß mich das mit 65 Minuten sehr lange Programm für eine Vorgruppe keine Minute langweilte. Höhepunkte waren Arcadia, Rusty nails, das aus der gemeinsamen Arbeit mit Modeselector als "moderat" stammt und vor allem ein Stück in der Mitte, dessen Namen ich nicht kenne, bei dem Herr Nackt erstmals Klavier spielte und die Lichteffekte auf dem Bühnenboden den Eindruck von Zeitrafferaufnahmen machten!

Nach der Pause zurück im Konzertsaal fiel gleich der ungewohnte Bühnenaufbau für Owen Pallett auf. Bisher hatte ich den Geiger zwar schon ein oder zweimal mit zusätzlichem Gitarristen gesehen (Thomas, glaube ich), ein Schlagzeug hatte er aber noch nie dabei. Es sollte aber noch ein wenig dauern, bis das zum Einsatz kam, denn zunächst begann Owen alleine. Aber auch der Startsong E is for estranged klang etwas ungewohnt, leicht anders arrangiert, sofern man das bei der Art, auf die der Künstler seine Stücke vorträgt, sagen kann. Ich glaube, es gab ein paar zusätzliche Geigenspuren.*

Und es gab den ersten Lacher. Während des Spielens entfernte sich der Sänger ein
Stück Papier, das unter dem Schuh klebte.

Auch The arctic circle aus der Zeit, als er noch unter Final Fantasy firmierte, spielte Owen Pallett alleine, bevor er die Band, den Schlagzeuger und einen Gitarristen (der aber nicht besagter Thomas war) auf die Bühne rief. "Wie jeder Solokünstler über 30 gründe ich eine Band. Das ist die Midlife Crisis - Quarterlife Crisis! Oh, das wären ja 120 Jahre, toll!"

Gemeinsam mit Band sind die Lieder den Album Versionen sehr viel näher. Vor allem das Schlagzeug macht den Unterschied zu Owens alleine gespielten Liedern. Das ist natürlich auch nicht schlecht, es nimmt aber ein wenig das Besondere, das seine Konzerte alleine bieten. Später, als die Band zu
Scandal at the parkade (von der im Herbst erschienenen EP A Swedish love story) und That's when the audience died verschwand, thematisierte er das auch: "damit ihr nicht denkt, ich habe meine Intimität verloren." Ich weiß nicht, ob es weniger intim ist, zumindest gehen das Geloope, der scheibchenweise Aufbau der Lieder verloren bzw. treten diese in den Hintergrund, wenn sie eben mit einem Schlagzeugeinsatz beginnen und nicht mehr mit vielen kleinen Rhythmusaufnahmen mit der Geige. Bei Scandal at the parkade, einem eh grandiosen Stück, fiel das extrem deutlich auf. Da zupfte und strich sich Owen die Melodie zusammen, da geigte es wieder, ohne das er das Instrument bediente, und am Ende schienen alle Streicher des WDR Sinfonieorchesters hinter den Vorhängen mitzugeigen.

Unzweifelhaft waren also alle solo vorgetragenen Stücke die Höhepunkte des Abends. Mit Band gefiel mit Midnight directives am besten, denn hier spielte das Schlagzeug eine kleinere Rolle, stand nicht im Vordergrund.

Owen Pallett spielte fast sein gesamtes Album Heartland (ich meine, das sehr kurze Mount Alpentine wäre auch noch irgendwo vorgekommen, weiß aber nicht mehr wo) und dazu einige Gassenhauer der Alben, die er als Final Fantasy veröffentlicht hatte. Beendet wurde das Set mit Tryst
with Mephistopheles, das vielleicht eines der Lieder ist, die er bisher ohne Band nicht spielen konnte, es scheint nämlich erst seit 2011 im Programm zu sein.

Nach kurzem Verschwinden folgten die herausragenden Zugaben. Zunächst wieder alleine trug Owen Many lives -> 45 mp vor, bei dem ich nie weiß, wie es heißt und
mir notiere "Schrei ins Geigenmikro." Dieses Brüllen des Refrains "Son you should" in sein Instrument ist grandios! Auf Platte geht das natürlich auch wieder unter, man muß live erleben, wie der Kanadier wirklich alles an seinem Instrument nutzt, um Songs aufzubauen. Die zweite Zugabe war ein anderer Höhepunkt von Owen Pallett Konzerten, ein Cover. Hier kenne ich den Künstler zwar nur durch den Geiger und nicht das Original, aber sicher ist auch das (Interview von Simon Bookish, der u.a. The Organ geremixt hat) in der Ursprungsform deutlich anders.

Die Band kam zurück, um mit
This is the dream of Win and Régine als geplant letztes Lied zu spielen. Das Stück über die beiden Köpfe von Arcade Fire ist eines der besten Final Fantasy / Owen Pallett Lieder und war auch in der Bandversion hervorragend!** Danach hätte durchaus Schluß sein können, es waren 75 Minuten gespielt, und alle schienen glücklich.

Aber Owen kam noch einmal wieder, tat, als habe er nichts mehr im Programm und performte das Caribou Cover Odessa, das noch einmal ein riesiges Ausrufezeichen am Ende des Abends war!

In dieser brillanten Akustik machen vermutlich die meisten Konzerte Spaß. Aber solch herausstechenden Künstler wie Owen Pallett oder Beirut sind wie für diesen Saal gemacht. Bis nächstes Jahr dann, Philharmonie.

Setlist Owen Pallett, Philharmonie, Köln (c/o pop):

01: E is for estranged
02: The arctic circle
03: A man with no ankles
04: Flare gun
05: Lewis takes action
06: The great elsewhere
07: Lewis takes off his shirt
08: Scandal at the parkade
09: That's when the audience died
10: Oh heartland, up yours!
11: Midnight directives
12: Keep the dog quiet
13: Tryst with Mephistopheles

14: Many lives -> 49 mp (Z)
15: Interview (Simon Bookish Cover)
16: This is the dream of Win and Régine (Z)

17: Odessa (Caribou Cover) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Owen Pallett, Paris, 22.02.11
- Owen Pallett, Eindhoven, 18.02.11
- Owen Pallett, Paris, 01.06.10
- Owen Pallett, Barcelona, 28.05.10
- Owen Pallett, Frankfurt, 15.03.10
- Owen Pallett, Haldern, 14.08.09

* bei Veranstaltungen der c/o pop sind so viele Musikprofis, da muß man sich als Parajournalist besonders anstrengen und auf die Feinheiten achten.
** um das zu verdeutlichen: auch die mit Band gespielten Stücke waren hervorragend. Nur ist Owen solo noch deutlich spannender.




Donnerstag, 13. August 2009

Beirut, Köln, 12.08.09

13 Kommentare

Konzert: Beirut
Ort: Philharmonie Köln (c/o pop)
Datum: 12.08.2009
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft (vielleicht 1.800)
Dauer: Beirut gut 85 min, Johannes Stankowski und Band 35 min


Richtig warm geworden bin ich mit Zach Condons Beirut bisher nicht. Die Musik des Amerikaners ist besonders, gar keine Frage. Aber der Funke, der dafür gesorgt hätte, daß Beirut eine größere Rolle in meinem Hörverhalten gespielt hätte, ist nie übergesprungen - und das, obwohl es kaum jemand so meisterhaft beherrscht, seinen Stücken großartige Namen zu geben! Trotzdem wollte ich mir Beirut natürlich ansehen, denn oft begeistern Bands mit solch wuchtigem Sound ja erst live richtig. 2007 fiel Zachs Stimme, 2008 der Rest aus; Chancen, die Balkan-Folk-Pop Band im Rhineland zu sehen, gab es nicht.

Als dann die c/o pop ein Beirut Konzert im der Kölner Philharmonie ankündigte, funktionierte bei mir wohl erst einmal das sozialpyschologische Prinzip der Knappheit: schwer zu sehen -> also kaufen... Aber in meinem schlanken Konzertkalender waren ganz ehrlich sehr viele andere Abende, von denen ich mir (fürs Herz) mehr versprach. Ok, Philharmonie und eine Band, die ich immer schon mal erleben wollte, ist schon toll, Lieblinge wie Noah And The Whale oder Saint Etienne endlich einmal zu sehen, Nummern besser.

So ungefähr war meine Erwartungshaltung.

Das Ambiente war ähnlich, die Stimmung weit weniger feierlich-entrückt als bei Antony And The Johnsons im April in der Alten Oper in Frankfurt. Los ging es relativ pünktlich mit Johannes Stankowski und Band aus Köln. Den Sänger hatte ich bisher nur mit seiner alten Band Werle & Stankowski gesehen. Das gefiel mir gut, denn die Mischung aus ganz reduzierter Gitarrenmusik mit elektrischen Beats, schöne Melodien und eine gute Stimme machte schöne Musik.

Auch wenn Johannes Stankowski und Band Sachen von Werle & Stankowski gespielt haben (das grandiose Lady Grey!), klingt die Band heute nach einer amerikanischen
Band. Gäbe es nicht Johannes' großartige kölsche Ansagestimme, hätte man die Band auch für Freund von Zach aus New Mexico halten können. Perfektioniert wurde dieser Eindruck am Ende durch den Einsatz einer knallroten Steelguitar (oder so - hier spricht der nicht-Musiker). Aber auch die meisten Lieder klangen nach amerikanischen Referenzbands, nicht nach Köln. Johannes' Band hatte zumindest auf einer Position ein mir bekanntes Gesicht, Tasteninstrumente spielt der Wolke Keyboarder Benedikt Filleböck. Komplettiert wird die Gruppe durch Daniel Schaub (Basse), Dan Enderer (Schlagzeug) und Phillip Tielsch (Gitarre). Die Setlist bekomme ich wohl leider nicht zusammen...

Nachdem wir die Pause mit Getränken verbracht hatten, wurde es um zwanzig nach
neun spannend. Also unser Grübeln, wie viele Musiker Zach wohl mitbringen würde. Da standen nämlich viel zu wenige Mikros... Wie soll man denn den wuchtigen Balkan-Mexiko-Sound mit fünf oder sechs Hansels erzeugen? Obwohl die Philharmonie eine grandiose Akustik hat, schien das doch ein wenig dünn zu sein. Wir kamen zu dem Schluß, daß das große mexikanische Orchester wohl rechts oder links der Band aufgebaut werden müsse.

Es kamen dann aber wirklich "nur" sechs Musiker, und alle hatten Instrumente, die sie in richtigen Rockbands zu Außenseitern machen würden. (Kontra)bass,
Trompeten, Akkordeon, Posaune, Glockenspiel, Hörner, Tuba, eine Ukulele und ein ganz merkwürdig abgespecktes Schlagzeug (waren da neben der Bassdrum und einer kleinen Trommel wirklich keine anderen?).

Der Anfang des ersten Stücks Nantes hörte sich schon vielversprechend an. Die Akustik des Saals erzeugte dann aber dann erst mit dem Einsetzen der Bläser den ganz großen Effekt. Die perfekte Abmischung der Stimmen mit den lauten Instrumenten, einfach atemberaubend!

Schon bei The Shrew, einem der "mexikanischen" Lieder von der Doppel-EP March Of The Zapotec / Holland klatschte der halbe Saal mit und juchzte, als die mittelamerikanischen Tröten einsetzten! Wie fabelhaft! Ein zu unrecht von mir bisher weitestgehend ignoriertes Lied!

Egal von welcher Platte, alle Stücke begeisterten mich. Die lauten sicher mehr als ruhigere Sachen wie Elephant gun. Zwischendurch kündigte Zach ein Serge Gainsbourg Cover an. Auch auf die Gefahr hin, daß mich jetzt Blitze treffen -
La Javanaise war das schwächste Stück des Abends.

Die besten des normalen Teils des Konzerts waren für mich das abschließende
After the curtain, The Shrew und Mount Wroclai. "Normaler Teil" eines Konzerts ist in meinem Sprachgebrauch eigentlich alles vor den Zugaben. Hier hat das aber durchaus noch eine weitere Bedeutung. Denn nicht nur die Setlist betreffend, änderte sich jetzt einiges. Während bei den ersten Liedern sich nur die (wegen ihrer schrecklichen Jackets armen) Ordner bewegten, durchzuckte es mit den ersten Zugaben immer mehr Leute, nach und nach stand das Publikum auf und feierte die drei offenbar geplanten Zugaben The penalty, Carousels und Siki siki baba. Ein sehr schöner, vor allem würdiger Abschluß eines wirklich vollkommen überzeugenden Konzerts! Vermutlich eines der besten des Jahres! Überall glückliche Gesichter! Hätte es so geendet, alles wäre gut gewesen!

Aber Zach hatte vorher wohl nicht gelogen, als er nach dem üblichen "schön, in Köln zu sein" (Rockstar-Lexikon, Seite 15) noch zufügte, daß er Köln lieber möge als Berlin. Denn nach langem Klatschen kamen die Amerikaner wirklich noch einmal
wieder, auch zum Erstaunen des Tourmanagers oder Roadies. Das nächste Lied habe man sehr lange nicht gespielt, man wolle es aber versuchen. Und "versuchen" war wohl das Stichwort...

Irgendwer links vor mir fragte dann ziemlich schüchtern die Band, ob man auf die Bühne klettern dürfe zum Tanzen. Kein Problem! Und plötzlich kletterten rechts und links zig Menschen auf die ehrwürdige Bühne, bildeten einen Halbkreis um Beirut, klatschten und tanzten und verwandelten das ernste Gebäude in eine Partybude! Krawall und Remmidemmi! Es war unglaublich toll!

Und es hörte nicht auf, denn nach Rhineland (ungeschlagen bestes Lied des Abends), stimmten die sichtlich angetanen Musiker My night with the prostitute from Marseille an. Und nein, es gab keinen Grund, da schon Angst vor dem Ende zu haben. Denn auch The Gulag Orkestar spielten Zach und Kollegen noch.

Und als dann endgültig Schluß war, schüttelten
Tänzer und Musiker sich die Hände, bedankten sich die Leute am Bühnenrand mit Umarmungen von der Band, die uns einen irren Abend mit den besten letzten Minuten geschenkt hatte! Der Auftritt wird übrigbleiben im Konzertgedächtnis!

Setlist Beirut, Philharmonie Köln, c/o pop:

01: Nantes
02: Mimizan
03: The Shrew
04: Elephant gun
05: The concubine
06: Mount Wroclai
07: La Javanaise (Serge Gainsbourg Cover)
08: Postcards from Italy
09: Cocek (instrumental)
10: Scenic world
11: Cherbourg
12: The Akara
13: A sunday smile
14: After the curtain

15: The penalty (Z)
16: Carousels (Z)
17: Siki siki baba (Z)

18: Rhineland (Heartland) (Z)
19:
My night with the prostitute from Marseille (Z)
20: The Gulag Orkestar (Z)

Links:

- Beirut am 12.05.09 in Paris
- und am 27.11.07 auch dort
- und schließlich am 12.11.07 im Olympia in Paris
- mehr Fotos von Beirut in der Philharmonie



 

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