Mittwoch, 12. Dezember 2012

Mina Tindle und Lùisa, Berlin, 11.12.12

Konzert: Mina Tindle (+Lùisa)
Ort: Comet Club Berlin
Datum: 11.12.12
Zuschauer: weit über 100
Konzertdauer: 30min. (Luisa); ca. 60 min. Mina Tindle




Berlin liegt unter einer dicken Schneedecke. Auf dem Weg zu meinem zweiten Konzert von Mina Tindle in diesem Jahr, erinnere ich mich gerne an das sommerliche Wetter im Mai zurück. Damals gastierte sie im wunderschönen (und leider an diesem Ort geschlossenen) Privatclub. Ihr damaliges Konzert hat mich begeistert und so war für mich schnell klar, dass ich die Gelegenheit, sie erneut in Berlin zu erleben, nicht verpassen möchte. Der eisige Wind peitsche mir ins Gesicht, als ich die letzten Meter zum Privatclub lief. Im Vorfeld war ich doch ein wenig enttäuscht, denn eigentlich sollte Mina Tindle im Festsaal Kreuzberg auftreten, was in Berlin schon ein Sprung nach oben gewesen wäre. Mir persönlich soll es recht sein, wenn großartige Künstler in kleinen Clubs auftreten. Nur begleitet mich dann auch immer die Sorge, dass sie irgendwann Berlin meiden.

Zu allererst betritt aber die bezaubernde Lùisa mit einem vorsichtigen "Hallo zusammen..." die Bühne. Das sie bezaubernd ist, kann ich schon vor ihrem Auftritt sagen, denn ich erlebte sie schon zwei Wochen zuvor bei der TVNoir Aufzeichnung im Heimathafen Neukölln, bei der sie vor ausverkauftem Haus und großen Publikum neben der Musik so einige knifflige Aufgaben zu lösen hatte. Das Konzept dieser Show besteht darin, etablierte Künstler mit Newcomern an einem Abend zusammenzubringen. Mit viel Selbstbewusstsein, Courage und Charme bewegte sie sich auf Augenhöhe mit Moneybrother. Sie beginnt ihr Set mit Springrainair. Nur mit ihrer Akustikgitarre und ein wenig Hall. Ich mag ihre Stimme, die sich mit ihrem dunkel gefärbtem Timbre, wie Gudrun so schön vom Konzert in Mannheim berichtete. Während ihre Gitarre noch von der Anreise unterkühlt war, ist Lùisa ganz und gar nicht. Im Gegenteil, sie ist stolz und dankbar zugleich mit Mina Tindle, die sie sehr schätzt, zusammen auf Tour zu sein. Sie erhält nicht nur Dankbarkeitsapplaus, wie oft üblich bei Vorbands, sondern Johlen und Pfeifen. Ein Zeichen, dass sie das Herz des Publikum eroberte. Wie schön sie die einzelnen Elemente in Belong  mit der Loop-Machine verknüpft. Was so leicht ausschaut, braucht sicherlich viel Übung. Atmosphärisch ist es wunderbar.

Ein Highlight war für mich ihr französisches Lied La cause. Die französische Sprache steht ihr sehr gut. Ihr Tourabschlusskonzert beendet sie dann mit meinem Favoriten des Abends: Heart-made failure.
Ich freue mich auf weitere Konzerte in Berlin im kommenden Jahr, auch wenn sie aktuell noch in Hamburg lebt (was ich gar nicht verstehen kann).

Die Umbauten sind nicht weiter aufwendig, die Instrumente stehen ja schon bereit.. Den Abend beginnt die Band mit Time Writer - ganz ohne instrumentale Unterstützung. Auch an diesem Abend hat sie diese bezaubernde Ausstrahlung, die sie einzigartig macht. Ihr Lächeln ist so gewinnend. Dazu noch ihr schickes Kleid. 


Die Band ist die gleiche wie im Mai, Olivier Marguerit an den Keyboards, Trompete und Trommeln sowie Guillaume Villadier am Bass, Gitarre und Glockenspiel. Nach The Kingdom, welches mir sehr gut gefiel, schon mit Pan der erste Höhepunkt des Konzertes. Die minimalistische und entschleunigte Liveversion von Pan ist zum dahinschmelzen. Unterstützt wird sie dabei sehr gekonnt und stimmungsvoll durch ihre beiden Bandkollegen. Die Stimme von Olivier gefällt mir dabei besonders. Überhaupt sind ihre beiden Musiker perfekt auf sie und miteinander aufeinander abgestimmt. Olivier, der kleine Schelm, der immer wieder mit Pauline aka Mina Tindle kleine Spässe macht und sie ihm deutlich ihre Dankbarkeit für seine gute Seele zeigt. "Danke very schön"! Too Loud widmet sie all den Frauen die, wie sie, in der Öffentlichkeit zu laut reden. Kaum vorstellbar bei dieser zarten Stimme. Wie auch schon Pan, so wird auch Too Loud in exzellenter Qualität vorgetragen. Kleine technische Probleme werden mit viel Humor hinweggelächelt. 

Während Henry auf der CD kaum auffällt, so ist es live fast eine epische Hymne. Dafür sorgt auch die Dramatik des Schlagzeugs und der druckvolle Bass. Nach dem fetzigen Sister durften wir zu To Carry Many Things den Takt mitklatschen, was sogar richtig Spass machte. Zu Echo macht Olivier wieder Schabernack, dass Mina Tindle das Lied dreimal neu beginnen musste. Ihre Erklärung "It´s a sad song" wurde mit viel Gelächter im Publikum aufgenommen. Der dritte Versuch klappte dann und es wurde ein weiteres Highlight für mich. Wie Olivier mit der einen Hand das Keyboard bediente und mit der anderen Hand die Trompete war sehr schön anzusehen, auch wenn nicht jeder Ton perfekt getroffen wurde, der Kerl hat Charme und schon wurde übergeleitet zu Demain. Es fängt ganz zart und fragil an und steigert sich immer weiter, um dann gegen Schluss wieder versöhnlich zu enden. Das lustige Glockenspiel kommt dann bei Lovely Day zum Einsatz. Als Kind stand ich immer ganz fasziniert am Straßenrand, wenn ein Spielmannszug vorbei ging - mit ihren Trommeln und ihre vielen Glockenspielen, die alle im Einklang die kleinstädtische Tristesse ein wenig farbenfroher machten. Es ist schön mich nun wieder daran zu erinnern. Zu Austin durfte dann auch ihr Tourbetreuer und guter Freund Raphael mit auf die Bühne. "Thank you very schön". Um ihr Fieber, mit dem sie auf der Bühne steht ein wenig zu kurieren, ordert sie mit viel Nachdruck einen Wodka. Die dann gespielte Version von The Good verzauberte den Raum. Mina Tindle versteht es ihre Zuhörer zu bezirzen. Ihr liebreizender Charme ist eine wahre Wonne. Kurz darf auch das Publikum ein paar Vokale mitsingen. Sie beschließt mit Os Argonautas ihr sagenhaftes Konzert.

Der Merchandising Stand sind dieses Mal behelfsmässig zwei aufgestellte Barhocker links und rechts am Ausgang, auf denen jeweils Mina Tindle und Lùisa von vielen neuen und alten Fans belagert werden. Ein schöner Anblick, der Mut macht, dass Mina Tindle ihren Erfolg in Berlin weiter ausbauen kann und auch Lùisa sich fest in der Musikszene etablieren wird.


Links:
Lùisa: http://www.listentoluisa.com/
Mina Tindle: http://minatindle.com/



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