Mittwoch, 20. Juni 2018

Roger Waters - Köln - 11.06.2018


Konzert: Roger Waters
Ort: Köln - Lanxess Arena
Datum: 11.06.2018
Dauer: 140 min
Zuschauer: 18.000 ausverkauft/bestuhlt



Es war ein fantastisches Konzert. Aber leider leben wir nicht mehr in einer Welt, in der Konzerte nur aus einer Bühne, Musikern und ein paar Scheinwerfern bestehen. 

Wäre also nur das reine Konzert zu betrachten, hätte ich mich nach der Zugabe wohl vor Freude summend langsam aus der Halle begeben und danach zu Hause glücklich eingeschlafen. So aber entferne ich pinke Konfettistreifen mit der auf Aufschrift "Resist" aus meinen Haaren und frage mich ernsthaft: "Was soll das ?"

Etwas möchte ich vorab aber klären: Wer jemals wieder behauptet, die Lanxess-Arena könne ja gar nicht "gut" klingen (bauliche Fehler etc.), der sollte seine Lieblingsband fragen, warum sie nicht mehr Geld für eine gute Anlage ausgibt. 

Schon 1989 klangen die Pink Floyd Konzerte (der anderen Fraktion) im Müngersdorfer Stadion wie Hallenkonzerte. Heute klingt die Arena wie die Philharmonie. 

Mehr als 20 PA Elemente schaffen einen unvergleichlichen Klang ohne sich schallmässig zu überlagern. Dafür ist aber auch der halbe Innenraum für das Mischpult abgesperrt. Die Bühne ist überraschend schlicht gehalten. Lediglich Instrumente der Band und eine riesige Leinwand sind zunächst zu sehen. 



Die Spots an der Decke sind mit einer Hand abzuzählen. Waters, wie zuletzt immer, in klassischem schwarzen T-Shirt, beginnt mit einem elegischen "Breathe" und einem donnernden "One of these days". Obwohl die DSOTM fast komplett gespielt wird, bleibt es bei dieser eigenartigen Zerstückelung bis zum Ende. 

Schließt man die Augen, oder wünscht sich in den oben erwähnten alten Konzertaufbau zurück, ist es ein perfekter Abend. Aber schon zu Beginn wird klar, was der eigentliche Downer sein wird. 

Politische Statements werden bei Konzerten meistens bejubelt. Oft sind alle einer Meinung, die Thesen  und Lösungen scheinen klar, mögen diese in diesem Moment noch so einfach sein. Hier aber wird ohne Sinn und Verstand ein Schreckens- und Foltervideo nach dem anderen präsentiert. 



Alles scheint hoffnungslos,  die Welt am Abgrund - dazwischen wie scheinheilig - zwei sich langsam berührende Hände als Zeichen der Versöhnung. Wie diese Annäherung zustande kommen soll bleibt leider unklar. 

Selbst in der Pause, unkommentierte Zitate auf der Leinwand und Sirenengeheul aus den Boxen. Es scheint, als hätte Roger Waters den Hass gegen sich selbst, der zu seinem Wall-Album führte, nun in einen Hass gegen alle und alles verdreht. Der Grund bleibt unklar. 

Des weiteren scheinen auch nur politisch weit entfernte Probleme das Ziel seiner Provokation. Bilder mit englischen Politikern konnte ich nicht ausmachen. Zum Abschluss des ersten Teils springen dann noch jüdische Kinder aus Köln in orangen Guantanamo-Anzügen und schwarzen Kapuzen auf die Bühne und tanzen. So wird auch noch der letzte unpolitische Song für Spielchen genutzt. 

Mir geht es hier in keinster Weise um eine Bewertung der aufgestellten Thesen. Alleine die Masse an Statements ist nicht greifbar. 

Nach der Pause übernimmt die Bühnenshow allerdings noch mehr das Kommando. Mit einem Pink Floyd würdigen, genialen Schachzug wird die Halle geteilt, qualmende Schornsteine steigen aus dem Nichts auf und erzeugen ein Nachbild des berühmten Animals-Albumcovers: der Battersea-Power Station Fabrik in London. 



Dazu serviert die Band zwei, fast 15-minütgie Tracks aus dem Album: "Dogs" und "Pigs". Gerade hier ist das Konzert musikalisch brillant, falls überhaupt jemand zur Bühne blickt. Die Songs klingen live unverbraucht und neu, die langen instrumenstalen Parts können sich entfalten und steigern sich jeweils zum großen Finale.

Es folgt der restliche DSOTM-Teil und als Höhepunkt erscheint eine hallengroße Pyramide aus Lasern incl. Prisma aus dem Nichts und überragt den Innenraum bis zu Hallendecke. Endlich ist die Leinwand schwarz und die Gänsehaut will nicht mehr weichen.



Danach legt sich Waters, (statt wie sonst mit "Mother" die erste Zugabe einzuläuten) lieber noch fünf Minuten verbal mit dem WDR und dem unterlassenen Sponsoring an und beendet dann mit einem Gang durch die Reihen und dem unzerstörbaren Klassiker "Comfortably Numb" den Abend. 

Wie stand es irgendwo anders sinngemäß: "...das Konzert war einfach viel zu gut um sich darüber aufzuregen..."

Lange wollte ich das auch glauben, doch das pinke Konfetti mit Parole am Ende...das ging gar nicht..."RESIST" ?!


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