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Mittwoch, 29. März 2017

Dear Reader, Stuttgart, 26.03.17

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Konzert: Dear Reader
Ort: Merlin in Stuttgart
Datum: 26. März 2017
Dauer: 80 min
Zuschauer: 250


Wir beim Konzerttagebuch lieben ja Statistiken. Und so wissen wir, dass dies der 25. Bericht über ein Dear-Reader-Konzert in unserem Blog ist und dass es nur eine Band (*) gibt, über die wir schon mehr berichtet haben. Umso bemerkenswerter ist es, dass es letztens eine recht lange Lücke gab:  Die drei jüngsten Berichte waren aus dem Januar 2014: Gudrun aus Berlin, Jens aus Stuttgart und Christoph aus Frankfurt. Automatisch stellte sich natürlich vor diesem Konzert die (bange) Frage, was hat sich gewandelt bzw. was bleibt altvertraut? Das neue Album war Ende Februar in meiner Post gewesen und hatte mich seitdem fast jeden Tag aufs Neue begeistert. Damit waren meine Hoffnungen auf einen wunderbaren Konzertabend hoch gesteckt.


Der Stuttgarter Termin lag ziemlich am Ende der ausgedehnten Tour durch deutsche Lande und so war schon zu mir vorgedrungen, dass es diesmal eine rein weibliche Band geben würde. Genauer gesagt spielten:

 Evelyn Saylor: Synthesizer, Mandoline, Gesang (New York)
 Stella Veloce: Cello, Tasten, Gesang (Sardinien)
 Olga Nosov: Schlagzeug, Percussion, Gesang (Rußland).


Man könnte freilich sagen, dies sei eher altvertraut, denn die Besetzungen und Vorbands für Dear Reader hatten den einen konstanten Teil, dass sie sich ständig ändern.
 

Cherilyn MacNeil kommentierte die Vorstellung ihrer Band am Abend im Merlin nur trocken mit This is Neukölln for you...! Was sicher wahr ist, aber nur ein Teil der Wahrheit. Denn diese drei Frauen wirkten nicht wie die dazugebuchte Band, sondern machten für mich den übergroßen Teil des Spaßes aus, dieses Konzert zu erleben. Stella Veloce an ihrem interessanten Cello hat auf der Bühne ein klares Standing und brachte Klangfarben in die Mischung ein, die mich wirklich begeisterten. Daneben - ganz rechts auf der Bühne - Olga: Immer beschäftigt, um zwischen den Stücken umzubauen und während der Stücke präzise und energetisch, dabei aber doch filigran und wunderbar vielfältig ein Rhythmusfundament oder einen Klangteppich beizusteuern. 


Wirklich herrlich anzusehen und ich habe das innerlich abgefeiert. An den wichtigen Synthesizern war Evelyn daneben eher unauffällig und ruhig, aber auch diese Rolle ist je eigentlich eine wichtige in einer Gruppe. Wie erwartet, stand im Zentrum des Abends die neue Musik. Die Live-Versionen standen unter der Herausforderung, dass das Album selbst sehr üppig produziert ist und somit nicht 1:1 umsetzbar sein würde. Aber die Lösung überzeugte mich zu 100%. Das war nicht vereinfacht, sondern passend verlebendigt. Es spricht auch für das Konzert und die neue Musik, dass das Publikum ruhig, aufmerksam und begeistert klatschend mitging, obwohl erst an fünfter Stelle und dann kurz vor Ende des Sets bekannte Titel des Vorgängeralbums zu hören waren (wie immer grandios: Victory!).
 

In den Zugaben war dann noch Zeit für einige Klassiker (die aber alle ganz neu klangen in der aktuellen Besetzung) und wir erbettelten uns sogar noch eine zweite Zugabe, die mir derbe ans Herz ging: Eine Lagerfeuerversion von Dancing in the dark - auch schon 2014 in Stuttgart ein gefeierter Schlußpunkt.  Gibt es überhaupt was zu meckern? Cherilyn war im Vergleich zu meinen bisherigen Konzerterlebnissen mit ihr sehr zurückhaltend mit Zwischengeschichten und Erklärungen. Aber in Wirklichkeit war mir das an dem Abend ganz lieb, denn ich hatte ein wenig zu viel Sonne bekommen und hatte das Konzert schon nur mit halber Kraft begonnen.  So ging ich noch vor 22 Uhr mit vollem Herzen und sehr glücklich in die Stuttgarter Frühlingsnacht.

Tolle Fotos und einen ähnlich begeisterten Bericht hat auch der Stuttgarter Gig-Blog.

(*) Just diese Band war übrigens bei meinen ersten zwei Dear Reader Konzerten in Weinheim jeweils im Publikum ...


Setlist:
01: If only is
02: Then, not now
03: Mean well
04: So petty so pathetic
05: Down under, mining
06: Tie me to the ground
07: Oh, the sky!
08: Placate her
09: I know you can hear it
10: Victory
11: Wake him
12: Nothing melodious
13. Took them away
14: The run

15: Left the ground (Z)
16: Heavy (Z)
17: Great white bear (Z)

18: Dancing in the dark (Bruce Springsteen, Z)


Aus unserem Archiv:
Stella Veloce, Karlsruhe, 25.01.13
Dear Reader, Frankfurt, 19.01.14
Dear Reader, Stuttgart, 16.01.14
Dear Reader, Berlin, 01.01.14
Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13
Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
Dear Reader, Paris, 18.01.12
Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
Dear Reader, Wien, 08.10.09
Dear Reader, Marburg, 06.10.09
Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
Dear Reader, Haldern, 15.08.09
Dear Reader, Berlin, 07.08.09
Dear Reader, Paris, 06.05.09
Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
Dear Reader, Köln, 18.04.09
Dear Reader, Paris, 19.02.09
Dear Reader, Köln, 12.02.09



Montag, 20. Januar 2014

Dear Reader, Stuttgart, 16.01.2014

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Konzert: Dear Reader
Vorband: Lost Lander
Ort: Kulturzentrum Merlin, Stuttgart
Datum: 16.01.2014
Dauer: Dear Reader etwa 90 Minuten; Lost Lander 30 Minuten
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, etwa 200



Ein Übermaß an Spontanität gehört nicht zu den bekannten Tugenden der liebreizenden Cherilyn MacNeil. Vielmehr leben die Konzerte ihres Projekts von einer professionellen, genau durchdachten Performance, die den jeweiligen Tourabschnitt wie eine geschickte Theaterinszenierung erscheinen lässt. Ein großer Trumpf ist dabei, dass es MacNeil und ihrer aktuellen Dear Reader-Besetzung mit leichter Hand gelingt, jegliche Routine hinter einem strahlenden Lächeln zu verbergen. Vermutlich denkt jeder, der die englische Gitarristin und Trompeterin Emma Greenfield das erste Mal fragen hört, wie man einen zaubernden Hund nenne („Labrakadabrador“),  dass sie eine Pause zwischen zwei Songs für spontane Scherze nutzen würde. Erst recht, wenn ihr kanadischer Mitmusiker Sam Vance-Law ergänzt: "Und wie nennt man einen Hund, der nicht zaubern kann?" ("Labrador"). Tatsächlich ist es nebensächlich, ob derartige Dinge einstudiert sind, man sollte sich dessen allerdings im Klaren sein. 


Wenig verwunderlich wird die Setlist während einer abgeschlossenen Tour wenn überhaupt nur geringfügig variiert. Dass eine festgeschriebene Songfolge selten aufgebrochen wird, ist überhaupt nichts ungewöhnliches, dennoch freue ich mich persönlich immer über eine Auswahl, die nicht strikt festgelegt erscheint. Als Cherilyn MacNeil nach Abschluss des regulären Sets und der vorgesehenen Zugaben schließlich alleine mit akustischer Gitarre zurückkehrt und  eben dies tut, bin ich positiv überrascht. 


Im Gegensatz zu den ersten beiden Konzerten des Pop Freaks Festivals (Dagobert und Die Höchste Eisenbahn) ist das Merlin zwar nicht ausverkauft, die gut 150 Zuschauer, die sich an einem Donnerstag-Abend im Kulturzentrum im Stuttgarter Westen einfinden, genießen aber ein großes Konzert und verhalten sich derart vorbildlich, dass die junge Südafrikanerin "Stuggi" mit einer besonderen, nicht vorgesehen Zugabe dankt. An den ersten Akkorden erkenne ich „Dancing in the Dark“ und lasse meine natürliche Skepsis hinter mir und mich auf eine ergreifende Cover-Version ein. Wo es der Schottin Amy MacDonald vor eineinhalb Jahren in Metzingen verwehrt blieb mit ihrer Springsteen-Hommage („Born to Run“) bei mir zu punkten, ist MacNeils Fassung in jeder Hinsicht mustergültig. Die schier grenzenlos sympathische Wahl-Berlinerin adaptiert den All Time Favourite mit beachtlicher Feinheit. Erschien mir die während einer TVnoir-Sendung aufgezeichnete Dear Reader-Version noch belanglos, bin ich von der heutigen Performance überwältigt. Der gebürtigen Johannesburgerin gelingt eine unprätentiöse, herrlich reduzierte Interpretation die ihresgleichen sucht. Den Beweis, wie gut ein wenig Spontanität ihren Konzerten tut, liefert sie mühelos mit. Dass der Abend auch zuvor ausgesprochen gut, wenn auch nicht derart denkwürdig war, liegt auf der Hand. 


Bereits die Vorband Lost Lander sorgt mit guten Songs und charismatischen Musikern für einen starken Start. Die Band aus Amerikas liberalen Herz Portland, Oregon, spielt verträumten Indie-Pop mit signifikanter Folknote. Das für die Europa-Tour zum Duo geschrumpfte Quartett glänzt mit Stücken vom von Brent Knopf produzierten Debütalbums „DRRT“ und einigen neuen Songs. Frontmann Matt Sheehy spielt mit entspanntem Lächeln Gitarre, während die eigentliche Keyboarderin Sarah Fennell neben ihrem Hauptinstrument auch für die perkussiven Elemente sorgt. Mit wunderbar eingängigen Liedern wie „Afraid of Summer“ gelingt dem Duo ein äußerst kurzweiliger Auftritt, der an Angus & Julia Stone erinnert.
Ohnehin ist die Güteklasse sowohl der Songs als auch der Performance eine besonders hohe. Im schicken Jackett gibt Sheehy den distinguierten Indie-Sänger in klar abgesteckter Tradition, während die blonde Fennell mit ihrem Jane-Birkin-Pony und einem durchsichtigen Rock zur fleischfarbenen Leggins gekonnt mit Popsängerinnen-Klischees kokettiert und dabei besser aussieht. Dass darüber hinaus die musikalische Qualität stimmt und besonders die Harmonien überzeugen, spricht für sich. Am Ende des halbstündigen Sets bin ich mir sicher, seit langem keine vergleichbar mitreißende Vorband mehr gesehen zu haben. 


Als Dear Reader wenig später mit „27.04.1994“, einer Ode auf die ersten freien Wahlen in Südafrika nach dem Ende der Apartheid, beginnen, zeigt sich augenscheinlich, wie eingespielt diese Besetzung mittlerweile ist. Cherilyn MacNeil ist bekannt für ihre häufigen Bandwechsel, doch halte ich die aktuellen Dear Reader-Musiker für die idealen Kandidaten; zumindest für die Live-Umsetzung ihres ambitionierten Albums „Rivonia“. Schon im vergangenen Mai spielte MacNeil gemeinsam mit Emma Greenfield (Gitarre, Trompete, Gesang), Thomas Fietz (Schlagzeug), Sam Vance-Law (Violine, Akkordeon, Gesang, Keyboards) und Michael Vinne (Bass) ein fantastisches Konzert im Stuttgarter Schocken. Es war meine bis dato glücklichste Begegnung mit Dear Reader. Der heutige Abend übertrifft mein viertes Konzert der Band sogar noch einmal. 


Wenn es eine Gruppe gibt, die perfekt zum Merlin passt, ist es Dear Reader. Nach wenigen Songs wird klar, dass die Setlist im Vergleich zum ersten Teil der „Rivonia“-Tour im vergangenen Jahr nur geringfügig geändert, dafür aber ein wenig durcheinandergewirbelt wurde. Der einstige Opener „Man of the Book“ gefällt an späterer Stelle immer noch genauso gut wie zuvor, auch wenn die Geschichte von ihrem Ur-Ur-Großvater und Gandhi mittlerweile zu häufig erzählt wurde. Neu in der Setlist hingegen ist zum Beispiel „Mole (Mole)“ vom herrlich verschrobenen Konzept-Album „Idealistic Animals“, das ebenso wie „Whale (Boohoo)“ ein echter Höhepunkt des Konzerts ist. 


Mit sympathischem Strahlen im Gesicht erzählt MacNeil, deren Deutsch immer besser zu werden scheint, zwischen den Stücken Geschichten, verleiht dem Konzert eine positive Aura, die glücklich macht. Nach großartigen Liedern des aktuellen Albums, ihres „ganz persönlichen Graceland“, wie ich in meinem Bericht über das letzte Stuttgart-Gastspiel konstatierte, sind es dann doch wieder die Live-Favoriten „Great White Bear“ und „Monkey (Go Home Now)“ zum Schluss, die die ganze musikalische Vielfalt und Klasse der Künstlerin Cherilyn MacNeil offenbaren, die immer wieder mit überraschenden, teils neuen Arrangements ihrer farbenfrohen, extraordinären Popsongs daherkommt. 

„Left the Ground“ und „What We Wanted“ geben abschließend der Band großen Raum, während der Zugaben ihr preziöses, für Popmusiker ungewöhnliches Zusammenspiel zu unterstreichen. Nach „Bend“ sind Zuschauer wie Musiker glücklich. Als MacNeil kurz darauf spontan und überraschend für „Dancing in the Dark“ zurückkehrt, bin ich um einen magischen Konzertmoment reicher. Überhaupt sollten wir alle froh sein, Cherilyn MacNeil in Berlin zu haben. Undenkbar ein Konzertjahr ohne exzessive Dear Reader-Touren; in welcher Besetzung auch immer.



Setlist Dear Reader, Stuttgart:

01: 27.04.1994
02: Down Under, Mining
03: Dearheart
04: Mole (Mole)
05: Good Hope
06: Man of the Book
07: Whale (Boohoo)
08: Took Them Away
09: Cruelty on Beauty on
10: Victory
11: Already Are
12: Great White Bear
13: Monkey (Go Home Now)

14: Left the Ground (Z)
15: What We Wanted (Z)
16: Bend (Z)

17: Dancing in the Dark (Bruce Springsteen-Cover) (Z)


Links:
- aus unserem Archiv:
- Dear Reader, Frankfurt am Main, 19.01.14
- Dear Reader, Berlin, 01.01.14
-
Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13
- Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
- Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
- Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
- Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
- Dear Reader, Paris, 18.01.12
- Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
- Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
- Dear Reader, Wien, 08.10.09
- Dear Reader, Marburg, 06.10.09
- Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
- Dear Reader, Haldern, 15.08.09
- Dear Reader, Berlin, 07.08.09
- Dear Reader, Paris, 06.05.09
- Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
- Dear Reader, Köln, 18.04.09
- Dear Reader, Paris, 19.02.09
- Dear Reader, Köln, 12.02.09



Dear Reader, Frankfurt, 19.01.14

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Konzert: Dear Reader (& Lost Lander)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 19.01.2014
Dauer: Dear Reader 90 min, Lost Lander 35 min
Zuschauer: 250 bis 300 vielleicht



Schon wieder Dear Reader? Die hast Du doch schon zigmal gesehen! Warum denn schon wieder hin? Kommt doch auch ein Tatort!

Also das ist nun wirklich einfach zu beantworten:

1. Dear Reader sind lustiger!


"Wie nennt man einen Labrador, der Zaubertricks kann?" fragte Trompeterin Emma in der Pause vor Great white bear, nachdem Sängerin Cherilyn erklärt hatte, daß sie die Hintergrundgeschichte des Songs nicht mehr erzählen werde. Und wie nennt man den zaubernden Hund? "Einen Labrakadabrador!" Geiger Sam wollte sich da nicht lumpen lassen. "Und wie nennt man einen Labrador, der keine Zaubertricks kann?" - "Labrador!"

2. Dear Reader haben das bessere Vorprogramm (Tagesschau vs. Lost Lander)!


Lost Lander aus Portland sind zum ersten Mal in Deutschland. Die Band, deren Debüt DRRT wie das erste Dear Reader Album von Brent Knopf (Ex-Menomena; Ramona Falls*) produziert wurde, trat heute nur als Duo auf. Die anderen beiden Musiker (Bassist Dave Lowensohn und Schlagzeuger Patrick Hughes) wurden von Keyboarderin Sarah Fennell ersetzt. Mit der rechten Hand spielte Sarah Keyboard, mit der linken trommelte sie - und Bass spielte sie vermutlich auch noch. Und weil das eine Musikerin aus der Heimatstadt so vieler großartigen Bands noch nicht auslastet, begleitete Sarah Sänger und Gitarrist Matt Sheehy auch immer wieder beim Gesang. 


Lost Lander spielten Songs von ihrem Album, drei neue Stücke (die Band arbeitet an der zweiten Platte) und ein Solostück von Matt (bzw. von dessen Projekt Tigerphobia). Es dauerte keine Minute, um mich restlos in Lost Lander zu verlieben. Schon Trough your bones war phänomenal schön - vermutlich das tollste Lied des Sets. Aber auch der Rest, die Single Cold feet, die drei neuen Stücke vom kommenden Album, das fabelhafte Afraid of summer ("I'm afraid of summer cause you know I can't swim") und das Duett Go missing am Ende waren so extrem hörenswert, daß ich mich jetzt schon ärgere, daß Lost Lander vermutlich eine Weile brauchen werden, um wieder nach Deutschland zu kommen.


"Besseres Vorprogramm?" Quatsch! Sensationelles Vorprogramm!

Setlist Lost Lander, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Through your bones
02: Walking on a wire (neu)
03: Thunder Clap (neu)
04: Never go easy (neu)
05: Cold feet
06: Afraid of summer
07: Go missing (Tigerphobia Lied)

3. Dear Reader sind abwechslungsreicher als jeder Tatort!


Was kann an einer Band, die ich bereits zehnmal (ich hatte noch Schlimmeres befürchtet!) gesehen habe, noch abwechslungsreich sein? Ein paar neuere Lieder, aber sonst?


Nun, Dear Reader machen es einem leicht, viele Konzerte zu sehen. ohne ein Sättigungsgefühl zu bekommen. Nach dem Auftritt von Cherilyn MacNeil und Sam Vance-Law beim tollen Phonopop-Festival im vergangenen Sommer in Rüsselsheim, habe ich einmal eine Chronik erstellt, in welchen unterschiedlichen Band-Konstellationen ich Dear Reader schon gesehen habe. Von der (fast) Urbesetzung mit ihren Landsmännern Darryl und Michael (der kam später dazu) über die Aufstellung mit den schwedischen Musikern der Band Marching Band als Partnern bis zum Duo in Rüsselsheim. Als Gastmusiker hatte ich u.a. Martin Wenk von Calexico, mehrere Mitglieder von Get Well Soon oder Brent Knopf erlebt. Die Gefahr, zwei ähnliche Dear Reader Konzerte zu sehen, läuft nur der, der mehrere auf einer Tour guckt. Ansonsten gilt bei jedem Auftitt, daß man nicht weiß, was man bekommt. Nein, falsch. Man weiß, daß man ein vorzügliches Konzert bekommt, man weiß nur nicht wie!


Heute war das Line-Up wieder komplett neu. Cherilyn und Sam wurden von Thomas Fietz am Schlagzeug, Alexander Vinne am Bass und der wundervollen Emma Greenfield an Trompete und Gitarre begleitet. Natürlich bedeuten solche Änderungen in der Band auch immer anders arrangierte Stücke (es sei denn, einer spielt alle anderen Instrumente selbst, so wie Sarah bei Lost Lander). Da ich die Rivonia Tour bisher nur halb (beim Phonopop) erlebt hatte, waren mir die meisten Versionen der Stücke von der dritten Dear Reader Platte neu. Auch wenn mir die abgespeckten Duo-Varianten in Rüsselsheim schon sehr gefallen haben, entfalteten einige Stücke mit Trompete, Bass und Schlagzeug erst ihre volle Wirkung! Am meisten profitierte aber das nach Chumbawamba klingende A capella Lied Victory von der großen Band. Auf Platte ist Victory schön, live von fünf Stimmen gesungen sensationell! 


Auch Bend mit zwei Gitarren war außergewöhnlich schön. Das Lied ist schon immer mein Liebling, und nicht nur meiner, sonst spielte Cherilyn es nicht als letzte Zugabe, mit zwei Gitarren (Cherilyn und Emma) hatte es noch eine Portion Extra-Pfiff! Bei einem anderen alten Liebling war die Trompete wunderbar (Dearheart / wieder Emma). Aber es waren nicht die alten Stücke, die mir so viel Freude gemacht haben, es waren vor allem die von Rivonia! 

Und die Frontfrau!


Cherilyn hat neben all ihren musikalischen Talenten auch bei der Verteilung des Charmes ziemlich oft die Hand gehoben. Sie lächelt und lacht viel und ihre Erklärungen der Songs machen fast gleich viel Spaß wie die Lieder selbst. Heute war sie in außerordentlicher Erzähllaune. Nachdem sie gerade den Hintergrung zu Good hope erklärt hatte, fragt ein Zuschauer, wovon denn das erste Lied 27.04.1994 handele. "Das habe ich noch nie erzählt, da muß ich etwas ausholen." Im April 1994 fand die erste allgemeine, freie Wahl in Südafrika statt. Cherilyn beschrieb, daß es in dem Stück darum ging, wie sich weiße Südafrikaner und ihre Bediensteten, die erstmals wählen durften, nah und gleichzeitig fern waren. Sie waren fast Teil der Familie, allerdings nicht Teil der Gesellschaft, was erst die Wahl änderte.

Einmal in Erzähllaune war sie nicht zu stoppen. "Das habe ich auch noch nicht erzählt. Es ist aber eine längere Geschichte!" - "Wir haben Zeit!" - "Na gut!" oder "Normalerweise sage ich bei dem Lied, guckt bitte bei google nach, wovon es handelt." So erfuhren wir, daß Took them away von der Enttarnung der Liliesleaf Farm des Arthur Goldreich handelt, auf der sich Funktionäre des ANC als Landarbeiter getarnt trafen und ihre Untergrundaktivitäten planten. George, der Nachbarjunge, beobachtete, daß sich dort Menschen unterschiedlicher Hautfarbe trafen und besprachen und meldete dies seinen Eltern. Dies führte zu Verhaftungen der Führung des militärischen Arms des ANC. They took them away erzählt dies aus Georges Perspektive.


Auch die Geschichte von ihrem Ur-Ur-Großvater Albert, der Anwalt war und gemeinsam mit dem ebenfalls in Südafrika als Anwalt tätigen Mahatma Gandhi arbeitete und Ende des 19. Jhd. auf eine Reise ging, während der Gandhi eine Übernachtung in einer Unterkunft ufgrund seiner Hautfarbe verweigert wurde. Cherilyns Ahne bot Gandhi an, mit in seinem Bett zu übernachten. "Ich weiß nicht, wie ein Ur-Ur-Großvater war, ob er ein Rassist war, aber diese Episode lässt mich hoffen, daß er ein guter Mensch war." Und dann habe sie sich vorgestellt, ob die beiden am rechten und linken Rand des Bettes geschlafen oder ob sie sogar gekuschelt hätten. "'Löffelchen gemacht', sagt man" half die Engländerin Emma vollkommen akzentfrei aus.

Es war durch und durch wundervoll mit Dear Reader und Lost Lander. Und obwohl mir so vieles schon neu war, kam auch noch ein Lied, das ich gar nicht kannte. Die erste Zugabe war nämlich Left the ground, ein Bonustitel bei iTunes, den Emma und Cherilyn gemeinsam sangen. "Wir sind die Spice Girls. Can I be Sporty Spice?" fragte die englische Trompeterin. "Ich will keine von denen sein." - "Doch, du bist Cherry Spice!"

Setlist Dear Reader, Brotfabrik, Frankfurt:

01: 27.04.1994
02: Down under, mining
03: Dearheart
04: Mole (Mole)
05: Good hope
06: Man of the book
07: Whale (BooHoo)
08: Took them away
09: Cruelty on beauty
10: Victory
11: Already are
12: Great white bear
13: Monkey (You can go home)

14: Left the ground (Z)
15: What we wanted (Z)
16: Bend (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Dear Reader, Berlin, 01.01.14
-
Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13
- Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
- Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
- Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
- Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
- Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
- Dear Reader, Paris, 18.01.12
- Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
- Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
- Dear Reader, Wien, 08.10.09
- Dear Reader, Marburg, 06.10.09
- Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
- Dear Reader, Haldern, 15.08.09
- Dear Reader, Berlin, 07.08.09
- Dear Reader, Paris, 06.05.09
- Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
- Dear Reader, Köln, 18.04.09
- Dear Reader, Paris, 19.02.09
- Dear Reader, Köln, 12.02.09



* Ramona Falls waren auch bereits Dear Reader Support



Samstag, 4. Januar 2014

Dear Reader & Einar Stray, Berlin, 01.01.14

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Konzert: Neujahrskonzert mit Dear Reader und Einar Stray
Ort: Volksbühne in Berlin
Datum: 1. Januar 2014
Dauer: 70 min + 90 min
Zuschauer: etwa 700 (ausverkauft)

Alle Fotos Richtung Bühne von Markus - vielen Dank!


What we want and what we need are not always agreed.

Einar Stray und Dear Reader am gleichen Abend in einem wunderschönen Theater an einem Tag, wo ich sowieso Urlaub habe - das klingt eher nach einer Wunschvorstellung geboren in einer übermütigen und trunkenen Silvesternacht. Wie könnte ich so eine wunderbare Einladung also ausschlagen? Dazu noch in der Begleitung des genauso vorfreudigen und zum fotographieren ausgerüsteten Markus. Freilich mussten auch ein paar Kleinigkeiten organisiert werden. Karlsruhe liegt nun einmal ganz schön weit weg von Berlin und die Familienreisepläne kamen auch nur auf 3 Std. Autoentfernung an die Volksbühne heran. Umso schöner war es schließlich, mit Markus ganz nah vor der Bühne zu sitzen und zu wissen: Gleich geht es wirklich los.


Beim Hereinkommen in den Theaterraum der Volksbühne hatte mich schon der Geruch ganz sentimental gemacht. Dieser Bühnenstaub-unter-Scheinwerferbeschuss-Gestank meiner Jugend, wo ich noch regelmäßig jeden Monat je einmal im Theaterabo und einmal im Konzertabo (immerhin im Deutschen Nationaltheater in Weimar) "dran" war an den Brettern, die die Welt bedeuten. Zu diesem wohligen Gefühl trug auch bei, dass vor Beginn des Konzertes geläutet wurde und es tatsächlich ganz pünktlich begann. 


Einar Stray mit seinen mir schon aus Köln bekannten Mitmusikern an Geige, Cello, Schlagzeug und Bass begrüßten uns mit einem Streicherintro im Dreiertakt, in das nach und nach erst das Schlagzeug, dann der Bass und schließlich Einar Stray mit Piano und Gesang einstimmten. Es hielt ihn kaum auf seinem Klavierhocker, statt dessen musste er tanzen und sich biegen und unter dem Mikro durchtauchen. Ihm gemäßer waren da die Stücke, wo er den Hocker verlassen durfte und E-Gitarre spielte. Endlich Bewegungsfreiheit!


Die CD Chiaroscuro und die EP For the country laufen bei mir sehr häufig und so waren mir viele der Stücke sehr vertraut. Die Faszination der Livedarbietung lag darin, einerseits die lieb gehaltenen Stücke zu hören (und mit ahhhh im Herzen zu erkennen in den ersten Takten), aber dann doch ganz neu gekleidet oder auf die Spitze getrieben zu finden. So war Caressed deutlich getriebener als gewohnt und Chiaroscuro expressivst auf die Spitze getriebene Essenz des Stückes.


For the country war der erste Moment, in dem ich dachte: Wow, dafür allein hat sich die Anreise gelohnt. Fast nur a capella Satzgesang und eine Strenge und zugleich Milde in diesem desillusionierenden Text auf die Musik übertragen. Da standen uns allen die Tränen in den Augen. Und auch im letzten Stück Teppet Faller, was auf Platte schon die Länge zweier Stücke hat um genug Zeit zu haben in einer explosiven Entladung zu enden, wurden alle ans Herz gewachsenen Stärken des Songs auf der Bühne potenziert. Es ging lange sehr still und rein instrumental - harmonisch und innig zu. Man fragte sich schon ein Stück weit, ob sie uns wirklich so harmlos aus dem Set entlassen wollten.


Aber am Ende wurde einem alles um die Ohren gehauen und ein Schlusspunkt gesetzt, wo eine Bitte um Zugabe wie Tabubruch erschiene. Die andere Faszination des Konzertes war die Freude, ganz neues Material zu hören und z.B. mitzusingen: Will I die inside before I die? Diese Stücke machten alle große Lust auf ein neues Album 2014! 

Einar Stray war sehr zurückhaltend mit Ansagen, aber offensichtlich ein Stück weit gerührt darüber, in so einem schönen Saal das Konzertjahr 2014 beginnen zu können. Das Publikum begleitete das ganze Set enthusiastisch mit Applaus und so waren alle nach den 70 Minuten sehr zufrieden und glücklich.



Schade war allerdings, dass in der Abmischung der Musik das Schlagzeug als klarer Sieger hervorging, und es zu häufig die Frauenstimmen und sogar das Keyboard überdeckte. Die filigrane Musik von Einar Stray kam so ziemlich unter Wert verkauft im Publikum an.


Setlist Einar Stray:
1: Alexander
2: Caressed
3: Polytricks (neu)
4: ?? (neu) 
5: Chiaroscuro
6: For the Country
7: Pockets full of holes (neu)
8: Montreal (neu)
9: We were the core seed
10: Teppet Faller



Ein Aspekt des Konzertortes, der mir sehr gut gefiel, war, dass man im Foyer der Volksbühne sehr gut seine Zeit verbringen konnte. Eine 20 min kurze Pause hätte ich unter normalen Umständen euphorisch begrüßt, aber hier war es fast zu kurz als Gelegenheit, Leute zu treffen und sich umzusehen. Aber schließlich freute ich mich ja auf Dear Reader und war sehr gespannt, welches Programm sie für uns vorbereitet hatten. Am Ende waren es natürlich wieder überwiegend Lieder vom aktuellen Album Rivonia, aber der Anteil der anderen zwei Alben war mit vier Songs vom ersten und drei vom zweiten Album überdurchschnittlich im Vergleich zu meinen letzten Konzerterlebnissen.


Dear Reader erschienen sichtlich stolz und gerührt auf der Bühne. Alle hatten sich grau, silber glitzernd und schwarz gekleidet, was sehr elegant aussah. Cherilyn MacNeil sprach wie gewohnt viel - viel auf deutsch und manchmal lieber englisch und ab und zu war sie doch zu aufgeregt, um ihre Ansage pointiert zu Ende zu bringen. Aber genau das liebe ich an ihren Konzerten. Sie wirkt so unverstellt und nahbar und ganz und gar zu Hause auf der Bühne. Begleitet wurde sie in Berlin wieder von Emma Greenfield mit Trompete und Gesang, die warme Männerstimme von Sam Vance-Law war dabei, der auch Geige spielte, Thomas Fietz am Schlagzeug und Michael Vinne am Bass (und Gesang!).


Die Abmischung des Sounds war hier tadellos. Das ganze Set war eine einzige Freude für mich. Die Stimmen, das Strahlen der Trompete, das klug eingesetzte Schlagzeug und die Spielfreude aller beteiligten waren auf den Punkt präsent. Besonders emotional nahm mich - wie eigentlich immer - Victory mit. Wonach man sich schon fragt, wozu sie alle die Instrumente mitbringen, wenn allein der Gesang so viel vermag. Cherilyn drückte das nach dem tobenden Applaus auch so ähnlich aus begleitet von ihrem unnachahmlichen Lächeln.



Persönliche Highlights waren für mich außerdem Dearheart - da ging mir schon bei der einleitenden Basslinie das Herz auf! Es war auf einen Platz weit vorn im Set gerückt, was sicher auch als Geschenk ans Publikum gemeint war. Das Lied vom Wal mit dem verrückten Akkordeonrutscher am Anfang ging mir auch wieder ordentlich in die Beine und ins Herz.  Der Monkey am Ende der regulären Setlist wurde ordentlich durchgerockt, was ihm gut bekam.


Die drei Zugaben waren dann den Beziehungsliedern reserviert. Da fiel mir auf, wie besonders es doch eigentlich ist, ein Set zu haben, wo es um mehr als das Herzensdurcheinander zwischen Menschen geht (was sich natürlich auch nicht erschöpft und uns im echten Leben ja auch ordentlich beschäftigt - ich will das nicht trivialisieren). 

Was blieb nach satten drei Stunden voll schönster Musik an diesem Neujahrsabend: ein übervolles Herz, Freude darüber, dass ich mich auf den Weg gemacht hatte und Dankbarkeit an alle Zuhörer, die genauso gebannt und fasziniert wie ich das Konzert genossen hatten. Wir ließen den Abend noch im Foyer ausklingen und fragten uns, welcher Konzertabend 2014 wohl dieses Neujahrskonzert toppen würde.


Setlist Dear Reader:
1: 27. 04. 1994
2: Down under, mining
3: Dearheart
4: Mole
5: Good hope
6: Man of the book
7: Whale
8: Took them away
9: Cruelty on Beauty on
10: Back from the dead
11: Victory
12: Already are
13: Great white Bear
14: Monkey

15: Left the ground
16: What we wanted
17: Bend




Aus unserem Archiv:
- Einar Stray, Köln, 20.06.2013 (Gudrun)

- Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.2013 (Christoph)
- Dear Reader, Freiburg, 21.05.2013 (Gudrun) 
- Dear Reader, Stuttgart, 13.05.2013 (Jens)
- Dear Reader & Herrenmagazin, Freiburg, 13.11.2012 (Gudrun)
- Dear Reader & Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.2012 (Ursula)
- Dear Reader & Get Well Soon, Düsseldorf, 04.10.2012 (Gudrun)
- Dear Reader, Mannheim, 19.05.2012
- Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.2012 
- Dear Reader & Laura Gibson, Paris, 18.01.2012 
- Dear Reader, Weinheim, 16.09.2011 
- Dear Reader, Frankfurt, 11.09.2011 
- Dear Reader & Ramona Falls, Wien, 08.10.2009
- Dear Reader & Ramona Falls, Marburg, 06.10.2009
- Dear Reader & Ramona Falls, Düsseldorf, 28.09.2009 
- Dear Reader, Haldern, 15.08.2009 
- Dear Reader, Berlin, 07.08.2009 
- Dear Reader & Get Well Soon, Paris, 06.05.2009 
- Dear Reader & Get Well Soon, Nijmengen, 25.04.2009 
- Dear Reader, Köln, 18.04.2009 
- Dear Reader, Paris, 19.02.2009 
- Dear Reader & Sophie, Köln, 12.02.2009


Mittwoch, 17. Juli 2013

Dear Reader, Rüsselsheim, 13.07.13

1 Kommentare

Konzert: Dear Reader
Ort: altes Opelwerk, Rüsselsheim (Phono Pop Festival)
Datum:13.07.2013
Dauer:gut 45 min



Weil ich vor ein paar Wochen ein schlimmes Konzert der Editors in Duisburg erlebt und beschrieben habe, wurde mir meine mangelnde Bereitschaft zu Veränderungen vorgeworfen. Die Editors seien nicht etwa schlecht geworden, mir fehle nur der Horizont, den neuen Stil zu würdigen. Da Musik eine sehr ernste Sache ist, habe ich mir diese Kritik zu Herzen genommen und nachgedacht. Die Arctic Monkeys und die Strokes sind also doch gar nicht doofer geworden und warten darauf, von mir neu entdeckt zu werden. Veränderung ist toll! 

Erstaunlicherweise galt mein engstirniger Frühwerkkonservativismus bei Dear Reader nie. Es ist kein Geheimnis, daß ich den ersten Konzerten als Trio bzw. Quartett nachtrauere, allerdings war auch keiner der Auftritte später reizlos - nur anders:


- bei meinem ersten Konzert als Support von Sophia im Februar 2009 bestand Dear Reader aus Sängerin Cherilyn, Keyboarder Darryl und Schlagzeuger Michael. Eines der wichtigsten Stilelemente waren geloopte Liedsequenzen

- ein paar Monate später im Gebäude 9 kam die südafrikanische Geigerin Jean-Louise dazu, die

- eine Woche später in Nijmegen wieder weg war. Dafür standen mehrere Mitglieder von Get Well Soon mit Dear Reader auf der Bühne

- beim Berlinfestival im gleichen Sommer spielte Jean-Louise wieder mit - mein viertes Mal Dear Reader war das zweite in gleicher Aufstellung


- genau wie in Haldern 2009 (nur die Frisuren waren neu)

- einen Monat später spielte ihr Produzent Brent Knopf zusätzlich Gitarre

- zwischen September 09 und September 11 haben Dear Reader und ich uns nicht gesehen

- trotzdem erkannten wir uns wieder. Allerdings begleiteten jetzt zwei Schweden (die als Marching Band in der Hauptsache auftreten), Jean-Louise und Calexico-Trompeter Martin Wenk die mittlerweile in Berlin lebende Cherilyn

- ein paar Monate später in Wiesbaden ersetzte ein Alex aus Südafrika Martin Wenk

- und ohne Martin oder Alex bestritt die Band das Maifeld Derby 2012

Ganz schön herausfordernd für einen Veränderungsmuffel wie mich.


Im Adamshof, dem Bereich gleich hinter dem Opel-Werkstor, in dem die kleine Bühne aufgebaut war, trat Dear Reader als Duo, bestehend aus Cherilyn und Geiger Sam Vance-Law auf und - um es nach der langen Einleitung nicht zu spannend zu machen - es war auch in dieser Form vorzüglich!

Cherilyn, deren auffälligste Eigenschaft neben ihren musikalischen Talenten ihr
unglaublich charmantes Lächeln ist, stellte sich ans Keyboard, Sam mit Geige auf die andere Seite.

Mich verblüffte, wie wunderbar die Stimmen der beiden zusammenpassen. Sam singt sehr tief, hatte aber bei den ersten Stücken meist nur kleinere Gesangspassagen. Zum ersten Mal richtig trumpfte er bei Whale (BooHoo) vom zweiten Album auf. Großartig klang das!

Gegen Ende des Sets kamen zwei "echte" Duette nacheinander (in denen jeweils Pferde vorkamen), das "Cowboy-Lied" Already are und sensationelle a cappella Stück Victory, das mich an Chumbawamba erinnerte. 


Das kurze Programm bestand hauptsächlich aus Stücken vom aktuellen Album Rivonia; der Platte, auf der Cherilyn Geschichten aus ihrer südafrikanischen Heimat erzählt. Durch die Kürze des Sets blieb wenig Raum für alte Lieblinge. Kein Eisbär, auch wenn er mehrfach gewünscht wurde, aber auch kein Bend. Das Konzert wurde dadurch jedoch keinen Deut schlechter. Die neuen Stücke, die mir zum Teil noch nicht sehr vertraut sind, waren in dieser komprimierten Instrumentierung ganz großartig. Machmal loopte die Sängerin ihre Stimme wieder, manchmal sang Sam bloß "ba da da"s, und es klang immer toll!

Ich habe wirklich nicht gedacht, daß mich Dear Reader immer noch so begeistern können. Daß ich keines der Konzerte der aktuellen Tour gesehen hatte, hatte mir bis Samstag nicht gefehlt, jetzt schon!


Setlist Dear Reader, Phono Pop Festival, Rüsselsheim:

01: Man of the book
02: Took them away
03: Dearheart
04: Good hope
05: Down under, mining
06: Whale (BooHoo)
07: Camel (Not black nor white but camel)
08: From now on
09: Already are
10: Victory
11: What we wanted

Links:

- aus unserem Archiv:
Dear Reader, Freiburg, 21.05.13
Dear Reader, Stuttgart, 13.05.13
Dear Reader, Freiburg, 13.11.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Düsseldorf, 04.10.12
Dear Reader, Mannheim, 19.05.12
Dear Reader, Wiesbaden, 24.01.12
Dear Reader, Paris, 18.01.12
Dear Reader, Weinheim, 15.09.11
Dear Reader, Frankfurt, 11.09.11
Dear Reader, Wien, 08.10.09
Dear Reader, Marburg, 06.10.09
Dear Reader, Düsseldorf, 28.09.09
Dear Reader, Haldern, 15.08.09
Dear Reader, Berlin, 07.08.09
Dear Reader, Paris, 06.05.09
Dear Reader, Nijmegen, 25.04.09
Dear Reader, Köln, 18.04.09
Dear Reader, Paris, 19.02.09
Dear Reader, Köln, 12.02.09 




Donnerstag, 23. Mai 2013

Dear Reader, Freiburg, 21.05.13

2 Kommentare

Konzert: Dear Reader mit Support Mine
Datum:  21. Mai 2013
Ort: Schmitz Katze in Freiburg (i. Br.)
Dauer: 40 min + 80 min
Zuschauer: etwa 150


Gestern ertappte ich mich etwas verwundert dabei, wie ich nach viel zu wenigen Stunden Nachtschlaf durch den (inzwischen intensiv verhassten) Regen zur Arbeit radelte und dabei still vergnügt (!) vor mich hinsang: Will you be my giding star...

Was war denn da passiert?
 
Dear Reader verfolge ich nun schon einige Jahre. Die erste CD - ein grandioses Überraschungsdebut hatte mich 2009 zum Livererlebnis im Weinheimer Cafe Central verführt (das war in dem Teil meines Lebens, wo es nur 1-2 Indie-Konzerte pro Jahr in meinem Abendprogramm gab). Danach gab es ein beglückendes Wiedersehen zwei Jahre später am gleichen Ort. Im vergangenen Jahr trafen wir uns in Düsseldorf zum New Fall Festival und im Rahmen der TVNoir Tour mit Herrenmagazin in Freiburger Jazzhaus. Jedes Mal war die bunte Truppe um Cherilyn MacNeil neu gemischt, aber die ansteckend gut gelaunte und temperamentvolle Musikerin aus Südafrika im Zentrum Garant für beste Unterhaltung.


Da die Rivonia-Tour (wieder!) einen Bogen um Karlsruhe macht, stand ich erneut vor der Entscheidung, wohin ich mich wenden sollte. Freiburg kam mir schon zeitig als geeignet vor, dann sah es für Pfingstsonntag und Saarbrücken sehr gut aus, aber schließlich wurde es doch der Ausflug nach Freiburg.

Schmitz Katze besuchte ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal und vergebe volle Punktzahl: Genutzt wird hier die Werkstatt einer ehemaligen Tankstelle. Der Hof lud mit improvisierten Sitzgelegenheiten zum verweilen ein, Einlass und Bar waren mit sehr zuvorkommenden Personen besetzt, die Größe des Clubs passte mir gut und schon vor dem Konzert gab es Gelegenheit, "alle" persönlich zu treffen. Nämlich 


1)  Mine, die ich für den Abend gar nicht erwartet hatte (wohl aber für Sonntag in der Guten Stube in Darmstadt)  und der ich ein persönliches Toi Toi Toi mitgeben konnte,

2) Cherilyn MacNeil herself und Emma Greenfield beim zurechtzupfen vor dem Spiegel - wir konnten ein bisschen unsere Vorfreude teilen,

3) den freundlichen Tourmanager, dem ich noch ein extra Dankeschön schuldig war und 

4) Sam Vance-Law  (der Mann mit diesem samtigen Bariton auf der aktuellen Dear Reader Scheibe) im Venue mit seinem Laptop auf dem Schoß. 


Überdies hatte ich nette und überraschende Begleitung. Was will man mehr?

Es sollte laut Venue um 20 Uhr mit Musik losgehen. Zu diesem Zeitpunkt nutzten aber die meisten noch das verhältnismäßig schöne Wetter zum draußen sitzen und schwatzen. Als Beginn wurde am Einlass 20:30 Uhr gehandelt. Jedoch schon 20:20 Uhr betrat Mine ganz unprätentiös die Bühne, begann mit Hinterher ziemlich rasant ihr Set und hatte - obwohl sicher kaum jemandem bekannt - damit das Publikum sofort und 100% auf ihrer Seite.  Das allgemeine Gefühl der positiven Überraschung war förmlich mit Händen zu greifen!


Im unvermeidlichen Vergleich mit dem Karlsruher Auftritt vor 10 Tagen war das Set etwas umfangreicher und die Künstlerin wirkte noch souveräner auf der Bühne. Ich stand diesmal viel näher und hatte sehr viel Spaß daran, ihre Spielfreude und die musikalische Begeisterung hautnah zu erleben. Meine Vorfreude auf das Konzert am 15. Juni in Mannheim ist damit noch ein Stück weit gestiegen. Es fällt mir schwer, besondere Momente ihres Programms herauszupicken, weil jedes Stück seine eigenen Stärken hatte. Großen Spaß gab es wieder mit dem Synthesizer. Trotz der Warnung dass es etwas gewöhnungsbedürftig klingen wird, ging mit den ersten Akkorden kaum unterdrücktes hysterisches Gekicher durch die Reihen, bis man sich auf den Song eingelassen hatte. Natürlich gab es auch hier am Schluss tosenden Applaus.


Für Dear Reader wurde in der Pause einiges auf der Bühne neu sortiert bevor es 21:30 Uhr weitergehen konnte. Der Zuschauerraum war inzwischen richtig gut gefüllt und die Spannung mit Händen zu greifen. Auch ich war sehr gespannt. Die ersten Proben vom Album Rivonia hatte ich schon 2012 in Düsseldorf und dann in Freiburg in sehr akustischer Besetzung gehört - zusammen mit den zugehörigen Geschichten. Inzwischen ist die CD erschienen und hat bei mir voll eingeschlagen. 


Nun würde ich also die live-Umsetzung erleben. Auf die Bühne kamen neben Cherilyn und Sam (die Besetzung, die ich zuletzt zweimal gesehen hatte) noch Emma und zwei Herren an Schlagzeug und Bass. Eine richtig "normale" Bandbesetzung. Cherilyn begann das Set mit einer überschwänglichen Begrüßung und der Geschichte zu Man of the Book. Später streute sie ebenfalls immer wieder Geschichten ein, wobei ihre Augen eigentlich am meisten erzählt haben: von Freude über das Publikum, Freude, die Musik zu teilen und Freude am Zusammenspiel mit den anderen Musikern. Ihr Enthusiasmus ist einfach ansteckend! 


Das Programm würde erwartungsgemäß natürlich vor allem Rivonia-Stücke umfassen, aber die gewohnten und ja auch lieb gehaltenen Stücken würden gewiss nicht ganz fehlen. Die vorab photographisch stibitzte Setliste bestätigte diese Erwartung. Als schließlich die Basslinie von Dearheart einsetzte, merkte man wie eine Welle durch das Publikum lief. Bisher waren alle freundlich mitgegangen und hatten auch die Ansagen beschmunzelt. Aber nun lochte Cherilyn final ein. Ähnlich euphorisch reagierte das Publikum auch auf Man und Whale vom Album Idealistic Animals und Great White Bear vom Debutalbum.


Aber natürlich fanden auch die Rivonia Stücke ihr Publikum. Nur war hier nicht die Vertrautheit und die "ich weiß was jetzt schönes kommt" Stimmung zu erwarten. Musikalisch war es rund und erfrischend. Die Stimmen von Emma und Sam mischten sich ganz wunderbar mit Cherilyns, die Trompete setzte immer wieder glänzende Akzente und als großes und sehr anrührendes Finale gab es (wie auf der CD) das a-capella Stück Victory, wo auch der Mann am Bass als Bass einstimmte und das Gesangsquartett professionell vervollständigte. Mir standen Tränen in den Augen.


Freilich kam die Band nicht um Zugaben herum. Cherilyn flaxte ein bisschen, ob man sich vielleicht mit nur zwei Stücken zufrieden geben könnte, da es inzwischen unglaublich warm geworden war und wir alle zusammen schon seit einer halben Stunde wie in der Sauna schwitzten. Klar, dass die Wärme kein Argument war, um auch nur fünf Minuten eines solchen Konzertes zu verpassen. So gab es noch ein Stück von Rivonia und anschließend Bend und den unnachahmlichen Monkey als Rausschmeißer.


Im Vergleich aller fünf Konzerte war dies tatsächlich der rundeste Abend für mich. Wieder gab es sehr viel zu lachen und zu schmunzeln und die gute Atmosphäre in der Band war förmlich mit Händen zu greifen. Aber es war auch alles in allem reifer und fertiger und tief anrührend. 

Wie es sich wohl anfühlt als Südafrikanerin in Berlin ein neues zu Hause zu finden? Ein Stück weit erzählen dies das neue Album und die Konzerte von  Dear Reader.

Für uns in jedem Fall ein großes Glück, sie so nah und unter uns zu haben - ich bin nach dem Konzert so beschwingt nach Hause gefahren, dass ich noch am nächsten Morgen die Euphorie nicht ganz abgelegt hatte.


Setlist, Mine in Freiburg:

01: Hinterher
02: Nicht für mich
03: Du scheinst
04: Mein Freund
05: Raus Raus Raus
06: Herzverleih
07: Kann sie es tragen
08: Lauter
09: Der Mond lacht


Setlist, Dear Reader in Freiburg:

01: Man Of The Book
02: Took Them Away
03: Dearheart
04: Good Hope
05: 27.04.1994
06: Down Under, Mining
07: Whale (BooHoo)
08: Cruelty On Beauty On
09: From Now On
10: Man (Idealistic Animal)
11: Back From The Dead
12: Already Are
13: Great White Bear
14: Victory

15: Teller Of Truths (Z)
16: Bend (Z)
17: Monkey (Go Home Now) (Z)

 
Multimediafutter:

Mehr Fotos aus Freiburg auf flickr
Bericht Dear Reader Mai 2013 in Stuttgart mit allen Archivlinks 

Bericht Mine  in Karlsruhe 

Das GANZE Konzert in München als Videomitschnitt
(alle links zu Videos oben von dort - Danke MissMoreMusic)


Weitere Tourtermine Dear Reader 2013:

23.05 Paris, Le Nouveau Casino
24.05 Köln, Gebäude 9
26.05 Münster, Gleis 22
27.05 Hamburg, Uebel & Gefährlich
28.05 Berlin, Lido
13.07. Rüsselsheim, Phono Pop Festival
02.08. Jena, Kulturarena



 

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