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Montag, 4. April 2022

Sleaford Mods, Köln, 02.04.22

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Konzert: Sleaford Mods
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 02.04.2022
Zuschauer: ausverkauft


von Dennis

Für drei (Nachhol) Konzerte haben sich Sleaford Mods Frontmann Jason Williamson und Produzent Andrew Fearn, unterstützt durch einen brachial wirbelnden Supportact, auf nach D gemacht.
Politisch klare Statements, Front eröffnend gegen die schwierig Situation im England, die ebenso von Corona und speziell vom Brexit gekennzeichnet ist und eine Menge Verlierer kennt. 

Mit ihrem neuen Album „Spare Ribs“ leisten die Mods ihren Beitrag zur Bewältigung der zurückliegenden Zeit. In nur drei Wochen eingespielt, rammt sich der eindringliche East Midland Akzent ins Hirn. 

Der Abend selbst passend geprägt vom Öffnungsdiskurs der letzen Wochen, ausverkauft und alles in Feierlaune, rahmte den Gig des Duos passend ein. 

Dennoch blieb alles irgendwie merkwürdig diszipliniert. Keine Bierduschen, kaum Schweiß, eben am Ende doch noch ein wenig verhalten. Aber es geht wieder los und mit den Mods ein grandioser Auftakt! Die komplette Galerie auf www.desc-photography.com


Freitag, 28. Juni 2019

Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

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Konzert: Paul Heaton & Jacqui Abbott
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 27.06.2019
Dauer: exakt 105 min, Matthew Austin 30 min
Zuschauer: voll



Als Paul Heaton irgendwann die Band vorstellte, bekam jedes Mitglied einen deutschen Fußball-Verein als Spitznamen, Jacqui war Bayern München, einer Ber Mönchengladbach, einer Leipzig, der tolle Bassist "der Geißbock" und er selbst der TuS Dietkirchen. TuS Dietkirchen ist ein Verbandsligist aus Limburg, mit dem der Sänger eine spannende Geschichte teilt. In seiner Kindheit hatte Paul an einem Jugendfußball-Turnier in Limburg teilgenommen, Jahre später - aber noch weit vor den Housemartins - war er mit Gitarre unterwegs durch Europa und wollte noch einmal Limburg sehen, lernte da einen Einheimischen kennen, man befreundete sich. Jahre später war der eine Popstar und der andere in leitender Position beim TuS Dietkirchen, also - das liegt ja auf der Hand - spielte Paul Heaton 2011 beim 100. Jubiläum des Fußballvereins als Stargast. Das Konzert war spektakulär, es war das vermutlich erste, das ein relevanter Popmusiker in einem Bierzelt spielte. Neben vielen Housemartins-Stücken spielte Paul auch einige Beautiful-South-Lieder, obwohl einer seiner männlichen Kollegen die weibliche Stimme singen musste.


Die Housemartins (zu jung) und The Beautiful South (Konzert-Sabbatical-Jahrzehnt) habe ich nie live gesehen, die beiden Konzerte in den vergangenen Jahren mit Paul (mein erstes war beim Latitude-Festival 2010) waren aber so gut, daß die Nachricht, daß Pauls Tour gemeinsam mit Beautiful-South-Kollegin Jacqui Abbott auch nach Deutschland kommen würde, bei mir sofortige Kaufreflexe erzeugte. Der erste Vorfreude-Dämpfer war die Halle - die Live Music Hall gehört nicht zu meinen liebsten 50 Kölner Konzertstätten - der zweite die Hitzewelle. Heiße Konzerte in nichtklimatisierten Sälen sind die Hölle, in der Live Music Hall ganz besonders. Fast hätte ich mich gegen diese Tortur entschieden, schlauerweise (sprich: Herz und nicht Hirn entschied) ließ ich das bleiben.


Die erste halbe Stunde gehört einen Singer-Songwriter mit E-Gitarre. Matthew Austin kommt aus Manchester, lebt in München und machte Musik, die mich nicht erreichte. Vermutlich lag das an der Hitze. Zu der sie aber ganz gut passte, sie hatte nämlich einen starken Americana- und Wüsten-Einschlag. Aber ich war ja wegen der Popmusik da.

Zu Lebzeiten der Housemartins und von The Beautiful South konnte man guten Gewissens sagen, man höre das, was im Radio läuft. Da waren sie nämlich allgegenwärtig. Heute kann man das allenfalls in "das, was im Deutschlandfunk läuft" abwandeln, ohne sich als Musikfeind zu outen. Schon in den letzten Tagen schwirrten mir ununterbrochen Songs aus Pauls Hand durch den Kopf (ununterbrochen stimmt nicht ganz, dazwischen kamen oft die B-52's). Das Konzert fing allerdings nicht mit einem der Überhits an, als Jacqui und Paul (mit einer Jacke) auf die Bühne kamen, stimmten sie zunächst Old Red Eyes is back an. Begleitet wurden die beiden von einem Gitarristen, einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Schlagzeuger, ab Rotterdam (or anywhere) kamen eine Trompeterin, ein Posaunist und ein Saxophonist dazu.

Während die Hitze uns und Jacqui sichtbar zu schaffen machte (sie wirkte insgesamt angeschlagen und setzte sich gegen Ende des Konzerts immer wieder hin), kommentierte Paul, es sei "shorts weather - kurze-Hosen-Wetter", er hasse das, vor allem kurze Hosen. Nicht nur musikalisch ein Vorbild. Der Sänger ließ seine Jacke konsequenterweise an und störte sich nicht an den Sauna-Temperaturen (die LMH hat keine Klimaanlage und muß verständlicherweise die Türen während der Shows schließen). Anders als in England hatten sie Securities genug damit zu tun, Handy-Videos zu verhindern (auch ich hörte ein "Filmen verboten!" als ich mit meinem Fotoapparat Fotos machte), um Wasser zu verteilen, das ist leider in deutschen Konzertsälen so gar nicht bekannt, daß Wasser im Sommer nicht nur ein schöner Service sondern u.U. eben auch weniger Arbeit ist, wenn man keine umklappenden Menschen raustragen muss. Jacqui bot von der Bühne aus Wasserflaschen an, sie sah das wohl ähnlich. Vor den Zugaben verteilte dann ein Ordner fünf (!) Flaschen an die rechte Saal-Hälfte.



Das Konzert war die Liveumsetzung von Pauls neuer Platte (2018) The last king of pop. Nur die letzte Zugabe stammte nicht vom Album The last king of pop, das Lied The last king of pop.

Auch wenn die Setlist keine Überraschungen enthielt - sie spielen jeden Abend das gleiche Programm - war der Abend (musikalisch) perfekt. Bei Wikipedia steht unter "Pop-Perle": "erfunden von Paul Heaton." In den meisten Fällen hätte es die Blechbläser nicht gebraucht. Eigentlich reichen Jacquis und Pauls Stimmen. Hatte ich am Vorabend schon das Glück, noch einmal Kate Pierson und Fred Schneider live zu hören, war es gestern wieder so ein Stimmen-Paar, das man aus jeder Menge heraushört. Hymnen wie Happy hour, Good as gold (stupid as mud) sind brillante Pophits, Pauls bezw. die beiden Stimmen machen sie aber einzigartig.

Trotz der Hitze vergingen die eindreiviertel Stunden rasend schnell. Paul redete auch nicht schrecklich viel, am wichtigsten war ihm die Frage nach dem Zwischenstand des Viertelfinales zwischen England und Norwegen (3:0 am Ende).

Ich hoffe sehr, daß Paul schneller als in acht Jahren wieder nach Deutschland kommt, es gibt noch so viele seiner Songs, die ich dringend einmal live hören will. Er kommt das nächste Mal im Winter, versprach er. The last king of pop eben!

Setlist Paul Heaton & Jacqui Abbott, Köln, 27.06.19

01: Old Red Eyes is back (The Beautiful South)
02: Me and the farmer (The Housemartins)
03: Moulding of a fool
04: I gotta praise
05: Build (The Housemartins)
06: I don't see them
07: D.I.Y.
08: Prettiest eyes (The Beautiful South)
09: Rotterdam (or anywhere) (The Beautiful South)
10: 7" singles
11: The austerity of love
12: Flag day (The Housemartins)
13: Real hope
14: Manchester (The Beautiful South)
15: She got the garden
16: Don't marry her (The Beautiful South)
17: Good as gold (stupid as mud) (The Beautiful South)
18: A little time (The Beautiful South
19: Perfect 10 (The Beautiful South)

20: Poems (Z)
21: Happy hour (The Housemartins) (Z)
22: You keep it all in (The Beautiful South) (Z)

23: Song for whoever (The Beautiful South) (Z)
24: The last king of pop (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Paul Heaton, Limburg, 12.06.11


Sonntag, 17. September 2017

The Killers, Köln, 15.09.17

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Konzert: The Killers
Ort: Live Music Hall
Datum: 15.09.2017
Dauer: 80min
Zuschauer: ca.1500 ausverkauft



Wer schon immer einmal wissen wollte, wie es am Anfang der `90 Jahre in Köln aussah, die Live Music Hall bietet immer noch eine Menge Antworten.

Eine 150 Meter lange Schlange am Eingang, Garderobe, WC und Essen auf dem Hof und im Innern der immer gleiche Charme alter Fabrikhallen und Säulen mit rot umschlungenen Lichtschläuchen.

Das mag so gar nicht passen, zu der großen. glamourösen Band aus Las Vegas. The Killers laden zum exclusiven Clubgig, außer Köln fand nur in London ein weiteres Konzert im kleinen Rahmen statt.

Die Veröffentlichung der neuen CD "Wonderful, Wonderful" steht an und es blieb zu befürchten, für den happigen Eintrittspreis nur unbekannte Songs und einige Alibihits geboten zu bekommen. Diese Angst blieb zum Glück unbegründet.

Die Band startet zwar mit einem neuen, schon veröffentlichten Song "The Man", legt danach aber sofort den Schalter auf Hitmodus um und lässt Publikumslieblinge wie "Somebody told me" und "Smile like you mean it" früh im Set folgen. 



Das erinnert an die ewigen Selbstzweifel von Sänger Brandon Flowers. Dieser ließ zum damaligen Headlinerset der Band bei Rock am Ring vor laufender Kamera Handzettel mit Liedtexten im Publikum verteilen, da er fürchtete, die Band könnte die Zuschauer sonst langweilen.

Diese Zeiten scheinen vorüber. Brandon wirkt zwar nicht nur äußerlich immer noch so glatt wie Markus Lanz, der Auftritt hier ist aber wesentlich besser als viele pomadige und gespielt arrogante in der Vergangenheit.

Der schwitzige Club scheint nicht nur Drummer Ronnie Vannucci zu Höchstleistungen anzuspornen, spätestens vor dem ungewöhnlich mutigen "Joy Division"-Cover mit "Shadowplay" ist das Eis gebrochen und unzählige Damen in Killers-T-Shirts bitten zum Tanz.



Flowers tigert dabei rastlos über die kleine Bühne, nur selten bemüht er das riesige, für ihn aufgebaute Keyboard um einige Takte zu spielen. Der flotte Dreier vor den Zugaben mit "Read my mind", "Runaways" und das lange nicht gehörte "All the things that i`ve done" funktioniert hervorragend und lässt endlich auch etwas Spontanität zu.

Flowers berichtet in einer langen Ansprache von den Anfangstagen in Europa als Vorband von "British Sea Power" und wie beeindruckend für ihn der erste Besuch am Dom war, sind doch die Gebäude im Historic District von Las Vegas aus den 1960ern. Das bringt Sympathiepunkte und wirkt nicht auswendig gelernt.  

Als Zugabe folgt mit "Tyson vs. Douglas" ein neuer Song sowie die beiden Gassenhauer "When we were young" und natürlich "Mr. Brightside". 

Über den Sinn solcher Promokonzerte lässt sich trefflich streiten. Sollte es für die Band ein Weckruf sein, das auch kleine Konzerte sowohl für die Künstler als auch die Zuschauer etwas Besonderes sein können, hätte es seinen Zweck erfüllt. 

Fotos: Michael Graef


Freitag, 18. November 2016

The Human League, Köln, 15.11.16

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Konzert: The Human League
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 15.11.2016
Dauer: gut 80 min
Zuschauer: ausverkauft



"Ich weiß nicht, ob ich hingehe. Das ist ja ein Hochrisiko-Konzert." - "Hochrisiko-Konzert?" - "Weil es ein riesiger Flop werden kann."

Als wir in der wenig geliebten und völlig überfüllten Live Music Hall angekommen waren - kurz bevor The Human League auftraten - schien meine Einschätzung richtig gewesen zu sein. Auf der Bühne standen zwei Keyboard-Türme und ein Schlagzeug, einheitlich weiß und aus Kunststoff - Luigi Colani Edition. Als die Band um zehn nach neun auf die Bühne kam, erst die beiden Keyboarder und der Schlagzeuger, dann die beiden Sängerinnen Joanne Catherall und Susan Ann Sulley und zuletzt Philip Oakey, war ich sicher, das es mit viel Wohlwollen und Fantum ein okayer Abend werden würde. Das Bühnenbild, das an "'Die Carmen Nebel Show' oder 'Ein Kessel Buntes'" erinnerte (Facebook), die beiden tänzelnden und "uh uh" singenden Schulfreundinnen Susan und Joanne, dazwischen der Sänger, der eine kleines Schwarzes anhatte. Puh.

Dann geschah allerdings etwas Merkwürdiges. Die Lieder taugten etwas. Nein, sie taugten sogar viel. Mirror man zum Auftakt ist einer dieser Hits, die jeder über 40 kennt. Ich hatte das Lied seit Jahrzehnten nicht gehört, wusste aber auch noch, daß es das gibt. Und obwohl auf der Bühne alles nach einer Modern Talking Reunion-Show aussah, war es musikalisch so gar nicht dazu passend. Es war gut. Philip Oakey hat auch live (oder gerade live) eine eindrucksvolle Stimme. Wenn es zu hoch ging, merkte man, daß seine Stimme über 60 ist, all die tiefen Passagen waren brillant.

Während Mirror man war mir bereits klar, daß hier nichts schiefgehen würde. Vor ein paar Jahren habe ich meine alten Helden The B-52's zum ersten Mal live gesehen. Auch da war der erste Eindruck schwierig, das Konzert aber wundervoll, ebenso bei OMD im vergangenen Sommer. 


Außer den beiden Liedern, die man auch als Radioverweigerer immer mal wieder hört (Human und Don't you want me), habe ich bewußt seit den 90ern nichts mehr von The Human League gehört. Trotzdem kannte ich die meisten Stücke. Und so wurde das Konzert mehr und mehr zu einer Art Klassentreffen nach 25 Jahren, zu dem aber nur Leute kommen, die man damals mochte und die auch heute noch toll sind. Menschen die man aber komplett vergessen hat.

The Lebanon. Was für ein großartiger Song! Oder Open your heart!

Da die letzten beiden Alben 2011 und davor 2001 erschienen sind (der offizielle Grund der Tour ist eine Anthologie - A Very British Synthesizer Group, die heute veröffentlicht wird), spielte The Human League vor allem alte Lieder. Was ich nicht kannte, war neu. 

Die Showelemente blieben das ganze Konzert über schwierig. Bei The sound of the crowd (von 1981), kamen die beiden Keyboarder nach vorne und hatten ihren Kommandotürmen Umhänge-Keyboards entnommen. Es war nicht nur musikalisch eine Reise in die goldenen Jahre der Popmusik.

Die Kostüme wurden immer wieder gewechselt. Allerdings eher von Philip als von den beiden Sängerinnen. Joanne und Susan zogen sich nur zweimal um. Nach den weißen Kleidern kamen dunkle, danach wurde es revuegirlhafter. Das große Umkleiden gab es beim glatzköpfigen Sänger. Nach dem schwarzen Lederkleid trug er u.a. einen Frisörumhang, Hemd und Hose, ein Rüschenhemd und zur Zugabe weiße Hose mit weißer Regenjacke mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze.  Dazu liefen hinter der Band Animationen, die vor allem Computerspiele der 80er Jahre zeigten.


Das war alles sehr gut und kurzweilig! Human, einen der größten Hits, versauten The Human League allerdings. Das Stück klang gelangweilt und runtergenudelt. Vielleicht ist es auch kein gutes Livelied. Ich finde es aber ganz gut, wenn eine Band ihren großen Hit versaut, weil das ein wenig die straft, die nur wegen des einen Lieds kommen. Chumbawamba haben das mit großer Eleganz mit ihrem Tubthumping gemacht - es nur kurz angespielt, sodaß man sich auf all die anderen Perlen neben dem einen Star konzentrieren konnte. 

Anders die letzten 10, 15 Minuten des Abends. Das letzte Lied vor den Zugaben war der andere große Hit. Anders als Human war Don't you want me fantastisch! Das Lied ist gut gealtert! Das gilt uneingeschränkt auch für die beiden Zugaben Being boiled und Together in electric dreams. Welch ein Konzertende!

Gäbe es heute abseits unerer kleinen Indieszene noch Bands wie The Human League, würde ich vielleicht auch wieder Radio hören. 

Setlist The Human League, Live Music Hall, Köln:

01: Mirror man
02: Sky
03: The sound of the crowd
04: Love action (I believe in love)
05: Filling up with heaven
06: Heart like a wheel
07: Soundtrack to a generation
08: Seconds
09: The Lebanon
10: One man in my heart
11: Human
12: Stay with me tonight
13: Open your heart
14: Tell me when
15: (Keep feeling) Fascination
16: Don't you want me

17: Being boiled
18: Together in electric dreams 



Dienstag, 2. Februar 2016

Daughter, Köln, 31.01.16

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Konzert: Daughter
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 31.01.2016
Dauer: Daughter gut 90 min, John Joseph Brill 25 min
Zuschauer: ausverkauft (1.500)*



Ob auch englische Kinder von irgendwelchen alten Tanten bei Treffen immer mit "was bist du groß geworden" begrüßt werden? Dann kennte Sängerin Elena Tonra das, was sie vermutlich jetzt häufig hört. Denn was sind Daughter in den letzten zweieinhalb Jahren groß geworden! 

Ab August 2012 hatte ich die Londoner Band in 12 Monaten siebenmal gesehen. Danach verschwand sie ins Studio, um ihr zweites Album zu erarbeiten. Die Platte erschien vor zwei Wochen und trägt den passenden Titel Not to disappear. Wer die Band erst damit kennenlernte, hatte keine Chance mehr, eines der Konzerte einer kurzen Europa-Tour zu besuchen, alle Abende waren schnell ausverkauft, in Köln sogar doppelt. Tickets für die Kantine waren ruckzuck weg, nach der Hochverlegung in die Live Music Hall dauerte es kaum länger, bis auch da alles vergriffen war. Leider ging eine erneute Verlegung ins (voll) viel angenehmere E-Werk nicht, weil Karneval ist und Karneval größer als die größten Indiebands ist. 


Als um acht der Support begann, war die Halle noch nicht richtig voll. Nicht voll ist die LMH kein so schlechter Ort für Konzerte, weil sie oft gut klingen, so auch beim Vorprogramm. John Joseph Brill ist ein Singer / Songwriter aus London, der wie eine schlankere und etwas kleinere Version von Hagrid aussieht und in 25 min sechs Lieder spielte, die mir recht gut gefielen. Aber - und das ist ein wenig das Problem - hängen blieben sie nicht.


In der vierzigminütigen Umbaupause füllte sich die Halle bis auf den letzten Platz. Zuletzt war es zwar auch schon das Stollwerck, in den vergangenen drei Jahren sind Daughter aber noch einmal kraftig gewachsen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, daß die Konzerte einen nächsten Tour das Londoner Trio auch noch ins Palladium bringen. Warum, weiß ich nicht so recht. Ich verstehe schon lange nicht mehr, warum eine Band die zu gut dafür ist, plötzlich die Massen anspricht, obwohl die sie doch eigentlich nicht kennen könnten. Daughter-Songs liefen dieses Jahr mindestens viermal im Dschungelcamp. Da war die Tour aber lange schon ausverkauft. Ich habe diesen "ich hasse es, wenn meine Freunde berühmt werden" - Reflex nicht. Ich gönne Bands, die ich mag, jeden Erfolg! Das wird man ja wohl man sagen dörfen! Manchmal verstehe ich aber eben nicht, wie wer wann groß wird.


Wie schon 2012 hatten Daughter einen zusätzlichen Musiker für Bass und Keyboard dabei. Damals war es ein Bassist, heute eine Musikerin, deren Namen ich nicht kenne. 


Die drei wirklichen Bandmitglieder sind fast unverändert. Elena wirkte eine Spur weniger verhutschelt als vor drei Jahren, Gitarrist Igor Haefeli hat einen Musketier Bart. Schlagzeuger Remi Aguilella und der Charme der drei sind wie damals. 

Daughter begannen das Konzert mit How vom neuen Album, Tomorrow vom ersten und Numbers wieder vom aktuellen - und sie klangen wie immer! Elenas eindrucksvolle, zarte Stimme, die wahnsinnigen Gitarren und Remis tolles Trommeln. 


Dummerweise gehören in der Live Music Hall Fotografieren und Schreiben nicht zusammen. Fotografen werden nach den drei Liedern über den Hof rausgeführt und enden wieder ganz hinten im Saal. Konzerte fünzig Meter von der Band entfernt zu erleben, ist so wie Wimbledon-Endspiele auf der Wiese neben dem Stadion. Zu einem Konzert gehört eben nicht nur die Qualität von Band, deren Musik und Sound, die anderen Umstände, die Nachbarn, das spielt alles eine große Rolle. Hinten in der LMH kann man keine herausragenden Auftritte erleben. Daughter klangen wundervoll, die Songauswahl der Tour ist top, die Band rechtfertig die neue Größe in jeder Sekunde. Aber dummerweise habe ich bisher schon so manches magische Daughter-Konzert erlebt. So weit weg von der Bühne, mit schon deutlich gedämmter Lautstärke, wird auch das beste Konzert nicht zu einem umwerfenden.


Daughter spielten 50% alte und 50% neue Songs; erstaunlich eigentlich. Vor drei Jahren hatte ich Elena, Igor und Remi darauf angesprochen, wie sehr mich bei ihnen beeindruckte, daß sie als junge Band mit wenig Material 80-minütige Konzerte spielten. Die drei lachten und antworteten, daß sich das ändere, wenn sie erst einmal ihre Instrumente schneller stimmen könnten. Dafür haben sie heute jemanden, die Konzerte dauern zehn Minuten (oder zwei Lieder länger). Ganz so schlimm kann das mit dem Stimmen also nicht gewesen sein. 

Daughter leben von Elenas zarter, manchmal entrückt klingender Stimme, die perfekt zu den beiden Gitarren passt. Viele Lieder haben diesen Touch Gelangweilheit (nicht mit Langeweile verwechseln!), die The xx als Stilmittel geprägt hat, ich liebe das!


Am Ende des Konzerts stand das lange Fossa, das mit seinen zig Brüchen, Gesangsechos (wohl von der Bassistin und Keyboarderin live übernommen. So recht erkennen konnte ich das vom Neumarkt aus nicht), sich wohl am deutlichsten von den frühen Stücken weiterentwickelt hat.  

Wie auf Not to disappear folgte - hier als Zugabe - noch Made of stone. Im Gegensatz zu den treibenden Gitarren am Fossa-Ende ist Made of stone ruhig, langsam und verträumt. Im regulären Set wäre das Stück vermutlich untergegangen. Ich hatte zwar auf eines der abwegigen aber wundervollen Cover, die Daughter spielen, gehofft. Das an den Schluß zu setzten, macht aber ganz offensichtlich großen Sinn.

Die alte Tante kann auch bei der Tour zur nächsten Platte wieder nerven, Daughter werden noch kräftig weiterwachsen. Sie in kleineren Clubs wie dem Gebäude 9 zu sehen, bleibt vermutlich ein Traum.  


Setlist Daughter, Live Music Hall, Köln:

01: How
02: Tomorrow
03: Numbers
04: Alone / With you
05: Amsterdam
06: Human
07: Doing the right thing 
08: Shallows
09: Home
10: No care
11: Winter
12: Smother
13: New ways
14: Youth
15: Fossa

16: Made of stone (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Daughter, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Daughter, Mannheim, 31.05.13
- Daughter, Frankfurt, 16.04.13
- Daughter, Köln, 08.04.13
- Daughter, Brüssel, 04.04.13
- Daughter, Luxemburg, 10.11.12
- Daughter, Paris, 07.11.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12




* die Angaben, wie hoch die Kapazität der LMH ist, schwanken zwischen 1.300 und 1.800. Es fühlte sich aber definitiv nicht nach einem 1.300-Ausverkauft an.


Donnerstag, 28. August 2014

Blumfeld, Köln, 27.08.14

1 Kommentare

Konzert: Blumfeld
Ort: Live Music Hall
Datum: 27.08.2014
Dauer: 92 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft



Als Blumfeld nach 18 Stücken um kurz vor zehn zu den Zugaben zurück auf die Bühne kamen, hatte sich der beste Zwischenruf des Abends erledigt. Einige Lieder vorher hatte jemand in eine der Pause "warum rauchst Du nicht mehr?" gefragt. Der Gefragte, Jochen Distelmeyer, kam mit brennender Zigarrette zurück auf die Bühne. Seine erste während des Konzerts. Das Instrumentestimmen vor den Zugaben ist der beste Zeitraum Liedwünsche reinzubrüllen. Mehrere Zuschauer wünschten sich Apfelmann und ernteten ein energisches "schämt Euch!" von Bassist Eike Bohlken! Apfelmann stammt von der letzten Platte der Hamburger und selbst ein Blumfeld-Amateur wie ich weiß, daß Bohlken (Dr. Bohlken - er ist promovierter Philosoph) da schon lange nicht mehr Mitglied der Band war. Das sind die Leute, die bei Coversongs einer Band am lautesten klatschen, auch das gehört sich nicht.


Blumfeld hatten die kurze Tour als Feier zum 20jährigen Jubiläum ihrer zweiten Platte L'état et moi in Originalbesetzung angekündigt.  Irgendwo hatte ich vorher aufgeschnappt, daß die Band das so ernst nehme, daß nur die Titel des Albums gespielt werden würden. Köln war der Tourauftakt, es gab also keine Informationen von anderen Konzerten, ob das so stimmte, Und ja, die ersten Minuten des Abends wirkten danach. Vorgruppenlos traten die drei Gründer - Jochen Distelmeyer, Eike Bohlken und André Rattay - nach halb neun auf und spielten die ersten vier Lieder von L'état et moi. Ich hatte sie lange nicht gehört und viele dieser "ja-genau"-Momente.


Ich mochte Blumfeld immer, ich war aber erst 2007 erstmals bei einem Konzert der Gruppe. Bei der Kölner Station der Abschiedstour. Es gefiel mir ausgezeichnet, ich weiß allerdings nicht mehr viele Details. "Sie waren früher dynamischer", sagte mir ein Freund, als wir von der Live Music Hall zu den Autos gingen. Das glaube ich gerne. Mir war irgendwann während des Konzerts durch den Kopf gegangen, daß die Musik, die ich gerade gespielt bekam, irgendwie wie aus einer Zeitkapsel stammend klang. Nicht die Texte, nur die Musik. Nicht, daß das unbedingt schlecht wäre, mein Konzertvergnügen litt unter dieser (vermeintlichen) Erkenntnis keinen Deut. Aber es verblüffte mich ein wenig, daß mich das so beschäftigte. Bei anderen Konzerten von Künstlern, die ich 2014 gesehen habe und die Lieder von vor zwanzig Jahren gespielt haben (Dean Wareham und vor allem Slowdive) war mir das anders gegangen.

Aber das ist alles wenig relevant, geht es ja bei der Tour, die in Köln begann ausschließlich um das Jubiläum und nicht um eine Reunion. So war es also toll, die unzähligen großen Stücke der ersten Bandphase zu hören. Blumfeld hatten dann doch nicht nur Lieder des Geburtstagsalbums gespielt. Schon recht schnell streuten sie Titel vom Debüt Ich-Maschine (das sie natürlich in gleicher Besetzung eingespielt hatten) ein. Die B-Seite von Verstärker (Anderes Ich) und Ein Lied von zwei Menschen von Old nobody, bei dem Eike noch einmal als Gast mitspielte, komplettierten das Set.

Auch personell war alles nicht so streng wie (von mir) gedacht. Nach ein paar Liedern kam ein zusätzlicher Gitarrist auf die Bühne (Daniel Flohr? - den Nachnamen habe ich nicht verstanden), der bei fast allen Stücken blieb.

Die Zugaben stammten wieder von Ich-Maschine, von Old Nobody (Kommst Du mit in den Alltag) und aus Distelmeyers Nach-Blumfeld-Schaffen (Einfach so - denke ich wenigstens), bevor Verstärker, wenig überraschend - den Abschluß bildete, als Medley mit Electric guitars und Everytime we say goodbye Schnippseln. 

Es war ein stimmiger Abend. Das Publikum im erwarteten Alter kam immer mehr in Fahrt und applaudierte am Ende euphorisch. Das hätte auch ohne die kölschen Ansagen des Sängers, die ich aber überhaupt nicht als Anbiederungen verstanden habe, funktioniert. Höhepunkt der Annäherung des gebürtigen Bielefelders an die rheinische Fröhlichkeit war ein kurzes "isch binne ne Kölsche Jung, watt willste maache", das "von Herzen kam".


Es war schön, einmal die vielen alten Stücke, die so viel Einfluß auf unsere Musikszene hatten, live zu erleben. Daß alles ein wenig "aus der Zeit" klang, spielte da wirklich keine Rolle. Auch Jochen Distelmeyer gefiel es sehr, das sagte er einige Male. Und die Apfelmann-Wünscher können ja in 12 Jahren auf eine Geburtstags-Tour hoffen.

Setlist Blumfeld, Live Music Hall, Köln:

01: Draußen auf Kaution
02: Jet Set
03: 2 oder 3 Dinge, die ich von Dir weiß
04: Walkie, Talkie
05: Ich - wie es wirklich war
06: Eine eigene Geschichte
07: Pickelface is back in town
08: Aus den Kriegstagebüchern
09: Sing Sing
10: Anderes Ich
11: Evergreen
12: Ein Lied von zwei Menschen
13: Zeittotschläger
14: Penismonolog
15: Superstarfighter

16: Ghettowelt (Z)
17: Von der Unmöglichkeit Nein zu sagen, ohne sich umzubringen (Z)
18: Einfach so (Z)

19: Kommst Du mit in den Alltag (Z)
20: Verstärker (Z) 

Links:

- Blumfeld, Köln, 13.04.07



Montag, 24. Februar 2014

Warpaint, Köln, 23.02.14

8 Kommentare

Konzert: Warpaint
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 23.02.2014
Dauer: Warpaint knapp 85 min, All We Are 35 min
Zuschauer: etwa 1.200 (vermutlich ausverkauft) 



Das zweite Konzert der kalifornischen Band Warpaint in Köln sollte ursprünglich im vergangenen November im schönen Gloria stattfinden, wurde dann aber ins neue Jahr und schlimmer in die Live Music Hall verlegt. Der spätere Termin war dabei im Nachhinein ein Segen, weil ich eine Weile brauchte, um die neuen Stücke, die Warpaint teilweise bereits seit dem Spätsommer live spielt, richtig zu mögen. Anfangs waren mir dabei zu viele Keyboards und zu wenige Gitarren involviert. Und die Vorstellung, Warpaint-Stücke ganz ohne Gitarren zu mögen, erschien mir vollkommen abwegig.


Als im Januar das neue Album Warpaint erschien, brauchte ich eine Gewöhnungsphase. Es dauerte zwei, drei Hördurchgänge, bis ich die Platte als durchgängig fabelhaft erkannte. Seitdem höre ich kaum etwas anderes und muß mich schon zweingen, auch anderen Lieblingen wieder etwas Zeit zu widmen. Also ein guter neuer Termin. Zumal ich die Absage im November als Ausrede für eine Fahrt zum schönen Crossing Border Festival in Den Haag zwei Wochen später nutzte.

Die Live Music Hall kann ich leider aber nicht schönreden.

Wir waren früh da, die neuen Kölner Anfangszeiten gelten auch in der Halle in
Ehrenfeld. Also begann der Support All We Are aus Liverpool pünktlich um acht. All We Are sind Absolventen des Liverpool Institute for Performing Arts und bestehen aus dem Brasilianer Luis Santos (Gitarre), der norwegischen Bassistin Guro Gikling und dem Schlagzeuger Rich O'Flynn, den ich wegen seines Akzents für einen Schotten hielt, der aber aus Irland stammt. Ähnlich gemischt wie die Herkunft der Musiker waren ihre Lieder, wobei der rote Faden (wie mein Nachbar treffend feststellte) die gemeinsame Vorliebe der Eltern der drei für die Bee Gees zu sein schien. Mir gefielen das erste und das letzte Lied von All We Are sehr gut, dazwischen war es mir zu - ich weiß es gar nicht genau, es fesselte mich aber nicht recht. Da ich keine Setlist kenne, weiß ich leider auch nicht, wie die tollen Stücke hießen, vermutlich begegnen wir uns aber irgendwann wieder.


Um kurz nach neun kamen Warpaint zum Introstück ihres neuen Albums (namens Intro) auf die Bühne, zu den ersten Takten, in die die Musikerinnen dann einstiegen. Intro geht über in Keep it healthy und bildet auf Platte gemeinsam mit dem dann folgenden Love is to die eine sagenhaft homogen klingende Einheit und einen der besten Einstiege in ein Album seit langer Zeit (vielleicht seit den ersten paar Basstönen von The Organs Grab that gun, dem besten Schallplattenbeginn aller Zeiten*). Live folgte leider Hi auf Keep it healthy. Leider nicht, weil das Lied nichts tauge, leider, weil damit diese wundervolle Dreierkombination aufgebrochen war. Bis ich die zu hören bekomme, muß ich dann wohl bis zu "Warpaint performs Warpaint" in zehn Jahren beim Primavera Festival warten.


Ich habe die neue Platte mittlerweile so intus, daß die neuen Stücke zwischen alten Lieblingen keinerlei Bruch erzeugen. Das gilt auch umgekehrt. Also können Warpaint bei der Auswahl der Songs bei mir nichts falsch machen. Natürlich habe ich Lieblinge und auch Lieder, die nicht ganz so große Lieblinge wie die anderen sind (ok, da fällt mir eigentlich am ehesten Biggy ein), es ist mir aber reichlich egal. Warpaint sind für mich immer mehr eine Sound- als eine Liedband geworden, ws ich erklären muß, weil es ein wirrer Gedanke ist. Ich denke, ich hätte mittlerweile genauso großen Spaß an einem Konzert der vier Amerikanerinnen, wenn sie ein einziges Stück in Konzertlänge spielten. Elephants, die letzte Zugabe, ist eines dies Lieder, die die Band live immer wieder variiert und irre lang spielt. Schlagzeugerin Stella hatte mir in einem Interview einmal bestätigt, daß diese Improvisationen (bzw. Experimente) wichtiger Bestandteil ihrer Konzerte seien. Sie wollten nicht zweimal gleich klingen. Und auch wenn ich Elephants schon mehrfach verlängert gehört hatte (andere Stücke auch), war die heutige Version wieder anders lang (und zog sich über gut zehn Minuten). Irgendwann nach dem ersten Applaus gab es nur noch einige leise Gitarrenklänge, die nach Ausplätschern klangen, dann nahm das Lied wieder Fahrt auf, es war eine grandiose Variation des Stücks!

Auch einige andere Titel bekamen (wie das Autodeppen wohl nennten) ein Facelifting. Love is to die hatte einen anderen Mittelteil, Undertow hatte einen neuen Beat und mündete in einem irren Krach, während bei meinem Immernochliebling Billie Holiday die Mitte, bevor der Refrain letztmals einsetzt, komplett anders war. Ob der andere Bass bei Undertow und alles bei Billie Holiday allerdings komplett so geplant waren, kann ich nicht beurteilen. Dafür stand ich zu weit hinten. Bassistin Jenny Lee Lindberg war krank. Die Band hatte vor ein paar Tagen bei Facebook Fotos mit Mundschutz gepostet, Jenny hatte eine Grippe. Bei Billie Holiday verließ sie wohl aufgelöst die Bühne, kam dann aber wieder und verbrachte den Rest des Konzerts sitzend. Die Bassistin (in die nicht nur Swim Deep verliebt ist - "wishing Jenny Lee Lindberg was my girlfriend") quälte sich durch. Ihrem Zustand fiel aber mindestens ein Lied auf der Setlist zum Opfer. Drive von der neuen Platte sollte noch gespielt werden, wurde aber gestrichen. Auch war die Disco/very Version als letztes Stück sehr kurz. Ich hatte schon nicht mehr mit Zugaben gerechnet.


Daß Bees und Elephants dann eine Konzertverlängerung von gut fast 20 Minuten bedeutete, kann man der Band mit Grippe in den Knochen nicht hoch genug anrechnen. Es war viellicht nicht mein bestes Warpaint-Konzert (die Auswahl ist ja mittlerweile auch groß, es war mein zehntes). Aber es war wieder anders als die vorherigen. Und selbst die Live Music Hall hat es mir nicht verleiden können. 


Bei meinem ersten Warpaint Konzert 2010 (bei dem sie eine von zwei Vorgruppe waren und leider lange vor unserer Ankunft angefangen hatten) war ich bereits sicher, eine künftige Lieblingsband gesehen zu haben. Das wird Warpaint noch eine ganze Weile bleiben.

Setlist Warpaint, Live Music Hall, Köln:

01: Intro
02: Keep it healthy
03: Hi
04: Composure
05: Love is to die
06: Biggy
07: Feeling alright
08: Billie Holiday
09: Undertow
10: No way out
11: Disco/very

12: Bees (Z)
13: Elephants (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Interview mit Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10


* auch zukünftig.



Beady Eye, Köln, 22.02.14

5 Kommentare

Konzert: Beady Eye
Ort: Live Music Hall
Datum: 22.02.2014
Dauer: ca. 90 Minuten
Zuschauer: ca. 1000 (nicht ausverkauft)

Quo Vadis: Oasis in der Kölner Live Music Hall


Gestern Nachmittag las mein Freund nachdenklich meine bisherigen Berichte (siehe unten) über die Oasis-Nachfolgeband Beady Eye und sagte schließlich: "Das liest sich eigentlich nicht so, als wolltest du diese Band noch einmal live sehen." Dem hatte ich nicht wirklich viel entgegenzusetzen. Da ich aber ein netter Mensch bin, erklärte ich mich dennoch bereit, ihn - einen großen Oasis- und Gallagherfan - abends nach Köln zu begleiten, wo Liam Gallagher und Kollegen das einzige Deutschlandkonzert ihrer aktuellen Tournee spielten - als Nachholtermin für einen ausgefallenen Termin im letzten Jahr.



Nachdem ich selbst auch kurz zuvor einen Blick auf meine alten Berichte geworfen und so mein Gedächtnis aufgefrischt hatte, fiel mir bei unserer Ankunft zunächst auf, dass die Halle zwar durchaus voll (wenn auch nicht ausverkauft) war, ich entdeckte aber nicht die von anderen Auftritten gewohnten Scharen von grölenden "Ultras". Sicher, der eine oder andere Mod-Haarschnitt war im Publikum zu sehen, der Männeranteil war wie gewohnt hoch und auch Kleidung von Liam Gallaghers Modelabel "Pretty Green" war vielfach zu sehen. Dennoch, die ausgelassene (und für mich zugegebenermaßen eher nervige) Atmosphäre mit besoffenen Fans und deren Gegröle schien dieses Mal auszufallen. Als Aufwärmmusik liefen passenderweise Titel von The Beatles, The Who, The Kinks, wieder The Beatles und ein wenig Punk.

Im Hintergrund der Bühne befanden sich dieses Mal an Stelle eines riesigen "Beady Eye"-Schriftzugs drei Leinwände, die später jedoch nur dezent eingesetzt wurden, um etwa Ausschnitte aus den Videos ("Second Bite Of The Apple", "The Roller") zu zeigen. Gelegentlich, wie bei "Shine A Light" passten die eingesetzten Visualisierungen zu den Songs (hier Lichtpunkte und -reflexe).




Im Netz war von einem Konzertbeginn um 19:30 Uhr die Rede gewesen, was glücklicherweise nicht stimmte, denn wir waren erst gegen 20 Uhr vor Ort eingetroffen. Tatsächlich war in der Live Music Hall aber für 22 Uhr eine Flatrate-Saufveranstaltung angesetzt, so dass Beady Eye, dieses Mal verstärkt durch den Keyboarder Matt Jones, ohne Vorband gegen viertel nach acht die Bühne betraten. Aber irgendwie auch nicht. Liam Gallagher - mit seinem neuen Kurzhaarschnitt erkannte ich ihn nicht sofort, zumal wir relativ weit hinten standen - hielt sich zwar auf der Bühne auf, aber stand dort nur, redete und kauerte schließlich an zwei verschiedenen Stellen des Bühnenrandes, um offenbar mit dem Publikum zu sprechen. Komisch. Gerade als ich begann, mir Sorgen zu machen, ob es vielleicht unlösbare technische Schwierigkeiten gäbe, weshalb das Konzert nicht stattfinden können würde, kam der Rest der Band - Gem Archer, Andy Bell, Chris Sharrock und Neuzugang Jay Mehler - zu den Klängen des unveröffentlichten Songs "White Smoke" ebenfalls eher unspektakulär auf die Bühne und es ging los.


Wie eingangs und auch sonst schon oft erwähnt, habe ich ja so meine Probleme mit Beady Eye. Zu der Tatsache, dass ihr Songmaterial in den meisten Fällen nicht sonderlich stark ist, kommt noch diese starre Dauercoolness, die ich nicht wirklich begreife. Insofern kann ich nur sagen, dass ich den Eindruck hatte, Liam und die Band seien nicht sonderlich gut gelaunt, aber letztlich sind bei Herrn Gallagher Junior gute und schlechte Stimmung recht schwer voneinander zu unterscheiden. Dass Andy Bell und ein weiteres Bandmitglied den kompletten Auftritt lang Sonnenbrillen trugen und anscheinend keinerlei Kommunikation zwischen den Musikern stattfand, erleichterte die Stimmungseinschätzung auch nicht. Die Tatsache, dass es mir trotz Anglistikstudium darüber hinaus relativ schwer fällt, die verbalen Äußerungen Gallaghers zu verstehen, verkomplizierte die Einordnung der Situation noch zusätzlich.

Immerhin war sich Liam möglicherweise bewusst, dass ihn manch einer nicht verstehen konnte, weshalb er nicht mit Gesten sparte - die ich leider aber auch nur schlecht begriff. Nach dem ersten Song "Flick of the Finger" trat er nacheinander links und rechts an den Bühnenrand und rieb bedeutungsvoll seine Finger in einer Geste, die für mich "Geld" oder auch "Bestechung" bedeutet. Was ja auch der Übersetzung von "Flick of the finger" entspricht, oder wollte er uns damit zusätzlich etwas sagen? Vielleicht gab er ja auch ein Statement zu der Tatsache ab, dass ich soeben an der Abendkasse stolze 80 Euro für unsere beiden Tickets bezahlt hatte?


 

Die restliche Band trug kommunikativ mehr oder weniger nichts bei und spielte recht unbeweglich ihre Songs. Allein Archer griff bei "Second Bite Of The Apple" zur Abwechslung zu zwei Rasseln. Im ersten Drittel der Setliste gab es hauptsächlich Titel des aktuellen Albums "BE" zu hören, allein "Four Letter Word" bildete eine Ausnahme.

Vor dem Liebeslied "Soul Love" verstand ich endlich einmal etwas, da sagte Liam "This one is for the givers, not the takers!" Mysteriös wurde es aber wieder bei der Ankündigung des Oasis-Superhits "Wonderwall", Liam hatte bereits zuvor am Ende von "Shine a Light" mehrfach mit dem Finger ein Viereck in die Luft gezeichnet. Nun weiß ich, dass "square" auch langweilig / bieder / doof bedeuten kann - waren damit wir gemeint? Er sagte dann sinngemäß, dass es im Publikum vorne "circles" und hinten "squares" gäbe, und dass der nächste Song für die "squares" sei. Ah ja. Hieß das jetzt, dass nur doofe Spießer bei einem Beady Eye-Konzert Oasis-Hits hören wollen, er ihnen aber das Verlangte zu geben bereit ist? Nach "Wonderwall" wurde zu einem Publikumsmitglied erst etwas für mich Unverständliches gesagt, dann folgte "If you can't be arsed, then neither can I!". Ein Kommentar zur Stimmung oder etwas ganz anderem?



Das restliche Publikum hatte wohl auch seine Verständnisschwierigkeiten, denn um uns herum blieb die Stimmung in der Tat eher gedämpft. Gut, der eine oder andere gefüllte Bierbecher flog als Begeisterungssignal durch die Gegend, aber insgesamt war von Ausgelassenheit nicht viel zu spüren. Statt "Beady Fucking Eye", das beim früheren Kölne Auftritt immer wieder skandiert worden war, gab es dieses Mal nur noch "Liam! Liam"-Rufe. Selbst die Oasis-Hits (später folgte als zweiter noch "Cigarettes & Alcohol"), zu denen sich das Publikum bei der Stone Roses-Wiedervereinigung in Manchester singend in den Armen gelegen hatte, wurden in der Live Music Hall eher mit stiller Zufriedenheit angenommen, ebenso Beady Eyes bester eigener Song "The Roller". Und seien wir ehrlich: Die Livedarbietung zeigte wieder einmal deutlich, dass die Qualität von Beady Eyes eigenen Lieder in den seltensten Fällen annähernd an das heranreicht, was Noel Gallagher so schreiben kann.




Dass Liam sich nun wie sein Bruder die Freiheit nimmt, in seinen Sets auch alte Oasis-Hits zu spielen, gönne ich ihm gerne. Aber wieso entschied er sich ausgerechnet für zwei Titel aus den frühen Tagen der Band, in der weder Bell, noch Archer, noch Sharrock mit dabei und somit noch nicht einmal in die Aufnahmen der Songs involviert waren? Dann wären doch Singles, die nach 2002 erschienen sind, sinnvoller, oder doch erst recht Oasis-Songs, die von Liam ("Songbird", "I'm Outta Time", "The Meaning Of Soul"), Andy ("Turn Up The Sun") oder Gem ("To Be Where There's Life") geschrieben wurden und die Setliste ein wenig authentischer hätten aufpeppen können. Stattdessen spielte man mit "Wonderwall" ein Lied, das Noel Gallagher einst für seine Exfreundin schrieb und das mit Beady Eyes Mitgliedern nun wirklich überhaupt nichts zu tun hat.

Meine Vermutung, dass die Band nicht sonderlich gut aufgelegt sei, schien sich zu bestätigen, als nach "Wigwam" der Hauptteil zu Ende ging. Beady Eye spielen aktuell stets dieselbe Setliste, weshalb bereits klar war, dass als Zugabe noch eine Coverversion von "Gimme Shelter" der Rolling Stones geplant war. Dennoch begann sofort Musik vom Band, weshalb viele Besucher bereits Richtung Ausgang strömten, als die Band doch noch zurückkehrte und den Song spielte. Vielleicht hatte diese Merkwürdigkeit aber auch gar nichts mit dem Publikum zu tun, sondern mit dem bereits erwähnten, für 22 Uhr geplanten Saufevent - nach Ende der Zugabe war es 21:50 Uhr, so dass die Hallenbetreiber es sicher eilig hatten, die Konzertbesucher nun aus der Halle heraus und die Alkoholfreunde hinein zu bekommen. Und auch dieser Umstand könnte sich durchaus negativ auf die Stimmung der Band ausgewirkt haben, denn wer lässt sich schon gerne hetzen?




Beim Herausgehen hörte ich ein Gespräch von zwei anderen Konzertbesuchern mit, von denen der eine meinte, dass "Gimme Shelter" ja wirklich gut gewesen sei. Der andere meinte darauf: "Ja, aber es war auch mit Abstand das beste." Er fuhr fort, dass die Band für die Zukunft nur zwei Optionen habe, dann nannte er derer drei: Sich mit Noel versöhnen, bessere Songs einkaufen oder aber eine Coverband für die besten britischen Hits der letzten 30 Jahre werden. Mir erscheint keine der genannten Optionen als realistisch, dennoch blieb auch für mich der Eindruck zurück, dass es so wohl nicht mehr lange mit Beady Eye weitergehen kann. Aber wie dann?

Setlist Beady Eye, Köln:

01: Flick of the Finger
02: Face the Crowd
03: Four Letter Word
04: Soul Love
05: Second Bite of the Apple
06: Iz Rite
07: Shine a Light
08: Wonderwall
09: The World's Not Set in Stone
10: I'm Just Saying
11: Soon Come Tomorrow
12: Cigarettes & Alcohol
13: The Roller
14: Start Anew
15: Bring the Light
16: Wigwam

17: Gimme Shelter (Z)

Aus unserem Archiv:

Beady Eye, Köln, 14.03.2011
Beady Eye, Manchester, 30.06.2012

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




Montag, 27. Januar 2014

Babyshambles, Köln, 27.01.14

13 Kommentare

Konzert: Babyshambles (teilweise)
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 27.01.2014
Dauer:  45 min für mich
Zuschauer: ausverkauft




20:25 Uhr: nach längerer Parkplatzsuche komme ich als einer der letzten in der ausverkauften Live Music Hall an. Auf der Bühne kündigt gerade die Sängerin der Vorgruppe ihr letztes Lied an.

20:30 Uhr: das Stück klang ein wenig nach Dillon und gefiel mir. 

20:48 Uhr: Vom Band läuft Lloyd, I'm ready to be heartbroken von Camera Obscura (Cam Obs für Freunde), das beste Lied des Abends.

21:12 Uhr: Die Babyshambles kommen überraschend früh auf die Bühne. Peter Doherty ist extrem betrunken, fünf Lieder früher als in Esch vor zwei Wochen.

21:13 Uhr: Peter stimmt ein Liedchen an, ein Kinderlied? Vielleicht Ten green bottles.

21:14 Uhr: Delivery ist das erste echte Stück und lässt mich kurz in dem Irrglauben, es werde doch ein gutes Konzert.

21:20 Uhr: Nothing comes to nothing

21:24 Uhr: Peter schmeißt nach der ersten Strophe Seven shades den Mikroständer ins Publikum und springt kurz danach hinterher und ist erst einmal aus dem Spiel. Bassist Drew singt an seiner Stelle weiter und signalisiert seinen Kollegen, sie sollten weiterspielen.

21:30 Uhr: Peter taucht wieder auf und fragt: "Wo ist mein hat? Das ist neu von meinem Opa!" Es ist ein unwürdiger Auftritt.

21:37 Uhr: Peter trinkt seinen dritten oder vierten Becher in einem Zug (und behauptet, es sei "Apfelsaft"). Er sitzt immer wieder vor der Bassdrum. Stehen geht nicht so gut.

21:40 Uhr: Killamangiro - wenn wir schon nicht toll sind, sind wir wenigstens laut. Der Soundmann dreht die Lautstärke nach der Hälfte absurd weit nach oben.

21:43 Uhr: Peter stimmt ein paar Takte What Katie did an, danach kommt ein anderes Lied. Die Band schleppt ihn durch.

21:45 Uhr: Mir reicht es. Das normale Ausgangstor der Live Music Hall ist noch zu. "Hier geht's raus", ruft der nette Ordner. "Du bist nicht der erste, der geht."

23:00 Uhr: Möchte jemand mein Ticket für Wiesbaden? Bitte ein mail an mich.




Freitag, 6. September 2013

My Bloody Valentine, Köln, 05.09.13

0 Kommentare

Konzert: My Bloody Valentine
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 05.09.2013
Dauer: 90 min
Zuschauer: fast ausverkauft



Durch zigmaliges Hin- und Hergeschiebe hatte sich die dämliche Situation ergeben, daß My Bloody Valentine ihr erstes Deutschland-Konzert seit den 90er Jahren 24 Stunden nach dem ersten Holland-Konzert der Neuzeit spielen sollten. Als beide Auftritte noch ein halbes Jahr auseinander lagen, hatten wir Karten für beide gekauft. Im Mai in Eindhoven, dann würde bis Herbst das Fiepen im Ohr ja wieder weg sein. Jetzt, wo beide Konzerte an aufeinander folgenden Tagen stattfinden sollten, stellte sich uns die Frage neu, ob wirklich beide nötig wären. Nein, bei aller Liebe sicher nicht. Aber welches streichen? Für Eindhoven sprach der tolle, kleine Saal, für Köln die Anreise und die gesellschaftlichen Gründe.


Nachdem die Show in Eindhoven dann eher mau ausgefallen war, wäre ich sicher nicht mehr nach Köln gefahren, wenn nicht schon verschiedene Verabredungen getroffen worden wären. Daß es die berühmte Party werden würde, zu der man erst gar keine Lust hatte, ahnte ich da noch nicht.

Wie so oft war die Informationspolitik in Köln sehr dürftig. Fragen nach dem Beginn und nach einer Vorgruppe, die für Auswärtige durchaus Sinn machen, werden in manchen Kölner Clubs grundsätzlich ignoriert. Wer länger da ist, trinkt mehr Kölsch, scheint die einfache Rechnung zu sein. Irgendwer schrieb bei Facebook, ein Anruf beim Veranstalter habe ergeben, daß keine Vorgruppe spiele, also der auf die Tickets gedruckte Startzeitpunkt von acht Uhr gelte. Halb neun waren wir da, um zehn vor begann das Spektakel.

Aus erzählten Gründen reichte es mir durchaus aus, das Konzert in der irre heißen LMH von hinten anzusehen. Bar- oder Geschwätz-Geräusche, die gerne Konzerte im hinteren Bereich eines Saals unerträglich machen, würden heute mit dB-Stärke ausradiert werden und über Nacht ausgedachte Chereographien erwartete ich auch nicht. 

Nach ein paar Takten I only said nahmen die ersten Leute in meiner Umgebung die Ohrenstöpsel raus. Ich versuchte das auch und merkte, wie leise das Konzert im Vergleich zu meinen beiden bisherigen war. Sind die Lärmvorschriften in Deutschland noch strikter als in den Niederlanden? Schon da hatten wir es als vergleichsweise harmlos erlebt. Oder ist es zwei Meter hinter den Soundleuten so viel leiser als vorne im Raum? Jedenfalls machte das aus dem Konzert ein sehr viel normaleres als diese Bombenangriffs-Ästhetik, für die MBV-Gigs sonst bekannt sind. Man verstand ein wenig Text, fast immer waren Melodien auszumachen und die Stimmen zu hören. Das klingt albern, aber bei To here knows when oder Soon waren bei den Konzerten in Glasgow und Eindhoven, die ich gehört hatte, nur tiefe, immer wiederkehrende Töne auszumachen. Was uns zu der Frage führte, wer wie das Kommando gibt, wann ein Lied zu beenden ist.


Für den Großteil des Konzerts galt, daß diese quasi-akustische Version einer My Bloody Valentine Show mir zu meiner Überraschung sehr viel Freude bereitete. Als 120 dB Spektakel hatte ich es ja auch schon erlebt. Nur verpuffte damit dann auch der Effekt des krachigen Mittelteils von You made me realise, der im englischen Sprachraum unschön "Holocaust section" heißt. Das Lärm-Staccato tut körperlich weh, wenn es laut ist. In Köln dehnte die Band um Kevin Shields diesen auf gut achteinhalb Minuten aus (dazu laufen weiße Linien über die Animationsleinwand), vier Minuten länger als am Vorabend. Aber zweimal 100 dB sind nun mal nicht 130. Nichts tat weh, kein Fremd-Magenknurren, und der ganze Effekt des körperlichen Miterlebens der Musik war futsch.

Mittlerweile sind vier Stücke der neuen Platte im Live-Programm der Band. Von denen ist Only tomorrow herausragend. An das experimentelle Wonder 2, zu dem Schlagzeuger Colm nach vorne kommt und Gitarre spielt, habe ich mich immer noch nicht gewöhnt. 

Obwohl ich ganz exakte Erwartungen an den Abend hatte und mit einem weiteren routiniert runtergespielten Konzert der am Mittwoch lustlos wirkenden Band gerechnet hatte, gefiel mir die Show sehr. Ein richtig guter Abend, auch wenn es schon verrückt ist, sich bei You made me realise darüber unterhalten zu können, daß man das kann!*

Setlist My Bloody Valentine, Live Music Hall, Köln:

01: I only said
02: When you sleep
03: New you
04: You never should
05: Honey power
06: Cigarette in your bed
07: Only tomorrow
08: Come in alone
09: Only shallow
10: Thorn
11: Nothing much to lose
12: Who sees you
13: To here knows when
14: Wonder 2
15: Soon
16: Feed me with your kiss
17: You made me realise

Links:

- aus unserem Archiv:
- My Bloody Valentine, Eindhoven, 04.09.13
- My Bloody Valentine, Glasgow, 09.03.13
- My Bloody Valentine, Paris, 09.07.08
- My Bloody Valentine, London, 22.06.08


* You never should

Fotos: Archiv!



 

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