Samstag, 16. August 2008

Bloc Party, 15.08.08


Konzert: Bloc Party
Ort: Hauptbühne des Highfield Festivals, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 15.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 55 Minuten


Auf den Auftritt bei Bloc Party beim Highfield Festival 2008 war ich sehr gespannt. Aus meinem letzten Bloc Party Konzert, das ich 2007 im Pariser Olympia gesehen hatte, bin ich nämlich mit gemischten Gefühlen herausgegangen. Die Hits vom ersten Album „Silent Alarm" gefielen mir nach wie vor sehr, aber die damals nagelneuen Sachen vom Nachfolger „A Weekend In The City" gingen größtenteils an mir vorbei.
Wie würden die Londoner heute auf mich wirken?
Sind sie inzwischen unwiderruflich vom kleinen Indie-zum banalen Stadion Act verkommen?

Ich schaute auf die runde Uhr, die an der Seite der Bühne hing.
Sie zeigte 22 Uhr 37 an. Gleich sollte es los gehen...

Dann, kurze Zeit später der Einmarsch der Gladiatoren. „Hallo, wir sind Bloc Party", stellte sich Sänger Kele Okereke artig vor." Er war mit einer Baseball-Kappe auf dem lockigen Kopf erschienen und trug ein kariertes Hemd, das er bald ausziehen sollte, so dass oben herum nur noch ein originelles schwarzes T-Shirt mit Oberkörper-Skelett Aufdruck übrig bleiben sollte.
Oben auf der Bühne war es unter dem Scheinwerferlicht mit Sicherheit recht warm, unten im Publikum und im Fotografengraben, in dem ich mich befand, war es aber recht kühl, so dass man schon tanzen musste, um nicht zu bibbern.

Tanzen konnte man zum ersten Lied, dem neuen Titel „Mercury" schon recht gut, denn es hatte einen zackigen, elektronisch gefärbten Groove und einen einprägsamen Refrain zu bieten.
Trotzdem war es für mich der schlechteste Titel des rund einstündigen Sets, weil das Nervpotential recht hoch war.

Aber in der Folge wurde es mit jenem gespielten Lied besser. Schon mit „Hunting For Witches" wurde das Niveau verbessert und auch die Lautstärke noch einmal deutlich angezogen. Elektronischen Samples folgten wavige Gitarren und der unverkennbare Gesang von Kele. Der Mann war in Hochform, keine Frage! Er traf jeden Ton und greinte, weinte, flehte was das Zeug hielt! Mit seinem eindringlichen Gesangesstil traf er mich in Mark und Bein und ich fragte mich,
warum er mich beim letzten Konzert kaum berührte. Einfühlsam sang er dann auch die Einleitung zum „Song For Clay" (Disappear Here") und griff bei Sätzen wie „I am trying to be heroic" tief in die Kiste der Gefühlsduseleien. Dort wo er mich mit seiner immer recht weinerlichen Art beim letzten Mal nervte, erreichte er heute mein Herz: „When we kiss I feel nothing", oder „East London is a vampire", mit diesen geflehten Zeilen bewegte er etwas in mir.

Die Band selbst spielte mit enorm hohen Tempo, was zum Großteil Verdienst des famosen Schlagzeugers Matt Tong war, der schon immer zu den Besten bei Bloc Party gehörte.
Auch Russell Lissack ,der gertenschlanke Gitarrist mit der Poppertolle, hatte Zielwasser getrunken, seine Riffs kamen mal wavig schrammelig, mal melodisch und hochpräzise. Hinsichtlich der Besetzung gab es aber eine Überraschung, der ursprüngliche Bassist Gordon Moakes war nicht mehr dabei und wurde durch einen mir bisher unbekannten Blondschopf ersetzt, der seinen Part aber souverän übernahm.

Zurück zu den gespielten Songs: Der „Song For Clay" war noch nicht richtig verklungen,
da erkannten auch schon alle Fans den Beginn des Überhits „Banquet", der übergangslos abgefeuert wurde und nichts von seiner explosiven Kraft eingebüßt hatte. Ein tolles Stück Musik, das wohl jeder hier erkannte, auch die Leute, die sich sonst nicht gut mit dem Songmaterial von Bloc Party auskannten.

Eine Überraschung für mich war aber, dass das anschließende „Two More Years" so gut rüberkam. Auf CD fand ich das Lied immer ziemlich banal,
aber heute überzeugten vor allem die hübschen Gitarrenparts und machten aus dem erwarteten Langweiler ein zugkräftiges Lied.

Danach gab es dann einen nagelneuen Song, bei dem Kele textlich mehrfach widerholte: „I can be as cool (cruel?) as you", aber auch von „Fireworks" (vielleicht der Titel?) war die Rede.* Mister Okereke wunderte sich anschließend über die positive Aufnahme beim Publikum und bedankte sich mit den Worten: „You guys are awesome". Er gab aber auch zu, dass er heute etwas nervös sei,
da er so wenig deutsch spreche. Sein Drummer lebe aber in Berlin, er solle doch einmal etwas Lustiges sagen. Dem perplexen Kerl fiel daraufhin nur dieses hier ein: „Ich möchte eine kleine Kaffee. Schworz" (man achte auf die witzige Aussprache von schwarz!).

Aber hiermit war erst einmal genug geschwätzt worden, man konzentrierte sich wieder auf die Musik. „This Modern Love" war herrlich melodiös und mitreißend („jump right, jump left") und zeigte ungeahnte Hitqualitäten. „Pray" danach gefiel mir einen Tick schlechter, aber schon mit „So Here We Are" kamen die hübschen melancholischen Gitarren zurück. Für mich war dieses herrlich luftige und sphärische Stück von „Silent Alarm" eines der schönsten des gesamten Festivals!

Das letzte Drittel des Konzertes wurde bestritten mit dem nach wie vor glänzenden „Like Eating Glass", dem Prince Cover „I Would Die For you",
das sehr elektronisch und schwungvoll rüberkam und dem ebenfalls synthetischen „Flux".

Was allerdings die gegröhlten Fangesänge von „Seven Nation Army" bei einem Bloc Party Konzert zu suchen hatten, wurde mir nicht ganz klar.

Selbstverständlich etwas auf einem Bloc Party Konzert zu suchen, hatte aber der nach wie vor größte Hit der Londoner: „Helicopter" bildete standesgemäß den Abschluss eines äußerst gelungenen Festivalauftritts und belegte eindrucksvoll, dass man die Band keineswegs abschreiben sollte. Im Gegenteil, Bloc Party haben mich mit diesem tollen Konzert als Fan zurückgewonnen!

Setlist Bloc Party, Highfield Festival:


01: Mercury
02: Hunting For Witches
03: Song For Clay (Disappear Here)
04: Banquet
05: Two More Years
06: One Month Off
07: This Modern Love
08: The Prayer
09: So Here We Are
10: Like Eating Glass
11: I Would Die For You (Price Cover) übergehend in
12: Flux
13: Helicopter

* das neue Lied heisst "One Month Off" und findet sich auch auf dem dritten Album wieder. Danke auch an Philipp für den Kommentar diesbezüglich!

Links:

- noch viel mehr Bilder von Bloc Party auf dem Highfield 2008 hier






1 Kommentare :

Philipp Arnold hat gesagt…

Das Lied mit der Zeile "I can be as cruel as you" heißt "One Month Off" und ist auf dem neuen Album!

 

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