Samstag, 8. Dezember 2012

Ravens and Chimes, Paris, 04.12.12



Konzerte: Ravens and Chimes
Orte: La Fabrique des Balades Sonores und L'Espace B, Paris
Datum: 04.12.2012
Zuschauer: 4-8 (La Fabrique), etwa 70-80 (Espace B)



Asher, der gutaussehende Sänger der New Yorker Band Ravens and Chimes,  entpuppte sich in Paris als äußerst freundlicher und höflicher Mensch. Als er am 4. Dezember um 13 Uhr vor gerade einmal vier Zuschauern einen unbezahlten Showcase im Plattenladen der Balades Sonores spielte, bedankte er sich gleich mehrfach und aufrichtig fürs Kommen. Dabei hätte er in der Zeit doch die Stadt des Lichts erkunden, ein hübsches Mädchen küssen, oder sich ausruhen können.


Ganz tapfer stand er seinen Mann und spielte ohne seine Bandkollegen Songs des aktuellen Albums Holiday Life alleine auf seiner Akustikgitarre. Er hockte auf einer alten Holztruhe des schnukeligen Plattenladens und gab sich richtig Mühe, schön zu singen und fehlerfrei Gitarre zu spielen. Sofort fiel mir seine besondere Stimme auf. Sie hatte eine romantische und poetische Note, hatte etwas, das mich an den feinfühligen Briten Thos Henley erinnerte. Ganz wie Thos bezog sich auch Asher auf Literaten wie Rimbaud und man merkte, daß dies nicht nur Bluff war, sondern daß ihn wirklich die Geschichte von Paris und deren Schriftsteller und Dichter interessierte. Auch zu den zur heutigen Zeit in Paris lebenden Menschen hatte er nur Positives übrig: "wow, you are all so stylish!" Die Typen in New York seinen dagegen unkultivierte und schlecht gekleidete Banausen, obwohl das doch immerhin die schickste Stadt in Amerika sei, so Asher.


Der blauäugige Bursche schien wirklich in der falschen Ecke der Erde geboren worden zu sein und fand es auch erstaunlich und sehr cool, daß der Kanadier Leonard Cohen in Nordamerika nicht so bekannt sei, wie in Europa, wo er riesige Hallen füllt. Konsequenterweise coverte er dann auch So Long, Marianne von Cohen und sang mit viel Feingefühl den Text " .... we met when we were almost young deep in the green lilac parc you held on to me like I was a crucifix, as we went kneeling through the dark..."

Neben diesem Cover waren mir Night und Carousel besonders positiv aufgefallen. Zwei wahnsinnig schöne Lieder mit denen man bestens auf einer zugeschneiten Berghütte übers Jahr kommen könnte.


Schade eigentlich nur, daß das weibliche Bandmitglied Rebecca, das auf dem Album die Backing Vocals singt und Piano spielt, nicht in Paris dabei war. Sie verleiht den Songs auf Platte noch mehr Liebreiz, wenn das überhaupt geht.

30 Minuten lang mühte sich Asher also auf seiner Truhe sitzend ab, bevor im Laufe der Zeit noch vier weitere Leute eintrudelten, darunter zwei seiner Bandkollegen. Der Drummer war nicht gekommen sondern saß draußen in dem Van, weil er keinen richigen Parkplatz gefunden hatte und Angst vorm Abgeschleppt-werden hatte.


Abends im Espace B dann gab es die elektrische Variante. Die Songs hatten logischerweise mehr Schmiss, wurden mitunter fast rockig. Auch dort mein Favorit Carousel. Das Stück geht mir schon jetzt nicht mehr aus dem Kopf, es ist so berührend und zärtlich. Und selbst Leute, die behaupten, daß das schmalzig ist, hören das wahrscheinlich heimlich mit ihrem Kopfhörer unter ihrer Bettdecke und weinen das Laken voll. In diesem Sinne: gute Nacht! Und bitte die deutschen Konzertermine von Ravens and Chimes nicht verpassen, damit der arme Asher nicht wieder nur vor vier Leuten spielen muss!

Konzerttermine von Ravens and Chimes:

08.12.2012: Mila, München
09.12.2012: Swamp, Freiburg
10.12.2012: La Laiterie, Straßburg
12.12.2012: Winston, Amsterdam
13.12.2012: Subrosa, Dortmund
14.12.2012: Ostpol, Dresden
15.12.2012: Prinzenbar, Hamburg



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