Sonntag, 24. August 2008

The Notwist, Hamburg, 23.08.08


Konzert: The Notwist & Andromeda Mega Express Orchestra
Ort: Kampnagel, Hamburg (Sommerfestival)
Datum: 23.08.2008
Zuschauer: ausverkauft (1.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


"Hamburg? Nein, wir fahren nach Berlin!" Auf der Zugfahrt an die Elbe kamen wir uns wir auf dem Weg zu einem Comedyfestival vor. Die beiden Schaffner hatten viele Schalke im Nacken und ließen einen köstlichen Spruch nach dem anderen los. "Noch jemand zugestiegen. Und wenn ja, warum?" und als mein Sitznachbar ein Ticket kaufte, bat der Zugbegleiter noch um die Kreditkarte: "Bahnkarten habe ich schon so viele!" Die Ärzte mögen gute Unterhalter auf der Bühne sein, ihre Kollegen, Die Schaffner standen dem aber in nichts nach. "Willkommen im Zug nach Hamburg-Altona über Bremen, das schöne Harburg und Hamburg-Hauptbahnhof. Jetzt knutschen Sie nicht so lange am Bahnsteig rum, wir haben Verspätung und kommen nie pünktlich, wenn sie nicht sofort einsteigen." Nach dieser sehr kurzweiligen Fahrt und einer Durchquerung von Harburg, dem Schönen, kamen wir bestens unterhalten im Norden an, um am Abend etwas introvertiertere Menschen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Denn im Rahmen des Hamburger Sommerfestivals stand eine Besonderheit auf dem Programm, The Notwist sollten gemeinsam mit dem Andromeda Mega Express Orchestra auftreten, also mit dem Orchester, das bei den Aufnahmen des Albums The Devil, You + Me beteiligt war.

Ich war vorher nie bei Konzerten in Hamburg, aber natürlich kennt man die Clubs, in denen Bands auftreten, unter dem Kampnagel konnte ich mir jedoch nichts vorstellen. Mit dem Shuttlebus (ein toller Service der Veranstalter) fuhren wir dann quer durch Hamburg und kamen an einem stylischen Kulturzentrum auf einem ehemaligen Fabrikgelände an. Hanseatisch gesittet stellte man sich drinnen an einer der zahlreichen Türen zum Konzertsaal an. Richtig gut wurde es aber dann. "Liebe Notwist-Freunde, das Konzert verzögert sich noch ein wenig, da es technische Probleme gibt", kam aus Lautsprechern. Alles Relevante wurde angekündigt, man war ständig gut informiert.

Nach keiner allzulanger Verzögerung durften wir in den Saal. Die große Halle hatte einen kleinen Platz vor der Bühne und im Anschluß daran steil steigende Tribünen. Damit war unsere Frage geklärt, ob das Konzert bestuhlt sein sollte. Jein, es war zum Teil bestuhlt, denn der Platz zwischen Bühne und Tribüne füllte sich ruckzuck. Dumm für alle, die in den ersten Reihen saßen, denn die werden vermutlich nichts gesehen haben. Auch wenn das Hören mit Abstand das wichtigste Sinnerlebnis des Abends sein sollte, wäre der Verzicht auf die Möglichkeit, etwas vom Geschehen zu sehen, sehr schade gewesen.

Erst einmal war der Aufbau beeindruckend. "Orchester" meinte wirklich Orchester. Es waren Stühle für eine ganze Menge Musiker aufgebaut. Währenddessen bastelte Notwist Sänger Markus Acher noch am Ton, die Band ist ja nicht dafür bekannt, den Klang dem Zufall zu überlassen.

Kurz danach erschienen dann die vielen Musiker des
Andromeda Mega Express Orchestra. Das Orchester stammt aus Berlin, naja, es sitzt in Berlin, denn seine preisgekrönten Mitglieder kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern. Das Orchester spielt nach eigenen Angaben Klassik und Jazz. Diese Mischung beschreibt auch ganz gut das erste Stück des Abends. Von den Notwists war da noch nichts zu sehen. Die Band um die Gebrüder Acher erschien erst nach einigen Minuten zeitgenössischer Klassik, um dann zunächst vier eigene Lieder zu spielen, darunter das grandiose Pick up the phone.

Oh mein Gott, war der Klang fabelhaft! Daß Markus Acher auch eine blendende Live-Stimme hat, habe ich schon einmal erlebt. Das musste mich nicht mehr beeindrucken. Ich konnte mich also voll und ganz vom Klang und Volumen der musikalischen Unterstützung der bayerischen Band beeindrucken lassen. Und das machten sie sehr gut.

Nach This room verschwanden The Notwist wieder und überließen dem Kammerorchester die volle Aufmerksamkeit. Andromeda Dings (auch Markus Acher hatte Probleme mit dem Namen) spielten wieder drei teilweise sehr lange Stücke, deren Namen ich natürlich nicht kenne.

Und dann wieder mit The Notwist gemeinsam... Off the rail und Boneless in faszinierenden Versionen, anschließend - vielleicht als ein Luftholen - ein weiteres Instrumentalstück, denn es folgten mit
Neon golden, Pilot, Come in und Gloomy planets vier ganz große Knüller. Vor allem Pilot in der orchestral unterstützten Form war ein wahnsinniges Erlebnis! Come in kannte ich bisher noch nicht. Das Lied ist eine B-Seite von Boneless und wurde laut Ansage des Frontmanns zum ersten Mal gespielt. Auch Come in war ein echtes Highlight des Abends! Eine B-Seite?

Nach einer kurzen Pause - euphorisch durchgeklatscht - folgten die ersten drei Zugaben (bei der Länge des durchschnittlichen Notwist-Lieds eine stolze Anzahl!), Trashing days von Neon golden, ein
Andromeda Hastenichtgesehen Stück namens Armageddon und Hands on us von der aktuellen Platte.

Aber auch das reichte uns noch nicht. Als letztes spielten die Notwists Your signs von Shrink. Auch wenn Markus Acher viel geredet hat (zumindest mehr, als ich erwartet hätte), kam sein Unterhaltungswert nicht an die Zugbegleiter der Bahn aus dem schönen Harburg ran. Musikalisch allerdings kann kaum jemand The Notwist das Wasser reichen. Ergänzt durch ein fabelhaftes Orchester wird dies noch ungleich schwerer!

Setlist The Notwist & Andromeda Mega Express Orchestra, Kampnagel, Hamburg:

01: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental
02: Solo swim
03: Where in this world
04: Pick up the phone
05: This room
06: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental
07: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental
08: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental
09: Off the rail
10: Boneless
11: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental
12: Neon golden
13: Pilot
14: Come in
15: Gloomy planets

16: Trashing days (Z)
17: Andromeda Mega Express Orchestra instrumental (Armageddon) (Z)
18: Hands on us (Z)

19: Your signs (Z)

Links:

- The Notwist, Melt!, 19.07.08




3 Kommentare :

Christina hat gesagt…

Die Informationspolitik war wirklich beeindruckend. Die erste Durchsage kam, nachdem sich der Einlass (!) um 5 Minuten (!!) verzögert hatte. Ich hoffe, da waren Melt!-Veranstalter vor Ort, um mal ordentlich dazuzulernen.
Und ich glaube, die Notwist-Mitglieder verschwanden gar nicht von der Bühne, wenn das Orchester alleine spielte, zum Teil setzen sie sich einfach auf der Bühne auf den Boden und hörten zu :)

testspiel.de hat gesagt…

Hallo,

der zweite Song war übrigens "Solo Swim" von der gleichnamigen 2004'er EP.

Gruß,
Marc

Christoph hat gesagt…

Vielen Dank!

 

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