Konzert: Tamaryn Ort: Comet Club Berlin Datum: 07.02.2013 Zuschauer: 100-150 Dauer: ca. 60 Minuten
Die schneefreien Tage sind in Berlin wieder einmal passé. Nichts desto trotz mache ich mich an diesem Abend auf den Weg zu Tamaryn. Vor fast genau einem Jahr machte ich damals meine erste Live-Bekanntschaft mit Still Corners und dem Dream-Pop-Genre. Damals konnte ich damit noch nicht sonderlich viel anfangen. Zu seicht, zu wenig nachhaltig, vielleicht auch zu eintönig einlullend. Jetzt hatte ich fast ein Jahr lang Zeit, um mein Gefühl zu dieser Musik reifen zu lassen - und zu schauen, ob mich jenseits von Beach House noch eine andere Band live in den Bann ziehen wird.
Als ich im Comet Club ankomme, klingt die Vorband gerade aus. Zeit genug, um mich mal umzusehen, wie das Publikum von Tamaryn so ausschaut. Erwartet hätte ich einen Teil von "Gothic-New Wave" Anhängern - mit schwarzen langen Mänteln. Denn die Klänge von Tamaryn sind eher düster, verträumt. Soviel zu den Klischees.
Gekommen ist dann ein typischer Berliner Mix. Und der nette Comet Club war gut gefüllt. Grob geschätzt waren es dann 100-150 Gäste.
Unterstützt wurde die Sängerin Tamaryn live durch ihren langjährigen künstlerischen Wegbegleiter Rex John Shelverton sowie einem Schlagzeuger und einem Bassisten. Noch während die Pausenmusik lief, begann die Band ihr Set mit Mild Confusion. Tamaryn mit kurzem Rock und weit aufgeknöpftem "Männerhemd", kam wenig später mit auf die Bühne. Sie strahlte dabei eine mysteriöse Erotik aus. Wie ein gefallener Engel, mit ihren langen blonden Haaren. Das Hemd weit aufgeknöpft, abwechselnd die linke oder rechte Seite ihres BHs zeigend. Verrucht. Dazu das passende sehr gedämpfte Licht, nur wenige Effekte und immer wieder Nebel. Das kann auf mich schnell abstoßend wirken, wenn sich körperlich so angebiedert wird. Bei ihr und ihrer Musik wirkte es aber kunstvoll und hatte Flair.
Leider kommt ihre Stimme nicht so prägnant zur Geltung wie bei den Studioaufnahmen. Wie so oft ist es das Schlagzeug, das alles übertüncht. So wird aus dem zuckersüßen Love Fade eine Pop-Rock-Nummer. Schade.
Das lädt auch nur wenige Zuschauer ein, sich von diesem Rhythmus anstecken zu lassen. Denn im Gegensatz zum Schlagzeug, gefielen mir das Gitarrenspiel von Rex John Shelverton ausgezeichnet. Auch die Bassbegleitung war stimmig und passend.
Es gelang mir dennoch mit der Zeit an dieser Konstellation einen Gefallen zu finden. Auch das restliche Publikum gab sich begeistert.
Bis auf eine kurze Begrüßung am Anfang, wurde das Set ohne Worte oder Erklärungen heruntergespielt. Nicht einmal die Band wurde vorgestellt. Gefehlt hat mir die Ansprache ans Publikum nicht. Zu oft wiederholten sich schon die Ansprachen, wie cool, toll und einzigartig Berlin sei und was für eine Ehre es wäre, hier auftreten zu dürfen - gäääähn.
Während Rex John Shelverton sich engagiert körperlich seiner Gitarre hingab, bewegte sich Tamaryn geschmeidig bewegend, tanzend zu der Musik. Ein schöner Anblick.
Mein Favorit des Abends war The Garden. Ein guter Trost, denn mein Favorit des neuen Albums Violet´s In A Pool wurde an diesem Abend schändlicherweise ausgelassen. So schafften es nach vielleicht 30 Sekunden Bühnenabstinenz nur I´m Gone und Dawning in den Zugabenblock.
Resümierend ein gelungenes Konzert, das mich dem Dream Pop Genre wieder ein Stück näher gebracht hat. Beseelt durch die schöne Musik, machte ich mich dann zu Fuß auf den Heimweg an der alten Mauergrenze entlang zwischen West- und Ostberlin. Die kalte Winterluft und die Leichtigkeit alte Grenzen einfach so überschreiten zu können, begleiten mich. Ein gelungener Abend. Setlist Tamaryn, Comet Club, Berlin: 01: Mild Confusion 02: While You´re Sleeping, I´m Dreaming 03: Haze Interior 04: Heavenly Bodies 05: Love Fade 06: No Exits 07: Afterlight 08: The Garden 09: The Waves 10: Prizma
Konzertdauer: 30min. (Luisa); ca. 60 min. Mina Tindle
Berlin liegt unter einer dicken Schneedecke. Auf dem Weg zu meinem zweiten Konzert von Mina Tindle in diesem Jahr, erinnere ich mich gerne an das sommerliche Wetter im Mai zurück. Damals gastierte sie im wunderschönen (und leider an diesem Ort geschlossenen) Privatclub. Ihr damaliges Konzert hat mich begeistert und so war für mich schnell klar, dass ich die Gelegenheit, sie erneut in Berlin zu erleben, nicht verpassen möchte. Der eisige Wind peitsche mir ins Gesicht, als ich die letzten Meter zum Privatclub lief. Im Vorfeld war ich doch ein wenig enttäuscht, denn eigentlich sollte Mina Tindle im Festsaal Kreuzberg auftreten, was in Berlin schon ein Sprung nach oben gewesen wäre. Mir persönlich soll es recht sein, wenn großartige Künstler in kleinen Clubs auftreten. Nur begleitet mich dann auch immer die Sorge, dass sie irgendwann Berlin meiden.
Zu allererst betritt aber die bezaubernde Lùisa mit einem vorsichtigen "Hallo zusammen..." die Bühne. Das sie bezaubernd ist, kann ich schon vor ihrem Auftritt sagen, denn ich erlebte sie schon zwei Wochen zuvor bei der TVNoir Aufzeichnung im Heimathafen Neukölln, bei der sie vor ausverkauftem Haus und großen Publikum neben der Musik so einige knifflige Aufgaben zu lösen hatte. Das Konzept dieser Show besteht darin, etablierte Künstler mit Newcomern an einem Abend zusammenzubringen. Mit viel Selbstbewusstsein, Courage und Charme bewegte sie sich auf Augenhöhe mit Moneybrother. Sie beginnt ihr Set mit Springrainair. Nur mit ihrer Akustikgitarre und ein wenig Hall. Ich mag ihre Stimme, die sich mit ihrem dunkel gefärbtem Timbre, wie Gudrun so schön vom Konzert in Mannheim berichtete. Während ihre Gitarre noch von der Anreise unterkühlt war, ist Lùisa ganz und gar nicht. Im Gegenteil, sie ist stolz und dankbar zugleich mit Mina Tindle, die sie sehr schätzt, zusammen auf Tour zu sein. Sie erhält nicht nur Dankbarkeitsapplaus, wie oft üblich bei Vorbands, sondern Johlen und Pfeifen. Ein Zeichen, dass sie das Herz des Publikum eroberte. Wie schön sie die einzelnen Elemente in Belong mit der Loop-Machine verknüpft. Was so leicht ausschaut, braucht sicherlich viel Übung. Atmosphärisch ist es wunderbar.
Ein Highlight war für mich ihr französisches Lied La cause. Die französische Sprache steht ihr sehr gut. Ihr Tourabschlusskonzert beendet sie dann mit meinem Favoriten des Abends: Heart-made failure. Ich freue mich auf weitere Konzerte in Berlin im kommenden Jahr, auch wenn sie aktuell noch in Hamburg lebt (was ich gar nicht verstehen kann).
Die Umbauten sind nicht weiter aufwendig, die Instrumente stehen ja schon bereit.. Den Abend beginnt die Band mit Time Writer - ganz ohne instrumentale Unterstützung. Auch an diesem Abend hat sie diese bezaubernde Ausstrahlung, die sie einzigartig macht. Ihr Lächeln ist so gewinnend. Dazu noch ihr schickes Kleid.
Die Band ist die gleiche wie im Mai, Olivier Marguerit an den Keyboards, Trompete und Trommeln sowie Guillaume Villadier am Bass, Gitarre und Glockenspiel. Nach The Kingdom, welches mir sehr gut gefiel, schon mit Pan der erste Höhepunkt des Konzertes. Die minimalistische und entschleunigte Liveversion von Pan ist zum dahinschmelzen. Unterstützt wird sie dabei sehr gekonnt und stimmungsvoll durch ihre beiden Bandkollegen. Die Stimme von Olivier gefällt mir dabei besonders. Überhaupt sind ihre beiden Musiker perfekt auf sie und miteinander aufeinander abgestimmt. Olivier, der kleine Schelm, der immer wieder mit Pauline aka Mina Tindle kleine Spässe macht und sie ihm deutlich ihre Dankbarkeit für seine gute Seele zeigt. "Danke very schön"! Too Loud widmet sie all den Frauen die, wie sie, in der Öffentlichkeit zu laut reden. Kaum vorstellbar bei dieser zarten Stimme. Wie auch schon Pan, so wird auch Too Loud in exzellenter Qualität vorgetragen. Kleine technische Probleme werden mit viel Humor hinweggelächelt.
Während Henry auf der CD kaum auffällt, so ist es live fast eine epische Hymne. Dafür sorgt auch die Dramatik des Schlagzeugs und der druckvolle Bass. Nach dem fetzigen Sister durften wir zu To Carry Many Things den Takt mitklatschen, was sogar richtig Spass machte. Zu Echo macht Olivier wieder Schabernack, dass Mina Tindle das Lied dreimal neu beginnen musste. Ihre Erklärung "It´s a sad song" wurde mit viel Gelächter im Publikum aufgenommen. Der dritte Versuch klappte dann und es wurde ein weiteres Highlight für mich. Wie Olivier mit der einen Hand das Keyboard bediente und mit der anderen Hand die Trompete war sehr schön anzusehen, auch wenn nicht jeder Ton perfekt getroffen wurde, der Kerl hat Charme und schon wurde übergeleitet zu Demain. Es fängt ganz zart und fragil an und steigert sich immer weiter, um dann gegen Schluss wieder versöhnlich zu enden. Das lustige Glockenspiel kommt dann bei Lovely Day zum Einsatz. Als Kind stand ich immer ganz fasziniert am Straßenrand, wenn ein Spielmannszug vorbei ging - mit ihren Trommeln und ihre vielen Glockenspielen, die alle im Einklang die kleinstädtische Tristesse ein wenig farbenfroher machten. Es ist schön mich nun wieder daran zu erinnern. Zu Austin durfte dann auch ihr Tourbetreuer und guter Freund Raphael mit auf die Bühne. "Thank you very schön". Um ihr Fieber, mit dem sie auf der Bühne steht ein wenig zu kurieren, ordert sie mit viel Nachdruck einen Wodka. Die dann gespielte Version von The Good verzauberte den Raum. Mina Tindle versteht es ihre Zuhörer zu bezirzen. Ihr liebreizender Charme ist eine wahre Wonne. Kurz darf auch das Publikum ein paar Vokale mitsingen. Sie beschließt mit Os Argonautas ihr sagenhaftes Konzert.
Der Merchandising Stand sind dieses Mal behelfsmässig zwei aufgestellte Barhocker links und rechts am Ausgang, auf denen jeweils Mina Tindle und Lùisa von vielen neuen und alten Fans belagert werden. Ein schöner Anblick, der Mut macht, dass Mina Tindle ihren Erfolg in Berlin weiter ausbauen kann und auch Lùisa sich fest in der Musikszene etablieren wird. Links: Lùisa: http://www.listentoluisa.com/ Mina Tindle: http://minatindle.com/
Lediglich ein schnöder hingeklebter Zettel mit dem Namen des Comet Clubs plus Pfeil deutet in Richtung Eingang. Der typische Berliner Gestank nach Urin und Autoabgasen umweht meine Nase. So ist Berlin Kreuzberg: rotzig und stinkig und das zieht auch die Gäste magisch an.
Ich setze mich mit meiner Begleitung auf die Holztreppe in der hinteren Ecke des Clubs und genieße die Ruhe für ein wenig Small-Talk.
Um kurz nach neun kommt ein Typ in Schwarz auf die Bühne, von dem man erst nicht genau weiß, ob er ein Techniker ist. Er fummelt an den Instrumenten und vor allem am obligatorischen MacBook rum. Pikachunes nennt er sich und ist die heutige Vorband.
Aha, wieder ein Laptop-Held. Wir sind skeptisch. Dann legt er los. Das Mikrofon in der Hand und klingt ein bisschen wie kitschiger Disco-Pop und EBM. Die Stimme ist nicht übel - elektronisch stark verzerrt ist sie dennoch markant und interessant. Ab und zu ruckt er etwas übertrieben mit dem Kopf herum - das mag seine Art sein - oder ein wenig Lampenfieber. Sei es ihm gegönnt. Von Stück zu Stück entwickelt er sich, die Musik ist durchaus Dancefloor-kompatibel. Das Publikum zieht es mehr und mehr zur Bühne - und es tanzt ausgelassen mit - es wird vor Entzückung gejohlt und gepfiffen. Ich selbst fand den Live-Act sehr ansprechend - sogar noch besser als sein Studioalbum. Ein gelungener Einstieg in den Abend.
Der Club füllt sich mit der Zeit und es sind wohl an die 50 Gäste. Das ist nicht überragend, aber für den ersten Auftritt in Deutschland doch recht respektabel. Die Anwesenden sind auch gut gelaunt und applaudieren als die Band die Bühne betritt. Die Sängerin Chelsea Nikkel kommt mädchenhaft grinsend auf die Bühne - begleitet wird sie von Pikachunes, der dieses Mal hinter dem Schlagzeug Platz nimmt, sowie von Jonathan Bree, der mir durch das schnuckelige Video zum Cigarette Duet bekannt wurde. Dazu noch die Keyboarderin Jamie Lee Smith.
Chelsea Nikkel grinst über das ganze Gesicht, als sie die Bühne betritt und das geht wohl das ganze Konzert so weiter. Sie und ihre Band spielen eine Mischung aus lustiger Jahrmarktsmusik - und in meinen Kopf kommt schnell Kettenkarussell und Zuckerwatte. In letztere Zuckerwatte wird das Publikum immer mehr und mehr eingelullt, Princess Chelsea ist dabei wie eine liebe Spinne, die uns langsam mit fröhlichem Lächeln umgarnt. Nicht in böser Absicht, sondern einfach nur aus Lust und Laune. Wie ein schönes Spiel. Dieses Bild bleibt auch trotz zwischendurch immer mal wieder krachigerer Töne bestehen.
Dass Princess Chelsea keine Eintagsfliege sein wird, zeigt sich nicht nur durch ihre Spielfreudigkeit, sondern auch, dass sie schon neue Songs im Gepäck hatte. Als sie mit Your Woman einen alten Klassiker von White Town mit Glockenspiel und Feenstimme coverte, lagen ihr die Herzen des Publikums zu Füssen. Zu süss war es mit anzusehen, wie sie mit viel mädchenhaftem Charme ihre Musik präsentiert.
Der Sound im Comet ist satt und gut. Nicht zu laut - und trotzdem druckvoll. Es wird behutsam mit der Band und dem Publikum umgegangen. Das tut gut.
Richtig Spaß machen mir das beglückende Monkeys Eats Bananas. Danach folgt wohl ihr bekanntestes Lied - das Cigarette Duet mit Gesangspartner Jonathan Bree. Dessen einprägsame Stimme ist wohl die optimale Ergänzung zur zu der von Chelsea Nikkel. Schade eigentlich, dass es das einzige Duett der Beiden ist. Vielleicht erwartet uns auf künftigen Platten mehr davon. Zumindest scheint das Lied sehr für den Erfolg der Band gesorgt zu habe. Es folgt Ice Reign, welches atmosphärisch mit Regengeräuschen untermalt ist. Overseas, mein Favorit des Abends, bei dem Chelsea niedlich den Klöppel vom Glockenspiel schwingt. Krönung ist dabei das kraftvolle Schwingen eines roten Klangschlauchs (ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung mehr, wie man das nennt), welches wir alle wohl aus Kindertagen kennen. Zwar ist das Heulen des Schlauches nicht wirklich zu hören, aber in der eingelullten Traumwelt ist das auch nicht wirklich wichtig. Da sind auch teils stimmliche Schwächen durchaus verzeihlich und wohl eher ein Markenzeichen als ein Makel.
Man ahnt, dass das Schwingen des Schlauches ordentlich Kraft kostete und so ist nach Goodnight Little Robot Child das Konzert nach einer guten Stunde vorbei. Und weil Chelsea eine liebe Spinne und eine gute Fee zugleich ist, zaubert sie die Zuckerwatte in unsere Herzen und wir können beschwingt und bezaubert aus der Traumwelt entschwinden. Der Band wird es wohl ähnlich gut gefallen haben und so bin ich guten Glaubens, dass ich Princess Chelsea wohl bald wieder in Berlin begrüßen darf.
Setlist Princess Chelsea, Comet Club, Berlin:
01: Machines Of Loving Grace 02: Yulia 03: Positive Guy 04: Your Woman 05: Frack 06: Monkey Eats Bananas 07: The Cigarette Duet 08: Ice Reign 09: Overseas 10: Good Night Little Robot Child
Konzert: Still Corners Ort: Comet Club, Berlin Datum: 10.03.2012 Zuschauer: nicht ausverkauft ca. 100 Konzertdauer: 60 Minuten
Text und Fotos von Markus aus Berlin
Da stimme ich mich den Tag über mit der neuen CD von Still Corners ein - setze mich früh genug in die Straßenbahn - durchquere auf Schienen den Prenzlauer Berg - passiere die Bezirksgrenze zum Friedrichshain und träume vor mich hin, als mich die Großstadtrealität einholt. Ein stark alkoholisierter Rowdy kam in der Bahn auf mich zugesteuert, um sich dann mit seinen gefühlten 150kg auf meinen Schoß zu setzen. Der Musik von Still Corners sei Dank, war ich den Tag über so weichgespült, dass ich die Situation friedlich und entspannt lösen konnte. Ich schaffte es irgendwie mich aus der Masse dieses Menschen herauszuwinden und begab mich auf Sicherheitsabstand.Was hätte alles passieren können, wenn ich den Tag über Metallica oder Slipknot gehört hätte? Vielleicht haben mir Still Corners mein Leben gerettet.
Der kleine Comet Club war nicht ausverkauft - es fanden sich ca. 100 Andere außer mir dort ein. Hinter der Bühne war großes weißen Baumwolltuch aufgehängt. Als das Konzert um 21:30 losging, wurden auf dieses Tuch diverse experimentelle Videokunst-Filmchen projiziert, wie man diese auch schon aus den Videos der Band kennt. Mit dem Beginn des ersten Stückes „Graham´s Theme“ - einem reinen Instrumentalstück, begann auch das Wirken der Nebelmaschine. Sphärische Klänge, Nebel und fahles Licht werden sich das ganze Konzert über wie ein roter Faden durchziehen. Nachdem ich meinen persönlichen Horrorfilm schon in der Straßenbahn erlebt habe, war ich nun neugierig auf den Soundtrack der Londoner. Enya meets Goldfrapp. Ab dem dritten Lied setzte der Gesang von der zuckersüßen und feenartigen Sängerin Tessa Murray ein. Ihre langes blondes Engelshaar hing weit ins Gesicht. Sie hauchte jeden Ton und jede Silbe. Ein wahrlich wunderbarer Anblick. Der zweite Hälfte von Still Corners, Greg Hughes, war bis auf die zwei Zugaben am Ende des Konzertes hinter dem Schlagzeug.Unterstützt wurden die Beiden von Leon Dufficy an der Gitarre und sowie Luke Jarvis am Bass, die beide souverän und engagiert mitspielten.Es folgten noch weitere Lieder des aktuellen Albums - darunter auch das düsterschöne „I Wrote In Blood“ (mein persönlicher Favorit), welches aus den anderen Liedern deutlich herausstach. Und da haben wir auch schon meinen größten Kritikpunkt an der Musik des Duo´s: Die Lieder sind sich live zu ähnlich. Was daheim im Wohnzimmer noch als Untermalung gut funktionierte, verlor sich auf dem Konzert. So sehr ich mich auch bemühte mich auf die Musik einzulassen so sehr mißglückte mir dieses. Normalerweise schafft der Zwischenapplaus eine kurze und erwünschte Unterbrechung, um seinen vorherigen Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich auf ein neues Lied einzustellen. Bei Still Corners störte diese Unterbrechung eher. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Band eine Videoprojektion im Hintergrund nutzt. Wären doch die Lieder eine perfekte Hintergrundmusik. Nachdem das normale Set abgespielt wurde, verschwand die Band von der Bühne. Zu der Zugabe kamen dann noch Greg Hughes, der sich dieses Mal eine Gitarre nahm, Tessa Murray sowie Leon Dufficy, der sich ans Schlagzeug setzte. Das Trio spielte dann zwei Coverversionen - zuerst I´m On Fire von Bruce Springsteen sowie das großartige Eyes im Original von Rouge Wave. Da wünschte ich mir, dass sich Frau Murray öfter trauen würde, ihre schöne Stimme mehr zur Geltung zu bringen.
Am Ende des Konzerts hatte ich das Bedürfnis die anderen Newcomer aus London lautstark zu hören: Veronica Falls. Ich hätte mir gewünscht, sie wären direkt im Anschluss auf die Bühne gekommen. Dann wäre der Konzertabend perfekt gewesen. So hatte ich am Ende des Konzerts das Gefühl, als würde noch etwas fehlen - als hätte die Band es bei mir nicht geschafft einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie blieben zu sehr im Hintergrund - trotz hoher Lautstärke, schönen Klängen und viel Engagement. Vielleicht ist es die Tragik von Filmmusik, dass sie nur mit den passenden Bildern einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen kann. Diese Bilder fehlten für mich. Der Rote Salon der Volksbühne und seine roten Sesseln und Sofas hätte der Musik sicherlich besser zu Gesicht gestanden, als der triste und fade Comet Club. Aber vielleicht kommt das ja noch.
Setlist Still Corners, Comet Club, Berlin:
01: Graham's Theme 02: Memory Mood 03: Cuckoo 04: Endless Summer 05: Submarine 06. History Of Love 07: The White Season 08: I Wrote In Blood 09: Hunter 10: Blue Eyes 11: Into The Trees
12: I'm On Fire (B. Springsteen) 13: Eyes (Rogue Wave)
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