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Freitag, 28. Juni 2019

Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

2 Kommentare

Konzert: Paul Heaton & Jacqui Abbott
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 27.06.2019
Dauer: exakt 105 min, Matthew Austin 30 min
Zuschauer: voll



Als Paul Heaton irgendwann die Band vorstellte, bekam jedes Mitglied einen deutschen Fußball-Verein als Spitznamen, Jacqui war Bayern München, einer Ber Mönchengladbach, einer Leipzig, der tolle Bassist "der Geißbock" und er selbst der TuS Dietkirchen. TuS Dietkirchen ist ein Verbandsligist aus Limburg, mit dem der Sänger eine spannende Geschichte teilt. In seiner Kindheit hatte Paul an einem Jugendfußball-Turnier in Limburg teilgenommen, Jahre später - aber noch weit vor den Housemartins - war er mit Gitarre unterwegs durch Europa und wollte noch einmal Limburg sehen, lernte da einen Einheimischen kennen, man befreundete sich. Jahre später war der eine Popstar und der andere in leitender Position beim TuS Dietkirchen, also - das liegt ja auf der Hand - spielte Paul Heaton 2011 beim 100. Jubiläum des Fußballvereins als Stargast. Das Konzert war spektakulär, es war das vermutlich erste, das ein relevanter Popmusiker in einem Bierzelt spielte. Neben vielen Housemartins-Stücken spielte Paul auch einige Beautiful-South-Lieder, obwohl einer seiner männlichen Kollegen die weibliche Stimme singen musste.


Die Housemartins (zu jung) und The Beautiful South (Konzert-Sabbatical-Jahrzehnt) habe ich nie live gesehen, die beiden Konzerte in den vergangenen Jahren mit Paul (mein erstes war beim Latitude-Festival 2010) waren aber so gut, daß die Nachricht, daß Pauls Tour gemeinsam mit Beautiful-South-Kollegin Jacqui Abbott auch nach Deutschland kommen würde, bei mir sofortige Kaufreflexe erzeugte. Der erste Vorfreude-Dämpfer war die Halle - die Live Music Hall gehört nicht zu meinen liebsten 50 Kölner Konzertstätten - der zweite die Hitzewelle. Heiße Konzerte in nichtklimatisierten Sälen sind die Hölle, in der Live Music Hall ganz besonders. Fast hätte ich mich gegen diese Tortur entschieden, schlauerweise (sprich: Herz und nicht Hirn entschied) ließ ich das bleiben.


Die erste halbe Stunde gehört einen Singer-Songwriter mit E-Gitarre. Matthew Austin kommt aus Manchester, lebt in München und machte Musik, die mich nicht erreichte. Vermutlich lag das an der Hitze. Zu der sie aber ganz gut passte, sie hatte nämlich einen starken Americana- und Wüsten-Einschlag. Aber ich war ja wegen der Popmusik da.

Zu Lebzeiten der Housemartins und von The Beautiful South konnte man guten Gewissens sagen, man höre das, was im Radio läuft. Da waren sie nämlich allgegenwärtig. Heute kann man das allenfalls in "das, was im Deutschlandfunk läuft" abwandeln, ohne sich als Musikfeind zu outen. Schon in den letzten Tagen schwirrten mir ununterbrochen Songs aus Pauls Hand durch den Kopf (ununterbrochen stimmt nicht ganz, dazwischen kamen oft die B-52's). Das Konzert fing allerdings nicht mit einem der Überhits an, als Jacqui und Paul (mit einer Jacke) auf die Bühne kamen, stimmten sie zunächst Old Red Eyes is back an. Begleitet wurden die beiden von einem Gitarristen, einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Schlagzeuger, ab Rotterdam (or anywhere) kamen eine Trompeterin, ein Posaunist und ein Saxophonist dazu.

Während die Hitze uns und Jacqui sichtbar zu schaffen machte (sie wirkte insgesamt angeschlagen und setzte sich gegen Ende des Konzerts immer wieder hin), kommentierte Paul, es sei "shorts weather - kurze-Hosen-Wetter", er hasse das, vor allem kurze Hosen. Nicht nur musikalisch ein Vorbild. Der Sänger ließ seine Jacke konsequenterweise an und störte sich nicht an den Sauna-Temperaturen (die LMH hat keine Klimaanlage und muß verständlicherweise die Türen während der Shows schließen). Anders als in England hatten sie Securities genug damit zu tun, Handy-Videos zu verhindern (auch ich hörte ein "Filmen verboten!" als ich mit meinem Fotoapparat Fotos machte), um Wasser zu verteilen, das ist leider in deutschen Konzertsälen so gar nicht bekannt, daß Wasser im Sommer nicht nur ein schöner Service sondern u.U. eben auch weniger Arbeit ist, wenn man keine umklappenden Menschen raustragen muss. Jacqui bot von der Bühne aus Wasserflaschen an, sie sah das wohl ähnlich. Vor den Zugaben verteilte dann ein Ordner fünf (!) Flaschen an die rechte Saal-Hälfte.



Das Konzert war die Liveumsetzung von Pauls neuer Platte (2018) The last king of pop. Nur die letzte Zugabe stammte nicht vom Album The last king of pop, das Lied The last king of pop.

Auch wenn die Setlist keine Überraschungen enthielt - sie spielen jeden Abend das gleiche Programm - war der Abend (musikalisch) perfekt. Bei Wikipedia steht unter "Pop-Perle": "erfunden von Paul Heaton." In den meisten Fällen hätte es die Blechbläser nicht gebraucht. Eigentlich reichen Jacquis und Pauls Stimmen. Hatte ich am Vorabend schon das Glück, noch einmal Kate Pierson und Fred Schneider live zu hören, war es gestern wieder so ein Stimmen-Paar, das man aus jeder Menge heraushört. Hymnen wie Happy hour, Good as gold (stupid as mud) sind brillante Pophits, Pauls bezw. die beiden Stimmen machen sie aber einzigartig.

Trotz der Hitze vergingen die eindreiviertel Stunden rasend schnell. Paul redete auch nicht schrecklich viel, am wichtigsten war ihm die Frage nach dem Zwischenstand des Viertelfinales zwischen England und Norwegen (3:0 am Ende).

Ich hoffe sehr, daß Paul schneller als in acht Jahren wieder nach Deutschland kommt, es gibt noch so viele seiner Songs, die ich dringend einmal live hören will. Er kommt das nächste Mal im Winter, versprach er. The last king of pop eben!

Setlist Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

01: Old Red Eyes is back (The Beautiful South)
02: Me and the farmer (The Housemartins)
03: Moulding of a fool
04: I gotta praise
05: Build (The Housemartins)
06: I don't see them
07: D.I.Y.
08: Prettiest eyes (The Beautiful South)
09: Rotterdam (or anywhere) (The Beautiful South)
10: 7" singles
11: The austerity of love
12: Flag day (The Housemartins)
13: Real hope
14: Manchester (The Beautiful South)
15: She got the garden
16: Don't marry her (The Beautiful South)
17: Good as gold (stupid as mud) (The Beautiful South)
18: A little time (The Beautiful South
19: Perfect 10 (The Beautiful South)

20: Poems (Z)
21: Happy hour (The Housemartins) (Z)
22: You keep it all in (The Beautiful South) (Z)

23: Song for whoever (The Beautiful South) (Z)
24: The last king of pop (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Paul Heaton, Limburg, 12.06.11


Montag, 13. Juni 2011

Paul Heaton, Limburg, 12.06.11

5 Kommentare

Konzert: Paul Heaton
Ort: Festzelt 100 Jahre TuS Dietkirchen, Limburg/Lahn
Datum: 12.06.2011
Zuschauer: vielleicht 800-1.000
Dauer: 75 min

"Deutsch Tour 2011" steht auf den T-Shirts, die es am Merchandising Stand zu kaufen gab. München, Köln, Berlin - und dazwischen Limburg und, als wäre das noch nicht skurril genug: "100 Jahre TuS Dietkirchen 1911 eV."
Paul Heaton, Frontmann der großartigen Bands The Housemartins und The Beautiful South, war Ehrengast der Jubiläumswoche dieses Sportvereins. Den Engländer verbindet eine lange Freundschaft mit Limburg, daher hatte er nicht nur sein Kommen sondern auch eine Erweiterung des Standardprogramms seines Auftritts um einige zusätzliche Songs seiner beiden früheren Bands zugesagt.

In seiner Jugend war Paul Heaton mit einer Fußballmannschaft im Taunus. Später reiste er erneut durch Deutschland und wollte sich Limburg noch einmal ansehen. Damals entstanden Freundschaften und die besondere Beziehung zu Limburg, von der ich zum ersten Mal hörte, als ich mich nach Karten für das Konzert umsah. Ein komisches Gefühl, daß einer der prägendsten Musiker meiner Jugend eine ähnlich enge Beziehung zu der wunderschönen Stadt an der Lahn hat, wie ich selbst.


Wir kamen um kurz nach neun am Vereinsgelände und dem benachbarten Festzelt an. Nach Abgleich unserer Online-Tickets mit der Liste am Einlaß (die Besucher aus ganz Deutschland und Liverpool z.B. enthielt), erhielten wir Ticket und Bändchen und staunten erstmals über die perfekte Organisation.


Das Festzelt war riesig und wohl für 2.000 Besucher ausgelegt. Als Pauls Band die Bühne betrat, war es allerdings bei weitem nicht voll. Die hinteren drei Viertel des Raums waren mit Bierbänken bestückt, im Bereich vor der Bühne, war noch viel Platz. 
Paul Heaton wurde von Jonny Wright (Bass), Jonny Lexus (Gitarre), Pete Marshall (Schlagzeug) und Christian Madden (Keyboard) begleitet. Zusätzlich kam ab und an ein Saxophonist / Querflötespieler auf die Bühne (dessen Namen ich nicht kenne). Der Conférencier des Abends hatte vorher bereits angekündigt, daß die Band einige Hits von Pauls ehemaligen Bands spielen würde. Normalerweise sind wohl sehr wenige Housemartins Songs Teil seines Programms. Als ich den Sänger im vergangenen Jahr erstmals beim Latitude Festival in England gesehen hatte, spielte er lediglich Build und Me and the farmer aus der Zeit vor seiner Solokarriere. Heute kam gleich als zweites eine kleine Perle der Housemartins, das instrumentale Reverend's revenge, das Paul auf der Mundharmonika spielte. Danach wechselten sich neuere (Solo-) Lieder und alte Perlen ab, wobei diese anfangs alle aus der zweiten Reihe des Katalogs stammten. Nicht Five get over excited oder I smell winter oder The people who grinned themselves to death, stattdessen We're not deep oder das Stevie Wonder Cover A place in the sun.


Daß die rein männliche Besetzung die Auswahl der Beautiful South Lieder einschränkte, war mir klar, Rotterdam oder Don't marry her z.B. funktionieren so einfach nicht. Dachte ich zumindest, bis Paul ein Lied ankündigte, bei dem es normalerweise eine weibliche Stimme gibt. Seine Bandmates hätten sich im Vorfeld darum gestritten, wer die übernehmen dürfe. Daraus wurde You keep it all in, und alle drei Mitmusiker sangen abwechselnd den weiblichen Part, es war (trotzdem) wundervoll!

Die nächsten Housemartins Klassiker folgten etwas später: erst der A cappella-Hit Caravan of love, direkt danach Me and the farmer - großartig! Me and the farmer ist übrigens das einzige Lied, bei dem Paul Heaton Gitarre spielt.


Zum Schluß folgte der Titelsong von Pauls aktueller Soloplatte, das irre lange Acid house. Ich besitze drei seiner Soloplatten, habe sie aber bisher kaum gehört. Heute habe ich aber besonders auf diese Stücke geachtet, und die sind deutlich besser als ihr Ruf. Die Lieder der letzten drei Jahre kommen nicht an die Ohrwürmer der alten Bands ran, werden sie auch nie. Aber die meisten heute gespielten Songs sind gar nicht verkehrt. Little red rooster, Deckchair collapsed, Life of a cat oder The balcony haben mir gut gefallen. Auch das sehr komplexe Acid house taugt einiges. Und weil dadurch eben keine Hänger im 70-minütigen Set entstanden, war es ein wirklich gutes Konzert.


Zwei Zugaben gab es zunächst, das bislang fehlende Build und Good old Texas, bevor Paul ankündigte, daß man anschließend hinter die Bar gehe und da weiterspiele. Vielleicht 50 Leute von vorne folgten der Band, stellten sich vor die Theke und versuchten, der Band auf der anderen Seite zuzuhören. Den Großteil des Saals auf den Bierbänken interessierte das nicht (mehr). Dadurch, denn man unterhielt sich blendend und laut im Saal, bekam man auch an der Bar nichts vom Gesang mit. Wir standen nicht weit weg, vielleicht drei Meter, was da gesungen wurde, habe ich erst mitbekommen, als ich gesehen habe, daß auf einem meiner Fotos vor Paul sein Aktenordner lag, in dem die Texte der Lieder waren. Und bei der letzten Zugabe lag da der Text von This house. Durch den Krach war das ein doofes Ende eines schönen Konzerts.


Aber wir waren ja in einem Festzelt bei einem Fußballjubiläum; das hätte viel schlimmer ausgehen können. Daß die Stimmung vorne so gut war, lag vor allem an den Hardcore Fans (incl. einiger Briten), die extrem textsicher waren.


Setlist Paul Heaton, Jubiläum TuS Dietkirchen, Limburg:


01: Welcome to the south
02: Reverend's revenge (Housemartins)
03: The ladder's bottom rung
04: Little red rooster
05: A place in the sun (Housemartins)
06: We're not deep (Housemartins)
07: Old red eyes (Beautiful South)
08: Deckchair collapsed
09: Poems
10: You keep it all in (Beautiful South)
11: The balcony
12: Life of a cat
13: One last love song (Beautiful South)
14: Caravan of love (Housemartins)
15: Me and the farmer (Housemartins)
16: Acid country

17: Build (Housemartins) (Z)
18: Good old Texas (Z)

19: This house (Z) akustisch hinter der Bar



 

Konzerttagebuch © 2010

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