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Montag, 14. Januar 2013

Mein Berliner Konzertjahr 2012

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Das Berliner Konzertjahr 2012 hat mich sehr begeistert. Unheimlich viele Highlights, die es schwer machten, die besten zehn Konzerte auszuwählen. Dazu nur sehr wenige Flops oder Totalausfälle.
Es ist schon Privileg in einer Stadt zu leben, die so viele phantastische Künstler anzieht und mit wunderbaren Veranstaltungsorten auch immer eine passende Bühne bereit hält. 

Meine Tops 2012:

1. Efterklang (mit Peter Broderick) - Volksbühne Berlin 5.12.12
Kaum in Worte zu fassen, welche Begeisterung Peter Broderick und Efterklang beim Publikum auslösten. Wer ein Herz hat, bei dem ging es an diesem Abend weit auf. Nils Frahm fegte kunstvoll die Bühne - einmalig.


2. Beach House - Volksbühne 27.5.12
Grandioses Konzert in gewohnt schönem Flair. Ausgelassenes Publikum und tolle Atmosphäre. Unvergesslich. 


3. Ljodahatt - Volksbühne Berlin 29.2.12
Vielleicht die schönste Zufallsentdeckung 2012. Ein großes Ensemble begeistert das kleine Publikum dermaßen, dass es sich wie ausverkauftes Haus anhörte. Legendäres Konzert. 


4. Sophie Hunger - Volksbühne Berlin 19.11.12
Charmante und begnadete Musikerin, der das Publikum (zu Recht) zu Füssen lag. 


5. Tindersticks - Volksbühne Berlin 7.3.12 Wunderbare Musiker, die aus einem riesengroßen Schatz ein gekonnt professionelles Konzert boten ohne Längen. 

6. Liz Green - West Germany Berlin 13.3.12
An einem sehr besonderen Ort vor einem phantastischen Publikum ein sehr intimes Konzert. 


7. Einar Stray - Michelberger Hotel Berlin 13.10.12
Im schönsten Hotel der Stadt die wundervollste Neuentdeckung aus Norwegen. Das Publikum war verzaubert.  


8. Andreas Spechtl (+Gäste) - Grüner Salon 18.4.12
Andreas Spechtl am Piano, dazu noch Gäste wie Die Heiterkeit und Christiane Rösinger. Ein großartiger Künstler mit einem wundervollen Gespür. Das Deutsch sich auch schön anhören kann, beweisst der neue Berlinzuwachs. 


9. Tu Fawning - Hebbel am Ufer Berlin 5.5.12
Eine der Bands, die es verdient hätten richtig durchzustarten. Hochkarätige Musiker, die auf der Bühne voller Energie und Spiellaune nur so überschäumen. 


10. soley - Horst Krzbg 23.5.12
Im Zwielicht des Horst Krzbg erobert die liebenswerte soley sofort alle Herzen im Saal. Ihr unaufgeregter Witz verzaubert Berlin. 


Dazu noch mein erstes Wohnzimmerkonzert in meiner Wohnung mit der Australierin Lucie Thorne, welche alle 35 Anwesenden in ihren Bann zog.

Noch sehr positiv zu erwähnen sind: Laura Gibson (Grüner Salon); Portico Quartet, Ja Panik (HAU), Gianmaria Testa (Babylon), Other Lives (Festsaal Kreuzberg), Perfume Genius (Privatclub), SoKo (BiNuu), Fjarill (Maschinenhaus), Anna Ternheim (Babylon+Trafo), Wendy Mc Neill (Crystal Club), Laura Gibson (Grüner Salon), Caroline Keating (Grüner Salon), Julia Holter (Berghain Kantine), Dark Dark Dark (Privatclub), Cocorosie (Heimathafen), Get Well Soon (Astra), Princess Chelsea (Comet Club), Beth Jeans Houghton (Frannz Club), Mina Tindle (Privatclub), Big Deal (Comet Club).

Meine Flops 2012: 

1. Giana Factory - .HBC Berlin 2.5.12
Gelangweilte und unambitionierte Darbietung. Selten so angeödet. Die Musikerinnen wirkten wie platziert.


2. Timber Timbre - Heimathafen Berlin 27.3.12
Der Sound arg verzerrt. Taylor Kirk wirkte auf mich unsympathisch, der Funke sprang nicht über 


3. I LIKE TRAINS - Magnet Club  4.11.12
Völlig verhunzter Sound. Laut laut laut. Das Schlagzeug dominierte alles. Stimme kaum hörbar. 


4. The Raveonettes - BiNuu Berlin 12.12.12
Wie auch schon bei I Like Trains war der Sound völlig verhunzt. Einfach nur unerträglich laut. Kaum auszuhalten. Nieren- und Gallensteine sind nun beseitigt. 


5. Susanne Sundfor - Grüner Salon 15.5..12
Komische Darbietung, die eher abstoßend als interessant wirkte. Ganz gruselig waren die Tanzeinlagen. Eine Frau auf der Suche nach ihrem "passenden" Stil.

Für 2013 habe ich mir vorgenommen, mich an unbekannteren Orten umzuhören und umzuschauen. Darauf bin ich sehr gespannt.




Samstag, 5. Januar 2013

Gudruns Alben des Jahres 2012

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Hier im Konzerttagebuch sind wir ja sehr auf das Liveerlebnis fokussiert, aber ich liebe meine Musiksammlung und sie ist auch im Jahr 2012 wieder um tolle Musik angewachsen. Hier meine persönlichen Highlights:  

1 Dark dark dark - Who needs who
2 Boho dancer - Furry skin
3 Holmes - Burning bridges
4 Einar Stray - Chiaroscuro
5 Efterklang - Piramida
6 Malvina Meinier - The wise one
7 Big fox - Big fox
8 Bethany Weimers - Harpsichord road
9 Garda - A heart of a pro
10 Get well soon - The scarlet beast


Ohne spezielle Reihenfolge habe ich darüber hinaus überaus gern gehört:

Howth - Newkirk
The Black Atlantic - Darkling, I listen
Richard Knox & Frédéric D. Oberland - The rustle of the Stars
Heidi Happy - Hiding with the wolfes
Nive Nielsen & the deer children - dto.
Andrea Schroeder - Blackbird
Nadine Maria Schmidt - Blaue Kanten
A whisper in the noise - To forget
Dánjal  - The bubble 


Besonders tolle Alben, die ich schon seit 2011 besitze, die aber 2012 noch ein richtiges Release hatten und eigentlich oben in meine numerierte Liste gehören würden

Sea + Air - My hearts sick cord
Rue Royale - Guide to an escape

Wieder hervorgeholte Platten, die zur Zeit viel bei mir laufen:

MONO - Hymn to the Immortal Wind
The Notwist - Neon Golden 



Konzertjahr 2012 für Gudrun

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Im Rückblick  ist mir erst so richtig aufgefallen, wie sehr sich das Jahr 2012 von dem unterschieden hat, was ich erwartet hatte. Ich war auch schon 2011 auf vielen Konzerten gewesen und hatte einige Berichte für das Konzerttagebuch eingereicht. Aber dass es 2012 nun etwa 100 Konzerte geworden sind (ca. 35 auf Festivals und 65 in Clubs), ist  nun doch sogar mehr, als mir mein Bauchgefühl gesagt hätte und macht mich sogar in meinen eigenen Augen zu einer verrückten. Diese Statistik drückt aber viel zu unvollständig aus, was sich so erstaunlich und überraschend anfühlt im Rückblick. Das sind nämlich Sachen, die nicht so schnell (und mit Zahlen) zu erklären sind wie

1) neue Freundschaften
2) Zugang zu (meist supernetten) Musik-Organisatoren
3) verrückte Zufälle, die zu musikalischen Neuentdeckungen führten,
4) vier Konzerte in unserem Wohnzimmer,
5) ein Konzert meiner Lieblingsband das mir in den Schoß gefallen ist.


Bei den Konzerten des Jahres 2012 fallen eigentlich fast alle in die Kategorie gut und besser. Manche waren "nur" solide Abendunterhaltung, aber sehr viele hatten Elemente, die sie auch im Vergleich zu meinen 100 anderen Konzerten zu etwas im besten Sinn besonderen machen und in Erinnerung bleiben werden. Insofern werde ich hier keine Reihung versuchen, sondern einige Konzerte herausgreifen, zu Gruppen zusammenfassen und noch einmal würdigen. 



Ich war auf Konzerten in Berlin, Beverungen, Darmstadt, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Koblenz, Köln, Leipzig, Offenbach, Oxford, Paris, Prag, Rüsselsheim, Strasbourg und Zürich (Erfurt mit Scout Niblett am 8.1. fiel leider krankheitsbedingt aus).

Im Januar ging es gleich mit einem Knaller los: Sounds Nordic sounds good in Zürich (22.1.)  hat mir einen rauschenden Abend mit Kaizers Orchestra beschert. Gleichzeitig auch das einzige Konzert, wo so überhaupt kein Funke überspringen wollte mit Caligola


Ganz besondere Höhepunkte waren tatsächlich alle Konzerte mit meinen musikalischen Lieblingen:

Dark Dark Dark in Paris (21.3.) und Frankfurt (14.4.)
My brightest diamond in Strasbourg (30.3.)
A whisper in the noise in Karlsruhe (23.5.)
Útidúr in Karlsruhe (3.7.)
Sóley in Darmstadt (6.8.) und Karlsruhe (9.8.)
Get well soon und Dear Reader in Düsseldorf (4.10.)
Amanda Palmer in Zürich (30.10.)
Locas in Love in Köln (9.12.)


Dies waren alles lang herbeigesehnte Treffen - zum Teil schon über Jahre. Umso befriedigender die Tatsache, dass jeder dieser Abende dann auch genauso eindrücklich und beglückend geworden ist, wie erhofft. Herauszuheben ist, dass ich Dark Dark Dark in Paris nur sehen konnte, weil mir Oliver Gastfreundschaft bot und ich dann (noch unbekanntermaßen) in Frankfurt mit Christoph im gleichen Konzert war. Außerdem konnte ich Ursula und Dirk in Düsseldorf treffen und habe über das Züricher Konzert von AFP neue Freundschaften geknüpft. Außer A whisper in the noise alles Abende, die ich auch mit Freunden teilen konnte.


Konzerte mit neu gewonnenen Helden, die herbeigesehnt waren und mir nachdrücklich in Erinnerung geblieben sind

Princess Chelsea in Köln (9.5.)
Einar Stray in Köln (20. 6.)
Honig und Hello Piedpiper  in Köln (22.10.)
Boho Dancer Wohnzimmerkonzert #3 (14.11.)

Dass Boho Dancer wirklich in meinem Wohnzimmer gespielt haben, ist immer noch das blanke Mysterium für mich - wer kneift mich mal?! 



Freudige Wiedersehen mit ans Herz gewachsenen alten Bekannten gab es einerseits mit erwartetem und lieb gewordenem Repertoir aber auch mit überraschenden Arrangements und sogar Tränen der Rührung und Freude: Rue Royale in Karlsruhe (24.1.), Berlin (16.3.), Göttingen  (28.5.) und Rüsselsheim (21.7.), Sea + Air in Dresden (1.9.), September Leaves in Karlsruhe (14.7.) und in Dresden (1.9.), Nadine Maria Schmidt in Karlsruhe (3.5. & 14.9.) und Leipzig (1.6.).


Die Wohnzimmerkonzerte bei mir waren ganz besonders persönlich und emotional und damit ein besondere Geschenke des Konzertjahres und der Künstler an mich - jedes auf seine Weise.

Alle Abende im Cafe Nun waren wunderschön - den Knaller bildeten natürlich die Konzerte mit Rue Royale + Black Atlantic (24.1.) und Sóley (9.8.) wo das Café überlief, aber es gab noch viele wunderbare Abende z.B. mit Garda am 20.4..

Das Zeltival des Tollhauses in Karlsruhe war wirklich einsame Spitze. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben sind mir die Konzerte von Alamaailaman Vasarat, Babylon Circus, Caravan Palace, Misteur Valaire, Spark und Útidúr. Überhaupt ist die professionelle Abwicklung der Konzerte, die Freundlichkeit und die Wandelbarkeit des Tollhauses immer wieder eindrucksvoll und einladend.

Große Überraschungen bot mir das Jahr aber auch. So brachte mir das Oxjam Konzert in Oxford (13.9.) Bethany Weimers sehr nah (deren CD ich seither nicht mehr missen will), Mono in Karlsruhe (12.12.) boten einen Wahnsinnsabend und ihre Musik läuft seitdem sehr häufig hier, The Notwist in Düsseldorf (3.10.) ließen mich die uralte CD Neon Golden heraussuchen und sie läuft seitdem jede Woche mehrfach. Überraschend großartig war auch der Abend mit Olli Schulz in Karlsruhe (19.11.). 


Ganz besonders emotionale Abende waren Bandista (18.10.), Troy von Balthazar (28.11.) und MissinCat (7.12.) in Karlsruhe Das waren Abende, wo eigene Verfassung, Umstände des Tages und Musik zu einem größeren Ganzen zusammenfielen, was sich nur mit Magie beschreiben lässt.

Ich war zu drei Festivals, die alle drei vorbildliche Orte waren, um mit Musik und Musikern zusammen zu treffen und eine gute Zeit zu haben. Mein Lieblingsfestival war Sound of Bronkow in Dresden (31.8.-2.9.) weil es wirklich familiär ist und im Garten des Societätstheaters einen wunderschönen Ort füllt. Hier ist es auch tatsächlich so, dass man alle Musiker im Publikum antrifft und persönlich ansprechen kann. Im Gedächtnis bleiben besonders die Auftritte von Dropout patrol, Emma Gatrill, Fenster, Pretty Mery K., September Leaves, Sons of Noel and Adrian, William Morgan, Thos Henley, und Tiny Ruins. Das Phonopop in Rüsselsheim (20./21. 7.) war auch wirklich eine tolle Erfahrung. Hier kam zum exzellenten Lineup (am eindrücklichsten bleiben mir Breton, Dry the river, Me and my Drummer, Me succeeds, Rue Royale, Talking to turtles, Warpaint, We invented Paris) und perfekter Nutzung der örtlichen Gegebenheiten hinzu, dass ich Christoph getroffen habe und wir das Erlebnis teilen konnten. Hier habe ich auch noch andere Enthusiasten zum ersten Mal getroffen und so war es nicht so einsam (wie bei mir sonst in der Regel).  Das Orange Blossom Special (25.-27.5.) in Beverungen steht hier nur an letzter Stelle weil alle drei gewählten Festivals erste Sahne waren. Hier fiel die erste Begegnung mit im Jahr 2012 für mich wichtigen Künstlern ins Gewicht: The miserable rich, Scott Matthew, Andrea Schroeder, Nive Nielsen, Erland and the Carnival, Clickclickdecker und Orph und das persönliche Treffen mit Eike.


 
Größte Ärgernisse: zu laute Musik und mitunder stundenlange Verzögerungen im Ablauf. Außerdem habe ich noch keine gute Lösung für große Konzerte mit viel Schubserei (außer Fernbleiben).

Ein virtuelles Winkewinke mit herzlichem Dank geht an die Bedroomdisco und die Gute Stube in Darmstadt. Die sind zum niederknien toll! Und natürlich an Christoph, Dirk, Eike, Frank, Guido, Jana, Julius, Katrin, Markus, Michael, Oliver und Ursula, die mich immer wieder angeregt und unterstützt haben, aber auch an Sebastian, der mir das Vertrauen entgegengebracht hat, seine Künstler gut zu behandeln.



My year in lists- die besten Konzerte und Platten 2012 (Sam Wareing)

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Die aus Australien stammende Sam Wareing ist aus der Independent-Musikszene Berlins nicht mehr wegzudenken. Zum Einen ist sie die Organisatorin des Sofasalons, zum Anderen hat sie ein mit Wasp Summer ein eigenes musikalisches Projekt. Ich war 2012 nicht nur regelmässiger Gast ihrer Sofasalons, sondern hatte die Ehre im November auch  einen in meinem "Salon" auszurichten. Freundlicherweise hat sie ihre wundervollen Lieblingskonzerte und Platten für 2012 zusammengestellt. Danke!

Die besten Konzerte 2012 von Sam Wareing:

1. Gillian Grassie (USA) - Sofasalon Januar

2. Matt Walker (AU) & Lucie Thorne (AU) - Sofasalon November
3. Jeff Lang (AU) - Yuma Bar Mai
4. Carla Bozulich - Berghain Kantine (September)
5. Dr. John - Astra (Juli)
6. Emperor X - Sofasalon (Juli)
7. Sam Doores & Hurray for The Riff Raff - Weser Straße 58 (September)
8. Lapingra (IT) & Big Strong Brute (AU) - Sofasalon (Juli)
9. Nina Hynes and Miss Kenichi - Lovelite Berlin Music Week (September)
10. Ben Salter - art.gerecht (August)


Die besten Platten 2012 von Sam Wareing:

1. Dancing Suns - Goldmine
2. Sharon van Etten - Tramp
3. Eric Eckhart - DIT: Do-It-Together
4. Dirty Projectors - Swing Lo Magellan
5. Big Strong Brute - Avalanche
6. Ainslie Wills - Fighting Kind (Single)
7. Baroness - Yellow and Green
8. Mirinda Gjerstad - Danger
9. Emperor X - Western Teleport
10. Ben Salter - The Cat

Links:

www.sofasalon.de
http://www.facebook.com/WaspSummer?fref=ts
Foto: (C) by Kate Seabrook
http://www.kateseabrook.com/




Mittwoch, 12. Dezember 2012

Mina Tindle und Lùisa, Berlin, 11.12.12

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Konzert: Mina Tindle (+Lùisa)
Ort: Comet Club Berlin
Datum: 11.12.12
Zuschauer: weit über 100
Konzertdauer: 30min. (Luisa); ca. 60 min. Mina Tindle




Berlin liegt unter einer dicken Schneedecke. Auf dem Weg zu meinem zweiten Konzert von Mina Tindle in diesem Jahr, erinnere ich mich gerne an das sommerliche Wetter im Mai zurück. Damals gastierte sie im wunderschönen (und leider an diesem Ort geschlossenen) Privatclub. Ihr damaliges Konzert hat mich begeistert und so war für mich schnell klar, dass ich die Gelegenheit, sie erneut in Berlin zu erleben, nicht verpassen möchte. Der eisige Wind peitsche mir ins Gesicht, als ich die letzten Meter zum Privatclub lief. Im Vorfeld war ich doch ein wenig enttäuscht, denn eigentlich sollte Mina Tindle im Festsaal Kreuzberg auftreten, was in Berlin schon ein Sprung nach oben gewesen wäre. Mir persönlich soll es recht sein, wenn großartige Künstler in kleinen Clubs auftreten. Nur begleitet mich dann auch immer die Sorge, dass sie irgendwann Berlin meiden.

Zu allererst betritt aber die bezaubernde Lùisa mit einem vorsichtigen "Hallo zusammen..." die Bühne. Das sie bezaubernd ist, kann ich schon vor ihrem Auftritt sagen, denn ich erlebte sie schon zwei Wochen zuvor bei der TVNoir Aufzeichnung im Heimathafen Neukölln, bei der sie vor ausverkauftem Haus und großen Publikum neben der Musik so einige knifflige Aufgaben zu lösen hatte. Das Konzept dieser Show besteht darin, etablierte Künstler mit Newcomern an einem Abend zusammenzubringen. Mit viel Selbstbewusstsein, Courage und Charme bewegte sie sich auf Augenhöhe mit Moneybrother. Sie beginnt ihr Set mit Springrainair. Nur mit ihrer Akustikgitarre und ein wenig Hall. Ich mag ihre Stimme, die sich mit ihrem dunkel gefärbtem Timbre, wie Gudrun so schön vom Konzert in Mannheim berichtete. Während ihre Gitarre noch von der Anreise unterkühlt war, ist Lùisa ganz und gar nicht. Im Gegenteil, sie ist stolz und dankbar zugleich mit Mina Tindle, die sie sehr schätzt, zusammen auf Tour zu sein. Sie erhält nicht nur Dankbarkeitsapplaus, wie oft üblich bei Vorbands, sondern Johlen und Pfeifen. Ein Zeichen, dass sie das Herz des Publikum eroberte. Wie schön sie die einzelnen Elemente in Belong  mit der Loop-Machine verknüpft. Was so leicht ausschaut, braucht sicherlich viel Übung. Atmosphärisch ist es wunderbar.

Ein Highlight war für mich ihr französisches Lied La cause. Die französische Sprache steht ihr sehr gut. Ihr Tourabschlusskonzert beendet sie dann mit meinem Favoriten des Abends: Heart-made failure.
Ich freue mich auf weitere Konzerte in Berlin im kommenden Jahr, auch wenn sie aktuell noch in Hamburg lebt (was ich gar nicht verstehen kann).

Die Umbauten sind nicht weiter aufwendig, die Instrumente stehen ja schon bereit.. Den Abend beginnt die Band mit Time Writer - ganz ohne instrumentale Unterstützung. Auch an diesem Abend hat sie diese bezaubernde Ausstrahlung, die sie einzigartig macht. Ihr Lächeln ist so gewinnend. Dazu noch ihr schickes Kleid. 


Die Band ist die gleiche wie im Mai, Olivier Marguerit an den Keyboards, Trompete und Trommeln sowie Guillaume Villadier am Bass, Gitarre und Glockenspiel. Nach The Kingdom, welches mir sehr gut gefiel, schon mit Pan der erste Höhepunkt des Konzertes. Die minimalistische und entschleunigte Liveversion von Pan ist zum dahinschmelzen. Unterstützt wird sie dabei sehr gekonnt und stimmungsvoll durch ihre beiden Bandkollegen. Die Stimme von Olivier gefällt mir dabei besonders. Überhaupt sind ihre beiden Musiker perfekt auf sie und miteinander aufeinander abgestimmt. Olivier, der kleine Schelm, der immer wieder mit Pauline aka Mina Tindle kleine Spässe macht und sie ihm deutlich ihre Dankbarkeit für seine gute Seele zeigt. "Danke very schön"! Too Loud widmet sie all den Frauen die, wie sie, in der Öffentlichkeit zu laut reden. Kaum vorstellbar bei dieser zarten Stimme. Wie auch schon Pan, so wird auch Too Loud in exzellenter Qualität vorgetragen. Kleine technische Probleme werden mit viel Humor hinweggelächelt. 

Während Henry auf der CD kaum auffällt, so ist es live fast eine epische Hymne. Dafür sorgt auch die Dramatik des Schlagzeugs und der druckvolle Bass. Nach dem fetzigen Sister durften wir zu To Carry Many Things den Takt mitklatschen, was sogar richtig Spass machte. Zu Echo macht Olivier wieder Schabernack, dass Mina Tindle das Lied dreimal neu beginnen musste. Ihre Erklärung "It´s a sad song" wurde mit viel Gelächter im Publikum aufgenommen. Der dritte Versuch klappte dann und es wurde ein weiteres Highlight für mich. Wie Olivier mit der einen Hand das Keyboard bediente und mit der anderen Hand die Trompete war sehr schön anzusehen, auch wenn nicht jeder Ton perfekt getroffen wurde, der Kerl hat Charme und schon wurde übergeleitet zu Demain. Es fängt ganz zart und fragil an und steigert sich immer weiter, um dann gegen Schluss wieder versöhnlich zu enden. Das lustige Glockenspiel kommt dann bei Lovely Day zum Einsatz. Als Kind stand ich immer ganz fasziniert am Straßenrand, wenn ein Spielmannszug vorbei ging - mit ihren Trommeln und ihre vielen Glockenspielen, die alle im Einklang die kleinstädtische Tristesse ein wenig farbenfroher machten. Es ist schön mich nun wieder daran zu erinnern. Zu Austin durfte dann auch ihr Tourbetreuer und guter Freund Raphael mit auf die Bühne. "Thank you very schön". Um ihr Fieber, mit dem sie auf der Bühne steht ein wenig zu kurieren, ordert sie mit viel Nachdruck einen Wodka. Die dann gespielte Version von The Good verzauberte den Raum. Mina Tindle versteht es ihre Zuhörer zu bezirzen. Ihr liebreizender Charme ist eine wahre Wonne. Kurz darf auch das Publikum ein paar Vokale mitsingen. Sie beschließt mit Os Argonautas ihr sagenhaftes Konzert.

Der Merchandising Stand sind dieses Mal behelfsmässig zwei aufgestellte Barhocker links und rechts am Ausgang, auf denen jeweils Mina Tindle und Lùisa von vielen neuen und alten Fans belagert werden. Ein schöner Anblick, der Mut macht, dass Mina Tindle ihren Erfolg in Berlin weiter ausbauen kann und auch Lùisa sich fest in der Musikszene etablieren wird.


Links:
Lùisa: http://www.listentoluisa.com/
Mina Tindle: http://minatindle.com/



 

Konzerttagebuch © 2010

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