Die restliche Band trug kommunikativ mehr oder weniger nichts bei und spielte recht unbeweglich ihre Songs. Allein Archer griff bei "Second Bite Of The Apple" zur Abwechslung zu zwei Rasseln. Im ersten Drittel der Setliste gab es hauptsächlich Titel des aktuellen Albums "BE" zu hören, allein "Four Letter Word" bildete eine Ausnahme.
Vor dem Liebeslied "Soul Love" verstand ich endlich einmal etwas, da sagte Liam "This one is for the givers, not the takers!" Mysteriös wurde es aber wieder bei der Ankündigung des Oasis-Superhits "Wonderwall", Liam hatte bereits zuvor am Ende von "Shine a Light" mehrfach mit dem Finger ein Viereck in die Luft gezeichnet. Nun weiß ich, dass "square" auch langweilig / bieder / doof bedeuten kann - waren damit wir gemeint? Er sagte dann sinngemäß, dass es im Publikum vorne "circles" und hinten "squares" gäbe, und dass der nächste Song für die "squares" sei. Ah ja. Hieß das jetzt, dass nur doofe Spießer bei einem Beady Eye-Konzert Oasis-Hits hören wollen, er ihnen aber das Verlangte zu geben bereit ist? Nach "Wonderwall" wurde zu einem Publikumsmitglied erst etwas für mich Unverständliches gesagt, dann folgte "If you can't be arsed, then neither can I!". Ein Kommentar zur Stimmung oder etwas ganz anderem?

Das restliche Publikum hatte wohl auch seine Verständnisschwierigkeiten, denn um uns herum blieb die Stimmung in der Tat eher gedämpft. Gut, der eine oder andere gefüllte Bierbecher flog als Begeisterungssignal durch die Gegend, aber insgesamt war von Ausgelassenheit nicht viel zu spüren. Statt "Beady Fucking Eye", das beim früheren Kölne Auftritt immer wieder skandiert worden war, gab es dieses Mal nur noch "Liam! Liam"-Rufe. Selbst die Oasis-Hits (später folgte als zweiter noch "Cigarettes & Alcohol"), zu denen sich das Publikum bei der Stone Roses-Wiedervereinigung in Manchester singend in den Armen gelegen hatte, wurden in der Live Music Hall eher mit stiller Zufriedenheit angenommen, ebenso Beady Eyes bester eigener Song "The Roller". Und seien wir ehrlich: Die Livedarbietung zeigte wieder einmal deutlich, dass die Qualität von Beady Eyes eigenen Lieder in den seltensten Fällen annähernd an das heranreicht, was Noel Gallagher so schreiben kann.

Dass Liam sich nun wie sein Bruder die Freiheit nimmt, in seinen Sets auch alte Oasis-Hits zu spielen, gönne ich ihm gerne. Aber wieso entschied er sich ausgerechnet für zwei Titel aus den frühen Tagen der Band, in der weder Bell, noch Archer, noch Sharrock mit dabei und somit noch nicht einmal in die Aufnahmen der Songs involviert waren? Dann wären doch Singles, die nach 2002 erschienen sind, sinnvoller, oder doch erst recht Oasis-Songs, die von Liam ("Songbird", "I'm Outta Time", "The Meaning Of Soul"), Andy ("Turn Up The Sun") oder Gem ("To Be Where There's Life") geschrieben wurden und die Setliste ein wenig authentischer hätten aufpeppen können. Stattdessen spielte man mit "Wonderwall" ein Lied, das Noel Gallagher einst für seine Exfreundin schrieb und das mit Beady Eyes Mitgliedern nun wirklich überhaupt nichts zu tun hat.
Meine Vermutung, dass die Band nicht sonderlich gut aufgelegt sei, schien sich zu bestätigen, als nach "Wigwam" der Hauptteil zu Ende ging. Beady Eye spielen aktuell stets dieselbe Setliste, weshalb bereits klar war, dass als Zugabe noch eine Coverversion von "Gimme Shelter" der Rolling Stones geplant war. Dennoch begann sofort Musik vom Band, weshalb viele Besucher bereits Richtung Ausgang strömten, als die Band doch noch zurückkehrte und den Song spielte. Vielleicht hatte diese Merkwürdigkeit aber auch gar nichts mit dem Publikum zu tun, sondern mit dem bereits erwähnten, für 22 Uhr geplanten Saufevent - nach Ende der Zugabe war es 21:50 Uhr, so dass die Hallenbetreiber es sicher eilig hatten, die Konzertbesucher nun aus der Halle heraus und die Alkoholfreunde hinein zu bekommen. Und auch dieser Umstand könnte sich durchaus negativ auf die Stimmung der Band ausgewirkt haben, denn wer lässt sich schon gerne hetzen?

Beim Herausgehen hörte ich ein Gespräch von zwei anderen Konzertbesuchern mit, von denen der eine meinte, dass "Gimme Shelter" ja wirklich gut gewesen sei. Der andere meinte darauf: "Ja, aber es war auch mit Abstand das beste." Er fuhr fort, dass die Band für die Zukunft nur zwei Optionen habe, dann nannte er derer drei: Sich mit Noel versöhnen, bessere Songs einkaufen oder aber eine Coverband für die besten britischen Hits der letzten 30 Jahre werden. Mir erscheint keine der genannten Optionen als realistisch, dennoch blieb auch für mich der Eindruck zurück, dass es so wohl nicht mehr lange mit Beady Eye weitergehen kann. Aber wie dann?
Setlist Beady Eye, Köln:
01: Flick of the Finger
02: Face the Crowd
03: Four Letter Word
04: Soul Love
05: Second Bite of the Apple
06: Iz Rite
07: Shine a Light
08: Wonderwall
09: The World's Not Set in Stone
10: I'm Just Saying
11: Soon Come Tomorrow
12: Cigarettes & Alcohol
13: The Roller
14: Start Anew
15: Bring the Light
16: Wigwam
17: Gimme Shelter (Z)
Aus unserem Archiv:
Beady Eye, Köln, 14.03.2011
Beady Eye, Manchester, 30.06.2012
Bilder: Dirk von Platten vor Gericht