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Mittwoch, 10. Mai 2023

Roger Waters, Köln, 09.05.2023

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Konzert: Roger Waters
Ort: Köln -Lanxess Arena
Datum: 10.05.2023
Dauer: 140 min
Zuschauer: ca. 12.000



Einiges erinnert mich an diesem Abend an mein letztes Konzert in der großen Lanxess Arena. Arcade Fire spielten, und es galt wieder einmal Künstler und Werk zu trennen, wie sooft in diesen Tagen. Am damaligen Abend gelang es nicht, und Vieles deutete darauf hin, dass dies wieder geschehen würde.

Zuviel krude Thesen hat Waters in den letzten Jahren von sich gegeben. Sein Ego scheint so groß zu sein, das er zu allem eine Meinung hat, und diese als Wahrheit auch verkünden muss. Manchmal erinnert er mich in seiner fehlenden Impulskontrolle an Boris Palmer. Aber dazu später...

Erstmal ist auch hier die Halle längst nicht gut gefüllt. Der Oberrang ist leer. Wie sooft wird die Rechnung trotzdem aufgehen. Die Fans auf den guten Plätzen zahlen halt diesmal 297 EUR statt noch 185 EUR, wie noch bei Waters letztem Auftritt. 

Die Bühne ist gigantisch. Wer weiß, dass am Vorabend hier noch Sam Smith mit einer großen Produktion aufgetreten ist, kann es kaum fassen. In nur 12 Stunden, von 5.00 bis 17.00 Uhr wurde hier, wie von den Heinzelmännchen, ein kleines Wunder vollbracht. 


Fast der ganze Innenraum wird von der Bühne eingenommen...darüber thront, wie der Monolith aus 2001, eine kreuzförmige, unfassbar scharfe und helle Leinwand. Die Leinwand teilt die Halle noch beim ersten Song, einer komplett überarbeiteten Version von Comfortably Numb im Doomsound. Danach wird sie nach oben gezogen und gibt den Blick auf die vielköpfige Band frei.. 

Die Show ist anders, als viele Tourneen von Waters in den letzten Jahren...Die großen Hits kommen jeweils zu Beginn der ersten und zweiten Hälfte, der Zugabenteil wird nur aus "Balladen" bestehen. Und noch etwas ist an diesem Abend bemerkenswert. Waters ist ruhig, besonnen, spricht viel zum Publikum und verfällt nicht in Tiraden. 

Eigentlich wäre es doch viel einfacher, sich vor seinen Fans für seine Ansichten feiern zu lassen. Klar, auf der Leinwand ist viel zu sehen. Allerdings auch hier wenig bis nichts, was über einen normalen Diskurs hinaus gehen würde. Immer wieder bedankt er sich, spricht über beide Demonstrationen, für und gegen ihn hier in Köln. 


Und dann sammelt er seine Band immer wieder an einer echten Bar auf der Bühne um nach den überbordenden Floyd Songs auch wieder sehr intime Momente am Piano zu kreieren. 

Und so bleibt man, wie bei Boris Palmer, auch hier etwas ratlos zurück. Warum in Interviews und öffentlichen Diskussionen immer diese Provokationen erfolgen müssen, bleibt unklar. Beide haben anscheinend zwei Gesichter, und eines davon ist nicht zu entschuldigen. 

Roger Waters ist 79 Jahre alt. Ich würde mich freuen, er würde mehr zu seinem Heimatland England sagen, als zu allen ungelösten Konflikten in der Welt.


Seine Musik steht an diesem Abend allerdings wieder da, wie die riesige Leinwand in der Halle. Als unzerstörbarer Monolith. 

Interessant vlt. auch nochmal die älteren Konzertberichte im Wandel der Zeit:

Roger Waters, Köln, 11.06.18
Roger Waters, Düsseldorf, 06.09.13



Montag, 19. September 2022

Arcade Fire, Köln, 14.09.22

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Konzert: Arcade Fire
Ort: Lanxess Arena
Datum: 14.09.2022
Dauer: 105 min.
Zuschauer: ca. 4.500



Win Butler steht am Rand der Bühne. Er sieht müde, etwas alt und etwas lächerlich aus, bekleidet mit einer schwarzen Lederweste, grüner Jogginghose und seinen gefärbten Haaren. Er lächelt, aber es ist kein befreites Lachen. Nichts an diesem Abend will zusammenpassen. 

Arcade Fire treten an diesem Abend in der Lanxess Arena in Köln auf, und schon die Vorzeichen waren bedenklich. Völlig überzogene Ticketpreise von (im Schnitt 80 EUR), dazu eine recht schwache, neue Platte, eine viel zu große Konzerthalle und die Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe gegen den Sänger standen im Raum. 

Daher entschied ich mich auch erst am Nachmittag für einen spontanen Konzertbesuch, Tickets zu Dumpingpreisen gab es vor der Tür genug. Aber schon beim Betreten der, bis zum Ende nicht mehr erleuchteten Halle, wird klar: Das wird kein normaler Konzertabend. 


Selbst der Unterrang und der Innenraum sind nur halb gefüllt, im Oberrang verkaufte Tickets wurden umplatziert. Positiv geschätzt ist die Arena nur zu einem ¼ gefüllt. Die B-Stage liegt verlassen am Ende der Halle. Die netterweise darin integrierten Bars sind verweist. Freunde aus Haiti (Boukman Eksperyans) bestreiten nach dem Rückzug von Feist als Support das Vorprogramm. Danach versucht noch ein DJ sein Glück. 

Hier kulminert an einem Abend so ziemlich alles, was zurzeit in der Branche schiefläuft. Die vielfältigen Probleme wurden ja bereits in großen Artikeln fast aller Magazine beschrieben. Aber wer hat Schuld? Und was ist die Lösung? 

Jahrelang ging es der Veranstaltungs- und Konzertbranche sehr gut. Ein Ende des Aufschwungs war nicht in Sicht. Das Geld, früher in Tonträger investiert, wurde gerne für Live-Erlebnisse ausgegeben. Doch jetzt zeigt sich das Ende der Fahnenstange. Tickets aus vergangenen Jahren kleben noch ungenutzt am Kühlschrank, Festivals locken mit fast allen großen Namen und Clubs (zumindest in Köln) verschrecken immer mehr Konzertbesucher mit Renovierungsstau. Von „Youtube“ und "Gratis"-Streams fast aller Festivals im Netz ganz zu schweigen. 

Als Arcade Fire dann die Bühne betreten, ergibt sich leider direkt das nächste Problem. Eine so spärlich gefüllte Lanxess Arena klingt leider, als würden „The Prodigy“ in einer Wellblechhütte auftreten. Als die Band zur B-Stage wechselt wird der Sound noch diffuser, dazu ist es (zumindest direkt vor der Bühne) auch noch viel zu leise. 


Dabei sind sie alle da, die großartigen Songs, aber sie verbreiten an diesem Abend keinen Zauber. Erst bei „The Surburbs“ und dem, auf dieser Tour zum ersten Mal gespielten „Normal Person“ gibt es kleine Höhepunkte, die auch nur annähernd an frühere Tourneen heranreichen. Und daran muss sich leider jede Band irgendwann messen lassen, wenn die Preise immer steigen und die Hallen immer größer werden. Die Fallhöhe ist bei einer bisher so großartigen Liveband leider etwas höher. 

Die Show ist passend, aber auch in keiner Weise etwas Besonders für eine so große Arena. Der gespannte Arch/Regenbogen dient nur als Projektionsfläche und die beiden viel zu dunklen Screens neben der Bühne zeigen verwackelte Bilder einer Handkamera. 

Dabei ist die Stimmung gut. Viele scheinen sich sehr auf den Auftritt gefreut zu haben, die Band hat ja auch schon in den Jahren vor Corona eher selten in Deutschland gespielt. Warum aber dann zwei der besten Versionen des Abends, das neue „The Lightning“ und der crowd pleaser „Rebellion“ 50 Meter entfernt auf der kleinen Bühne präsentiert werden, es bleibt ein Geheimnis. 


Bei vielen Songs steht und performt Regine mit ihrem Mann  auf zwei Podesten am vorderen Bühnenrand. Bei „Put your money on me“ und der eher überraschenden Zugabe „Sprawl“ übernimmt Sie komplett das Kommando. Sie bahnt sich ihren Weg durch die Zuschauer und tanzt unter dem gigantischen Mirrorball alleine auf der B-Stage. Ein schöner Moment. 

Tracks der neuen Platte „WE“ spielen an diesem Abend kaum eine Rolle, dafür entführen die letzten Songs des Sets in eine große Diskothek mit Live-Musik. Die langen Versionen „Here comes the night time“ und „Everything now“ schaffen eine gelöste Stimmung zum Ende und lassen die eher schwachen, im Set vorher etwas untergegangen, großen Hits vergessen. 


Dann erhellt sich die Arena zum ersten Mal an diesem Abend. Auf dem Weg zum Ausgang komme ich am Merch-Stand vorbei. Hier gibt es weiße Socken mit „WE“-Aufdruck für 15 EUR und einen Jutebeutel der Band für 25 EUR, während die Reinigungskräfte schon den fast leeren Umgang der Arena säubern. 

Ein verlorener Abend.




Donnerstag, 6. September 2018

U2, Köln, 04.-05.09.2018

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Konzert: U2
Ort: Köln, Lanxess Arena
Datum: 4.-5.9.2018
Dauer: je 140min
Zuschauer: 2 x 18.000 ausverkauft



Alles scheint wieder einmal eine Nummer zu groß. Die Leinwand, die Bühne(n), die sich durch die ganze Halle erstreckt, enorme Licht-und Bühneninstallationen hängen unter dem kompletten Hallendach in nicht zählbarem Ausmaß.

Bono sitzt derweil auf der B-Stage und schminkt sich in Ruhe den Mcphisto Teufel von der Zoo-TV Tour wieder aus dem Gesicht. Er führt ein imaginäres Telefonat mit seiner Frau Ali und dieses Musiktheater würde ich keiner anderen Band der Welt durchgehen lassen. 

Aber zuvor haben sie halt "Acrobat" gespielt. Zum ersten Mal live seit dem Erscheinen der "Achtung Baby" CD 1991, und danach kann Bono erstmal machen was er will. Die Version war wild und ungestüm, The Edge spielt wie ein wütender 19-jähriger, und wohl nur U2 können so einen Song 25 Jahre in die Mottenkiste verbannen. 



Andere Lieder werden heute vom geschröpften Unterrangzahler schmerzlich vermisst. Die komplette "Joshua Tree" bleibt bei dieser Tour außen vor. Für die Band ein mutiger Schritt weg von der Live-Jukebox.

Erstaunlicherweise klingen gerade die überproduzierten Songs der neuen Platte live wieder viel frischer und impulsiver als gedacht. Aber das war bei U2 ja schon immer so. Auch wenn die Setlist also auf dem Papier schwächelt, sich die Band aus unerfindlichen Gründen hier von der Produktion noch mehr in ein Korsett zwängen lässt, dies ist die beste Arena Show die es bisher gab.



Die wie ein Monolith durch die ganze Länge der Halle schwebende und bewegliche Leinwand, die dazu auch noch von der Band begehbar und bespielbar ist, ein Ereignis. Die Band ist fast immer auf der Reise, manchmal lenkt dies leider zu sehr von den Songs und dem messerscharfen Spiel der drei Instrumente ab.

Jeder Saitenanschlag ist hörbar, jeder Trommelschlag erlebbar und der Bass wummert wohlig herum. "I´m only a quarter of these guys, together we are ONE" sinniert Bono am Ende, selten hatte er mehr recht. 

Alle vier sind elementar für den Sound der Band, wahrscheinlich kennt man deshalb auch ihre Namen, keiner fragt nach dem Bassisten von Coldplay. Auffallend jugendlich wirken die Drei, während Bono, früher mit schon fast zuviel Charisma gesegnet, sichtlich gealtert ist. 



Gitarre wird er auf der Bühne nach seinem Fahrradunfall nicht mehr spielen können, aber auch seine Energie ist spürbar geringer. Komischerweise gilt das auch für die Emotionen, die die U2 Shows sonst so einmalig werden ließen.

Das Publikum ist voll da und feiert sogar mit lauten Gesängen die neuen Songs. Aber irgendetwas fehlt an diesen Abenden. Vielleicht liegt es am Charakter der Show. Er will eine Geschichte erzählen. Von den Strassen Dublins hin zu Starallüren und Verlockungen des Berühmtseins, bis zur Rückbesinnung auf die Glühbirne unter der alles begann, und die Bono am Ende wieder hervorholt und wie ein Pendel durch die Halle schwingt. 

Liebe, Versöhnung und die Stärke eines geeinten Europas sind Bonos Themen zur Zeit. Jede Stärke ist nur mit einer anderern Schwäche zu erklären. U2 mit all ihren Stärken, ist ohne den für viele überflüssigen Pathos nicht möglich.



Nicht heute, und nicht 1989 als ich sie zum ersten Mal sah. Ich finde, wir sind gut gealtert. Auf der Leinwand flimmert einer von hundert Merksätzen an diesem Abend: "Weisheit ist die Wiedererlangung von Unschuld durch Erfahrung". So kann man sich das Alter ja doch noch schönreden. Die Reise wird auch mit der jetzt vorhandenen "Experience" weitergehen. Es ist die Reise von vier Freunden. 


Mittwoch, 20. Juni 2018

Roger Waters - Köln - 11.06.2018

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Konzert: Roger Waters
Ort: Köln - Lanxess Arena
Datum: 11.06.2018
Dauer: 140 min
Zuschauer: 18.000 ausverkauft/bestuhlt



Es war ein fantastisches Konzert. Aber leider leben wir nicht mehr in einer Welt, in der Konzerte nur aus einer Bühne, Musikern und ein paar Scheinwerfern bestehen. 

Wäre also nur das reine Konzert zu betrachten, hätte ich mich nach der Zugabe wohl vor Freude summend langsam aus der Halle begeben und danach zu Hause glücklich eingeschlafen. So aber entferne ich pinke Konfettistreifen mit der auf Aufschrift "Resist" aus meinen Haaren und frage mich ernsthaft: "Was soll das ?"

Etwas möchte ich vorab aber klären: Wer jemals wieder behauptet, die Lanxess-Arena könne ja gar nicht "gut" klingen (bauliche Fehler etc.), der sollte seine Lieblingsband fragen, warum sie nicht mehr Geld für eine gute Anlage ausgibt. 

Schon 1989 klangen die Pink Floyd Konzerte (der anderen Fraktion) im Müngersdorfer Stadion wie Hallenkonzerte. Heute klingt die Arena wie die Philharmonie. 

Mehr als 20 PA Elemente schaffen einen unvergleichlichen Klang ohne sich schallmässig zu überlagern. Dafür ist aber auch der halbe Innenraum für das Mischpult abgesperrt. Die Bühne ist überraschend schlicht gehalten. Lediglich Instrumente der Band und eine riesige Leinwand sind zunächst zu sehen. 



Die Spots an der Decke sind mit einer Hand abzuzählen. Waters, wie zuletzt immer, in klassischem schwarzen T-Shirt, beginnt mit einem elegischen "Breathe" und einem donnernden "One of these days". Obwohl die DSOTM fast komplett gespielt wird, bleibt es bei dieser eigenartigen Zerstückelung bis zum Ende. 

Schließt man die Augen, oder wünscht sich in den oben erwähnten alten Konzertaufbau zurück, ist es ein perfekter Abend. Aber schon zu Beginn wird klar, was der eigentliche Downer sein wird. 

Politische Statements werden bei Konzerten meistens bejubelt. Oft sind alle einer Meinung, die Thesen  und Lösungen scheinen klar, mögen diese in diesem Moment noch so einfach sein. Hier aber wird ohne Sinn und Verstand ein Schreckens- und Foltervideo nach dem anderen präsentiert. 



Alles scheint hoffnungslos,  die Welt am Abgrund - dazwischen wie scheinheilig - zwei sich langsam berührende Hände als Zeichen der Versöhnung. Wie diese Annäherung zustande kommen soll bleibt leider unklar. 

Selbst in der Pause, unkommentierte Zitate auf der Leinwand und Sirenengeheul aus den Boxen. Es scheint, als hätte Roger Waters den Hass gegen sich selbst, der zu seinem Wall-Album führte, nun in einen Hass gegen alle und alles verdreht. Der Grund bleibt unklar. 

Des weiteren scheinen auch nur politisch weit entfernte Probleme das Ziel seiner Provokation. Bilder mit englischen Politikern konnte ich nicht ausmachen. Zum Abschluss des ersten Teils springen dann noch jüdische Kinder aus Köln in orangen Guantanamo-Anzügen und schwarzen Kapuzen auf die Bühne und tanzen. So wird auch noch der letzte unpolitische Song für Spielchen genutzt. 

Mir geht es hier in keinster Weise um eine Bewertung der aufgestellten Thesen. Alleine die Masse an Statements ist nicht greifbar. 

Nach der Pause übernimmt die Bühnenshow allerdings noch mehr das Kommando. Mit einem Pink Floyd würdigen, genialen Schachzug wird die Halle geteilt, qualmende Schornsteine steigen aus dem Nichts auf und erzeugen ein Nachbild des berühmten Animals-Albumcovers: der Battersea-Power Station Fabrik in London. 



Dazu serviert die Band zwei, fast 15-minütgie Tracks aus dem Album: "Dogs" und "Pigs". Gerade hier ist das Konzert musikalisch brillant, falls überhaupt jemand zur Bühne blickt. Die Songs klingen live unverbraucht und neu, die langen instrumenstalen Parts können sich entfalten und steigern sich jeweils zum großen Finale.

Es folgt der restliche DSOTM-Teil und als Höhepunkt erscheint eine hallengroße Pyramide aus Lasern incl. Prisma aus dem Nichts und überragt den Innenraum bis zu Hallendecke. Endlich ist die Leinwand schwarz und die Gänsehaut will nicht mehr weichen.



Danach legt sich Waters, (statt wie sonst mit "Mother" die erste Zugabe einzuläuten) lieber noch fünf Minuten verbal mit dem WDR und dem unterlassenen Sponsoring an und beendet dann mit einem Gang durch die Reihen und dem unzerstörbaren Klassiker "Comfortably Numb" den Abend. 

Wie stand es irgendwo anders sinngemäß: "...das Konzert war einfach viel zu gut um sich darüber aufzuregen..."

Lange wollte ich das auch glauben, doch das pinke Konfetti mit Parole am Ende...das ging gar nicht..."RESIST" ?!


Mittwoch, 15. Februar 2017

George Michael, Oberhausen 17.10.2006 + Köln 07.09.2011

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Konzert: George Michael
Ort: Oberhausen + Köln
Datum: 17.10.2006 + 07.09.2011
Dauer: je ca. 120min
Zuschauer: 9.000 + 11.000 (ausverkauft)


Adele machte am Wochenende bei den Grammy Awards alles richtig. Sie hatte das Gefühl dafür wie ein ernst gemeinter und ehrlicher Tribute-Song zu präsentieren ist. 

Nicht indem man sich verkleidet, oder das Original bis zur Lächerlichkeit kopiert, sondern den Song weiter stärkt und zu seinem eigenen macht. So gelang ihr mit der entschleunigten Version von "Fast Love" ein Meisterstück.

Soviel Gefühl war angemessen für einen Künstler, der sich selber immer wieder mit seinen Songs und seinem Verhalten fast "nackt" der Öffentlichkeit gegenüberstellte.

"Looking for some education
Made my way into the night
All that bullshit conversation
Well, baby can't you read the signs?"

England und der Rest der Welt liebten den Weißen, der den Soul mit völlig neuem Sound in die Diskotheken brachte, sich mit Top-Models umgab und Videos drehte, die auf MTV im Minutentakt gezeigt wurden.

Sein Output war nie groß, aber qualitativ immer hochwertig. Seine Best..of CD aus dem Jahr 1998 zeigte vielleicht schon den Höhepunkt seines Schaffens. 

Besonders mit den sorgsam ausgewählten Cover-Versionen, die er auch nie auf das Original reduzierte. Mit Elton John und Freddie Mercury wählte er seine Duettpartner sehr bewusst, das Thema seiner Homosexualität war immer präsent. 

So geriet auch sein Auftritt beim späteren Tribute-Konzert für Mercury besonders emotional, er sang  „Somebody to Love“ als ginge es auch um sein eigenes Leben und wahrscheinlich war das auch damals schon so.

Das erste Mal live sah ich ihn 2006 mit einer großartigen Bühnenshow in Oberhausen. Die riesige Leinwand hinter ihm verlief wie ein Wasserfall senkrecht und dann auf dem Bühnenboden weiter, reichte bis zu den Füßen des Publikums. 

Die gezeigten Animationen, darunter Filmstreifen aus seiner Jugend oder knallige Cartoons glitten so vom Hallendach bis zum Boden, vom Künstler zu den Fans. Neben der Leinwand, an beiden Seiten auf drei Etagen, eine Soulband zum niederknien.

George Michael gelang es auf dieser Tournee noch einmal, seine ganze Klasse auf die Bühne zu bringen. Die glasklare Stimme, die Perfektion der Arrangements und die Ausstrahlung eines Crooners.

Die musikalische Bandbreite von akustischen Perlen zu stampfenden Beats begeisterte die Halle. Besonders eindrucksvoll an diesem Abend geraten das ruhige „Father figure“ und das Ewan MacColl Cover: „The first time ever i saw your face“. 

Schlusspunkt bildet natürlich ein nicht enden wollender „Freedom90“-Mix bei dem die Bühne vor lauter Farben und Licht zu explodieren scheint. Eine bis heute beeindruckende Inszenierung.

Danach wurde es immer ruhiger um ihn. Selten gab es noch Schlagzeilen. Wenn, dann fiel er aus irgendeinem Auto oder wurde wieder in ein Krankenhaus eingeliefert. Aber immerhin waren es noch Meldungen die die Leute interessierten und schockierten. 

Denn seine Musik verschwand ja nie ganz, auch dank der eigentlich als B-Seite konzipierten Weihnachtssingle "Last Christmas“. Aktuelle Veröffentlichungen blieben rar. Entweder dem eigenen, hohen Anspruch geschuldet, oder den Rauschmitteln. 



Im Jahr 2011 dann nochmals der Versuch einer großen Tournee, diesmal mit einem Sinfonieorchester sah ich ihn in Köln. An diesem Abend spielte er 14 ! Coverversionen und nur wenige, eigene Hits. 

Auch dies mag seine egoistische Entscheidung gewesen sein, gut tat es dem Konzert nicht. Standen die Balladen sonst gleichberechtigt neben den Hüftschwüngen, so waren es an diesem Abend einfach zu viele Molltöne für eine große Mehrzweckhalle. 

George Michael 120 Minuten, auf einem Barhocker vor seinem Orchester sitzen zu sehen, war eher traurig als berührend. Seltene Highlights wie das unzerstörbare „Feeling good“ von Nina Simone oder das überraschende „True Faith“ von New Order konnten über die kraftlosen Versionen von „Roxanne“ oder die viel zu lange und schmalzige Version von „You`ve changed“ von Harry James nicht hinwegtäuschen.

Der Künstler wirkte müde und abwesend, nur selten blitzten Energie und echte Kreativität auf. Auch wenn es sicher sein Wunsch war diesen Rahmen zu wählen, nach dutzenden Konzerten ist in Wien dann wieder das Krankenhaus die Endstation für den Abschied auf Raten.

Adele und Sam Smith werden das Erbe des britischen Souls weiterführen, fast deckungsgleiche Kopien von toller Stimme, starker Persönlichkeit und zumeist traurigen Songs im tanzbaren Gewand. Die Texte und Person von George Michael aber lohnen immer noch den Blick hinter die verspiegelte Sonnenbrille und das himbeerfarbene Jackett. 

Das Kölner Konzert endete dann doch noch emotional, mit dem bewegenden Song von Jimmy Dorsey aus dem Jahr 1941, dem großen Liebeslied „I remember you“. Und George Michaels Stimme dazu war, wie immer, der pure Soul.

“When my life is through
And the angels ask me to recall
The thrill of it all Then,
I will tell them,
I remember you”









Montag, 19. Oktober 2015

U2 - Lanxess Arena - 17. + 18.10.2015

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Konzert: U2
Ort: Köln - Lanxess Arena
Datum: 17.-18.10.2015
Dauer: ca. 140 min
Zuschauer: 2x ca. 17.500 ausverkauft




Zu den Beweggründen heute noch ein U2 Konzert zu besuchen, habe ich ja bereits in meinem ausführlichen Bericht über das Amsterdam Konzert Stellung bezogen. Mehrere Konzerte einer Tour zu besuchen, ist vielen Freunden von mir noch schwieriger zu vermitteln. Zum Glück werden mich die beiden Konzerte in Köln auch in Zukunft nicht davon abhalten.

U2 haben seit jeher die Gabe, im Laufe einer Tournee immer "besser" zu werden. Wo bei anderen Bands schnell Betriebsblindheit in anonymen Mehrzweckhallen aufkommt, wissen diese vier immer die Spannung zu halten. Der Luxus nicht jeden Abend und jedes Jahr um die Welt reisen zu müssen, ist sicherlich ein Grund. Am Wochenende schien es jedoch wirklich die Reaktion der Halle zu sein die den Abend unvergesslich machten. Zu rechnen war damit vorab jedenfalls nicht. 

Und so begann der erste Abend im Schmuddelwetter vor der Halle auch mit einem schlechten Witz. Der Innenraumzugang wurde ohne einen Hinweis auf den Tunnel am anderen Ende der Halle verlegt. Dazu hatte sich der Veranstalter wohl den internen Spass erlaubt, genau zwei Scanner für die erstmalig eingesetzten Handy-Tickets mitzubringen. Nach der Gängelung das alle gemeinsam den Einlass passieren müssen, (ein Scan galt für beide Tickets) ein weiterer Beweis für die Missachtung der zahlenden Gäste. Nach ca. 45 Minuten Wartezeit waren die dummen und schroffen Sprüche bei den teilweisen Fehlermeldungen schon nicht mehr lustig.

Hier zeigt sich wieder das die Besucher seit Jahren eine Lücke im Gesetz des Wiederverkaufsrechts ausbaden müssen, die sie nicht zu verantworten haben. Das der Scan von den Händlern vor der Halle trotzdem auf jedes andere Handy weiterkopiert werden konnte, geschenkt.

Das Konzert beginnt für Fans mit Standardkost. "The Electric Co." löst für mich das in Amsterdam grandiose "Gloria" ab. Ansonsten ist der erste Teil des Sets gesetzt. Im zweiten Teil hört man vor "Invisible" Takte von Kraftwerks Autobahn, danach gibt es auch Teile von "Burning down the house". Die Stimmung in der Halle wird immer besser, ich halte das aber noch für den "Samstag-Abend" Effekt. Viele sind in bester (Trink)-Laune und müssen heute mal nicht auf die Uhr schauen. 

Wäre der Sonntag nicht so herausragend gewesen: es war auch am Samstag ein starkes Set mit einem unheimlich kraftvollen "One" am Ende, so kraftvoll das man sich kaum vorstellen konnte diesen Song am nächsten Tag gar nicht zu hören. Daher waren die Erwartungen am Sonntag auch realistisch, die Stimmung vorab aber nicht so dringlich. Zwei Abende hintereinander sind immer eine Gratwanderung. Aber wie so häufig sollte sich dies alles als unbegründet erweisen. Gerade die Konzerte mit niedrigen Erwartungen erweisen sich oftmals als Klassiker. 

Bonos frühe Ansage, der tolle Abend gestern sei nur der Anfang einer noch besseren Show heute, klang noch wie ein übliches Standardkompliment, doch bereits mit "Out of control" und dem Ramones Snippet "Rock`n Roll Radio" liegt die Halle flach am Boden. 



Die ersten vier Songs knallen nur so aus den Boxen. Keine Show, oft nur 4 Spots und ein große Glühbirne lassen die Arena zu einem Club werden, fehlt nur noch Zigarettenqualm aus der Nebelmaschine. The Edge ist heute in besonders guter Laune: er rennt, springt und spielt dabei wie ein Berserker. Adams Bassläufe bei der reduzierten Version von "Sunday, bloody Sunday" direkt vor meinen Augen am Steg sind eine Augenweide. Alles macht irgendwie mehr Spass als gestern. 

U2 spielen auf der kleinen Bühne am anderen Ende der Halle und plötzlich erklingt "Party Girl" und Bono bekommt eine Sektflasche gereicht. Der Gast aus dem Publikum spielt mit, zunächst noch verhalten, Bono gibt die Runde aus und als alles zu einem guten Ende gekommen scheint, wird es noch spontaner. Zusammen mit Bono wird "Angel of Harlem" geboten (wohl ein Wunsch), sie schreitet mit Bono den ganzen Steg entlang und bringt den Song perfekt zu Ende. Damit scheint der Bann gebrochen. Bono gratuliert Bill Gates zum Geburtstag und steigert sich bei der Version von "Bullet the blue Sky" nochmals. Die geänderte Songzeile mit Selbstzweifeln "Can you see the fighter planes, when you fly in private planes?" wird zum wütenden Mantra (gegen sich selbst ?).



"Zooropa" mit seinen prophetischen, mehr als 20 Jahre alten Songzeilen passt perfekt zur Flüchtlingskrise: "And i have no compass, and i have no map, and i have no reasons, no reasons to get back", und dann folgen 30 Minuten die die Fans in Zukunft verehren werden, wie bisher die letzten Hallenkonzerte in Köln aus 2001. 

Bei "..Streets" scheint sich das Dach der Arena zu öffnen, die Leinwand strahlt in Rot wie ein Planet und das Gebrüll der Zuschauer lässt einen Erschaudern. Wie ein einziger Klangkörper verschmelzen hier Band und die Fans. Danach "Pride..", man hat diesen Song schon tausende Mal gehört, ich mag ihn nicht, aber so wird er zum Ereignis. Bis rüber in Block 716 schwappt die Euphorie wie aus einer Kehle.

Keiner würde eine weitere Steigerung für möglich halten, doch jetzt beginnen erst die Zugaben. Die Halle kocht weiter, Bono bittet einen weiteren Zuschauer auf die Bühne. Er singt ihn als sein jüngeres Ich an und der Text "Time, won`t leave me as I am. But time won`t take the boy out of this man" ist Sinnbild des Abends. Dann verschenkt Bono seine Brille, eine sehr ungewöhnliche Geste an einem ungewöhnlichen Abend.

Am Schluss bietet die Band den größtmöglichen Dank. "Bad" und "40" beenden den Abend. "Bad" in einer spontanen Gitarrenversion zu dessen Beginn die Halle so laut ist das einem die Ohren schmerzen. Bei "40" leuchtet Bono den anderen drei den Weg mit einem Spot über den Steg. Sie sind zu Hause.

Welche Band kann normalerweise auf ein solches Ende verzichten? Und wie viele Songs blieben auch heute wieder ungespielt? Und was wurde eigentlich aus Chris Martin?

Aus unserem Archiv:
U2, Amsterdam, 09.09.15 



Donnerstag, 26. März 2015

Paul Simon und Sting, Köln, 25.03.15

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Konzert: Paul Simon und Sting
Ort: Lanxess-Arena, Köln
Datum: 25.03.2015
Zuschauer: 18.000 (ausverkauft)



von Dirk aus Mönchengladbach

34 Songs Nostalgie. Wie auch heute noch für viele jüngere Menschen, war auch für mich früher der Begriff der Nostalgie negativ besetzt. Heute aber glaube ich das Nostalgie, im Gegensatz zur Sentimentalität, eine positive Eigenschaft sein kann. Die Kraft des Gehirns, angenehme und schöne Dinge länger in Erinnerung zu behalten ist doch tröstlich.


Und so erinnere ich mich noch genau an die Zeit, in der ich als Jugendlicher in Ermangelung von 24 Stunden sendenden TV-Kanälen, Handys oder Videospielen begann, die überschaubare Vinylsammlung meines Vaters zu durchstöbern. 

Musik von Vätern war ja schon zu allen Zeiten uncool, trotzdem fand ich es wichtig zumindest einige der vermeintlichen Meisterwerke zu hören, die in der damaligen Zeitung Sounds immer wieder erwähnt wurden. Eine dieser Platten zeigte ein schrecklich verwaschenes Bild zweier Männer, die schon äußerlich so gar nicht zueinander passten. 

Und obwohl ich damals nichts von Harmoniegesang, Folk oder dem schwierigen Verhältnis der beiden Musiker wusste, nahm mich diese Musik sofort mit in eine andere, zartere Welt. Ich zählte fünf mir bekannte Stücke, ohne je von Simon und Garfunkel gehört zu haben und wertete dies als Zeichen wahren Erfolgs. 

Der Zugang zu Sting war im gleichen Jahr ein ganz anderer. An der Musik von The Police war erstmal gar nichts zart. Sie fand damals in verrauchten Jugendkellen statt und trieb auch ungelenke Jungs durch Ihren treibenden Punk-/Reggae-Rhythmus auf die Tanzfläche. So lonley war der Song der Stunde, und der Klang jung und wild. 


In den weiteren Jahren entwickelten wir uns alle weiter. Indierock war mein neues Ding, während Sting und Paul Simon sich dem Jazz und der Weltmusik zuwandten. Ganz aus den Augen verlor man sich nie, immer wieder fand ich Respekt für den Mut beider Künstler, komplett neue Wege zu gehen. Zu einer echten Begeisterung reichte es aber nicht mehr. 

Im Herbst letzten Jahres wurde dann mit erstaunlich wenig TamTam eine Europa-Tour der beiden Herren angekündigt: „Together on stage“. Jetzt könnte, wie so oft, das Klagelied über perverse Ticketpreise (z.B. Ultimate-Front Row 559,00 EUR) gesungen werden, und ich meine hier nur die offiziellen Preise des Veranstalters. Oder das Konzerte in Eishockey-Mehrzweckhallen grundsätzlich verachtenswert sind. All das ist sinnlos. Das Konzert findet nun mal in der Kölnarena statt und ist ausverkauft. Sting ist 63 Jahre und Simon 73, warten auf bessere Zeiten ist also keine echte Option. 

Das Konzert, oder besser gesagt der Songzyklus umfasst heute 34 ! Stücke die in mehreren Blöcken von den Künstlern im Duett zusammen oder mit ihren einzelnen Bands aufgeführt werden. Aufführen ist hier das korrekte Wort, da fast jeder Song ein neues Gewand erhält. 


Die beiden Bands der Musiker bestehen aus Lieblingsmusikern diverser Touren und sind ein Ohrenschmaus: David Sancious an den Keyboards und Vinnie Colaiuta an den Drums, um nur zwei zu benennen. 

Brand new day eröffnet, die Halle swingt sofort und die Band(s) klingen nicht nur gut, sie klingen fantastisch. Jede Triangel, jeder Bongoschlag ist auszumachen, die Stimmen sind klar und ergänzen sich begleitet von Stings Backgroundsängerin hervorragend. 

Nach vier gemeinsamen Stücken übernimmt Sting das Kommando. Alles verläuft fließend, Musiker kommen und verlassen die Bühne im Minutentakt, alles wirkt lebendig und frisch. Sting, äußerlich stark verändert mit langem Vollbart und neuem Haarwuchs nutzt seine fünf Songs um die Bandbreite des Abend um Rock (So lonely), Jazz (Englishman) und Raegee (Walking on the moon) ins fast Unendliche zu erweitern. Alle Versionen sind so bisher nie zu hören gewesen, So lonely erhält ein Tuba !! – Solo, Driven to tears gibt Gelegenheit die Band vorzustellen. 

Nächster Übergang zu Paul Simon nach einem Duett von Mrs. Robinson. Simon spielt leiser, singt leiser, dafür hat seine Band noch mehr Groove. Besonders Highlight in seinem ersten Set Dazzling Blue in einer Traumversion. 

Vor dem nächsten Akt singt Simon noch das überspielte Fragile mit Sting an der Gitarre in seiner eigenen, fast sprechenden Singstimme bevor Sting mit America von Simon and Garfunkel ein weiteres Highlight platziert. Weitere fünf Welthits später ist das Publikum nicht mehr zu halten, mit Roxanne und dem afrikanisch angehauchten Desert Rose scheint keine Steigerung mehr möglich. 

Wäre nicht schon als nächstes Lied The Boxer fällig, dieser zärtliche Song der jeden mitnimmt und atemlos zurücklässt. 

Der letzte Block von Simon verläuft ruhiger, er spielt hier eher seine Lieblingslieder ohne, wie Sting auf sein Best of.. zu vertrauen. Das bietet seiner Band mehr Raum, macht die Stücke länger und eleganter. Am Ende kommen dann natürlich doch noch die Graceland-Hits und nach 2,5 Stunden ohne Pause geht der reguläre Set mit You can call me Al“ tanzend zu Ende. 

Interessant war bis dahin, dass beide Musiker fast gleich frenetisch gefeiert wurden, auch auf der Bühne war der große Respekt beiderseits immer spürbar. Oft berührten sich beide, lachten viel und schienen voll und ganz bei der Sache zu sein. 

Was dann noch als Zugabe folgt, ist Weltkulturerbe: Cecilia, ein als charmantes, kleines Liebeslied getarnter Track bei dem es unmöglich ist nicht zu tanzen. Das unvermeidliche aber immer noch tolle Every breath you take, das nur nochmals überboten werden kann durch Bridge over troubled water, der Song zu dem wohl jeder eine persönliche Geschichte erzählen könnte. 

Mehr geht nicht, Tränen überall…aber immer ist noch nicht Schluss, ein Cover der Everly Brothers (When will I be loved?) muss die Emotionen bändigen und die Halle in die Nacht entlassen. 

34 Stücke Nostalgie, es war nicht eins zu viel. Nichts weist an diesem Abend in die Zukunft, außer toller Musik. 

Once in a lifetime, und nächste Woche sehen wir uns wieder im Luxor. 




Sonntag, 14. Juli 2013

Neil Young & Crazy Horse, Köln, 12.07.13

3 Kommentare

Konzert: Neil Young & Crazy Horse
Ort: Lanxess Arena, Köln
Datum: 12.07.2013
Zuschauer: 12.000


von Dirk aus Mönchengladbach


Neil Young und seine Fans mögen keine dunklen Mehrzweckhallen. Und so beginnt der Konzertbesuch erst mal gemütlich auf der Wiese vor der Lanxess Arena in der untergehenden Sonne. Soviel Hippie Klischee muss gerade mal sein. Die Wortfetzen, die man hier aufschnappt kommen oft von Musikliebhabern, und Sie erzählen von den letzten Konzerten. Und es klingt nach dem, was das Feuilleton schon länger berichtet. Musiker die jahrelang als ewig gestrige und altersmüde missachtet wurden, sind wieder hip. Sie spielen bessere und längere Konzerte als je zuvor, scheuen sich nicht Ihren Backkatalog neu zu interpretieren und bringen sogar noch ansehnliche Alben auf den Markt. 

Neil Young eilt leider weder der coole, kumpelhafte Ruf eines Springsteen, noch das Charisma eines Jaggers voraus, er war immer eher der verschwiegene Sturkopf mit der alten, schwarzen Gitarre. Und während Dylan immer von seiner Lyrik lebte, waren es bei Neil die Konzerte die begeisterten. 

Dass er heute wieder mit seinen alten Freunden von Crazy Horse auf der Bühne steht, verleiht dem fabelhaften Kapitel von Neil Young mit seinen 67 Jahren nochmal einen neuen Glanz. Jahrelang war er mit einer technisch unfassbar guten Band unterwegs, die alle Fassetten seines Werkes auszuloten wusste. Doch manchmal muss es eben Crazy Horse sein. Diese Legende von Krach, Freundschaft und purer Spielfreude. Hier zählt nur der Akkord der Sekunde..nicht das Lebenswerk. 

Sie beginnen mit Love and only Love, es hätte auch jedes andere Stück sein können und 20 Minuten verfliegen wie im Rausch. „It´s all one Song, they all sound the same“, tönte Young einst auf einem seiner Live-Alben, das ist natürlich Quatsch. Aber es zeigt den respektlosen Zugang zu seinem eigenen Werk. Weiter geht es mit einigen neuen Stücken, allesamt in wahnsinnigen Versionen. Umrahmt wird er von seinen drei Zuspielern, die wie immer aussehen, als kämen sie gerade aus einer Tankstelle im Death Valley. Körperkontakt, ein an sich schmiegen... die Töne aus den Instrumenten strömen lassen, all das kann man eigentlich nur hier erleben. Musik wird live erschaffen, und sogleich wieder zerstört. Dies aber alles zum Wohle der Melodie, nichts ist kakophonisch, selbst das lauteste Gitarrengewitter klingt noch wie eine Sonate.

Der akustische Teil bringt heute wenig neues, er dient mehr der Regeneration, auch wenn das Publikum Heart of Gold feiert, zurecht. 

Dann kommen die anderen Hits, und sogar die meistert er heute voller Freude. Ein großes Grinsen auf den Gesichtern aller Bandmitglieder, wann hat man den Meister so entspannt gesehen ? Mr. Soul glüht und Hey Hey, My My... macht den Abräumer. 

Natürlich fehlen wie immer einige der besten Songs, Cortez, Hurricane und Free World sind heute nicht dabei, beim nächsten Gig wird es wieder ganz anders sein. Dafür fällt der Zugabenteil überraschend aus. Kaum noch Lärm, dafür mehr Folkrock und weiterhin unglaubliche Spielfreude. Letztes Lied wird Everybody knows this is nowhere, es ist ein Traum. Man wünscht sich, jeder, der sich für Musik interessiert, würde diese Show sehen können, es sind zu wenige und leider oft immer die gleichen. 

Am Ende tobt die Halle und Neil verspricht wie immer, wieder zu kommen. Hoffen wir das beste... vielleicht dann aber lieber wieder an einem See mit Sonnenuntergang. Soviel Hippie Klischee sollte sein.

Setlist Neil Young & Crazy Horse, Lanxess Arena, Köln: 

01: Love and Only Love 
02:  Powderfinger 
03: Psychedelic Pill 
04: Walk Like a Giant 
05: Hole in the Sky 
06: Red Sun 
07: Heart of Gold 
08: Blowin' in the Wind 
09: Singer Without a Song 
10: Ramada Inn 
11: Cinnamon Girl 
12: Sedan Delivery 
13: Mr. Soul 
14: Hey Hey, My My (Into the Black) 

15: Surfer Joe and Moe the Sleaze (Z)
16: Roll Another Number (For the Road) (Z)
17: Everybody Knows This Is Nowhere (Z)

Dienstag, 16. Oktober 2012

Radiohead, Köln, 15.10.12

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Konzert: Radiohead
Ort: Lanxess-Arena (Kölnarena), Köln
Datum: 15.10.2012
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Dauer: Radiohead 140 min, Caribou 30 min



Als mir im Vorfeld ein Freund, der Radiohead viel wohler als ich gesonnen ist und der gelesen hatte, wie die Tour bisher war, geraten hatte, ein Buch mitzunehmen, war meine Vorfreude auf Radiohead noch eine Spur größer. Ich bin kein euphorischer Fan der Band, war es auch nie. Mein einziger Livekontakt mit Radiohead war ein halber Festivalauftritt bei Rock en Seine vor ein paar Jahren, den ich nicht als berauschend in Erinnerung habe. Warum auch immer ich gut 70 Euro für die Karte für ein anstrengendes Konzert in einer schrecklichen Halle ausgegeben hatte, habe ich mich in den vergangenen Wochen immer wieder gefragt. Ohne schlüssige Antwort. Durch eine neue Kreditkarte und den festen Vorsatz, die Nummer mir diesmal auf keinen Fall zu merken, bin ich künftig wenigstens vor ganz schlimmen Spontankäufen geschützt, weil das Rauskramen der Karte ein paar zusätzliche Sekunden zum Nachdenken gibt. Aber auf dem teueren und personalisierten Radiohead-Ticket saß ich nun einmal.

Vor ein paar Tagen wurde mir dann noch glaubwürdig versichert, daß es zäh werden würde, womit auch das Schönreden, daß ich für das viele Geld immerhin Caribou sehen würde, nicht mehr weiterhalf (zumal deren Musik ja auch nicht unbedingt fröhlich macht).

Als ich nach der letzten Zugabe abgehetzt zum Auto lief, um nicht noch stundenlang im Parkhaus zu stehen und Radiohead aus zwanzig Autoradios hören zu müssen, war ich zwar kurz und klein gespielt, hatte aber ein überraschend gutes Konzert erlebt. Eines ohne Längen und mit gutem - für die Kölnarena überragendem - Klang.

Diese grundsätzliche Schwäche der Kölnarena deutete sich bereits bei Caribou an. Die Halle hat ein Echo. Um dem auszuweichen, standen wir sehr weit vorne, vielleicht in der fünften Reihe. Aber auch da hörte man immer wieder einen dumpfknallenden Widerhall von der anderen Hallenseite. In der Mitte muß das fies geklungen haben. Weit vorne war der Sound überraschend gut, ignorierte man das leichte Echo. Die Arena wurde zumindest da ihrem Ruf, jedes Konzert zu ruinieren, nicht gerecht.

Durch ekelhaft frühes Erscheinen hatten wir die Streberbändchen bekommen, die für den vorderen Bereich des Innenraums qualifizieren. Als mehr oder weniger Einheimische waren wir dort klar in der Minderheit, offensichtlich waren viele sehr weit angereist, was mir wegen meiner weitestgehenden Radiohead-Ignoranz ein schlechtes Gewissen machte. 80 km Fahrt hätten da niemanden ernsthaft beeindruckt.

Um Punkt acht erschien Daniel Snaith, der Caribou-Mann, mit drei Begleitern. Die Instrumentierung der kommenden halben Stunde sollten zwei Schlagzeuge und Keyboards sein. Es fing allerdings nicht mit etwas Eigenem an. Die ersten acht, zehn  Minuten gehörten dem Caribou Remix von It's a crime von Virgo Four. Mit House kenne ich mich noch weniger aus als mit Radiohead, das Original des Stücks habe ich auch noch nie gehört, sein Remix klang aber ganz und gar nach Daniel Snaith. Erst meine Mitschrift des Textes (was bei Caribou nicht ganz einfach ist), half mir auf die Sprünge. Den Rest der Stücke hatte ich immerhin schon gehört, weil ich Swim besitze und ab und zu gehört habe. Live, laut und vor schon recht voller Halle waren Lieder wie das großartige Bowls oder Sun oder natürlich Odessa sehr beeindruckend. Dem linken Schlagzeuger, dem wir am nächsten standen, bei seinem sturen Spiel zuzusehen, verstärkte diesen Eindruck. Ein sehr passender Auftakt!

Setlist Caribou, Lanxess-Arena, Köln:

01: It's a crime (Virgo Four)
02: Bowls
03: Jamelia
04: Odessa
05: Sun

Thom Yorke hatte sich extra für Köln Tim Lobingers Frisur ausgeliehen, schien aber trotzdem ausgezeichnete Laune zu haben. Er hibbelte die folgenden gut zwei Stunden ununterbrochen über die Bühne. Auf meine Nachfrage, ob er immer so hampelig sei, erhielt ich zwar die Antwort, früher sei es schlimmer gewesen, so richtig glauben konnte ich das aber nicht. Das Tanzen erinnerte mich an diesen Simply-Red-Typen oder an Bono - die Musik glücklicherweise nicht. Schrecklich vieles kannte ich nicht. Die aktuelle Radiohead-Platte The King Of Limbs habe ich zwar, ich habe sie aber wohl noch nicht gehört. Ich kannte ansonsten die Lieder, die jeder kennt, aber nicht mehr, die Titel also von OK Computer, von Hail To The Thief, oder auch von In Rainbows.

Mir gefielen auch die Lieder, die ich kannte, am besten, ob aus naheliegenden Gründen, oder weil The King Of Limbs gegenüber den früheren Platten abfällt, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls stammten auch die besten Stücke von Hail To The Thief (There there), OK Computer (Lucky, Paranoid android) oder Kid A (die letzten beiden Zugabenblöcke), während mit Feral der einzig echte Langweiler auf der aktuellen Platte ist.

Wenn man keine Ahnung von der Musik hat, muß man über den Rahmen schreiben. Bei Hallen- (Arenen, muß es wohl heißen) oder Stadion-Konzerten gehört zu dem unbedingt der Showkram außenrum, die großen Effekte. Ich hasse das. Radiohead setzten ihr Budget für Visuals (das hasse ich auch) aber extrem stilvoll und zurückhaltend ein. Zwölf quadratische Monitore, die variabel über der Band hängen konnten, und eine LED (oder was auch immer) Rückwand waren alles. Das unterscheidet Radiohead von anderen Musikern, die in der Kölnarena auftreten, und die mit Pyro-3D-Laser-Hologrammen von den musikalischen Schwächen ablenken müssen. Hier hätte es eigentlich auch keine Show getan, aber für 70 € muß man wohl auch irgendwelchen Schnickschnack erwarten, und in der gezeigten Form war der auch sehr schön.

Den schönsten Effekt, den die Monitore erzeugten, sah man bei 15 step. Da wurden die Platten kurz über den Köpfen der sechs Musiker (ein zusätzlicher Schlagzeuger, denke ich) angebracht und leuchteten diese mit hellem Licht aus. Dadurch bekam die Bühne den Charakter eines kleinen Clubs. Diese Lichtspielereien hatte jemand mit sehr viel Geschmack gestaltet!

Nach hundert Minuten taten mir Rücken und Beine weh. Da Radiohead bei der bisherigen Tour bis auf wenige Ausnahmen immer fünf, zwei und eine Zugabe gespielt hatten, in drei Blöcken, wusste ich, daß ich noch aushalten musste. Die letzten Lieder machten dies aber einigermaßen einfach, weil das Konzert einfach nicht schlechter wurde und mit dem REM Intro (The one I love) bei Everything in its right place noch eine schöne Überraschung bot. Trotzdem wäre ich nicht böse gewesen, wenn das Konzert eine halbe Stunde weniger lange gedauert hätte. Es hätte nichts daran geändert, daß ich einen sehr guten Abend gehabt hätte. Ich bin in keinen Rausch gekommen, irgendwo habe ich auch mal gelesen, daß es albern sei, jetzt noch Radiohead-Fan zu werden (puh!), aber es war ein ganz anderes Konzert, als ich es vorher erwartet hatte. Es war gut angelegtes Geld.

Setlist Radiohead, Lanxess-Arena, Köln:

01: Bloom
02: Lucky
03: 15 step
04: Morning Mr Magpie
05: The national anthem
06: The gloaming
07: Separator
08: Reckoner
09: Pyramid Song
10: These are my twisted words
11: Nude
12: Identikit
13: Lotus flower
14: There there
15: Feral
16: Bodysnatchers

17: Weird fishes / Arpeggi (Z)
18: Ful stop (neu) (Z)
19: The Daily Mail (Z)
20: Myxomatosis (Z)
21: Paranoid android (Z)

22: How to disappear completely (Z)
23: Everything in its right place (mit REM Cover The one I love) (Z)

24: Idioteque (Z)

Links:

- Radiohead, Köln bei Pretty Paracetamol
- Radiohead, Köln, bei neulich als ich dachte


Foto: Frank von Pretty Paracetamol




 

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