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Sonntag, 6. April 2014

Big Fox, Karlsruhe, 04.04.14

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Konzert: Big Fox mit Support Adam Evald
Ort: Cafe Nun in Karlsruhe
Datum: 4. April 2014
Dauer: 25 min und 65 min
Zuschauer: etwa 40


Während meiner Schulzeit gab es keinen Stundenausfall. Im allergrößten Notfall stellte sich der Direktor höchstselbst vor die Klasse und  improvisierte Unterricht über ein Thema, das ihm passend oder wichtig erschien. Aus diesen Stunden ist mir nachdrücklich in Erinnerung, wie sehr die verschiedenen Bedeutungen von aufheben ineinander verwoben sind (er war begeisterter Philosoph).


Aus irgendwelchen Gründen (vielleicht trug die phantasievolle Dekoration mit aufgefädelten bunten Plastik-Trinkhalmen dazu bei, die mich an Kunstwerke aus meiner Jugend erinnerte?) musste ich just daran denken während ich mich ganz versunken der Musik von Big Fox hingab. Ihre Lieder sind im großen und ganzen sehr ruhig und nachdenklich, dabei aber nie sentimental und dramatisch, sondern strahlen fast immer eine heitere Note aus. Darüber hinaus haben sie für mich diese seltene Qualität, mich in jeder noch so traurigen Stimmung aufzuheben und aufzurichten. Und in der Einheit von Musik und Text finde ich viel grundlegendes aufgehoben und aufbewahrt. 



Seit ich sie im Oktober 2012 in der Guten Stube in Darmstadt zum ersten Mal live erlebt habe, hat mich ihre Debut-CD begleitet und auch das zweite Album Now (das 2013 erschienen ist) wusste die hohen Erwartungen zu erfüllen. Zwei CDs, die bei mir regelmäßig wieder und wieder gespielt werden und deren Lieder ihren Reiz noch nicht eingebüßt haben. 




In der Livedarbietung im Nuncafe wurde diese Verbundenheit zur Musik von Big Fox für mich neu bekräftigt. Für die reichliche Stunde schenkte ich den Liedern einmal wieder meine ganze Aufmerksamkeit, genoss die Stimme von Charlotta Perers, das Cellospiel von Gerda Holmquist und den gefühlvoll-dezenten Beitrag von Adam Evald am Schlagzeug. Lauschte den Texten und summte einiges im Kopf mit.



Obendrauf gab es die Blicke, das Lächeln, das zwischen den Musikern getauscht wurde und die anekdotischen Erklärungen zu einigen Songs. So stellte sich auch in meinem Gesicht über große Teile das Abends unmerklich ein Lächeln ein. Charlotta wechselte in der Hälfte des Abends vom Keyboard an die E-Gitarre und Gerda etwas später vom Cello ans Keyboard. Alle diese Varianten hatten gemeinsam, dass wir mit wunderbarer Musik bedacht wurden.



Es ist gar nicht so einfach, für den Bericht hier besondere Momente des Abends zu benennen, weil eigentlich jedes Lied auf die eine oder andere Art besonderes zu geben hatte. Aber ganz sicher war Why, oh why ein absoluter Gänsehautmoment und der als letzte Zugabe geplante  Song Calm down an Intensivität nicht zu überbieten.


Weil wohl auch die anderen Zuhörerinnen und Zuhörer ähnlich mitgerissen waren wie ich, musste das Trio noch eine ungeplante zweite Zugabe spendieren. Und fasste mit Jony Mitchells Worten selbst sehr schön zusammen, was ich oben nur so vage im Begriff des aufhebens in mir bewegt hatte:

I've looked at life from both sides now
From up and down, and still somehow
It's life's illusions I recall
I really don't know life at all

(Jony Mitchell - From both sides now)





Vor der wunderbaren Stunde mit Big Fox gab es an diesem Abend aber noch einen kleinen Bonus: 25 min mit der traumhaft schönen Musik und dem selbstironischen Humor von Adam Evald (der auch bald, am 24. Mai, als Drummer von Solander ins Nun zurückkommen wird!) Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Songs Dancing Heart, No more excuses (mit dem Bild, dass die Liebste im Fluss versenkt wird, schon etwas nordisch rau, aber man kann es ihm einfach nicht richtig übel nehmen...) und Swimming in romance mit dem wohl unhaltbaren Versprechen I won't write another love song. Das wäre auch zu schade, wenn er sich daran halten wollte!


Setlist Big Fox:
01: Rain
02: Shadows
03: Saturday
04: Romantic Movie Love
05: Why, oh why
06: Days come/go
07: Cut you out
08: Girls
09: Cheers
10: Now

11: Thank you (Z)
12: Calm Down (Z)

13: From both sides now Jony Mitchell cover (Z)

Aus unserem Archiv:
Big Fox, Darmstadt, 31.10.12 
Big Fox, Paris, 28.01.14 

Lie in sound mit fundierten Worten zum Album Now
Sehr stimmungsvolle Fotos des Abends von Martin Gommel

Tourdaten:

31.03. Hamburg / Schnittke Akademie
01.04. Köln / Theater die wohngemeinschaft
02.04. Offenbach / Hafen 2
03.04. St. Gallen / Oya
04.04. Karlsruhe / Café Nun
05.04. Göttingen / Pools Heimathafen
06.04. Münster / Pension Schmidt



Montag, 10. Februar 2014

Big Fox und Cajsa Siik, Paris, 28.01.14

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Konzert: Big Fox und Cajsa Siik, I Love Sweden #2
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 28.01.2014
Zuschauer: etwa 60
Konzertdauer: Cajsa Siik etwa 30 Minuten, Big Fox gut 45 Minuten


"I Love Sweden" war das Motto des Konzertabends. Die talentierte Videofilmerin Valérie Toumayan  betreibt eine Webseite gleichen Namens und hatte diesen Abend im Espace B organisiert. Sie hat sich seit ein paar Jahren auf schwedische Musiker spezialisiert, filmt diese, wenn sie nach Paris kommen, begibt sich aber auch nach Stockholm um sie in ihrer Heimat auf Zelluloid zu bannen. In der Szene hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht, so daß es nur eine konsequente Weiterentwicklung ist, daß sie inzwischen eigene Konzerte organisiert. Die Veranstaltung war die zweite ihrer Art. Bereits vor ein paar Monaten hatte es eine erste im Petit Bain gegeben, bei der Last Lynx und Carolina Wallin Pérez angetreten waren.

Heute nun Cajsa Siik und Big Fox.

Ertstgenannte interessierte mich besonders, weil ich nur zwei Tage später mit ihr eine Oliver Peel Session organisieren würde. Aber der lange Anweg und meine schon fast obligatorische Verspätung sorgten dafür, daß ich von Cajsa nur noch zwei Lieder mitbekam. Dies waren allerdings absolut wundervoll. Die rothaarige Skandinaverinn mit dem schwarzen Hütchen spielte ihre Stücke alleine und nur mit Akustikgitarre. Eine wohlige Atmossphäre machte sich breit und Cajsa sang wirklich herzallerliebst. "Birds don't fly so high" hieß es im berührenden letzten Stück (Birds), das man nicht auf dem Debütalbum Plastic House (2012) finden kann. Siik arbeitet bereits an einem Nachfolger, den sie im Self-Release noch dieses Jahr auf den Markt bringen will. Sie habe sich gegen ein Label entscheiden, weil sie hinsichtlich iher künstlerischen Freiheit keinerlei Abstriche machen will, erklärte sie.

Auf das Werk darf man gespannt sein, aber die meisten hier kennen wahrscheinlich das 2012 Debüt noch nicht, so daß ich zunächst dieses zur Einarbeitung empfehle. Man findet darauf so manches schöne Stück, zum Beispiel den Hit Was I Supposed To oder die Ballade Giants.

 


Big Fox, den Namen würde ich nicht unbedingt mit einer hübschen Schwedin mit umwerfender Stimme in Verbindung bringen. Aber Charlotta Perers hat nun einmal diesen Moniker gewählt und wenn man einmal weiß, wer dahinter steckt, ist der Name eh Schall und Rauch.



Big im Sinne von dick ist Charlotta ohnehin keineswegs, eher tall, also groß, wie so viele Schwedinnen. Mit ihren langen Beinen und ihrem hübschen Gesicht sieht sie aus wie ein Model, legt es aber keinswegs darauf an, bloß als Modepüppchen wahrgenommen zu werden. Sie gab sich vielmehr natürlich sympatisch und enterte zusammen mit ihrer Cellistin Gerda (ein Mädel mit feschem blonden Kurzhaarschnitt) gegen 22 Uhr die Bühne. Zunächst spielte Charlotta elektrisches Piano, später dann auch E-Gitarre. Wichtiger als die Instrumente war aber definitiv die Stimme der Schwedin. Die war nämlich der helle Wahnsinn. Sie sang wie Cat Power zu ihren besten Zeiten! Nun wird dieser Cat Power Vergleich ja ständig und oft nicht unbedingt passend bemüht. Immer wenn eine neue Sängerin in
Erscheining tritt, fällt er fast zwangsläufig, aber bei Big Fox passte er einfach unglaublich gut. Diese leicht rauchige, aber gleichzeitig so herrlich warme und samtweiche Stimme. Wow, einfach nur wow!! Ich bin mir sicher, daß sich kaum einer von der magischen Sogwirkung dieses traumhaften Gesanges entziehen kann, wenn er ihn einmal gehört hat. Nun mögen ja ein paar wieder vorschnell von einem Plagiat reden und die fehlende eigene Identität anprangern, aber Charlotta singt nun einmal wie sie singt. Und wenn es nach mir geht, soll sie daran auch bitte nichts ändern. Ihr Stil ist einfach recht klassisch und auch mit anderen Skandinavierinnen wie Agnes Obel oder Sarah Blasko (ok die ist Australiern, musiziert aber in Schweden und kann der dortigen Szene durchaus zugerechnet werden) zu vergleichen. Dies mit Nichtbeachtung von Big Fox zu anden, wäre aber ein großer Fehler. Allein ihr Songmaterial ist dafür einfach zu gut. Zwei Alben hat die brünette Dame bis dato aufgenommen und auf beiden Werken strotzt er nur so von Perlen von zeitlöser Schönheit.

Man nehme nur Shadows, den Opener des aktuellen Albums Now. Einen solch starken Song hat Cat Power seit The Greatest nicht mehr hinbekommen. "Why is it so hard, to show yourself to someone the way you really are, not someone you try to be" sang Big Fox und ich schmolz dahin.

Aber es gab auch Stücke des selbstbetitelten Erstlings. Cut You Out wurde früh gespielt, ein luftiges, recht beschwingtes Stück (mit Pfeifpassagen) zu dem sich Big Fox die Gitarre schnappte.

Das lasziv-lässige Girls folgte und hätte so ähnlich auch von Cate Le Bon stammen können. Unangestrengte Klasse, zeitlos cool.


Etwas später gab es mit Romantic Movie Love noch ein Stück, das aus dem Rahmen fiel, weil es elektronischer und wesentlich tanzbarer war als der Rest. Wahnsinnig catchy kam es daher, ein veritabler Ohrwurm, den ich seitdem reglmäßig unter der Dusche pfeife (und das ist ein Kompliment für ein Lied, zumindest für mich).

Eine gute dreiviertel Stunde wurde auf das Wundervollste musiziert, dann war aber leider schon Schluß. Charlotta und Gerda erklärten, daß sie am nächsten Tag frei hätten und wollten wissen, was man denn in Paris so unternehmen könne. Ich führe es auf die Schüchternheit des Publikum zurück, daß keinem irgend etwas dazu einfiel. Oder gibt es in Paris wirklich nichts zu tun? Müssen wir etwa alle nach Schweden ziehen? Aus musikalischer Sicht würde es sich sicherlich lohnen, bei den zahlreichen Talenten die die schwedische Musikszene zu bieten hat. Ich jedenfalls freue mich schon auf den nächsten Konzertabend aus der Reihe I Love Sweden!

Setlist

01: Rain
02: Shadows
03: Cut You Out
04: Girls
05: Days
06:Romantic Movie Love
07: Cheer You Up
08: Now

09: Thank You



Samstag, 3. November 2012

Big Fox, Darmstadt, 31.10.12

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Konzert: Big Fox 
Ort: Gute Stube im Hoffarttheater, Darmstadt
Datum: 31.10.2012
Zuschauer: etwa 120Dauer: 60 min

 
Für 60-70 min Konzert 110km nach Darmstadt und wieder zurück zu fahren und anschließend zufrieden zu sagen: Das hat sich wirklich gelohnt! Brauche ich noch mehr Worte zu machen, um zu sagen, dass der Abend in der Guten Stube wunderschön war? 


Wenn mich eine Einladung der Guten Stube erreicht, kommt stets sofort der gespannte Blick in den Kalender, ob ich die Fahrt nach Darmstadt hinkriege. Tatsächlich kommt fast nie die Frage auf, ob es sich lohnt. Trotzdem ist es eben kein Pappenstiel und viel zu selten kam ich in letzter Zeit dazu, den Einladungen zu folgen. Aber diesmal war es der Vorabend eines freien Tages und eine Dame am Piano, da konnte ich sogar meine bessere Hälfte gewinnen.



Angekündigt waren Big Fox aus Schweden. Das ist Songwriterin Charlotta Perers an den Tasten, unterstützt durch die Cellistin Gerda Holmqvist (die aber auch Gesang, Xylophon und Percussion beisteuerte) und  Albin Johansson, der an dem Abend vor allem Gitarre und Pauke aber auch Gesang beitrug. Die Gute Stube war so gut gefüllt, dass Gerda zunächst Probleme hatte, noch einen Platz für das Cello zu finden und es einige in der ersten Reihe gab, denen sie einen Helm gegen herunterfallende Xyolophonstäbe empfahl (nicht ganz zu unrecht). 


 Obwohl wir also mehr oder weniger gegenseitig auf dem Schoß des Nachbarn saßen und mit den Füßen ein bisschen vorsichtig sein mussten, um keinen ernsthaft zu verletzen, war die Stimmung schon vor Beginn sehr entspannt und vorfreudig erregt. 




Was die drei dann boten war natürlich zum einen das erwartete nachdenkliche Frau am Piano Programm. Aber zum einen ist die Stimme von Charlotta Perers wirklich kein bisschen langweilig, sondern zum hinschmelzen schön, zum anderen wurde die besinnliche Stimmung stets nicht dramatisiert. Wir haben sehr viel gelacht und gelächelt. Was mich dann endgültig für die Musikerin einnahm, waren die upbeat-Songs wie "Grow up" und "Cut you out". Das sind Ohrwürmer, die sich echt gewaschen haben und gut dazu geeignet sind, sich morgens vorm Spiegel selbst ein bisschen Mut für den Tag zu zu singen.  


Entsprechend euphorisch war der Applaus und der Absatz des aktuellen Albums. Eine warme Empfehlung für beides von meiner Seite. Die Göttinger haben am Sonntag, 4.11. noch die Gelegenheit dazu. 


Und hier ein Fitzelchen zum Nachklingen lassen (Bedroomdisco TV sei Dank!). 

 



 

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