Samstag, 30. August 2008

R.E.M., Rock en Seine, 28.08.08


Konzert: R.E.M.
Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine 2008
Datum: 28.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: 80 Minuten



Halt's Maul und spiel gefälligst One!", soll Noel "Oasis" Gallagher mal in Richtung Bono gesagt haben, als der Ire wieder einmal über die große Weltpolitik philosophiert hatte.

Ähnliche Gedanken kamen mir auch beim Konzert von R.E.M., die Headliner des ersten Festivaltages* beim diesjährigen Festival Rock en Seine bei Paris waren. Michael Stipe hatte wie so oft betont, daß R.E.M. die jetzige US-Regierung hasse ("we really, really really hate our government") und dabei eine lange Schleimspur hinter sich hergezogen.

Die gegenüber Amerika kritischen Franzosen (um den Ausdruck "feindlichen" zu vermeiden) johlten ob solcher Phrasen natürlich vor Freude und hätten den glatzköpfigen Amerikaner mit Sicherheit am liebsten gleich eingebürgert. Schon etwas seltsam, da steht ein schwerreicher Typ mit seinem noblen Anzug vor der Menge und lässt den Weltverbesserer raushängen. Braucht er das für sein Ego? Reicht es nicht, dass er und seine Band Millionen Platten verkauft haben? Muss er unbedingt auch noch beliebt sein?

Nun, gut auch ich schweige nun zu diesem Thema und rede nur noch über Musik! "Halt's Maul und schreibe über die Songs von R.E.M., Oliver Peel!" So!

Und die Songs waren nun wirklich erste Sahne, vor allem wenn es sich um die Klassiker der Band aus Athens, Georgia handelte! Für Fall On Me (heute mit besonderer Inbrunst gesungen), The One I Love (das "Fire" aus tausenden Kehlen habe ich jetzt noch in den Ohren!) Und It's The End Of The World As We Know It (alle: "And I feel fine!!!") würde ich weit fahren, um sie wieder einmal zu hören. War aber nicht nötig, denn die Domaine National de Saint Cloud, liegt vor den Toren von Paris und ist mit der U-Bahn recht gut zu erreichen. So bequem wie ich hatten es aber nicht alle hier, denn es gab zahlreiche Konzerttouristen aus Europa (neben mir standen z.B. zwei Schwäbinnen) und den USA, die ihren Idolen hinterherreisten. Verstehen kann man das, die Kultband hat ein Songmaterial, das so manche andere Gruppe vor Neid erblassen lässt, auch Oasis kommen da nicht ran!

Alleine die Best Of - CD der sogenannten I.R.S. Jahre ist vollgepackt mit famosen und hochmelodischen Liedern! Insofern schade, dass von dieser frühen Schaffensphase nicht noch mehr gespielt wurde, als die vorhin erwähnten Titel. Ich beneide Christoph deshalb darum, dass er kürzlich auf der Loreley Perlen wie 7 Chinese Bros. und Driver 8 geboten bekommen hat, die den Parisern vorenthalten wurden. Aber wollen wir mal nicht klagen, schließlich gab es ja noch Kracher anderer Phasen von R.E.M. zu genießen. Das famose Orange Crush dürfte hiervon noch jeder gekannt haben, Imitation Of Life ("That sugar cane that tasted good") auch, aber bei dem wunderschönen Electrolite (Von New Adventures In Hi-Fi), zu dem sich Michael Stipe wie ein fliegender Vogel bewegte, mussten sicherlich viele passen. Für mich allerdings ein Highlight, ebenso wie der Opener Bad Day (was für ein super Titel, um ein Konzert zu beginnen, "it's been a bad day, please don't take a picture!"), der herrlich schrammelig rüberkam.

Am meisten berührte mich aber die Kurt Cobain gewidmete Ballade Let Me In, bei der die Bühne in ein festliches violettes Licht getaucht wurde und Peter Buck am Piano Platz nahm. Um ihn herum standen dicht an dicht Michael Stipe, Mike Mills und ein wuschelhaariger Alter, dessen Namen ich nicht kenne. Die vier trieben mir mit ihrem einfühlsamen Spiel beinahe die Nackenhaare senkrecht und der wimmernde Michael ("Let me In!") war selten so gut wie bei diesem Schmachtsong. Drei Lieder später (darunter zwei Klassiker!) war dann vorerst Schluß, aber natürlich gab es mit Losing My Religion noch das wohl beliebteste R.E.M. Lied und auch ich erfreute mich an den hübschen Mandolinen-Klängen von Peter Buck, der das Ganze ziemlich unbewegt runterspielte, vielleicht weil er selbst das Lied nicht mehr hören kann.

Man On The Moon beendete dann auf klassische Weise einen feinen Festivalauftritt, bei dem mir aber die neuen Lieder von Accelerate am wenigsten gefielen. Vielleicht braucht es noch eine Weile, bis diese ihre volle Blüte entfalten...


Setlist R.E.M., Festival Rock en Seine 2008:

01: Bad Day
02: Living Well Is The Best Revenge
03: What's The Frequency, Kenneth?
04: Drive
05: Man Sized Wreath
06: The Great Beyond
07: Ignoreland
08: Hollow Man
09: Electrolite
10: Imitation Of Life
11: I'm Gonna DJ
12: The One I Love
13: Fall On Me
14: Let Me In
15: Horse To Water
16: Orange Crush
17: It's The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)

18: Supernatural Superserious (Z)
19: Losing My Religion (Z)
20: Man On The Moon (Z)


- Mehr Bilder von R.E.M. hier
- R.E.M. am 20. August 2008 auf der Loreley


* strenggenommen war es bereits der zweite Festivaltag, denn Rage Against The Machine (u.a. supportet von den zauberhaften Blood Red Shoes) spielten am 20. August ein Konzert, das ebenfalls zu Rock en Seine 2008 gehörte.





1 Kommentare :

Sven Rauhut hat gesagt…

Hallo,

der "wuschelhaarige Alte" heißt Scott McCaughey (aka Scott McCoy):
http://en.wikipedia.org/wiki/Scott_McCaughey

Viele Grüße,
Sven

 

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