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Montag, 12. März 2018

The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 11.03.18

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Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 11.03.2018
Dauer: gut 70 min
Zuschauer: ca. 120



Richtig sicher war ich meiner Sache nicht. "90% aus gesellschaftlichen Gründen, 10% die Lieder der ersten Platte", waren meine Motivation. "Same here", ich war damit nicht alleine. Die Pains Of Being Pure At Heart werden immer eine Lieblingsband sein, ihre ersten Platten, EPs und Singles Allzeit-Favoriten.

Seit ein paar Jahren gibt es die Pains als Band aber nicht mehr, nur Sänger Kip Berman ist vom ursprünglichen Lineup übrig. Für Konzerte gab es Live-Mitglieder oder - die pragmatische Lösung - die Vorgruppen als Begleitmusiker. Das bescherte uns beim letzten Auftritt in Köln (2014) die wundervollen Fear Of Men als Support, die dann gemeinsam mit der ersten Vorgruppe und Kip die Pains wurden. Meine letzte Begegnung mit den Pains zeigte aber den Nachteil solcher fließenden Strukturen; beim Indietracks 2015 übernahm die Sängerin von A Sunny Day In Glasgow den Gesangspart neben Kip und war schrecklich in dieser Rolle. Jen Goma sang, als gelte es die Gitarren zu überbrüllen. Pains plus Rockröhre mit Musical-Einschlag, das war gruselig. Als Tiefpunkt coverten die Indietracks-Pains James. Lieblingsband covert Lieblingsband, das ist eine sichere Bank. Seit diesem Auftritt weiß ich, daß das Quatsch ist.


Irgendwo las ich, daß Jen immer noch Live-Keyboarderin der Pains sei, was meiner Motivation, nach Köln zu fahren, nicht half. Als die Band um kurz nach neun auf die Bühne kam, war ich noch nicht sicher, wer hinter dem Keyboard steht, nach und nach - als keines der Lieder mit zwei Stimmen versaut wurde - dann schon, das war eine andere Musikerin. 

Dazu kam, daß die Gitarren herrlich laut klangen, das Verhältnis Gitarren / Gesang... perfekt! Seit das Gebäude 9 in seine Technik investiert hat, habe ich kein leises aber auch kein schlecht klingendes Konzert da erlebt. Bei den Pains ist die Aussteuerung extrem wichtig. Man muß den Gesang hören - aber auf keinen Fall zu laut.

Das Konzert begann - alte Rock'n'Roller-Regel - mit dem ersten Lied des aktuellen Albums. Da ich weder Platte noch Vorabsingles kannte, war mir auch My only neu. Richtig in Erinnerung geblieben ist es nicht, das lag aber wohl weniger an dem Song als am folgenden Heart in your heartbreak vom zweiten Album Belong, das folgte. Anders als beim Indietracks 2015 fühlte es sich da schon wieder wie ein richtiges Pains-Konzert an - und so blieb es auch. Die Setlist war schon sehr nostalgisch, das war aber nicht der Grund, warum ich Spaß hatte. Die Band war und klang einfach um Längen besser, und das hätte sie auch, wenn sie das ganze neue Album gespielt hätte. Ob sich Kip mit der neuen Platte live nicht sicher genug fühlt oder die Praxis fehlt, es war jedenfalls auffällig, daß nur drei Lieder von The echo of pleasure auf der Setlist standen. 

Rechts und links von Kip standen heute Gitarrist Christoph Hochheim, Bassist Jacob Sloan und Keyboarderin Jess Krichelle ("aber nicht Jess, die früher schon dabei war!" - Jessica von Fear of Men). Jess - Jen - Jess, ziemlich verwirrend, wer seit dem Ausstieg von Peggy Wang Keyboards spielt. Die neue Jess jedenfalls war top! Ihr Gesang und ihr Auftreten passten perfekt zu den Pains. Eben ganz anders als ihre Vorgängerin.

Die letzten zehn Minuten bevor die Pains zum ersten Mal die Bühne verließen gingen nicht besser. Young adult friction, Everything with you und The pains of being pure at heart. Die erste Platte und die erste EP (die beide The Pains Of Being Pure At Heart heißen #jessjenjess) gehören in jede Bestenliste der Nuller-Jahre und in jeden Plattenschrank. 

Zu den Zugaben kam Kip erst alleine zurück und spielte für Ramona aus Hamburg Ramona. Danach kam die Band bis auf Jess zurück. An deren Stelle begleitete Laura Carbone, die das Vorprogramm bestritten hatte, den Pains-Frontmann beim Jesus and Mary Chain-Cover Sometimes always, das er als Black Rebel Motorcycle Club-Stück angekündigt hatte. Das Cover war gut, um Längen besser als Laid von James vor zweieinhalb Jahren! Nach zwei weiteren Lieblingen (This love is fucking right! und Belong) kam Kip noch einmal alleine raus und coverte Suzanne von Leonard Cohen. Musikalisch passen weder Stück noch Sänger zu den Pains, er versaute den Song aber überhaupt nicht, daher war das ein schöner Abschluß.

Vermutlich war das nicht das beste Konzert des Jahres und auch nicht das beste von den Pains Of Being Pure At Heart, es war aber so gut, daß unsere kurze Krise vorbei ist und ich sie jederzeit wieder angucken werde.


Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Gebäude 9, Köln:

01: My only
02: Heart in your heartbreak
03: The body
04: Simple and sure
05: Anymore
06: Higher than the stars
07: Come Saturday
08: A teenager in love
09: Eurydice
10: When I dance with you
11: Until the sun explodes
12: Young adult friction
13: Everything with you
14: The pains of being pure at heart

15: Ramona (Kip Solo) (Z)
16: Sometimes always (The Jesus and Mary Chain Cover) (Z)
17: This love is fucking right! (Z)
18: Belong (Z)

19: Suzanne (Leonard Cohen Cover) (Kip Solo) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Pains Of Being Pure At Heart, Ripley, 25.07.15
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 09.07.11
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 22.02.11
- The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival, 18.07.10
- The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 26.05.09



Dienstag, 14. November 2017

Torres, Köln, 13.11.17

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Konzert: Torres
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 13.11.2017
Dauer: gut 75 min
Zuschauer: vielleicht 150



Beim Primavera Sound Festival 2015 spielte Mackenzie Scott gleich zwei fantastische Konzerte. Die Amerikanerin, die als Torres firmiert, spielte alleine mit E-Gitarre wunderschöne Lieder, entschuldigte sich dafür, ohne Begleiter aufzutreten und erntete am Ende aus dem Publikum ein "you don't need a band!"

Im September 2015 hatte Mackenzie diese aber trotzdem dabei, als sie im Gebäude 9 spielte. "Mir machte des ein wenig angst, es sah aus, als käme jetzt eine große Inszenierung. Groß ja, gekünstelter Quatsch nein. Torres beschränkten sich auf die Musik. Daß das vollkommen ausreicht, wusste ich ja," schrieb ich danach. Das zweite Konzert von Torres im Gebäude 9 folgte konsequent dieser Entwicklung, die Musik stand zwar noch im Mittelpunkt, die stvincentschen Elemente spielen mittlerweile aber auch eine riesige Rolle, eine viel zu große für meinen Geschmack.


Vor Torres spielten The Dove & The Wolf eine in den USA ansässige französische Band, die ich aber schnell verlassen musste, weil es viel zu laut und dröhnend war. 

Um 21:40 h trat Mackenzie mit ihren drei Begleitern auf. Leider habe ich die Namen der Keyboarderin, des Schlagzeugers und des Gitarristen nicht verstanden (die beiden Männer könnte ich damit beschreiben, daß sie während des ganzen Konzerts mit offenem Mund Kaugummi kauten). 

Leider war auch der Hauptteil des Abends nicht perfekt ausgesteuert. Vielleicht kommen die Soundleute noch nicht mit der neuen Anlage im Gebäude 9 zurecht. Mackenzies Stimme war viel zu leise, das nahm den besten Liedern des Abends eine Menge Pfiff. Aber Stücke wie Sprinter sind auch schlecht ausgesteuert brillant. Für den großen Rest galt das heute nicht. Vielleicht gefielen mir die vielen Titel vom neuen Album Three futures richtig gut, wenn sie vom Bombast und den großen Gesten befreit würden.

Bei einem der letzten Lieder kletterte Mackenzie auf einer der Monitorboxen rum, davor gab es Roboter-Bewegungen, Schrei-Ausbrüche, viele Aktionen, die mich nicht in dem Maßen genervt hätten, wenn ich Torres zum ersten Mal gesehen hätte. Da ich aber eben schon zweieinhalb sehr sehr gute Auftritte erlebt hatte, berührte mich das Konzert überhaupt nicht.



Künstler sollten nie das machen, was das Publikum sehen will. Sie sollten immer selbst bestimmen, wie ihre Kunst aussieht. Ich kann mir bei Torres nicht vorstellen, daß sie sich Annie Clark zum Vorbild nimmt, um deren Erfolg zu kopieren. Ich denke, Ihr gefällt die dramatische Torres besser als die Frau mit E-Gitarre. Mir nicht, also war das wohl mein letztes Torres-Konzert. Spannend war das für mich nämlich gar nicht, eher egal.

Setlist Torres, Gebäude 9, Köln:

01: Tongue slap your brains out
02: Skim
03: Righteous woman
04: New skin
05: Honey
06: Sprinter
07: Cowboy guilt
08: Baby baby pie
09: Three futures
10: Helen in the woods
11: Marble focus
12: Concrete Ganesha
13: Strange hellos


Links:


- aus unserem Archiv:
- Torres, Köln, 09.09.15 
- Torres, Barcelona, 31.05.15
- Torres, Barcelona, 30.05.15 





Donnerstag, 4. Mai 2017

Sinkane, Köln, 03.04.2017

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Konzert: Sinkane
Ort: Köln, Geb.09
Datum: 03.04.2017
Dauer: 75min
Zuschauer: ca.200

Auch wir kommen an musikalischen Schubladen ja leider nicht vorbei. Zu unübersichtlich ist die, von großen Bewegungen befreite Musikszene mittlerweile geworden. 

Vorteile dieser aufgehobenen Konventionen ist das unvoreingenommene Hören von einem, eigentlich Genre fremder Alben. Ein sudanesischer Multiinstrumentalist, dessen Wurzeln im Reggae, Funk und Jazz liegen, wäre wohl früher nicht oben auf meinem CD Stapel gelandet. 

Auch wenn der immer lächelnde junge Mann schon mit den ganz Großen wie Damon Albarn, LCD Soundsystem und David Byrne zusammengearbeitet hat.

Die konstant tollen Reviews des neuen Albums und die Tatsache, dass bereits letztes Jahr "Michael Kiwanuka" am Ende des Jahres in meiner Liste ganz oben stand, brachten mich dem Album "Life & Livin`ìt" immer näher. 

Und tatsächlich, die Platte ist großartig. Purer Pop und Sommer-Feeling zu erzeugen ist ja keine leichte Aufgabe, "Favorite Song" meistert sie im Handumdrehen. "The Way", am Ende des Albums fast versteckt, ist ein Meisterwerk. Dazwischen gibt es auch kaum etwas zu beanstanden. 

Warum die lange Einleitung? Weil dieses Konzert eine musikalische Erweckung war. Die Band, eine herrliche Ansammlung aus Nerds (im besten Sinne des Wortes) gelang eine Messe aus Pop, Reggae, Soul und Schweinrock, die schwierig in Worte zu fassen ist.

Die erste Überraschung des Abends ist die etwas schwache Stimme von Sänger und Mastermind Ahmed Gallab. Dies kaschiert die Gruppe, indem eine farbige Sängerin im Mittelpunkt der Bühne steht, deren Stimme jedem Gospelchor die Schuhe ausziehen würde. 

Dazu eine asiatische Keyboarderin, ein ebenfalls asiatisch wirkender Slacker mit Gitarrenriffs zwischen Weezer und Spinal Tap, ein (natürlich) stoischer Bassist aus Südafrika und ein wohl englischer Drummer, der auch Singen kann. 

Das Ganze gerät so herrlich druckvoll und hat soviel Groove, dass mir schnell klar wird, warum der WDR mit seinem "Funkhaus Europa" (jetzt Cosmo) hier die Präsentation übernahm. Am Ende sind es wohl nur 10 oder 11 Songs die dargeboten werden, fast alle mit sehr langen, aber nie nervenden Ausflügen der einzelnen Musiker.

Ein Abend der die Musik körperlich spürbar machte, mit seinen tiefen Bassläufen und dem eindrucksvollem Zusammenspiel dieser Band, der man früher den unverkäuflichen Stempel der "Weltmusik" verpasst hätte.

"Sinkane" touren noch das ganze Jahr und werden unter anderem noch beim Appletree, Immergut und Juicy-Beats-Festival zu sehen sein. 

Hier noch der Sommerhit: https://www.youtube.com/watch?v=2OOI11M8sBg ]


Sonntag, 23. Oktober 2016

Flyying Colours, Köln, 21.10.16

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Konzert: Flyying Colours
Ort: Gebäude 9, Köln (Cardinal Sessions III)
Datum: 21.10.2016
Dauer: gut 30 min
Zuschauer: vielleicht 100





Warum Flyying Colours Teil des Lineups beim Cardinal Sessions Festival waren, verstehe ich auch zwei Tage später noch nicht. Beim Festival im Gebäude 9 traten Künstler wie die französische Sängerin Pomme oder die wie Brings klingende Band Faber aus der Schweiz auf. Pomme, Faber, Ätna aus Dresden, die den Tag begonnen hatten (der Schlagzeuger trug einen Mantel, der aus einem Vorhang in einem China-Restaurant gemacht zu sein schien), Phoria, Fai Baba oder Leoniden am Schluß - das passte alles ganz gut zueinander und sprach das gleiche Publikum an. Mich nicht. Ich war wegen der Gruppe da, die überhaupt nicht ins Programm passte. Wegen Flyying Colours aus Australien, einer Shoegaze-Band, die ich im vergangenen Jahr beim Primavera Festival kennengelernt habe.


Flyying Colours waren bereits um 19:20 Uhr angesetzt. Auch das war natürlich ungewöhnlich für die Art Musik. Wir brauchten eine Weile, um durch die vollgestopfte Bar zu kommen, in der Ätna vorher gespielt hatten. Also wir im leeren Saal ankamen, waren da außer uns nur eine Handvoll Leute - und Flyying Colours hatten bereits die ersten Breitseiten Feedback erzeugt. 

Im September erschien nach zwei EPs das Debüt-Album der Band. Mindfullness ist brillant und enthält einige der besten Songs des Jahres. Bis September lief bei mir Düsseldorf von Teleman hoch und runter. Seitdem Long holiday, hoch und runter - immer wieder.


Das Konzert begann mit einem der anderen Knüller von Mindfullness, mit It's tomorrow now. Long holiday kam danach und ich war seelig. Seelig und beruhigt, daß ich mir nicht bloß in den vergangenen 17 Monaten seit Barcelona eingeredet habe, wie toll doch Flyying Colours sind. Sie sind es! Und sie verdienten sehr viel mehr Aufmerksamkeit!

Das Festival war recht gut besucht, zu den Australiern waren aber nur wenige der Besucher in den Saal gekommen. Nach einer Weile waren es zwar vielleicht 100, vor der Bühne war aber fast niemand, den ich nicht kannte. Wäre ich Faber-Fan, hätte mich der Gitarrenkrach auch nicht interessiert, denke ich. 

Das Festival hatte Flyying Colours gerade mal 30 Minuten Spielzeit zugestanden (beim Primavera waren es gut 40, obwohl FC da nur die beiden EPs aufzubieten hatten). Mehr als eine Handvoll der Zuschauer mögen das nicht bedauert haben. 

Flyying Colours spielten neben den beiden Stücken nur noch 1987 vom Album (das Sänger Brodie erst mit "This is Running wild" angekündigt hatte, bis ihn seine Kollegen verbesserten und er sich korrigierte "This is 1987 instead"). Wie bei den anderen Liedern besticht auch 1987 durch den Gesang von Brodie und Gitarristin Gemma, die ein Tim & Struppi-Shirt trug (und bei 1987 die Gitarre gegen ein Keyboard getauscht hatte). 

Den Gesang und die unfassbar schönen krachig gespielten Melodien! Bei Running late hörte sich der Bass (von Melanie Barbaro) herrlich nach The Cure an. Das Lied von der 2015er EP Roygbiv könnte auch von Veronica Falls stammen, was in meiner Musikwelt ein sehr großes Kompliment ist. Als Flyying Colours gerade Wavy gravy von der ersten EP beendet hatten, kam ein Festival-Offizieller und wies die Band darauf hin, daß sie nur noch zwei Minuten habe. "Wir haben ein Lied, das wir in zwei Minuten spielen können." Hinterher sagte ich Schlagzeuger Andy Lloyd Russell, daß sie bestimmt Ärger bekämen, da sie das Stück auf mehr als vier Minuten ausgedehnt hatten. "Das hatten sie Glück, wir können das auch doppelt so lang spielen."

Natürlich bin ich dem Cardinal Sessions Festival vor allem dankbar, diese grandiose Band wieder sehen zu können! Aber es war schon ein wenig Verschwendung, solch einen Knüller einem Publikum vorzusetzen, das sich nicht dafür interessiert. 

Jetzt hoffe ich sehr auch ein Headline-Konzert der Australier in Köln!

Setlist Flyying Colours, Gebäude 9, Köln:


01: It's tomorrow now
02: Long holiday
03: Not today
04: 1987
05: Running late
06: Wavygravy
07: Leaks

Links:


- aus unserem Archiv:
- Flyying Colours, Barcelona, 30.05.15



Montag, 14. März 2016

I'm From Barcelona, Köln, 25.01.16

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Konzert: I'm From Barcelona
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 25.01.2016
Dauer: knapp 100 min
Zuschauer: 300 vielleicht



Seit einiger Zeit leide ich an einer Folkunverträglichkeit. So wie das Fernsehen Sportarten wie Tennis, Skispringen und Biathlon kaputtgesendet hat, Sportarten, die mal beliebt waren und täglich liefen, dann aber wegen völliger Übersättigung komplett aus den Programmen verschwanden*, haben Konzert- und Festivalveranstalter mir alles Folkige auf längere Dauer madig gemacht. Ich kann keine weinenden Geigen mehr hören. Banjo? Gibt's ja auch als Schokoriegel nicht mehr. Außerdem kann ein Banjo nichts, was nicht drei Gitarren auch könnten.

Die Konsequenzen meiner Folkallergie merke ich am Ende des Jahres in meiner Konzert-Statistik: der Anteil an Bands aus Schweden ist kaum noch messbar. Gruppen wie Friska Viljor traue ich mir im Moment einfach nicht mehr zu. 


Daß eine wirkliche Popband aus Schweden nach Köln kam, war ein echter Glücksgriff für meine Sverige-Sehnsucht. Und daß die das erwartet tolle Konzert spielte, umso mehr!

I'm from Barcelona hatte ich noch nie gesehen. Allerdings hatte ich mitbekommen, daß die Konzerte der Riesenband ein großer Spaß seien. Hashtag Kindergeburtstag. Obwohl 13 Musiker auf die Bühne kamen**, war das eine abgespeckte Version der Band. Früher waren mehr als 20 keine Seltenheit. Vielleicht haben sie diesmal einfach nicht genügend Jeansjacken auftreiben können, jeder der 13 trug nämlich eine mit einem Bandwappen auf dem Rücken. I'm from Barcelona MC.


Das Konzert begann sehr schön, aber noch nicht weiter ungewöhnlich. Die Band spielte ein paar Lieder vor allem vom aktuellen Album Growing up is for trees (weltbester Titel natürlich!), vom Vorgänger (u.a. das wundervolle Battleships) und ein altes vom zweiten Album. Nach Violins stoppte Emanuel Lundgren kurz. Das Debütalbum Let me introduce my friends sei vor zehn Jahren erschienen. Damals habe er nicht gedacht, daß die Band länger als ein paar Wochen zusammenbleibe, also wolle er das Album jetzt komplett spielen.


Mit diesen Album-Sachen ist es ja nicht anders als mit Folk oder Biathlon. Auch das machen mittlerweile so viele, daß es nicht mehr originell ist. Da allerdings bin ich noch voll dabei. Platten, die ich mag, komplett vorgespielt zu bekommen, ist doch wundervoll! So hört man dann auch endlich mal die Stücke, die die Band nicht so mag oder wenigstens nicht gerne spielt. Klasse! Auch die übliche Choreo "Hit am Ende" klappt nicht, wenn der Hit auf der Platte früh kommt. Bei Let me introduce my friends kommen gleich zwei früh nacheinander, We're from Barcelona und Treehouse


Und spätestens bei diesen beiden Stücken standen wir mittendrin im Kindergeburtstag. Das Konfetti flog, zu Treehouse machte die wilde 13 den Text mit den Händen nach, der Sänger crowdsufte. Vermutlich sind das alles Elemente, die auch in Großraumdiskos im Hunsrück am Wochenende funktionieren, bei I'm from Barcelona war es aber unpeinlich - und die Musik war gut!


Zu Chicken pox bat Emanuel Björn aus dem Publikum hoch, der ein Kazoo-Solo spielte.


Den Let me... Block beendete The saddest lullaby, gesungen von einem der Matthiase (es gab sicher mehrere). Das traurigste Schlaflied mit der versoffensten Stimme! Holla! Wenn man bedenkt, was Alkohol in Schweden kostet, hat Matthias viel in seinen Gesang investiert!


Daß nach The painter das Konzert langsam vorbei sein würde, ahnte man daran, daß Emanuel sich Mantel und Schal anzog. Mantel und Schal von irgendwem, der sie auf den Bühnenrang gelegt hatte. 



Drei Zugaben später war wirklich Schluß.  Oh, wow! Was für ein großer Spaß! Wenn nicht so viele Übernachtungen gebucht werden müssten, wäre jedes Festival doof, das I'm from Barcelona nicht bucht!

Setlist I'm From Barcelona, Gebäude 9, Köln:

01: Always spring
02: Helium heart
03: Battleships
04: Headphones
05: Sirens
06: Violins

Let me introduce my friends:
07: Oversleeping

08: Collection of stamps
09: We're from Barcelona
10: Treehouse
11: Jenny
12: Ola Kala
13: Chicken pox
14: Rec & play
15: Barcelona loves you***
16: This boy***

17: The saddest lullaby

18: The painter

19: Growing up is for trees (Z)
20: Mingus (Z)
21: Lucy (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- I'm From Barcelona, Paris, 26.03.07


* für Biathlon gilt eine Sperrfrist: 28.03.17 
** meine Mitschrift sagt (v.l.n.r.): Trompete, Klarinette, Keyboard, Keyboard, akustische Gitarre, Gitarre, Schlagzeug, Gitarre, Chor, Bass, Chor, Chor, Keyboard
*** vertauscht



Montag, 7. Dezember 2015

Locas in Love, Köln, 06.12.15

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Konzert: Locas in Love Wintergala
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 06.12.2015
Dauer: Locas in Love gut 95 min, Rockaway Shanty Chor knapp 15 min
Zuschauer: vielleicht 300


 
Das Ende der Kindheit ist genau dann gekommen, wenn der Dezember nicht mehr der beste sondern der schrecklichste Monat des Jahres wird. Aus Vorfreude wird Hass auf jedes gedudelte Last Christmas (oder seinen Waterboarding-Remix Feliz Navidad), an die Stelle der großen Augen vor dem Kaufhof-Schaufenster treten blaue Flecken, ausgeteilt von den Ellbogen betrunkener Idioten mit Nikolaus-Mütze, die sich seit 11 Uhr im strömenden Regen auf einem der 48 Innenstadt-Weihnachtsmärkte Glühwein (oder Glykol) zu süßen Helene-Fischer-Klängen hinter die Binde gekippt haben und ihre Fröhlichkeit sehr körperlich verteilen. Daß das Beste am Advent bereits Ende August verkauft wird und im Dezember schon nichts mehr taugt (Dominosteine), ist da nur konsequent.


Inmitten all der billigen animierten LED-Weihnachtsbeleuchtung aus dem Baumarkt brennt auch Jahr für Jahr eine Kerze des guten Geschmacks*, die Locas in Love Wintergala - so etwas wie der Gegenentwurf zu Carmen Nebels großer Adventssause. 


2008 war mein erstes Vorweihnachtskonzert der Kölner Band im Alten Pfandhaus. Es folgten Galas im Stadtgarten, im Filmhaus oder in St. Michael am Brüsseler Platz. Mit Plätzchen, Liedern von ihrem Winteralbum (...Winter) und vielen liebevollen Extras. Mal lief im Hintergrund der Schnee-Western Leichen pflastern seinen Weg, mal Der Bär, mal liefen Locas Videos als Vorprogramm, mal sang der Rockaway Shanty Chor. Und jedes mal war die Wintergala ein großer Spaß (da ist ein Licht, da ist ein Licht). 


2014 war ein schwieriges Jahr für die Band, hatte Sänger Björn Sonnenberg bei der Gala vor zwölf Monaten erklärt. Die Aufnahme des fünften Studioalbums** erwies sich als große Prüfung. Im August 13 hatten Locas in Love die neue Platte an zwei Abenden im King Georg vorgestellt. Mich begeisterten die Stücke, die die Band am Tag nach dem zweiten dieser Konzerte in Frankreich aufnehmen wollte. Es folgten Monate der Selbstzweifel, Produzentenwechsel aber kein Album. Use your illusion 3 & 4 erschien dann erst Anfang 2015 und enthielt nur noch einen Teil der Stücke von damals. Dafür war die Platte ein Doppelalbum geworden. Und sie war erfolgreich. Zu meiner großen Überraschung erschien dann vor wenigen Wochen auch noch Kalender, eine zweite Platte innerhalb weniger Monate. 2015 war wohl ein gutes Locas-Jahr.


Die diesjährige Gala fand im Gebäude 9 statt. Björn hatte bei einem anderen Konzert einmal gesagt, man wolle früh anfangen, damit jeder noch seine Bahn bekommen könne. Auch heute begann es früh. Ab kurz nach acht spielte der Rockaway Shanty Chor im Hof vor dem Gebäude einige Lieder über das Leben auf See. Die ersten beiden Stücke waren einmatroste Pop- bzw. Rockklassiker (Es lebe Ostfriesland, Fahrwasser zur Hölle), der Rest Lieder über den Klabautermann, eine kleine Möwe und das Lieblingsgetränk der Seefahrer. Das war sehr toll und hätte gerne länger als eine knappe Viertelstunde dauern können. 

Setlist Rockaway Shanty Chor, Wintergala, Gebäude 9:

01: Es lebe Ostfriesland (Elvis Cover)
02: Fahrwasser zur Hölle (AC/DC Cover)
03: Die kleine Möwe
04: Klabautermann
05: Rum aus Jamaica ("es trinken die Matrosen von allen Spirituosen am liebsten Rum")


Nach den Shantys wurden wir zurück in den Saal gebeten. Bevor die Band auf die Bühne kam, erschien erst einmal Benjamin Walter (Jobbeschreibung: Guidance) und klärte uns darüber auf, was die Bleistifte und Blätter mit Comiczeichnungen bedeuteten. Wir spielten Locas-Bingo. Wie im Bus auf der Rückfahrt vom Seniorenausflug, nur charmanter. Benny las Symbole vor, die mit der Band zu tun haben, wir mussten 5er Reihen bilden. Gegen CDs. Wie viel Mühe sich Locas in Love machen, dem Publikum Dinge zu bieten... wundervoll! Zwar  eigentlich nicht nötig, da so etwas ja gerne dazu dient, von musikalischen Schwächen abzulenken. Trotzdem sind es diese kleinen originellen Elemente, die die Wintergalas so besonders machen.


Das Konzert begann mit zwei Stücken von Winter (Packeis und Wintersachen). Die Locase spielten wieder mit Ur-Schlagzeuger Maurizio Arca und mit Carmen Heß von Lingby (Wald- und Flügelhorn und Keyboard).


Nach den Wintersongs kamen die ersten beiden Stücke vom (ganz) neuen Album. Ich habe das zwar, konnte es aber noch nicht hören, kannte also nur die Lieder, die Locas in Love bei den beiden King Georg Konzerten damals gespielt hatten (zum Beispiel Ich bin eine Insel oder Ich werde ein Lied für alle schreiben). Die, die mir neu waren, waren besonders überzeugend. Ultraweiß! Oh! und Ruinen


Zwischendurch erklärte Björn immer wieder Dinge, fragte, ob es uns gefalle. Es gefiel sehr. Und es war kurzweilig. Als Locas in Love nach Egal wie weit von der Bühne gingen, kam es mir vor, als seien gerade 40 min gespielt. 


Am Freitag bei EL VY hatte es ein wundervolles Cover gegeben. Brent Knopf und Matt Berninger spielten She drives me crazy von den Fine Young Cannibals. Locas in Love coverten die Christmas number one von 1994, Stay another day von East 17. Beide Stücke sind im Original gruselig. Die Neuinterpretationen dagegen waren wundervoll! Die krachigen Gitarren von Björn und Jan Niklas machten aus dem Käse ein wirklich tolles Livelied! Im Smalltalk mit dem Publikum kam Björn auf die Idee, doch mal über ein Sommeralbum nachzudenken. Ich bin sicher, auch Bailando oder der Ketchup Song werden mich auf einer Locas-Sommergala begeistern! Bis das passiert freue ich mich jetzt doch erst einmal auf den kommenden Dezember und die nächste Wintergala.

Setlist Locas in Love, Wintergala, Köln:

01: Packeis
02: Wintersachen
03: Ich werde ein Lied für alle schreiben
04: Ultraweiß
05: Zum Beispiel ein Unfall
06: Maschine
07: Roder
08: Über Nacht ist ein ganzer Wald gewachsen (das Licht am Ende des Tunnels is ein Zug)
09: Oh!
10: Monkey
11: Manifest
12: Ruinen
13: Nein
14: Leyendeckerstraße
15: Es tut mir leid
16: Egal wie weit

17: Stay another day (East 17 Cover) (Z)
18: Sachen (Z)
19: Durch die Dunkelheit (Z)
20: Auto destruct (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Locas In Love, Düsseldorf, 20.03.15
- Locas In Love, Köln, 21.02.15
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 07.12.14
- Locas In Love, Köln, 22.12.13
- Locas In Love, Köln, 15.08.13
- Locas In Love, Köln, 14.08.13
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Köln, 09.12.12
- Locas In Love, Wiesbaden, 04.05.12
- Locas In Love, Köln, 02.10.11
- Locas In Love, Köln, 24.10.10
- Locas In Love, Köln, 30.11.08
- Locas In Love, Frankfurt, 20.10.07
- Locas In Love, Köln, 19.08.07


* Weihnachtspathos, yeah! 
** Winter ist offziell keines, hieß es einmal


Donnerstag, 10. September 2015

Torres, Köln, 09.09.15

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Konzert: Torres
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 09.09.2015
Dauer: Torres 70 min, Harkin 30 min
Zuschauer: vielleicht 170



Ende Mai spielte Torres beim Primavera Festival in Barcelona eine Show, die uns so sehr beeindruckt hatte, daß wir sie am nächsten Tag gleich noch mal sehen wollten. Bei einem Festival, bei dem am Tag mehr als 70 Bands auftreten, die fast alle toll sind, kann man sich eigentlich nicht den Luxus erlauben, Künstler doppelt zu sehen. Im Fall von Torres ließ es sich aber nicht verhindern.

Beim Primavera war Mackenzie Scott solo aufgetreten und hatte ihre Stücke nur von ihrer E-Gitarre begleitet vorgetragen. Das stand zum Teil in großem Kontrast zu den Platten, war aber enorm eindrucksvoll. Die Sängerin entschuldigte sich irgenwann dafür, daß sie alleine da sei. Das nächste Mal hoffe sie, eine Band mitzubringen. Das war dann auch meine erste Nerd-Frage, als ich ins Gebäude 9 kam, "ist sie mit Band da?" Sie war.

Daß der Support ohne Band auftreten würde, wusste ich. Allerdings habe ich Katie Harkin noch nie solo gesehen. Die Britin, die Frontfrau der grandiosen Sky Larkin war (und damit auch im Gebäude 9), dann die Wild Beasts live unterstützt hat (auch im Gebäude), war zuletzt bei der kompletten Sleater-Kinney Tour als zusätzliche Gitarristin und Keyboarderin dabei. Und jetzt also solo unter ihrem Nachnamen Harkin. Wenn die Bands, über die wir hier schreiben, strenggenommen (also außerhalb der Indie-Blase) nicht eh alle unbekannt wären, wäre Katie Harkin die beste unbekannte britische Musikerin. Ich liebe die Platten, die Sky Larkin veröffentlich haben. Leider war damit offenbar keine große Karriere möglich, verdient wäre sie sicher!

Katie Harkin spielte eine halbe Stunde lang neue Lieder. Eines davon (Charme and tedium) sei erst letzte Woche entstanden. "So it's a baby!"


Als Katie ihr letztes Lied ankündigte, war ich sicher, daß sie höchstens fünfzehn Minuten gespielt habe, es war extrem kurzweilig. Obwohl da ja nur eine Frau mit E-Gitarre auf der Bühne stand. Wie schon bei Sky Larkin leben die Songs von der Mischung aus Katies wundervoller Stimme und den rohen Gitarrenklängen. Diese letzte Lied (Nothing the night can't change) war neben Bristling, das mit herrlich abgebrochenen Gitarrenklängen begann, das beste Lied des dann doch halbstündigen Sets. Hoffentlich erscheint bald etwas davon auf Platte!

Setlist Harkin, Gebäude 9, Köln:

01: Carve it out
02: National anthem of nowhere (Apostle Of Hustle Cover)
03: Charme and tedium
04: Decade
05: Bristling
06: Dial it in
07: Nothing the night can't change


Als Mackenzie und ihre Band auf die Bühne kamen, war es düster. Die Sängerin hatte eine brennende Kippe in der Hand und schwenkte die andächtig ins Publikum. Mir machte des ein wenig angst, es sah aus, als käme jetzt eine große Inszenierung. Groß ja, gekünstelter Quatsch nein. Torres beschränkten sich auf die Musik. Daß das vollkommen ausreicht, wusste ich ja.

Beim ersten Lied (Mother Earth, father God) war ich noch nicht davon überzeugt, daß die Bandversion mir genauso gut gefallen könnte wie Mackenzie alleine. Bei New skin danach war es genau umgekehrt. Die Instrumentierung mit zweiter Gitarre, Schlagzeug und Keyboard war atemberaubend schön! Manchmal (später) schrammte sie einige Male an der Grenze zum Bombast, bei Strange hellos fehlte nicht viel und es wäre fies rockig geworden, das Scorpions-Land winkte schon rüber. Die Instrumentierung blieb aber immer auf der geschmackvollen Seite. Und dann wieder kamen Stücke, die mit den zusätzlichen Musikern noch einmal massiv aufblühten. Das akustisch auch schon tolle A proper Polish welcome (ich weiß immer noch nicht, was das ist) war phänomenal, Sprinter mit Zweitstimme von Keyboarderin Erin (?) nicht weniger gut. 


Es war ein großartiges Konzert - ganz anders als die beiden im Mai - aber gleich gut. Nur manchmal gab es kleine Solo-Momente. Bei der Zugabe November baby begann die Sängerin alleine, von ihren Begleitern beobachtet. Erst ganz am Ende setzten die anderen drei Instrumente ein.Was nun besser ist? Keine Ahnung. Jedenfalls war das hier hervorragend!

Setlist Torres, Gebäude 9, Köln:

01: Mother Earth, father God
02: New skin
02: Cowboy guilt
04: Sprinter
05: A proper Polish welcome
06: Son, you are no island
07: Strange hellos
08: Honey
09: The harshest light 

10: November baby (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Torres, Barcelona, 30. & 31.05.15
- Sky Larkin, Köln, 17.11.10
- Sky Larkin, Köln, 25.02.09
- Sky Larkin, Paris, 23.02.09
- Sky Larkin, Amsterdam, 22.02.09
- Sky Larkin, Paris, 18.12.08
- Sky Larkin, Köln, 10.11.08
- Sky Larkin, Brüssel, 09.11.08
- Sky Larkin, Köln, 11.09.08


Sonntag, 17. Mai 2015

I Am Kloot, Köln, 16.05.15

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Konzert: I Am Kloot
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 16.05.2015
Dauer: I Am Kloot knapp 100 min, Sarah & Julian 30 min
Zuschauer:  ausverkauft




Diese Tagebuchschreiberei scheint nicht viel zu nutzen. Bei jedem I Am Kloot Konzert bin ich aufs Neue überrascht, daß der Laden voll ist. Dabei war es beim letzten Mal doch genauso. Kann man alles nachlesen.

Mein letztes I Am Kloot Konzert fand 2010 beim wundervollen Phono Pop Festival in Rüsselsheim statt (unbedingter Tipp - dieses Jahr am 10, und 11. Juli!). Seitdem habe ich die Band aus Manchester wieder einmal aus dem Auge verloren. Natürlich habe ich trotzdem keine Sekunde gezögert, ein Ticket für eines der drei Deutschland-Konzerte zu kaufen. Bisher hatte ich I Am Kloot in Köln zweimal im Luxor gesehen (und einmal beim Fest van Cleef in Odonien), diesmal waren sie im tollen Gebäude 9


Als wir reinkamen, war für eine Vorgruppe aufgebaut. Auf der Stoffverkleidung des Keyboards las ich "Sarah & Julia". Statt zweier junger Frauen kam um halb neun aber ein ergrauter, vollbärtiger Mann auf die Bühne - John Bramwell. Er kündigte den Support seiner Deutschland-Tour an, eine sehr tolle Geste! Ich verstand "Sarah & Julie". Da war wohl beim Ausdruck der Klavier-Beschriftung irgendwas schief gelaufen. Es kamen dann auch nicht zwei sondern drei Musiker auf die Bühne, die sich als Sarah & Julian und Schlagzeuger Nils (glaube ich) herausstellten. Sarah und Julian sind Geschwister und stammen ursprünglich aus Aschaffenburg. Nicht aus Reading. Hätte Julian keine Ansagen gemacht, ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, eine deutsche Band vor mir zu haben. 


Es fing beim ersten Lied White lips sehr ruhig an. Sarah spielte Piano, Julian akustische Gitarre. Dazu sangen beiden gemeinsam. Das klingt zunächst wenig spektakulär, war aber wunderschön. Später setzte dann ein erstaunlich dynamisches Schlagzeug ein, das perfekt passte. Vor dem zweiten Lied (Birds of a feather) gab es Probleme mit dem (geliehenen) Keyboard, die Julian gelassen mit "das gehört zum Programm" kommentierte. Ich hatte noch nie von der Band gehört und erst vorhin gelesen, daß die Geschwister u.a. 2014 beim Heimspiel von Gisbert zu Knyphausen aufgetreten sind. Der Auftritt von Sarah and Julian (und Nils) wirkte nicht nur musikalisch souverän.


Im vierten Lied Mayflies gab es eine lustige Klatsch-Choreographie der drei Musiker, dabei schlugen sie die Hände erst zusammen und dann auf die Brust und sangen dazu irgendwas mit vielen s-Lauten ("ssss sch sch sch" - für Rheinländer nicht mitsingbar), es war toll! Yesterday I thought danach sangen Julian und Sarah gemeinsam am Klavier. Das Programm war beeindruckend und sehr abwechslungsreich. Grob erinnerte mich der Auftritt immer mal wieder an die tollen Rue Royale.

Daß John Bramwell seine Vorgruppe vorgestellt hat, machte nach dem halbstündigen Auftritt sehr viel Sinn und war sicher nicht nur Zeichen britischer Höflichkeit!

Setlist Sarah & Julian, Gebäude 9, Köln:

01: White lips
02: Birds of a feather
03: Like a letter
04: Mayflies
05: Yesterday I thought
06: Monster
07: Slow 

Daß I Am Kloot auch zu dritt auftreten würden, hatte ich auf Fotos vom Berlin-Konzert gesehen. Beim Phono Pop hatte ich sie in der gleichen Konstellation (Gitarre, Bass, Schlagzeug) gesehen, davor zweimal in größerer Besetzung mit Steel Guitar. Ich hatte heute also eine etwas ruhigere I Am Kloot Version erwartet. Schon die paar Mikro-Tests beim Umbau zeigten, daß das Unsinn war. Bei den ersten Liedern spielte John eine E-Gitarre. Es war ordentlich laut! Erst später (beim vierten Stück?) wechselte er zur akustischen Gitarre und legte die nicht mehr weg. Dies ist musikalisch (aus Amateursicht) nicht weiter wichtig, es blieb auch mit dem leiseren Instrument laut, wenn man weiß, wie John die Akustikgitarre spielt, wird es aber relevant. Er hat keinen Gurt am Instrument, muß es also auf den Oberschenkel legen und den dafür anwinkeln. Er löste das mit einer leeren Bierkiste, auf der sein rechtes Bein mindestens 70 Minuten stand. Aber vermutlich sind Gitarrengurte unbequem.


I Am Kloot haben 2013 ihr letztes richtiges Album veröffentlicht. "Richtig", weil danach zwar ein Soundtrack erschien, auf dem neben Instrumentalstücken aber nur drei alte Lieder wiederveröffentlicht wurden. Daß ich die Nordengländer seit Jahren dooferweise mißachtet habe, war für das Konzert nicht weiter schlimm. Ich kannte fast alles. Denn das letzte Album Let it all in (das ich nicht habe) ignorierte auch die Band weitestgehend, warum auch immer (und bei der Ausnahme Masquerade versauten sie das Ende. "Sehr clever, den letzten Refrain wegzulassen!"). Es ist wohl eher die Tour zur gerade veröffentlichten Live-Platte Hold back the night.

Also ein Best of. Und wenn man I Am Kloot gut anderthalb Stunden zuhört, merkt man, wie viele Hits in so einem 26-Lieder-Programm stecken. Ferris wheel, Someone like you, From your favourite sky, To you, Storm warning, To the brink (mit dem John 2009 beim Perfekten Dinner einen Gastauftritt hatte). Wow. 


Daß ich beim Konzert nicht richtig aufmerksam war, lag dann wegen der vielen Knüller auch nicht an Langeweile (es ist fast immer so, daß nach 40 min die Gespräche lauter werden, längere Aufmerksamkeitsdauer geht wohl nicht mehr). Mich haben die beiden Kollegen von John zu sehr abgelenkt. Peter Jobson war schon sehr sehenswert und enorm beweglich für einen Bassisten, ganz besonders beeindruckend war allerdings Schlagzeuger Andy Hargreaves. Ich habe zu wenig Ahnung von Musik, bin aber nicht sicher, ob ich schon viele bessere Drummer gesehen habe. 


Zwischendurch gab es einen kleinen Vorgeschmack auf den Sommer. Im Juli spielt John Bramwell wieder beim Phono Pop Festival, diesmal aber alleine. Im Gebäude 9 schickte er seine beiden Kollegen in eine kurze Raucherpause und spielte I still do und At the sea solo. 

Bis zum Sommer werde ich noch wissen, wie gut der Konzertabend war, keine Frage!

Setlist I Am Kloot, Gebäude 9, Köln: 

01: One man brawl
02: Cuckoo
03: Life in a day
04: This house is haunted
05: Gods and monsters
06: Same deep water as you
07: Dead mens cigarettes
08: Someone like you
09: Masquerade
10: I still do (John Bramwell solo)
11: At the sea (John Bramwell solo)
12: Fingerprints
13: Over my shoulder
14: To the brink
15: Storm warning
16: Here for the world
17: Strange arrangement of colours
18: Ferris wheels
19: Because
20: Darkstar
21: Strange without you
22: To you
23: Northern skies
24: From your favourite sky

25: Twist (Z)
26: Proof (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
I Am Kloot, Paris, 23.03.13
- I Am Kloot, Dresden, 15.03.13
- I Am Kloot, Rüsselsheim, 10.07.10
- I Am Kloot, Köln, 28.03.10
- I Am Kloot, Köln, 24.10.08
- I Am Kloot, Köln, 26.07.08
- I Am Kloot, Paris, 27.03.08


Mittwoch, 17. Dezember 2014

The New Pornographers, Köln, 05.12.14

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Konzert: The New Pornographers
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.12.2014
Dauer: The New Pornographers 80 min, Mini Mansions gut 45 min
Zuschauer: ca. 300



Auf Autofahrten höre ich meist Musik mit meinem alten iPod. Weil nicht nur dessen Batterie sondern auch die Software oft spinnt, stürzt das Gerät immer wieder ab. Nach dem Reset dauert es ein paar Minuten, bis er wieder da ist. Musikalisch ist der Neubeginn immer gleich: I'm not talking von A.C. Newman. Vermutlich wäre das Stück mein meistgehörtes, wenn wenigstens das Weiterleiten an last.fm klappen würde.


Auch ein anderes meiner besonders häufig in diesem Jahr gehörten Stücke hat mit dem kanadischen Musiker zu tun. War on the east coast von den New Pornographers, die Newman vor einigen Jahren mitbegründet hat, ist eines der besten Lieder 2015 (auch wenn das Jahr ja lange noch nicht vorbei ist). Geschrieben hat es allerdings nicht A.C. Newman, War on the east coast stammt von Dan Bejar (Destroyer), einem der anderen zahlreichen (Indie-) (Super-) Stars bei den New Pornographers. Das neben Destroyer vermutlich berühmteste Mitglied ist Neko Case, die auf Platten und dem nordamerikanischen Kontinent regelmäßig mitsingt, Europa-Touren der New Pronographers aber meidet. An ihrer Stelle übernimmt Carl Newmans Nichte Kathryn Calder (Immaculate Machine) alle weiblichen Gesangparts. 


"Wer und wie viele?" ist also immer die typische Frage vor einem Auftritt der Kanadier. Beim ersten Konzert der New Pornos im Gebäude 9 seit 2007* standen sieben Musiker auf der Bühne. Kathryn Calder, Dan Bejar und Carl Newman, Bassist John Collins (der u.a. mehrere Tegan and Sara Platten produziert hat und bei Destroyer mitspielt), ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein weiterer (vierter? fünfter?) Gitarrist. 


Als die sieben um 21:40 Uhr begannen, hatten wir schon ein gut 45 minütiges Support-Programm der Band Mini Mansions aus Los Angeles erduldet. Mini Mansions fielen durch drei Dinge auf: 1) Kreuzfahrt-Entertainer-Outfits (der singende Schlagzeuger trug einen weißen Anzug, der Bassist einen roten - 2) eine unverschämt scheußliche Version des Blondie Evergreens Heart of glass und - 3) eine bescheidene, mannhohe Leuchtreklame mit dem Bandnamen, bei der ich mich gefragt habe, was die Fluggesellschaft wohl dafür verlangt hat, das Ding einmal um den Globus zu verschiffen. 

Musikalisch war es enorm beliebig bzw. bis auf ein Lied sogar ziemlich mies. Daß der trommelnde Sänger normalerweise der Bassist der Queens Of The Stone Age ist, änderte daran nichts. 


An Stelle der Deko setzte die Hauptgruppe dann Hits, das klügere Konzept, wie ich finde. Die Setlist des fast anderthalbstündigen Konzerts war eine souveräne Mischung einiger neuer Stücke und der Hits aller Vorgängerplatten. So macht man das eben in einer Supergroup.

Dan Bejar war höchstens bei jedem zweiten Lied auf der Bühne. Hatte er nichts zu tun, ging er nach hinten und rauchte. Es roch in jeder Destroyer-Pause nach Qualm.


Live sind die New Pornographers sehr viel rockiger als auf Platte. Erst wollte ich "lauter" schreiben, das machte aber keinen rechten Sinn. Also war auch im Gebäude 9 nichts vom "Hausfrauen-Rock" zu hören, als den mein Konzertnachbar die Musik der Band vorher bezeichnet hatte. Auch die etwas schwächeren Stücke der neuen Platte gefielen mir so deutlich besser als aus dem neurotischen iPod. 


Es war ein wirklich gutes Konzert. Beim Basket- und Football benutzen amerikanische Sportreporter gerne den Begriff Go-to-guy für einen Spieler, der immer als sichere Anspielstation des Quarterbacks oder Aufbauspielers erreichbar ist, den der also auch in großer Bedrängnis immer erreicht. Das sieht dann nicht so spektakulär aus wie ein 60 m Pass, bringt aber sicheren Erfolg. Die New Pornographers sind eine meiner Go-to-Bands. Man darf da keine Bühnenshow (oder Leuchtreklame) und kein Publikum, das nur beim neuesten heißen Scheiß erscheint, erwarten, man bekommt aber sicher ein sehr gutes Konzert geboten!

Setlist The New Pornographers, Gebäude 9, Köln:

01: Brill bruisers
02: Myriad harbour
03: Moves
04: Dancehall domine
05: War on the east coast
06: Use it
07: All the old showstoppers
08: Jackie, dressed in cobras 
09: Another drug deal of the heart
10: The laws have changed
11: Fantasy fools
12: Testament to youth in verse
13: Sweet talk, sweet talk
14: Backstairs
15: Silver Jenny Dollar
16: Champions of red wine
17: Born with a sound
18: Mass romantic

19: Ballad of a comeback kid (Z)
20: Sing me Spanish techno (Z)
21: The bleeding heart show (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The New Pornographers, Barcelona, 28.05.10
- The New Pornographers, Köln, 25.11.07
- The New Pornographers, Paris, 30.09.07


 

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