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Sonntag, 25. August 2013

Prinz Pi & Band, Großpösna, 18.08.2013

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Konzert: Prinz Pi & Band
Ort: Großpösna, Störmthaler See (Highfield Festival)
Datum: 18.08.2013
Dauer: etwa 45 Minuten
Zuschauer: viele tausend



Manchmal hat die Witterung einen Hang zu übertrieben kitschigen Bildern. Friedrich Kautz, der sich mit den letzten Veröffentlichungen unter seinem Künstlernamen Prinz Pi als Rettung des Deutschraps, als bester Hip-Hopper dieses Landes bewies, schaut über die Köpfe der zahllosen Zuschauern zum Himmel auf, Wind treibt einem Sandkörner in die Augen. Sieben Songs spielte der Berliner Künstler mit seiner tadellosen Band bereits, als er „Laura“, die emotionale Verarbeitung des Selbstmords einer Ex-Freundin, über den er nicht hinwegkommt, ankündigt. 
Prinz Pi rappt sich bei seinem letzten Festivalauftritt in diesem Jahr mit düsterer Miene durch die aufrüttelnden Verse, es beginnt zu regnen. Die Stimme des Studentenrappers überschlägt sich leicht: „Wenn das Abendlicht in genau dieser Farbe ist / dann ist ein Loch in der Luft wo du standest / Hörst du mich wo du bist? / Bleib genau da! / Bald komm ich nach nach / Also wart auf mich“; Zeilen an der Grenze zum Kitsch werden verstärkt durch das Wetter, Kautz selbst scheint ehrlich gerührt. 
Gefühlt schallt der Text aus tausenden Mündern. Die verbale Anteilnahme an massiven Selbstbeschuldigungen, an tiefster Trauer, am emotionalen Horrortrip ist am windigen Spätnachmittag des letzten Highfield-Tags erstaunlich. „Als mein Handy dann klingelte, mit deiner Nummer, / ich erst mal nicht ran ging, / beim dritten Mal unter Fluchen dann doch, / als irgendwer dran war, der fragte: / "Wer sind sie?" Von dir ein Bekannter? / Der sagte, meine Nummer wär' die letzte gewesen, / die du vor dem Unfall dann wähltest / als dein Vater, den ich nie getroffen hab, / sagte dein Wagen - Brücke - mehrfach überschlagen / Sekundenbruchteile - keine Bremsspur zu finden / Selbstmord - 10. Mai - Beerdigung München / dann Klicken - Stille bei klingelnden Ohren / so bin ich erfroren im inneren Norden“. 
Angekommen im deutschen Pop-Mainstream ist der ehemalige Underground-Held heute der Inbegriff niveauvollen Deutschraps. Es war Prinz Pi, der auf seiner „Neopunk“-Tour vor einigen Jahren eine junge Bielefelder Nachwuchshoffnung als Support mitnahm. Der phänomenale Erfolg des heutigen Popstars Casper wäre ohne diese Hilfestellung kaum vorstellbar. Doch auch seine eigenen Alben werden immer populärer. 
Ohne ein Major-Label im Rücken landete bereits „Rebell ohne Grund“ 2011 in der Top10 der deutschen Charts, bevor das weit poppigere „Kompass ohne Norden“ in diesem Jahr sogar die Spitze erklimmt hat. 
Live-Bands bekommen Hip-Hoppern in der Regel gut. Auch wenn Prinz Pi diesen noch in „Bombenwetter“ auf „Rebell ohne Grund“ eine Absage erteilte, unterstützt ihn seit vergangenem Jahr selbst eine. Und natürlich hauchen Gitarre, Bass, Schlagzeug und Klavier dem Ganzen Leben ein. 
Als ich ihn auf den Tag genau zwei Jahre zuvor in der ausverkauften Frankfurter Batschkapp sah, gingen mir der elektronisch erzeugte Orgelsound, die DJ-Einlagen noch gehörig auf die Nerven, heute kann ich jede Minute genießen. 


Lediglich E-Rich, langjähriger Back-Up des Prinzen, ist glücklicherweise noch mit von der Partie und rettet den oft atemlosen – weil asthmatischen – Protagonisten immer wieder in heiklen Situationen. Die Technik meint es, wie bei vielen anderen Auftritte des diesjährigen Highfields auch nicht gut, mit dem studierten Grafikdesigner, der erstaunlich freundlich immer wieder darauf hinweist, dass sein Monitor nicht angeschaltet sei. Nach wiederholten Bitten, wird diese Hürde genommen und das tadellose Konzert, das mit „Fähnchen im Wind“, dem Opener des aktuellen Langspielers, äußerst vielversprechend begann, nimmt seinen hektischen Lauf. 
„Kompass ohne Norden“ ist verstärktem Pop-Appeal zum trotz eine fantastische Veröffentlichung, eine Coming-Of-Age-Erzählung erster Güte. Friedrich Kautz entwirft eine autobiografische Collage zwischen Oberstufe, Mensaessen, Karrieristen und Gescheiterten. „Fähnchen im Wind“ fungiert als erster Track wie eine programmatische Einführung in das konzeptionell ambitionierte Album. Auch live entfaltet das neue Stück seine Tiefenwirkung, was die Klasse des Künstlers zeigt. 
Wo andere Rapper im Livetest kläglich versagen, gelingt es dem 33-jährigen mit Mütze, Nerd-Chic-Brille, unscheinbarem T-Shirt und kurzer Jeanshose, die Spannung zu halten, ohne das alles in öder Animation mündet. Selbstverständlich wird auch hier mit Plattitüden („Macht mal richtig Lärm“, „Alle Hände hoch“, etc.), nerviger Publikumsbespaßung und den üblichen Ritualen gearbeitet, die musikalisch-lyrische Qualität gleicht das allerdings locker aus. „Ich komme wie Jimi, gehe wie Kurt / Mit einem Knall so laut das ihn jeder hört / Altes Manowar Shirt, die Jeans mit Loch / Chucks war'n weiß, sind grau, viel gerockt“, „Du bist“, der große Hit des vorangegangenen Albums, wird kollektiv mitgesungen, Prinz Pi kultiviert ein stilvolles Name-Dropping, biedert sich nicht an, verwendet die richtigen Schlagworte, bevor sich die dunkle Liebesballade zur unnachahmlichen Schlüsselzeile zum Werk des Rappers - „Melancholie ist die Lederjacke meines Vereins“ - steigert. 


Dendemann mag die originelleren Wortspiele finden, Casper größeren Pathos generieren, doch niemand beherrscht Worte und Namen mit vergleichbarer Eleganz und klugem Schmunzeln wie Prinz Pi. „Bob Dylan gab mir einst einen Kompass ohne Norden“, heißt es im darauffolgenden Titeltrack des aktuellen Werks. Dylan-Zitate wirken oft abgedroschen, Pi gibt die Fußnote wenigstens an und hat den Text verstanden. Zur gefälligen Pianomelodie schildert er die persönliche Entwicklung seines Abijahrgangs mit Tod, Erfolg und der ständigen Suche nach der eigenen Identität. Nach einer treffenden Abrechnung mit deutschen Familien-Erwartungs-Klischees, folgt offensichtliche, nicht minder wirkungsvolle Kapitalismuskritik: „Hab gestern einen wieder getroffen / Mit ihm paar Biere gesoffen / Den ganzen Abend hat er durch meine Miene gesprochen / In den Spiegeln hinter mir / Er ist sehr erfolgreich / Ich weiß jetzt alles über teure Uhren und den Goldpreis / Wie er stetig steigt / Und über junge Frauen, die immer wollen wenn er kann / Und er selber will immer / Über den Aufsichtsrat, sein neues, teures Auto / Nach dem 4. Bier wird er für mich lautlos / Und ich schreie, was hast du schon erreicht? / Du bist nur der größte Hai in einem kleinen Teich / Doch es kommt stets ein größerer, besserer, stärkerer, cleverer Hai / Sei ein Mensch und kein Hai, Mensch! / Zwischen den Beinen von deiner Sekretärin / Findest du keinen Lebenssinn, vergisst du deinen Ehering / In einem Lebenslauf völlig ohne Lücken, hört das Leben auf /Alter, zähl da drauf!“ 
Deutscher Hip-Hop muss nicht stumpf sein, auch wenn das – ironisch – nach Dendemann Trumpf ist, deutscher Hip-Hop braucht keinen Sexismus, keine Homophobie. Prinz Pi ist ein Beweis gegen diese, von den Bushidos und Sidos der Szene gepflegten, Klischees. Ein anderer Beweis dagegen ist natürlich Casper, der sich auch auf „Kompass ohne Norden“ als Feature findet. In „100x“ rappt er einen Gastpart. Auch in Großpösna kommt der Song im klassischen Hip-Hop-Beat gut an, auch ohne Casper. 
Das wunderbar selbstironische „Der neue iGod“ lädt zum Armschwenken ein. Das gefällige Spiel mit der meist als Angriff gedachten Betitelung als Studentenrapper ist die perfekte Antwort auf all die Prolls. Mit scharf geschliffenen Zeilen wie „Ob an Humboldt oder Technischer, egal wo ich rumsause / Promo? Ich promoviere – summa cum laude“ oder „Und weil mir dumme Frauen zu wider sind / Häng' ich ab mit Medizinerinnen, die gut beim Anästhesieren sind“ gewinnt der Berliner Beatles-Fan, der seinen Hund Penny Lane taufte, das Battle und auch jeden noch so reservierten Hip-Hop-Skeptiker, bevor der Refrain mit größtmöglich geheuchelter Arroganz besticht („Ich weiß das alles hier ist fremd für dich, aber bitte mach dir nicht ins Hemd / Meine Musik zeigt dir nur wie beschränkt du bist, und was du alles noch nicht kennst“). 
Das schönste an „Glück“, einer erfolgreichen Single jüngeren Datums, ist der plakativ geklaute Beatles-Bläsersatz gegen Ende. Dazu ist der eingängige Song natürlich ein angenehmes Liebeslied. Junge Mädchen singen mit Tränen in den Augen mit, während Mit-40er, die auf Tocotronic warten, anerkennend lächeln. Prinz Pi gelingt es problemlos Gegensätze zu vereinen. Der Baggie-Träger und der Irokesen gestählte Punk treffen auf Hipster und Indie-Jünger. 
„Wir meinten immer nur einander, wenn wir Glück sagten“, die vermeintliche Plattitüde wächst mit der Zeit, die Anspielung auf einen Teenie-Blockbuster der 80er, „Hol' den DeLorean, lass' uns damit zurückfahren“, kommt punktgenau komisch. 
Dann folgt "Laura" mit Tränen und Regentropfen, bevor Friedrich Kautz noch ein letztes Mal in die Rolle des Animateurs schlüpft, die Menge auffordert die Faust zum Refrain, zum „Oi, Oi, Oi“ skandieren, zu heben. „Aus politischen Gründen bitte die linke Faust. Mann, Mann, auf so etwas muss man echt nur hier hinweisen“, merkt er pennälerhaft kichernd an, bevor mit dem zynischen „Generation Porno“ das energische Ende des Konzerts in ausgelassener Party mündet. Der ehemalige Prinz Porno hat seine Vormachtstellung als Speerspitze des deutschen Hip-Hops eindrucksvoll gefestigt. Step aside, Casper!


Setlist Prinz Pi & Band, Großpösna

01: Fähnchen im Wind 
02: Du bist 
03: Kompass ohne Norden 
04: 100x 
05: Der neue iGod 
06: Die letzte Ex 
07: Glück 
08: Laura 
09: Generation Porno



Maxïmo Park, Großpösna, 16.08.2013

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Konzert: Maxïmo Park
Ort: Großpösna, Störmthaler See
Datum: 16.08.2013
Dauer: eine knappe Stunde
Zuschauer: tausende


2013 glaubt man es kaum, aber ja, vor einigen Jahren war der gradlinige Indie-Rock von Maximo Park aus Newcastle wirklich einmal wichtig: Die Band um Frontmann Paul Smith veröffentlichte mit „A Certain Trigger“ (2005) und „Our Earthly Pleasures“ (2007) zwei herausragende Alben der vergangenen Dekade, darauf folgte eine Menge Mittelmaß, das langweilige Soloalbum des Sängers und mit „The National Health“ der öde Tiefpunkt im vergangenen Jahr. 
Ob die Nordengländer live noch an die Klasse ihrer großen Zeit anknüpfen können, fragte ich mich vor ihrem Auftritt auf dem sächsischen Highfield Festival. Mit „When I Was Wild“, dem Piano getragenen Intro des aktuellen Albums, das direkt in den Titeltrack desselben, „The National Health“, übergeht, beginnend, scheinen sich meine Befürchtungen zu bestätigen. 
Der wie immer Hut tragende Paul Smith wirbelt zwar wie eh und je über die Bühne, man kann erahnen, dass dieser Act vor nicht allzu langer Zeit als spannend galt, dennoch langweilt mich der abgehobene, snobistische Beginn trotz Sozialkritik und schnellen Gitarren. 
Die Erlösung lässt glücklicherweise mit „Girls Who Play Guitars“ nicht lange auf sich warten, Smith wirkt gelöst, als er die frenetische Reaktion der Menge auf den Publikumsliebling wahrnimmt. The Jam-Gitarren, dekadente Posen im Anzug und dieser selbstgefällige Gesang, der ihm einmal die Betitelung Jarvis Cocker des Nordens“ einbrachte, entfalten ihre sofortige Wirkung. Wie bei den Kaiser Chiefs ist es folgerichtig bereits nach wenigen Jahren von Nostalgie zu sprechen. Der Anspruch als relevante Band der Gegenwart wahrgenommen zu werden, kann nur verfehlt werden, der Funke springt bei den Konzerten erst bei den alten Hits über, entflammt Emotionen, setzt Tanzbeine in Bewegung und lässt einen fröhlich an die Jugend zurückdenken. 
Besonders mochte ich bei Maximo Park immer den unbeschwerten Keyboard-Einsatz in Zeiten, in denen das 80s Revival schlimme, überladen produzierte und dabei äußerst erfolgreiche Synthie-Sünder wie die Killers hervorbrachte. Lukas Wooller von Maximo Park gelang damals der Spagat zwischen zeitgeistiger Anbiederung und nötiger Distanz sehr elegant, indem er sich offenbar wenig Gedanken um die Außenwirkung machte. Auch heute ist es der Keyboarder, der gemeinsam mit der auffälligen Singstimme Smiths den Bandsound ausmacht, der die Erwartungen erfüllt. 
 Während neuere Stücke fast ungehört an mir vorbeirauschen, saugt man die Bandklassiker auf, tanzt zu „Apply Some Pressures“ oder „Graffiti“, skandiert die schwarzhumorigen Zeilen aus „Our Velocity“ lautstark - „Im not a man, Im a machine / Chisel me down until I am clean / I buy books, I never read / And then I'll tell you some more about me“ - bevor man sich beim großartigen „Books From Boxes“ andächtig singend in den Armen liegt, während Smith, Duncan Lloyd (Gitarre), Archis Tiku (Bass), Wooller und Tom English (Schlagzeug) noch einmal alle Register der Indie-Nostalgie-Revue zurück in die 00er Jahre ziehen und die Generation der kurz nach der Wende geborenen Festivaljünger ein letztes Mal beglücken. 
Wichtig ist das alles freilich nicht mehr, aber eine knappe Stunde enthemmtem Brit-Rocks entschädigt für vieles. Live sind Maximo Park auch 2013 eine Wucht, unangefochten der mitreißende Act des ersten Festivaltags, die neusten Alben darf man nichtsdestoweniger trotzdem getrost ignorieren. 


Links:
- aus unserem Archiv:
- Maximo Park, Köln, 03.03.2012 
- Maximo Park, Frankfurt, 28.10.2009 
- Maximo Park, Düsseldorf, 22.10.2009
- Maximo Park, Luxemburg, 19.10.2009
- Maximo Park, Münster, 08.05.2009
- Maximo Park, Köln, 03.03.2009
- Maximo Park, Haldern, 09.08.2008
- Maximo Park, Nijmegen, 20.06.2008
- Maximo Park, Wiesbaden, 22.10.2007
- Maximo Park, Köln, 16.10.2007
- Maximo Park, Glasgow, 02.10.2007
- Maximo Park, Paris, 08.06.2007
- Maximo Park, Köln, 26.05.2007
- Maximo Park. Bochum, 09.04.2007



Samstag, 24. August 2013

Thees Uhlmann & Band, Großpösna, 18.08.2013

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Konzert: Thees Uhlmann & Band
Ort: Großpösna, Störmthaler See (Highfield Festival)
Datum: 18.08.2013
Dauer: etwa 45 Minuten
Zuschauer: tausende


„Römer am Ende Roms“ zur Eröffnung ist ein Standard eines Thees Uhlmann-Konzerts. Dass Uhlmann das Stück zu Beginn seines kurzfristig angesetzten Highfield-Auftritts spielen würde, war nicht wirklich zu bezweifeln, trotzdem schwingt mit dem mit Springsteen-Zitaten gespickten Liebeslied ein erhabenes Gefühl an diesem Spätnachmittag Mitte August mit. 
Es ist stürmisch, die Luft scheint Sand getränkt, Regentropfen prasseln einem ins Gesicht: Uhlmann wurde wenige Tage zuvor als Ersatz für den englischen Akkustikpunk und „hardest working man in showbiz“ (Billy Bragg) Frank Turner aus Winchester, der wegen eines Rückenleidens eine Reihe Auftritte absagen musste, bestätigt. 
Uhlmann selbst ist Fan und guter Bekannter des Briten und sieht es als Ehre seinen Urlaub um wenige Tage zu verschieben. Dass er mit „Römer am Ende Roms“, das nicht nur auf Springsteens „Dancing in the Dark“ verweist, sondern auch textlich angedeutet und vor allem musikalisch augenscheinlich an dessen „Thunder Road“ angelegt ist, beginnt, lässt einen positiv an Turner denken, dessen reduzierte Akustikversion des „Born To Run“-Songs das beste Springsteen-Cover ist, das ich kenne. 
 Beide vereint die leidenschaftliche Liebe zur Rock-Ikone aus New Jersey, was man glücklicherweise auch der Musik anhört. Als Solokünstler inszeniert sich Thees Uhlmann gekonnt als deutscher Boss und kommt ebenso wie Turner auch bei eingefleischten Springsteen-Fans an. Der Pathos passt auf dem im diesen Jahr vom amerikanischen Punk geprägten Highfield Festival kontrastiv; „Triff mich an der Kirche / denn ich habe Lust zu schwören, / dass wir für den Rest der Tage zusammen gehören / Triff mich bitte mitten ins Herz / Triff mich auf der Bank im Park / Even though we are just dancers in the dark“, singt Uhlmann inbrünstig, während Julia Hügels Pianospiel und der Mundharmonika-Einsatz keinen Zweifel an einer „Thunder Road“-Referenz lassen. 
Eine tolle Band hat der auf Solopfaden wandelnde Tomte-Frontmann da um sich versammelt. Neben der erwähnten Musikstudentin Julia Hügel sind das Martin Kelly (von Martin & James) an der Gitarre, Markus Perner an den Drums, Hubert Steiner am Bass und Tobias Kuhn (Gitarre und Mundharmonika). Kuhn, der auch das selbstbetitelte Debütalbum des gebürtigen Hemmoorers produzierte, ist ein wichtiger Faktor für den großartigen Verlauf Uhlmanns Solokarriere. Verantwortlich für klangästhetische Prozesse ist der ehemalige Miles-Sänger derjenige, der dafür sorgte, dass „Thees Uhlmann“ eine der besten deutschen Indie-Pop-Veröffentlichungen der letzten Jahre wurde. Darüber möchte man ihm sogar die Beteiligung als Co-Produzent am aktuellen, wirklich furchtbaren Toten Hosen-Album „Ballast der Republik“ verzeihen, aber für die Songs kann er freilich auch nichts. 
Knapp eine Dreiviertelstunde hat Uhlmann in Großpösna Zeit seine Lieder zu präsentieren und es gelingt dem 39-jährigen souverän ein begeisterndes Set zwischen subtiler Alltagsbeobachtung und ausgelassener Indie-Party zu spielen.  
„Das Mädchen von Kasse 2“, „Vom Delta bis zur Quelle“, „Die Toten auf dem Rücksitz“, wer es sich leisten kann drei Songs dieser Klasse hintereinander zu spielen, kann zurecht in seine Songwriter-Qualitäten vertrauen.  
„Sind heute Eltern hier?“, Uhlmann erzählt von seiner 6-jährigen Tochter in Berlin, solidarisiert sich mit anwesenden Müttern und Vätern, denen es gelingt Konzertleidenschaft und Kinderbetreuung zu koordinieren und spielt das für junge Familien wohl programmatische „Die Nacht war kurz (und ich stehe früh auf)“. Wieder setzt die Mundharmonika nebraska'esk ein, der angenehm wabernde Bass lenkt kurz ab, lässt einen an das morgendliche Aufstehen denken, dann setzt der Refrain mit der Titel gebenden Zeile ein, die vom begabten Sänger Tobias Kuhn wiederholt wird. 
Auf Thees Uhlmann-Konzerten wird viel gesprochen, die Geschichte aus der niedersächsischen Provinz, die er vor „Lat: 53.7. Lon: 9.11667“ erzählt, steht in bester „The River“-Tradition, glänzt mit Anekdotenreichtum und Einblicken in die uhlmann'sche Biografie. Während die Band dezent die Melodie des Stückes liefert, berichtet der Frontmann aus seinem Kinderzimmer, vom ständigen Fahrradfahren, von den väterlichen Aggressionen gegen Kreator und Slayer, dem Tod der Oma eines Kumpels, der eigentlich zu einer Party gerufen hat. „Hier komm ich her, hier bin geboren, hier komm ich her“, singt Uhlmann im Refrain und widmet es allen Besuchern, die vom Land kommen. Selten wurde die Verwurzlung in provinzieller Erinnerung ehrlicher und besser formuliert als in diesem Song, „Du kriegst die Leute aus dem Dorf, das Dorf nicht aus den Leuten / Und ich weiß nicht wirklich, was soll es bedeuten.“ Melancholisch denkt man selbst an die eigenen Kindheit auf dem Land zurück und ist froh dort aufgewachsen zu sein. Emotionen werden geweckt, ohne zu Verkitschen, Kontraste klingen an, Kritik wird deutlich, doch überwiegt, ja verbleibt auch in den Grautönen die Identität, nach der die urbane Gesellschaft, gerade die, die es aus der Provinz dorthin verschlug, suchen. „Hier gibt es Restaurants, in die niemand geht, / Weil das Essen um Punkt sechs auf den Tischen steht. / Hier gibt es Kühe auf den Weiden und Atomkraftwerke / Und reden war noch niemals unsere stärkste Stärke. / Haben hohe Himmel im tiefsten Blau. / Hier nimmt man seine Jugendliebe noch zur Frau.“ Man akzeptiert den Pathos, weil er treffend ist, man legt es nicht als Zynismus aus, weil es wertneutral berichtet, wie das Leben spielt. Es sind Lieder, wie dieses, die den Künstler Thees Uhlmann auszeichnen und die die Springsteen-Vergleiche zulassen. 
Nächste Woche erscheint „#2“, das zweite Album unter eigenem Namen. Mit „Am 07. März“ wird nur ein neues Stück vor den Toren Leipzigs gespielt. Der eingängige „Ohoho“-Refrain lässt einen Hit erwarten. Name- und date-dropping stört nicht; ausgehend vom gemeinsamen Geburtstag seiner Mutter und Rudi Dutschke im selben Krankenhaus in Berlin-Pankow berichtet Uhlmann von weiteren Ereignissen an diesem Tag in der Geschichte: Von der Rhein-Überquerung der Amerikaner bei Remagen im zweiten Weltkrieg, über die Veröffentlichung von „American Psycho“, dem ersten Mal „We Are The World“-Hören, der Patentierung des Telefons, die erste "Sendung mit der Maus" bis hin zur Gründung der FDJ. Dazu gibt es wunderbare Zeilen wie „Die Menschen spielten wirklich irgendwann mal Tennis“. 
Dass die Technik ausgerechnet bei „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“, dem größten Solohit, der Assoziationen zu einer anderen wichtigen Band im Uhlmann'schen Kosmos zulässt, nämlich Oasis, ist tatsächlich ärgerlich. Wütend wirft Uhlmann den Mikrophonständer um, das Publikum singt währenddessen den Refrain, bevor die Probleme behoben sind und sich der Song als zu erwartendes Highlight beweist. 
Die Zuschauer toben, Uhlmann zieht die Lederjacke aus, steht im schwarzen T-Shirt vor den Zuschauern, lässt sich feiern. Die Strophen entfalten ihre glänzende Wirkung mit dem aufbäumenden Einsetzen des Refrains erst richtig. Ein Feedback hallt nach, tosender Applaus. 
„Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht; Casper aus Bielefeld kann heute nicht bei uns sein. Jetzt die schlechte, ich muss selbst rappen.“ „& Jay Z singt uns ein Lied“ markiert den Schlusspunkt eines starken Konzerts, das den Ausfall Turners fast vergessen macht. Die Zuschauer singen den ikonischen Song eindrucksvoll mit, dann käme Caspers Einsatz, Uhlmann beginnt zu rappen; „Mehr Kraft als Mut mit mehr Schnaps als Blut / In den Augen, Taumel durch die Nacht im Flug schlafimmun / Ab und zu Lebenslichter schwebenden Songs / Hab' 99 Probleme, wir sind jedes davon“, dann bricht er ab, der Refrain setzt verfrüht ein, die Zuschauer spielen euphorisiert mit. 
Verschwitzt und strahlend lächelnd verabschiedet sich Uhlmann mit einer Verneigung: „Wenn ich daran denke, mit Gaslight Anthem auf einer Bühne zu stehen, geht mir einer ab! Und Tocotronic sollen 'Jenseits des Kanals' spielen. Wir sehen uns bald!“ 
 45 Minuten nach dem verspielten Piano-Intro von „Römer am Ende Roms“ ist man begeistert. Es gelingt ihm, Menschen glücklich zu machen - auch das scheint ein Standard zu sein. Das ist das größte Kompliment, das man Uhlmann machen kann. Er ist auf einem guten Weg, seine Stellung als deutscher Musiker in der Tradition Springsteens zu festigen, ohne ins bloße Epigonentum abzufallen. Ich gratuliere!


Setlist Thees Uhlmann & Band, Großpösna:

01: Römer am Ende Roms
02: Das Mädchen von Kasse
03: Vom Delta bis zur Quelle
04: Die Toten auf dem Rücksitz
05: Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)
06: Lat: 53.7. Lon: 9.11667
07: Am 07. März (neu)
08: Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf
09: & Jay Z singt uns ein Lied


Links:
- aus unserem Archiv:
- Thees Uhlmann & Band, Mannheim, 01.06.2013 
- Thees Uhlmann & Band, Haldern, 09.08.2012
- Thees Uhlmann & Band, Scheeßel, 23.06.2012
- Thees Uhlmann & Band, Trier, 10.12.2011
- Thees Uhlmann & Band, Köln, 25.11.2011
- Thees Uhlmann & Band, Bielefeld, 12.12.2010
- Tomte, Wien, 05.09.2009
- Tomte, Mülheim, 25.03.2009

Tocotronic, Großpösna, 18.08.2013

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Konzert: Tocotronic
Ort: Großpösna, Störmthaler See (Highfield Festival)
Datum: 18.08.2013
Dauer: etwa 50 Minuten
Zuschauer: mehrere 1000



„Wir möchten diesen Song einer guten Freundin und langjährigen Weggefährtin widmen, die vergangene Woche verstorben ist, Almut Klotz.“  
Dirk von Lowtzow im äußerst stilvollen blau-weißem Polka-Dot Hemd schließt ziemlich genau in der Mitte des Sets die Augen, dann folgt „Drüben auf dem Hügel“, der gehetzte Schlüsselsong des unschätzbaren Debütalbums „Digital ist besser“
Die Hommage, das würdevolle Andenken an das charismatische Lassie Singers-Gründungsmitglied, das nach kurzer schwerer Krebserkrankung mit gerade einmal 50 Jahren verstarb, treibt Tränen in die Augen. Von Lowtzow schreit ein markerschütterndes „Almut“, während die ersten Reihen geschlossen unvergessliche Zeilen mitsingen. 
Bei „Ich warte dort auf dich weil ich dich mag / An unserm letzten Sommerferientag“ muss meine kleine Schwester auf ihrem ersten Festival grinsen. Am darauffolgenden Tag beginnt für sie wieder die Schule, Cro am Vortag fand sie – selbstredend zurecht - doof, Tocotronic toll - selbstredend zurecht. 
Von vornherein stand widerspruchsresistent fest, dass es einer der besten Auftritte des diesjährigen Festivals sein würde, dass Tocotronic ein Juwel im kümmerlichen Line-Up des traditionsreichen ostdeutschen Rockfestivals sind. Damit, Zeuge eines schier rauschartigen Konzerts auf der kleineren Bühne zu werden, konnte ich jedoch nicht rechnen: 
Tocotronic gelingt es mit einer nahezu perfekten Setlist, Wut, Spielfreude und Trauer die besten 50 Minuten des Festivals zu kredenzen; mehr noch, das beste Konzert zu spielen, das ich bisher von dieser Band erleben durfte. 
Enttäuscht dürfte zum Schluss nur Thees Uhlmann gewesen sein, der sich gegen Ende seines eigenen Auftritts auf der Hauptbühne unmittelbar vor Tocotronic wünschte, sie mögen doch „Jenseits des Kanals“ spielen. Die Hoffnungen des ehemaligen Roadies der Band auf den „K.O.O.K“-Song erfüllen sich nicht, stattdessen gibt es nach dem wunderbar behäbigen Beginn mit „Wie wir leben wollen“ „Let There Be Rock“ und jedem Menge gereckte Fäuste.  
„Wir haben gehalten in der langweiligsten Landschaft der Welt / Und festgestellt, dass es uns hier gefällt“, transferiert auf die sächsische Provinz vor den Toren Leipzigs, erscheinen mir die Zeilen passender denn je. Dirk von Lowtzow singt nicht, er skandiert im ihm eigenen Timbre und verstört sichtlich diejenigen, die für Frida Gold(!!!) kamen oder auf den Auftritt der megaerfolgreichen Mumford & Sons – Trittbrettfahrer The Lumineers aus Colorado warten. 
Mit „This Boy Is Tocotronic“ fortzufahren, erfreut die Fans, und während Arne Zank (Schlagzeug) und Bassist Jan Müller einen soliden Rhythmus liefern, glänzt Rick McPhail im großkarierten, roten Hemd, in dem ich ihn schon mehrmals gesehen habe, als musikalische Geheimwaffe des wichtigsten Kollektivs der Hamburger Schule. Ohne den amerikanischen Multiinstrumentalisten wäre der musikalische Fortschritt der Band in den letzten Jahren undenkbar gewesen. Seit knapp 10 Jahren ist der ehemalige Roadie Teil der Gruppe und machte mit musikalischer Perfektion Tocotronic reif für weitere Dekaden. 


Für viele Kritiker und Fans jüngerer Generation ist „Kapitulation“, das 2007 erschienene, achte Studioalbum, das größte Meisterwerk. Und ja, natürlich ist es ein Meilenstein deutscher Popmusik. Der härteste Song der Platte, „Sag alles ab“, reicht als Beleg und fordert das grundsätzlich eher US-Punk affine Highfield-Publikum förmlich zum Pogen auf. Wütend ausgespuckte Zeilen, townshend'eske Bewegungen Lowtzows und Müllers setzen ein visuelles Ausrufezeichen hinter den wütenden Refrain, bevor „Die Revolte ist in mir“, einer der besten Songs des aktuellen Albums „Wie wir leben wollen“ folgt. 
Obwohl mir der Zugang zum jüngsten Werk eher schwer fällt, muss ich anerkennen, dass gerade von diesem Song mit seinen offensichtlichen Smiths-Verweisen eine angenehme Anziehung ausgeht. 
Kurz fällt von Lowtzows Gitarre aus, technische Probleme durchziehen das ganze Festival, doch den 42-jährigen gebürtigen Badener lassen derartige Kleinigkeiten kalt. Lächelnd wird das Problem behoben, bevor mit ernster Miene Almut Klotz gedacht wird, deren Tod zum Zeitpunkt des Tocotronic Auftritts noch keinen Weg in die Medien fand, der einen umso härter trifft. 
Nach „Drüben auf dem Hügel“ gibt es mit „Ich will für dich nüchtern bleiben“ einen dritten neuen Song. Auch ohne projeziertes Straight Edge X auf der Leinwand wie bei vorangegangenen Konzerten kommt von Lowtzows berüchtigter Zynismus gut zur Geltung, der bei der Ankündigung des politisch brisanten „Aber hier leben, nein Danke“ noch weiter ausgereizt wird: Sorgte beim brandenburgischen Greenville Festival sein „Möge jedes gottverdammte Nazikaff hier in der Gegend erzittern“ noch für einen mittelgroßen Aufschrei eines Springer-Blatts widmet er es diesmal den Köchen des Festivals. 
Zeiten ändern sich und so fordert der grau melierte Sänger mit Dreitagebart bei „Macht es nicht selbst“ vom vorletzten Album „Schall und Wahn“, das Tocotronic 2010 als deutsche Crazy Horse auswies, die Zuschauer zum Klatschen auf. 
Ob es sich wieder um einen Akt ironischer Selbstkarikatur handelt oder einfach ehrlicher Spielfreude geschuldet ist, kümmert hier niemanden. Tocotronic gelingt es ein musikalisch eher fremdes Publikum für sich zu gewinnen, dafür gebührt dem Hamburger Quartett ehrlicher Respekt. 
Zum Abschluss folgt mit „Hi, Freaks“ noch ein heimlicher Klassiker der Bandgeschichte, bevor Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ vom Band das Ende markiert. 
„Macht's gut, bis bald!“ Tocotronic verneigen sich, Daphne das Plüschmaskotchen schnattert. 
Ich bin dankbar für den besten Auftritt des Festivals und erschüttert vom Tode Almut Klotz'. 


Setlist Tocotronic, Großpösna:

01: Wie wir leben wollen
02: Let There Be Rock
03: This Boy is Tocotronic
04: Sag alles ab
05: Die Revolte ist in mir
06: Drüben auf dem Hügel [Almut Klotz gewidmet]
07: Ich will für dich nüchtern bleiben
08: Aber hier leben, nein danke
09: Macht es nicht selbst
10: Hi, Freaks 


Links:
- aus unserem Archiv:
- Tocotronic, Erlangen, 11.04.2013
- Tocotronic, Stuttgart, 12.03.2013 
- Tocotronic, Wien, 29.03.2010
- Tocotronic, Köln, 04.03.2010
- Tocotronic, Köln, 07.06.2008
- Tocotronic, Hohenfelden, 17.08.2007



Montag, 18. August 2008

Blood Red Shoes, Highfield Festival, 17.08.08

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Konzert: Blood Red Shoes
Ort: Highfield Festival Hohenfelden (Cola Soundwave Tent)
Datum: 17.08.2008
Zuschauer: so einige
Konzertdauer: 37 Minuten


"Boah, die Frau ist ja noch cooler als Kim Deal, ich kannte die vorher gar nicht!"

Der junge Festivalbesucher, der mir dies hinterher ins Ohr flüsterte, hatte Recht, Laura-Mary Carter ist (in Anlehnung an ein Lied von den Subways) wirklich die neue Rock'n Roll Queen! Wir vom Konzerttagebuch wissen das schon lange und freuen uns deshalb, dass das junge, gemischte Duo aus Brighton auf dem Highfield neue Fans hinzugewinnen konnte.

In lediglich 37 Minuten befeuerten Laura-Mary und Steven das Publikum von Anfang bis Ende mit hochexplosivem und saulautem Grunge-Rock und zeigten, das in ihren zierlichen Körpern jeden Menge ungestüme Energie steckt.

Laura-Mary hatte wie immer flache Schuhe und ein hübsches Kleidchen mit Schleife an und der blonde Steven trug ein T-Shirt mit witzigem Aufdruck.

Am besten zogen das erste und das letzte Lied: Opener It's Getting Boring By The Sea wurden in dieser Hinsicht allerdings von I Wish I Was Someone Better übertroffen, zu dem die Leute ausgelassen tanzten und die Songzeile "Made A Mistake" aus voller Kehle mitsangen.

Steven hat übrigens extra noch lauter als sonst schon getrommelt, um Serj Tankian (System Of A Down), der auf der Hauptbühne rockte wie ein Teufel, zu übertönen. Ob er System Of A Down nicht mag? Keine Ahnung, jedenfalls hält er viel von Metallica. Hat er zumindest gesagt...

Setlist Blood Red Shoes, Highfield Festival:

01: It's Getting Boring By The Sea
02: How To Pass The Time
03: You Bring Me Down
04: Doesn't Matter Much
05: Try Harder
06: Say Something
07: Forgive Nothing
08: This Is Not For You
09: I Wish I Was Someone Better


Links:

aus unserem kleinen BRS Archiv:
- Blood Red Shoes, Melt!, 18.07.08
- Blood Red Shoes, Montreux, 15.07.08
- Blood Red Shoes, Evreux, 28.06.08
- Blood Red Shoes, Berlin, 06.05.08
- Blood Red Shoes, Köln, 28.04.08
- Blood Red Shoes, Paris, 09.11.07
- Blood Red Shoes, Köln, 16.10.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 08. und 09.06.07
- Blood Red Shoes, Paris, 06.03.07
- Blood Red Shoes, Köln, 11.03.07

- noch viel mehr Bilder von den Blood Red Shoes hier




Madsen, Highfield Festival, 17.08.08

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Konzert: Madsen
Ort: Highfield Festival, Hohenfelden
Datum: 17.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: eine Stunde



Die Jungs von Madsen haben mir mit ihrem zackigen Gitarrenrock ziemlich gut gefallen. Ihre Texte haben zwar nichts von dem literarischen Tiefgang von Goethe, der hier in der Nähe vor langer Zeit mal gedichtet hat, aber die Songs sind eingängig und festivaltauglich. Die jungen Mädchen in den ersten Reihen waren jedenfalls aus dem Häuschen und die Band selbst bezeichnete das Highfield als das "beste (schönste) Festival in Deutschland. Ganz schön ausgebufft für ihr Alter! Und die coolsten Rockstarposen haben sie auch schon drauf, vor allem der Bassist Niko Maurer sah mit seiner Lockenmähne stark aus! Von der Bühnenpräsenz von Madsen kann sich eine Band wie Kettcar jedenfalls eine Scheibe abschneiden.

Gespielt wurden Lieder aller drei Alben, darunter die "Perfektion" (von "Madsen"), "Du schreibst Geschichte" (von "Goodbye Logik") und "Nachtbaden" (von "Frieden im Krieg"). Außerdem auch "Verschwende Dich nicht" und "Goodbye Logik".

Achso, "Wonderwall" von Oasis wurde auch einmal angestimmt. Die mögen sie dann wohl genauso wie den schönen Stausee in Hohenfelden, wo sie gerne baden gehen. Weniger gefiel ihnen allerdings, dass ihnen (angeblich) ein Hip Hopper im Backstage Bereich den Schnaps, der für die Bands bestimmt war, weggesoffen hat...

Links:

- Madsen im Dezember 2006 in Koblenz
- mehr Fotos von Madsen hier



Gutter Twins, Highfield Festival, 17.08.08

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Konzert: Gutter Twins
Ort: Coca Cola Zelt, Highfield Festival
Datum: 17.08.2008
Zuschauer: nicht sehr viele, denn draussen war es hell und schön warm, nicht wie im stickigen, dunklen Zelt.
Konzertdauer: nur 31 Minuten


Das hat sich voll gelohnt! Das infernale "Zwillingspaar" Dulli und Langegan boten nach langer Umbaupause besten Stoner-Rock der bluesigen Sorte. Der Sound war genauso staubtrocken wie der von der Sonne getrocknete Sand am Stausee in Hohenfelden. Cool und zwar saucool waren allerdings die Hauptdarsteller. Mark Langean verzog keine Miene und hatte manchmal extrem böse Blicke drauf. Er sah fast aus, als hätte er zum Frühstück seine kleine Katze verspeist. Aber eigentlich tut der ja nix, der will nur spielen! Genauso wie sein Partner Greg Dulli, der zumindest ab und zu ein paar Worte an das Publikum richtete und dabei irgendwie aussah wie mein Hypnose-Arzt.

Insgesamt waren sechs Musiker auf der Bühne, um den schwarz gefärbten Blues-Rock der CD "Saturnalia" live umzusetzen. Alle spielten ihren Part souverän und brachten mich so richtig in Fahrt! In den besten Momenten fühlte ich mich wie auf einem Höllenritt, bzw. wie in einem Truck, der mit 200 Sachen durch die Wüste brettert. Ich war der Fahrer und hatte eine Blondine mit prallen Brüsten auf dem Schoss...

Ach, was rede ich da schon wieder! Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen, oder?

Die Gutter Twins bieten auf jeden Fall den perfekten Soundtrack für heisse Sommernächte!

Setlist Gutter Twins, Highfield Festival:

01: The Stations
02: God's Children
03: Bonnie Brae
04: Idle Hands
05: Seven Stories
06: Deep Hit
07: Change Has Come
08: Each To Each




Sonntag, 17. August 2008

Die Ärzte, Highfield Festival, 16.08.08

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Konzert: Die Ärzte
Ort: Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 16.08.2008
Zuschauer: wahnsinnig viele, circa 20.000
Konzertdauer: stolze 130 Minuten



Welche Lieder die Ärzte denn so spielen, will ich von den beiden jungen Mädchen wissen, die anhand ihrer Tour-T-Shirts unschwer als Fans der „Besten Band der Welt" zu erkennen sind.


„Och, alles mögliche. Natürlich einige neue Lieder vom letzten Album aber auch Klassiker, wie z.B. Schrei nach Liebe oder Zu spät."

„Und was kommt als Zugabe?, will ich weiter wissen. - „Na, ja, meistens gehen die nach 'ner guten Stunde von der Bühne, kommen dann wieder und spielen noch mindestens eine halbe Stunde, so dass man eigentlich gar nicht von einer Zugabe im klassischen Sinn reden kann." Die beiden Mädels hatten den Durchblick, die wussten wirklich genau wovon sie reden. Schließlich waren sie schon bei ein paar Ärzte-Konzerten gewesen. In dieser Hinsicht hatten sie mir etwas voraus, ich mit meinen inzwischen 37 Jahren war noch nie bei einem Konzert der witzigen Berliner. Dabei kenne ich die Band natürlich schon seit den glorreichen 80ern, einer Zeit, als noch eine Mauer die beiden Teile Deutschlands trennte und viele hier im Publikum noch gar nicht geboren waren!

Aber gerade das junge Publikum auf dem Highfield kannte jedes gespielte Lied. Gleich schon beim Opener musste ich hingegen passen. "Der Himmel ist blau", das sagte mir als Liedtext nichts. Wovon stammte diese Zeile? Ich sollte es hinterher erfahren, der Song heißt Himmelblau und ist ein wahrer Ohrwurm! Der Himmel ist blau und der Rest Deines Lebens wird schön, jeahoh! Gerade dieses „jeahoh" schrien circa. 18 Tausend begeisterte Zuschauer mit und der Lärmpegel wurde noch höher, als sich endlich der schwarze Vorhang (Aufdruck: „Vorsicht Jazz!") lüftete und die Band zum Vorschein kam. Der semmelblonde Schelm Farin Urlaub stand vom Publikum gesehen ganz links, Bela B. trommelte in Uniform in der Mitte hinten und Rod hatte rechts Stellung bezogen und blieb dort auch die meiste Zeit, wenn er nicht gerade mit Nordic Walking - Skistöcken seine Runden zog. Einmal tauschten allerdings Farin und Rod ihre Plätze und so war mir „The Rod" zumindest kurzzeitig recht nah. Bela hielt es zwischen den Liedern jedoch meist nicht lange hinter seinen Drums, denn ihm bereitete es eine sichtliche Freude, neben Farin zu stehen und mit ihm rumzublödeln.

Eine frühe Kostprobe: „Guck mal dieses Schild! Da steht drauf: Farin, ich bin jetzt volljährig geworden. Ficken? Oder gibt es wenigstens ein Plektrum zur Entschädigung?"
Farin: „Über das Ficken können wir reden, aber ein Plektrum gibt's nich!" Rod: „Wie, Du treibst es jetzt schon mit 18 jährigen?" Farin: "Hmm, sind mir eigentlich viel zu alt! "

Bei solchen Sprüchen war es nicht sonderlich verwunderlich, dass keiner frühzeitig in sein Zelt wollte, obwohl es schon weit nach Mitternacht und zudem für die Jahreszeit bitterkalt war. Das schien Farin aber zu überraschen: „Ihr seit bestimmt nur noch da, weil es hier viel zu voll ist, um ins Zelt zu kommen. Dabei hätte das Zelt viele Vorteile, ihr könntet schlafen gehen, wir könnten auch Schluss machen und außerdem würdet ihr den Regen nicht mehr mitbekommen, der hier spätestens in 10 Minuten runtergehen wird."

„Wollt ihr wirklich noch stundenlang uns drei Schwachköpfen zuhören?" - Natürlich wollte das Publikum! Schließlich waren etliche Leute nur wegen der Ärzte überhaupt zum Highfield 2008 gekommen, da wollte man keine Minute verpassen. Und neben den Sprüchen kamen auch die meisten Lieder extrem gut an. Frühes Highlight: Hurra, das Farin mit den Worten Zuckerwatte, Big Mac, Heroin, einleitete, warum auch immer.

„Überall wo man hinguckt Liebe und Friede" heißt es in Hurra und natürlich: „Alles ist besser als es gestern war". Zweckoptimismus oder unbeschwerte Lebensfreude? Wie auch immer man den Text deutet, klar ist zumindest, dass diese Form von Ironie und trotzigem Humor nach wie vor sehr gut ankommt, vielleicht weil es die jungen Leute satt haben, immer nur mit Jammerei und Pessimismus konfrontiert zu werden. Da kommen Typen wie Farin, Bela und Rod gerade richtig. Sie vermitteln wie kaum eine andere Band Spaß, Selbstironie und eine als sympathisch empfundene „Scheiss-egal-jetzt – erst- recht- Haltung". Nicht umsonst heißt es in einem frühgebrachten Song „Du bist immer dann am besten, wenn es Dir eigentlich egal ist".

Und natürlich kommen da auch immer wieder die unzähligen Hits, die längst zu Klassikern geworden sind. Ich ess Blumen ein von Bela geschriebener Titel, war sogar mir noch ein Begriff und Textzeilen wie „die Fäkalien tun dann auch nicht mehr so stinken" sind nach wie vor urkomisch. Besonders cool war, dass sie in Ich ess Blumen das Bangles-Cover Gehen wie ein Ägypter reingepackt hatten, so dass man gleichzeitig zwei Lieder geboten bekam.

Die nächsten Sprüche:
Farin: Wird das Highfield eigentlich immer größer? Oder werden wir nur kleiner? (Bela: „Logisch, wir schrumpfen!") Die Leute gehen ja bis zu dem Stand da, „ Nudel-und Pfannengerichte", bzw, bis zu den Alkoholständen, ja sogar bis zu den Toiletten. Bela: Sehr schön beschrieben!

Kurze Zeit später:
Farin: „Bela, reicht der Applaus als Anerkennung? Oder meinst Du zu der Uhrzeit sollen wir nehmen, was wir kriegen können?" Bela: „Ich nehme doch immer, was ich kriegen kann!" Farin: „Aber Bela, Du kannst mich doch immer haben.

Und noch etwas später:
Bela: „Toll, Farin , durch Deine Anweisungen hast Du jetzt das Publikum dazu gebracht, uns auszubuhen!" Farin: Aber Du bist doch immer dann am besten, wenn die Leute gegen Dich sind, Bela." „Seit ihr gegen uns?? (er wendet sich ans Publikum) Publikum: „Jaaa!" Bela (Richtung Publikum): „Ihr seit mir ja ein paar Fotzen!"
Achso, Musik wurde auch noch gespielt, das nächste Lied, das besonders gut zog, war Deine Schuld, zu dem die Leute extrem textsicher mitsangen.

Dann aber wieder Gags:
Bela: Rod wird Euch jetzt eine neue Trendsportart vorstellen, das „Nordic Walking" (Rod latscht mit seinen dämlichen Skistöcken unter dem Johlen der Menge auf und ab). Er ist sozusagen der Kaiser dieses Sports, mein persönlicher Guru!" „Habt ihr schon einmal was von Voodoo gehört? Mein Großvater war Papst im Vatikan und pflegte zu sagen: „Urbi et orbi" Dieser Spruch war die Einleitung für das fast heavy zu nennende Kannibalen-Stück Anti-Zombie. Hinterher fragt Farin: „War das perfekt?" - Die Leute johlen. Daraufhin Bela: „Ihr Heuchler!"

Aber den Ärzten kann man einfach nichts übel nehmen, ihre lausbübige Art ist dafür schlichtweg zu sympathisch.

Die nächsten Sprüche:
Bela: So, das nächste Lied handelt von der Substanz, die ihr später in euren Zelten zu euch nehmen werdet...., ganz genau: grüner Tee!" Das Stück, das so angekündigt wurde, war natürlich Breit und traf den Zustand, in dem sich einige Leute hier befanden, mit Sicherheit genau auf den Punkt.

Danach war Zeit für „Feuerzeuge, Handydisplays, Leuchtraketen, Wunderkerzen,, Feuerspucker... (Farin), Zeit für Gemütlichkeit (Bela), Zeit für Gefühle, Zeit, dass ihr (das Publikum) hier mal die Lichtshow übernehmt. Seid nicht so geizig mit euren Handybatterien, ihr habt doch alle Strom im Zelt (Farin).

Rod: „Wollt ihr mich in eure Herzen lassen?" Bela: „Wollt ihr Rodrigo Gonzalez in eure schleimigen, kleinen Herzen lassen?" - „Wo er dann wüten kann, wie ihm der Penis gewachsen ist?!"

Was diesen versauten Worten folgte, war die Ballade ½ Lovesong (soll es das gewesen sein?), eines der wenigen von Rod geschriebenen Lieder. Es kam so eine Art Lagerfeueratmosphäre auf, es fehlte allerdings das Lagerfeuer selbst, dass bei der verdammten Kälte, die auf dem Gelände herrschte, für Wärme gesorgt hätte.

Menschliche Wärme gab es hingegen reichlich, denn nun fingen die Fans an, lautstark den Namen ihrer Lieblingsband zu skandieren. „Ärzte, Ärzte," hallte es von allen Seiten, was Farin gewohnt schlagfertig mit den Worten „Bei der Arbeit" konterte. Bela hingegen stellte sich die Sinnfage: „Wer sind diese Ärzte eigentlich?" Daraufhin Farin ganz trocken: „Na Du, Rod und icke." - Bela: „Wenn ich nicht wüsste, dass ich Dich lieb habe, würde ich Dich für 'nen Feind halten!"

Dann übernahm Farin wieder das Zepter: „So, jetzt mache ich wieder ein wenig Laola-Diktatur mit Euch", was die Fans seltsamerweise mit „Ausziehen!, Ausziehen-Rufen! beantworteten. Aber Herr Urlaub ließ sich darauf natürlich nicht ein: „Wat soll ick denn ausziehen?, etwa meine Gitarre, Du Schwachkopp?!" So sprach er und fuhr unbeirrt damit fort, dem Publikum die Laola zu erklären, was einige Zeit in Anspruch nahm. Irgendwann hatten die Leute aber dann kapiert, wie es funktioniert, bevor mit „Lass sie Reden" mit dem musikalischen Programm fortgefahren werden konnte. Den schlagerartigen Song mochte ich zwar überhaupt nicht, aber das spielte jetzt keine große Rolle mehr, zumal der Graf von Bela folgte und es somit wieder deutlich besser wurde. Selbst der Liedschreiber selbst war über die „ausgemachte Schönheit des Liedes" erstaunt und wunderte sich „wie so etwas von ihm sein könne"...

In der Folge blieb man bei den Balladen, denn es kam jetzt Nichts in der Welt (es ist vorbei), gesungen von Farin und der ein oder andere wird sicherlich an seinen letzten schlimmen Liebeskummer gedacht haben. Bela war das Ganze aber schnell zu gefühlsduselig, weshalb er hinterher trocken anmerkte: „Farin Urlaub, traurig auf Knopfdruck!" Und da Bela gerade schon beim Reden war, sang er gleich hinterher das Stück Perfekt.

Kurz nachdem dies verklungen war, ging es mit flotten Sprüchen weiter:
Farin: „Komisch, ich habe die Vermutung, dass hier mehr Männer als Frauen anwesend sind. Das ist ungewöhnlich für ein Ärzte-Konzert! Bela wir sind jetzt offiziell alt. Oder schwul, je nachdem!" Bela: Ich vermute die Damen sind alle Backstage mit den Hives...

Es folgte das wohl scheußlichste Stück des Abends, Deine Freundin, bei dem auch das Publikum wieder miteinbezogen wurde. Die Männer mussten „kuschelweich" singen, die Frauen „niedlich" und zwar möglichst hoch. Irgendwann war die „Funk-Nummer" zum Glück zu Ende und Farin lobte sich selbst : „Det war super! Oder wie der Berliner sagt, Jo, war janz jut jewesen..."

Mit den Mitmachstücken war auch danach noch nicht Schluss, zu dem Klassiker Westerland wurde die sogenannte Wellenversion einstudiert, d.h. nach dem Wort „Wellen" musste das Publikum einen deutlich vernehmbaren Zischlaut von sich geben. Ich persönlich hätte das nicht gebraucht, aber den Leuten schien es offensichtlich zu gefallen.

Viel besser fand ich Ignorama, angekündigt als: „Ein Lied für die vielen Sportler, die jetzt bei den Olympischen Spielen in China sind; einem Land in dem Folter und politischer Mord an der Tagesordnung sind. So läuft's halt in der globalisierten Welt..."

„Tod und Krieg auf der ganzen Welt, es könnt' mir nichts egaler sein.", so lautet die erste Zeit von Ignorama, das musikalisch verdammt nach den fast komplett dahingeschiedenen Kult-Punks „Ramones" klang. Und als Punks haben die Ärzte nun einmal angefangen, auch wenn sie heutzutage nicht mehr so roh klingen. Zumindest die Liedtitel sind aber immer noch rebellisch, wie Rebell belegt. Danach war mit den Worten „Bis dannemanski" Schluss. Angeblich...

Aber ich wusste ja schon von den eingangs zitierten Mädels, dass es noch munter weiter gehen würde. Die Jungs kamen zurück.

Farin: Ärzte also besser als schlafengehen, oder wie? Publikum: Jaa! Farin: „Das ist aber ein schönes Kompliment!" Bela: „Ja, das haste dir selbst gemacht." Farin: „Warum, die Leute hätten ja auch nee sagen können." Bela: „Die sagen doch immer ja! Warte, ich beweise es Dir: Ficken!" Publikum: Ja Farin: Nicht ficken? Publikum: Nöö. Farin: Siehste, sagen doch nicht immer ja.

Ohne lange zu zögern sagte ich aber laut und deutlich „Ja" und zwar zur ersten Zugabe Junge. Was für ein geiles Lied, sowohl textlich, als auch musikalisch! In dieser Form sind die Ärzte nach wie vor so gut wie früher, als sie Stücke wie das nachfolgende Ist das alles geschrieben haben.

Inzwischen war es in Hohenfelden schon sehr spät geworden, der Zeiger meiner Uhr bestätigte es mir: 1 Uhr 35! Auch deshalb fragte Farin nach, ob das Publikum noch ein weiteres Lied wolle. Wenn ja, solle es einfach sagen: „Bitte, liebe Ärzte haut ab." Die Fans taten, wie ihnen geraten wurde, was die Band prompt mit: „Danke, tschüss", konterte.

War aber selbstverständlich nur ein Gag, denn mit Unrockbar ging es munter weiter. Hierzu mussten sich alle auf den Boden setzen und immer wenn der Refrain kam aufspringen. Farin war zufrieden: „Danke schön, das hat gesessen. Ähh, das Publikum meine ich..."

Noch einmal gingen die Ärzte von der Bühne, kamen aber nach nicht allzu langer Zeit wieder, um Wir sind die Besten, den Hit Schrei nach Liebe („hey, das war ein Lied gegen Nazis, klatscht gefälligst!") und Das ist Rock 'n Roll (Gabi sagt zu Uwe, Uwe sagt zu Gabi...) zu schmettern.

Um kurz vor 2 war schließlich die Zeit für das große Finale gekommen: Klar, ich rede von der Neu - (Interpretation) des bekanntesten Ärzte Liedes Zu spät.

Der Song wurde ewig lange ausgedehnt und endete in endlosen improvisierten (?) Reimen, wobei sich Bela und Farin ständig den Ball zuspielten. Dabei ging es um Geld (Farin verriet, dass er gerne in der Forbes Liste der reichsten Personen der Welt unter den ersten Zehn sein würde), die Bankverbindungen der Bandmitglieder und die Sinnfrage: „Woraus wird Geld gemacht". Die Antwort war... "Kacke und „Bullensperma!"...

Zwischenzeitlich sinnierte die beiden aber auch über Gene Simmons, frühzeitiges Ejakulieren und andere ähnlich wichtige Themen, es war wirklich zum Schießen!

Irgendwann hatten sie fertig gereimt, suchten aber noch nach einem Wort, welches sich auf „sauber" reimte und kamen zu der kuriosen Antwort „Hubschrauber". Von da an, jubelten die Fans nicht mehr den Ärzten, sondern ihrer neuen fiktiven Lieblingsband „Hubschrauber" zu. Meine Güte, was für ein Schmarrn! Aber ein lustiger...

Das Konzert endete dann sogar noch mit einer humanen Geste: Da auf dem Highfield Festival eine Aktion namens „Viva Con Aqua" ins Leben gerufen wurde, die zum Ziel hat, Spenden für die Wasserversorgung in der dritten Welt zu sammeln, wurde das Publikum dazu animiert, seine Plastikbecher auf die Bühne zu werfen. Der Erlös aus dem Pfandgut kam dem zitierten Projekt zu gute und so hatte dann auch niemand Skrupel, die Ärzte mit den Bechern zu befeuern, zumal die drei „Feiglinge" zum Schutz weiße Bauarbeiterhelme trugen.

Wie sagte die „Beste Band der Welt" am Ende selbst so schön:
„Wir haben unseren Job wieder einmal perfekt abgeliefert." - Stimmt!

Setlist Die Ärzte, Highfield Festival, Hohenfelden:

01: Himmelblau
02: Lied Vom Scheitern
03: Hurra
04: Angeber
05: Ich ess Blumen
06: Gehen wie ein Ägypter
07: Heulerei
08: Deine Schuld
09: Anti-Zombie
10: Breit
11: 1/2 Lovesong
12: Lass sie reden
13: Der Graf (Bela)
14: Nichts in der Welt
15: Perfekt
16: Deine Freundin
17: Westerland (Wellenversion)
18: Ignorama
19: Wie es geht
20: Rebell
21: Junge
22: Ist das alles?
23: Unrockbar

24: Wir sind die Besten (Z)
25: Schrei nach Liebe (Z)
26: Das ist Rock 'n Roll (Z)
27: Zu spät (Z)







The Hives, Highfield Festival, 16.08.08

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Konzert: The Hives
Ort: Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 16.08.2008
Zuschauer: zigtausende (20.000?)
Konzertdauer: 80 Minuten




"A swedish man invented dynamite and The Hives are a swedish invention!", oder auch "We can kill tigers with our bare hands!"

Howlin Pelle Almqvist war mal wieder in Hochform, verbal als auch körperlich! Der elegante Schwede zeigte nicht nur die höchsten Sprünge, sondern sprach auch ein wenig deutsch ("Meine Damen und Herren", vielen Dank meine Schatze"). Neben dem Publikum lobte er natürlich sich selbst und seine Band über den grünen Klee. Die Lieder, die am besten zogen, waren "Walk Idiot Walk",
"Main Offender", "Two- Timing Touch and Broken Bones", "Return The Favour" und natürlich "Tick Tick Boom", das als Zugabe serviert wurde.

Wie immer ein perfekter Festivalauftritt, mit den Nordlichtern können die Veranstalter nie etwas verkehrt machen!

Achso Spruch des Tages:

"Wir haben 20 Konzerte machen diesen Sommer. Und diese Konzert sind viel speziell für die Hives. Diese Konzert hier sind besser als die andere Konzerte die Hives diese Sommer hat mache. Verstehen sie?" (Howlin Pelle)

Das hätte jetzt auch von Trappatoni kommen können...


Setlist The Hives, Highfield Festival:

01: A Stroll Through Hive Manor Corridors
02: Try Again
03: You Got It All Wrong
04: Walk Idiot Walk
05: A Thousand Answers
06: Won't Be Long
07: Main Offender
08: A Little More For Little You
09: You Dress Up For Armageddon
10: Die, Allright!
11: Supply And Demand
12: Diabolic Scheme
13: Two-Timing Touch And Broken Bones
14: Bigger Hole To Fill
15: Hate To Say I Told You So
16: Return The Favour

17: Hey Little World (Z)
18: Tick Tick Boom (Z)

Fotos von den Hives hier







Kettcar, Highfield Festival, 16.08.08

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Konzert: Kettcar
Ort: Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 16.08.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: eine gute Stunde



Viele Leute mögen Kettcar. Auch mein Freund und Mitblogger Christoph, der auf dieser Seite schon mal einen euphorischen Bericht verfasst hat.


Ich persönlich fand Kettcar beim Highfield allerdings...laaangweilig! Genauer gesagt: die Musik von Kettcar ist genauso langweilig wie die labrigen grauen T-Shirts der Bandmitglieder. Dabei machen sie durchaus meliodiösen und recht hübschen Gitarrenpop, an dem mich aber regelmässig der lahme Gesang des Sängers stört. Und die Texte sprechen mich auch nicht sonderlich an. Mit der Metapher "Wie ein Toastbrot im Regen" ("Landungsbrücken Raus") kann ich genauso wenig anfangen wie mit der Textzeile: "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint".

In dem circa einstündigen Set wurden nicht nur Lieder von dem aktuellen Werk "Sylt" und der 2005 er Platte "Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen", sondern auch ältere Stücke vom Debütalbum "Du und wieviel von Deinen Freunden" gespielt, darunter "Money Left To Burn", "Im Taxi weinen" und "Ich danke der Academy", das als Zugabe kam.

Fotos werden nachgereicht!

Setlist Kettcar, Highfield Festival:

01: Graceland
02: Kein Außen Mehr
03: 48 Stunden
04: Landungsbrücken Raus
05: Balkon Gegenüber
06: Nullsummenspiel
07: Money Left To Burn
08: Agnostik Für Anfänger
09: Im Taxi Weinen
10: Deiche
11: Ausgetrunken
12: Ich Danke Der Academy




Flogging Molly, Highfield Festival, 16.08.08

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Konzert: Flogging Molly

Ort: Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 16.08.2008
Zuschauer: zigtausende
Konzertdauer: etwa eine Stunde



Eigentlich wollte ich ja schon um 16 Uhr 40 zu Gogol Bordello da sein, aber meine Frau pochte darauf, sich die Sehenswürdigkeiten von Weimar anzusehen. Sie hatte vollkommen Recht, denn es gab jede Menge zu sehen! Kultur lauert hier an jeder Ecke, sogar in der Eisdiele in der wir Apfelstrudel gegessen haben, hat wohl mal Schiller gelebt. Schiller, Goethe, Bach, all diese illustren Persönlichkeiten waren in Weimar zu Hause. Die Stadt ist geschmackvoll restauriert worden und hat viel Flair. Helmut Kohl lag also mit den blühenden Landschaften doch nicht so falsch, auch wenn nicht jeder Thüringer heute gut dasteht.


Also, wer das Highfield Festival besucht, sollte sich auf jeden Fall auch einmal Weimar und Erfurt ansehen!

Das schönste an dieser Gegend sind neben den kulturell hochinteressanten Städten aber die wunderbaren Hügellandschaften und die satten grünen Wälder. So ist schon die Anfahrt zu dem Festival ein Erlebnis für die Sinne. Auch an dem trockenen, aber nachts extrem kalten zweiten Festivaltag, genoss ich wieder den Anblick der traumhaften Umgebung und war trotz unzureichender Nachtruhe guter Dinge, als ich das weitläufige Gelände an dem malerischen Stausee erreichte.

Leider war es hier aber viel zu voll, um ganz nach vorne durchzudringen. Wo man auch hinblickte, man sah nur noch Köpfe, die sich im Takt der Musik bewegten. Bewegungsfreiheit war ein rares und teures Gut! Schade, so konnte ich mir die irisch-amerikanische Band Flogging Molly nicht aus der Nähe ansehen. Die Gruppe um den Iren Dave King bot einen Mix aus traditionellem Folk und Punk und sorgte für hervorragende Stimmung, was man leicht an den unzähligen klatschenden Händen sehen konnte. Für ein Festival war die Musik perfekt, auch wenn ich nicht unbedingt in den CD-Laden rennen muss, um mir eines ihrer Alben zu kaufen. Auf jeden Fall waren sie deutlich besser als die am nächsten Tag auftretenden Dropkick Murphys, die sich ungefähr auf dem gleichen musikalischen Terrain bewegen, aber wesentlich banaler und ideenloser rüberkamen als die sympathischen Flogging Mollys.




Samstag, 16. August 2008

The Killers, Highfield Festival, 15.08.08

1 Kommentare

Konzert: The Killers

Ort: Hauptbühne des Highfield Festivals, Hohenfelden
Datum: 15.08.2008
Zuschauer: zigtausende
Konzertdauer: 80 Minuten



Die Killers sind feister Mainstream für's kommerzielle Radio. Da wusste ich schon vorher. Dass es aber so scheußlich werden würde, hätte ich nicht gedacht. Grauenvoll! Welches war das schlimmste Lied: "Read My Lips", "The River Is Wide", oder das abschliessende "All These Things That I've Done" ("I've Got Soul But I'm Not A Soldier") ? Schwer zu sagen...


Selbst "Mr. Brightside" gefiel mir nicht mehr. Und Starallüren haben die Typen aus Las Vegas auch, kein einziger Fotograf durfte in den Graben, um Fotos zu schiessen.




The Dresden Dolls, Highfield Festival, 15.08.08

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Konzert: The Dresden Dolls
Ort: Coca Cola Zelt beim Highfield Festival, Hohenfelden bei Erfurt
Datum: 15.08.2008
Zuschauer: ein paar hundert
Konzertdauer: 55 Minuten


Die Dresden Dolls habe ich schon seit geraumer Zeit auf meiner Wunschliste. Aus irgendwelchen Gründen habe ich es aber nie geschafft, das hochexplosive Duo aus Boston live zu erleben.

Toll für mich also, dass die Veranstalter des Highfield Amanda und Brian erneut (sie waren schon 2006 dabei) eingeladen haben. Terminlich hatte man die beiden zwischen Bloc Party und die Killers platziert, allerdings nicht auf die riesige Hauptbühne, sondern vor richtigen Fans auf die Stage des Coca Cola Soundwave Tents.

Dann ging es endlich los. Mystische Klänge durchdrangen das Zelt, Brian bediente seine Pedale, bevor Amanda am Piano irre schnell losklimperte. Gespielt wurde "Sex Changes", ein Lied vom zweiten Album. Welch stürmischer Beginn! Das Pärchen war zwar recht weit voneinander entfernt, verstand sich aber blind. Amanda wirbelte auf der linken Seite (vom Publikum aus gesehen) und Brian donnerte rechts wie ein Derwisch auf seine Drums ein. Oft erhob er sich, um so dem ohnehin schon aufgeweckten Publikum weiter einzuheizen. Hauptblickfang war aber dennoch die Dame. Amanda trug ein Glitzerteil, eine auffällige Strumpfhose mit Sternchendruck und robustes Schuhwerk. Ihre Beine waren oft weit auseinander gespreizt. Ein sexy Anblick! Das Weib hatte Feuer unter dem Arsch, soviel war klar! Und mit vulgären Texten sparte sie auch nicht, „If you fuck me mister" ("Missed Me"), oder „ I can't even fuck him in the ass („ Coin Operated Boy"), solche Sätze gingen ihr ohne zu erröten über die Lippen. Cabaret-Musik, vermischt mit Punk, so wird der Stil der Amerikaner oft beschrieben und das trifft die Sache auch schon recht gut.

Aber die musikalische Bandbreite reicht noch weiter, manche Titel klingen nach New Wave, andere könnte man in die Kategorie Chanson einordnen. Und auch die Einflüsse werden das ein oder andere Mal recht deutlich. So fühlte ich mich bei „Night Reconnaissance" beim Refrain an Bryan Ferry erinnert und bei "Girl Anachronism" an Siouxsie von den Banshees oder andere Größen aus der New Wave Ära.

Am Besten kam aber natürlich der „Coin Operated Boy" an, der schon an dem Leierkasten ähnlichen Intro erinnert wurde. Kurios war, dass Amanda circa in der Mitte des Liedes einen Effekt erzeugte, der klang, als sei eine alte Vinyl-Schallplatte hängengeblieben. Cool!

Daneben gab es auch noch zwei originelle Cover-Versionen* zu bestaunen. Zum einen eine tolle Version des Kulthits „Eisbär" von Grauzone, zum anderen eine auf englisch gesungenen Fassung von „Dans Le Port d'Amsterdam" von Jaques Brel, zu der ein zusätzlicher Gitarrist* auf die Bühne kam.

Vorzüglich war schließlich auch noch die Ballade „Sing", bei der die sanfte Seite des ansonsten eher krawalligen Duos zum Vorschein kam.

Insgesamt wurde ich Zeuge eines knapp einstündigen Festes für alle Sinne und bedauerte auch keineswegs eine halbe Stunde von den Killers verpasst zu haben. Für mich spielte im Zelt die ( deutlich bessere) Musik!

Setlist The Dresden Dolls, Setlist Highfield Festival:

01: Sex Changes
02: Missed Me
03: Night Reconnaissance
04: Coin Operated Boy
05: Eisbär (Grauzone Cover)
06: In The Port Of Amsterdam (englisches Cover von Jaques Brel)
07: Sing
08: Half Jack
09: Girl Anachronism


* es wurden wohl sogar drei Cover Songs gespielt. Neben den beiden erwähnten auch noch "War Pigs" von Black Sabbath. Danke diesbezüglich an den Kommentator/die Kommentatorin :)

* Unsinn, es gab keinen zusätzlichen Gitarristen. Brian verliess für "Amsterdam" lediglich seine Drums und spielte selbst den Gitarrenpart. Auch hierfür ein Dank an den Kommentator/die Kommentatorin!


Links:

- mehr Bilder von den Dresden Dolls





 

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