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Montag, 30. September 2019

Woog Riots & Hutch Harris, Wiesbaden, 28.09.19

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Konzert: Woog Riots & Hutch Harris
Ort: Schlachthof, Wiesbaden (Kesselhaus)
Datum: 28.09.2019
Dauer: Woog Riots knapp 40 min, Hutch Harris knapp 55 min
Zuschauer: bis da ca. 100




Früher hatte ich für solche Gelegenheiten eine passende Konzerttasche. "Ich bin wegen der Vorgruppe hier", stand auf der. Die hatte ich mir irgendwann machen lassen, weil mein Verhalten, auch gerne mal nach dem Support zu gehen, bei vielen als verhaltensauffällig galt. Aber wenn Wolf Alice auf einer Tour eben nur vor alt-j spielen, bleibt einem doch nichts anderes übrig. Daher die Tasche. Keine Ironie.

Samstag war ich gleich wegen zwei Vorgruppen da, eigentlich war es also wieder ein normales Konzert. Unter anderen Umständen hätte ich mir International Music auch angesehen, nur ließen das die nichtanderen diesmal nicht zu. Wenn man eine Gruppe, die man liebt und den Sänger der besten Band der Welt gemeinsam an einem Abend sehen kann, ist es aber auch eigentlich egal, ob danach noch etwas kommt.


Daß die Woog Riots toll sind, habe ich schon häufig betont. Die "berühmteste Protestband aus Darmstadt" spielte schon die beiden wichtigsten Festivals meiner Indiepop-Welt, das Indietracks und ähm, das Cologne Popfest. Im März erschien das bereits sechste Album des Duos Silvana und Marc (Cut-up and paste), das durchweg großartig ist und - machte ich solche Listen - mit Tampere - Manchester of the North einen sicheren Kandidaten für eine Jahres-Top-5 enthält.

Das Konzert begann mit Alan Rusbridger, dem Lied über den ehemaligen Guardian-Chefredakteur, der eine wichtige Rolle bei der Veröffentlichung der Snowden-Dokumente gespielt hat, 2013, als sich gigantische Skandale noch lange in den Nachrichten hielten und nicht wie heute montags von noch viel größeren Skandalen wieder abgelöst und ins Vergessen geschickt werden. 

Daß Alan Rusbridger (Mensch) eine Rezension über Alan Rusbridger (Album) geschrieben hat, ist eine meiner Lieblingsmusikgeschichten. Es folgten - in Blöcke unterteilt (Protestsongs, Lieder über Städte...) - vor allem Lieder vom neuen Album Cut-up and paste. Und jede Menge Instrumente. Silvana spielt Keyboard, Otamatone, Stylophone und Melodica, Marc Gitarre und iPod. So entstehen diese fantastischen Elektropop-Songs über diese fiesen Kreuzfahrt-Giganten in Venedig, über Das Kapital oder den Busfahrer. Es war wie immer ein riesiger Spaß!



Zum letzten Stück To all you racists kamen die beiden von der Bühne und sangen unverstärkt. Ganz voll war das Kesselhaus des Schlachthofs noch nicht. Die, die mitbekommen hatten, daß es früh losgeht und die wie ich nicht supportphob sind, hatten großes Glück!

Setlist Woog Riots, Schlachthof, Wiesbaden:


01: Alan Rusbridger
02: Oxford
03: Last beat
04: Cut-up and paste
05: Hello bus driver
06: People reading Marx
07: Tampere - Manchester of the North
08: Tokyo plastics
09: Monstrous monsters
10: People working with computers
11: To all you racists



Nicht weit von Wiesbaden weg gab es früher das beste Festival, das Phono Pop in Rüsselsheim. Meine großen Lieblinge The Thermals aus Portland konnte ich da zweimal sehen, 2007 und 2013 und natürlich waren beide Konzerte herausragend, weil das alle Auftritte der Thermals waren.

Die Thermals lösten sich im April 2018 auf, vorher machte einmal die Nachricht die Runde, die Band wolle nicht mehr touren. Mein letztes Konzert war 2013, viel zu lange her für eine Band, die ich so liebe und seit 2006 immer wieder gesehen habe. Ein paar Monate nach der Auflösung erschien neue Musik von Bassistin Kathy Foster und von Gitarrist Hutch Harris. Hutches Platte Only water kaufte ich sofort digital (die CD-Version - Auflage 50 - blieb wohl wegen der schrecklichen Portokosten amerikanischen Fans vorbehalten). Die Hoffnung auf ein Konzert hatte ich aber aufgegeben, denn dieses "keine Lust mehr auf Touren", war fest in meinem Kopf. Glücklicherweise nicht in Hutchs...  

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde. Daß Hutch alleine und mit akustischer Gitarre auftreten würde, meine ich damit nicht, das schien mir klar zu sein. Aber was würde er spielen? Vor allem wohl Songs seiner gelungenen Solo-Platte. Und vielleicht something Thermals und ein, zwei Cover?


Schon die ersten vier Lieder waren Thermals-Songs. Seine Setlist lag nah vor mir, ich vermied aber Spoiler. Sie sah aber lang aus und war sehr einsilbig, immer nur ein Wort oder eine Abkürzung, so wie immer. Nach dem Thermals-Start folgten die ersten beiden Solo-Lieder von Hutch. I will try to forget you und No river left. Weil er die alten Band-Stücke in gleicher akustischer Form spielte, fiel kein großer Unterschied zwischen den neuen und alten Songs auf, also schiene die Solo-Platte wohl auch in Punkband-Arrangements zu funktionieren. Nur erscheinen mir die neuen Texte  trennungsbezogener. "Yesterday you held me lying on the bed. Now I know I’ll lie alone and hold you in my head." 

Auch wenn auch später noch einmal drei Solo-Lieder kamen, spielte Hutchs frühere Band die Hauptrolle. Als Thermals-Ultra mochte ich das sehr, seine eigene Platte ist aber auch so gut, daß der Sänger ruhig mehr davon hätte spielen wollen, es wäre kein schlechterer Abend werden können. Aber was jammere ich? Ich durfte noch einmal eine Zugabe aus 13 The-Thermals-Songs hören, darunter drei, die ich nie live gesehen habe und ganz viele der großen Hits (Test pattern, Back to grey, I let it go...).

Dummerweise vermisse ich die Thermals jetzt wieder ein Stück mehr. Aber die Aussicht, Hutch jetzt vielleicht ab und zu wieder auf einer Bühne singen und schreien zu hören, macht das erträglicher.

Setlist Hutch Harris, Schlachthof, Wiesbaden:

01: I let it go (The Thermals)
02: When I was afraid (The Thermals)
03: Faces stay with me (The Thermals)
04: The sunset (The Thermals)
05: I will try to forget you
06: No river left
07: Test pattern (The Thermals)
08: St. Rosa and the swallows (The Thermals)
09: Back to gray (The Thermals)
10: I hold the sound (The Thermals)
11: Anything is possible
12: You can believe me now
13: You and yesterday
14: The walls (The Thermals)
15: Thinking of you (The Thermals)
16: An endless supply (The Thermals)
17: God and country (The Thermals)
18: A pillar of salt (The Thermals)

Links:

- aus unseren Archiv:
- Woog Riots, Köln, 30.03.16
- Woog Riots, Darmstadt, 19.09.13
- Woog Riots, Berlin, 22.05.08
- The Thermals, Köln, 23.10.13
- The Thermals, Rüsselsheim, 13.07.13
- The Thermals, Dortmund, 30.07.11
- The Thermals, Frankfurt, 15.04.11
- The Thermals, Köln, 03.04.11
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06


Samstag, 23. April 2016

Afenginn, Wiesbaden, 22.04.16

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Konzert: Afenginn
Ort: Walhalla in Wiesbaden
Datum: 22. April 2016
Dauer: 110 min + Pause
Zuschauer: etwa 30


Für mich ist gerade Konzertweihnachten mit vier Feiertagen. Am Donnerstag begann die große Bescherung mit einem Konzert der Locas in Love in Karlsruhe. Am Freitag ging es nach Wiesbaden in die Walhalla um die grandiosen Afenginn zu sehen. Sie spielen zwar etwas öfter als die Locas, aber meist gibt es nur eine Gelegenheit pro Jahr und dann muss man es nehmen, wie es kommt. Es gibt dabei stets zwei große Pluspunkte: (1) Es sind immer besondere und einladende Auftrittsorte; (2) Die Konzerte sind mitreißend und passen in keine mir bekannte Schublade.
 


Letztes Jahr war ich ihnen im Sommer nach Basel (eigentlich auf ein Städtchen bei Basel) nachgereist. Das lag einerseits daran, dass vorher leider mein Plan, alle meine Freunde in Weimar auf das dort für den März geplante Konzert zu nötigen, geplatzt war, weil sich Kim Nyberg auf der Tour in Australien (am Jahresbeginn) schlimm verletzt hatte und noch nicht wieder fliegen durfte. Und andererseits gab es in Riehen als Bonus eine Aufführung mit lokalem Chor. Das war wirklich beeindruckend. Dieses Jahr begann ihre deutsche Tour mit dem brandneuem Album Opus in Wiesbaden, was zugleich der für mich am bequemsten zu erreichende Konzertort war (alle weiteren Daten finden sich unten).
 


Es trifft sich natürlich nun gut, dass ich gleich ein wenig berichten kann, wie mein Eindruck vom Wiesbadener Konzert ist, um vielleicht den Appetit für andere anzuregen. Zunächst war ich sehr neugierig auf das Walhalla. Ich hatte gerade kürzlich noch Fotos vom Auftritt der The Lake poets dort gesehen (die ja dann kurz später bei uns in Karlsruhe Station machten) und es sah irgendwie schaurig schön aus. Ein Ort wie geschaffen dafür, mal für einen Abend bei  "Normalität" die Pausetaste zu drücken. Mit seinen großen barocken Spiegeln und den gigantischen Lüstern gefiel es mir sofort, zumal der Zahn der Zeit schon heimlich (unheimlich?) alles ein wenig ins irrwitzige gerückt hat. Hier kann man gut feiern, am Leben zu sein und dabei die Vergänglichkeit umarmen, die allem Leben innewohnt. Also ein Ort wie geschaffen für die Musik von Afenginn.
 


Als ich kurz nach der angegebenen Einlasszeit ankam, war die Band selbst wohl noch nicht so lange da und gerade mit dem Soundcheck beschäftigt. So hieß es noch etwa 40 min warten, bis wir eingelassen wurden. Ich war in dem Moment sehr froh, dass ich mich im Vorfeld dafür entschieden hatte, mir eine Übernachtung zu suchen, denn die letzte halbwegs zumutbare Verbindung würde ich so wohl nicht mehr schaffen, wenn ich bis zum Ende des Konzerts bleiben wollte.
 

Die Bühne war in etwa vorbereitet, wie ich es erwartet hatte. Am auffälligsten waren das Schlagwerk rechts vorn und die Marimba links hinten und außerdem ein Kontrabass rechts hinten. Vorn gab es Viola und Geige, eine großen Mandoline (Kim sagte mir später, das sei eine Mandola) und die immer wieder für mich eindrucksvolle Bassklarinette am Bühnenrand. Als die Künstler kurze Zeit später auf die Bühne traten, waren für mich einige neue Gesichter dabei. In Deutschland ist Afenginn diesmal unterwegs mit

Kristoffer Nybye - Klarinette und Bassklarinette
Alexander Kraglund - Violine und Viola
Kim Nyberg - Mandoline und Mandola
Nils Bo Davidsen - Kontrabass
Knut Finsrud - Schlagwerk
Kaare Munkholm - Marimba
 

und Roma Komar sorgt für den perfekten Sound. Nachdem ein Räucherstäbchen feierlich entzündet worden war, ging es für eine Stunde durch drei Teile von Opus. Ich hatte mich in den letzten Wochen schon mit der neuen Musik vertraut gemacht. Sie ist - wie der Name schon ein wenig vermuten lässt - noch etwas mehr in Richtung klassisch gegliederte Werke gegangen ohne die Prise Geheimzutat zu verlieren, an der man Afenginn auch drei Meilen gegen den Wind erkennen muss.
 

Richtig deutlich wurde mir das im zweiten Teil des Konzertes, wo sie auch noch einmal Lieder aus dem Album Bastard Etno auspackten, wo es derbe tanzbar zur Sache geht und auch gestampft und gebrüllt wird (der Name ist Programm). Das alles wird man auf dem aktuellen Album nicht finden. Allerdings war die Live-Darbietung nicht weniger intensiv, fesselnd und ganz und gar mitreißend, aber es spielte sich die Spannung und Dynamik auf einer anderen Ebene ab.
 

Während des Konzertes habe ich daran denken müssen, dass die Briten in ihren Sagen das Reich der Fairy kennen. Das kennt man als Wort zwar von den Fairy Tales - die übliche Übersetzung für Märchen. Aber die Mythologie dahinter ist nicht die gleiche wie das was wir aus unseren Märchen kennen (selbst wenn man die weichgespülte Disney Variante nicht mitzählt, sondern sich an die alten Texte hält). Fairy ist mehr so eine Art Anderland mit anderen Gesetzen, die eigentlich nicht für Menschen gemacht sind. Zeit ist völlig verbogen und für menschliche Sinne nicht messbar, es gibt viele Kräfte, die unbeschreiblich (fast unmenschlich) wunderbar sind und Lebensfülle möglich machen, wie es sie auf unserer Erde nicht gibt, aber auch vieles, das man lieber meidet inklusive  unsagbar schrecklicher Abgründe. Als Mensch ist man eigentlich gut beraten, sich von all dem fern zu halten. Wir passen da nicht hin. Wobei natürlich das Faszinosum bleibt und die Anziehungskraft gemischt mit Angst und Schrecken.
 

Mir schien es so, als würde uns die Darbietung der neuen Platte Opus ein wenig nach Fairy entführen, ohne dass wir uns den normalerweise damit verbundenen Gefahren aussetzen mussten. Ein Stück wurde der Vorhang zwischen den Welten gelichtet, der Blick geweitet und Möglichkeiten spürbar, die nicht ganz von dieser Welt schienen. Nicht Märchen Eiapopeia, sondern viel Ringen und Auseinandersetzung. Aber selbst darin war eingeschrieben, dass wir nur fasziniert und ohne Angst und Schrecken zuhören konnten. Die Musiker gaben alles, es floss Schweiß in Strömen, es flogen glückliche Blicke, manchmal war die Konzentration förmlich greifbar. Aber all das gelang so wunderbar, dass es ein großes Fest der Lebensfreude wurde.
 

Nach der Pause gab es noch Musik vom Album Lux, die mir inzwischen so ans Herz gewachsen ist, dass ich Passagen im Kopf mitsingen kann und natürlich noch ein paar Reißer, ein wenig abschütteln der Kopfarbeit vom ersten Teil und da war es wirklich schwierig, auf dem Stuhl sitzen zu bleiben. Als Zugabe wurden wir dann wohlkalkuliert mit Lumir (dem Stück mit dem Kunstworttitel aus finnischem Schnee und russischem Frieden) wieder befriedet und mit ruhigerem Herzschlag heimgeschickt.
 

Das Publikum bestand zu einem guten Teil aus Leuten, die schon Konzerte von Afenginn erlebt hatten und deshalb hoch gespannt und vorfreudig waren. Sie alle wurden nicht enttäuscht. Im Gegenteil, es gab restlos begeisterten Applaus, viele viele Käufe in der Pause und nach dem Konzert und auch viele persönliche Dankesworte für die Musiker.
 

Nun bin ich gespannt, wie es heute Abend mit meinem Konzertweihnachtsfest und dem Konzert von Árstíðir weitergehen wird. Ich klopfe dreimal auf Holz, dass es mit der Zugfahrt klappt. Wenngleich Esslingen näher als Wiesbaden ist, macht es die Bahn doch (von Karlsruhe aus gesehen) zu einem Ort hinter den Bergen bei den sieben Zwergen und legt auch noch Schienenersatzverkehr zwischen Pforzheim und Karlsruhe auf die nicht einmal 100 km Entfernung.
 

Setlist:
01: Intro
02: Burdrone
03: Guzzy
04: Luna Televisio
05: Quicksilver
06: Plantaris
07: Lentoperho
08: Vespersons
09: Tabbouleh Rasa
10: Rasendé Tabul
11: Ether
12: Akkapolska


- Pause -


13: Lux
14: Paxima
15: Kostbar
16: Iguana Segregatis
17: Perky Pearl
18: Tattar Humppa

19: Lumir (Z)
 


Tourdaten

22.04. Wiesbaden Walhalla Spiegelsaal
23.04. Geislingen Rätschenmühle
24.04. Konstanz Kulturzentrum K9
27.04. Waldshut-Tiengen ALI Theater
28.04. Augsburg  Kulturhaus Kresslesmühle
29.04. Dresden  Dreikönigskirche
02.05. Berlin  Roter Salon / Volksbühne
03.05. Hamburg  kukuun
04.05. Bremen Sendesaal
05.05. Bielefeld Neue Schmiede Bielefeld


Noch mehr Fotos sind hier


Aus unserem Archiv:
Afenginn, Karlsruhe, 02.02.13
Afenginn, Riehen, 08.07.15

Mittwoch, 26. August 2015

Interpol, Wiesbaden, 25.08.15

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Konzert: Interpol
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 25.08.2015
Dauer: Interpol gut 75 min, Abay knapp 40 min
Zuschauer: rund 1.200



Mit Interpol und mir ist das so eine Sache. Die ersten beiden Platten sind Teil des Weltkulturerbes und werden immer Lieblingsalben bleiben. Aber einige der Konzerte der New Yorker, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, hatten nicht annähernd die Wirkung, die ihre Musik auf Platte auf mich hat. Mir geht das sonst immer nur umgekehrt. Ich habe es schon oft erlebt, daß mich Konzerte enorm begeistert haben, die Studioaufnahmen aber viel schwächer waren. 


Vor dem Konzert habe ich überlegt, wie oft ich Interpol schon live gesehen habe. So genau fiel mir das nicht ein. Als ich im Kopf recherchiert habe, kam dabei raus, daß mich ausgerechnet die drei Festival-Auftritte der Amerikaner richtig begeistert haben. Die Shows in großen Hallen (Köln, Dortmund) waren mau. Eigentlich hätte ich also wieder fahren müssen, ich stand schließlich gerade vor einer recht großen Halle. Als das Konzert drei Stunden später vorbei war, war die neuentdeckte Regel wieder futsch. Interpol hatten ein fantastisches Konzert gespielt, sie können das also auch jenseits von Festivals.

Die aktuell eingeschobenen Club-Konzerte gehören noch zur El Pintor Tour, also zur Tour zum aktuellen Album. Das Cover der Platte war auch riesig im Bühnenhintergrund zu sehen, bevor die Band erschien, danach verschwand es im Nebel. Das war durchaus sinnbildlich. Normalerweise ist es ja so, daß eine Band, die eine aktuelle Veröffentlichung promotet, viele Lieder davon spielt. Wenn das Album schwach ist, muß man als Fan da durch und auf die nächste Tour warten, bei der nur noch ganz wenige der Stücke im Programm geblieben sind. El Pintor ist nicht schwach. Daß Interpol auf ihrer El Pintor Tour nur vier Lieder der Platte spielen bedeutet also.. ich weiß es nicht. Vom vierten Album Interpol stand kein Lied auf der Setlist, elf der siebzehn Songs kamen von den ersten beiden Platten. Von den überragenden also. Aus Marketing-Gesichtspunkten sicher eine Katastrophe, aus meiner Sicht wundervoll! Daß das El Pintor Cover hinter der Bühne während des Konzerts also ausgeblendet war, war offenbar Teil des Konzepts.


Bei meinem letzten großen Interpol-Konzert im Januar im Kölner Palladium hatte die Band lustlos gewirkt. Einzig der mir damals neue Bassist war aktiv. Nur war auch das leider genau falsch. Er poste wie ein Luftgitarren-Weltmeister (oder Bon Jovi-Mitglied) und wirkte wie ein Fremdkörper in der stylishen Band, die die Kühle ihrer Musik auch so gut auf die Bühnenpräsenz überträgt. Ein Bass-Hampelmann passt da wirklich nicht ins Bild. In Wiesbaden gab es nichts an ihm auszusetzen. Er scheint, auch wenn das eine widerliche Floskel ist, angekommen zu sein. Oder man hat ihn entsprechend geführt.

Spätestens ab Evil war das Konzert perfekt. Die Songauswahl stimmte, der Ton war hervorragend, die Stimmung in der Halle perfekt. Vielleicht waren das auch die Gründe, warum Sänger Paul Banks so redselig war. Er sprach fast nach jedem Lied mindestens ein "thank you". Von routinierter Lustlosigkeit war nichts zu spüren. Daß das Konzert für eines dieser Größenordnung so angenehm war, liegt auch stark an der fabelhaften großen Halle des Schlachthofs. Außer der Rockhal in Luxemburg kenne ich keine Konzertsaal dieser Deimension, der so angenehm für Konzerte ist. Mir graut vor zweimal Morrissey in den Pest- und Cholera-Sälen Palladium und Hugenottenhalle. Veranstaltet alles in Wiesbaden, dann machen Großkonzerte auch Spaß!


In Köln mochte ich zwei meiner Lieblinge (Leif Erikson und Stella...) gar nicht, weil sie lustlos runtergerotzt waren. Im Schlachthof bekamen sie die Aufmerksamkeit der Band, die sie verdient haben. Beide Stücke gehörten zu den Highlights! Aber auch Slow hands, Untitled, Narc und wie sie alle heißen waren überwältigend gut. Daß My blue supreme von El Pintor dagegen abfiel und The new zwar ein großartiges aber nicht unbedingt konzerttaugliches Lied ist... geschenkt! 

Vor dem Konzert hatte der Roadie die Becken des Interpol-Schlagzeugs noch mit einem Staubtuch gesäubert. Interpol sind Perfektionisten, folgt daraus wohl. Das Wiesbaden-Konzert war nah dran an einem perfekten Auftritt der Band!

Setlist Interpol, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Say hello to the angels
02: Anywhere
03: C'mere
04: My blue supreme
05: Evil
06: Leif Erikson
07: My chemistry
08: Everything is wrong
09: The new
10: Take you on a cruise
11: Length of love
12: Pioneer to the falls
13: Narc
14: Slow hands

15: Untitled (Z)
16: Stella was a diver and she was always down (Z)
17: All the rage back home (Z)


Vor Interpol spielte Aydo Abay mit seiner neuen Band Abay. Ich muß gestehen, daß Aydos frühere Gruppen Blackmail und Ken zu meinen irrwitzig vielen Musiklücken zählen. Abays Musik (die der Band) ist Post Pop, sagt der Sänger. Sie ist aber vor allem alles andere als langweilig oder schlecht. Mir gefielen die vierzig Minuten sehr gut. Aydos tolle Stimme prägt die Musik, die lebt aber nicht nur von ihr. Das taugte sehr viel und hatte immer mal wieder Interpol-Momente, wenn vor allem bei den ersten Stücken schnell gespielte Gitarren zum Einsatz kamen. Gucke ich mir wieder an! 

Links:


- aus unserem Archiv:
- Interpol, Barcelona, 28.05.15
- Interpol, Köln, 25.01.15
- Interpol, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07



Freitag, 15. Mai 2015

Motorama, Wiesbaden, 13.05.15

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Konzert: Motorama
Ort: Schlachthof, Wiesbaden (Kesselhaus)
Datum: 13.05.2015
Dauer: knapp 75 min
Zuschauer: ca. 220

 

Eigentlich wollte ich kommende Woche in Macclesfield Peter Hooks Gedenken an seinen vor 35 Jahren gestorbenen Frontmann Ian Curtis ansehen. Der Bassist wird in der Christ Church von Macclesfield alle jemals aufgenommenen Joy Division Stücke spielen. Daß ich nicht hinfahren kann, habe ich zwar sehr bedauert, ein Motorama-Konzert rückt meine Musikwelt aber schnell wieder zurecht.

Die Joy Division- (oder Smiths- oder Cure- oder Interpol- oder was auch immer-) Referenzen nerven Motorama sicher sehr. Sie sind auch unnötig, weil die russische Band ebenso einen eigenen Stil hat wie jede der angeblichen Blaupausen (und im Gegensatz zu Peter Hook & The Light hat Motorama einen Sänger, der gleichzeitig singen und Bass spielen kann).

Ich frage mich immer, was Motorama als Liveband so reizvoll macht. Ich habe die Russen vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen und seitdem keines ihrer Konzerte in Reichweite (und das ist ein dehnbarer Begriff) ausgelassen. Trotzdem haben deren Auftritte keinen Deut Reiz eingebüßt. Meine Vorfreude war also wieder riesig, obwohl die letzten Motorama Gigs gerade mal drei Monate her sind.


Im Februar war die Band aus Rostow am Don erstmals ohne Bassistin auf Tour. Die Frau von Sänger Vlad hat ein Kind bekommen und ist vorübergehend ausgestiegen. Die beiden bisherigen Gitarristen Vlad und Maxim teilen sich seitdem den Bass-Job. Spätestens beim zweiten Konzert in der neuen, kleineren Konstellation fehlte mir nichts mehr. Ob es Stücke gibt, die Motorama mit nur einer Gitarre nicht spielen können, weiß ich nicht. Vor der letzten Tour war die dritte Platte der Band (Poverty) erschienen, deren Lieder den Großteil der Konzerte ausmachen. Dafür sind viele alte Lieblinge aus dem Programm geflogen. Da Poverty aber wieder ein großer Wurf ist, ist das gut und gerne zu verkraften!


Seit Mittwoch sind Motorama wieder in Deutschland auf Tour. Am Samstag hatte die Band noch in Mexiko gespielt - am Ende einer Süd- und Mittelamerika-Tour, während der sie einige Male in Lima aufgetreten ist (vor bis zu 1.000 ausflippende Fans). Vom Anreise-Streß (Mexiko-Paris-Wiesbaden) war nichts zu merken, als die vier Musiker um viertel nach neun auf die Bühne des neuen Kesselhauses im Wiesbadener Schlachthof kamen. Wie üblich ging der Soundcheck ganz pragmatisch ins erste Lied über. Wären Motorama keine so großartige Band, wäre das (und die fehlenden Ansagen vielleicht) ein wenig störend, aber die Frage stellt sich ja nicht.


Das Kesselhaus, das die baufällige Räucherkammer als kleinen Saal des Schlachthofs abgelöst hat, ist ein wundervoller Konzertort, auf Anhieb ein neuer Lieblingsclub. Es war wohl nicht ganz ausverkauft, der Saal war aber fast voll. 

Motorama spielten am Anfang das gleiche Set wie bei den Konzerten im Februar. Impractical advice und Corona vom neuen Album, die ich beide schon sehr liebe, dann der große Hit To the south, Dispersed energy und Red drop von Poverty und dazwischen die Single She is there. Alles ohne große Pause nacheinander. 

Nach Red drop wurde es anders. Und spannend. Motorama haben einen riesigen Output an Veröffentlichungen (drei Alben, zwei EPs, mehrere Singles) und spielen regelmäßig trotz des riesigen Katalogs auch B-Seiten (heute Special day). Das Lied nach Red drop war aber neu, ich kannte es wenigstens nicht. Später kam noch ein zweites neuen Stück (mit "laaalala"-Text am Ende). Das erste neue Lied klang, als stamme es von der neuen Platte, es war toll! Der große Knüller war aber das zweite Stück, hoffentlich spielen das Motorama jetzt regelmäßig!

Neben den ganz besonderen Lieblingen To the south, Rose in the vase, She is there waren Special day und Heavy way die besten Lieder - ach, das ist albern, alle sind sagenhaft toll. Und sie klangen so gut wie nie! Motorama hatten kaum Equipment neben den Instrumenten mitgenommen. Sie spielten nicht vor Verstärker-Wänden, die Bühne sah eher so aus wie bei einer Vollplayback-Aufnahme einer Fernsehsendung, weil sie fast leer war. Auch wenn das My Bloody Valentine und J Mascis anders sehen, es braucht keine mannhohen Boxentürme für ordentlich Dampf!

Bei During the years flippte Vlad für seine Verhältnisse extrem aus. Er schrammelte mindestens eine Saite seiner Gitarre durch, was die Zugaben beeinflusste. Sie könnten nur noch ein Lied mit Bass und Keyboard spielen. Das wurde das herrlich monotone und düstere Write to me. Dabei stand Vlad lange am linken Bühnenrand, er hatte ja nichts zu tun, bevor der Gesang einsetzte.


Ich freue mich zwar wieder darauf, wenn Bassistin Irene Parshina* wieder dabei ist, die Band hat auf ihre Mutterschutz-Pause aber perfekt reagiert, indem Vlad (bei den meisten der Lieder) und Maxim (beim Rest) Bass spielen.

Müssen wir euch noch auffordern, Motorama in den nächsten Tagen anzugucken? Sicher nicht, oder?


Setlist Motorama, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Impractical advice
02: Corona
03: To the south
04: Dispersed energy
05: She is there
06: Red drop
07: neu
08: Heavy wave
09: Lottery
10: Rose in the vase
11: Old
12: Similar way
13: Special day 
14: neu
15: Ghost
16: Alps
17: During the years

18: Write to me (Z) 

Tourdaten Motorama, Mai 2015:

15.05.15 Berlin (Magnet) 

16.05.15 Dresden (Beatpol) 
17.05.15 Jena (Café Wagner) 
18.05.15 Münster (Gleis 22) 
19.05.15 Nürnberg (K4 Zentralcafé) 
20.05.15 Köln (Blue Shell) 
21.05.15 Oberhausen (Druckluft) 
22.05.15 Mannheim (Maifeld Derby Festival) 
23.05.15 Krems (AT) (Jazzkeller)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Straßburg, 14.02.15
- Motorama, Esch-sur-Alzette, 11.02.15
- Motorama, Frankfurt, 03.06.14
- Motorama, Mannheim, 31.05.14
- Motorama, Luxemburg, 26.02.14
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 


* oder Irina? Bei Instagram heißt sie Irene




Dienstag, 18. November 2014

The miserable rich, Wiesbaden, 17.11.14

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Konzert: The miserable rich
Ort: Räucherkammer im Schlachthof Wiesbaden
Datum: 17. November
Dauer: etwa 120 min
Zuschauer: etwa 150


English version...
 
Das letzte Album von The Miserable Rich ist voller Geistergeschichten. Nun sind sie auf kurzer Geistertour durch deutschsprachige Gebiete: Sonntag Hannover, Montag Wiesbaden, Dienstag Nürnberg und Mittwoch Graz. Ich spreche von einer Geistertour, weil sie sich schon 2013 von der Bühne verabschiedet und The Miserable Rich zu Grabe getragen hatten. Aber ich kann hier schon verraten: Ihr Konzert in Wiesbaden war genau so (wenig) gespenstisch wie die Musiker miserable sind.


Der Konzertabend begann schon sehr viel versprechend. Während sich die Schlange vorm Eingang zur Räucherhalle zu bilden begann, tönte es von drinnen lautstark: Ringing the Changes war unsere Musikuntermalung und zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht. Gleichzeitig war es die Bestätigung, die richtige Wartegemeinschaft gefunden zu haben (vorher hatte ich mich schon einmal versehentlich für Maxim eingereiht). Den Gesprächen konnte man entnehmen, dass hier viele Fans auf einen besonderen Abend warteten und in der Stunde bis zum Konzertbeginn füllte sich die Räucherkammer sehr gut. Vor der Bühne waren drei Bankreihen aufgestellt, dahinter und an der Bar stand man dicht an dicht.


Ich hatte die Gruppe aus Südengland beim Orange Blossom Special 2012 in Beverungen in mein Herz geschlossen. Sie standen am ersten Abend als letzte auf der Bühne und legten eine so leichtfüßige und zugleich heißblütige Show hin, dass ich mich sofort verliebt hatte. Als nun die kleine Abschiedstour angesagt wurde, hatte ich mir den Abend in Wiesbaden gleich fest vorgemerkt. Die Gelegenheit wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Seither war meine Vorfreude ständig gestiegen. So ging es wohl nicht wenigen im Raum. Als  kurz nach 20 Uhr die Musiker die Bühne betraten wurden sie jedenfalls mit lautem Jubel willkommen geheißen:

Jim Briffett: Guitarre
Rhys Lovell: Kontrabass
James de Malplaquet: Gesang
William Calderbank: Cello
Martin Deering: Schlagzeug

Mike Siddell: Violine

Musikalisch begannen sie das Konzert sozusagen ganz am Anfang - das erste Stück der ersten Platte. Mit den so markanten Streichern. Und von ebendieser Scheibe gab es über den Abend verteilt noch sechs weitere Songs, die noch genauso toll sind wie vor Jahren und denen man anmerkt, dass sie sich seitdem auch weiterentwickeln durften.



Zunächst sah es danach aus, als wollten sie ihr nettes und eigentlich auch typisches Geplänkel sehr beschränken. An einem Montag wöllten sie die Geduld des Publikums nicht überstrapazieren und uns bald wieder heimschicken können. Trotzdem waren die knappen Ansagen allesamt sehr lustig. James versuchte es über weite Strecken mit deutsch und machte sich lustig über die reichen Wiesbadener, deren weggeworfene Möbel noch gut genug sind, um in Berlin verkauft zu werden. Da wären sie im Schlachthof wohl bestens aufgehoben. Einigen Spott mussten wir Deutschen für den Ausdruck Affengeil einstecken.


Erst sehr spät durfte Will eine seiner unnachahmlich mäandernde Geschichten erzählen und wurde natürlich lachend dafür zurechtgewiesen. Unerwartet gab es zu den Trennungsliedern aus dem Publikum einen Wunsch: Glückwünsche für ein Goldenes Hochzeitspaar. Als die sechs Musiker die Summe der Jahre ihrer längsten Beziehung zusammenzogen, gab das ziemlich viel weniger als 50 Jahre und ehrliche Bewunderung für die Jubilare.



In der notierten Setlist hatte ich schon viele mir liebe Lieder entdeckt und so verging das Set eigentlich viel zu schnell und sprang für mich persönlich fast nur von Höhepunkt zu Höhepunkt: Chestnut Sunday, Laid up in Lavendar, Let me fade und On a certain night - dann Oliver. Das Finale war gut inszeniert auf den Knaller Under Glass hin, der mit ordentlich Bums abgefeiert wurde. "Our last song" angekündigt, aber wer das glaubt, glaubt wohl jeden Mist ... Wir waren ja ohnehin schon klüger, denn Ringing the Changes war noch nicht dran gewesen. Und so wurde die Band noch einmal herausgebeten für zwei schmissige Hits. 


Danach war aber noch niemandem nach Tschüss sagen. Die Band kam von der Bühne und zelebrierte Pisshead und Muswell. Nicht wenige stimmten beherzt mit ein. Aber am Rande war inzwischen die Unruhe schon ziemlich groß, sodass die Innigkeit hier ein bisschen litt. Die Band versuchte, nun einen Schlussstrich unter den Abend zu ziehen, musste sich aber doch noch einmal  für zwei weitere akustische Stücke ins Publikum begeben.


Erst danach zerstreute sich die Schar in alle Winde um die Mär unserer deutsch-englischen Walpurgisnacht mit den Männern aus Brighton in die Welt zu tragen.

Setlist:
01: Early Mourning
02: Pegasus
03: Chestnut Sunday
04: The time that's mine
05: Boat Song
06: For a day
07: Laid up in Lavendar
08: The Mouth of the Wolf
09: Let me fade
10: On a certain night
11: Oliver
12: Tramps
13: Over and Over (Hot Chip-Cover) 
14: Under Glass

15: Monkey (Z)
16: Ringing the Changes (Z)
17: Pisshead (Z, im Publikum)
18: Muswell (Z, im Publikum)

19: Button my lip (Z, im Publikum)
20: Imperial Lines ? (Z, im Publikum) 

Aus unserem Archiv: 

The Miserable Rich, Beverungen, 25.05.12
The Miserable Rich, Mannheim, 19.05.12
The Miserable Rich, Paris, 01.06.09


Alle Fotos:


Freitag, 14. November 2014

Deutschlandabschied von The Miserable Rich

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Liebe auf den ersten Blick war mein Konzert mit den Miserable Rich in Beverungen im Mai 2012. Die Musik, die Attitüde - das war einmalig und pflanzte sich tief in mein Herz. Leider gab es danach keine Chance mehr für mich, das Erlebnis zu wiederholen und mittlerweile ist das Projekt auch eingemottet.


Aber Totgesagte leben ja bekanntlich länger und so gibt es jetzt  doch noch einmal vier Stationen in Lieblingsclubs der Miserable Rich und dort ganz gewiß ganz besondere Konzerte. Das macht die Band eh immer so, das wird aber auch an den Orten liegen und daran, dass wir alle wissen: DAS ist der endgültige Abschied. 

Es soll keiner sagen, wir hätten es euch nicht verraten:

Hannover Feinkost Lampe
16. November

Wiesbaden Räucherkammer
17. November

Nürnberg MUZClub
18. November

Graz Autumn Leaves Festival
19. November 




Aus unserem Archiv:
The Miserable Rich, Beverungen, 25.05.12
The Miserable Rich, Mannheim, 19.05.12
The Miserable Rich, Paris, 01.06.09 


klienicum:
Beste Konzerte 2009 
April 2010


Samstag, 3. Mai 2014

We Invented Paris, Wiesbaden, 24.04.14

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Konzert: We Invented Paris
Ort: Schlachthof, Wiesbaden (Räucherkammer)
Datum: 24.04.2014
Dauer: 85 Minuten
Zuschauer: ca. 120



We Invented Paris ist eine Band, deren Bekanntheit und Erfolg ich nicht so recht einschätzen kann. Ich sah die jungen Schweizer erstmalig beim Maifeld Deby 2012, mittlerweile ist schon ein zweites Album erschienen. Der Schlachthof hatte ihnen als Konzertsaal die kleine "Räucherkammer" zugedacht, was nicht dafür sprach, dass mit gewaltigem Andrang gerechnet wurde. Der kleine Saal füllte sich dann immerhin bis zum Auftritt der Vorband Abel & Cain recht ordentlich. Zu besagter Vorband habe ich wenig zu sagen, ihre Musik erschien mir belanglos und das Publikum geradezu übertrieben freundlich gesinnt - obwohl von Begeisterung wenig zu spüren war, kam man den Jubelaufforderungen des Sängers höflich nach und posierte bereitwillig mit dem Tourmaskottchen, einem Weinkühler.



Als dann - leider erst gegen 22 Uhr - We Invented Paris die Bühne betraten, stieg die allgemeine Begeisterung deutlich an, und gerade in den ersten Reihen fanden sich zahlreiche textsichere junge Mädchen, die offensichtlich Sänger Flavian Graber ziemlich gerne mochten. Man kann also festhalten: We Invented Paris haben eine deutsche Fanbasis.

Was dann folgte, war neben einem Konzert auch so eine Art Medley aller Extras, die man in einem Konzert als Band auf einmal bringen kann: Nach "Sleeptalker", zu dem Gitarrist Bruce Klöti und Bassist Fabian Langer den Rhythmus auf Holzkisten schlugen, erzählte Sänger Flavian Gerber zu den folgenden Liedern einfach ein bisschen, etwa, über den schweizerischen Wissenschaftler Auguste Piccard aus dem gleichnamigen Lied, oder (vor "Mont Blanc") darüber, dass man als Promotion für das zweite Album "Rocket Spaceship Thing" in Karlsruhe Luftballons mit Postkarten aufsteigen ließ, deren Finder das Album umsonst bekommen sollten - und die sich sogar aus Schweden und Italien meldeten.



Zu "Bubbletrees" bekamen wir dann selbst Ballons, die massenhaft Richtung Publikum geworfen wurden und während des Songs in der Luft gehalten werden sollten, was auch sehr eifrig beherzigt wurde. In einem derart kleinen Raum führte das zu echtem Stress und einer Art Massentanz.

Nachdem uns vor "Bohème", dessen französischer Refrain mir seltsamerweise noch heute, drei Tage später, im positiven Sinne durchs Gehirn spukt - vielleicht, weil er so oft wiederholt und besonders eifrig mitgesungen wurde - erzählt worden war, dass We Invented Paris ihre Musik zu Beginn im Rahmen von Wohnzimmerkonzerten bekannt gemacht hatten, wurde es nach dem ebenfalls augelassenen "Philosopher" Zeit für eine weitere Abwechslung: Die Band verließ die Bühne, und Flavian gab in der Mitte des Raums und alleine, an einem Akkordeon, das er sich angeblich vor acht Jahren geliehen hatte, "Requiem" zum besten. Dafür hatten sich nahezu alle Zuschauer auf den Boden gesetzt.



Danach ging es zurück auf die Bühne, wo mit "Treeless", "Polar Bears", "Farmer" und "Iceberg" noch vier weitere Songs vorgetragen wurden, dann war aber natürlich noch nicht Schluss.

Mit "Zeppelins" kehrte die Band nochmals zurück auf die Bühne und spielte mit "Nothing to say" und "More" noch zwei weitere Songs, wobei das Quartett zu "More" zunächst gemeinsam das Schlagzeug bearbeitete und Flavian selbst im Publikum mittanzte. "More" wollte anschließend auch das Publikum und erklatschte einen weiteren Song, den We Invented Paris gemeinsam wieder in der Mitte des Raums a capella vortrugen, nämlich "Silence" - auch hier war der Name Programm, denn anschließend war endgültig Schluss - nicht ohne die Aufforderung, das neue Album am Merchandisestand zu kaufen, an dem es auch "so Hipsterkram" zu kaufen gebe, und herzlichen Dank an Soundmann, Vorband, Management und Publikum.

Insgesamt ein schöner Konzertabend mit einer freundlichen Band, der nur vielleicht allzuviel Abwechslung zwischen schnellem Abrocken auf der Bühne und a capella-Stücken aufwies.



Setliste We Invented Paris, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Sleeptalker
02: A View That Almost Kills
03: Auguste Piccard
04: Everyone Knows
05: Dance On Water
06: Mont Blanc
07: Bubbletrees
08: Bohème
09: Philosopher
10: Requiem
11: Treeless
12: Polar Bears
13: Farmer
14: Iceberg

15: Zeppelins (Z)
16: Nothing To Say (Z)
17: More (Z)

18: Silence (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
We Invented Paris, Mannheim, 19.02.14
- We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
- We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
- We Invented Paris, Mannheim, 19.05.12

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




Mittwoch, 2. April 2014

Franz Ferdinand, Wiesbaden, 30.03.14

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Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum:30.03.2014
Dauer: Franz Ferdinand 100 Minuten, Teleman 25 Minuten
Zuschauer: ca. 2000 (ausverkauft)





Franz Ferdinand war eine dieser Bands, bei denen ich irgendwie bereits unbesehen wusste, dass mir musikalisch gefallen würde, und ihr erstes Album leitete 2004 für mich eine Erneuerung meines Interesses an aktueller Musik ein. Viele der spannenden Bands im Kielwasser des "Kaiser Franz" sind längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - beispielsweise spielten am selben Abend We Are Scientists im kleinen Kölner Luxor. Von etlichen dieser Bands kommt auch einfach nichts sonderlich Gutes mehr. Anders bei Franz Ferdinand, ihre Alben weisen eine relativ gleichbleibend hohe Qualität auf, und sie schaffen es nach zehn Jahren immerhin noch, den Schlachthof auszuverkaufen.



Dass seit dem Debütalbum mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sind, konnte man am Publikum erkennen: Die Studenten von heute hören offenbar etwas anderes, hier waren die Berufstätigen angerückt. Und vielleicht wegen des etwas fortgeschrittenen Altersdurchschnitts im Publikum gab es beim ausverkauften Konzert fast überhaupt nicht gedrängelt - die meiste Zeit konnte ich in der dritten Reihe vor der Bühne prima sehen.




Zunächst befanden sich dort nicht Franz Ferdinand sondern Teleman, ein Nachfolgeprojekt der britischen Band Pete and the Pirates. Ich hatte die Vorgängerband vor einigen Jahren im Rödelheimer Yellowstage gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Teleman ist Pete and the Pirates minus zwei Personen, und auch ihre Musik konnte mich nicht packen.

In etwa 30 Minuten spielte die Band, nachdem uns Sänger Thomas Saunders mit "Hello Weisbaden! [sic] begrüßt hatte, sieben Titel. Sicherlich stammten viele davon vom Debütalbum "Breakfast", das erst am 26. Mail erscheint. Teil des Sets waren die Single "Cristina" und zum Schluss "Lady Low" und "Steam Train Girl", für eine detaillierte Setliste reichen meine Kenntnisse - und mein Interesse - nicht.


Andere finden Teleman aber extrem super, denn nicht nur wurden sie später lobend von Franz Ferdinan-Sänger Alex Kapranos erwähnt, sie haben es in der jüngeren Vergangenheit auch ins Vorprogramm von Suede und in Großbritannien auch vor Metronomy geschafft.

Nach dem Ende des Teleman-Sets wurde der hintere Teil der Bühne enthüllt, in dessen Mitte sich die Projektion einer gewaltigen stilisierten Uhr befand, um diese herum konnte man links und rechts jeweils eine Dia-Imitation eine Flughafen-Abflugtafel sehen, auf der stellenweise nach und nach Flughafenkürzeln aufleuchteten.


Als dann das schottische Quartett die Bühne betrat, musste ich sofort an dessen angeblichen Kunsthoschschul-Hintergrund denken (Wikipedia weiß nichts dazu, die Setliste in Comic Sans spricht irgendwie auch dagegen ...), denn alle vier trugen an sich individuelle, aber sehr seltsam schwarzweiß gemusterte Kleidung. Wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal eine Band mit deutlich als solchen erkennbaren "Bühnenoutfits" gesehen? Da fällt mir nur Erdmöbel ein.

Vorab hatte mein Freund bereits vergangene Setlisten recherchiert und mir gesagt, die Reihenfolge der Songs des Abends stünde im Grunde fest, nur "Darts of Pleasure" werde eventuell zu einem anderen als dem vornotierten Zeitpunkt gespielt. Diese Ankündigung sollte sich als größtenteils korrekt erweisen jedoch anders als erwartet - später mehr dazu.


Mit diesem scheinbaren Wissen achtete ich zunächst nicht weiter auf die im Smartphone vorab gespeicherte Liste, denn das auf der Bühne Gebotene schien damit übereinzustimmen: Alte Hits, neuer Hits und immer wieder beim Beginn eines neuen Songs der Gedanke "Ach stimmt, das Lied haben die ja auch! Schön!" Franz Ferdinand begannen äußerst temporeich: "Bullet", "The Dark of the Matinée", "Tell Her Tonight", "Evil Eye", "No You Girls" und "Do You Want To" jagten einander. Gut, dass das Tempo anschließend bei "Fresh Strawberries" und "Walk Away" ein wenig reduziert wurde.


Die Band schien ausgesprochen - mit Ausnahme des Bassisten Bob Hardy - gut gelaunt und geradezu übermotiviert, gesprochen wurde aber abgesehen von dem bereits erwähnten Teleman-Lob wenig. Nick McCarthy wechselte immer wieder zwischen seiner Gitarre und einem Keyboard und sang auch ausgiebig mit - dass am Anfang von "Tell Her Tonight" seine Stimme zu hören ist, war mir vor dem Konzert gar nicht bewusst. Nach "Stand on the Horizon" wechselte er für vier Lieder komplett ans Keyboard.

Als in der Mitte des Sets "This Fire" angestimmt wurde, stupste mein Freund mich an - anders als ich hatte er gemerkt, dass hier eine deutliche Abweichung von unserer angenommenen Setliste vorlag, in dieser war der Song nämlich erst bei den Zugaben aufgetaucht. Die in Wiesbaden gespielte Version war extra lang und ein Highlight des Abends. Alex und Nick animierten das Publikum zum Mitsingen und ließen ähnlich wie zu Beginn des Konzertes nun wieder einen X nach dem anderen folgen: "This Fire", "Take Me Out", "Love Illumination", "Michael" und "Ulysses".


Bei dieser einen Änderung der Setliste blieb es aber nicht, denn nachdem die Band ihr Set mit "Outsiders", zu dem alle Mitglieder gemeinsam aufs Schlagzeug eindroschen (scheint momentan irgendwie Trend zu sein, bei Radiohead und The Notwist wurde das auch so gemacht), beendet hatte, begannen die Zugaben ganz normal mit "Right Action", dann ergriff Nick das Wort - auf Deutsch: "Wir haben jetzt noch etwas ganz Besonderes für Euch vorbereitet. Vielleicht habt Ihr es ja schon gehört: "Erdbeermund"!


Und so spielte die Band die abgedrehte, deutschsprachige, von Nick gesungene B-Seite zu "Wild Starwberries", für die Alex ans Keyboard wechselte, wobei das Publikum eher verwirrt als begeistert schien. Aber immerhin, mir gefällt es, wenn Bands von ihrer Setliste abweichen und etwas anders machen, statt jeden Abend genau das Gleiche durchzuziehen. Und eine Live-Premiere eines Liedes hat man auch nicht jeden Abend (für uns war es in dieser Woche allerdings schon das zweite Livedebüt eines Songs).


Wegen "Erdbeermund" musst aber wohl "Darts of Pleasure" mit seinem deutschen Quatschtext "Ich heiße superphantastisch, ich trinke Schampus mit Lachfisch" von der Setliste weichen, vielleicht wäre es für die Band sonst allzuviel des Deutschsprachigen gewesen. Das Set endete mit "Jacqueline", das irgendjemand gewidmet wurde, der es gecovert hatte, dann folgte als letztes Lied sehr passend "Goodbye Lovers & Friends" mit seiner letzten Textzeile "Goodbye lovers and friends… you can laugh as if we’re still together but this really is the end".

Mit dem Konzert haben Franz Ferdinand bewiesen, was eigentlich auch zu erwarten gewesen war: Die Band veröffentlicht nach wie vor tolle neue Songs, die alten sind aber ebenfalls überhaupt nicht abgenudelt oder peinlich. Die Band hat offensichtlich nach wie vor Spaß an dem, was sie tut und kann damit ihr Publikum begeistern. Beim nächsten Mal möchte ich aber bitte gerne auch noch "Darts of Pleasure" hören ..


Setliste Franz Ferdinand, Schlachthof, Wiebaden:

01: Bullet
02: The Dark of the Matinée
03: Tell Her Tonight
04: Evil Eye
05: No You Girls
06: Do You Want To
07: Fresh Strawberries
08: Walk Away
09: Stand on the Horizon
10: Can't Stop Feeling
11: Auf Achse
12: Brief Encounters
13: Lucid Dreams
14: This Fire
15: Take Me Out
16: Love Illumination
17: Michael
18: Ulysses
19: Outsiders

20: Right Action (Z)
21: Erdbeermund (Z)
22: Jacqueline (Z)
23: Goodbye Lovers & Friends (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Franz Ferdinand, Köln, 12.03.14
- Franz Ferdinand, Barcelona, 31.05.12
- Franz Ferdinand, Minehead, 11.12.10
- Franz Ferdinand, Paris, 17.03.09
- Franz Ferdinand, Köln, 14.03.09
- Franz Ferdinand, Stockholm, 15.11.08
- Franz Ferdinand, Melt!, 19.07.08

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht
 

Konzerttagebuch © 2010

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