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Donnerstag, 5. Februar 2015

Johanna Borchert, Frankfurt, 03.02.15

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Konzert: Johanna Borchert
Ort: Brotfabrik in Frankfurt
Datum: 3. Februar 2015
Dauer:100 min
Zuschauer:35


Johanna Borchert hat mich 2014 mit ihrem Album FM Biography total aus den Socken gehauen. Seitdem läuft das Album und nutzt sich nicht ab. Es ist ein Kleinod, ein Kristall, der je nach Stimmungslage in den verschiedensten Farben schillert. Die Musik ist um ihre Stimme zentriert und nutzt das Piano als herausragend färbendes Instrument. Sie reißt den Horizont weit auf und öffnet Tiefe und Innigkeit, die kein Maß zu haben scheinen.


Als nun auch endlich Tourdaten in für mich erreichbaren Städten bekannt wurden, war es keine Frage des ob sondern nur des wo ich dabei sein wollte. Schließlich bot sich der Tourauftakt in Frankfurt an. Meine Erwartungen waren hoch gespannt und als ich schließlich in der ersten Reihe Platz genommen hatte, war auch die Vorfreude endlich unverfälscht und laut (bis kurz vorher war ich sehr erschöpft und verfroren).


Das Konzert begann mit einer wilden Fahrt, die zunächst von der mir bekannten Platte nicht viel vorzeigte. Johanna Borchert kroch förmlich in ihren Flügel und schrammte, strich und rieb ihn, um ihren Klangkosmos zu erschaffen. Gebrauchte dazu auch etwas, das ich erst für einen Strick hielt, von ihr aber Elefantenpopel genannt wurde. Immer wieder gab es auch später die wie Improvisation wirkenden Teile, die sich nicht leicht ins Ohr schmiegten, mir aber sehr wohl sehr gefielen. Das Wilde, einzigartige des Moments war spürbar und wertvoll. Dies ist die Musik, die auf ihrem Album Orchestre Idéal zum hören festgehalten ist.


Schön waren freilich auch die "Intermezzi", in denen die vertrauten Lieder der 2014er CD zu hören waren. Am Ende habe ich ein bisschen die Übersicht verloren - auch weil ich mich vertrauensvoll treiben ließ, aber an die Titel
Desert road
FM biography
Lightyears
Lullaby
It's been a while
Wide land

im Programm kann ich mich noch gut erinnern. Die Projektionen auf den Flügeldeckel und an den Vorhang an der Rückwand waren zum Teil sehr eindrucksvoll. Zwischendurch kam ich mir vor wie auf einer Ausfahrt mit dem kleinen Häwelmann. Die Stormsche Version für Erwachsene - keine niedlich abgeschwächte kindliche Version. Wir enttäuschten sie wohl etwas, als wir uns spontan kein Lied wünschen mochten. Aber der schließlich im zweiten Versuch noch abgeforderte Jazz-Standard wurde in ihrer ganz eigenen Art brilliant anverwandelt und ich habe mich wirklich geärgert, dass mir einfach kein Lieblingslied eingefallen war. Ich hätte ihr vertrauensvoll und mit Freuden jeden Liebling zugeworfen.


Am Schluss war zu danken für den Beitrag des Klangmagiers, der die ganze Zeit Klänge zugemischt oder gefärbt/verfälscht und geloopt hatte (wirklich sehr eindrucksvoll) und dem visuellen Künstler. Das Publikum klatschte durchweg hochzufrieden und hat wohl einen absolut einzigartigen Abend erlebt.




Tourdaten:
03.02. Frankfurt / Brotfabrik
04.02. Köln / Stadtgarten
05.02. München / Ampere
06.02. Dortmund / domicil
08.02. Berlin / Roter Salon
26.02. Stuttgart / BIX
20.03. Zug / Burgbach Theater
21.03. St. Ingbert / Jazzfestival
27.03. Schwäbisch Hall / Hospitalkirche
21.04. Kiel / Kulturforum
22.04. Lübeck / CVJM Lübeck e.V.
23.04. Flensburg / Orpheus .01.eater
25.04. Bremen / Kulturkirche St. Stephani
22.05. Hamburg / Knust


Elefantenpopel

 

Sonntag, 25. Januar 2015

Get Well Soon, Frankfurt, 23.01.15

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Konzert: A special night with Get Well Soon
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 23.01.2015
Dauer: Get Well Soon knapp 110 min, Vin Blanc / White Wine gut 30 min
Zuschauer: 350 vielleicht (ausverkauft)



Ein paar special nights with Get Well Soon hatte Konstantin Gropper im November angekündigt, als die drei EPs seines Band-Projekts erschienen. Ich hatte auch an meinen vielen bisherigen Abenden mit Get Well Soon große Freude, warum also nicht auch mal eine besonders spezielle Nacht?

Daß es sich beim Anpreisen der besonderen Konzerte nicht bloß um PR handelte, wurde spätestens dann klar, als die Band im Vorfeld um Mithilfe bat. Man wolle ein fremdes Lied spielen und ließ die Kartenkäufer zwischen verschiedenen Cover-Songs auswählen (bei mir war es natürlich Disco 2000 von Pulp). Außerdem baten Get Well Soon um Gastsänger, die eines ihrer Stücke in einer Live-Karaoke singen wollten. Beides Dinge, die bei noch ernsthafteren Bands wie Interpol, die ich gleich sehen werde, nur schwer vorstellbar sind.

Die spezielle Nacht in der Frankfurter Brotfabrik war ausverkauft. Pünktlich um acht begann die (halbwegs) neue Band von Ex-Tu Fawning Sänger Joe Haege und Fritz Brückner, den ich bisher nur bei vielen Künstlern als Soundmann erlebt hatte. Das halbstündige Programm von Vin Blanc / White Wine erinnerte immer wieder an Tu Fawning (auch die Hosenlänge von Joe), es fehlten mir aber mindestens zwanzig Instrumente und die zusätzliche Frauenstimme, um mich gleichermaßen zu begeistern.

Obwohl bei Vin Blanc / White Wine die Bühne schon vollgestellt mit Instrumenten war, es also schon nach einem normalen Get Well Soon Konzert aussah, wurde das alles in der Umbaupause weggeräumt und Platz geschaffen. Get Well Soon begannen nämlich mit ihrer The Lufthansa heist EP, mit den 90er Jahre Gitarrenband-Songs, die Konstantin Gropper als Zeichen seiner Midlife oder Identitäts-Krise bezeichnete. Statt mit Keyboard, Posaune, Violine und akustischer Gitarre kamen Konstantin und Verena Gropper, Maxxi Schenkel und Marcus Wuest mit E-Gitarren auf die Bühne - und entsprechenden Outfits. Abendkleid und Anzugshosen blieben weg, dafür kamen die schwarzgrauen und weißen Jeans wieder aus der Kleiderkiste.

Die fünf Songs der ersten EP funktinierten live wunderbar. Es klang zwar (alleine wegen der Stimmen der beiden Groppers) immer ein Hauch Get Well Soon durch, aber in der College-Rock-Version. The 4:3 days hörte sich ein wenig wie Boys don't cry an. Die vier Gitarren Nummer stand der ans ausgezeichnet!

Nach gut 20 Minuten waren sie mit der EP durch und verließen die Bühne für Neuaufbau und Kleiderwechsel. Nach dem Umbau sah es deutlich mehr nach Get Well Soon aus, es waren Keyboards, Glockenspiele, die Geige und Blasinstrumente auf der Bühne. Auch weite Teile der Band hatten sich umgestaltet. Konstantin Gropper trug jetzt einen weißen Anzug zu nackten Füßen, seine Schwester ein Kleid. "Guten Abend, wir sind Get Well Soon!"

Die zweite EP Henry - The infinite desire of Heinrich Zeppelin Alfred von Nullmeyer ist eine Hommage an Arnold Stadler, einen von Konstantin Groppers Lieblingsautoren. Der Bruch von den krachigen Rock-Liedern des ersten zu den ruhigen des zweiten Teils war groß, er funktionierte aber gut! Mein Liebling unter den vier Stücken war dummerweise das mit dem längsten Titel (Promenading Lago Maggiore, you wouln't hold my hand), das hoffentlich ganz regelmäßig im Get Well Soonschen Liveprogramm sein wird, Tipperei hin oder her.

Besonders schön im zweiten Teil waren ein wanderndes Sektglas vor dem Sänger, das sich in seinem Kabel verheddert hatte und mit den Bewegungen von Konstantin über die Bühne tanzte- bis es umfiel und aufdeckte, daß in Sektgläsern nicht zwangsläufig Sekt sein muß - und die Ansagen des Frontmanns. Er erzählte von einem Interview, in dem er gefragt worden sei, ob Mail from Heidegger nicht enorm postmodern wäre, weil es zu Lebzeiten des Philosophen ja noch gar keine e-mails gegeben habe. "So durchdacht ist das alles gar nicht. Es handelt nur von einem Brief von Heidegger."

Nach knapp 20 Minuten war erneut Pause (Henry spielte die Band nicht). Da nicht mehr umgebaut- und umgezogen werden musste, war diese sehr kurz. Der dritte Teil des Abends war auf dem Papier ein normales Get Well Soon Konzert. Es begann mit einem der besonders großen Hits (I sold my hands for food...), bevor das einzige Lied der Greatest hits EP, der Sammlung von Coversongs, kam, Careless whisper von George Michael. Welch ein Understatement, eine Platte mit einer eigenen Version eines solch fiesen Originals Greatest hits zu nennen, wenn man so viel größere Kracher im eigenen Katalog hat!

Ein paar Stücke später kam der nächste spezielle Programm-Punkt, die Karaoke-Nummer! "So, paß auf, Frankfurt!" Konstantin Gropper bat Moritz (aus der Nähe von Mainz) nach oben. People magazine front cover hatte der sich ausgewählt. Man merkte dem Gastsänger an, daß er nicht zum ersten Mal gesungen hat, er sang das Stück phänomenal gut! "So war das ja auch nicht gedacht, daß die Leute besser singen als ich! Ich mach dann mal jetzt weiter."

Aber so schlecht waren Roland I feel you und You cannot cast out demons... danach auch nicht! 

Als die Band zu den Zugaben erschien, war ich überzeugt davon, daß Careless whisper das Cover des Abends gewesen sei. Als der Band-Kopf einen Disco-Song ankündigte, war ich beruhigt, daß meine Stimme nicht umsonst gewesen war. Zu Disco 2000 kam Joe Haege mit auf die Bühne und spielte den / das berühmte Gitarrenriff (seit 2006 hatte ich dieses fiese Classic-Rock-Wort jetzt vermeiden können - verdammt!). Als sich Konstantin irgendwann zu Joe umdrehte, brachte das den kurz aus dem Tritt und zum Lachen. Herrlich!

Zwei andere Greatest hits (Ticktack! Goes my automatic heart und vor allem If this hat is missing I've gone hunting, das ich lange nicht gehört habe).

Oh ja, es war eine "special night" mit Get Well Soon! Nach zig großartigen Abenden war dies ein wirklich denkwürdiges Konzert!

Setlist Get Well Soon, Brotfabrik, Frankfurt:

01: The Pope washed my feet in prison
02: A night at the Rififi-Bar
03: The 4:3 days
04: Sci-fi gulag
05: Staying home

06: Age 14, jumping off the parent's mezzanine
07: Promenading Lago Maggiore, you wouldn't hold my hand
08: Mail from Heidegger
09: You will be taken care of

10: I sold my hands for food so please feed me
11: Careless whisper (George Michael Cover)
12: The last days of Rome
13: A voice in the Louvre
14: People magazine front cover (Karaoke mit Moritz)
15: Roland I feel you
16: You cannot cast out the demons (you might as well dance)

17: Disco 2000 (Pulp Cover) (Z)
18: Ticktack! Goes my automatic heart (Z)
19: If this hat is missing I've gone hunting (Z)

Links:

- Chronologisch-thematisches Verzeichniss sämmtlicher Aufführungen Konstantin Gropper's. Nebst Angabe der verloren gegangenen, angefangenen, übertragenen, zweifelhaften und unterschobenen Auftritte desselben:
- Get Well Soon, Leipzig, 20.01.15
- Get Well Soon, Köln, 22.08.14
- Get Well Soon, Karlsruhe, 29.07.14
- Get Well Soon, Rovereto, 27.07.14
- Get Well Soon, Mannheim, 31.05.14
- Get Well Soon, Mannheim, 31.05.14
- Get Well Soon, Reutlingen, 26.07.13
- Get Well Soon, Neuhausen ob Eck, 21.06.13
- Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
- Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13
- Get Well Soon, Esch-sur-Alzette, 14.10.12
- Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
- Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.12
- Get Well Soon, Paris, 24.08.12
- Get Well Soon, Dortmund, 28.07.12
- Get Well Soon, Frankfurt, 22.06.12
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Mannheim, 21.05.11
- Get Well Soon, Wien, 23.11.10
- Get Well Soon, Rüsselsheim, 09.07.10
- Get Well Soon, Dortmund, 05.05.10
- Get Well Soon, Paris, 16.03.10
- Get Well Soon, Heerlen, 07.03.10
- Get Well Soon, Frankfurt, 02.03.10
- Get Well Soon, Paris, 26.01.10
- Get Well Soon, Wiesbaden, 22.08.09
- Get Well Soon, Bonn, 04.07.09
- Get Well Soon, Paris, 06.05.09
- Get Well Soon, Nijmegen, 25.04.09
- Get Well Soon, Paris, 14.10.08
- Get Well Soon, Wiesbaden, 30.08.08
- Get Well Soon, Melt!, 20.07.08
- Get Well Soon, Evreux, 28.06.08
- Get Well Soon, Frankfurt, 15.04.08
- Get Well Soon, Köln, 09.04.08
- Get Well Soon, Berlin, 21.09.07
- Get Well Soon, Haldern, 02.08.07

Montag, 20. Januar 2014

Dear Reader, Frankfurt, 19.01.14

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Konzert: Dear Reader (& Lost Lander)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 19.01.2014
Dauer: Dear Reader 90 min, Lost Lander 35 min
Zuschauer: 250 bis 300 vielleicht



Schon wieder Dear Reader? Die hast Du doch schon zigmal gesehen! Warum denn schon wieder hin? Kommt doch auch ein Tatort!

Also das ist nun wirklich einfach zu beantworten:

1. Dear Reader sind lustiger!


"Wie nennt man einen Labrador, der Zaubertricks kann?" fragte Trompeterin Emma in der Pause vor Great white bear, nachdem Sängerin Cherilyn erklärt hatte, daß sie die Hintergrundgeschichte des Songs nicht mehr erzählen werde. Und wie nennt man den zaubernden Hund? "Einen Labrakadabrador!" Geiger Sam wollte sich da nicht lumpen lassen. "Und wie nennt man einen Labrador, der keine Zaubertricks kann?" - "Labrador!"

2. Dear Reader haben das bessere Vorprogramm (Tagesschau vs. Lost Lander)!


Lost Lander aus Portland sind zum ersten Mal in Deutschland. Die Band, deren Debüt DRRT wie das erste Dear Reader Album von Brent Knopf (Ex-Menomena; Ramona Falls*) produziert wurde, trat heute nur als Duo auf. Die anderen beiden Musiker (Bassist Dave Lowensohn und Schlagzeuger Patrick Hughes) wurden von Keyboarderin Sarah Fennell ersetzt. Mit der rechten Hand spielte Sarah Keyboard, mit der linken trommelte sie - und Bass spielte sie vermutlich auch noch. Und weil das eine Musikerin aus der Heimatstadt so vieler großartigen Bands noch nicht auslastet, begleitete Sarah Sänger und Gitarrist Matt Sheehy auch immer wieder beim Gesang. 


Lost Lander spielten Songs von ihrem Album, drei neue Stücke (die Band arbeitet an der zweiten Platte) und ein Solostück von Matt (bzw. von dessen Projekt Tigerphobia). Es dauerte keine Minute, um mich restlos in Lost Lander zu verlieben. Schon Trough your bones war phänomenal schön - vermutlich das tollste Lied des Sets. Aber auch der Rest, die Single Cold feet, die drei neuen Stücke vom kommenden Album, das fabelhafte Afraid of summer ("I'm afraid of summer cause you know I can't swim") und das Duett Go missing am Ende waren so extrem hörenswert, daß ich mich jetzt schon ärgere, daß Lost Lander vermutlich eine Weile brauchen werden, um wieder nach Deutschland zu kommen.


"Besseres Vorprogramm?" Quatsch! Sensationelles Vorprogramm!

Setlist Lost Lander, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Through your bones
02: Walking on a wire (neu)
03: Thunder Clap (neu)
04: Never go easy (neu)
05: Cold feet
06: Afraid of summer
07: Go missing (Tigerphobia Lied)

3. Dear Reader sind abwechslungsreicher als jeder Tatort!


Was kann an einer Band, die ich bereits zehnmal (ich hatte noch Schlimmeres befürchtet!) gesehen habe, noch abwechslungsreich sein? Ein paar neuere Lieder, aber sonst?


Nun, Dear Reader machen es einem leicht, viele Konzerte zu sehen. ohne ein Sättigungsgefühl zu bekommen. Nach dem Auftritt von Cherilyn MacNeil und Sam Vance-Law beim tollen Phonopop-Festival im vergangenen Sommer in Rüsselsheim, habe ich einmal eine Chronik erstellt, in welchen unterschiedlichen Band-Konstellationen ich Dear Reader schon gesehen habe. Von der (fast) Urbesetzung mit ihren Landsmännern Darryl und Michael (der kam später dazu) über die Aufstellung mit den schwedischen Musikern der Band Marching Band als Partnern bis zum Duo in Rüsselsheim. Als Gastmusiker hatte ich u.a. Martin Wenk von Calexico, mehrere Mitglieder von Get Well Soon oder Brent Knopf erlebt. Die Gefahr, zwei ähnliche Dear Reader Konzerte zu sehen, läuft nur der, der mehrere auf einer Tour guckt. Ansonsten gilt bei jedem Auftitt, daß man nicht weiß, was man bekommt. Nein, falsch. Man weiß, daß man ein vorzügliches Konzert bekommt, man weiß nur nicht wie!


Heute war das Line-Up wieder komplett neu. Cherilyn und Sam wurden von Thomas Fietz am Schlagzeug, Alexander Vinne am Bass und der wundervollen Emma Greenfield an Trompete und Gitarre begleitet. Natürlich bedeuten solche Änderungen in der Band auch immer anders arrangierte Stücke (es sei denn, einer spielt alle anderen Instrumente selbst, so wie Sarah bei Lost Lander). Da ich die Rivonia Tour bisher nur halb (beim Phonopop) erlebt hatte, waren mir die meisten Versionen der Stücke von der dritten Dear Reader Platte neu. Auch wenn mir die abgespeckten Duo-Varianten in Rüsselsheim schon sehr gefallen haben, entfalteten einige Stücke mit Trompete, Bass und Schlagzeug erst ihre volle Wirkung! Am meisten profitierte aber das nach Chumbawamba klingende A capella Lied Victory von der großen Band. Auf Platte ist Victory schön, live von fünf Stimmen gesungen sensationell! 


Auch Bend mit zwei Gitarren war außergewöhnlich schön. Das Lied ist schon immer mein Liebling, und nicht nur meiner, sonst spielte Cherilyn es nicht als letzte Zugabe, mit zwei Gitarren (Cherilyn und Emma) hatte es noch eine Portion Extra-Pfiff! Bei einem anderen alten Liebling war die Trompete wunderbar (Dearheart / wieder Emma). Aber es waren nicht die alten Stücke, die mir so viel Freude gemacht haben, es waren vor allem die von Rivonia! 

Und die Frontfrau!


Cherilyn hat neben all ihren musikalischen Talenten auch bei der Verteilung des Charmes ziemlich oft die Hand gehoben. Sie lächelt und lacht viel und ihre Erklärungen der Songs machen fast gleich viel Spaß wie die Lieder selbst. Heute war sie in außerordentlicher Erzähllaune. Nachdem sie gerade den Hintergrung zu Good hope erklärt hatte, fragt ein Zuschauer, wovon denn das erste Lied 27.04.1994 handele. "Das habe ich noch nie erzählt, da muß ich etwas ausholen." Im April 1994 fand die erste allgemeine, freie Wahl in Südafrika statt. Cherilyn beschrieb, daß es in dem Stück darum ging, wie sich weiße Südafrikaner und ihre Bediensteten, die erstmals wählen durften, nah und gleichzeitig fern waren. Sie waren fast Teil der Familie, allerdings nicht Teil der Gesellschaft, was erst die Wahl änderte.

Einmal in Erzähllaune war sie nicht zu stoppen. "Das habe ich auch noch nicht erzählt. Es ist aber eine längere Geschichte!" - "Wir haben Zeit!" - "Na gut!" oder "Normalerweise sage ich bei dem Lied, guckt bitte bei google nach, wovon es handelt." So erfuhren wir, daß Took them away von der Enttarnung der Liliesleaf Farm des Arthur Goldreich handelt, auf der sich Funktionäre des ANC als Landarbeiter getarnt trafen und ihre Untergrundaktivitäten planten. George, der Nachbarjunge, beobachtete, daß sich dort Menschen unterschiedlicher Hautfarbe trafen und besprachen und meldete dies seinen Eltern. Dies führte zu Verhaftungen der Führung des militärischen Arms des ANC. They took them away erzählt dies aus Georges Perspektive.


Auch die Geschichte von ihrem Ur-Ur-Großvater Albert, der Anwalt war und gemeinsam mit dem ebenfalls in Südafrika als Anwalt tätigen Mahatma Gandhi arbeitete und Ende des 19. Jhd. auf eine Reise ging, während der Gandhi eine Übernachtung in einer Unterkunft ufgrund seiner Hautfarbe verweigert wurde. Cherilyns Ahne bot Gandhi an, mit in seinem Bett zu übernachten. "Ich weiß nicht, wie ein Ur-Ur-Großvater war, ob er ein Rassist war, aber diese Episode lässt mich hoffen, daß er ein guter Mensch war." Und dann habe sie sich vorgestellt, ob die beiden am rechten und linken Rand des Bettes geschlafen oder ob sie sogar gekuschelt hätten. "'Löffelchen gemacht', sagt man" half die Engländerin Emma vollkommen akzentfrei aus.

Es war durch und durch wundervoll mit Dear Reader und Lost Lander. Und obwohl mir so vieles schon neu war, kam auch noch ein Lied, das ich gar nicht kannte. Die erste Zugabe war nämlich Left the ground, ein Bonustitel bei iTunes, den Emma und Cherilyn gemeinsam sangen. "Wir sind die Spice Girls. Can I be Sporty Spice?" fragte die englische Trompeterin. "Ich will keine von denen sein." - "Doch, du bist Cherry Spice!"

Setlist Dear Reader, Brotfabrik, Frankfurt:

01: 27.04.1994
02: Down under, mining
03: Dearheart
04: Mole (Mole)
05: Good hope
06: Man of the book
07: Whale (BooHoo)
08: Took them away
09: Cruelty on beauty
10: Victory
11: Already are
12: Great white bear
13: Monkey (You can go home)

14: Left the ground (Z)
15: What we wanted (Z)
16: Bend (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dear Reader, Berlin, 01.01.14
-
Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13
- Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
- Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
- Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
- Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
- Dear Reader, Paris, 18.01.12
- Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
- Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
- Dear Reader, Wien, 08.10.09
- Dear Reader, Marburg, 06.10.09
- Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
- Dear Reader, Haldern, 15.08.09
- Dear Reader, Berlin, 07.08.09
- Dear Reader, Paris, 06.05.09
- Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
- Dear Reader, Köln, 18.04.09
- Dear Reader, Paris, 19.02.09
- Dear Reader, Köln, 12.02.09



* Ramona Falls waren auch bereits Dear Reader Support



Sonntag, 13. Januar 2013

Maximilian Hecker, Frankfurt, 11.01.13

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Keine Schlangenplage in Hausen: Maximilian Hecker in der Frankfurter Brotfabrik

Konzert: Maximilian Hecker
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 11.01.2013
Zuschauer: ca. 100
Dauer: ca. 100 Minuten


Bericht und Fotos von Ursula


In der Simpsons-Folge "Der Knüppeltag" sollen, einer grausamen Tradition folgend, in ganz Springfield Schlangen erschlagen werden. Die tierfreundliche Lisa will das verhindern, indem sie die Schlangen, die von tiefen Tönen angelockt werden, mit Musik ins Haus der Simpsons lockt und in Sicherheit bringt. Doch als sie in der Plattensammlung ihres Vaters nach geeigneter Musik sucht, findet sie dort nur Perlen wie "Alwin und die Chipmunks" und "Kastratenweihnacht". Schließlich kommt aber Barry White persönlich vorbei und singt etwas adäquat Tiefes für die Schlangen.

Irgendwie kam mir diese Geschichte in den Kopf, als mein Freund mir erzählte, dass Maximilian Hecker, der selbst nicht gerade durch sonderlich tiefen Gesang bekannt geworden ist, zurzeit mit Felix Räuber (dem Sänger von Polarkreis 18) auf Tournee sei. Würden die beiden um die Wette piepsen und die Schlangen rund um die Brotfabrik vertreiben? 


Nach Sichtung eines tatsächlich recht piepsigen Youtube-Videos der Kollaboration, beschlossen wir, einfach die Probe aufs Exempel zu machen. Herrn Hecker hatten wir 2009 bereits einmal ohne Begleitung (und auch ohne Blogeintrag) im Frankfurter Mousonturm gesehen, damals war uns der Gesang zum Klavierspiel auf die Dauer etwas eintönig erschienen - eigentlich kann ich mich nur noch daran erinnern, dass das erste Lied mit einer Strumpfmaske vorgetragen wurde. Vielleicht würde ein weiterer Künstler auf der Bühne (dessen Musik ich ja bei alle ihrer Sopranlastigkeit durchaus schätze) für mehr Abwechslung sorgen?

Als wir die Brotfabrik erreichten, waren dort im Zuschauerraum Stuhlreihen aufgestellt, die sich nach und nach mit etwa 100 Zuschauern füllten. Direkt neben uns in der ersten Reihe waren drei Stühle als reserviert markiert. Deren Inhaber bekamen die ehrenvolle Aufgabe, die etwa 100 Ikea-Teelichter auf der Bühne anzuzünden. Ob man sich dafür wohl hatte bewerben können?



 

Als die Lichter brannten, begann der Auftritt der beiden in schwarz gekleideten Künstler mit einem eingespielten Intro und "Mirage of bliss" (Part 1 gefolgt von Part 2). Hecker nahm dabei links am Flügel Platz, während Felix Räuber ihn an Gitarre, Keyboard und Glockenspiel begleitete (wobei das Glockenspiel vor seinem Einsatz erst noch gesucht und zusammengesetzt werden musste) und meist größere Gesangsparts übernahm - mal war es "nur" die zweite Stimme, dann eine ganze Strophe ("Whereabouts of love") oder auch der komplette Titel ("Birch"). Ebenfalls in sein Ressort fiel beinahe die
gesamte Kommunikation mit dem Publikum.



So bekamen wir vor "Kate Moss" erzählt, dass es sich um eines von Räubers Lieblingsliedern handelt und dass er versucht habe, bei den Proben möglichst viele seiner Favoriten in die Setliste zu schummeln und sich darin größere Parts zuzuteilen. Die beiden kennen sich - das erfuhren wir etwas später - erst seit dem letzten April, weil Räuber damals im Sardinien-Urlaub Heckers letztes Album "Mirage of Bliss" angehört hatte und davon so beeindruckt war, dass er Kontakt aufnahm - woraus sich dann letztlich die jetzige gemeinsame Tournee entwickelte, für die Frankfurt erst die zweite Station darstellte. Amüsant fand ich, dass mit keinem Wort erwähnt wurde, dass Räuber ja selbst ein relativ bekannter Popmusiker ist. Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere aus dem Publikum, dass Maximilian Hecker gerade mit einem verrückten Fan auf Tournee ist. 

Seit kurzem gibt es Maximilian Hecker auch als Buchautor, und nach "The Forsakenness of raging love" wurde das Konzert für eine kurze Lesung des ersten Kapitels aus seiner Autobiographie "The rise and fall of Maximilian Hecker" unterbrochen - so erfuhren wir von Heckers Erlebnissen auf einer vom Goetheinstitut veranstalteten Welttournee. Das anschließende "If only I could see" trug Hecker dann allein am Flügel vor. Hier zeigte sich bei den leisen Stellen, dass über die rechte Lautsprecherbox leise ein Radio zu laufen schien. Als besonders störend empfand ich das nicht, fragte mich aber, ob dieser Soundeffekt Absicht oder ein Versehen sei. Tatsächlich handelte es sich, wie später erklärt wurde, um ein nicht lösbares Soundproblem der Brotfabrik. 

Bei "Birch" sah es zunächst so aus, als werde Felix Räuber weiterhin nicht auf die Bühne, die er vor der Lesung verlassen hatte, zurückkehren, tatsächlich trug er dann aber die erste Strophe aus dem Publikum vor - wobei sich zeigte, dass er das sonst beim Gesang benutzte Mikrophon nicht wirklich benötigte. Auf "Birch" folgte dann das einzige von Felix Räuber geschriebene Lied des Abends, "Running out of time", dessen Gesang er ebenfalls allein bestritt. Danach war das Konzert auch beinahe schon vorbei, allerdings bekamen wir nach "Snow white" und "The whereabouts of love" noch zwei Zugaben präsentiert (das auf der Setliste vermerkte "Fool" wurde leider ausgelassen). Für "Head up high" tauschten die beiden Künstler die Plätze und Instrumente, bei "I'll be a virgin, I'll be a mountain" saß Hecker, nachdem er sich zunächst melodramatisch das Hemd aufgerissen hatte, nochmals allein am Flügel. Als Räuber noch kurz aus dem Publikum zu ihm eilte, um etwas zu fragen, sagte Hecker verwirrt "Oh, ich dachte, das sei ein Ordnungshüter!" 



Anschließend machte des Kerzenteam die Teelichter wieder aus, und man hätte man sich noch von beiden Künstlern am Merchandise-Stand beraten lassen können, worauf wir aber verzichteten. Tatsächlich war der Konzertabend ausgesprochen schnell vorbei gegangen, und die Anwesenheit von Felix Räuber hatte zum einen dazu geführt, dass die balladeske Musik von Maximilian Hecker live abwechslungsreicher dargeboten werden konnte, zum anderen hatte der bei Hecker - sei es absichtlich oder nicht - stets ungelenk gehandhabte Bereich "Kommunikation" an Gewicht verloren. Sollte man also nicht gerade verzweifelt Schlangen einfangen wollen, kann ich die Konzerttournee des Duos durchaus empfehlen. 

Setliste: 

 (Intro) 

Mirage of bliss (Part 1) 
Mirage of bliss (Part 2) 
Summer days in bloom 
Heavenlies 
Silent, lucid flashes 
Kate Moss 
Treasure trove 
The forsakenness of raging love 
- Lesung - 
If only I could see 
Birch 
Running out of time (Felix Räuber) 
Snow White 
The whereabouts of love 

Head up high 
I'll be a virgin, I'll be a mountain



Sonntag, 23. Dezember 2012

Neil Halstead, Frankfurt, 20.12.12

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Konzert: Neil Halstead 
Ort: Brotfabrik, Frankfurt 
Datum: 20.12.2012 
Zuschauer: ca. 100 
Dauer: Neil Halstead ca. 90 min, Nadjana ca. 30 min 


von Ursula von neulich als ich dachte


Als mein Freund kürzlich am Telefon zu mir sagte „Prima, dass Du am Freitag schon frei genommen hast, dann kann ich schon am Donnerstagabend anreisen, und wir gehen gemeinsam zu Neil Halstead“, war meine verwirrte Antwort „Zu wem?“ Es stellte sich aber dann schnell heraus, dass ich mit dem musikalischen Schaffen des Herrn Halstead durchaus vertraut bin, er war nämlich Gründungsmitglied der Shoegaze-Helden Slowdive und später Mojave 3. Mittlerweile hat er sich stark in Richtung Folk entwickelt und musiziert meist allein. 

Also ging es gestern wieder einmal Richtung Brotfabrik. Angesichts der relativen Unbekanntheit des Künstlers rechneten wir mit keinem riesigen Andrang, zumal im Internet vorab etwas von Sitzplätzen gestanden hatte. Das weckte Erinnerungen an das Gruff Rhys-Konzert am selben Ort, bei dem man extra Sitzplatzgruppen um Tische gebildet hatte, damit die paar Zuschauer zumindest geschickt im Saal verteilt wirkten. Gestern Abend jedoch gab es richtige Sitzreihen, und diese waren bei unserer Ankunft bereits recht gut mit etwa 100 Gästen gefüllt. 


Auf der Bühne befand sich schon die Vorband Nadjana: Ein Mädchen, Nadjana Gaffron aus Bensheim, die mittlerweile in Mainz wohnt, mit roter Schlumpfmütze und offenbar ohne Hose (eine dicke Strumpfhose gewährte die Jungendfreigabe des auf einem Barhocker sitzend absolvierten Auftritts). Neben ihr saß ihr männlicher Begleiter namens Dennis. Die beiden spielten akustischen Gitarrenpop, bei den Zwischenansagen erschien die Künstlerin etwas aufgeregt. Das Publikum war aber recht angetan, hörte aufmerksam zu und kaufte nach dem Auftritt, der eine gute halbe Stunde dauerte und Songs wie „Who’s the blond girl?“, „Wherever Loop“ und das abschließende "Element" umfasste, mehrere CDs des selbstproduzierten Debütalbums "All Dead Plates Light That Blonde Girl". Dieses kann man derzeit für 8,- € über Bandcamp kaufen. 

Es folgte eine minimalistische Umbaupause, in der die beiden Barhocker gegen einen Stuhl ausgetauscht wurden. Neil Halstead erschien anschließend in einem Hemd, das wir bereits von Christophs Bildern aus Köln vom Vorabend kannten, und ebenfalls mit männlichem Begleiter, nämlich John Herguth, der ihn an Flügel, Bass oder Gitarre unterstützen sollte, aber offenbar häufig nicht wusste, was genau er machen sollte. Neil selbst begleitete seine Songs auf der Gitarre und nahm gelegentlich noch eine Mundharmonika dazu. 

Nach den ersten beiden Liedern, „Tied to you“ und „Full Moon Rising“, wurden wir gefragt, ob es bestimmte Lieder gebe, die wir hören möchten, schließlich ginge ja morgen die Welt unter. Es gebe auch keine Setliste. Zunächst traute sich niemand, einen Songtitel in die Stille zu rufen, schließlich wurden aber doch vereinzelt Vorschläge geäußert. Doch fast bei jedem Liedwunsch war die Antwort „Kann ich nicht spielen“. Erst als einige Songs später jemand im Publikum um „High Hopes“ bat, fing Neil mit den Worten „Ok, watch me fuck this one up“ sofort an, den Song zu spielen – dabei hatte er das Lied doch erst am Vorabend in Köln vorgetragen. 

Grundsätzlich schienen sich auch später hauptsächlich die Songwünsche durchzusetzen, die bereits auf der Setliste des Vorabends gestanden hatten („Hi-lo and inbetween“). Insgesamt wurden aber immerhin mindestens 6 Titel neu ins Programm aufgenommen. Ein weiterer Publikumswunsch war „etwas mit Mundharmonika“, während gleichzeitig jemand anderes „Trying to reach you“ rief, also konnten diese Anfragen in Kombination erfüllt werden – wobei Neil an anderer Stelle erklärte, es sei immer schwierig, seinen Bart daran zu hindern, sich im Mundharmonikaaufsatz zu verfangen. 

Slowdive-Lieder waren ein der spontanen Setliste des Abends leider extrem spärlich vertreten, immerhin das letzte Lied des Hauptteils war dann „Alison“, das in der Nur-Gitarren-Version schon sehr anders klang als auf Platte. Herr Halstead war aber offenbar in Spiellaune, denn er kehrte auf den nachdrücklichen Applaus hin noch für vier Zugabenlieder zurück, wobei er fragte, ob es noch irgendwelche Wünsche gebe, die er dann ablehnen könne. 

Als das Duo dann „Palindrome Hunches“ anspielte, stellte Neil nach einigen Takten fest, dass die beiden verschiedene Lieder begonnen hatten (am Flügel wurde „Bad Drugs And Minor Chords“ dargeboten) und musste von vorne beginnen. Anschließend durfte sich das Publikum noch ein letztes Lied wünschen, es wurden „See you on Rooftops“ und „Between the Bars“ genannt und Halstead beschloss spontan, einfach beide zu spielen. Sein Begleiter zog sich bei diesem letzten Song endgültig aus dem Musikgeschäft zurück und filmte dafür den Vortrag mit seinem Handy. Ob Neil Halstead diesen Konzertabend sonderlich genossen hat, bleibt wohl sein Geheimnis, immerhin versicherte er uns, dass wir ein gutes Publikum seien - obwohl er sich, wie auch die Vorband, beklagt hatte, den Zuschauerraum überhaupt nicht sehen zu können. Aus Zuschauersicht waren die Songdarbietungen durchaus mitreißend, wenn auch der eine oder andere Slowdive-Song mehr sicher nicht geschadet hätte.

Setlist Neil Halstead, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Tied To You 
02: Full Moon Rising 
03: My Life In Art (Mojave 3)
04: Who Do You Love? (Mojave 3) 
05: ? 
06: ? 
07: Driving With Bert
08: Martha’s Mantra (For The Pain) 
09: Witless Or Wise 
10: In Love With A View (Mojave 3) 
11: Oh! Mighty Engine 
12: Hey Daydreamer 
13: High Hopes 
14: ? 
15: Hi-Lo And Inbetween 
16: Some Kinda Angel (Mojave 3) 
17: Trying To Reach You (Mojave 3) 
18: Alison (Slowdive)

19: Two Stones In My Pocket (Z)
20: Palindrome Hunches (Z)
21: See You On Rooftops (Z)
22: Between Two Bars (Mojave 3) (Z)


Samstag, 22. Dezember 2012

Dark Dark Dark, Frankfurt, 15.04.12

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Konzert : Dark Dark Dark
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 15. 04. 2012
Zuschauer: knapp 100
Dauer: gut 75 min


Dark Dark Dark gibt es als Band seit etwa 6 Jahren. Sie sind 2010 auf meinem musikalischen Horizont aufgetaucht und in meiner Plattensammlung mit 2 Scheiben vertreten: Wild Go (2010) und Snow Magic (2008). Ich schätze vor allem die Kombination von Fidel, Akkordeon und der spröden Frauenstimme und die Nachdenklichkeit, die nie in Sentimentalität umschlägt.

Es war schon lange mein großer Wunsch, die Band live zu sehen, aber wir haben während ihrer Frühsommertour in Deutschland 2011 einfach nicht zusammengefunden.

Als für März und April 2012 endlich neue Tourdaten feststanden, war ich doch sehr gespannt, ob es diesmal endlich klappt mit dem Liveerlebnis. Beim Abgleich der Tourdaten zeigte sich jedoch: es gab für mich eigentlich nur zwei winzige Chancen: Paris am 23. März (in Kombination mit einer geplanten Reise in Frankreich) und Frankfurt am 15. April als Station von einer Fahrt aus Norddeutschland zurück nach Karlsruhe (weil ausnahmsweise per Auto).
Beides nicht wirklich optimal und mit erheblichem Organisationsaufwand, aber ich wollte versuchen, es möglich zu machen. Dass ich im März dann tatsächlich bei einem tollen Dark Dark Dark Konzert im wunderschönen Saal des Theaters der Cité Universitaire in Paris dabeisein konnte, verdanke ich vor allem der Hilfe von Oliver, der die Fahne des besonderen Musik-Livererlebnisses in Paris hochhält. Er hat auch einen ausführlichen Konzertbericht über diesen Abend verfasst. Prima Nebeneffekt war, dass wir uns persönlich getroffen und ein bißchen kennengelernt haben, nachdem wir über das Konzerttagebuch schon seit einiger Zeit in intensivem Gedankenaustausch standen. Mit diesem ganz besonderen Erlebnis hätte ich mich ganz sicher für die aktuelle Tour zufrieden gegeben.

Aber dann flatterten mir nach dem Pariser Termin noch zwei Eintrittskarten für Frankfurt von Rockzoom ins Haus und ich nahm das als Wink des Schicksals auch die zweite Chance zu ergreifen.



Die Brotfabrik in Frankfurt ist natürlich ein ganz anderer Auftrittsort im Vergleich zum gediegenen Theater in Paris. Ob sich das auch auf die Musik am Abend auswirken würde? Außerdem hat die Band nun weitere drei Wochen Konzerte in Europa und vor allem schon mehrere Termin in Deutschland absolviert. Ist sie nun besonders eingespielt, oder eher müde?

In Berlin standen natürlich schon Leute für das Samstagskonzert in den Startlöchern, die in jedem Fall auch im Web berichten würden. Vom Markus kam sogar noch in der Nacht auf Sonntag eine kurze und sehr positive Rückmeldung zum Berliner Konzert. Somit war am Tag des Konzertes Vorfreude und Spannung bei mir auf hohem Niveau.



Wir brachen pünktlich genug auf, dass wir den einen oder anderen Ferienendstau verkraften würden ohne den Konzertbeginn zu verpassen oder über diese Möglichkeit unterwegs ins Schwitzen zu geraten. Die Autobahnen waren zwar tatsächlich gut voll aber fast ohne Stockungen waren wir am Ende so pünktlich da, dass wir uns in Ruhe verfahren, Parkplatz suchen, Gelände erkunden, und noch etwas essen konnten und die Band die letzten Utensilien ins Haus tragen sahen…

Schließlich ging es ganz pünktlich 20 Uhr mit Ghost of a chance als Support los. Zu diesem Zeitpunkt waren ungefähr 50 Leute versammelt. Obwohl die Junge mit Gitarre Nummer recht sympatisch war, war mir doch etwas zu wenig Abwechslung in den 30 min und ich war erst richtig zufrieden als 20:45 Uhr die fünf Musiker von Dark Dark Dark auf der Bühne erschienen. Ganz unprätentiös begannen sie ihr Set, das nur selten durch einige wenige Ansagen unterbrochen wurde. Die Band hörte aufeinander, lebte in ihrer Musik auf und war bestens eingespielt, aber das Publikum (inzwischen etwa 100 Leute) schien von der Band mehr als lauschender Gast wahrgenommen zu werden obwohl vom ersten Stück an jedes Stück vom Publikum mit begeistertem Applaus bedacht wurde.

Es wurde ein Set gegeben, das sehr dem von Paris glich in seiner Mischung von bekannten Songs der beiden Alben und neuem Material. Dass keiner der Musiker eine Setlist hatte, erweckte bei mir den Eindruck, dass die Band sich an einen bewährten Ablauf hielt. Die Musik gruppierte sich sehr stark um Nona Maria Invie am Keyboard und den Mann am Akkordeon. Schlagzeug wurde sehr ausdrucksvoll und kunstvoll eingesetzt und der Bass spielte extrem zurückhaltend. Als fünfter Mann im Bund war der Mann “rechts außen” an Klarinette und Banjo ebenfalls sehr dezent unterwegs.


Nach 60min war zunächst leider schon alles vorbei, aber die Gruppe ließ sich noch zu 15min Zugaben über-reden, die ich fast euphorisch nennen möchte – lauter musikalische Knaller wurden ausgepackt. Visueller Höhepunkt war sicher der Moment, wo Walt McClements gleichzeitig Trompete und Akkordeon spielte. So sieht Hingabe aus!


Anschließend waren alle Bandmitglieder am Merchstand zu sprechen und erwiesen sich als unglaublich nette Jungs, die bereitwillig auf alle Fragen eine Antwort hatten sich aber anscheinend überhaupt nicht wichtig nehmen.
Es ist schon irgendwie seltsam wie so eine Truppe von Nerds, die sich allen Regeln der Selbstvermarktung widersetzt mit einer Frontfrau, die sich nur linkisch zu ihrer eigenen Musik bewegt so mein Herz erobern konnte und mich wieder für einen Abend ganz und gar glücklich gemacht hat.

Später stellte ich fest, dass auch Christoph im gleichen Konzert war. Somit waren zwei Dark Dark Dark Konzerte Vereiner der Konzerttagebuchler. 


Dienstag, 25. September 2012

Caroline Keating, Frankfurt, 25.09.12

7 Kommentare

Konzert: Caroline Keating
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 25.09.2012
Zuschauer: 60
Dauer: genau 60 min




Ehrlich gesagt habe ich Caroline Keating in den letzten beiden Jahren aus den Augen verloren. Es gibt halt zu viel Musik - überall - auch wenn ein Großteil davon schrecklich ist. Seit Künstler mit Aufnahmen immer weniger verdienen, touren sie auch immer häufiger, also geraten Künstler schnell einmal aus dem Fokus, weil eine Welle anderer Musiker sich zwischenzeitlich Aufmerksamkeit erspielt. Bei Caroline Keating kam erschwerend dazu, daß ich zwar eine 2009er Tour EP nach dem Kölner Konzert gekauft hatte, daß es außer den vier Stücken aber meines Wissens nach bisher keine Veröffentlichungen zu kaufen gab. Die Pianistin, die in Montreal lebt, veröffentlicht im Oktober ihr Debüt Silver Hearts auf dem Beverunger Label Glitterhouse und tourt mit den Stücken der Platte bis November durch Deutschland (siehe unten).



Bei gaesteliste.de hatte ich vom Essener Konzert gelesen, daß Caroline von zwei Musikern begleitet würde. Als ich (früh) in die Brotfabrik kam, waren auf der Bühne Geige und Kontrabaß rechts und links von einem Konzertflügel aufgebaut. Damals im Motoki hatte die Sängerin ihre Lieder nur vor einem Keyboard sitzend vorgetragen, das war schon vorzüglich, die neue, breitere Intrumentierung machte die Musik noch eine große Portion aufregender, das zeigte sich ganz schnell.



Caroline (in einem kurzen Spitzenkleid) und ihre beiden Begleiter Sebastian Chow (Geige) und Matthew Perrin (Kontrabaß) betraten schon kurz nach 20.15 Uhr die Bühne. Wenn man weiß, daß es so früh losgeht, ist das eine tolle Startzeit für Konzerte (und leider vollkommen ungewohnt!). Hätte ich nicht vom frühen Beginn gewußt, wäre ich erst gegen neun da gewesen, auf der Website des Clubs und auf meinem Ticket stand acht als Zeit, was wenn nichts anderes vermerkt ist, normalerweise immer die Einlaßzeit bedeutet. Dann hätte ich zwar noch vier, fünf Lieder von Caroline mitbekommen (die alle die Anreise gerechtfertigt hätten), hätte aber auch eine ganze Menge verpasst.


Die Brotfabrik war bestuhlt, strenggenommen sogar betischt, vier, fünf Stühle standen jeweils um kleine Tische. Auch wenn es kurz vor acht noch nicht danach ausgesehen hatte, füllte es sich bis zum Beginn ganz gut. Dabei war das Publikum für meine üblichen Konzertabende ungewöhnlich. Junge Indie-Leute waren deutlich in der Unterzahl, dafür waren viele ältere Zuschauer da, die meiner Theorie nach grundsätzlich zu interessanten Kulturveranstaltungen gehen, und nicht etwa speziell wegen Caroline da waren. Es war also eine Schnittmenge aus ernsthaften Kulturfreunden und den üblichen Verdächtigen, wenn es um unser normales Indiemusik-Zeugs geht, etwa so, wie bei Veranstaltungen von Künstlern wie Rufus Wainwright oder Anthony and the Johnsons, nur um Längen angenehmer (das Publikum, meine ich).

 

Das Konzert begann mit zwei Stücken, die ich nicht kannte (kein Wunder), die aber auch nicht auf ihrem Album sind. Nicht nur akustisch war das Zusammenspiel der drei Musiker beeindruckend. Die drei kennen sich in- und auswendig, wohnen quasi zusammen, wie Caroline erklärte, und wirkten auf der Bühne so, als spielten sie bereits seit vielen Jahren in dieser Konstellation. Es gab zwar bei einem der ersten Lieder ein paar Tonprobleme, es knisterte und man hörte kurz fremde Stimmen, dabei blieb es aber, der Rest hatte Radiokonzert-Qualität!

 

Besonders gut gefiel mir... alles. Und davon They say und The pier am besten. Carolines Stimme mit dem leichten kanadischen Akzent, ihr vorzügliches Klavierspiel (sie hat mit sechs Jahren begonnen) und die beiden dezenten Begleitinstrumente, die ganz variabel eingesetzt wurden, machten aus den Keyboard-Stücken von vor zweieinhalb Jahren, satte aber nicht übertrieben arrangierte Pop-Perlen. Und weil Caroline eine so gewinnende Art hat und charmant immer wieder Lieder erklärte und kurze Ansagen machte, kam auch die übliche Distanz, die alleine durch einen mächtigen Flügel auf einer Bühne entsteht, gar nicht erst auf. Glitterhouse-Rembert hatte bei Facebook geschrieben, die Band sei sicher noch müde, weil sie am Vortag in Beverungen lange gefeiert hätte. Caroline erzählte davon, obwohl sie Probleme hatte, den Ort im Weserbergland auszusprechen. Sie hätten gekegelt, Team Kanada gegen Team Deutschland. Das sei gar nicht so ungewöhnlich, weil auch Sebastian und sie gerne und häufig zum Bowling gingen. One, eines der älteren Lieder im Programm, kündigte sie damit an, daß es von einer verrückten Person handelte - aber nicht von ihr. "I'm maybe a little bit crazy - but I'm not this crazy!"


Vor Pit stop wurde das Einwöchige ihrer Deutschland-Tour begangen. Viele schöne Landschaften hätten sie gesehen (in Beverungen - Einheimische bitte weggucken - fühlte sich Caroline an Wes Anderson Filme erinnert), viel deutsches Bier getrunken. "The beer is wonderful", was Bassist Matthew mit Daumen hoch und einem glücklichen Blick bestätigte. Meine Lieblingsansage machte die Musikerin vor Holiday: "It's a song about being on vacation. But in Europe you call it holiday, so the song is called Holiday."


Nach Montreal (auch einem älteren Stück, das es 2009 schon gab), ging Matthew von der Bühne. Sebastian begleitete Caroline, die sich hingestellt hatte, bei Ghosts auf seiner Violine, die er wie eine Ukulele spielte. Auch das war sehr schön, allerdings ist auch die voll instrumentiere Version des Lieds hervorragend.

 


Alleine kam die Kanadierin danach zur Zugabe Silver hearts zurück. Caroline Keating wurde auch danach noch einmal zurück auf die Bühne geklatscht, weil sie aber bereits all ihre Stücke gespielt hätten, endete das Konzert.


Es war wundervoll - ich glaube, das merkt man mir an. Bitte hingehen, Caroline, Matthew und Sebastian touren (und kegeln) noch eine Weile durch den deutschsprachigen Raum!

Setlist Caroline Keating, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Riots
02: Old Faithful
03: They say
04: The pier
05: Holiday
06: So long, Solange
07: One
08: Lusty Dusty
09: Pit stop
10: Montreal
11: Gatsby
12: Ghosts

13: Silver heart (Z) (Caroline Keating solo)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Caroline Keating, Paris, 16.03.10
- Caroline Keating, Köln, 30.01.09
- mehr Fotos vom Konzert

Tour:

27.09.12: Basel, Parterre   
28.09.12: Zug, Chollerhalle   
02.10.12: Göttingen, Apex   
03.10.12: Halle, Objekt 5
04.10.12: Köln, Die Wohngemeinschaft   
05.10.12: Neustadt bei Hannover, Schloss Landestrost   
06.10.12: Magdeburg, Moritzhof   
08.10.12: Leipzig, NaTo   
09.10.12: Dresden, Societaetstheater   
11.10.12: München, Rationaltheater   
12.10.12: München, Rationaltheater   
13.10.12: Erfurt, Franz Mehlhose   
27.10.12: Aachen, Raststätte   
03.11.12: Darmstadt, Bedroomdisco   
22.11.12: Hamburg, Nachtasyl (Thalia Theater)   
24.11.12: Graz, Autumn Leaves Festival   
25.11.12: Erlangen, E-Werk  




Sonntag, 15. April 2012

Dark Dark Dark, Frankfurt, 15.04.12

7 Kommentare

Konzert : Dark Dark Dark
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 15.04.2012
Zuschauer: knapp 100
Dauer: gut 75 min


Auf der Fahrt nach Frankfurt wollte ich eigentlich die neue Shearwater CD hören. Nach zwei Liedern dachte ich aber "wenn schon, denn schon" und wechselte zu Mercury Revs Deserter's Songs. Die Platte der Amerikaner gilt Kritikern als Meisterwerk. Obwohl Deserter's Songs ekelhaft kitschig ist und bei mir regelmäßig Bilder von fliegenden Einhörnern, auf denen Elfen tanzen, erzeugt, ist das Album vollkommen zurecht so gut rezensiert. Und immer wenn ich die Stücke höre, zum Beispiel die Eurobeat-Version von Udo Lindenbergs Ein Herz kann man nicht reparieren, das Mercury Rev auf Deserter's Songs covern, frage ich mich, ob ich die Platte liebe, obwohl sie so schrecklich fies ist, oder weil sie so ist. Das klingt nach einem vollkommen banalen Problem, ist aber wichtig. Es geht schließlich um Orientierung.

Bei Dark Dark Dark fällt mir ein Urteil leichter. An der Musik der Landsleute von Jonathan Donahue ist ja auch nichts (naja, fast nichts) fies. Die Band aus Minnesota von der ich hier schon so viel gelesen habe, ist wundervoll melodischer Kammerpop (als das wird Mercury Rev auch gerne bezeichnet), sie erzeugt aber keine Einhorn-Bilder in meinem Kopf.

Ich kam sehr pünktlich zur Hauptgruppe an. Ich stand kaum vor der Bühne, da traten die fünf Musiker auf. Dark Dark Dark bestehen aus Sängerin Nona Marie Invie, Akkordeon-Spieler Walt McClements, Schlagzeuger Mark Trecka, Bassist Adam Wozniak und Klarinettist Marshall LaCount (wie gesagt, es war nur fast nichts fies - und es gab eine Klarinette). Im regulären Teil des Sets saß Nona bis auf anderthalb Lieder links hinter ihrem Piano, nur bei What I needed und der ersten Hälfte von Without you stand die Sängerin vorne und tanzte beim Singen, was ein wenig hölzern wirkte und mich an Castingshows erinnerte. Das stand ihr nicht. Allerdings war What I needed auch eines der schwächeren Stücke des Abends.

Viele Lieder kannte ich nicht. Ich besaß vor dem Konzert nur das 2011er Album Wild go und die EP Bright Bright Bright. Der Großteil der Stücke stammte offenbar vom im Oktober erscheinenden dritten Album der Musiker aus dem Norden der USA.

Besonders gut gefielen mir Something for myself und Wild go vom letzten Album und Hear me, das ich nicht kannte.

Die Musik von Dark Dark Dark lebt vor allem von Nonas Gesang. Zwar singen Marshall und Walt häufig mit, ihre Stimmen bleiben aber im Hintergrund. Auch die von mir so verachtete Klarinette (für ein paar Dollar mehr könnte man doch sicher eine wundervolle Oboe bekommen?!) drängte sich selten auf. Lustigerweise war deren Mikro auch nicht auf den Ausgang des Instruments gerichtet sondern auf die Mitte. Das schien mir ungewöhnlich, erfüllte aber seinen Zweck, die Töne aus der Tröte leise zu halten. Nur selten hörte man viel von ihr. Auch Marshalls Banjo hatte eine ähnliche Funktion, es wurde eher zurückhaltend gespielt, hatte unterstützende Aufgaben. Im Gegensatz dazu dominierten neben dem Klavier vor allem das Akkordeon und die Trompete, beides von Walt gespielt. Bei Hear me spielte Walt beides gleichzeitig! Mit der rechten Hand Trompete, mit der linken Akkordeon! Sensationell! Dazu ein toller Refrain von Nona und Marshall (das einzige Duett, glaube ich) und ein waberndes Shoegaze-Banjo, ein wirklich ganz tolles Stück!

Auch beim folgenden Wild go hatte das Banjo einen ungewöhnlichen Auftritt. Es stand auf seinem Gitarrenständer, und Marshall spielte darauf! Auch ein wundervoller Effekt! Apropos Gitarre: es gab keine! Ich bin nicht sicher, ob ich schon einmal ein Konzert mit so vielen Musikern gesehen habe, bei dem es keine Gitarre gab. Dabei sang Nona irgendwann "drop my guitar," das hatte sie wohl auch getan.

Nach gut einer Stunde spielten Dark Dark Dark im halbvollen Saal der Brotfabrik noch drei Zugaben (von denen ich zwei kannte - u.a. Celebrate mit Nona am Akkordeon) und waren nach gut 75 Minuten um fünf nach zehn fertig. Ich hatte eigentlich keine rechte Lust, heute wegzugehen, war aber durch die vielen Dark Dark Dark Berichte hier zu neugierig. Es hat sich sehr gelohnt, ich hätte etwas verpasst! Im Herbst dann gerne wieder!

Setlist Dark Dark Dark, Brotfabrik, Frankfurt:

01: It's a secret
02: Trouble no more
03: Something for myself
04: Ohne Titel
05: Last time I saw Joe
06: Hear me
07: Wild go
08: What I needed
09: Without you
10: Wild goose chase (Elephant Micah Cover)
11: Who needs who
12: Meet in the dark
13: Daydreaming

14: Celebrate (Z)
15: Bright bright bright (Z)
16: Love lies (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dark Dark Dark, Paris, 23.03.12
- Dark Dark Dark, Paris, 20.06.11
- Dark Dark Dark, Paris, 03.05.11
- Dark Dark Dark, Paris, 24.03.11
- Dark Dark Dark, Paris, 10.11.10




 

Konzerttagebuch © 2010

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