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Dienstag, 25. Juni 2019

The Screenshots, Köln, 23.03.2019

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Konzert: The Screenshots
Ort: MTC
Datum: 23.03.2019
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.150
Meine Damen und Herren, lassen Sie sich nicht täuschen. Die erste "Twitter"-Band des Landes. Susi Bumms am Bass, ein Webauftritt ohne Fotos. Alles egal. 

Bei ihrer ersten Kurztour durch drei deutsche Städte macht eine fast ganz normale Band im MTC zu Köln einen tollen Auftritt. Selbst ich hätte irgendetwas Verrücktes erwartet, Papiertüten über dem Kopf oder so. Gab es nicht, auch gut. Aber beginnen wir die Geschichte von vorne. 

Das Einzige, was an der Vita der Band zu stimmen scheint, sie kommen aus Krefeld, und haben bisher verschiedene (Kurz)-Alben auf Vinyl und Online veröffentlicht sowie einen schönen Auftritt bei Böhmermann absolviert (natürlich auch ohne ihre Gesichter zu zeigen). 

The Screenshots - Neo Magazin Royale

Klingt alles so, als benötigten The Screenshots viel Aufmerksamkeit, die von ihrer Musik erstmal ablenkt. Das Gegenteil ist der Fall. Die Songs sind so aufregend und frisch, wie lange nichts mehr aus Deutschland. Sowohl politisch als auch witzig, Ironie und dicke Hose, Texte ohne Reimlexikon und trotzdem tolle Melodien, nicht verkopft sondern so, wie Jugend klingen soll.

Hier sind wir richtig. 

Wer Songs wie "Google Maps", "Europa" oder "Vorbei" gehört hat, ist sofort um einige Lieblingssongs reicher. Das sehen wohl auch viele im MTC so. Selten sah man in letzter Zeit eine noch fast unbekannte Band, die ein so text sicheres Publikum vorweisen konnte. 

The Screenshots - Vorbei

Mutig und wild präsentieren sie ihr bisheriges Werk, nachdem das perfekte 80er Jahre Einlauftape verklungen ist. Und daher ist auch die ganze am Anfang beschriebene Masche Makulatur. Auf der Bühne stehen sie da wie eine echte Band, ohne Twitter, Masken oder doofe Namen. 

Die Zeit online - The Screenshots - Band des Frühjahrs

The Screenshots spielen im Sommer einige ausgewählte Festivals und kommen im späten Herbst auf eine weitere, größere Tour. 



Nicht nur die Band des Frühjahrs, die Band des ganzen Jahres. Ich kann nur bestätigen: "Ein starkes Team". 


Samstag, 10. November 2018

Black Honey, Köln, 08.11.2018

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Konzert: Black Honey
Ort: MTC, Köln
Datum: 08.11.2018
Dauer: ca. 65min.
Zuschauer: ca.100


Black Honey sind mir 2017 irgendwann aufgefallen, weil ihr Song 'All My Pride' ziemlich oft im Radio lief. 

Black Honey - All my Pride - Live - The Great Escape



Ich hatte mich sofort auf die Suche nach entsprechendem Tonträgermaterial gemacht, wurde aber ziemlich enttäuscht, da es bis zu diesem Zeitpunkt nur 2 EPs (Black Honey,2014 und Headspin, 2016) gab und diese nicht im Handel erhältlich waren.

Einem namhaften Streamingdienst sei Dank, dass man die bisher veröffentlichten Songs wenigstens dann so hören konnte. Im November 2017 konnte ich sie dann das erste Mal als Vorgruppe von Royal Blood, im Kölner Palladium sehen. 

Die Band aus Brighton, um die Frontfrau Izzy B. Phillips, konnte mich da schon völlig überzeugen. Im Juli 2018 wurde dann endlich die Debut-LP und Tour von Black Honey angekündigt. Limitiertes Doppelvinyl bei BSI bestellt und Karte für das Konzert im Kölner MTC.


Die Doppel-LP ist leider nie bei mir angekommen, aber mir wurde mein Geld wenigstens zurückerstattet. Beim Einlass im MTC wurde ich gefragt, wann ich das Online-Ticket gekauft habe, ich stand nämlich nicht auf deren Liste der Online-Karten. Ich wurde trotzdem eingelassen. Die Vorband (Pins) hatte ich verpasst. 

Um 21:10 legten Black Honey los. Publikum war mit ca. 100 Leuten leider etwas übersichtlich, aber Izzy freute sich, dass die Leute Spaß hatten und das sie nun endlich ihre Headline-Tour hatten. Ich wünsche der Band noch einiges an Zuwachs. 

Es gab Nebel und viiiieeel blaues Licht und ab und zu auch mal rot und grün. Der Sound war super, was mich bei solchen Orten immer wieder begeistert und verwundert. Gitarrenmusik ist nicht out, darum gab es auch direkt 2 Gitarren. Die gespielten 16 Songs gingen alle gut vorwärts und Izzy. Mit ihrer wilden, blonden Mähne und später verwischtem Lippenstift wirkte sie ein wenig wie Duffys irre Schwester. 


Beim Merchandise gab es schon wieder keine LPs und CDs, lediglich ein paar 7". Die wurden gekauft und von Izzy signiert. Schöner Abend. 

Setlist: 

01: I Only Hurt The One I lOve
02: Madonna
03: All My Pride
04: Bad Friends
05: Dig
06: Somebody Better
07: Crowded City
08: Blue Romance
09: Just Calling
10: Into The Nightmare
11: Spinnig Wheel
12: What Happened to you
13: Baby 
14: Hello Today 
15: Corrine 
16: Midnight 

Bilder MTC Köln, 8.11.2018:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10205228706114214&type=1&l=0a27b8219a 

Bilder Palladium Köln, 11.11.2017:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10203926288954599&type=1&l=357ed4e803

Text und Fotos: Michael Graef


Sonntag, 5. November 2017

Inheaven, Köln, 27.10.17

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Konzert: Inheaven
Ort: mtc, Köln
Datum: 27.10.2017
Dauer: 50 min
Zuschauer: ca. 50



Nach gut der Hälfte des Konzerts war Sänger James Taylor sicher, daß wir den Namen seiner Band langsam kennten. Er beendete nicht mehr jedes Lied mit "we're Inheaven!"


Inheaven kommen aus London und mögen die 70er Jahre. Nicht, daß ihre Musik so klinge, die Outfits der Musiker und der Mikroständer erinnerten eher an eine Schlagersendung des ZDF vor 40 Jahren als an aktuellen Indierock. Die drei männlichen Musiker trugen diese weißen T-Shirts mit blauen Armen und Bündchen, die sicher einen eigenen Namen haben, den kenne ich aber nicht. Auf dem Shirt von Gitarrist Jake Lucas war Robert Plant, das von Drummer Joe Lazarus war blank und James trug seines unter einem schwarzen Hemd mit lila Blüten drauf. Nur Bassistin und Sängerin Chloe Little hatte einen anderen Kleider-Rider und trug ein schwarzes Oberteil und eine schwarze Hose mit weißen Längsstreifen, sie wirkte, wie aus einem schwarz-weißen Abba-Video entsprungen. An den Mikroständern der drei Musiker vorne klebten eine ganze Menge Stoffrosen. Das war alles stimmig, passte aber nicht zur Musik. Aber außer, daß es eine gute Einleitung macht, ist das ja vollkommen egal.



Musikalisch sind Inheaven nicht so leicht zu greifen. Dirk schrieb in seinem Bericht schon, daß Inheaven berühmt werden wollen. Und sie wollen in Stadien spielen. Sollte das klappen, haben wir dann das exklusive "Inheaven spielen wieder in einem winzigen Club" schon vorab erlebt. Die Posen, das bemüht wirkende, viel zu hohe Mikro vor James, das er nur besingen konnte, wenn er den Kopf so weit nach hinten kippte, wie es anatomisch geht, die "how are you, Cologne?" oder "are you still with us, Cologne?" Schreie, das brauchten die Lieder alles gar nicht, die sind ohne besser. Do you dream, das sechste Stück des Abends, kündigte der Sänger mit "kennt Ihr unser Album? Das nächste Lied stammt von dem!" an. Die fünf davor aber doch auch. Und die meisten anderen. Auf die Spitze trieb der Frontmann die Stadionherangehensweise bei Drift. Da kniete er dramatisch gitarrespielend am Anfang des Lieds, musste dann aber nach wenigen Sekunden aufhüpfen, weil er singen musste.


Inheaven spielten vor rund 50 Leuten.

Manche Inheaven-Songs erinnerten mich an Suede, andere klangen nach amerikanischem Indierock. Am besten wurde es immer dann, wenn James und Chloe gemeinsam sangen, bei All there is zum Beispiel.

Das klingt alles schrecklich negativ, das wird dem Konzert aber nicht gerecht, die Lieder sind schon ziemlich gut. Aber die Verpackung war nun mal das, was sofort ins Auge sprang und ablenkt.

Neben Drift und All there is gefiel mir Real love sehr gut. In der Welt, in der die Band wohl gerne lebte, nennt man das wohl eine Powerballade. 

Zugaben spielten die nicht englisch klingenden Engländer nicht. Nach 50 Minuten hatten sie das Album (bis auf einen Song) und drei zusätzliche Stücke durch. Das vorletzte war Wasted my life on rock n roll. Aber das habe ich an dem Abend nicht gemacht. Ich bin froh, Inheaven (jetzt habe ich den Namen häufiger als die Band verwendet!) gesehen zu haben, bevor sie in Stadien spielt. Das wird sie nicht, das ist aber auch nicht schlimm.

Setlist Inhaven, mtc, Köln:

01: Bitter town
02: Stupid things
03: Baby's alright
04: Vultures
05: World on fire
06: Do you dream
07: All there is
08: Drift
09: Real love
10: Velvet
11: Meat somebody
12: Treats
13: Wasted my life on rock n roll
14: Regeneration

Links:
 

- aus unserem Archiv:
- Inheaven, Köln, 27.10.17






Mittwoch, 1. November 2017

Inheaven, Köln, 27.10.17

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Konzert: Inheaven
Ort: MTC, Köln
Datum: 27.10.17
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.60



Inheaven wollen berühmt werden. Ein legitimer Wunsch, nur kann das den Weg zur neuen Lieblingsband etwas erschweren. Schließlich möchte man die Band selber entdecken und nicht an jeder Ecke auf das nächste, große Ding aus England gestoßen werden. 

In Deutschland ist das aber natürlich noch kein Thema. Während der NME in England schon wieder vom "most dangerously excited debut album" fabuliert, versammelt sich im immer noch nach Klosteinen stinkenden MTC gerademal ein Publikum in doppelter Klassenstärke. 


Wenig Glamour also, obwohl die Bühne mit viel Gedöns wie Plastikblumen und einer USA-Flagge ?! aufgehübscht wurde. Das Album der Band erschien auf Julian Casablanca`s Label CULT RECORDS und ist wirklich gelungen.

Auf der Bühne ist der Sound zunächst auch wenig anders als auf CD. Hier stehen allerdings zwei sehr extrovertierte Musiker (Bassistin Chloe und Sänger James Taylor) dem unscheinbaren Drummer und zweiten Gitarristen gegenüber. 



Chloe bemüht alle Rockgesten der letzten 50 Jahre auf Stadionniveau, was auf Dauer etwas ermüdend wirkt. James Taylor hat das Mikro im Liam-Gedächnismodus aufgebaut und schaut daher ständig an die Decke. Aber kommen wir zur Musik, und die ist über weite Strecken wirklich gut.

Klar, hier gibt es nichts neues zu entdecken, das alles ist Retro im unterhaltsamsten Sinne. Viele Bassläufe erinnern an die Pixies, ebenso wie der oft zweistimmige Gesang. Dann wird es wieder etwas rockiger oder ruhiger, aber immer im klassischen Indie-Gewand. 



Das besondere der Songs, sie sind unglaublich eingängig und voller runder Melodien. Daher ist die Hoffnung berechtigt, das sich Inheaven von den, auf Dauer langweiligen UK-Hypes der letzten Jahre, wie z.B. den Circa Waves schon bald absetzen können. 



Ob aber heute mit tollen Songs wie "Regeneration" oder "Bitter Town" überhaupt noch eine Karriere außerhalb des geschlossenen Festivalzirkusses möglich ist, bleibt abzuwarten. 

Vielleicht kommen Inheaven 15 Jahr zu spät, vielleicht sind sie aber doch die Band, die dem Genre einen neuen Impuls verleihen kann. Halten wir die Augen offen.

Fotos: Michael Graef



Dienstag, 6. Juni 2017

The Coathangers, Köln, 02.06.17

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Konzert: The Coathangers
Ort: mtc, Köln
Datum: 02.06.2017
Dauer: gut 60 min
Zuschauer: vielleicht 100



Meine erste Begegnung mit den Coathangers war merkwürdig. Die Punkband aus Atlanta supportete die wundervollen Thermals im Gebäude 9 in Köln. Mir war der rotzige, oft gebrüllte Punk in der Theorie viel zu wild, die drei Frauen schüchterten mich auch ein wenig ein, das Konzert war aber trotzdem fantastisch. Zwei Wochen später beim nächsten Thermals-Konzert wusste ich, was mich bei der Vorgruppe erwartete, und auch der Auftritt war perfekt!

Oft gehört habe ich die Coathangers in den letzten sechs Jahren nicht. Weil zu wenige Gelegenheiten kamen, die Band live zu sehen. Denn auf Platte ist das alles gut, auf einer Bühne aber viel besser! Als eine kurze Deutschland-Tour angekündigt wurde, war ich hin und weg, als das Konzert am Vorabend in München ganz kurzfristig warum auch immer abgesagt wurde, nervös. Ich kam einiges nach der angekündigten Einlaß-Zeit am mtc an, vor der Tür standen noch eine ganze Menge Leute, auch Nichtraucher. Der Einlaß hatte sich also mal wieder verschoben (mtc-Krankheit), denn freiwillig steht man nüchtern nicht auf der Zülpicher Straße.

Aus Beginn 21:00 h wurde 21:30 h, dann aber immerhin ohne Vorgruppe. Die drei Amerikanerinnen (2011 waren es noch vier) trugen einheitliche Shirts, was bei mir immer Casting-Assoziationen hervorruft (The Pipettes...). Wäre ich zufällig ins mtc getaumelt und hätte diesen Gedanken gehabt, wäre er spätestens nach dem ersten Lied weggewesen.

Das erste Stück Johnny sang Gitarristin Julia Kugel ("Crook Kid Coathanger"), das zweite Schlagzeugerin Stephanie Luke ("Rusty Coathanger") und so wechselte sich das eine ganze Weile ab zwischen den beiden. Bassistin Minnie Coathanger (Meredith Franco) sang am Anfang nur begleitend und später in den Liedern, in denen sie die Hauptsängerin war, nur sehr kurze Sequenzen.

Die meisten Lieder stammten von der 2016 erschienenen Platte Nosebleed Weekend, Der Titeltrack, das wundervolle Perfume (das mich an die B-52's erinnerte), Make it right, die besten Lieder des Konzerts, sind alle auf dem Album. So richtig leicht war es aber nicht, die Lieder auseinander zu halten, was gut ist, weil eben alle viel taugen und herrlich punkig waren. Irgendwann in der zweiten Hälfte des Konzerts wechselten die Frauen immer wieder ihre Positionen. Aber dadurch änderte sich wenig. Mal sang Rusty auf dem Platz der Bassistin ohne Instrument, das Lied klang aber nicht anders als der Rest. Also toll. 


Als die Band zu den Zugaben zurückkam, spielte sie erst  ein sehr altes Stück (Nestle in my boobies) und danach das perfekte Cover mit Sex beat vom Gun Club. Das wäre der perfekte Abschluß gewesen, der recht volle Saal hatte aber noch nicht genug, also kamen sie zurück und spielten noch einmal zwei Lieder - am Ende das poppigste Lied Captain's dead, das ganz grandios war.

Mir fällt nie viel zu den Coathangers ein, warum auch immer. Aber je häufiger ich die Band sehe, desto lieber mag ich sie. Es kommen also sicher noch ein paar schlechte Konzertberichte hier.


Setlist The Coathangers, mtc, Köln:

01: Johnny
02: Dumb baby
03: Smother
04: Down down
05: Nosebleed weekend 
06: Burn me
07: Make it right
08: Perfume
09: Wipe out
10: Springfield cannonball
11: Watch your back
12: Follow me
13: ?
14: ?
15: Shut up
16: Cheap cheap
17: Squeeki tiki

18: Nestle in my boobies (Z)
19: Sex beat (Gun Club Cover) (Z)

20: Hurricane (Z)
21: Captain's dead (Z)

Links:
 

- aus unserem Archiv:
- The Coathangers, Frankfurt, 15.04.11
- The Coathangers, Köln, 03.04.11




Donnerstag, 7. April 2016

Emmy the Great - MTC - Köln - 04.04.2016

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Konzert: Emmy the Great
Ort: Köln - MTC
Datum: 04.04.2016
Dauer: 70 min
Zuschauer: 20



Emmy the Great heißt mit richtigem Namen Emma-Lee Moss. Der Künstlername ist natürlich eher ein Witz und spielt vielleicht auf das übertriebene Ego-Gehabe einiger männlichen Rapper an. Emma mit so etwas in Verbindung zu bringen ist natürlich völlig abwegig. Aber um Namen ging es viel an diesem Abend. 

Emmy the Great hat bereits mehrere Alben veröffentlicht und mit vielen anderen Künstlern (Ash, Noah and the Whale) gearbeitet. Ihr neues Album "Second Love" übertrifft aber alles vorangegangene. Es ist voller toller Pop-Songs die überall auf der Welt funktionieren würden. Das passt in so fern, da Emma als Kind sowohl in England als auch in Hong Kong aufgewachsen ist und diverse Sprachen beherrscht. "Second Love" wäre also eine wirklich aussichtsreiche CD wenn ich Besitzer einer Plattenfirma wäre, zumal ja weibliche Künstler (Lorde, Lana del Rey) gerade hoch im Kurs stehen. 



Und was passiert ? Gar nichts. Keine Rezensionen in Magazinen, keine Plakatierung des Konzertes, keine Werbung...gar nichts. Daher ist es kein Wunder, dass sich im sowieso schon kleinen MTC Kellerclub in Köln gerade mal 20 Personen eingefunden haben. Nicht mal der obligatorische Local-Support wurde gebucht. Emma ist zum Glück bester Laune als sie zusammen mit ihrem Gitarristen gegen 21:30 die Bühne betritt. Sofort beginnt sie mit deutschen Ansagen (deutsch war ihre Fremdsprache auf der englischen Schule), daher möchte sie auch dabei wieder Fortschritte machen. 

Später erfragt sie noch unsere Namen, die ausgewählten Nelle und Guido kennt sie leider nicht, war aber auch schwierig. Emma spielt zunächst selber viel Gitarre, später mehr auf ihrem winzigen Keyboard. "Dinosaur Sex" folgt schon als zweiter Song, danach zum Glück viel vom neuen Album. Klingt die CD manchmal, neben der erwähnten "Lana del Rey" (Swimming Pool) auch etwas düsterer in Richtung "Beach House", fehlt dieser Soundaspekt live fast völlig. 

Es ist ruhiger, moderner und schönster melodiöser Pop, den man in größeren Hallen mit mehr Instrumentierung noch klangvoller untermalen könnte. Emma bittet uns dann noch um Mithilfe. Sie besitzt seit Jahren ein Demo, deren Besitzer sie leider nicht ermitteln kann. Sie spielt den Song, er ist toll, aber von uns erkennt 
ihn auch keiner.

Wer mit raten möchte findet unter Soundcloud Emma`s Cover zum Download. Sollte jemand das Werk kennen, bitte Emma auf Facebook anschreiben !! 

Am Ende wird noch ein Wunsch aus dem Publikum erfüllt. Emma spielt trotz der spärlichen Zuschauerzahl den kompletten Set, auch nicht die Regel. Danach wird am Merchstand, den sie von der Bühne aus selber eröffnet noch über alle Aspekte des Lebens und der Musik gefachsimpelt, sie ist unfassbar locker und strahlt über beide Backen . Hoffentlich im Sommer wieder.




Montag, 13. Mai 2013

The History Of Apple Pie, Köln, 12.05.13

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Konzert: The History Of Apple Pie
Ort: mtc, Köln
Datum: 12.05.2013
Zuschauer: 20
Dauer: The History Of Apple Pie 40 min, Taiga 43 min




Da war ich doch ein wenig optimistisch, als ich einem Freund, der mitkommen wollte, den Zeitplan des Abends mailte: "Einlass 20 Uhr, Beginn 21 Uhr, Ende 21.35 Uhr." Da weder die Website des Clubs, noch die Veranstaltungsseite bei Facebook etwas von einer Vorgruppe geschrieben hatte und überall stattdessen "Beginn 21 Uhr" stand, war ich überzeugt, daß der Abend kurz werden würde. Um kurz nach halb neun kam ich am mtc auf der Zülpicher Straße an, um zu sehen, daß die Clubtür noch geschlossen war. Einen Moment später ging sie auf, weil die Band zum Essen ging. Na super, da ging er dahin, der kurze Abend.


Es wurde fast zwanzig nach neun, bis die ersten Musiker erschienen. Dummerweise war es eine dreiköpfige Band aus Osnabrück, die ich mir, weil ich ja nun mal da war, auch ansehen wollte. Deren erster Satz enthielt aber "der Mann im Mond", woraufhin ich fluchtartig den Kellerclub verließ, um vor der Tür auf das Ende des kurzen Vorprogramms zu warten. Auch oben bekam ich noch genug mit, besonders die Textzeile, die mit "ich bin ein Clown" begann, begeisterte aus der Ferne. Taiga spielten fast eine Dreiviertelstunde (und damit länger als die Hauptgruppe). Warum man als Veranstalter an einem Sonntagabend eine Vorgruppe aufbieten muß, verstehe ich nicht. Das dann aber noch nicht einmal zu erwähnen, ist schon unverschämt.


Jedenfalls fingen The History Of Apple Pie schließlich nach halb elf an, also zu einem Zeitpunkt, an dem ich schon wieder zu Hause sein wollte. 

The History Of Apple Pie stammen aus London und haben im Februar ihr Debütalbum Out of view veröffentlicht, das bei mir seitdem hoch und runter läuft. Out of view ist so etwas wie ein Pains Of Being Pure At Heart Album mit weiblicher Stimme und ohne die ganze großen Smash-Hits. Zumindest dachte ich das am Anfang. Je häufiger ich die Platte höre, umso weniger gilt die zweite Hälfte meiner Theorie. Mallory, See you oder Do it wrong sind große Ohrwürmer und müssen sich vor niemandem verstecken.


Wie sich die fünf Musiker live schlagen würden und ob sie ihre Hits auch ordentlich auf die Bühne bringen würden, war die Frage, die ich mir während der langen Warterei stellte. Ich muß noch einmal die großartigen Pains Of Being Pure At Heart zu bemühen. Live kann die Band um Sänger Kip Berman enorm viel Spaß machen, es kann allerdings auch ordentlich in die Hose gehen. Wenn die Gruppe zu leise spielt und gesanglich nicht in großer Form ist, klingt Kip schief. Beim Latitude Festival vor ein paar Jahren war das der Fall, das Konzert war ein großer Flop. Wenn der Sound nicht gut abgemischt ist, werden die vielen Gitarren schnell breiig. Auch das kann einen Abend schnell versauen. Da ich wegen des Zeitplans und der Clown-Mann-im-Mond-Band schon auf Krawall gebürstet war, hätte so etwas meiner Laune den Rest gegeben.


Daß die Londoner keinen Soundcheck machen konnten, steigerte die Chancen auf einen miesen Auftritt noch einmal.

Es kam allerdings anders. Als The History Of Apple Pie schließlich anfingen, war der Klang trotz der drei Gitarren und der nicht gerade rausgebrüllten Stimme von Sängerin Stephanie Min viel besser als erwartet. Es gab ab und zu (ungewollte) Rückkopplungen, Stephanies Gesang klang ab und zu (bei Do it wrong) einen Tick schief, allerdings trübte das meinen Gesamteindruck der Band mit dem schönen Namen keinen Deut. Besonders toll war neben Mallory und See you der Schluß mit den beiden ineinander übergehenden Stücken I want more und Before you reach the end. 


40 Minuten, keine Zugabe, so hatte ich mir das vorgestellt. Daß es musikalisch gut werden würde, hatte ich gehofft. Der Rest war sehr doof und vollkommen unnötig. Da muß sich dann auch niemand wundern, wenn nur 20 Leute das Risiko eingehen, Sonntagabend ins mtc zu gehen. Ich werde mir beim nächsten Mal auch sehr überlegen, ob ich mir das noch einmal antue.

Was ich nicht kapiert habe, war die Sache mit dem Licht. Das mtc hat für einen Club dieser Größe eine schöne Ausleuchtung der Bühne. Daß in der ersten halben Stunde niemand an der Lichtanlage rumspielte und die Musiker von dauerhaft leuchtenden roten und blauen Spots anstrahlte, gefiel mir gut. Das war foto- und guckfreundlich. Um elf begann dann offenbar die Schicht des Beleuchters. Mit dem vorletzten Lied fing es an zu blinken. Für die nächsten zehn Minuten. Warum auch immer.


Setlist The History Of Apple Pie, mtc, Köln:

01: I'm not alone
02: The warrior
03: Mallory
04: Tug
05: See you
06: Do it wrong
07: Glitch
08: I want more
09: Before you reach the end



Mittwoch, 16. Mai 2012

Oberhofer, Köln, 15.05.12

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Konzert: Oberhofer
Ort: mtc, Köln
Datum: 15.05.2012
Zuschauer: bis zu 37
Dauer: Oberhofer 55 min, Cheers Darlin' gut 30 min


Es dauerte bis halb elf, bis der Konzertabend gut wurde. Meinen spontanen Entschluß, trotz großer Müdigkeit nach Köln zu fahren, um eine Band zu sehen, von der ich ein Lied kannte, hatte ich bis dahin schon mehrfach bereut. Das beste an den ersten anderthalb Stunden im mtc war schließlich, daß es nicht nach Urin stank. Das ging auch nicht, weil die 15% Raucher in dem kleinen Club die Geruchszene fest in ihrer Hand hatten.

Von neun bis halb zehn daddelte eine Hamburger Band namens Cheers Darlin', die nach ihrer Einschätzung so groß wird, daß wir bald noch oft von ihr hören. Cheers Darlin' war eines dieser Beispiele für eine Vorgruppe, die viel zu viel Selbstvertrauen und viel zu wenig Demut zeigt. So etwas mag ich nicht. Die Bandmitglieder einzeln vorstellen, um ihnen Soli zu ermöglichen, ist fies und glücklicherweise sonst aus der Mode. Wie auch übrigens Jeansjacken und Umhängekeyboards. Cheers Darlin' hatte das alles und dazu noch Spaß an Mitklatschanimantionen und wird mir dafür im Gedächtnis bleiben. Aber auch nur dafür.

Es folgte ein fünfminütiger Umbau und eine anschließende einstündige Umbaupause ohne Bühnenaktivitäten. Ob es daran lag, daß man noch schnell auf die Menschenmassen warten wollte, weiß ich nicht. Die kamen jedenfalls nicht. 37 wurden es, aber immerhin noch zehn mehr als bei der Vorgruppe.

Oberhofer sind nach ihrem Kopf Brad Oberhofer benannt und kommen aus Brooklyn. Neben Brad mit dem Hawaii-Hemd und den lackierten Fingernägeln standen Matt, Pete und Ben, eine Einsilben-Band also. Deren Musik ist - wie komme ich jetzt um den doofen Wortwitz rum? - allerdings viel komplexer als gedacht (verdammt!). Die Amerikaner werden mit den Strokes verglichen, mir kamen aber auch Tokyo Police Club in den Sinn. Die Stücke der Band sind abwechslungsreich, voller Energie und leben von vielen schnellen Gitarren. Einzige weitere Stilelemente neben Schlagzeug und den Gitarren sind ein Glockspiel und häufiges Pfeifen von Brad. Auch wenn das auf dem Papier nicht furchtbar originell und neu klingt (das ist es ja eigentlich auch nicht), konnten die Lieder wirklich viel - Oberhofer haben von Beginn an mächtig viel Spaß gemacht.

Daß Sänger und Gitarrist Brad exzentrisch ist, ahnt man spätestens an den lackierten
Fingernägeln. Sein Bühneverhalten passt dazu. Schon beim zweiten Stück sprang er zum ersten Mal von der Bassdrum. Später trat er mehrfach mit seinen schwarzen Lackschuhen gegen seinen Verstärker (was schöne Klangeffekte auslöste).

Am lustigsten wurde es aber bei Dead girlz dance. Brad hatte vorher den Mikroständer vor der Bühne aufgebaut, kletterte während des Lieds runter und lief singend und spielend an den wenigen Zuschauern vorbei bis ganz hinten durch, wieder zurück, die Treppe zu den Toiletten runter, von denen es einen Zugang hinter die Bühne gibt, auf der er irgendwann wieder auftauchte. Daß während des Ausflugs seine Gitarre nicht eingestöpselt war, war nicht weiter schlimm, seine Kollegen spielten ja laut weiter.

Es war ein überraschend erfrischendes und gutes Konzert. Was aus so einem mies startenden Abend doch noch werden kann!

N
ach 50 Minuten hatten Oberhofer nichts mehr. Es brauchte fast schon unhöflich viel Applaus*, um die Band zurückzuholen. Die Zugabe Earplugz hätten sie noch nie vor Publikum gespielt, sagte Brad, es sei gerade mal zwei Wochen alt. Normalerweise sind solche Aussagen von Bands immer gelogen, den Amerikanern nahm ich das ab. Als ich Brad hinterher sagte, daß mir das Lied gefallen habe, reagierte er erstaunt. "Wirklich? Das hat Dir gefallen? Danke, Mann!"

Setlist Oberhofer, mtc, Köln:

01: Gotta go
02: Tour dreamz
03: I could go
04: Landline
05: Haus
06: Mahwun
07: Cruising FDR
08: oOoO
09: Dead girls dance
10: Away frm u
11: Gold

12: Earplugz (neu) (Z)

* es war ja offensichtlich, daß Oberhofer nicht mehr zurückkommen wollten bzw. konnten


Freitag, 13. Januar 2012

Cymbals Eat Guitars, Köln, 12.01.12

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Konzert: Cymbals Eat Guitars
Ort: MTC, Köln
Datum: 12.01.2012
Zuschauer: ca. 70
Dauer: Cymbals Eat Guitars 70 min, Yesterday Shop knapp 40 min


Schön, es geht wieder los... Jahresrückblicke machen mir schrecklich viel Spaß, natürlich vor allem die anderer Musikverrückter, aber irgendwann muß ja auch für Nachschub gesorgt werden. Cymbals Eat Guitars aus den USA boten sich dafür an - sie spielten zu Beginn einer kurzen Deutschland-Tour im Kölner MTC.

Es sollte allerdings mit einer Vorgruppe beginnen. Bei (lokalen) Supportbands gibt es in Köln das Phänomen der Band der Saison. Immer wieder sieht man als häufiger Konzertbesucher in einem kurzen Zeitraum die gleiche Vorgruppe, was in der Regel nicht gut ist. Yesterday Shop aus Berlin (und ursprünglich aus Schwaben; ich hätte aber schwören können, der Sänger spreche rheinisch) würde ich mir als Support der Saison gefallen lassen - oder auch als Hauptgruppe irgendwann. Die fünf Musiker (drei Gitarren, Schlagzeug, Bass) nervten mich erst, weil der Gesang wieder hoch war, das Mikro des Sängers allerdings zu niedrig. Wie affig, daß er sich den Hals verrenken muß, um reinzusingen. Das war mir aber schnell egal, weil es musikalisch richtig gut wurde. Yesterday Shop bezeichnen ihren Stil als Shoegaze. Die Lieder der Band sind enorm melodiös, abwechslungsreich und herlich gitarrenlastig. Ich mochte den vierzigminütigen Auftritt sehr, das lange Klatschen der verstreuten Zuschauer bestätigte das.

Cymbals Eat Guitars aus New York (Staten Island) spielten im MTC angeblich ihre erste Clubshow in Deutschland. 2010 gehörten Cymbals Eat Guitars zum Haldern-Lineup, da hatte ich sie allerdings verpasst.

Das MTC hatte sich ganz gut gefüllt, hauptsächlich mit angenehm unhippen Menschen. Die New Yorker sind offenbar nicht die Band der Stunde, obwohl ihnen auch ihr zweites Album Lenses Alien gute Kritiken beschert hat.

Auf Platte hat Sänger Joseph d'Augustino schon eine dreckige, rockige Stimme und bricht immer mal wieder in Geschrei aus. Auf der Bühne sind die Brüllanteile aber ungleich größer, schien es mir. Joseph brüllte, was das Zeug hält. Und das Zeug hielt eine Menge. Mein linker Ohrstöpsel war nicht tief genug im Ohr, es brummt seit Verlassen des Clubs gewaltig.

Cymbals Eat Guitars haben unverkennbar eine Menge Pavement in ihrer Jugend gehört. Und allerlei anderer US Indierock-Bands. Richtig viel Neues habe ich in dem 70 minütigen Set nicht wahrgenommen, das brauchte es aber auch nicht für ein gutes Konzert. Gerade New Yorker Bands laufen schnell Gefahr, "originell" sein zu wollen, um zwischen all den kellnernden Musicaldarstellern und anderen Künstlern aufzufallen. Staten Island scheint da ausreichend weit von Manhattan weg zu sein, um Cymals Eat Guitars angenehm normal sein zu lassen. Lediglich Keyboarder Brian Hamilton sah nach New York aus, waren wir uns einig. Vermutlich stammt aber gerade der aus Philadelphia, das Joseph dem "we are... from New York" noch schnell nachschob.

Kein schlechter Auftakt des Konzertjahrs 2012, ich habe zwar keine neue Lieblingsband gesehen, Cymbals Eat Guitars gefielen mir aber wirklich gut.

Links:

- Cymbals Eat Guitars, Paris, 09.02.10
- Cymbals Eat Guitars, Paris, 24.11.09
- Cymbals Eat Guitars bei Platten vor Gericht





Mittwoch, 23. Februar 2011

The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 22.02.11

4 Kommentare

Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: MTC, Köln
Datum: 22.02.2011
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: 75 min


Als die Pains Of Being Pure At Heart im vergangenen Herbst in Deutschland waren, hatte ich keine rechte Lust, sie anzusehen. Im Sommer zuvor hatte ich ein wenig die Lust auf die jungen Amerikaner mit den tollen Melodien verloren; der Auftritt beim Latitude Festival hatte mich nicht furchtbar überzeugt, sie klangen da viel weniger aufregend als bei ihrem ersten Kölner Konzert 2009.

In den letzten Wochen überkam mich aber wieder eine unbändige Lust auf ihre Musik, vor allem die aktuelle Single Heart in your heartbeat hat es mir extrem angetan - welch ein riesiger Hit!

Lange Rede, kurzer Sinn: ich mußte natürlich hin!

Die Voraussetzungen für ein Neuverlieben waren denkbar schlecht. Ich mag das MTC nicht, bei meinem letzten Konzert dort stank es unerträglich nach Bahnhofstoilette oder -unterführung, und der Boden klebte dazu passend. Wenn es voll ist, sieht man ab Reihe zwei nichts mehr, egal wie groß man ist. Es gibt wirklich angenehmere Clubs in Köln. Und es wurde voll, das zeigte sich, als die Band um kurz vor halb zehn vom Essen zurückkam und durch den Saal ins Backstage-Kämmerchen ging. Da ahnte ich noch nicht, daß unter den ersten 13 Stücken neun neue sein würden, fast alle vom im März erscheinenden zweiten Album. Auch keine guten Voraussetzungen eigentlich.

Aber es kam natürlich alles anders, warum würde ich das sonst auch erwähnen. Es stank nicht nach Kloake und es klebte nicht. Am wichtigsten war allerdings, daß die neuen Songs fast ausnahmslos große Hits sind, selbst die B-Seite einer der neuen Singles überzeugte mich. Es gibt nichts auszusetzen, so sehr ich auch suche; das Konzert war hervorragend, und ich werde demnächst nicht mehr rumzicken und TPOBPAH sehen, wenn sie nach Köln kommen. Was bald wieder sein wird, da bin ich sehr sicher.

Erstaunlich war das Konzept schon, und bei unsympathischen Bands hätte ich die Heransgehensweise als hochgradig arrogant empfunden, das Konzert zumindest vor den Zugaben fast ausschließlich mit neuen, unbekannten Lieder zu bestreiten. Aber da keinerlei Qualitätsunterschied zwischen den alten und den kommenden Ohrwürmern festzustellen war, genoß ich vielmehr, daß ein Pains... Konzert plötzlich doppelt so lang ist wie vor zwei Jahren. Es ist auch müßig, einzelne der neuen Titel herauszuheben, weil sie wirklich alle fabelhaft waren, nur Girl of 1.000 dreams fiel ein wenig ab, es ist eher ein Lückenfüller. Da anschließend aber beginnend mit Heart in your heartbreak nur noch Hits folgten, ist dies gut und gerne verzeihbar.

Warum mich das heutige Konzert im Vergleich zum Festivalauftritt im Sommer so begeistert hat, verstand ich auch sehr schnell, es war die unterschiedliche Lautstärke.
Die Pains Of Being Pure At Heart sind keine Band, die leise und akustisch spielen sollte, das macht wirklich bei dieser Art Musik keinerlei Sinn. Daher war es wundervoll, auch wenn mir meine Ohren etwas anderes erzählen, daß der Soundmann hemmungslos aufgedreht und damit den fabelhaften Melodien freie Hand gelassen hat. Die Musik der Amerikaner lebt davon, nicht seziert zu werden, ob schiefe Töne dazwischen sind. Laute Gitarren und dazwischen leiser, lieblicher Gesang, das klingt toll, und genauso wünsche ich mir ihre Konzerte. Die Thermals werden auch nie unplugged im Konzerthaus Dortmund spielen und sind besser, je lauter sie sein dürfen.

Weil auch nach drei Zugaben (A teenager in love, Everything with you und The pains
of being pure at heart - also drei riesigen Hits) keiner genug hatte (insbesondere nicht die Hüpfer in der ersten Reihe), kam Sänger Kip noch einmal alleine auf die Bühne und stimmte Contender an. Das war sicher sehr schön, ging aber fast schon zu sehr in die unplugged Richtung (obwohl die Gitarre eingestöpselt war). Mir war lieber, daß auch die restliche Band danach zurückkam und noch einmal Krach machte.

Daß die Pains Of Being Pure At Heart in ihrem jungen Alter schon viele Nachahmer-Bands erschaffen hat, spricht für sie. Heute haben sie bewiesen, daß sie zurecht stilprägend für viele andere sind. Daß Keyboarderin Peggy ein T-Shirt der hervorragenden Beach Fossils trug, war in diesem Zusammenhang sympathisch und souverän.

Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, MTC, Köln:

01: Belong (neu)
02: I wanna go all the way (neu)
03: This love is fucking right
04: The body (neu)
05: Heaven's gonna happen now (neu)
06: My terrible friend (neu)
07: Stay alive
08: Girl of 1.000 dreams (neu)
09: Heart in your heartbreak (neu)
10: Come saturday
11: Young adult friction
12: Too tough (neu)
13: Strange (neu)

14: A teenager in love (Z)
15: Everything with you (Z)
16: The pains of being pure at heart (Z)

17: Contender (Kip solo) (Z)
18: Say no to love (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival, 18.07.10
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 26.05.09





Montag, 18. August 2008

Those Dancing Days, Köln, 17.08.08

3 Kommentare

Konzert: Those Dancing Days
Ort: mtc, Köln
Datum: 17.08.2008
Zuschauer: ca. 60 bis 70
Dauer: etwa 40 min


Kürzlich habe ich einmal nachgesehen, aus welchen Ländern die Bands kommen, die
ich dieses Jahr live gesehen habe. Dabei ist mir mit Schrecken aufgefallen, daß Schweden mit neun Bands ganz furchtbar unterrepräsentiert ist. Höchste Zeit also, das aufzuhübschen.

Aber natürlich waren Statistikfrisuren nicht Grund, Those Dancing Days aus Stockholm im mtc in der Zülpicher Straße in Köln (rheinisch-korrekt heißt es aber "auf der Zülpicher Straße") anzuschauen, es war die EP Those Dancing Days, die im vergangenen Jahr erschienen ist, und die fünf ganz vorzügliche Indie-Pop Stücke enthält. Etwas später erschien die Single Run Run mit zwei weiteren Liedern. Das Gesamtwerk der Schwedinnen beschränkt sich damit bisher auf knapp 20 Minuten Musik. Die haben es allerdings in sich! Vor allem den Titelsong Those Dancing Days bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf, aber auch die restlichen Lieder zeugen von ganz viel Talent und gutem Geschmack.

Ich weiß nicht, ob die Band schon einmal in Köln aufgetreten ist, ich glaube aber nicht, weil ich das sicher bemerkt hätte. Ganz sicher bin ich, daß ich noch nie Konzerte im mtc erlebt habe - das hätte ich mir sicher gemerkt. Der Club spielte in den vergangenen zwei, drei Jahren musikalisch kaum eine Rolle, zumindest für die Bands, die ich gerne mag. Auch die Schwedinnen sollten ursprünglich im Blue Shell auftreten, wurden aber hochgebucht ins mtc. Als wir gegen neun in der Kellerkneipe eintrafen, fiel erst einmal der ekelhafte Biergestank auf. So riecht es vermutlich unter den Tischen von Oktoberfestzelten, an denen Australier und Amerikaner saßen. Dieser Biergestank, der ganz hervorragend mit dem klebrigen Boden harmonierte, wurde aber weiter hinten, also Richtung Bühne, von dem leckeren Geruch nach benutzten Klosteinen abgelöst. Vom Regen ins Urinal quasi...

Sich vorne aufzuhalten war aber auch ohne diese Frühlingsgerüche unmöglich, da mit Beginn der Vorgruppe ein derart infernalischer Krach losbrach, daß die wenigen, die vorne standen, fluchtartig zurückeilten. Dabei war die Vorgruppe The Audience gar nicht schlecht. Die Band aus Franken hat gute Lieder, spielt die live sehr brauchbar und sorgt für Stimmung. Warum zum Teufel aber die Lautstärke so unmenschlich weit hochgeregelt wurde, daß es auch mit Ohrstöpseln unerträglich war, mag verstehen wer will. Ich jedenfalls nicht. Es war vollkommen daneben - und der nächste Minuspunkt für diese stinkige Kneipe. Audience Sänger Bernd Pflaum versuchte es zwar irgendwann noch mit einem "kommt doch mal näher", das half aber offenbar auch nicht mehr. Genau weiß ich das aber nicht, wir waren da schon auf dem Weg an die Luft.

Ich hätte schon beim Wacken-2004-T-Shirt des mtc Mitarbeiters stutzig werden sollen...

Zeitgleich mit der Hauptgruppe gingen wir dann wieder zurück in den Stinkekeller.
Unten verschwanden die jungen Schwedinnen im Backstagebereich, während ein Helfer Handtücher und Flaschen aufstellte und sich dabei in mein Herz arbeitete. Er ließ nämlich aus einer der Flaschen die Kohlensäure raus, ein Bandmitglied hat also einen Assistenten, der diese fiesen Blubberblasen aus den leckeren Getränken rausläßt. Wir waren uns sicher, daß das einer der tollsten Jobs in der Indie-Pop Szene ist! Ich war ein wenig versöhnt.

Als es dann um 22.15 Uhr losging, kam gleich viel mehr Versöhnliches. Those Dancing Days sind dermaßen erfrischend und gute Laune machend, wie ich es mir
nur erträumen konnte. Herrlich! Die fünf Frauen, die sich größtenteils aus der Schule kennen, begannen mit einem mir unbekannten Lied namens Falling in fall demnächst erscheinenden Album (das In Our Space Hero Suits heißen wird).

Danach folgte das Lied der mir bekannten sieben, das ich am wenigsten mag, Tasty boy. Aber auch das gefiel mir plötzlich ganz ausgezeichnet. Bei diesem ice-cream Text fühle ich mich am ehesten an die immer wieder genannte Referenz Pipettes erinnert, kann die aber insgesamt nicht nachvollziehen. Eher erinnern mich Those Dancing Days an die (guten) Long Blondes, also ganz an deren Anfang, nur daß deutlich mehr
Dancing Days Mitglieder ihre Instrumente ordentlich beherrschen. Ich glaube, die Stimme von Sängerin Linnea weckt bei mir diese Assoziationen. Denn ähnlich wie der von Long Blondes' Frontfrau Kate Jackson ist der Gesang recht tief und gibt den eigentlich durchweg fröhlichen Liedern einen leichte nördlich-molligen, fast melancholischen Touch. Und gut ist diese Stimme! Trotz vielen Getanzes war Linneas Singerei präzise und nicht ansatzweise wackelig.

Außerdem gehören zur Band Bassistin Mimmi, die recht herb aussah und wirkte, als
sei sie zu konzentriert, um Spaß zu haben. Ganz anders Schlagzeugerin Cissi, die immer freundlich wirkte! Die beiden Co-Stars der Band sind aber die leicht durchgeknallt wirkende Keyboarderin Lisa und die immer nur strahlende und einer Lätta-Werbung entsprungene Gitarristin Rebecka... Lisa erinnerte mich äußerlich an Alison aus dem Breakfast Club und tanzte mit weit ausgestreckten Armen, wenn sie nicht ihre Orgel-Parts zu spielen hatte. Es war ohnehin ein lustiges Getanze. Linnea mit ihren Wuschellocken hüpfte auch ununterbrochen über die Bühne.

Neben vier Liedern von der ersten EP, Run Run und dessen B-Seite Home sweet home spielten Those Dancing Days immerhin vier unveröffentliche Stücke, die mir
ausnahmslos gefielen und die, wie zum Beispiel Space Hero suits großes Potential haben.

Eine junge Band, die großartige Singles hat, offenbar ein gutes Album aufgenommen hat und all das gutaussehend, sympathisch und musikalisch kompetent spielen kann, ist doch ein Traum! Und das waren sie! Ich bin ganz sicher, kein One-Hit-Wonder erlebt zu haben. Swedesplease.net schreibt zurecht, daß es vollkommen unverständlich ist, warum Lykke Li und nicht Those Dancing Days internationale Anerkennung erfahren. Wie wahr!

Und wenn es wahr ist, daß sich Gegensätze anziehen, passten ja sogar die tolle Band und der eklige Club zueinander.

Setlist Those Dancing Days, mtc, Köln:

01: Falling in fall

02: Tasty boy
03: Home sweet home
04: Keep me i.y.p. (?)
05: Hitten
06: I know where you live
07: Run run
08: Space Hero suits
09: Those dancing days

10: Discho' (Z)




 

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