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Montag, 10. Juni 2024

Belle & Sebastian, Köln, 09.06.24

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Gloria, Köln
Datum: 09.06.2024
Dauer: 100 min
Zuschauer: 950 (ausverkauft)



"Wie lange waren wir nicht mehr in Köln?" - "15 Jahre!" - "15 Jahre? Wirklich?"
Boah, da rufe ich einmal rein bei einem Konzert und dann ist es gelogen. Es ist erst 13 Jahre her, seitdem Belle & Sebastian im E-Werk aufgetreten sind (mit den fantastischen Zoey van Goey als Support). Ein Konzert in der Live Musik Hall vor wenigen Jahren war von der Band abgesagt worden. Dazwischen habe ich die Band dann halt anderswo sehen müssen (eine Auswahl weiter unten), zuletzt aber jetzt auch schon wieder vor sechs Jahren. 

Das mit dem Reinrufen ist so eine Sache bei mir. Ich kann das einfach nicht. Vermutlich kommt das im gleichen Paket mit Drängeln und Schubsen. Bei meinen letzten Konzerten hatte Stuart Murdoch immer wieder nach Liedwünschen gefragt, eine tolle Chance, einige meiner Lieblinge, die ich noch nie live gehört habe, zu erbitten. Stattdessen haben andere dann ihre Another sunny days oder Funny little frogs bekommen. Diesmal war ich besser vorbereitet und hatte eine Auswahl per Instagram geteilt, die Band hat es geherzliked, ich war gespannt.

Nachdem die sehr sympathische Vorgruppe Morganway (musikalisch so gar nicht meine Teetasse) eine halbe Stunde Irish Folk gespielt hat, begannen Belle & Sebastian um neun. Das Gloria ist der perfekte Ort für ein Belle & Sebastian-Konzert und war natürlich ausverkauft. Naja, perfekt für uns. Stuart sagte irgendwann, dass die Band lange nicht mehr auf so einer kleinen Bühne gespielt hatte. Oasis hatten vor ein paar Jahren ein Radiokonzert im Gloria gespielt und in einem Interview gesagt, der Club sei kleiner als ihre üblichen Garderoben. Stuart bezog das aber auf das regelmäßige Anrempeln der Bandmitglieder. "Wir sind sehr höflich, wir entschuldigen uns dauernd."


Seit meinem letzten B&S-Konzert hat die Band zwei Platten veröffentlicht. Auch wenn die Veröffentlichung der letzten (Late developers) noch nicht lange zurückliegt, spielten die Songs der beiden Alben auf der Tour keine zentrale Rolle. Trotzdem begann das Konzert im Gloria nach Expectations (Tigermilk) mit einigen neuen Sachen: dem tollen What happened to you son?, einer ganz aktuellen Single, die auf keinem Album ist, So in the moment und Give a little time (unterbrochen von She's losing it). 

Danach folgte ein fantastischer Lauf durch die ersten Platten, beginnend mit dem "deep cut" und Liebling Century of fakers, ein paar Sachen, die immer (The boy with the arab strap) oder meistens (Another sunny day) Teil des Sets sind, greatest Hits wie Piazza New York catcher (Trivia, die hier auch immer kommt: Stuart Murdoch ist Red Sox Fan) oder Like Dylan in the movies, zu dem er die Geschichte erzählte, dass die Zeile don't look back den Filmtitel des Bob-Dylan-Films aus den 60ern zitiert. "Hoffentlich habe ich es Euch damit jetzt nicht versaut, dass ich das erklärt habe!" 

Die Band war blendender Laune. Stevie erklärte auf die Frage, was er denn in Köln gemacht habe, er habe nichts gemacht. Er habe am Samstag zu viel getrunken. Nach The boy with the arab strap, bei dem wieder auf der Bühne getanzt wurde, stellte Stuart fest, dass seine Gitarre bei dem Lied wohl nicht funktioniert hätte. In der entstehenden Pause imitierte Stevie sehr zu Stuarts Freude Springsteen. 

Piazza New York catcher war eine von zwei Alternativen. Stuart Murdoch hatte der Band vorher angezeigt, man spiele Lied eins. Danach entschied er, Song 2 (Dress up in you) auch noch zu spielen. Statt "missed" hatte der Schlagzeuger aber wohl "messed" verstanden. Ey, Schottisch! 


Es war ein wunderschöner Abend mit allem, was man sich wünscht. Wo sieht man schon zwei Melodicas gleichzeitig? Oder die Ausflugsfotos der Bandmitglieder? Sarah war zum Beispiel in der Seilbahn unterwegs, irgendwer bei 4711 und Stevie wohl im Bus. 

Leider war nach zwei Zugaben Schluß. Vermutlich, weil jemand im Publikum nach Fox in the snow "one more song" gefordert hatte. 

Das nächste Mal werde es nicht wieder 15 Jahre dauern, bis sie wieder nach Köln kämen (ich habe da so einen Traum). Und mein nächstes B&S-Konzert wird auch nicht in sechs Jahren stattfinden, dafür war der Abend zu euphorisierend. 

Setlist Belle & Sebastian, Gloria, Köln:

01: Expectations
02: What happened to you son? (neu)
03: So in the moment
04: She's losing it
05: Give a little time
06: Century of fakers
07: I want the world to stop
08: Piazza New York catcher
09: Dress up in you
10: To be myself completely
11: Like Dylan in the movies
12: Do you follow?
13: A summer wasting
14: The boy with the arab strap 
15: Another sunny day
16: Get me away from here I'm dying

17: Fox in the snow (Z)
18: Sleep the clock around (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Esch, 11.02.18
-
Belle and Sebastian, Utrecht, 01.09.17
- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10

Montag, 12. Februar 2018

Belle & Sebastian, Esch-sur-Alzette, 11.02.18

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette
Datum: 11.02.2018
Dauer: Belle & Sebastian knapp 110 min, Pictish Trail 35 min
Zuschauer: vielleicht 800 (nicht ausverkauft)



Kurz vor Ende des Konzerts hatte ich die große Chance, eine der Lücken in meinem perönlichen Belle & Sebastian Livekatalog zu schließen. Stuart Murdoch merkte, daß nach der einen geplanten Zugabe (Like Dylan in the movies) noch genug Begeisterung für ein weiteres Lied da war. Er beriet sich kurz mit Stevie Jackson und Sarah Martin, hatte aber keine Idee, also bat der Sänger um Vorschläge. Ich leide an Reinruf-Phobie, hatte aber am Mittag während Olympia einmal meine B&S-Lieblingslieder, die ich noch nicht gesehen habe, zusammengetragen und hätte diese Liste abbauen können. Dummerweise fiel mir nur das schlecht reinzurufende I love my car ein. Außerdem brüllten mich die viele Briten im Saal nieder, verstehen konnte man nichts, vor allem nicht meinen Wunsch. Bei Stuart kam aber doch von irgendwo das schöne, in dieser Situation aber vollkommen unspektakuläre I want the world to stop an (pinkes Album), Hashtag Perlen vor die Säue. Weil er dann aber feststellte, daß er den Text nicht mehr kann und das Sarah mitteilte, ergab sich meine zweite Chance. "Photo Jenny!" Allerdings hatten sich Sarah und Stuart da schon darauf verständigt, daß sie ihm mit dem Text helfe. Also keine Photo Jenny für mich, über die kann sich dann vielleicht das Züricher Publikum heute abend freuen. Mist!

Seit 2016 ist die Herausforderung größer geworden, noch neue alte Belle & Sebastian Songs live zu hören. An zwei Abenden hatte die Band in der Royal Albert Hall die Geburtstage der ersten beiden Alben (grau und rot) gefeiert und diese komplett gespielt. Bessere Konzerte der Gruppe aus Glasgow werde ich wohl nicht mehr sehen, so viele selten gespielte Lieblinge und Deep Cuts (nerd.). Ein paar dieser Songs hatten es schon in mein Konzert nach der RAH geschafft und auch heute gab es wieder einen ganzen Schwung alter Perlen und - verglichen mit den Sets der letzten Jahre - überraschender Songs. The boy done wrong again oder Stay loose, We rule the school, I don't love anyone und Wrapped up in books.  Auch das ursprünglich mit Norah Jones eingesungene Little Lou, prophet Jack, ugly John von der vorletzten Platte Write about love spielt die Band jetzt regelmäßig. Daß ich das Lied und das pinke Album kaum kenne, merkte ich daran, daß ich sicher war (und das komisch fand!), daß Stevie Jackson den Gesangspart von Norah Jones singen würde, später setzten dann aber auch Sarah Martin noch ein und war dann wohl die eigentlich Norah.

Belle & Sebastian stecken gerade in der Veröffentlichung dreier EPs (How to solve our human problems I bis III). Die Platten eins und zwei sind bereits erschienen, Nummer drei kommt am Freitag. Dummerweise und sehr amateurhaft hatte ich die Dreierbox vorbestellt, kannte also fast nichts von den neuen Liedern. Auch wenn ich gewöhnlich sehr schlecht vorbereitet zu Konzerten gehe, wollte ich hier doch wenigstens auf der Hinfahrt die beiden EPs hören und kaufte sie digital. Beruhigenderweise ist auch auf How to solve... wieder ein Lied, das so gut ist, daß es sofort hängenbleibt (We were beautiful). Die Band befindet sich ja in einer Phase, in der nicht mehr jedes Album eine If you're feeling sinister ist. Wenn aber auf jeder Platte oder EP Stücke wie Nobody's empire, I didn't see it coming oder We were beautiful sind, gibt es keinen Grund, sich von einer Lieblingsgruppe aus Relevanzgründen zu verabschieden, auch wenn I'm a cuckoo und vor allem The boy with the Arab strap für mich nicht mehr spannend sind. 

Die EPs, die eine Art Hommage an die frühen EPs vor Tigermilk und If you're feeling sinister sein sollen, standen im Mittelpunkt des Sets. Neben We were beautiful spielte die Band das gute I'll be your pilot, das von Sarah Martin gesungene The same star und der Stevie Jackson Song Sweet Dew Lee. Ich vertrete seit einiger Zeit die Theorie, daß der schlacksige Gitarrist in seinem Vertrag die Garantie stehen hat, ein eigenes Lied in jedem Konzert spielen zu dürfen. Auf der Tour zur letzten Platte war das das schlechteste Stück der Band (ever) Perfect couples noch gesetzt. Die ersten Male spielte man den Song auch in einer endlos langen Version, da wurde mein Fantum sehr auf die Probe gestellt. Von Konzert zu Konzert büßte Perfect couples Strophen ein, der heutige Auftritt war mein erster ohne. Stevies Ersatz ist leider auch eher lang als gut. Zwar wohl eher in der Sechs- als in der Neun-Minuten-Liga und besser als Perfect couples, wenn man während eines Konzerts kurz zum Auto oder zum Pizza-Stand im Vorraum muß, ist das der Zeitpunkt.

Belle & Sebastian spielten zum ersten Mal in Luxemburg, sie waren aber gut vorbereitet. Stuart bat irgendwann darum, ein paar vorbereitete Fotos zu zeigen, darunter zwei Postkarten, eine von den Betonbauten des Centre Européen. Ein Bild zeigte die luxemburgischen Sieger des ESC, die allesamt nicht aus Luxemburg stammen. Der Sänger nannte France Gall und ihren Titel Poupée de cire, poupée de son. Leider spielten sie es nicht! Dabei haben B&S diesen Song früher gecovert - herzerweichend schön!

Bei The Boy with the Arab strap wurden wieder Gäste zum Tanzen auf die Bühne gebeten. Mit denen saß Stuart dann später am Bühnenrand und interviewte sie. Daß kaum jemand aus Luxemburg selbst da war und stattdessen viele Briten, Spanier und Deutsche hatte er schnell mitbekommen, die Luxemburger fragte er, ob sie alle aus dieser befestigten Innenstadt stammten. Luxemburg sei ein Dorf als Land, ein sehr schönes Bild. Immerhin hatte die Band offenbar kein Problem, einen einheimischen Trompeter zu finden, denn Max war offenbar Teil des technischen Riders und kommt aus Esch.

Sie hätten einen tollen Job, erklärte Stuart irgendwann. Und das merkt man ihm auch nach zweiundzwanzig Jahren noch an (er werde bald vierzig, behauptete er allerdings auch). Sie spielten Konzerte und stiegen danach in den Bus. "And when we wake up we're in a... Switzerland." Und Sonntag in einem Frankfurt, und da sehen wir uns wieder. Ich bin dann fürs Reinrufen besser vorbereitet. #photojenny
 

Setlist Belle & Sebastian, Rockhal, Esch:

01: Nobody's empire

02: I'm a cuckoo
03: We were beautiful (neu)
04: The boy done wrong again
05: Wrapped up in books
06: Sweet Dew Lee (neu)
07: Sukie in the graveyard
08: We rule the school
09: I'll be your pilot (neu)
10: Little Lou, prophet Jack, ugly John
11: The same star (neu)
12: Stay loose
13: I don't love anyone
14: The boy with the Arab strap
15: The party line
16: The stars of track and field

17: Like Dylan in the movies (Z)
18: I want the world to stop (Z)

Tourdaten Belle & Sebastian:

16.02.18: Muffathalle, München

17.02.18: Admiralspalast, Berlin (ausverkauft)
18.02.18: Batschkapp, Frankfurt

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Belle and Sebastian, Utrecht, 01.09.17
- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10



Foto: Archiv (leider keine vom Konzert) 



Samstag, 2. September 2017

Belle & Sebastian, Utrecht, 01.09.17

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: TivoliVredenburg, Utrecht
Datum: 01.09.2017
Dauer: ca. 95 min
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)




Es gab eine Phase in meiner Beziehung zu Belle & Sebastian vor zwei bis drei Jahren, in der ich dachte, langsam werde mir die Band egaler. Im vergangenen Jahr kam erschwerend dazu, daß die Schotten in der Royal Albert Hall ihre beiden ersten Alben, die 20 wurden, mit zwei fantastischen Abenden feierten. Besser als am Tigermilk-, vor allem aber am If you're feeling sinister-Tag werde ich die nie mehr sehen, so viel war klar. Wie denn auch? Nach den beiden Platten spielten B&S noch Zugaben, die aus B-Seiten, selten oder nie gespielten Songs und eben nicht den Standards bestand (Marx and Engels!). Wenn die Band nicht irgendwann alle frühen EPs an einem Abend spielt, können jetzt leider nur noch schlechtere Konzerte kommen, so mein nächster Gedanke.

Trotzdem musste ich natürlich nicht nachdenken, ob ich zum Konzert in Utrecht fahren würde. So oft kann man die Glasgower Lieblinge nicht sehen, die letzte Deutschlandtour wurde vor ein paar Jahren abgesagt, neue sind nicht in Sicht, fürs Cologne Popfest ist die Band zu groß. 

Als sich Stuart Murdoch nach der zweiten Zugabe, dem ewig nicht gehörten  We are the sleepyheads zu seinen Bandkollegen umdrehte (auch der Schlagzeuger war da!), die gerade gehen wollten, wunderte er sich und bat doch, noch eine dritte Zugabe zu spielen. Trotz der sehr langen Rückfahrt hätte ich gerne noch zehn gehört. Das Konzert war nämlich trotz all meiner Befürchtungen wieder durch und durch aufregend, unterhaltsam, kurzweilig.

Vor B&S-Konzerten gucke ich mir nie die Setlisten der umliegenden Auftritte an, ich möchte mich überraschen lassen. Das funktionierte schon von Beginn an gut. Die Schotten begannen mit Act of the Apostle (I), das ich nie erwartet hätte. Vor der aktuellen Tour hatten sie das zuletzt 2006 zur The life pursuit gespielt. Alles was nicht aus der I'm a cuckoo- oder Funny little frog-Liga kommt, macht ein Klasse-Konzert meiner Lieblinge aus.

... I'm a cuckoo und Funny little frog waren zwei der nächsten drei Lieder. Obwohl ich die so oft gesehen habe und nicht mehr hören kann (dachte ich), waren sie gut! Vor allem Funny little frog machte großen Spaß. Die Version war neu. Jedenfalls glaube ich das (mein selbsterklärtes B&S-Expertentum bekam später einige tiefe Kratzer). Früher sangen Sarah Martin und Stevie Jackson nur im Refrain (bzw. Hintergrund) mit, heute ist Funny little frog ein Duett von Stuart und Stevie, das tut dem Stück extrem gut. 


Zwischen den beiden kam das erste (nunja) neue Lied, We were beautiful, das die Belles neulich präsentiert haben. Das Stück fängt langsam an, getragen und etwas düster, dann kommt ein Teil, der mich an This is not America erinnerte, bevor der wunderschöne Refrain einsetzt. Ein Hit!

Bis dahin war das Konzert schon beruhigend toll! Ein überraschender Auftakt, zwei der lästigen Dauerbrenner erledigt (und einer von denen neu und schön) und ein neuer Song, auf den ich mich künftig freue. Auch beim Frontmann schien die Laune gut zu sein. Er erzählte wie üblich viel, das wirkte aber ehrlich fröhlich. Er erzählte vom letzten Konzert in Utrecht 2004, vom Best Kept Secret Festival, das er geliebt habe und wunderte sich, daß Belle & Sebastian im Rahmen des Alte-Musik-Festivals im Tivoli spielten (das fand da auch statt). Das nächste Lied (apropos alte Musik) sei das einzige, das sie 2004 schon gespielt hätten. Es war Wrapped up in books von Dear catastrophe waitress, auch wieder ein Song aus den Tiefen des Archivs. 


Selbst das mit Abstand schlechteste Lied von Belle war bei weitem nicht so ein Stimmungskiller wie sonst. Perfect couples ist ein von Stevie Jackson geschriebener Titel, den er vermutlich immer spielen darf, wenn er will. Und er will immer, das Lied steht auf jeder Setlist. Bei meinen ersten Malen 2014 und 2015 war Perfect couples wie Religionsunterricht am Samstag, es hörte einfach nicht auf. Sieben Minuten eines schlechten Lieds heißen eben auch, daß zwei gute im Set fehlen. 2017 ist Perfect couples nur noch vier Minuten lang, juchuu! 

Nach zwei Evergreens (Sukie und dem wunderbaren Piazza, New York catcher, dem Lied über den Baseball-Spieler der NY Mets, der Stadtrivalen der Rivalen von Stuarts Lieblingsteam Boston Red Sox - guter Mann! -, das der Sänger über sein Kennenlernen seiner Frau geschrieben hat) kam mein erster Aussetzer. Ich hielt das nächste Lied für ein neues. Dabei stammt Little Lou, ugly Jack, prophet John vom pinken Album, das ich ganz offensichtlich kaum gehört habe. Immerhin erkannte ich es heute morgen. Anders das übernächste Lied - gemeinerweise spielte die Band zwei von ...write about love, das ich auch eben noch für ein neues hielt (I can see your future).

Bevor am Ende die beiden Tanzklassiker The boy with the arab strap und Legal man, gefolgt vom Top-drei-Hit Like Dylan in the movies (mein Unterbewußtsein singt gerade wieder "if they follow you, don't look back, like Dylan in the movies") den Hauptteil beendeten, kamen noch drei weitere Besonderheiten, deep cuts, wie echte Musikjournalisten sagen. 


A century of fakers von der 3.. 6.. 9 seconds EP (von 1997), einer meiner großen Lieblinge, Simple things von der grünen Platte und Stay loose (von Dear catastrophe waitress), das ich noch nie gehört habe. Alleine die drei drückten meinen inneren B&S-Reset-Knopf. Ich habe gerade wieder so große Lust, diese Band zu sehen! 

Vor dem Ende mit den Sleepyheads und Judys Pferdetraum komplettierte The party line (in das noch ein Stückchen eines anderen Lieds eingebaut war) das wundervolle Konzert. Und danach zwei Zeilen von There's too much love, über das Stuart und Stevie vorher im Konzert geredet hatten. "Was wir früher für merkwürdige Texte geschrieben haben. There's too much love? Das kann es doch nicht geben, oder Stevie?" - "Damals schon."

Wie toll der Saal im TivoliVredenburg ist, wusste ich vorher, wie sehr ich B&S mag, auch. Daß der Abend so toll würde, hätte ich nie gedacht. Das kleine Highlight war das Video zu Like Dylan in the movies. Das hatte Stuart am Nachmittag beim Radfahren an den Kanälen entlang mit dem Handy gedreht. Oder doch das doppelte Flötenspiel bei Judy and the dream of horses? Ich glaube am meisten mochte ich einen kurzen Dialog zwischen Stuart Murdoch und einer Frau im Publikum. "Als ich vorhin durch Utrecht gegangen bin, sprach mich eine Frau..." - "Das war ich!" War sie nicht, es war aber wunderschön!


Setlist Belle & Sebastian, TivoliVredenburg, Utrecht:

01: Act of the apostle
02: I'm a cuckoo
03: We were beautiful
04: Funny little frog
05: Wrapped up in books
06: Perfect couples
07: Sukie in the graveyard
08: Piazza, New York catcher
09: Little Lou, ugly Jack, prophet John
10: A century of fakers
11: I can see your future
12: Stay loose
13: Simple things
14: The boy with the arab strap
15: Legal man
16: Like Dylan in the movies

17: The party line (Z)
18: There's too much love (ganz kurz) (Z)
19: We are the sleepyheads (Z)
20: Judy and the dream of horese (Z)

Links:

- aus unserem B&S-Archiv:

- Belle and Sebastian, London, 23.06.16
- Belle and Sebastian, London, 22.06.16
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10


Montag, 27. Juni 2016

Belle & Sebastian, London, 23.06.16

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Konzert: Belle & Sebastian (If you're feeling sinister)
Ort: Royal Albert Hall
Datum: 23.06.2016
Dauer: Belle & Sebastian 115 min, Trembling Bells knapp 40 min
Zuschauer: knapp 9.000


Zwischen If you're feeling sinister und dem zweiten Teil des Belle & Sebastian-Konzerts in der Royal Albert Hall lief wieder ein Film auf der Leinwand. Die Frau auf dem Cover des Albums (Ciara MacLaverty) erzählte, wie es dazu kam, daß Stuart Murdoch ein Bild von ihr auf der Plattenhülle haben wollte. Dabei sah es aus, als sei das Cover lebendig geworden. Ciara saß in einer ähnlichen Pose, Licht und Farben waren gleich. Eine wundervolle Idee! Als meine kleinen albernen Lego-Versionen der Belle & Sebastian Plattencover für ein paar Wochen auf der Band-Website zu sehen waren, postete Ciara das Sinister-Bild in ihrem Blog und überschrieb das mit "I've been immortalised in Lego" - die Frau vom Cover der größten Indiepop-Platte, die in allen Plattenschränken von Menschen mit gutem Geschmack steht, über die Stuart in Nobody's empire sang ("Now I look at you, you're a mother of two. You're a quiet revolution, marching with the crowd, singing dirty and loud for the people's emancipation") und die damit das gleiche Unsterblichkeitslevel wie Eric Northman oder ein etwaiger Leverkusener Meistertrainer hat?! Das machte mich sprachlos (und verdammt noch mal, ich hätte mir viel mehr Mühe mit dem Cover gegeben, wenn ich das geahnt hätte!).


Die zweite Hälfte des Geburtstagskonzerts der Band aus Glasgow war mehr als nur eine Zugabe zu Tag eins.  If you're feeling sinister enthält schließlich nur Hits. The stars of track and field, Seeing other people, Me and the major und die Überlieder Like Dylan in the movies und Fox in the snow sind die A-Seite. Wenn überhaupt fällt vielleicht The boy done wrong again etwas ab. Aber das konnte Stuart Murdoch erklären. "Robert Forster von den Go-Betweens hat die Theorie, daß das vorletzte Lied einer Platte immer das schlechteste ist." Vielleicht meinte Stuart aber auch seinen anderen musikalischen Helden Dean Wareham (der B&S Sänger war in seiner Jugend großer Luna-Fan), der das in seiner Biographie auch behauptet.

Der Frontmann klang nach dem gestrigen Konzert in der "English village hall" ein wenig angeschlagen. Seine Stimme war manchmal leicht brüchig. Vielleicht lag das aber auch an der Flucht vor einem Sicherheitsmann am Abend nach dem Tigermilk-Konzert. Er sei noch durch Kensington gelaufen und habe kurz Grüße mit einer der freundlichen Anwohnerinnen dieses noblen Viertels, das so gut rieche, ausgetauscht. "Then she called security!"

Bei der zweiten Hälfte des Konzerts hatte ich wieder Zweifel, ob sie an die Güte des Vorabends rankommen würde. Vielleicht würde die Band auch den Weg des geringsten Widerstands wählen und nur ein, zwei Lieder austauschen. Was doof gewesen wäre, da sicher 80% des Publikums auch den Tigermilk-Abend gesehen hatte.

Stevie kam nicht mit Mundharmonika aus der Pause zurück. Stattdessen erklärte Stuart, man wolle jetzt ein Lied spielen, daß ursprünglich aufs rote Album hätte kommen sollen und in der gleichen Session aufgenommen wurde. Das entpuppte sich als der nächste Riesenknüller This is just a modern rock song! Einer meiner Lieblinge! Wieder einmal! Und es ging so weiter mit den Liedern, die bisher fast nie gespielt wurden. Seymour Stein! A summer wasting! Oder Put the book back to the shelf ("hidden deep on one of the EPs").

Obwohl vielleicht nicht nur die Flucht durchs verregnete Kensington sondern auch die Party nach dem ersten Konzert heftig war, hatten die Bandmitglieder noch bessere Laune. "Let's do our flop single", kündigte Stevie beispielsweise Jonathan David an. Der lockige Gitarrist war vorher von Stuart gefragt worden, ob er ein Deo benutze. Es war ausgelassen.


Es gab lediglich eine Wiederholung in der zweiten Konzerthälfte, das unvermeidliche The boy with the arab strap, bei dem sich die Bühne wieder mit eingeladenen Tänzern füllte. Statt Legal man danach - damit hatte ich fest gerechnet - kam aber die Sängerin der ziemlich schrecklichen Vorgruppe Trembling Bells auf die Bühne und sang mit Stuart Murdoch Lazy line painter Jane, noch so ein... ich wiederhole mich!

Nach der ersten Zugabe The party line (zweiter Song, der sich wiederholte), kam The blues are still blue. 

Das Konzert am Vorabend hatte 22 Stunden lang den Titel "Mein bestes Belle & Sebastian-Konzert bisher" inne. Ich war sehr sicher, daß der zweite Abend da nicht rankommen würde. You know nothing, Christoph Konzerttagebuch. Wenn ich mir ein B&S-Konzert backen könnte, es wäre genau so.

Für mein Leben gerne hätte ich so weitergemacht und noch ein paar Abende lang Alben der Schotten gehört! Damit macht die Band hoffentlich in fünf Jahren beim silbernen Jubiläum weiter! Ein dritter Abend am Freitag wäre ohnehin unvorstellbar gewesen, nachdem London am Morgen durch die Brexit-Ergebnisse in Schockstarre verfallen war.
Setlist Belle & Sebastian, Royal Albert Hall, London:

If you're feeling sinister:
01: The stars of track and field

02: Seeing other people
03: Me and the major
04: Like Dylan in the movies
05: Fox in the snow
06: Get me away from here, I'm dying
07: If you're feeling sinister
08: Mayfly
09: The boy done wrong again
10: Judy and the dream of horses

11: This is just a modern rock song
12: Dirty dream number two
13: A summer wasting
14: Seymour Stein
15: Put the book beck on the shelf
16: Jonathan David
17: I didn't see it coming
18: The boy with the arab strap
19: Lazy line painter Jane

20: The party line (Z)
21: The blues are still blue (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, London, 23.06.16 (Tigermilk)
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15

- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15 
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10




Sonntag, 26. Juni 2016

Belle & Sebastian, London, 22.06.16

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Konzert: Belle & Sebastian (Tigermilk)
Ort: Royal Albert Hall
Datum: 22.06.2016
Dauer: Belle & Sebastian 110 min, Teleman knapp 30 min
Zuschauer: vielleicht 9.000



1996 erschienen die ersten beiden Alben von Belle & Sebastian, das graue und das rote. Auch das einjährige Jubiläum dieser beiden Meisterwerke wäre eine Feier wert gewesen, das zwanzigste allemal. Also buchte die Band aus Glasgow die Royal Albert Hall für zwei Abende im Geburtstagsmonat von Tigermilk, um dort zu feiern. Juchuu!

Obwohl es wahnsinnig schwierig war, im vergangenen Juli Tickets zu bekommen, war die Halle nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft. Habe ich "Halle" gesagt? Das wird der Eleganz der Royal Albert Hall natürlich nicht annähernd gerecht. Wir saßen in einer der Achter-Boxen im zweiten Rang, gleich über dem Orchester.



Der erste Abend machte ein frühes Kommen wichtig, als Vorgruppe waren nämlich Teleman angekündigt. Teleman sind die Nachfolgeband von Pete and the Pirates und haben mit Düsseldorf den Hit des Jahres. Kurz nach ihrer Gründung hatte ich Teleman 2013 schon einmal als Suede-Support in Köln gesehen. Leider fehlten der Band am Anfang die großen Hits ihrer Vorgänger-Gruppe, obwohl drei der vier Telemen schon da Mitglied waren. Mit dem zweiten Album Brilliant sanity sind auch wieder die riesigen Songs da. Düsseldorf und Glory hallelujah sind Knüller, wie sie Pete and the Pirates reihenweise veröffentlicht haben (ohne damit den verdienten Erfolg zu haben). Teleman sind ein wenig wie eine popigere Version der Maccabees (oder sogar der Foals) - mit einer aufregenderen Stimme. Die Stimme hat Thomas Sanders, neben dem dessen Bruder Jonny, Bassist Pete Cattamoul und Schlagzeuger Hiro Amamiya zur Band gehören.



Obwohl der Sound bei uns auf halber Hallenhöhe nicht brillant war und Teleman lediglich eine halbe Stunde Zeit hatten, überzeugte mich das Konzert vollständig! Düsseldorf, Cristina, Tangerine, Glory hallelujah, alles Hits! Die Bühne in der Albert Hall ist riesig, wegen der Größe ihrer Songs wirkten die vier Musiker aber nicht verloren. Zu gerne hätte ich noch eine Weile länger zugehört. Aber es sollte ja noch etwas anderes kommen.

Setlist Teleman, Royal Albert Hall, London:

01: Skeleton dance
02: Düsseldorf
03: Fall in time
04: Cristina
05: Tangerine
06: Steam train girl
07: Glory hallelujah



Über das B&S-Konzert hatte ich mir vorher eine Menge Gedanken gemacht, ganz anders als sonst. Belle & Sebastian sind mir wichtig, den letzten paar Konzerten, die ich gesehen habe, fehlte aber der Pfiff. Sie wirkten zu routiniert, die Setlisten enthielten keine Überraschungen. Ich hatte ein wenig Angst, daß der angekündigte zweite Teil nach Tigermilk der fünfte Aufguß des Standard-Konzerts des letzten Jahres werden würde. Natürlich sollte eine Band, die ihren 20. Geburtstag feiert, sich etwas einfallen lassen, dafür gäbe es ja die erste Hälfte (die zwar nicht überraschend aber doch exklusiv wäre). 



Um 20:45 Uhr ging das Licht aus, das Cover der Platte erschien auf der Leinwand hinter der Bühne und die Band trat mit Streichern und einem Bläser auf. Tigermilk begann, wie Tigermilk nun mal beginnt: mit The state I am in, einem der ganz großen Knüller der Schotten. Und mit Szenenapplaus! Es war eine Geburtstagsfeier, und die wurde ordentlich begangen! 


Anders als zum Beispiel beim Primavera 2015 sah man den Musikern an, wieviel Spaß sie hatten. Nein, das hier war kein Routine-Gig. Und wenn sie im zweiten Teil Perfect couples spielen sollten, egal!

Und es war alles so stilvoll! Auf der Leinwand war bis zu Electic renaissance ausschließlich das Tigermilk-Cover zu sehen. Zum letzten Stück der A-Seite liefen Videos von C-64-Spielen! Von Paperboy, California games... wundervoll! Dann kam ein Plattenspieler und eine Hand, die die Platte umdrehte. Electric renaissance ist das letzte Lied der ersten Seite.

Viele der Lieder der zweiten Seite haben Belle & Sebastian in den letzten 20 Jahren kaum gespielt. Mary Jo zum Beispiel vorher erst zweimal. Für mich ist ein B&S-Konzert besonders toll, wenn Stücke gespielt werden, die ich noch nie live gesehen habe. Es waren einige! Mein zweiter Liebling der Tigermilk-Songs ist aber My wandering are over, thematisch quasi das Gründungslied der Gruppe.



Der erste Teil des Abends war wunderbar, es klang fantastisch, die Band feierte ihren Geburtstag und wir die Band. "Meine Mutter und meine Schwester sind so aufgeregt", sagte Stuart irgendwann. "Sie haben Tickets für Placido Domingo morgen bekommen! Aber heute sind sie hier."

Als Tigermilk durch war, trat die Band ab. Auf der Leinwand erschien ein Film, in dem Gründungs-Bassist Stuart David von der Tigermilk-Entstehung sprach. Auch das war stilvoll und kreativ. Man hatte sich Gedanken gemacht. 



Nach ein paar Minuten kamen die vielen Musiker zurück. Stevie Jackson ging mit Mundharmonika zum Mikro und spielte Fuck this shit von der auch von mir immer sträflich mißachteten Platte Storytelling, dieses Instrumental-Kleinod! Nein, kein Standard-Set...



Es folgte der nächste Top-5-Hit: Dog on wheels! Dann Step into my office, baby und Wrapped up in books. Und weil es ja eine besondere Show sei, wollten sie auch besondere Songs spielen, sagte der Frontmann in seinem herrlichen Glasgow-Singsang. "We'll play you a few deep cuts." Marx & Engels, eine der B-Seiten von der I'm waking up to us EP. Von den gut 200 Liedern meiner B&S-Bibliothek wäre Belle and Sebastian meine erste Wahl gewesen, Marx & Engels die zweite. Es war also eine wundervolle Geburtstagsüberraschung! 



Nach Marx & Engels kamen keine Wahnsinns-Überraschungen mehr, das Konzert hielt aber sein Niveau. Piazza, New York catcher oder There's too much love, das sehr gute The power of three von der letzten Platte und der Folklore-Abschluß mit The boy with the arab strap und Legal man, den Liedern zu denen die Band Leute aus dem Publikum zum Tanzen auf die Bühne holt. Stuart tanzte auch eine Menge, mal mit dem Publikum, mal auf den Mauern, die den Innenraum vom ersten Rang trennen, mal crowdsurfend.



Als der Frontmann seine Tanzpartnerinnen und -partner auswählte und nach vorne holte, tauchten auch erstmals mehr als nur der eine Ordner im Fotograben auf - um den Tänzern über das Gitter zu helfen. Der eine Ordner, der vorher immer da war, hatte auch einen ungewöhnlichen Abend. Er machte Fotos von Leuten in der ersten Reihe mit deren Handys!



Das Konzert endete mit den beiden Zugaben I'm a cuckoo und The party line. Aber es war natürlich nicht nur Party. In Step into my office, baby hatte Stuart erst eingebaut im Text und dann noch einmal danach einen Pro-EU-Appell ans Publikum gerichtet.



Für die nächsten 22 Stunden war es das beste meiner bisherigen Belle & Sebastian-Konzerte! Die Setlist war fantastisch, der Rahmen eh. Aber die Band hatte eben auch riesige Freude und die steckte an! Es war weit mehr als einer dieser "XY performs Z"-Abende! Es war die Geburtstagsparty der größten Indiepop-Band der letzten 20 Jahre!

Setlist Belle & Sebastian, Royal Albert Hall, London:
 

Tigermilk:
01: The state I am in
02: Expectations
03: She's losing it
04: You're just a baby
05: Electric renaissance
06: I could be dreaming
07: We rule the school
08: My wandering days are over
09: I don't love anyone
10: Mary Jo

11: Fuck this shit
12: Dog on wheels
13: Step into my office, baby
14: Wrapped up in books
15: Marx & Engels
16: Piazza, New York catcher
17: The power of three
18: There's too much love
19: The boy with the arab strap
20: Legal man

21: I'm a cuckoo (Z)
22: The party line (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15

- Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.15 
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.15
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10
- Teleman, Wiesbaden, 31.03.14
- Teleman, Köln, 21.11.13



Freitag, 7. August 2015

ATP Island Festival 1. Tag, Ásbrú, 02.07.15

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All Tomorrows Party Island Tag 1 mit Konzerten von
  Tall Firs (40 min)
  Public Enemy (60 min)
  Iggy Pop (75 min)
  Belle and Sebastian (70 min)
Ort: Ásbrú bei Kevlafík
Datum: 2. Juli 2015
Zuschauer: zwischen 500 und 8000 


Fast alle Fotos von Claudia, vielen Dank!

Was hat Euch da eigentlich geritten! Das muss man unweigerlich denken, wenn man die Bandzusammenstellung dieses ersten Festivaltages liest, oder?!

Aber die Fahrt zum ATP nach Island hatten wir im Herbst letzten Jahres ausgemacht. Bekannt war da nur der Ort (eine ehemalige amerikanische Airbase in der Nähe des Flughafens von Reykjavík) und dass Belle and Sebastian spielen würden. Es verband sich für uns also die Hoffnung, ein Sehnsuchtsland zu sehen mit der, ein zu Belle and Sebastian passendes - also  tolles - Line-up dort zu erleben, zumal ja in Island kein Mangel an Bands herrscht, deren Musik wir mögen. Nachdem Flug und Unterkunft unserer kleinen Reisegruppe gebucht waren, habe ich lange Monate gar nicht mehr daran gedacht. Es hätte auch nichts genutzt, denn das Programm plumpste tatsächlich erst sehr kurz vorher in die Öffentlichkeit und alle Infos zum Venue sogar erst in dem Moment, wo es schon seit einer Stunde geöffnet war... Ob das nun isländisch tiefenentspannt ist oder schlampig organisiert, weiß ich nicht. Zum Glück war es eigentlich auch nicht so wichtig, weil es auf dieser Reise nicht nur um die Musik ging, sondern wir auch etwas vom Land und den kurzen Nächten um die Sommersonnenwende erleben wollten.


Das Festival begann schließlich für uns damit, unsere Booking-Nummern gegen ein Bändchen zu tauschen, was tatsächlich gut und relativ fix klappte. Das Einlassteam versprühte beste Laune obwohl das Wetter eher so naja war. Es drohte Regen und es war etwa 25 Kelvin kühler als in Deutschland. Anschließend warfen wir einen Blick auf das überschaubare kulinarische Angebot. Es gab Stände mit Fish & Chips und mit Sushi. Die längste Schlange war bei den Burgern (die auch echt lecker aussahen). Für uns war aber das Hummer-Sandwich eindeutig der Knaller und das eigentliche Lokalkolorit (auch in punkto Preis typisch isländisch)... Wobei ich auch noch nie Schafsfuß mit Kartoffelsalat angeboten bekommen habe.


Die meisten Konzerte fanden in den Atlantic Studios statt, einer Halle, die sicher einmal ein Flugzeughangar gewesen war - passend wohl für etwa 10.000 Besucher. An diesem ersten Tag war der Besucher-Höhepunkt das Konzert von  Iggy Pop mit etwa 8.000 Zuschauern (Christoph hat ein bisschen defensiver etwa 7000 geschätzt). Was vielleicht auch denjenigen Recht gab, die sich die etwas verquere Zusammenstellung überlegt hatten und wohl das Ziel verfolgten, möglichst viele Tickets zu verkaufen. Aber auf uns wirkte es eher wie Ein Kessel Buntes. In den Atlantic Studios begannen alle drei Festivaltage gegen 14 Uhr. Außerdem gab es einen kleinere Bühne im nahe gelegenen Theater der Airbase.


Den ersten Tag begannen wir mit dem Duo Tall Firs, anscheinend einem ATP-Urgestein. Sie spielten im Andrews Theater das eindeutig Charme hatte (innen mehr als von außen). Ein Auditorium mit Kinositzen für knapp 400 Leute. Leider mussten wir bis fast zum Beginn des Konzertes warten bis wir eingelassen wurden, was dank des Regens, der inzwischen tatsächlich eingesetzt hatte, nicht sehr nett war. Wir flaxten noch mit dem abfahrenden Barmann, dass wir aus der Stadt kommen, wo sein Auto gebaut wurde, aber das half uns leider auch nichts. Mein Eindruck von Tall Firs war etwas gemischt. Die beiden schienen auf der Bühne schon irgendwie Spaß zu haben, aber bei mir kam das nicht so recht an. Es klang auch irgendwie alles zu ähnlich.


Public enemy würden da jedenfalls mehr Energie rüberbringen. Tatsächlich war das dann schließlich auch mein Haupteindruck: Was für eine Energie diese Riege an Überlebenden von der Bühne pumpte, war ein unvergessliches Erlebnis. Der Gesamteindruck blieb dabei jedoch etwas gemischt. In den 80ern war das ja wirklich revolutionär. Umso trauriger ist es eigentlich, dass die Themen der Texte noch immer so aktuell wirken als hätte sich in den letzten dreißig Jahren nicht viel verbessert. 


Und es war für mich einfach zu arg einem ganz bestimmten Männerbild verpflichtet, an dessen dicken Eiern ich mich die ganze Zeit gerieben habe. Auf der Bühne posten z.B. die "Sicherheitsleute" abweisend und als Dance-moves wurde auch schon mal marschiert in den Uniformen der US-Wüstentruppen. Und wenn auch von Flavor Flav große Reden geschwungen wurden, wie alle friedliche Brüder sein sollen und wie stolz er auf seine Enkelkinder sei, so war doch in meine ehrliche Bewunderung für diese Kraft auch ein ordentlicher Schuß - was für eine ärmlich eingeschränkte Welt-Gedanken gemischt. Ringsum freilich wurde absolut vorbildlich mitgesungen, gepogt und gefeiert und auch das war ein Erlebnis für mich.


Iggy Pop im Anschluss hatten wir uns vorgenommen, weil man ja nie weiß, ob man noch einmal die Chance bekommt, ihn live zu erleben. Auf der Fahrt von Reykjavík hatten wir noch den Song The Passenger gefeiert, der allein eigentlich ewige Ehrerbietung für den Schöpfer nach sich ziehen sollte. Trotzdem war ich dann nicht in der Lage, mir die Show in voller Länge zu geben. Zum Glück für mich kam der tolle Song schon ziemlich bald. Es war sehr, sehr laut und der Fremdschämfaktor war irgendwann einfach zu hoch für mich. Außerdem war der Alkoholpegel inzwischen schon recht hoch und die eng um mich herumstehenden abgehenden Briten irgendwann einfach zu viel für mich.

Setlist:
01: No Fun
02: I Wanna Be Your Dog
03: The Passenger
04: Lust for Life
05: Skull Ring
06: Sixteen
07: Five Foot One
08: 1969
09: Sister Midnight
10: Real Wild Child (Wild One) (cover)
11: Nightclubbing
12: Some Weird Sin
13: Mass Production


14: I'm Bored (Z)
15: Funtime (Z)
16: Neighborhood Threat (Z)


Anschließend war ich tatsächlich schon ein bisschen müde, aber natürlich musste ich mir mein erstes Belle & Sebastian Konzert einigermaßen in Bühnennähe ansehen - einige von uns waren gar am Bühnenrand, das war mir aber ein wenig zu drängelich. Nach Iggy Pop hatte es sich tatsächlich etwas geleert und etwas weiter hinten konnte ich mich gut bewegen und die gute Laune von der Bühne bis hinter schwappen lassen, was sie ohne weiteres hervorragend schaffte.


Es war es toll und mitreißend, aber die eigentliche Lobeshymne kann hier nur der Kenner singen, was er zum Glück ausführlich getan hat. Ich war hinterher ganz schön froh, dass ich die 45 min in die Landeshauptstadt zurück nur mitfahren musste...


Aus unserem Archiv:
Iggy Pop, Ásbrú, 02.07.2015 (von Christoph)
Belle and Sebastian, Ásbrú, 02.07.2015 (von Christoph mit links zu allen bisherigen Berichten zu Belle and Sebastian)
ATP Island Festival 2. Tag, Ásbrú, 03.07.2015

Alle Fotos von Claudia vom ATP:



Freitag, 3. Juli 2015

Belle & Sebastian, Ásbrú, 02.07.15

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Atlantic Studios, Ásbrú, Keflavik, Island (ATP Iceland)
Datum: 02.07.2015
Dauer: 80 min
Zuschauer: ca. 6.000



"Es ist schon ziemlich cool, wenn mir ein Belle & Sebastian Fan den Mittelfinger zeigt!" 

Damit meinte Stuart Murdoch nicht mich beim letzten, ziemlich drögen Konzert seiner Band in Barcelona vor ein paar Wochen. Da war ich gedanklich mehrfach kurz davor, Finger zu zeigen, weil meine Lieblinge ihre kurze Spielzeit mit viel zu viel Animationsprogramm und zu wenigen Hits verschleuderten. Es war mein erstes schlechtes Belle & Sebastian Konzert und eine tolle Voraussetzung für das Island-ATP, auf dem neben den Glasgowern kaum eine Band für mich auftritt. Als Belle & Sebastian angekündigt worden waren, war für mich klar, daß das ATP das dritte Bowlie werden würde. Die Schotten hatten das erste dieser Festivals und 2010 das Bowlie 2 kuratiert und dazu ihre Lieblingsbands eingeladen. Da Belle & ich eine große Lieblingsband-Schnittmenge haben, war das 10er Lineup wie für mich gemacht. Das noch einmal zu erleben, war Grund genug, Tickets fürs ATP Island zu kaufen, als Belle & Sebastian als erste Band angekündigt worden waren.

Danach wurden jede Menge Lieblingsbands bestätigt, allerdings nicht meine sondern die der ATP Macher. Bands wie Iceage, Swans, Youghusband, The Field, HAM, die mich überhaupt nicht interessieren oder aktuell heißer Scheiß (Ought), den ich langweilig finde und die wenigen isländischen Bands, mit denen ich nichts anfangen kann. Na super.

Die Frau in der ersten Reihe hatte Stuart Murdoch aber ihren Mittelfinger gezeigt, weil er gefragt hatte, wer morgen arbeiten müsse, sie aufgezeigt hatte und er dann erklärt hatte, daß der nächste Song nicht für sie sei.

Es war wieder ein richtig gutes Konzert der Schotten! Die Sachen, die mich in Barcelona gestört hatten, dieser Animationskram wie in einem englischen Clubhotel, das Geburtstagsständchen und vor allem das schlechte, endlos lange Perfect couples gab es auch diesmal. Sie waren aber weit weniger schlimm (außer dem achtminütigen Perfect couples - puh...). Dazu war die Band außerordentlich gut gelaunt, also wie immer, nur eben nicht in Barcelona.

Das ATP Island findet 2015 zum dritten Mal statt. Austragungsort ist die ehemalige amerikanische Airbase in Keflavik. Die Hauptbühne ist in einem Filmstudio untergebracht, das eine riesige Halle, vermutlich einen ehemaligen Hangar nutzt. Die Atlantic Studios Stage fasst bestimmt 10.000 Zuschauer, am ersten Tag waren aber wohl maximal 7.000 Besucher da. Bei Belle & Sebastian mögen es noch 6.000 gewesen sein.

Die Band war offenbar sehr knapp vorher angereist und hatte scheinbar nicht viel Zeit für Soundchecks. Nobody's empire und I'm a cuckoo klangen noch nicht gut, danach wurde es immer besser. 

Nicht nur der Sound. The loneliness of a middle distance runner, Dirty dream #2, zwei der (vielen) guten Lieder der neuen Platte (Nobody's empire und The party line), das behob meine kleine B&S-Krise sehr schnell! Nach Perfect couples ging es perfekt weiter. "Wollt ihr ein ruhiges Stück oder ein Party-Lied? Party? Ok! You'll never know what you have missed! (Anm.: doch, Fox in the snow)" Das Partylied war Dog on wheels, gefolgt von There's too much love und etwas später A summer wasting (dem Mittelfingerlied) und den Belle-Live-Standards Arab strap, Legal man und Judy (Abk.).

A summer wasting, eines der Lieder, die ich noch nie live gehört habe*, war die besondere Überraschung. Zwischendrin versuchte Stuart, den Text auf Island-Verhältnisse umzudichten ("you heard the puffins** sing"). Zu The boy with the arab strap und Legal man tanzten handverlesene Besucher auf der Bühne, aber auch das war diesmal wieder nett und nicht gewollt wirkend.

Es war ein schönes Konzert, das mir wieder große Vorfreude auf den Herbst und ein paar weitere macht. Wobei Jahreszeiten nach einem Sommerurlaub mit 5 Grad und weniger und einer Stunde halbherziger Dunkelheit irgendwie irrelevant werden. "Summer in winter, winter in springtime. You heard the puffins sing." - "Do puffins actually sing?" - "wööök wööök"

Setlist Belle & Sebastian, ATP-Island, Ásbrú:

01: Nobody's empire
02: I'm a cuckoo
03: The party line
04: The loneliness of a middle distance runner
05: Dirty dream #2
06: Perfect couples
07: Dog on wheels
08: There's too much love
09: I didn't see it coming
10: A summer wasting
11: The boy with the arab strap
12: Legal man
13: Judy and the dream of horses

Links:

- aus unserem Archiv:
- Belle and Sebastian, Barcelona, 29.05.13
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10


* Nummer 54
** Lunde, die niedlichen Vögel, die wie eine gemeinsames Kind von Papagei und Pinguin aussehen



Dienstag, 2. Juni 2015

Belle & Sebastian, Barcelona, 29.05.15

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Konzert: Belle & Sebastian
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 29.05.2015
Dauer: 60 min
Zuschauer: Tausende (eines der vollsten Konzerte vor der ATP Bühne)




"Ladies and gentlemen, please welcome to the stage: Matador recording artists Belle & Sebastian!" Es fing gut an, das Konzert, auf das ich mich wie immer am meisten* gefreut hatte. Belle & Sebastian sind natürlich eine meiner Top-5-Bands. Als die Glasgower ihr letzte Platte veöffentlichten, war ich spät dran. Ich hatte zwar drei Lieder Ende Oktober live gehört, den Rest dann aber erst mit der Platte in der Hand. All die "Eurodisco" Wertungen bis dahin machten mir Angst. Als ich das Graue Album (Girls in peacetime want to dance) dann endlich hören konnte, waren da natürlich ein paar Disconummern drauf, je häufiger ich aber gerade die höre, desto besser wurden sie. Als die Matador recording artists dann mit Nobody's empire anfingen, war ich mehr als einverstanden, das Lied ist toll!


Nach Nobody's empire zog Stuart Murdoch seinen Trenchcoat aus und hatte darunter eine Art Pyjama-Oberteil an, das glücklicherweise aber auch nach I'm a cuckoo ausgedient hatte. Zwei Lieder, drei Outfits, das machte mich ein wenig stutzig. Wir sind ja schließlich nicht bei Madonna.


Nach I'm a cuckoo kam das zweite neue Stück, The party line (mit vier Keyboardern!), das ich beim ersten Mal nicht toll fand, bis sich plötzlich im Lied bei mir etwas umgelegt hat und mir der Song Spaß gemacht hat. Ich mag das Ding mittlerweile gerne. 


Weiter ging es mit Another sunny day, mit komisch veränderter zweiter Hälfte und wenigstens zum Teil neuem Text. Bis dahin war das Konzert ok, leider aber gar nicht überraschend, sprich es war der Abend der Funny little frogs und nicht der Middle distance runners. Nach Funny little frog kamen zehn Minuten, die in einem 120 min Konzert nicht wehgetan hätten, die bei einem Kurzauftritt von einer Stunde aber ärgerlich waren. Das einzige Lied, das ich auf der neuen Platte nicht mag, ist Perfect couples. Das Video dazu ist zwar sehr nett, das Lied aber nicht mein Fall. Und es war lang! Mehr als sechs Minuten lang. Danach sangen wir Happy birthday zum Geburtstag Stuarts Sohn (2), das einzige Lied, das der möge sei aber Old McDonald, sagte der Vater und sang es dem Sohn. Das war zwar niedlich, aber eben auch keines meiner B&S Lieblingslieder. Also weder noch.


Nach den zehn Minuten Auszeit kam dann einer der Lieblinge, Piazza, New York catcher (auch mit neuen Textzeilen) und gleich Electronic renaissance hinterher. Zwischenzeitlich balancierte Stuart über das Gitter des Fotograbens. Das Verhältnis zwischen Musik und Show stimmte an diesem Abend nicht. Nicht bei einem einstündigen Konzert. Denn natürlich gab es auch noch die tanzenden Zuschauer auf der Bühne (The boy with the arab strap). Das alles machte den Auftritt zu meinem bisher schlechtesten dieser Lieblinge. Daß einige Bandmitglieder merkwürdig motzig guckten, machte das nicht besser. 


So ist das halt, wenn man wahnsinnig viel erwartet. Vermutlich hatten die Massen großen Spaß, es schien so. Und was hilft nach einem enttäuschenden Konzert? Schnell das nächste! Dann hoffentlich mit Allie oder anderen Perlen vom neuen Album und vielen Überraschungen von den alten.

Setlist Belle & Sebastian, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: Nobody's empire
02: I'm a cuckoo
03: The party line
04: Another sunny day
05: Funny little frog
06: Perfect couples 
07: Piazza, NewYork catcher
08: Electronic renaissance
09: I didn't see it coming
10: The boy with the arab strap
11: Get me away I'm dying

Links:

- aus unserem Archiv
- Belle and Sebastian, Paris, 31.10.14
- Belle and Sebastian, Larmer Tree Gardens, 01.09.13
- Belle and Sebastian, Barcelona, 27.05.11
- Belle and Sebastian, Minehead, 11.12.10
- Belle and Sebastian, New York, 30.09.10
- Belle and Sebastian, Latitude-Festival, 17.07.10


* wie auch auf Ride, die Pastels und die Vaselines... Wie soll man da Abstufungen vornehmen?


 

Konzerttagebuch © 2010

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