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Freitag, 12. September 2014

Warpaint, Münster, 06.09.14

1 Kommentare

Konzert: Warpaint
Ort: Skaters Palace, Münster (Visions Party)
Datum: 06.09.2014
Dauer: knapp 90 min
Zuschauer: nicht ausverkauft



So richtig begeistert schien die Visions von ihrer eigenen Party im Skaters Palace in Münster nicht zu sein. In der Skatehalle, die bis auf ein paar doofe Säulen ein gute Ort für Konzerte ist, hing zwar ein großes Transparent des Energiegetränk-Sponsors, von der Musikzeitung war aber nichts zu sehen. Auch die Berichterstattung hinterher deutet nicht darauf hin, daß es sich bei diesem Abend um eine Herzensangelegenheit des Magazins handelte. Es gab nämlich keine. Auch von der anschließenden Party war nichts zu sehen, sie war aus "organisatorischen Gründen" abgesagt worden. Eine Herzensangelegenheit organisiert man anders. Dabei war das Konzert gar nicht schlecht besucht, auch wenn der Skaters Palace nicht ausverkauft war. 

Daß mir Warpaint (musikalisch) wichtig sind, kann ich schlecht verbergen. Nach meiner ersten Kurzbegegnung mit den Amerikanerinnen als Vorgruppe von Wolf Parade Anfang 2010 folgten viele eindrucksvoll gute Konzerte; in letzter Zeit fast zu viele. Die besorgten mails meiner Visions-Party-Verabredung konnte ich aber beruhigend beantworten - nein, ich hatte noch nicht genug. Warpaint machen es einem einfach, sie häufiger zu sehen, da sie nicht nur den Aufbau des Auftritts sondern auch den einzelner (oder vieler) Lieder konzerttäglich variieren. Wenn man die Musik der Gruppe also mag (und sie nicht per se langweilig findet), kann man sie ruhig immer mal wieder angucken.

Die beiden Vorgruppen erzeugten diesen Wunsch bei mir nicht. Die erste, der Sänger Mat Reetz, klang nach Brian Molko, die zweite, Blaenavon, zu pathetisch. 

Meine Versuche, vorher rauszufinden, wann die Bands auftreten, waren erfolglos. Der Veranstalter wollte oder konnte das nicht verraten. Wenn man nicht in der Stadt wohnt, in der ein Konzert stattfindet, können solche Informationen ganz wichtig sein. Deutschen Veranstaltern ist es aber offenbar zu spießig, bekanntzugeben, wann die Hauptgruppe anfängt. Andere Länder mit einer besseren Konzertkultur sind auch da kundenfreundlicher.


Warpaint traten um kurz vor zehn auf. Seit einer Weile spielt die Band nicht mehr das Stück Intro (das auch das erste Lied der aktuellen Platte ist) am Anfang. Obwohl es auf dem Album wundervoll in Keep it healthy übergeht, wird dieser Anfang live meist so nicht mehr gespielt. Stattdessen hatte Keep it healthy eine andere, offenbar improvisierte Einleitung. Das z.B. meinte ich damit, daß keines meiner Warpaint-Konzerte wie das andere ist. Auch wenn Keep it healthy einer meiner Lieblinge ist, wurde es ab Composure und Undertow, die übergangslos nacheinander gespielt wurden, richtig gut. Bees und Hi am Anfang des Konzerts sind vermutlich ein wenig zu ruhig oder harmlos; der Schwung kommt mit Composure. Das war auch diesmal deutlich.


Danach ließ das Tempo (im übertragenen Sinne) nicht mehr nach. Love ist to die wird erstaunlicherweise immer besser, je öfter ich es höre. Das anschließende Drive ist eine Art verborgener Schatz auf der neuen Platte. Ich habe das Stück lange nicht richtig wahrgenommen, es ist aber live enorm gut und fällt trotz der vielen Perlen deutlich auf. Und auch wenn Disco/very in meinen Augen eines der schwächeren Lieder der Band ist, war das Doppel Beetles und Disco mit einem improvisierten Übergang und 15 Minuten Spielzeit hervorragend.



Auch der Mann mit Konzert-Tourette und ohne Deo, der vor Beginn den armen Ordner immer wieder anbrüllte, wann "die Frauen" denn endlich kämen, ob die "ihre Tage haben, oder was?", schien zufrieden zu sein. Überhaupt war das Publikum scheinbar sehr glücklich. Der Applaus nach den Liedern wurde immer länger und ausgelassener. Spätestens bei der unsäglichen Aufforderung von Bassistin Jenny Lee Lindberg (mit geringeltem Rock, geringelten Socken und riesiger Brille), rhythmisch mitzuklatschen, schienen die Münsterländer beweisen zu wollen, daß sie Partypeople sind. Das klang schon ziemlich nach dem Rheinland im Februar! 

Wie neulich in Köln, kam zunächst Gitarristin Emily zu den Zugaben zurück und spielte alleine Baby, dessen Instrumentierung an Scout Niblett erinnert. Leider konnte das verliebte Pärchen (eher Paar) neben mir sich endlich gut unterhalten, weil es jetzt auf der Bühne leiser war. Das Gespräch war aber schnell vorbei, denn das wundervolle No way out (bestes Stück!) und ein 14 Minuten langes Elephants waren wieder ordentlich laut.

Früher haben Warpaint Elephants oder Beetles durch Improvisationen in die Länge gezogen. Zur Zeit machen sie es mit beiden Liedern. Allerdings schienen sie bei Elephants diesmal am Ende den Faden zu verlieren. Die letzten Minuten waren ein wenig unstrukturiert und albern, aber eben auch wieder ganz anders als jede Version bisher! Nein, es stimmte, ich hatte wirklich noch nicht genug. Auch das Konzert in Münster empfand ich als kurzweilig und musikalisch sehr gut! Schade, daß das von der Visions vermutlich niemand selbst erlebt hat!

Setlist Warpaint, Visions Party, Skaters Palace, Münster:

01: Keep it healthy
02: Bees
03: Hi
04: Composure
05: Undertow
06: Love is to die
07: Drive
08: Beetles
09: Disco / very

10: Baby (Emily solo) (Z)
11: No way out (Z)
12: Elephants (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Luxemburg, 25.08.14
- Warpaint, Köln, 20.08.14
- Warpaint, Ewijk, 29.06.14
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10






Samstag, 9. Mai 2009

Maxïmo Park, Münster, 08.05.09

7 Kommentare

Konzert: Maxïmo Park (einslive Radiokonzert bei "Eine Nacht in Münster")
Ort: Skaters Palace
Datum: 08.05.2009
Zuschauer: lange ausverkauft (vielleicht 1.200 - ich kann so was nicht schätzen)
Dauer: 63 min


"Eine Nacht in Münster", die Stadtinvasion des NRW-Radiosenders einslive, bescherte der Radfahrer-Metropole heute diverse Radiokonzerte, darunter Selig, Clueso, eine amerikanische Band*, deren Namen ich gerade nicht weiß, und eben Maxïmo Park. Ein gut gewähltes Datum, denn just heute erschien Quicken the heart, die dritte Platte der Band aus Newcastle.

Nachdem ich einige der Stücke des neuen Albums beim kleinen Vorab-Konzert im März im Gebäude 9 erlebt hatte, hörte ich den Rest auf der Fahrt nach Münster zum ersten Mal. Meine Erwartungen waren ehrlich gesagt nicht besonders hoch, die Eindrücke beim ersten Hören der Platte auf der Fahrt nach Münster gar nicht verkehrt.

In Münster fielen mir zunächst die Fahrräder auf. Nicht, daß es Tausende davon gibt, ich war schon da. Nein, die abgestellten Räder waren von einslive mit einem
wundervollen Werbegeschenk versehen worden: sie hatten Sattelbezüge mit dem Motto des Abends bekommen! Großartig! Und sinnvoll! Denn kaum kam ich am Skaters Palace an, regnete es in Strömen. Der Einlaß begann dann zwar sehr pünktlich, weil aber die Securities die Ausweise aller Besucher, die unter irgendwelchen Umständen jünger als 16 sein könnten, zog sich alles ewig - und es regnete. Vor mir ging eine 29jährige Frau rein. Auch die musste ihren Personalausweis zeigen. Ich kann Alter ebenso wenig gut schätzen wie Besucherzahlen, in diesem Fall und in den meisten anderen hätte ich es mir aber durchaus zugetraut, die wenigsten Mittzwanzigjährigen ("twens" klingt doch zu altbacken) sehen schließlich U16 aus. Nun denn, die Ordner hatten ihre Vorgaben.

Als ich mich dann beschwerte, daß ich keinen Perso vorzeigen musste, reagierte einer von ihnen aber sehr cool: "darf ich mal den Ausweis sehen?" Jawoll!

Der Skaters Palace ist genau so, wie er klingt; eine mittelgroße ehemalige
Gewerbehalle mit viel Graffiti, überall Halfpipes, und ich meine auch den ein oder anderen Blutfleck von mißglückten Sprüngen gesehen zu haben.

Der Bau ist ziemlich verwinkelt und für regelmäßige Konzerte sicher nicht schrecklich gut geeignet. An der Architektur lag auch das eine große Problem des Abends: die Bühne ist riesig groß und tief und davor
gab es einen sehr breiten Fotograben - es waren Festival-Ausmaße. Aber damit war die Band eben auch ziemlich weit weg, was mit der Intimität eines Radiokonzerts nicht viel zu tun hatte.

Beginn 20 Uhr war überall verbreitet worden. Aber erst nach Nachrichten, Verkehrsfunk und zwei Liedern wurde es spannend.
Maxïmo Park kamen in drei Etappen auf die Bühne, erst Duncan Lloyd, Archis Tiku und Tom English, dann Lukas Wooller und schließlich Paul Smith.

In Köln im März hatte Paule erzählt, er habe neue Anzüge gekauft. Der heute war das wohl. Und
gleichzeitig das albernste Stück Männerkleidung, das ich jemals gesehen habe. Der Sänger trug einen Kurzarm-Anzug! Nicht umgekrempelt, mit kurzen Ärmeln! Sensationell!

Sein Bowler scheint endgültig eingemottet zu sein, denn auf dem Kopf hatte er erneut den 2009er Hut. Das - und der wohl dauerhaft geänderte
Bühnenaufbau (Lukas links) waren dann aber auch schon die Änderungen.

Der am besten zur Umgebung passende Titel machte den Auftakt. Graffiti war aber sicher eher an den Beginn gesetzt, um mit einem der größten Hits Stimmung zu machen. Die Vorgabe für den Abend war nämlich, viele neue Lieder zu spielen. Im Interview bei einslive hatte Paul vorher gesagt, heute sei der Tag, an dem die neuen Sachen aus ihren Käfigen gelassen würden. Man hätte bei
einer hasenfüßigeren Band erwarten können, daß bei einem Radiokonzert des vermutlich größten Senders mit Indie-Anteil in Deutschland eine ganze Menge Klassiker eingestreut werden, um sicher zu punkten. Die Nordengländer hatten da mehr Mut (oder Selbstvertrauen).

Wraithlike hatten Maxïmo Park schon vorab veröffentlicht, das folgende The penultimate clinch war also das erste richtig neue Lied (das sie aber auf der kleinen Clubtour im März schon getestet hatten). Ich habe ehrlich gesagt nicht genau drauf geachtet, ob auch diesmal Keyboarder Lukas dabei größere Gesang-Anteile hatte; das war mir im Gebäude 9 aufgefallen. Heute war ich unaufmerksam.

Paul Smith hatte wieder viel zu erzählen. "We have a new album. It's a Platte called Quicken the heart". Und wie ein guter Entertainer sagte er zu fast allen Liedern etwas. Meist stellte er sie hinterher kurz vor. "It's about a Gewitter", "A song about two people" usw. Bei
I want you to stay schwindelte er ein wenig ("das haben wir in Deutschland lange nicht gespielt" - bis auf Köln im März habe ich es immer gehört). Aber im Radio wird ja auch gelogen. Als wir auf die Band warteten, lief im Hintergrund natürlich der veranstaltende Sender. Bei einer Schalte ins Skaters Dings sagte die um kurz nach acht, die Band spiele bereits, was für viel Lachen sorgte.

Eines der neuen Stücke, das am besten zieht, ist Questing, not coasting. Der eingängige Refrain wird sicher dafür sorgen, daß das Lied ein Klassiker wird, gar kein Zweifel! Das wird auch schon gewünscht. Eine Frau in meiner Nähe hatte ein handgeschriebenes Schild mit dem Titel dabei, um es sich so zu wünschen. Das funktionierte ja auch. Mit By the monument, ihrem zweiten Wunschzettel, hatte sie leider weniger Glück. Paul sah das zwar, während er Books from boxes sang, winkte er aber in ihre Richtung ab. Schade! Aber obwohl auch einige andere Lieblinge fehlten, war es ein sehr gutes Konzert mit tollem Set, weil die neuen Stücke eben doch viel mehr Potential zu haben scheinen, als das Skeptiker befürchtet hatten. Neben Questing... ist The kids are sick again der zweite Liveknüller unter den Neuheiten und sicher das eingängigste Lied auf Quicken the
heart. Mein Liebling war aber schon auf der Fahrt Overland, west of Suez, mit dem ich live überhaupt nicht gerechnet hatte. Tanned, das Maxïmo Park seit vergangenem Jahr im Programm haben, und das ich nicht mochte, wird immer besser. Noch zwei, drei Konzerte, und ich schwärme davon in allerhöchsten Tönen!

Von den alten Sachen habe ich mich besonders über
Now I'm all over the shop gefreut! Ach, wie schön!

Mit den beiden Zugaben Calm und Apply some pressure endete das schöne
Radiokonzert nach einer guten Stunde. Anders als bei den Kaiser Chiefs sehe ich bei Maxïmo Park nicht die Gefahr, daß in ein paar Monaten ein Rundmail kommt, daß man mal eine längere (geplante!) Pause macht. Für mich erfüllte das Konzert dann auch den wichtigsten Zweck: es beruhigte mich ungemein!

A brief English review will follow soon!

Setlist Maxïmo Park, einslive Radiokonzert, eine Nacht in Münster, Skaters Palace:

01: Graffiti
02: Wraithlike
03: The penultimate clinch
04: Our velocity
05: I want you to stay
06: Questing, not coasting
07: In another world (you would've found yourself by now)
08: Books from boxes
09: The kids are sick again
10: Tanned
11: Going missing
12: Let's get clinical
13: Overland, west of Suez
14: Now I'm all over the shop
15: Girls who play guitars

16: Calm (Z)
17: Apply some pressure (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Köln, 03.03.09
- Maximo Park, Haldern, 09.08.08
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.08
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.07
- Maximo Park, Köln, 16.10.07
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.07
- Maximo Park, Paris, 08.06.07
- Maximo Park, Köln, 26.05.07
- Maximo Park, Bochum, 09.04.07
- ein paar Fotos aus dem Skaters Palace
- mehr Fotos von MP-Konzerten

* das stand mal ein flapsiges "schreckliche" vor, das ich hierhin verschoben habe, weil die Band das wohl nicht ist. Ich kenne nur ein Radio-Lied, das ich nicht mag.




 

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